Admins persönlicher Religionsentscheid

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Hallo Ikosaeder

Du sollst nicht aus der Bibel zitieren dürfen? Warum nicht? Wir haben hier ganze Threads mit Bibelzitaten.
Es wird sicher so sein, dass viele Menschen mit der Kirche gut klar kommen. Ob sie nur denken, dass es ihnen unter dem Strich gutes tut oder ob es für sie wirklich so ist ... spielt da keine Rolle. Jeder steht in seinem Leben an einem anderen Punkt. Und ich will nicht etwa missionieren, sondern nehme mir - wie Du schreibst - nur meine persönliche Freiheit und schreibe darüber.

Gruss, Marcel
 
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Hallo Marcel!

Mit seinen Dienern? Na, lassen wir die Spitzfindigkeiten … aber warum muss ein neuer Bund geschlossen werden?

[...]

Ich nicht. Wir reden schliesslich von Gott dem Allwissenden, All… was auch immer.

Aber gerade wegen seiner Weisheit und Allwissenheit ergeben sich tiefgreifende Veränderungen. Neue Erkenntnisse/Lebenserfahrungen/Lebensweisheiten werden in Etappen geoffenbart und nicht alles auf einmal. Wird ein solcher Gott nicht wissen, wie die Natur seiner Geschöpfe wirklich ist und was der sogenannte Freie Wille des Menschen alles an Maßnahmen erfordert?

So schrieb ich vom großen Lehrmeister. Dieser große Dramaturg hat in seiner Allwissenheit schon immer gewußt, was die Entwicklung der Kulturen braucht und wo er sie einmal haben will.

Das Ziel? Diejenigen, die Gott schließlich für Wert erachtet, sollen eines Tages und nach einer Initialphase auf den Wissensstand und die Bewußtseinsebene gelangen, die sie haben sollen und für immer leben.

Bei der Zulassung des Bösen an sich ist es doch genauso! Und diese Streitfrage steht schon seit Jahrtausenden im Raum. Diese Phase der Gottentfremdung ist wohl zwingend erforderlich. Denn es liegt in der Natur des Menschen, zuerst seine eigenen Wege zu gehen und oftmals erst aus Schaden klug zu werden.

Plötzlich ist alles anders? Wir können den alten Teil vergessen und uns dem neuen zuwenden?

Ja, so ist es! Und ich bete darum, daß bald wieder vieles anders wird und mich endlich dem Neuen zuwenden darf. Das Leben heute ist doch eher eine Last und selten eine Lust.

so glaube ich ohne Nobelpreis in Physik, ohne detaillierteste Kenntnisse in Quantenphysik, an meine Version von Gott wie in meinem Initialbeitrag geschrieben und vertraue auf genau diese Gesetzmässigkeiten. Das gibt mir exakt was ich brauche.

Darf ich fragen, was Dir Dein Gott gibt? Hat er Dir eine konkrete Zukunftshoffnung geoffenbart? Gibt es bei Dir einen Gott, der alles geschaffen hat? Ich dachte, es gibt für Dich eher keinen Gott, schon gar keinen persönlichen.

Wie soll ein Gottesbild tragen, das ich mir nach Belieben selbst ausmale? Oder nach was orientierst Du dich, wenn nicht nach irgend einer Vorgabe von "außen" bzw. so weit von "innen," daß es wiederrum von "außen" stammt, also z.B. einem "Überich" (Selbstgottsein, Abbild Gottes).

Vom barbarischen zum gemässigten übergehen?

Ich finde, das Alte Testament ist nicht so barbarisch, wie es beim ersten Lesen scheint und das Neue Testament gar nicht so gemäßigt, wie es vielleicht das Lesen der Bergpredigt glauben macht.

Wie auch immer, im Thema "Fragwürdige Bibelstellen" wurde einiges besprochen. Vieles Grausame, was geschehen ist, hat entweder seine Gründe gehabt oder war von Menschen begangenes Unrecht und ist einfach als Geschichte im Wort Gottes dokumentiert.

Auch wenn so manches schwer zu verstehen ist, werde ich mich nicht "erdreisten" meine Gerechtigkeit über die von Gott zu stellen.

Gott hat sowohl für das was in der Vergangenheit mit oder ohne sein Hinzutun geschehen ist, als auch für das, was heute an Widerwärtigkeiten mit oder ohne scheinbarer Legitimation von Religion von ihm vorübergehend zugelassen wird, seine Gründe.

Wir tun gut daran, ihm die Klärung dieser Fragen zur rechten Zeit zu überlassen, anstatt ihn zu verurteilen oder als Mythos abzutun. Schließlich zeigt ja Gottes Wort, daß er alles weiß und dafür sorgen wird, daß die Gerechtigkeit auch auf Erden wiederhergestellt wird und der entstandene Schaden wieder gut gemacht wird. Er hat nicht nur die Allwissenheit, sondern auch die Allmacht dazu.

Gruß,
Johannes
 
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Hallo Johannes

Die im folgenden verwendeten Bibelzitate stammen aus dem Thread
https://www.symptome.ch/vbboard/religion/80545-fragwuerdige-bibelstellen.html

Wird ein solcher Gott nicht wissen, wie die Natur seiner Geschöpfe wirklich ist und was der sogenannte Freie Wille des Menschen alles an Maßnahmen erfordert?
Zum Beispiel eine Sintflut? Im Sinne "hmm, ich hab's verkackt, sie angemessen anzuleiten ... ich fang nochmals von vorne an"?

So schrieb ich vom großen Lehrmeister. Dieser große Dramaturg hat in seiner Allwissenheit schon immer gewußt, was die Entwicklung der Kulturen braucht und wo er sie einmal haben will.
"5. Mose 22, 5 (Gott befiehlt): Eine Frau soll keine Hosen tragen, und ein Mann darf keine Frauenkleider anziehen, denn solches ist Gott ein Greuel."
--> Da scheint eher jemand selbst ein Problem zu haben.

"1. Korinther 14, 34-35: Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber in der Gemeindeversammlung schweigen. Sie sollen untertänig sein, wie es auch das Gesetz vorschreibt. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern schlecht an, vor der Gemeinde zu reden."
--> Ich finde das eine merkwürdige Entwicklung der Kulturen.

Das Ziel? Diejenigen, die Gott schließlich für Wert erachtet, sollen eines Tages und nach einer Initialphase auf den Wissensstand und die Bewußtseinsebene gelangen, die sie haben sollen und für immer leben.
In meiner Fassung tun wir das schon jetzt. Und das hat mit Physik zu tun und nicht mit der Barmherzigkeit einer "Jury".

Das Leben heute ist doch eher eine Last und selten eine Lust.
Das ist Deine persönliche Auffassung, die ich nicht beurteilen kann. Auf der anderen Seite müsste es doch zu Deinem persönlichen Gottesbild passen, dass Du an Deinen Aufgaben wachsen kannst und nicht einfach nur nach Lustprinzip lebst.

Darf ich fragen, was Dir Dein Gott gibt? Hat er Dir eine konkrete Zukunftshoffnung geoffenbart? Gibt es bei Dir einen Gott, der alles geschaffen hat? Ich dachte, es gibt für Dich eher keinen Gott, schon gar keinen persönlichen.
Ja richtig, ich habe Zukunftspläne und ebenso starke Hoffnung (nahezu Wissen), dass sich vieles davon genau so erfüllen wird. Und falls Dinge doch anders laufen, weiss ich, dass dies trotzdem positive Wendungen für mich sein werden.
Dass die Suche nach dem initialen Anstoss für das Leben die Menschen bewegt, ist mir klar. Wer weiss, vielleicht werden die Wissenschaftler am CERN hierfür mögliche Begründungen liefern können. Vielleicht auch nicht. Ensteht dadurch für mich eine Lücke, die ich unbedingt füllen muss? Nein, das tut es nicht.

Ich finde, das Alte Testament ist nicht so barbarisch, wie es beim ersten Lesen scheint und das Neue Testament gar nicht so gemäßigt, wie es vielleicht das Lesen der Bergpredigt glauben macht.
Ich werde das NT diesbezüglich nicht verteidigen. Du magst recht haben. Aber dass Du das AT an vielen Stellen nicht barbarisch findest .... zeigt wie weit unsere Meinungen auseinander liegen.

