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Niemand würde bestreiten, dass sie wirken, wie alle biologischen Mittel.Aber das ist doch nicht dasselbe wie eine Placebo- oder Nocebo-Wirkung. Davon spricht man, wenn überhaupt keine chemisch-biologischen Wege bekannt sind, wie eine Substanz oder eine Behandlung eine Wirkung auf das Zielsymptom haben könnte.
Sie können auch Depressionen mildern.
Aber das ist etwas anderes, als du es meinst, sorry!
Oder:Fakt ist, dass der durchschnittliche Unterschied zwischen Placebos und SSRIs (und auch anderen Antidepressiva) in Meta-Analysen klein ist: circa 2 Punkte auf der zur Messung der Schwere einer Depression genutzten Hamilton-Skala (Cipriani et al., 2018; Kirsch et al., 2008; Stone et al., 2022; zusammenfassend Padberg, 2018). Das ist ein marginaler Unterschied mit Blick auf die insgesamt 52 Punkte, die man auf der Skala erreichen kann und in der Praxis vermutlich kaum spürbar (Hengartner u. Plöderl, 2021). Neuere Studien widersprechen auch der verbreiteten Ansicht, Antidepressiva wirkten erst bei schweren Depressionen richtig gut. So fand sich in der groß angelegten Analyse von Stone et al. (2022) ein nur minimaler Wirksamkeitszuwachs bei zunehmender Schwere der Depression. Selbst bei schweren Depressionen war der Unterschied zwischen Antidepressiva und Placebo im Schnitt nur circa 3 Punkte groß und damit noch immer nicht klinisch bedeutsam (vgl. zusammenfassend Padberg, 2022). Auch die Behauptung, Antidepressiva schützten vor Suiziden, ist empirisch nicht belegt (Plöderl in Aftab, 2023). Viel berichtet wurde nach der Studie von Stone et al. (2022) über eine mögliche Untergruppe von Patienten, die überdurchschnittlich stark von den Medikamenten profitieren würde. Aber der Prozentsatz an Patienten, die deutlich von Antidepressiva gegenüber Placebo profitieren, beträgt maximal 11 %, vermutlich weniger.4 Und man weiß nicht, welche Patienten dies sein sollen. Zugleich werden 89 % der Behandelten Nebenwirkungen ausgesetzt, ohne von der Einnahme zu profitieren
Zudem wuchs mit der Schwere der Depression der Vorsprung der Antidepressiva vor den Placebos. Das scheint oberflächlich betrachtet die etablierte Praxis zu stützen, spätestens
ab einer mittelschweren Depression zur Einnahme von Antidepressiva zu raten. Allerdings stieg die Symptomreduktion nur um 0,09 Punkte pro Punkt auf der Hamilton-Skala an, den die Teilnehmer*innen zu Beginn der Studien erzielt hatten. Der Abstand zwischen Antidepressivum und Placebo bei einem*einer Klient*in mit 29,6 HAMD-Punkten zu Beginn der Studie (also einer qua Definition schweren Depression) betrug dann 2,5 Punkte. Ein moderater Unterschied, der noch unter dem bereits recht niederschwelligen – von der FDA selbst aufgestellten – Kriterium für Wirksamkeit von 3 Punkten liegt. Die Annahme,
Antidepressiva wirkten bei schweren Depressionen stärker, ist also nicht vollkommen falsch. Es bleibt jedoch fraglich, ob dieser Unterschied klinisch relevant ist (vgl. Plöderl & Hengartner, 2019; Hengartner & Plöderl, 2021).
Der Kirsch-/FDA-Studie zufolge gibt es keinen zwingenden Grund, Antidepressiva für schwer depressive Menschen mit größerem Nachdruck zu empfehlen.
Zu Studien über Mikrodosierung lohnt es sich, eine KI zu fragen:
Das Thema „Entblindung“ (also das Durchbrechen der Verblindung: Teilnehmer*innen oder Forschende erkennen, wer aktive Substanz bekommt und wer Placebo) bei der Mikro-Dosierung von Psychedelika wie Psilocybin oder LSD ist ein wichtiger methodischer Schwachpunkt vieler Studien — und deshalb liest man oft, dass es nicht möglich oder zumindest sehr schwierig ist, eine saubere Verblindung durchzuführen. Hier sind die Gründe in verständlicher Form:eine saubere Verblindung, wie sie im Idealfall bei klinischen Medikamentenstudien gefordert wird, ist bei Mikrodosierung von Psychedelika extrem schwierig umzusetzen. Das erschwert, mit hoher Zuverlässigkeit zu sagen, ob beobachtete Wirkungen von der Substanz selbst stammen oder von Erwartungen, Placeboeffekten oder von Entblindung.
