Entzug von Benzodiazepin erfolgreich beendet

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Hallo,

habe mir alles durchgelesen, und finde es bewundernswert, wie ihr das durchgezogen habt, trotz aller Hochs und Tiefs- ihr seid clean!!!

Da das auch mein Ziel ist, würde ich mich gern einklinken, wenn ich darf.
Kurz zu mir: ich bin 35, und nehme mein halbes Leben lang Drogen und/oder Medikamente. Letztes Jahr habe ich zuhause Anfang des Jahres einen Heroin- und Ende des Jahres einen Methadonentzug geschafft. Die Jahre zuvor war ich schwerst abhängig von Tramadol (starkes Schmerzmittel), was mir bei Überdosierung einige Krampfanfälle beschert hat- vom letzten habe ich eine 6cm-Narbe überm Auge zurückbehalten, seitdem bin ich fertig mit dem Zeug.

Aber nach meinem Methaentzug bin ich zum Jahreswechsel wieder auf die Benzos gekommen (ist nicht das erste Mal in meiner Suchtgeschichte, hab vor einigen Jahren schonmal drei Monate Benzoentzug gemacht, damals von Bromazepam). Jetzt bin ich auf Tavor. Und, weil halt auch mein Körper durch die Sucht leider einiges gewöhnt ist, bin zum Schluss auf einer Tagesdosis von 15-20mg gewesen (und habe damit meinen Alltag durchgezogen!). Natürlich hatte ich in den letzten Monaten immer mal versucht, aufzuhören. Was mit Rückfällen und weiterer Dosissteigerung geendet hat.

Bis ich mir am 15.5. gesagt habe, dass es so nicht weitergehen kann, und zu einem Arzt gegangen bin, mit dem ich den Entzug ambulant durchführen will (ich kann hier zuhause grad nicht weg). Ich möchte gerne so schnell wie möglich runter von dem Zeug, weil ich bisher nie die Disziplin zum ausschleichen hatte. Aber wir gehen natürlich langsam, Schritt für Schritt. Ich habe schon mehr reduziert, als ich sollte. Wir sind bei 15mg gestartet, und ich bin jetzt freiwillig schon bei 8!! Bisher gehts auch echt noch, bin zwar depressiv und antriebslos, oft sehr müde, aber nichts gegen das, was ich mit Benzos schon erlebt habe- und wohl noch erleben werde.

Vielleicht motiviert es mich, hier zu schreiben, wie es weitergeht, gerade weil hier schon Leute sind, die es geschafft haben, auf Null zu kommen. Ich bin so stolz auf meine 8mg- aber hey- es sind 8 MG !!! Immernoch wahnsinnig zuviel.

Aber ich arbeite daran :)

Liebe Grüße

Lisbeth
 
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Hallo Lisbeth, es berührt mich, wenn ich lese, dass mit deinem jungen Alter bereits ein halbes Leben mit Drogen zu tun hattest. Ich denke, du hast da schon sehr viel durchgemacht. Ich habe keine Ahnung, wie ein Heroin-Entzug bzw. Metha-Entzug verläuft, aber in Sachen Benzo kann ich dir meine Erfahrungswerte mitteilen. Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Entzug ist meines Erachtens, dass du freiwillig aus tiefer Überzeugung davon loskommen willst, was du wohl auch willst. Dein Bezug zu diesem Teufelszeug ist sehr wichtig! Dir sollte klar sein, und das nicht nur intellektuell, sondern auch aus tiefer Überzeugung, dass dieses Zeug dir dein Leben wegnimmt, es ist in keinster Weise eine Hilfe. Es übernimmt die Steuerung für dich, es ist verantwortlich für unzählige schöne Momente in deinem Leben, die du durch dieses Zeug nicht erleben konntest. Es sollte dir klar sein, dass du Geduld brauchst, viel Geduld. Wenn du zu schnell reduzierst, dann besteht die Gefahr eines Rebound-Syndroms, was ich vor ca. 1 Jahr und 4 Monaten selbst erlebt hatte. Panikattacke bei einer Besprechung, ich habe über ein halbes Jahr gebraucht, bis ich meinem Kopf und meinem Körper wieder einigermaßen vertraut habe. Es sollte dir auch klar sein, warum du Drogen bzw. Medikamente genommen hast, dies ist wichtig, dass du weisst, was du an deiner Denkweise, an deinen Ansichten, an deinem Leben verändern musst, damit nicht wieder in diese "Horror-Endlosschleife" gerätst. Bei dieser großen Menge an Benzo ist es sicherlich wichtig, dass du eine sehr gute ärztliche Betreuung hast. Ich wünsche dir viel Kraft und, wie erwähnt, vieeel Geduld, außerdem den Mut die vielen schwierigen Momente durchzustehen! Ich wünsche dir die Überzeugung, dass du das Zeug loswerden willst, damit du dein Leben endlich selbst steuern kannst! Liebe Grüße BEN
 

Bei Drogensucht kann Hypnosetherapie hilfreich sein

Wenn man wirklich aufhören möchte, Drogen zu konsumieren, dann ist die aufdeckende Hypnosetherapie eines der effektivsten Instrument, diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Sie wirkt da, wo die Sucht entstanden ist, nämlich im Unterbewusstsein.