"Lukas 19, 27 (Jesus sagt: ) Und nun zu meinen Feinden, die mich nicht als Herrn anerkannten: Holt sie her und erwürgt sie hier vor mir!"
"3. Mose 24, 16 (Gott spricht zu Moses): Wer über Gott spottet, muss sterben, die ganze Gemeinde soll ihn steinigen, egal ob es ein Einheimischer oder ein Fremder ist."
"4. Mose 14, 18 (Gott droht): Ich werde für die Vergehen der Väter auch noch seine Kinder bis in die dritte oder vierte Generation bestrafen."

Gruss, Marcel
 
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Hallo Marcel,

ich verstehe deine Entscheidung und finde sie gut durchdacht.

Meine eigenen frühen Erfahrungen mit der Kirche waren gut gewesen. Wir haben einen lebensnahen Priester gehabt, der sich um die Belange der Menschen und ihre Bedürfnisse gekümmert hat und der lebendige Gottesdienste inszeniert hat. Er hat später auch geheiratet und hat die Kirche verlassen. Ich kenne aber auch die andere Seite, wo ein Priester eine Beerdigung abgehalten hat mit einer solchen Härte und ohne jedes Einfühlungsvermögen für einen jungen Witwer, dass ich hoffte, der würde diese Behandlung irgendwie überstehen. Ich kenne aber auch die positiven karikativen Projekte, wie z.B vor kurzem im Fernsehen gesehen. In Hamburg gibt es zum Beispiel für Jugendliche Nachmittage, wo sie selbstgestaltet einen sozialen Umgang miteinander erlernen, wo Sorgen und Probleme auf den Tisch kommen dürfen, da die Eltern inzwischen keine Zeit mehr dafür haben, weil diese beide für die Wirtschaft benutzt werden und die Erziehung immer mehr outgesourct wird. In dieser Einrichtung geht es nicht um Glauben, der steht da ganz hinten an. Es geht vielmehr um ein menschliches Miteinander, über das man lernt seine Bedürfnisse wahrzunehmen und man diese verstehen lernt und das man sie auch ohne Gewalt befriedigen kann. Das finde ich wiederum gut. Ob es dafür die Kirche braucht oder nicht, dass ist im Grunde zweitrangig, aber es muss jemand diese Aufgabe übernehmen, der auch das nötige Geld hat. Denn sobald ein Unternehmen etwas tun will braucht es Geld und wenn es wirtschaftlich arbeiten soll, dann werden die Bedürfnisse der Menschen verkauft und dann ist es mit dem sozialen Engagement auch schon vorbei, sobald das Geld knapp wird. Man kann über Kirchensteuer streiten und auch über die Kirche als Institution. Für mich ist sie heutzutage mehr ein weltliches Unternehmen, dass in den letzten Jahren doch, so meine ich, den dogmatischen Wahrheitsgehalt, den sie noch vor hundert Jahren gehabt hat, zum großen Teil abgelegt hat, zumindest in dem Teil Deutschlands in dem ich wohne. In Bayern kann das durchaus noch etwas anders sein. Bei uns geschieht immer mehr auf freiwilliger Basis und man hinterfragt sich mehr und mehr selbst, auch wenn hier noch viel zu tun ist und auch Zuhauf Fehler passieren, wie in jedem anderen weltlichen Unternehmen auch.

Meine Fragen hat die Kirche aber nicht beantworten können und es war für mich einiges nicht ganz stimmig gewesen. Es ist mir aber relativ leicht gefallen damit umzugehen, weil ich das Glück gehabt habe ein entsprechend offenes Umfeld zu haben. Selbst meine Oma hat schwer unter der Kirche gelitten und hier ihre eigenen Ansichten gehabt.
Andere Religionen und Traditionen sehe ich zum Teil inzwischen aber ähnlich problematisch wie die katholische Kirche es noch vor hundert Jahren oder früher gewesen ist. Sie sind für mich da zur Zeit wahrheitspreisender, zwar nicht alle, aber sie haben doch zum Teil sehr dogmatische Ansätze, die man nur zu gerne über Bord wirft, wenn entsprechende Versprechungen da sind. Die meisten schauen lieber nicht hinter die Kulissen, wollen die Leichen nicht sehen, die die Wege pflastern und sie unterdrücken lieber ihre offenen Fragen. Mystik, Okkultismus, Techniken, schnelle Erleuchtung, ein hoffen auf eine Belohnung im Jenseits, sind beliebter als die Frage, wie ein lebendiges Leben zum eigenen inneren Wesen / Gott funktionieren kann.

In Spaldings Buch, was ich vor Jahren einmal gelesen habe, stehen z.B. ähnliche Anschauungen, wie du sie hier genannt hast. Auch Spaldings Buch glaube ich nicht alles, denn je nach Bewusstsein, was immer in Entwicklung ist, wird man so Einiges immer wieder von einem anderen Blickwinkel aus betrachten. Hier wird auch etwas über die Bibelaufzeichnungen gesagt.

In der Übersetzung der Bibeltexte aus ihren Urtexten sind zahlreiche Fehler und eine Menge falscher Prophezeiungen enthalten. Manche entstanden infolge unrichtiger Deutung der alten Schriftzeichen und Symbole von Seiten der Übersetzer.
Es ist dies verzeihlich. Die Übersetzer waren gewissenhaft, und ihre Schlussfolgerungen zogen sie so gut, als es im Bereiche ihres Könnens lag. Die größere Mehrzahl dieser Fehler aber waren gemeine Fälschungen, die mit Absicht vorgenommen wurden, um die Wahrheit zu verschleiern, die Gläubigen irrezuführen und die ursprünglichen Evangelien des Hauses Israel zu entstellen.

Der größte Teil der Bibelfälschungen stammt aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Sie betrafen besonders die Bücher Daniel, Esra und Nehemia. Diese falschen Darstellungen erstreckten sich dann auch auf die frühen Werke des Josephus und andere Bücher. Man kann deutlich sagen, daß die Änderungen absichtlich vorgenommen wurden, denn wohlbekannte Tatsachen wurden anders dargestellt, als sie geschehen waren, und Geschehnisse aus früheren Zeitperioden wurden absichtlich verschwiegen. Die Fälschungen hatten noch den weiteren Zweck, das genaue chronologische System der Israeliten sowie ihre
Geschichtsaufzeichnungen, die seit undenklichen Zeiten aufbewahrt worden waren, zu zerstören. Tausende von falschen Geschichten über wahre Begebenheiten wurden geschrieben und hatten die ursprünglichen Originale zu ersetzen; andere wahre historische Tatsachen wurden verdreht und große, wichtige Zeitabschnitte ganz weggelassen.

Obs stimmt oder nicht, kann man nur für sich selbst entscheiden, wie alles andere im Leben auch. Solche Aussagen, wie sie in dem alten Testament stehen, kann man teilweise symbolisch betrachten, mit dem Gesetz der Anziehung vielleicht, nach dem Motto: Was man selbst innerlich anderen antun will und man dies nicht erkennt, das wird einem auch selbst geschehen. Solche Brutalitäten gibt man meist auch an seine Kinder weiter und wenn sie den Weg nicht daraus finden, dann ist das schon Strafe genug. An einen persönlich strafenden Gott glaube ich nicht. Strafen tun sich die Menschen eher gegenseitig selbst.

Grüsse von Juliette
 
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Im besagten Thema bin ich ja schon - so gut ich konnte - auf Vieles eingegangen und das soll von meiner Seite genügen.

In meiner Fassung tun wir das schon jetzt. Und das hat mit Physik zu tun und nicht mit der Barmherzigkeit einer "Jury".

Ergo Erlösung durch "Loskauf" von Sünde! Wir sitzen da alle im selben Boot! Niemand kann sich selbst erlösen oder vom Tod und den Folgen der eigenen Mangelhaftigkeit oder Ungenügendheit und einem Leben unter sündhaften Mitmenschen entkommen.