Hauptgründe, warum Verblindung schwer ist
- Wirkung ist subjektiv wahrnehmbar
Selbst bei kleinen Dosen („Mikrodosen“) können psychoaktive Effekte auftreten (z. B. verändertes Gefühl, Energie, Stimmung) — und wenn Teilnehmer*innen spüren „ich fühle was“, vermuten sie: „Ich habe die aktive Substanz bekommen“. Das nennt man „funktionale Entblindung“. (Biology Insights (biologyinsights.com/microdosing-clinical-trials-what-the-science-reveals/))
Ein konkretes Beispiel: In einer Studie mit getrockneten Psilocybin-Pilzen wurden subjektive Effekte nur dann signifikant, wenn Teilnehmende richtig erkannten, ob sie Aktivstoff oder Placebo bekommen haben. (PubMed) - Placebo-Effekt & Erwartungen sind stark
Wenn Teilnehmer*innen glauben, eine aktive Substanz zu nehmen, steigt deren Erwartung („Ich werde mich besser fühlen“) — das kann bereits die Wirkung beeinflussen. Wenn sie hingegen spüren, dass sie Placebo vielleicht bekommen haben, kann sich das ebenfalls auswirken. Studien zeigen, dass viele Effekte von Mikrodosierung durch Erwartungen erklärt werden könnten. (The Beckley Foundation) - Aktives Placebo schwer zu finden
Ein „echtes“ Placebo, das sich in allen wahrnehmbaren Effekten nicht von der aktiven Substanz unterscheidet (z. B. leichte Veränderungen von Stimmung, Wahrnehmung), ist bei Psychedelika enorm schwierig. Denn die aktiven Substanzen zeigen oft spürbare Effekte – und ein Placebo müsste so wirken wie eine sehr schwache Dosis, aber ohne die eigentliche Substanzwirkung. (SpringerLink) - Blinding‐Integrität wird oft nicht überprüft
In vielen Studien zur Mikrodosierung wird nicht systematisch erfasst, wie gut die Verblindung funktioniert hat (z. B. wie viele richtig erraten haben, ob sie Aktivstoff bekommen haben). Eine Überprüfung der Verblindung („blinding integrity“) fehlt oft oder zeigt, dass die Verblindung durchbrochen wurde. Zum Beispiel: In einer Review wurde festgestellt, dass in 11 von 12 Studien, die Verblindung bewertet haben, Teilnehmer*innen zumindest in einer Bedingung mit höherer Wahrscheinlichkeit als Zufall erraten haben, ob sie Aktivstoff erhielten. (PMC) - Dosis, Population & Setting variieren stark
Die Dosen sind sehr gering und oft unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, aber dennoch können kleine Effekte auftreten; zudem sind Studien oft klein, mit gesunden Probanden (nicht klinische Populationen), und das Setting weicht vom realen Mikrodosieren ab – alles erschwert kontrollierte Vergleiche. (PubMed)
Was bedeutet das konkret?
- Wenn Teilnehmer*innen merken, dass sie sich anders fühlen → sie vermuten, sie haben die Substanz → ihre Erwartungen steigen → das kann die wahrgenommenen Effekte verstärken.
- Wenn eine Studie keinen Unterschied zwischen Aktivstoff und Placebo zeigt, könnte das auch daran liegen, dass die Verblindung unzureichend war und Erwartungen die Wirkung überlagert haben.
- Manche Forscher*innen sagen daher, dass Mikrodosierung Studien-Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind, gerade weil die Methode des „doppelblind Placebo-kontrolliert“ kaum ideal umgesetzt ist. (PubMed)
Fazit
Es ist also nicht so, dass man immer gar keine Verblindung hinbekommt — sondern: eine saubere Verblindung, wie sie im Idealfall bei klinischen Medikamentenstudien gefordert wird, ist bei Mikrodosierung von Psychedelika extrem schwierig umzusetzen. Das erschwert, mit hoher Zuverlässigkeit zu sagen, ob beobachtete Wirkungen von der Substanz selbst stammen oder von Erwartungen, Placeboeffekten oder von Entblindung.Wenn du möchtest, kann ich nach aktuellen Studien schauen, die versuchen, diese Verblindungsproblematik kreativer zu lösen — und wir können gemeinsam schauen, wie stark der Evidenz-Stand heute ist. Möchtest du das?
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