Wenn erst einmal die emotionale Ursache für das Suchtverhalten aufgefunden und neutralisiert wurde, kann der Mensch wieder suchtfrei leben. Aber wie erwähnt muss der Wunsch nach Veränderung vorhanden sein. Niemand kann mit Hypnose dazu gezwungen werden, etwas zu tun, was er selber nicht wirklich möchte.
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01.06.12
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Hallo und vielen lieben Dank für Deine schnelle Antwort!

Hihi, "junges Alter", das hab ich auch schon länger nicht mehr gehört :)

Du triffst es mit Deinen Aussagen genau auf den Punkt, daran merkt man Deine Erfahrung mit dem Zeug. Aber vieles, was Du schreibst, ist eben genau mein Problem. IM MOMENT habe ich diese tiefe Überzeugung, dass ich das Tavor in meinem Leben nicht mehr haben will. Zuviele Filmrisse, zuviel Abstumpfung, und an so große Mengen ranzukommen war permanenter Stress, und immer die Angst, es klappt mal nicht. Aber ich hatte schon öfter im Leben solche MOMENTE. Das ging dann eine Weile gut, ich war paar Monate clean, und mir ging es oft auch echt ganz gut- da verlor ich regelmäßig wieder den Respekt vor dem Zeug, und dachte, och, machste Dir mal nen schönen Abend....wieder abhängig werden wollte ich natürlich nie. Aber jedes verdammte neue Mal denke ich, ich kriege den kontrollierten Konsum hin, obwohl mein Intellekt weiß, dass das, zumindest nach so einer Suchtkarriere, einfach nicht geht. Ein Arzt hat mal gesagt "Ein bisschen Heroin gibts nicht"- und das kann man gut übertragen, finde ich. Das "bisschen Heroin" habe ich sogar geschafft dieses Jahr, nur an zwei, drei Wochenenden mal- aber klar, ich hab mich ansonsten ja auch mit dem Tavor zugedröhnt.

Ich glaube, meine Persönlichkeit hat sich nach den vielen Suchtjahren einfach verändert. Ich bin nicht mehr so straight und klar, wie ich früher mal war. Dazu habe ich mich und andere einfach schon zu oft belogen.

Dazu kommen noch ein paar psychische "Defekte" :), ach, wollte ich mich beschreiben, ich müsste wohl einen Roman schreiben. Ich bin ein Mensch mit zwei Gesichtern, und spiele beide Rollen (fast) perfekt. Die gute, erfolgreiche, brave, und die "böse", süchtige, krasse. Was sicherlich mit meiner Borderlinestörung zusammenhängt, wie vieles andere auch. Auch die Sucht. Da ist die Frage nach Henne und Ei. Dazu kommen ein paar schwere Depressionen, eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung.....aber wer mich nur "von außen" kennt, würde das niemals denken.

Und der dunkle Anteil in mir hat verdammt viel Macht. War ich zu lange "gut und brav", kommt die Suche nach einem neuen Kick fast unweigerlich. Und ich habe viel probiert- aber noch keinen Ausgleich gefunden, der mir nicht schadet.

Jetzt hör ich aber auf, Dich/Euch vollzutexten, gerade kommt nur noch dazu, dass ich wegen einer Knieverletzung krankgeschrieben bin, und mir langweilig ist (was ich sonst von mir nicht kenne, liegt sicher am Benzoentzug). Also ich werde ansonsten natürlich auch schreiben, aber vielleicht nicht mehr so viel :)