Barmherzigkeit = Unverdiente Güte.

Das Leben ist ein Geschenk und ich habe es mir nicht selbst verdient. Will ich also noch mehr davon haben, dann muß ich mich zwar würdig erweisen, es bleibt aber dennoch "unverdiente Güte", also weiterhin ein Geschenk, eine freie Gabe.

Wo liegt also das Problem, wenn Gott barmherzig zu uns sein will? Nur stolze Menschen haben damit ein Problem, weil sie nicht auf Gott hören wollen. Sie müssen unbedingt selbst Gott sein - SEIN WIE GOTT - der Ursünde des Hochmuts, Rebellion und Unabhängigkeit seit Adam und Eva folgend.

"an Deinen Aufgaben wachsen kannst und nicht einfach nur nach Lustprinzip lebst.".

Meinst Du das jetzt ironisch oder sarkastisch? Ansonsten gut erkannt.

Aber einmal ist auch wirklich genug mit der Schulung. Das wahre Leben ist das heute nicht. Gott wird diese Schulung auch beenden, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat und die Lebenden können sich Erfreulicherem zuwenden.

Ohne Hoffnung auf ein Ende würde niemend diese chaotischen Zeiten auf Dauer nur wegen eines Zuwachs an Erkenntnis durchzustehen vermögen. Gott hat ein sinnvolles, ewiges Leben in Glück und Gesundheit in einer friedlichen Welt versprochen. Mit weniger möchte ich mich auch nicht zufrieden geben.

Ja richtig, ich habe Zukunftspläne und ebenso starke Hoffnung (nahezu Wissen), dass sich vieles davon genau so erfüllen wird.

Das wünsche ich Dir wirklich. Der Kluge wird seine Tage verlängern. So oder ähnlich steht es in den Sprüchen.
 

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Hallo Johannes (sorry Juliette, komme gleich noch auf Deinen Beitrag zurück) ;)

Ergo Erlösung durch "Loskauf" von Sünde! Wir sitzen da alle im selben Boot! Niemand kann sich selbst erlösen oder vom Tod und den Folgen der eigenen Mangelhaftigkeit oder Ungenügendheit und einem Leben unter sündhaften Mitmenschen entkommen.

Barmherzigkeit = Unverdiente Güte.

Das Leben ist ein Geschenk und ich habe es mir nicht selbst verdient. Will ich also noch mehr davon haben, dann muß ich mich zwar würdig erweisen, es bleibt aber dennoch "unverdiente Güte", also weiterhin ein Geschenk, eine freie Gabe.

Wo liegt also das Problem, wenn Gott barmherzig zu uns sein will? Nur stolze Menschen haben damit ein Problem, weil sie nicht auf Gott hören wollen. Sie müssen unbedingt selbst Gott sein - SEIN WIE GOTT - der Ursünde des Hochmuts, Rebellion und Unabhängigkeit seit Adam und Eva folgend.
Ich diskutiere wirklich gerne. Aber ich erkenne auch, wo es keinen Sinn hat zu diskutieren. Und so möchte ich klar davon absehen, weiter auf Deinen persönlichen Standpunkt einzugehen.

Gruss, Marcel
 
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Guten Abend Marcel,

das respektiere ich natürlich!
Weiterhin eine fruchtbare Diskussion.

Beste Grüße,
Johannes
 

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Danke Johannes, ich schätze das.

Gruss, Marcel
 

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Hallo Juliette

Es freut mich, dass Du gute Erfahrungen mit einzelnen Kirchenvertretern und Freiwilligen im Bereich der Kirche gemacht hast. Schade natürlich, dass gerade ein solch lebensnaher Priester, wie Du ihn beschreibst, dann aus der Kirche austritt (bzw. austreten muss wegem dem Zölibat, nehme ich an).
Und da hat sich die Kirche m.E. noch zu wenig von ihren alten Dogmen entfernt, wenn sie sich auch zweifelsohne etwas weiterentwickelt ... wo ich aber wiederum den Gedanken nicht loswerde, dass sie das aus anhaltendem Druck der Öffentlichkeit (und abgehender Mitglieder) heraus tut und nicht weil es Sinn macht.

Das Thema Kirchensteuer ist so eine Sache. Wenn man Geld an wohltätige Organisationen spendet, orientiert man sich ja auch daran, wieviel von dem Geld tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt und wie gross der Verwaltungsapparat ist, welcher Geld abzweigt (und wieviel).
Wie da wohl die Kirche im Vergleich wegkommt...?

Gruss, Marcel
 
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Hallo Marcel,

Und da hat sich die Kirche m.E. noch zu wenig von ihren alten Dogmen entfernt, wenn sie sich auch zweifelsohne etwas weiterentwickelt ... wo ich aber wiederum den Gedanken nicht loswerde, dass sie das aus anhaltendem Druck der Öffentlichkeit (und abgehender Mitglieder) heraus tut und nicht weil es Sinn macht.

Das sehe ich genauso. So manches ändert sich erst durch den Druck von Außen. Da ich die Kirche eher für ein weltliches Unternehmen ansehe, welches Geistiges zu vermitteln versucht, unterscheide ich diese hier auch nicht von anderen Unternehmen.

Das Thema Kirchensteuer ist so eine Sache. Wenn man Geld an wohltätige Organisationen spendet, orientiert man sich ja auch daran, wieviel von dem Geld tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt und wie gross der Verwaltungsapparat ist, welcher Geld abzweigt (und wieviel).
Wie da wohl die Kirche im Vergleich wegkommt...?

Das ist eine gute Frage, die man wohl nicht vollständig beantworten kann. Es dürfte wohl auch hier zwei Seiten geben, wo sich Arbeitsplätze, Wirtschaftlichkeit und Erhaltung der bestehenden Anlagen und die sozialen Projekte gegenüberstehen.

Aber, wie bereits geschrieben, ich kann jeden verstehen, der aus der Kirche austritt. Und ich wünsche dir beim Erkunden deiner eigenen Wahrheit alles Gute.:)

Grüsse von Juliette
 
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Hallo Marcel!

Sehe die Diskussion ist schon eine Weile her, habe erst jetzt entdeckt, will trotzdem noch meinen Senf dazu geben, weil auch ich mit der Entscheidung ringe, ob ich nicht mein lebenslanges "Taufscheinchristentum" endlich ad acta lege und mir die Beiträge und der Welt mein Pseudochristentum erspare.

Im Gegensatz zu Dir will ich mir aber vorher noch meinen "mir angeborenen Glauben" genauer anschauen, bevor ich ihn als "für mich Ungeeignet" abtue.
Wie ich Deine Auflistung erlebe, hast Du Gründe für Deinen Austritt gesucht - und natürlich auch gefunden.

Fairerweise müßtest Du auch die Pro´s auf Deiner Pro und Kontra - Liste aufführen - oder solltest Du damit die Leserschaft hier beauftragt haben?
Spielst Du hier den Advocatus Diaboli und läßt Dir von anderen gute Gründe nennen, Dir Deinen vielleicht sehr geliebten Glauben auf keinen Fall nehmen zu lassen, nicht einmal von Dir selbst? ;)

Sonora, Juliette, Joh70, Ymoja, ..., haben da eine ganze Menge sehr guter Pros´s gefunden - wie ich meine - und wenn sie Dich nicht neugierig gemacht haben, mich haben sie es auf jeden Fall und ich würde gerne nachfragen wollen: "Wie genau geht das, wie genau machst Du das?"

Neben all den historischen, ethischen, politischen, wirtschaftlichen, ..., Für und Wider, bekenne ich mich zum pragmatischen Egoismus:
Was hilft Glauben mir in meinem täglichen Leben, Ertragen, Entscheiden, Selbstreflektieren, Lebensorientieren, Lebensfreuen, irgendwann Leben Bilanzieren, ... ?

Ich jedenfalls bin überrascht, wie vielfältig und ganz individuell Glauben erlebt und offen geschildert wird, als wertvoll verteidigt, als unverzichtbar gesehen wird bei denen, die einen wirklich persönlichen Bezug zu ihm gefunden haben und eine vermutlich tägliche Routine in ihr Leben eingebaut.

