Der Satz stammt somit von Platon und man darf wie schon gesagt auch davon ausgehen, daß es seine eigene philosophische Position widerspiegelt... eigentlich ist das sogar völlig klar.
Also das ist historisch gar nicht so klar wie du tust. In den Dialogen ist es ja die Figur Sokrates, die das sagt, nicht Platon, der als Autor spricht. Das nennt man in der Forschung übrigens das "sokratische Problem" und das wird seit Jahrhunderten diskutiert, also so eindeutig wie du das darstellst, ist das gar nicht.
Und selbst wenn es wirklich Platons eigene Position gewesen wäre - was soll das dann für ein Beleg sein? - Platon hatte ja keinen Zugang zu moderner Medizin oder Statistik oder kontrollierten Studien, das war reine philosophische Spekulation, keine empirische Erkenntnis.
Und das mit "entspricht zu 100% meiner Erfahrung", ehrlich gesagt ist das für mich genau der Bestätigungsfehler von dem ich wiederholt geschrieben hatte...
Persönliche Erfahrung fühlt sich zwar überzeugend an, ist aber halt echt anfällig für genau die Verzerrungen - Erinnerung, Erwartung, selektive Wahrnehmung usw. Wenn man eine Theorie deswegen für wahr hält, weil sie zur eigenen Erfahrung passt, dann ist die am Ende gar nicht mehr widerlegbar, egal was passiert, passt sie irgendwie immer. Und da liegt eben der Knackpunkt...
Ich lese zur Zeit, wenn ich Zeit habe, Sheldrake: Der Wissenschaftswahn. Da finden sich ähnliche Gedanken.
Sheldrake kenn ich, der ist tatsächlich Biologe von der Ausbildung her, aber seine Theorie mit der morphischen Resonanz ist doch außerhalb von dem was in der Wissenschaft anerkannt ist, und seine eigenen Experimente dazu, zum Beispiel mit den Hunden die angeblich telepathisch spüren, wann ihr Besitzer nach Hause kommt, haben unter sauberen Testbedingungen eben nicht standgehalten.
Und dieses Argument mit den Messfehlern, die aussortiert werden, das find ich ehrlich gesagt schon ein bisschen ein Strohmann. Wissenschaft sortiert doch nicht Sachen aus, weil sie nicht ins Weltbild passen, sondern weil Messfehler und zufällige Schwankungen einfach real sind und deswegen kontrolliert werden müssen, mit Kontrollgruppen, Verblindung usw. Wenn ein Effekt wirklich echt wäre, würde er doch bei einer sauberen Methodik nicht einfach verschwinden, sondern eher deutlicher werden.
Und das mit der KI, die angeblich Fortschritt blockiert, weil sie sich am Paradigma orientieren würde - das hat doch eigentlich gar nix mit der eigentlichen Frage zu tun. Die eigentliche Frage war doch, ob es für Reiki oder eben Wunderheilung überprüfbare Belege gibt, und wenn man dann stattdessen anfängt zu sagen, die ganze Methode oder Institution, die das prüft, ist eh voreingenommen, dann ist das für mich eher ein Ablenken von der eigentlichen Frage als eine Antwort drauf.
Und wenn ich mir die Wissenschaftsgeschichte anschaue, also bei Kopernikus oder Einstein, da kam der Wandel ja auch nicht, weil die gesagt haben, die Wissenschaft ist voreingenommen, sondern weil sie überprüfbare Ergebnisse hatten, die dem alten vorigen Modell widersprochen haben. Wenn Sheldrake oder generell Reiki sowas hätten, wäre das doch die beste Munition, die man haben könnte, aber genau das fehlt eben bisher.