LG Lisbeth
 
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Liebe Lisbeth, ich denke nicht, dass du jemanden zutextest. Ich denke, jeder, der mit solchen Mitteln zu tun hat, hatte einmal einen Grund, dass es dazu gekommen ist. Meist haben die Gründe mit Ängsten, innerer Unruhe oder ähnliches zu tun. Ich kann von mir sagen, dass ich in meiner Vergangenheit auch sehr viele dunkle "Mächte" in mir hatte und teils noch habe. Ich habe natürlich auch ein gewisses Doppelleben geführt, wobei ich nicht den Druck hatte das Benzo "schwarz" zu besorgen, da ich zum Glück keine Toleranzentwicklung hatte oder ich zumindest den Konsum innerhalb der 12 Jahre nie wirklich viel gesteigert hätte. Trotzdem musste ich lernen, dass die intelligente Entscheidung nur die sein kann, die mich mein Leben wieder selbst bestimmen lässt und dies ist nunmal nur ohne Benzo möglich. Trotzdem konnte ich im ersten Jahr die Menge des Diazepam nicht wirklich groß reduzieren, aber mittels guten Büchern, einer super ärztlichen Begleitung und einen Psychotherapie konnte ich an meinem Denken und Handeln arbeiten. Heute habe ich das Bewusstsein, dass man negative Erlebnisse nicht verhindern kann, man muss dies akzeptieren und best möglich damit umgehen. Ich weiss, dass man sein Handeln nur ändern kann, wenn man theoretisches Wissen verinnerlicht und genau in diesen schwierigen Momenten, in denen es fast nicht möglich ist, aber genau dann, muss man das "neue" Handeln anwenden - genau dann, wenn es an schwierigsten ist. Man braucht eine Menge Überzeugung und Disziplin. Außerdem ist es absolut wichtig einen Alltag zu schaffen, der mit der Zeit Spass macht und die Bedürfnisse befriedigt. All das braucht Zeit, vor allem wenn das Gefühlsleben aktuell auf die theoretisch schönen Dinge gar nicht mehr anspricht. Aber wenn du den für dich richtigen Weg findest und einen festen Glauben hast, dann wird sich mit der Zeit dein Gefühlsleben positiv verändern. ABER man braucht viel Geduld!!! Auch beim Reduzieren, mache es nicht zu schnell, lieber langsamer, aber dafür zum aushalten und einer reduzierten Gefahr eines Rückfalls bzw. eines Rebound-Syndroms.
Ich will dir nicht erzählen, wie du dein Leben zurück bekommst, jeder muss sein eigenes Tempo und seinen eigenen Weg finden, aber ich wollte dir kurz aufzeigen, worauf es bei meinem Weg ankommt, der bestimmt noch einige Zeit zur Stabilisierung braucht. Liebe Grüße BEN
 
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01.06.12
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Ach Ben, ich kann das immer gar nicht verstehen, so Leute mit einer Niedrigdosis-abhängigkeit. Klar sind wir beide süchtig- aber auf eine ganz andere Art, nicht nur andere Gründe, auch anderes Verhalten.

Was glaubst Du, wie viele Psycho-Bücher in meinem Regal stehen, krankheits-spezifische und allgemeine....und ich lese sie, gewinne Erkenntnisse, finde gewisse Gedankengänge toll- und doch verinnerliche ich das alles nicht.

Ich bin in Psychotherapie, war auch schon mehrfach stationär. Ich bin in einem speziellen Therapieprogramm was sich DBT (dialektisch behaviorale Therapie) nennt, und besonders für Borderline, neuerdings wohl auch für Suchtpatienten angewendet wird. Dieses Therapieprogramm will unter gewissen Voraussetzungen alternative Fertigkeiten vermitteln, mit Krisen umzugehen usw., vermischt mit Achtsamkeitstraining aus dem Zen und einigem mehr. Diese Gruppentherapie hab ich seit ungefähr zwei Jahren wöchentlich. Aber auch das habe ich erst in Ansätzen verinnerlicht, obwohl ich mich nicht als intellektuell minderbemittelt einschätze.

Dazu die darauf abgestimmte Einzeltherapie. Aber ich musste schon öfters hören, ob ich denn wirklich aufhören WILL? Die Therapeuten finden bei mir immer wieder eine Hintertür, und die ist wirklich vorhanden, auch wenn ich in motivierten Zeiten, so wie jetzt, denke, dass ich die Kraft habe, sie zu verschließen.

Ich habe meine Therapeuten schon öfter angelogen, wenn ich Suchtrückfälle hatte, weil ich dann aus dem Programm fliege, was mir, wenn auch langsam, doch hilft. Da gehen die halt leider sehr streng vor (ist sicher richtig, wobei ich finde, das Rückfall zur Krankheit gehört). Von meinem aktuellen Tavorkonsum weiß die Thera auch nichts. Aber ich muss in unregelmäßigen Abständen UK´s machen. Wenn da Benzos drin sind, ist das gar nicht gut. Aus dieser Angst heraus will ich so schnell wie möglich runter (und aus der Angst, meine Disziplin verlieren zu können und die Schachtel in meiner Schreibtischschublade in drei Tagen zu leeren).