Es scheint sich abzuzeichnen:
Wer praktisch mit seinem Glauben lebt, weiß um seinen Wert und er stellt eine unverzichtbare Bereicherung seines Lebens dar.
Ich - als Betrachter von außen - finde viel Kritikwürdiges an ihm und entdecken eine Ausrede nach der anderen um zu vertuschen, daß ich einfach Schiß habe, mich einzulassen, mich anzuvertrauen, mich einem neuen Bewertungsraster auszusetzen und habe großes Unbehagen davor, nicht genügen zu können.

Das Wissen, daß ich einer unendlich gütigen Instanz gegenüber stehe, beruhigt nur in zweiter Linie, weil ihre irdischen Vertreter davon oft nichts zu wissen scheinen.
So gerne ich einer solchen "Bewertung" entgehen und mir meine Illusionen über mich bewahren würde, so ahne ich doch, daß das wohl nicht für alle Zeit gehen wird.

Auch wenn ich noch nicht den Mut aufbringe, mich selbst unter die Lupe zu nehmen und auch zu lassen, so hat dieses Dilemma sicher nur mit mir zu tun, weil Du ja sooooo viele gut formulierte Gründe hast für etwas, was Du schon längst beschlossen hast.
Fragt sich nur, wozu die nötig?

Mit zugezwinkerten lieben Grüßen
owlet
 
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Hallo Sonora!

Bin eigentlich in einer ähnlichen Situation wie Marcel, wollte unnötigen Ballast abwerfen und mein Taufscheinchristentum los werden.

Deine Schilderung, wie Du Deinen Glauben lebst, hat mich aber berührt, verunsichert.
Es begeistert mich, wie selbstverständlich und verläßlich Dein Leben durch ihn geleitet wird, ohne Dir aber die fortwährenden Auseinandersetzungen mit allem um Dich herum zu ersparen, wie Du ja auch hier im Forum zeigst.

Ich beneide Dich um die Sicherheit, die er Dir zu vermitteln scheint und das dürfte unabhängig davon sein, was mit und in der Institution Kirche passiert, auch wenn es Dich schmerzt, Deine institutionelle Heimat so im Sperrfeuer der Kritik zu sehen u.v.a. zu wissen, daß vieles davon sehr berechtigt.

Dein Glaube scheint mir eher eine persönliche Beziehung zum Göttlichen, die Dich ziemlich unabhängig macht von weltlichen Einflüssen und Dir Orientierung gibt in jeder Belastungssituation, auch wenn auch Du nicht gegen Irrwege gefeit scheinst.
Irgendwann findest Du scheinbar auf den Pfad des Richtigen zurück, des für Dich von Gott Zugedachten.

Es muß schön sein, sein Leben als eine Folge täglicher Zuwendung und Geschenke erleben zu können, anstatt von Belastungen und Überforderungen.
Wie aber ergeht es Dir mit Verlusten und Schmerzendem, dem Du nicht entkommen kannst?
Sind das die Momente, in denen Du zur Bibel greifst, um Erklärendes zu finden, Tröstendes?
Zumindest erstaunt es mich, daß so uralte Texte für Dich so eine Bedeutung haben, bei der lebendigen Beziehung, die Du zu Gott direkt zu haben scheinst.
Im Gegensatz zur "Satzung der Gummibärchen" ist die Sache mit der Bibel nämlich nicht so eindeutig - wenn ich mich richtig erinnere. ;)

Ich zumindest habe schon immer östliche Religionen beneidet, die mir mehr erlebbar schienen, anstatt sich ständig nur auf irgendwelche uralten Texte zu beziehen.
Du zeigst, daß scheinbar beides möglich ist und sich gegenseitig unterstützen kann und gläubiges Empfinden und Orientieren vielleicht tatsächlich zeitlos menschliche Phänomene sind, die sich auch in Jahrtausenden nicht ändert.

Zumindest kriege ich eine Vorstellung davon, was damit gemeint ist, wenn in der Bibel alle möglichen Situationen und Probleme als "Prüfung des Glaubens" betrachtet werden, dem Problem selbst damit aber viel an Bedeutung genommen wird:
Welch´ erstaunliche Verschiebung der Bedeutsamkeit.
Selbst dem Tod - dem größten Angstgegner des diesseitsbezogenen Menschen - ergeht es nicht besser mit der Zusicherung der Auferstehung: "Tod wo ist Dein Stachel .... ."
Probleme jeder Art gehören zum Leben, sind eine Last, aber nicht bedeutsam.
Wirklich gehen tut es um etwas anderes: Den "Glauben!"
Er ist viel mehr als das Gegenteil von Wissen - er ist Gewißheit!
Die Gewißheit, daß mein Sein in Gottes Hand und nur seine Richtlinien Bedeutung haben über alle Zeit hinaus, ...
Oder bin ich da völlig daneben?

Du hast mich ins Grübeln gebracht - Sonora - und wenn auch sonst gar nicht so dankbar dafür, weil dzt. sowieso dazu neige, werde ich Deine Darstellung nicht mehr los.

Auf jeden Fall vielen herzlichen Dank dafür!
Auch wenn gar nicht für mich bestimmt, freue ich mich darüber, von ihr "verunsichert" zu werden.

Wäre schön, noch mehr von Dir zum Thema "Was mein Glaube für mich ist, wie ich ihn lebe, erlebe" lesen zu können.

mit lieben Grüßen
Owlet
 
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10.09.08
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Hallo owlet!

Danke für deine Zeilen! :kiss: Ich bin davon sehr berührt, denn ich konnte mich und das, was ich glaube, in deinen Worten wirklich wiederfinden. Ich werde das alles erst einmal sacken lassen und dir dann darauf antworten.

Viele liebe Grüße :wave:
Sonora
 

Clematis

Ich erachte es als grosses Privileg, dass ich mich in einem Zeitalter und in einem Land befinde, wo Religionsfreiheit tatsächlich Praxis ist.

Hallo Marcel,

ich danke Dir sehr für diesen Beitrag. Im Gegensatz zu Dir wuchs ich in einem erzkonservativen katholischen Land auf, aber mit Religionsfreiheit. Dennoch herrschte dort eine Toleranz gegenüber Andersdenkenden, wie sie nicht einmal in Europa zu finden ist, wo Nachbarn gern registrieren und kommentieren, ob man etwa zum Sonntagsgottesdienst geht, wie ich es später in Deutschland erlebte.

Der Gedanke schlummert schon sehr lange in mir. Eigentlich erschreckend lange, da ich mich üblicherweise schneller entscheide, wenn mir etwas länger kontinuierlich Unbehagen bereitet.
Lange habe ich überlegt, ob ich mich hierzu äußern soll. Ist doch Religion immer ein heikles Thema. Vielen Gläubigen bietet sie Trost in der Not, viele Aktivitäten helfen Menschen in schwierigen Situationen, egal ob sie von der Kirche direkt ausgehen oder schlicht von einzelnen Gläubigen. Letztere hatten auf mich in jungen Jahren großen Einfluss, dazu später mehr. Was ich hier schildere betrifft also rein persönliche Ansichten und ich bitte dies auch so zu betrachten. Ich will niemandem seinen Glauben nehmen. In gewisser Weise habe auch ich noch einen Glauben, auch wenn dieser nicht in die Schablone von Religion und Kirche paßt.

Bearbeitung meines Geistes
Dies blieb mir weitgehend erspart. Mein Vater als guter Katholik erzogen, inkl. Meßdiener, trat mit 16 Jahren aus der Kirche aus. Meine Mutter bezeichnete sich als freigläubig, da die Bezeichnung Agnostiker oder Atheist zu jener Zeit starke Reaktionen auslöste. Bei beiden war für diesen Schritt das rücksichtslose, wenig einfühlsame Verhalten der Priester gegenüber ihren sterbenden Müttern ausschlaggebend. Zuhause gab es daher keinen Einfluss, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Der Besuch einer protestantisch orientierten Grundschule mit Religionsunterricht, der absolut freiwillig war, tangierte mich zuerst nicht. Durch Erzählungen anderer teilnehmenden Kinder wurde ich neugierig und wollte teilnehmen. Obwohl meine Eltern deswegen Sonntags mit mir um 6 Uhr aufstehen mußten (Schulbus), unterstützten sie mich. So ging ich mit 9 oder 10 Jahren also mehrere Male zu diesem Unterricht. Da bekamen wir u.a. Heiligenbilder, die den lieben Gott als "grimmig, bärbeißigen, rachdürstigen alten Mann" darstellten, so jedenfalls kamen mir diese Bilder damals vor. Von Güte konnte ich als Kind darauf nichts erkennen. Das paßte so gar nicht in das Bild, das mir im Unterricht vermittelt wurde und stieß mich ab. Es dauerte nicht lange und ich sagte meinen Eltern, daß ich nicht mehr an diesem Unterricht teilnehmen wollte und auch das wurde akzeptiert. Danach war Religion, Kirche, für mich von keinem Interesse mehr, mein Wissendurst zum Thema war befriedigt worden. Eine freie Kindheit und früheste Jugend, da vermißte ich auch nichts. Getauft worden, war ich nicht, Konfirmation oder ähnliches kam weder meinen Eltern noch mir in den Sinn, obwohl ich die Konfirmation anderer teilweise aus der Ferne miterlebte. Auf eine katholische Schule gewechselt, als Mitglied der Schulmusikkappelle spielten wir auch bei Gottesdiensten wie Palmsonntag und beobachteten die Kinder, die zur Erstkommunion gingen.

Mit 15 Jahren lebte ich in Deutschland bei einer katholischen Pflegefamilie, die ich über alles lieb gewann. Sie gingen Sonntags immer zum Gottesdienst und ich blieb allein zuhause. Da ich ohnehin von Heimweh geplagt wurde, entschloß ich mich, Sonntags zum Gottesdienst mitzugehen. Der Gottesdienst auf lateinisch sagte mir nichts, die Predigten nur gelegentlich etwas. Meist fror ich erbärmlich und die Knie taten mir weh. Wahrlich kein erhebendes Gefühl. Dazu beobachtete ich die scheinbare Hauptbeschäftigung der Gläubigen - Kontrolle wer fehlte, wie dieser oder jener angezogen war u.ä.m. Das kam mir so gar nicht christlich vor. Dennoch wurde ich zur Religion hingezogen, im Nachhinein erkannte ich erst viel später, daß dies nicht den Kirchenbesuchen zu verdanken war, sondern einzig und allein der Güte der Menschen, bei denen ich lebte. Sie waren Katholiken, also mußte die katholische Religion gut sein, wenn diese Menschen daran glaubten. Damals verwechselte ich also, was mich tatsächlich anzog.

In der Schule stellte ich hingegen fest, daß die Katholiken die größten Radaubrüder stellten, die Protestanten die Friedlichen waren und meist die besseren Schüler. Schon da fragte ich mich wie das sein könnte und brachte das mit der Beichte in Zusammenhang. Ich wußte ja, wer die Beichte ablegt, dem wird verziehen - und darf dann fröhlich weiter sündigen, bis zur nächsten Beichte, so jedenfalls empfand ich das. Den Protestanten ist dieser Ausweg nicht vergönnt, sie müssen ihre Sünden mit ihrem Gewissen ausmachen, sich ggfs. selbst vergeben und können nur darauf hoffen, daß Gott es so sieht wie sie selbst. Letzteres behagte mir weit mehr. Ich war noch nie zur Beichte gegangen und tat es auch nicht nachdem ich katholisch geworden war.

Der Wegzug mit 17 Jahren leitete eine Pause von 2 Jahren ein, ich dachte nicht mehr über Religion nach, da in meinem Umfeld nichts geschah, was mich daran hätte erinnern können. Mein neuer Wohnort in Paris, wieder der enge Kontakt mit herzensguten Katholiken, brachte mich neuerlich zum Nachdenken. Gelegentlich ging ich zu einem Gottesdienst, die Predigten sprachen mich an. Leere Kirchen schätzte ich sehr, die Atmosphäre war beruhigend, ja erhebend, die Stille wunderbar, seelisch heilend. Ein Besuch in der Kathedrale von Chartres erschien mir wie eine Erleuchtung - der Lichteinfall durch die hohen Fenster war so wunderschön, daß ich mich beim Betreten durch das Hauptportal emporgehoben fühlte, als schwebe ich zur Kuppel empor. Was war das? Was war geschehen? Abermals kam ich ins Grübeln, hatte Gott da seine Hand im Spiel, sollte ich irgend etwas erkennen?

Allmählich kam ich zu der Überzeugung, daß es da wohl eine Macht, irgend etwas gab, das mit der Realität hier auf Erden nichts zu tun hatte. Ein Etwas, über das ich bislang nicht nachgedacht hatte. Ich begann für mich Fragen zu stellen, versuchte mir mit Büchern und allerlei weiterem mehr Wissen über Religionen anzueignen. Bekam zudem eine Minibibel im Taschenformat geschenkt, in der ich las. Aber als gläubig würde ich mich zu der Zeit nicht bezeichnen, lediglich als neugierig und von etwas angezogen, das ich nicht verstand. Ich konnte das Thema auch problemlos ruhen lassen. Die Beschäftigung mit der französischen Sprache, mehrere Jobs und viele Freunde boten so viel Abweschlung und schöne Erlebnisse, daß die Frage nach Religion und deren Bedeutung für mein Leben unwichtig erschien.

Bei der Rückkehr zu meiner Pflegefamilie, stellte sich der Einfluß wieder ein. Die Erfahrungen in Paris machten mich empfänglicher und nach einiger Zeit entschloß ich mich, mich taufen zu lassen und katholisch zu werden. Welche Gefühle mich dazu bewegten, kann ich heute, ca. 50 Jahre später nicht mehr so richtig erinnern. Es erschien mir damals aber als richtig und gut.

Die Rückkehr zu meinen Eltern, raus aus dem katholischen Umfeld, wenn auch in ein katholisches Land, ließen die Eindrücke von Kirche, Taufe usw. wieder in Vergessenheit geraten. Meine Eltern waren zwar mehr als überrascht, daß sie nun eine Katholikin zur Tochter hatten, doch das respektierten sie wieder, ebenso wie meinen früheren Wunsch am Religionsunterricht teilzunehmen. Es folgten wieder Jahre mit einem interessanten Job, vielen Freizeitaktivitäten, Reisen, Umzügen. Und wieder war Religion kein Thema mehr.

Zurück in Deutschland, dem ersten Land indem ich Kirchensteuer entrichten mußte, begann ich, jetzt schon etwas älter, erneut mit der Religion Bekanntschaft zu machen, lange Diskussionen mit einem Priester, Interesse für östliche Religionen, Geschichte der Entstehung der Bibel - was mich auch im Zusammenhang mit meiner Übersetzertätigkeit interessierte, die Entdeckung der Qumran Rollen, warfen wieder neue Fragen auf.

Als ich bemerkte, daß die Grundlage aller Religionen in ost und west historisch betrachtet die Gleichen waren, sie die gleichen Prinzipien bzw. Leitlinien für die Gläubigen erlassen hatten, Unterschiede lediglich auf Auslegungen beruhten, die so ursprünglich nicht gedacht waren, hinterfragte ich das gesamte Religionswesen, östlich und westlich. Dabei stieß mich besonders ab, daß jede Religion für sich in Anspruch nimmt die einzig Wahre und Richtige zu sein. Dieser Anspruch ist dafür verantwortlich, daß es so viele Religionskriege gab, was sich auch heute mit der Hetze gegen den Islam wieder zeigt. Auswüchse, von Fanatikern mittels falscher Interpretation ihrer Religion zwecks Machtübernahme, aber nicht nur, geschürt, haben m.E. hier ihren Ursprung. Durch diese Ausgrenzungen werden Gewinner und Verlierer geschaffen, Haß geschürt. Falsche Übersetzungen, sei es der Bibel oder des Korans z.B. liefern hierfür ebenfalls Munition.