Aber ich hab natürlich sehr viel Angst vor den Entzugserscheinungen, vor allem psychisch hauts mich dann nochmal richtig runter. Und die Müdigkeit und antriebslosigkeit machts mir schwer, meinen ziemlich straffen Alltag durchzuziehen.

Momentan gehts echt. Bin gespannt, bis zu welcher Dosis es auch so bleibt.....

Liebe Grüße

Liz
 
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Liebe Liz, ehrlich gesagt, weiss ich moment nicht was ich dir raten könnte!? Du hast wirklich schon echt viel hinter dir, da sind meine Probleme doch wohl eher klein. Wie du geschrieben hast, hast du echt schon viele verschiedene Richtungen probiert. Aber eins musst du irgendwann verinnerlichen: Du musst das Zeug dauerhaft loswerden, sonst kannst du deine anderen Probleme nicht in den Griff bekommen. Wenn du dies verinnerlichen kannst, spielt die Zeit, die du dafür brauchst keine große Rolle. Ich habe für mich gelernt, dass das Wort GEDULD für unser einen eine ganz andere Tragweite hat. Wenn wir von Tag zu Tag schauen oder gar von Woche zu Woche, dann sehen wir nicht wirklich einen großen Unterschied, wenn wir das "Zeug" verringert haben bzw. ganz los sind, im Gegenteil, zuerst wird es ja noch schlimmer, aber dann kam zumindest bei mir der Zeitpunkt, wo ich Fortschritte gesehen habe, die aber auch nur, wenn ich teils mehrere Wochen rückblicke. Für mich lag der Schlüssel zur Veränderung im Bezug zu dem Benzo und im Bezug zu mir selbst und zum Tod. Liebe Grüße BEN
 
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01.06.12
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Hi nochmal,
viel raten kannst Du mir da natürlich nicht- das "erwarte" ich auch gar nicht. Ich dachte nur, hier wären einige Betroffene, die gerade am absetzen sind oder es gerade geschafft haben, und die sich etwas Mut zusprechen können, wenns mal hakt. Oder wenn man mal ne Frage hat, die einem nur ein Konsument beantworten kann. (oder, ja ich gebs zu, wenn man auch mal einfach ein bisschen bemitleidet werden will :eek:) ). Und vor allem, wo ich meine Fortschritte reinschreiben kann. Ich führe schon eine Liste darüber, die ich mir oft anschaue, aber so ein Forum ist natürlich was anderes. Und den Bezug zu mir selbst....den such ich derweil noch :D
Liebe Grüße
Liz
 

Schoggitortemitrahm

Ich denk du bist weniger Hirnkrank als du selbst von dir denkst, sonst könntest du nicht so schreiben. Vielleicht ein bissl sensibel, ok. :D

Ich wünsche dir viel :kraft:

lg
 
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hehe ich lasse nur erstmal meine gute und kluge Seite raus, aber wart mal ab!! :hexe:
 
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Hi Liz, so ähnlich, wie von dir beschrieben, nutze ich das Forum doch auch! Eine ausführliche Liste, wie es mir geht, was ich so mache und zu mir nehme führe ich seit Ende 2010 auch. Das ist sehr hilfreich. Mittlerweile ist die Datei ziemlich groß und voll mit den in der Zeit recherchierten Informationen. Melde dich einfach, wenn du Hilfe oder ein Ohr brauchst! Liebe Grüße BEN
 
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01.06.12
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So, und was ich in meinem letzten posting eher als Witz gemeint hatte, ist heute prompt so eine Art Realität geworden. Ein ganz typisches Beispiel ICH einfach.

Den Vormittag über hing ich schon ziemlich durch, antriebslos aber unruhig, depressiv aber irgendwie auch völlig emotionslos. Dachte noch darüber nach, dass heute der letzte Tag auf 8mg ist- und morgen gehts dann auf 7 runter. Hab mich so einigermaßen tapfer durch die Zeit gequält.

Bis dann ein Anruf kam, der meine gesamte Wochenendplanung über den Haufen geschmissen hat (natürlich auch alles im Zusammenhang mit dem Thema Sucht, ein anderer Süchtiger mit kurzfristigen Problemen halt, die natürlich einfach wichtiger SIND), mit dem Endergebnis, dass ich die ganze Zeit alleine hier sitzen werde, eingeschränk wegen dem blöden Knie und zu stolz, mich so kurzfristig noch bei irgendwelchen Freunden einzuladen (wobei die meisten weiter weg wohnen, und ich wg Knie nicht fahren kann).

Eben am Tel erklärte ich dem anderen Süchtigen noch groß, dass er keinen Mist machen soll und das ein ewiges Drogen- und Dosis- Hin- und Her nicht gut für seinen Körper ist, zumal er vorgestern einen Krampfanfall hatte. Dann lege ich auf und pfeife mir übergangslos 3 2,5er Tavor ein. Eine hatte ich morgens schon genommen, eine eben noch (die normale Mittagsdosis), macht also 12,5mg.

Und kurz darauf habe ich das Gefühl, dass es überhaupt nicht schlimm ist, ein WE allein zu sein, hab einiges zu machen (und durch die hohe Dosis auch die Kraft dafür, hoffe nur, mein Knie wird nicht überstrapaziert), und in mir fühlt es sich wieder hell und leicht an.

Könnte ich die Tavor wieder rauskotzen- ich täte es jetzt. Das ging so schnell, dass es mir angst macht. Denn genau davor hatte ich Angst.

Was bedeutet das jetzt für meinen Entzug? Meint Ihr, das wirft mich zurück? Oder soll ich versuchen, morgen einfach mit den 7mg weiterzumachen?

Ich habe Angst, dass ich, einmal wieder angefangen, nicht mehr aufhören kann. Heute noch mehr nehme, und morgen auch wieder, so mit dem Gefühl, dass jetzt eh schon alles egal ist. Klar, das ist es nicht, Vernunft weiß das. Aber wer erzählt das meinen Gefühlen???

etwas frustriert

Lisbeth
 
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01.06.12
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Btw, Ben, wieso lese ich Deinen Beitrag erst jetzt? Vorhin, wo ich meinen angefangen habe zu schreiben, war er nicht da. So verpeilt bin ich noch nicht. Ehrlich. Das verwirrt mich jetzt. Und so viele Ohren, wie ich gerade bräuchte, hast Du gar nicht :D
 
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17.04.12
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Hallo Lisbeth S, Deine Geschichte hört sich ja auch nicht so toll an. Aber egal, was uns in die Abhängigkeit zu den Benzos getrieben hat, eins ist klar, wir alle wollten perfekt sein, keiner sollte unsere sensible Seite wahrnehmen, nach außen unglaublich cool und nicht angreifbar. Aber das war und teilweise ist ja noch unser Dilemma, die Leistung im Job mußte stimmen. Ängste zugeben, nie im Leben. Unpäßlichkeiten taugten nicht für die Öffentlichkeit - der ideale Nährboden für die verdammten Benzos. Meines Erachtens nach bist Du ja doch schon soweit, dass Du merkst, dass dieses Gift Dich verändert.
Nicht Dein Umfeld und Deine Erkenntnisse verändern Dich, sondern dieses Gift.
Das ist schon ein großer Schritt zu erkennen, dass w i r das nicht hinnehmen wollen. Daraus resultiert, "das mache ich nicht mehr mit". So war der Weg bei mir, ich sagte mir vor 16 Monaten,( Prof. Ashtons Betrachtungen haben mir dabei sehr geholfen) die Dosis reduzieren und dann von Alprazolam auf Diazepam umsteigen. Hierfür habe ich mir sehr viel Zeit gelassen, über 12 Monate. Bis ich eine Woche vor Ostern die letzten 0,5 mg Diazepam genommen habe. Die Reduzierungen habe ich schrittweise jeweils um 0,5 mg vorgenommen, jeweils eine Reduzierung ca. 2 mituntern auch 4 Wochen beibehalten. Ich habe über 20 Jahre dieses Gift genommen und war stolz auf jede Reduzierung. Ich war im letzten Jahr meiner Sucht auf 1,5 mg Alprazolam, das entspricht 50 mg Diazepam. Eine Dosis, bei der es mir merklich immer etwas schlechter ging, aber das habe ich wohl schon alles beschrieben. Nach dem Weglassen der letzten Dosis (ein entscheidener Schritt) war ich sehr stolz auf mich und habe mich auf die zu erwartenden Entzugserscheinungen eingestellt. Man sagt ja wohl, ein Heroinentzug ist nicht so schwer, wie der von Benzos. Wie dem auch sei. Ich habe mich dem gestellt, weil ich nicht mehr wollte, dass dieses Gift über mein Befinden bestimmt.Selbstverständlich ist es jetzt teilweise sehr schwer, die Nebenwirkungen zu ertragen, aber für mich gab es nur diesen einen Weg. Ich hoffe sehr, dass ich vor einem Rückfall gefeit bin, da ich zu viel Angst vor einem neuen Entzug haben könnte. Aber man kann nicht im voraus bestimmen, wohin mal die Reise geht. Aber aus meiner jetzigen Sicht ist das tägliche Leben und Erleben nur ohne Benzos wirklich lebenswert. Deshalb habe ich mich auch geweigert, zusätzliche Medikamente zu nehmen, die nzwar den Entzug erleichtern sollen, jedoch auch wieder in eine Abhängigkeit führen.
Liebe Lisbeth, glaube mir, Du wirst unglaublich viel für Dich erreichen, wenn Du diese "Fremdbestimmung" für Dein weiteres Leben nicht mehr zulässt. Aber wie BEN eben auch schreibt: Der entscheidenen Schritt bist Du, Dein Wollen und die daraus wachsende Kraft, diesen Weg zu gehen.
Liebe "schwesterliche" Grüße
Marlene
 