Dann fand ich die Bahai - https://de.wikipedia.org/wiki/Zwölf_ethische_Grundsätze_der_Bahai deren Prinzipien ich im Großen und Ganzen akzeptieren konnte. Wobei mir besonders die Gedanken zum Abbau der vielen elitären Ansprüche gefielen. Als ich Kontakt zu dieser Gruppe aufnahm stellte ich jedoch fest, daß es sich um Fanatiker handelte, nur ihre Religion hatte eine Berechtigung. Die Prinzipien und Ziele sind gut, doch die Vertreter dieser Glaubensgemeinschaft machten daraus etwas völlig anderes. Das konnte ich also vergessen.

Ungefähr zu dieser Zeit, bat ein Dorf in meiner Nähe die Kirche um finanzielle Unterstützung für die Errichtung eines Kindergartens, ähnliche Teilhabe fand und findet man recht oft, doch meist nur wenn die Kirche die Einrichtung auch leitet, was hier nicht der Fall sein sollte, denn das Dorf wollte das selbst machen. Dem Dorf versagte die Kirche die Unterstützung mit der Begründung, sie habe kein Geld. Das weltweit größte Finanzimperium hat kein Geld, um einen kleinen Dorfkindergarten zu unterstützen? Das war für mich der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Am nächsten Tag trat ich aus der Kirche aus, spendete die eingesparte Kirchensteuer jenen, die sie besser zu verwenden wußten.

Parallel zu oben Beschriebenem hatte mich mein Weg mit dem Spirituellen Heilen in Kontakt gebracht, aber auch mit der inzwischen durch Falschdarstellungen so verpönten Esoterik. Esoterik bedeutet im ursprünglichen Sinn nichts anderes, als sich nach innen zu richten und sich selbst zu erforschen... Wohl eine der mühsamsten Aufgaben, die man sich stellen kann. Sich selber richtig kennenzulernen ist oft noch schwieriger als andere kennenzulernen, weil man sich selbst immer wieder in die Irre führt, möglichst weit weg von unbequemen und unerwünschten Wahrheiten. Es ist eine lebenslange Aufgabe, die einen aber weiter bringt. So erkennt man allmählich auch, was aus einem selbst heraus kommt und was von außen eingeflüstert wird. Was ist für mich stimmig, was nicht? Das bedeutet aber nicht, daß man sich nach außen abschottet, denn auch von dort kommen wertvolle Gedanken, die man integrieren kann.

Viele Jahre später traf ich auf die Bücher „Gespräche mit Gott“ von Neale Donald Walsh und habe sie verschlungen.
Diese Bücher habe auch ich genossen und vieles brachte mich zum Lachen. Wie einfach ist es doch mit "Gott" zu reden, wenn man Ihn wie Seinesgleichen sieht? Wenn unsere Seele den göttlichen Funken in uns repräsentiert, wie in der Esoterik und im Spirituellen Heilen postuliert wird, dann können wir auch unbeschwert kommunizieren. Für mich habe ich diesem "Wesen" oder was auch immer es sein mag, einen Namen gegeben, der mich nicht dauernd an Religion erinnert und neutral ist. Jesus war für mich immer ein wunderbares Beispiel, dem man folgen kann, dabei betrachte ich ihn aber als einen außergewöhnlichen weisen Menschen mit ebenso außergewöhnlichen Fähigkeiten. Als mir mal wieder die Bekehrer die Tür einrannten, was ich gar nicht schätze, brachten sie das Gespräch auf Jesus und priesen seine heilenden Hände. Ich erwiderte diese Hände hätten auch heute viele Menschen, u.a. auch ich. Sie waren entsetzt ob solcher Blasphemie. Mir brachte es Hausfrieden. Sie kamen nie mehr ;).

Die Aufnahme meines Sohnes in die Kirche
Mein Sohn ist getauft. Das war damals kein fundierter Entscheid. Bis jetzt war das nicht tragisch, denn in den zwischenzeitlichen Jahren hatte dieser Konfessionsstatus keinerlei Einfluss. Genau der Unterricht, den ich meinem Sohn auf jeden Fall ersparen möchte.
Ich kenne die Gesetzeslage in der Schweiz nicht. Falls der Religionsunterricht freiwillig ist, könntest Du die Teilnahme verhindern. In D kann man z.B. stattdessen an Ethik-Unterricht teilnehmen. Auf jeden Fall wird sich am Verhalten der Schulbehörden zeigen, ob die Religionsfreiheit wirklich Bestand hat oder ob es da Fallstricke gibt ;).

An Ostern habe dies ein fremder Mann zu ihm gesagt, als wir uns auf einem Spielplatz befanden und dieser Mann offenbar ein Gespräch zwischen mir und meinem Sohn mitbekommen hatte. Er ging daraufhin zu meinem Sohn, um ihn aufzuklären.
Wenn Fremde sich erdreisten sich hier einzumischen, zeugt das nicht gerade von Religionsfreiheit im Sinne der freien Entscheidung des Einzelnen. Es entspricht dem, was ich oben geschildert habe und in einem erzkatholischen toleranten Ausland nie erlebte.

Die Erbsünde lässt jedes Neugeborene unvollkommen und eines Erlösers bedürftig dastehen.
Das ist auch etwas, was mich neben der Beichte schon peinlich berührt hatte. Aber ohne die Erbsünde wäre der Zulauf zur Kirche weit geringer. Das erinnert mich auch an eine Aussage von Jesus: "Geh' in Dein Kämmerlein und bete!" - sinngemäß. Von Kirche, Papst usw. war da nie die Rede. Im stillen Kämmerlein läßt sich sogar konzentrierter beten als in einer vollbesetzten Kirche mit all ihrem Geflüster, Gerüchen, Kälte, Knieschmerzen! Meditieren könnte man da auch nicht.

Ein Kind verbindet sich mit Menschen aller Rassen … auch wenn es die Frage nach der „seltsamen“ Hautfarbe des anderen stellen mag.
Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. In meiner Schule und Nachbarschaft gab es ein buntes Gemisch, von weiß über mehrere Dunkeltöne bis ganz schwarz und wir verstanden uns alle prima, ebenso wie die unterschiedlichen Nationalitäten. Religion war Privatsache und uns ohnehin nicht bekannt. Wer wie aussah und woher kam, danach krähte kein Hahn!

Ein Kind, welchem man zeigt, wie man denkt und nicht was man denkt.
Und doch ist es genau das, was in den Schulen überwiegend geschieht. Wissen wird hineingestopft, kritisches Hinterfragen eben dieses Wissens jedoch nicht gefördert. Es gibt Lehrer, die das fördern, aber das ist nicht die Regel. In der Religion ist das noch weniger erwünscht.

Ich schickte das Formular zurück. Im Kommentarfeld trug ich nichts ein, da ich nicht einsah, weshalb ich jemandem zu diesem Entscheid eine Begründung schuldete. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dies noch nicht das Ende ist und man versuchen wird, das verloren gegangene Schäfchen wieder zur Herde zu führen.
Hast Du hierzu inzwischen mehr erfahren? Gerade in der Schweiz würde ich erwarten, daß diese Freiheit ernst genommen wird.

Ich glaube nicht an einen personifizierten Gott, der unsere Geschicke lenkt und bei unserem Ableben mal kurz unser Leben revue-passieren lässt, um uns in Himmel oder Hölle zu schicken .... Aber ich verbinde mit dem Wort Gott etwas Physisches/Metaphysisches, dessen Existenz ich sehr wohl bestätige.
Marcel, schon seltsam, doch auf ganz unterschiedlichem Wege, sind wir zur fast gleichen Überzeugung/Glaube gelangt. Ich nenne es eine kosmische Intelligenz, wobei ich es aber auch nicht genau beschreiben könnte, ich weiß nur, daß es zuweilen einfach da ist, für mich spürbar.