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Btw, Ben, wieso lese ich Deinen Beitrag erst jetzt? Vorhin, wo ich meinen angefangen habe zu schreiben, war er nicht da. So verpeilt bin ich noch nicht. Ehrlich. Das verwirrt mich jetzt. Und so viele Ohren, wie ich gerade bräuchte, hast Du gar nicht :D
Hallo Liz, es kommt doch nicht auf die Anzahl der Ohren an :rolleyes: Wichtiger ist doch, dass die Ohren bzw. der Zuhörer zuhört und vlt. etwas helfen kann. Dafür reichen bestimmt 2 Ohren ;)
Was heisst eigtl. Btw? Ich steh bestimmt auf dem Schlauch...... :eek:)
Zu deiner heutigen Dosissteigerung würde ich vermuten, dass dies nicht wirklich das Ende des Entzugs ist. Ich denke eher, du solltest versuchen wieder eine Menge zu finden, mit welcher du gut zurecht kommst. Möglicher Weise kannst du morgen wieder 8 mg nehmen, aber ich bin kein Arzt, somit ist dies nur eine Einschätzung. Als ich noch Diazepam genommen hatte, war es für mich erst einmal wichtig mein Leben dauerhaft mit einer Dosierung zu meistern, welche nur verhindern sollte, dass ich Entzugserscheinungen bekomme und ich normal arbeiten gehen kann. Wie schon erwähnt, ich habe nicht viel genommen, ich kam mit 3,5 mg ein halbes Jahr aus. Voraussetzung war, dass ich mich im halben Jahr davor innerlich darauf eingestellt hatte. Nach diesem besagten halben Jahr hatte ich noch eine Zeit Probleme. In dieser Zeit (ca. 4 Wochen) nahm ich vereinzelt auch mal 5 mg oder 2x sogar auch 2 Tavor. An den folgenden Tagen hatte ich die Tagesdosis für ca. 3 Tage um 1,5 mg von 3,5 mg auf 5 mg erhöht und bin dann in 0,5 mg Schritten und im Wochenrhythmus wieder runter bis auf die 3,5 mg. ABER wie gesagt, ich habe geringe Mengen konsumiert. Wie das bei 8 bzw. 12 mg Tavor aussieht, kann ich nicht sagen - 10 mg Tavor entsprechen 100 mg Diazepam.
Zu dem vorgenannten Zeitpunkt landete ich mit Verdacht auf Herzprobleme für ein paar Tage im Krankenhaus. Danach begann ich dann das Problem richtig anzugehen, mit allen Konsequenzen, auch mit dem Risiko meinen Arbeitsplatz zu verlieren, da ich wusste, dass ich nun monatelang ausfallen werde. Aber ich denke, wenn notwendig, wie in meinem Fall, muss man auch so konsequent sein. Aber es nutzt nichts, wenn du innerlich nicht überzeugt bist und keinen Plan. Möglicher Weise führt dies dazu, dass man nun Zeit hat, aber sich nur mit der Krankheit beschäftigt bzw. mit dem Leerlauf, anstatt mit dem Gesund werden.
Mein Plan war erst mal Zeit zu bekommen, also zum Arzt und krank melden. Danach mit dem Psychiater reden, wie ich am besten vorgehe. Ich hatte mich gesundheitlich komplett durchchecken lassen, damit ich wusste, dass mein Körper den anstehenden Belastungen gewachsen ist und dass die kommenden Symptome keinen Krankheitswert haben. Dann schrittweise Reduzierung. Dann darauf eingestellt, inkl. meinem Umfeld, dass nun eine schwierige Zeit kommt. Ich war die erste Woche nur zu Hause, viel im Bett. Wichtig war die für weitere Entwicklung langsam aber sicher Schritte zu unternehmen, die mich forderten aber nicht überforderten. Schritte um wieder mehr in Kontakt mit der Außenwelt in zu kommen. Mediation, Bücher, Entspannung und Sport, fest in die Woche eingebaut, halfen und helfen mir dabei. Wichtig war die Einstellung, zu wissen, dass es Momente geben wird, die seeeeehr holprig werden (Angst, nervös, schwitzen, Tinnitus, Gereiztheit, Schwindel, und und und... ), aber die ich aushalten muss, wenn ich wieder normal leben möchte.
Ich kann nur wiederholen, für mich war es sehr wichtig mir die Zeit zu nehmen um meine innere Einstellung zu überdenken und daran zu arbeiten und danach die konsequente Reduzierung mit einem gestärkten Verständnis für das, was auf einen zukommt.