Ich bin auf keinen Fall ein Mensch, für den die Wissenschaft alles erklärt und bewiesen haben muss, damit ich dessen Existenz erlaube. ... das Thema Parapsychologie. Und das war gut so. Nicht, damit ich allem und jedem esoterischen Gebiet glaubte, sondern dass ich mich grundsätzlich öffnete und begann, mit klarem und dennoch skeptischem Blick über Grenzen hinweg zu sehen.
Diesen Weg bin ich u.a. ebenfalls gegangen und bin aus dem Staunen nicht herausgekommen, was alles möglich ist, durch Erfahrungen belegt und von der Wissenschaft abgestritten, obwohl selbst Wissenschaftler sich mit diesen Themen befaßt haben und manche Teilerklärung gefunden haben und die Erfahrungen mittels Experimenten sogar als existent bestätigen konnten.

Dieses Wissen bereicherte mich, dass die Welt, wie ich sie mit meinen „normalen“ 5 Sinnen wahrnehme, nicht zwingend so sein muss und dass Dinge, die ich mit einem 6. oder 7. Sinn wahrnehmen könnte, nicht etwa nicht existieren, solange ich nicht über diese Sinne verfüge.
Rupert Sheldrake ist einer der Wissenschaftler, der dieses Phänomen näher untersucht und belegt hat, daß diese Fähigkeit recht häufig vorkommt und es zuhauf Erfahrungsberichte darüber gibt. Vorahnungen machen mir manchmal zu schaffen, ich weiß, daß dann in naher Zukunft etwas höchst Unangenehmes geschehen wird, kann es aber nicht identifizieren - daher hätte ich sie lieber nicht ;).

Nun wissen wir heute warum z.B. Blitz, Donner, Nordlichter, Ebbe, Flut und viele andere Naturschauspiele vorkommen. Es käme uns nicht im geringsten in den Sinn, diese z.B. einem wütenden Gott zuzuordnen. Aber weiterhin setzen Menschen oftmals Gott dort ein, wo sie aktuell kein Verständnis aufbringen können.
Das betrifft oftmals schwere Schicksalsschläge, wie den Tod eines geliebten Angehörigen. Das erscheint dann wie eine Strafe Gottes und erzeugt beim Trauernden Schuldgefühle. Meine kindlichen Gefühle bezüglich eines strafenden Gottes, waren wohl gar nicht so verkehrt.

Wir können es uns nicht erklären und wir müssen es deshalb nicht auf einen Gott schieben. Ich persönlich könnte gut damit leben.
Damit kann ich auch gut leben, doch es gibt eben viele Menschen, die in solchen Situationen Hilfe und dann einen Anker brauchen mit dem sie fest machen können, um nicht ins Straucheln zu geraten. Das kann in unserer Zeit sogar noch dringlicher sein, weil die zwischenmenschlichen Kontakte immer mehr verloren gehen. TV, SMS, Handy, Internet usw. sind dafür kein Ersatz, die können einen nicht in den Arm nehmen, liebevoll drücken, Trost spenden. Wer darauf verzichten kann, muß innerlich schon sehr stark sein und das sind nicht alle. Es gibt hilfreiche Organisationen, auch kirchliche, die hier helfen können, wobei die wirklich Hilfreichen ohne Indoktrinisierung oder Taufschein auskommen.

Gott als erzwungene Ethik
Nun kann es natürlich einen anderen Grund dafür geben, dass wir Gott seinen Platz einräumen. Dann nämlich, wenn wir einen solchen „Wächter“ brauchen, der sicherstellt, dass wir uns ethisch/moralisch korrekt verhalten. Ich für mich benötige keinen solchen Wächter. Ich versuche, mich jederzeit richtig zu verhalten und selbst wenn mir das nicht immer gelingt, so ist es doch mein immerwährendes Verlangen, dem bestmöglich nachzukommen.
Ich denke auch, daß jeder von uns ein angeborenes Gewissen hat, das uns vor Fehltritten warnt. Wer einem anderen in die Tasche greift oder verprügelt, sonstiges Leid antut, verspürt zwangsläufig wie ihm/ihr das Gewissen schlägt. Er/sie müßte nur auf das Gewissen hören... Allerdings gibt es da insofern Grenzen, wenn Kinder von Haus aus dazu angehalten werden das Gewissen zum Schweigen zu bringen, weil die Eltern selbst es stets ignorieren. Wer nur schnell stinkreich werden will, der hört nicht auf sein Gewissen, wenn er unlautere Mittel einsetzt und deren Sprößlinge werden das nachahmen, dann vielleicht schon ganz ohne Gewissensbisse, weil sie es nicht anders kennen.

Auch benötige ich keine Bibel, um meine Moral auf dessen Wortlaut zu bilden. Niemand sollte das ernsthaft tun, da die Bibel zu grossen Teilen eine absolut unterirdische Moral vertritt.
"Wenn man Dich auf die Wange schlägt, halte auch die andere hin" - sinngemäß. Der Zweck ist, den Schlagenden zu beschämen, das mag zwischen ethisch-moralisch gleichgepolten Menschen funktionieren. Bei anders gepolten ist es eine widersinnige und gefährlich Anleitung: ein Terrorist wird diese Macht nutzen und noch heftiger zuschlagen.

So richte ich meine Dankbarkeit möglichst unmittelbar an die Menschen, mit denen mir Positives widerfährt. Ich sage ihnen das oder lasse Taten sprechen, um ihnen meine Dankbarkeit zu zeigen.
Ein weiterer positiver Effekt solchen Handelns ist, daß es zu einem Schneeballeffekt kommt. Im saarländischen und französischen Verkehr ist dies gut zu beobachten (nun mal meine Sphäre): Fahrzeuge in Vorfahrtsstraßen einfädeln lassen - in Stoßzeiten ein Geschenk, sonst steht man morgen noch am gleichen Fleck, das hat sich hier so stark eingebürgert, daß es besser funktioniert als das Reißverschlußsystem. Wenn mir jemand Vorfahrt gewährt, werde ich sie an der nächsten Kreuzung ebenfalls gewähren.

Schicke ich meine Worte ins Universum? Nun, ich weiss es nicht so genau. Ich ahne, dass es ein Sprachrohr ist, wo auch immer es beginnt und wo es aufhört. Und dies wirft jetzt sicherlich Fragen auf …
Worte, Taten, aber auch das Denken erzeugt Schwingungen, sie alle tragen zu dem Schwingungsmuster bei, das uns umgibt, je mehr positive Schwingungen wir erzeugen, umso weiter reichen sie, umso stärker machen sie sich bemerkbar und werden dann auch von anderen wahrgenommen. Im Kleinen bemerkt man solche Schwingungen sofort, wenn man eine Wohnung betritt. Haben sich die Bewohner gerade heftig gestritten bemerkt man die "dicke Luft", sind sie gut aufgelegt erzeugt das eine fröhliche Stimmung. Das Universum ist "unendlich", da dauert es etwas länger bis die Wirkung einsetzt.

Mein Begriff von Gott
Alles Existierende ist Energie. (...) sehe ich Körper, Geist und Seele als verschiedene Formen dieser Energie an. Lebensformen wie der Mensch verfügen über Körper, Seele und Geist und sind damit weit mehr als nur das sichtbar und fassbare körperliche/materialisierte.
Vielleicht ist es auch so, dass die Übergange fliessend sind. Vielleicht sogar so fliessend, dass man nicht von Übergängen sprechen kann. (...) kann der Mensch sich auch nicht ansatzweise eine Vorstellung von einer Realität machen, welche in Anzahl Dimensionen weit über dem liegt, was sein Gehirn überhaupt verarbeiten kann.
Wie auch immer: es gibt meines Erachtens eine Ebene, auf welcher alles Existierende miteinander verbunden und somit eins ist. Wie Inseln im Meer, die beim Rückgang des Wassers plötzlich sichtbar miteinander verbunden sind und schon immer verbunden waren.
Die Erklärungen zu dem, was Du hier benennst, findet man in den östlichen Lehren immer wieder, auch in deren Religionen. Ich habe mich diesbezüglich mit dem Tao beschäftigt bzw. dem Daoismus, der u.a. mit Yin-Yang, Qi, Wandlungsphasen zu tun hat. Die auch dazu gehörende Unsterblichkeit habe ich eher ausgelassen, ist mir zuviel des Guten ;). https://de.wikipedia.org/wiki/Daoismus

Dazu gehört auch das I-Ging. https://de.wikipedia.org/wiki/Daodejing
Eine Sammlung chinesischer, weiser Sprüche und Lebensweisheiten.