Ich denke, an deiner Stelle würde ich morgen versuchen meinen Arzt zu erreichen oder eine Suchtberatung, um herauszufinden, ob ich morgen wieder 12 mg nehmen muss oder ob ich mit 10 bzw. 8 mg weiter machen kann.

Liebe Grüße BEN
 
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12.03.12
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So, und was ich in meinem letzten posting eher als Witz gemeint hatte, ist heute prompt so eine Art Realität geworden. Ein ganz typisches Beispiel ICH einfach.

.....mit dem Endergebnis, dass ich die ganze Zeit alleine hier sitzen werde, eingeschränk wegen dem blöden Knie und zu stolz, mich so kurzfristig noch bei irgendwelchen Freunden einzuladen (wobei die meisten weiter weg wohnen, und ich wg Knie nicht fahren kann).
.........

etwas frustriert

Lisbeth
Liebe Liz, werf deinen Stolz über Bord und rufe Freunde an. Dafür sind doch Freunde da! Spring über deinen Schatten, der Stolz gibt dir nichts, er behindert doch nur ;) BEN

.... und so geschmeidig und geradelinig, wie sich das bei uns teilweise liest, ist es sicherlich auch nicht. Wenn es leicht wäre, könnte es ja auch jeder. Du hast schon so viel ausgehalten, durch die Drogen oder Medikamente, dann schaffst du es auch für DEIN Leben ohne dieses Zeug!!! Lass den Kopf nicht hängen, Frustration gehört dazu und das haben auch "nicht Abhängige".
 
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01.06.12
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Huh, so viele Antworten, schön :)

Erstmal huhu an Marlene, schön, dass Du Dich auch meldest! Die Sätze in Deinem ersten Absatz könnten von mir geschríeben worden sein. Das ist die eine Seite meiner Sucht. Dem Alltag standzuhalten, stark zu sein, weiterzumachen.
Bei mir kommt halt noch die Komponente dazu, dass ich einfach gerne "dicht" bin, weil, wenn ich was genommen habe, ich nicht mehr ich bin, und ich mich dann besser aktzeptieren kann. Klingt jetzt völlig strange, aber so bin ich :) Und natürlcih der Spaßfaktor, die positiven Emotionen, Antriebssteigerung, Lust auf alles, ich krieg viel mehr geregelt usw....das geht dann ne Weile gut- und zack bin ich wieder in der Sucht- und bis zu welcher Dosis ich mich steigern musste, um einfach nur noch eingermaßen normal zu sein, ist nicht gerade rühmlich.

Marlene, wie hast Du es geschafft, so diszipliniert zu bleiben, und immer nur die vorgegebene Dosis zu nehmen, über sooo eine lange Zeit! Das zeigt unheimliche Stärke (man sagt ja oft über Suchtis, sie seien labile, schwache Persönlihckeiten, aber ich habe da oft ganz anderes erfahren, auch wenn es in Teilen schon auch stimmt). Ich bewundere das, ehrlich.

Ja, und gegen den Mist hier würde ich echt den Heroinentzug bevorzugen!!!

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du den eingeschlagenen Weg weitergehen kannst- und das traue ich Dir absolut zu!

Liebe Grüße

Liz
 
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28.05.12
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Hallo Ihr , ich lese mit , aber das was hier von Liss kommt ist schon ziemlich schonungslos offenbart , wie es jedem von uns gehen kann. M.E. nur eine Frage der Zeit.
Liss , danke für Deine Offenheit die uns phasenweise stark erscheinen lässt , wenn wir es auch gar nicht sind.
Glaube mir : Erst wenn Du den denkbar schlimmst eintreffenden Schmerz antizipieren kannst , alles das vorwegnimmst , was Dich erwarten kann , erst dann hast Du die Basis für den Ausstieg! Du must vorbereitet sein. Dich darf keine Qual unwissend treffen. Du bist gesund : es ist nur der Entzug.
Vielleicht sollten wir hier alle auch ein wenig masochistisch sein und den Schmerz zulassen. ... Er vergeht wieder , auch wenn die Situationen hoffnungslos erscheinen.
List sich leicht. Aber Du kommst da nicht anders raus.
Hab heute mal wieder einen 6.ten Tag ohne. Mir gehts gut. Mir wirds schlechter gehen. Ich weiss das. Ich bin vorbereitet.
Schönen Sonntag. Ich denke an Euch.
 
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01.06.12
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So, nu zu Ben :D
Also das mit den Ohren kannst Du nicht beurteilen, glaube ich :p) Die haben alle nur eine gewisse Kapazität ;). Aber dieses Problem kriegen wir wohl nicht gelöst ;)

Btw heißt btw by the way, blöd, hätte es auch auf deutsch sagen können.

Nein, ich will auch nicht, dass das heute der Anfang vom Ende meines Entzugs wird (wie leider schon so oft). Ich versuchs morgen wie geplant mit 7mg. Gehts mir scheiße, erhöhe ich auf 8.

Ich finde, das fiese ist, dass die Entzugserscheinungen so wellenweise kommen. Da ist mir der Heroinentzug sympathischer, da weiß man, was auf einem zukommt, geht da durch und fertig. Und er ist zeitlich begrenzt. Aber dieser diffuse Benzoentzug...find ich fast noch schlimmer als Methadon, obwohl da die körperliche Komponente noch ausgeprägter war.

Hmm ja der Kontakt zur Außenwelt, da schreibst du was. Sucht macht einsam. Und man verliert den Bezug zu vielen Personen und Aktivitäten. Bei mir ist das Problem, dass die wenigsten von meiner Sucht wissen, ich den anderen gegenüber während des Benzoentzugs also einigermaßen Normalität vorspielen muss. Das kostet halt Kraft, die eigentlich gerade nicht da ist, oder für anderes gebraucht wird.
Ich hab mal ein Buch gelesen über eine Frau, die auch viel gelogen hat und im Inneren gar nicht der Mensch war, der sie vorgegeben hatte, zu sein. Und die hat dann zum Schluss alle zusammengetrommelt und sozusagen ein Generalouting gemacht. Und danach hatten sie trotzdem noch alle lieb. Aber sowas funktioniert halt leider nur in Büchern.

Ich bin froh über den Tag, wo es mir heute endlich mal wieder gut geht. Was morgen wird, weiß ich noch nicht. Und ich rufe keine Freunde an, ich werde es doch fertigbringen, Samstag Abend alleine zuhause zu sitzen?!? :idee:

PS mein Arzt hat leider morgen zu -> Sonntag :)

Liebe Grüße

Lisbeth
 
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12.03.12
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Liebe Liz, ich denke da spricht keiner gerne drüber...Sucht, Medikamentenabhängigkeit, psychisch labil, nicht belastber (ohne). In meinem Freundeskreis wissen seit ca. 1 1/2 Jahren alle, dass ich Probleme habe und auch welche. Es hat sich keiner zurückgezogen und wenn, ich würde wohl auch dann auf diese Person verzichten können. Natürlich kann da nicht jeder mit umgehen, aber ich denke, es gibt mehr Menschen mit Problemen als ich annehme...weil... wer spricht schon darüber.
Ja, das funktionieren... ich denke es hängt mit dem Soll und Ist zusammen. Man versucht zu sein, wie andere es erwarten, aber das ist nicht was zu einem passt. So würde ich es aus meiner Sicht beurteilen. Seit ich mir mehr und mehr bewusst werde, was ich will und wer ich wohl auch bin, umso weniger will ich sein, wie ich sein soll. Komischer Weise tut es meinem Umfeld gar nicht weh. Ich habe das Gefühl, dass meine Freunde es eher gerne sehen, dass es mir wieder etwas besser geht.
Ja, ja..die Ärzte: Ich habe das Glück, dass mein begleitender Arzt auch Samstags und Sonntags ab und an praktiziert, außerdem hat er mir angeboten, dass ich ihn anrufen kann, er ruft dann zurück. Bis jetzt habe ich dies noch nicht gebraucht. Alternativ gibt es von meiner Krankenkasse eine Nummer, die man 24 Stunden anrufen kann, und man hat am anderen Ende einen Arzt, der mir im Bedarfsfall Fragen beantwortet. Ansonsten ist man schon ziemlich hilflos, gerade am Wochenende. Aber in der Not würde ich auch mal ins Krankenhaus gehen.
Ich wünsche dir, trotz allem, einen schönen Abend!!! Liebe Grüße BEN

btw: Mein begleitender Arzt ist in Landau, ich bin echt froh, dass ich an ihn geraten bin. Evtl. ist es für dich auch interessant, falls du nicht allzu weit weg in Hessen wohnst.
 
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