Als Arbeitsbuch, zur Erkundung der inneren Strömungen des Selbst und externer sowie kosmischer Strömungen, die deren Verwirklichung fördern oder behindern: Das Buch der Wirklichkeit - Das I-Ging des kosmischen Zeitalters, ist eine gelungene deutsche Übersetzung aus dem Chinesischen, die berücksichtigt, daß sich unser Denken von dem der Chinesen unterscheidet. Es ist als Arbeitsbuch gedacht, man kann aber auch einfach nur darin schmökern.
Bücher von Amazon
ISBN: 3922731244


Wenn ich mal wieder so richtig auf dem Schlauch stand, habe ich das Buch zur Hand genommen und wurde immer wieder davon überrascht, welche nutzbringenden Erkenntnisse es mir einbrachte. Es ist eben alles Energie, wenn wir die richtigen Fragen stellen, kommen die Antworten fast von alleine.

Gott ist in dem Sinne für mich diese Energie und damit der Baustoff für alles, was ist. Wir sind alle Kinder von Gott …. in dem Sinne ein Teil des Baukastens. Gott ist damit in mir und ich bin ein Teil von Gott. Wenn ich mich an mich selbst richte, richte ich mich an Gott. Alles, was ich in mir positiv oder negativ erschwingen lasse, bringt zwangsläufig Veränderung ins Ganze.
So sehe ich das auch - besonders augenfällig wird das, wenn man plötzlich einem völlig verlotterten Obdachlosen gegenübersteht, ihm in die Augen schaut und wechselseitig ein Strom Liebe von und zu ihm strömt, verbunden mit dem Gefühl einem ganz besonderen Menschen gegenüber zu stehen. Hier "spricht" meines Erachtens der göttliche Funke in uns.

Und hier will ich für heute schließen, ist schon viel zu lang, es macht eben Freude über diese Dinge zu sprechen.

Liebe Grüße,
Clematis
 
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Ja. Es macht Freude, über "diese Dinge" zu sprechen.
Dem nachspüren. Ich liebe es auch! :)

Schön, hier zu lesen!
 
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13
Hallo, Clematis!

Ich bin sehr beeindruckt, wo Du überall gesucht hast, was alles Du probiert hast, was alles studiert, mit welcher Ausdauer und Beharrlichkeit Du Dich immer wieder auf die Suche gemacht hast, noch immer auf der Suche scheinst - ja, nach was eigentlich?

Ein beabsichtigter Austritt aus einer Glaubensgemeinschaft motiviert hier zu den längsten Beiträgen und ob Gegner oder Befürworter, niemand macht es sich leicht, nützt die Gelegenheit, bei sich genauer nachzuschauen - fantastisch.

Auch ich war mir völlig sicher und trage viel zu schwer an meinem Alltag, als dass ich mir irgendeinen unnützen Ballast leisten könnte.
Trotzdem steigt mein Unbehagen bei der Vorstellung, die rituellen Hilfen nicht mehr zur Verfügung zu haben, die mein Glauben anbietet und die allgemein immer weniger in Anspruch genommen werden und von mir schon jahrzehntelang nicht - wie verrückt ist das alles?

Auch wenn ich die Frustration der vernünftigen Austrittsbefürworter völlig nachempfinden kann, so hätte ein Austritt für mich auch viel mit Aufgeben zu tun, Resignieren.
Ich spüre so etwas wie Verlustschmerz, auch wenn ich nur bisher völlig ungenützte Möglichkeiten aufgebe.
Und doch ist es ein Verlust und es bleibt für mich ein Gefühl des Scheiterns.

Wenn Buddhisten über ihre Glaubenserfahrungen sprechen, ist die erste Frage: "Bist Du erleuchtet?"
Wenn die Antworten auf diese Frage nicht übereinstimmen, ist das Gespräch beendet.

In der Umgebung der mir bekannten Kirchengänger würde so eine Frage nie gestellt, weil prinzipiell so getan wird, als wären wir alle erleuchtet und trotzdem jeder weiß, dass es kein einziger ist.
Ich vermute, dass das ein Grund ist, warum in einer Eucharistiefeier so wenig Freude und Gemeinschaft zu erleben ist, stattdessen das Scheitern am vorgegebenen Anspruch und die Angst, dass das der Andere bemerken könne.

Und doch: Wie kann es schmerzen, bei so einem verlogenen Haufen nicht mehr mitmachen zu dürfen?

Ich weiß nicht, wann Glauben - zumindest in meiner Umgebung - zur individuellen Geheimsache geworden ist und jeder unangenehm berührt ist, wenn man eine Frage auch nur in Richtung seiner Religionspraxis stellt.
Da kriegt man schon eher Auskunft über Sexualpraktiken, als über den wirklichen Umgang mit Kirche und Gott.

Und doch: Ich wäre gerne ein akzeptierter Gesprächspartner für einen Erleuchteten, und das nicht nur um angeben zu können.

Und doch ... , um was eigentlich geht es da?

liebe Grüße
Owlet
 

Clematis

Ich bin sehr beeindruckt, wo Du überall gesucht hast, was alles Du probiert hast, was alles studiert, mit welcher Ausdauer und Beharrlichkeit Du Dich immer wieder auf die Suche gemacht hast, noch immer auf der Suche scheinst - ja, nach was eigentlich?

Hallo Owlet,

nun, ich bin von mir gar nicht beeindruckt, denn irgendwie scheint es in meiner Natur zu liegen, Fragen zu stellen bis ich eine für mich zufriedenstellende Antwort gefunden habe und das nicht nur beim hier besprochenen Thema. Es gab lange Pausen, da "forschte" ich gar nicht, sondern freute mich nur meines Lebens. Ich fand dann "meine" Antwort vor vielen Jahren, die für mich paßte und damit hörte diese Suche auf.

niemand macht es sich leicht, nützt die Gelegenheit, bei sich genauer nachzuschauen - fantastisch.
Es ist ja auch eine wichtige Frage. Im Grunde genommen ist es auch eine Frage nach dem Sein und Nichtsein oder Wie entstand dieses Universum, Warum sind wir hier, Warum wurden wir geboren? So bleibt für mich z.B. völlig ungeklärt wie das Universum entstand - die Wissenschaft sagt es sei ein Urknall gewesen, höchst unbefriedigend, denn da hört das Fragen auf. Meine lautet was war davor und wie kam es denn zum Urknall?

Auch ich war mir völlig sicher und trage viel zu schwer an meinem Alltag, als dass ich mir irgendeinen unnützen Ballast leisten könnte.
Trotzdem steigt mein Unbehagen bei der Vorstellung, die rituellen Hilfen nicht mehr zur Verfügung zu haben, die mein Glauben anbietet und die allgemein immer weniger in Anspruch genommen werden und von mir schon jahrzehntelang nicht - wie verrückt ist das alles?
Nur Du selbst kannst wissen und entscheiden, was schwerer wiegt: der unnütze Ballast oder die Hilfen, die Dir Dein Glaube bietet. Da Du diese Hilfen schon Jahrzehnte nicht in Anspruch genommen hast - liegt die Antwort doch eigentlich schon auf der Hand: Du brauchst sie nicht. Aber solange Du Dich hier nicht entscheiden kannst, sind vielleicht beide nützlich. Sie regen Dich beide an, Dich mit der Frage zu befassen, sie auch mal längere Zeit ruhen zu lassen und Dich einfach dem Leben, jetzt und heute, zuzuwenden, ist oft auch eine gute Idee. Selbst wenn man nicht bewußt darüber nachdenkt, das Unterbewußte arbeitet dennoch weiter an der Frage und eines Tages findet sich die Antwort ganz von allein ein. Viele berühmten Forscher fanden ihre Antwort erst, nachdem sie eine unlösbare Aufgabe ganz beiseite legten, ruhen ließen.

Aufgeben zu tun, Resignieren. Verlustschmerz, Und doch ist es ein Verlust und es bleibt für mich ein Gefühl des Scheiterns.
Du bist wohl von klein auf in Deinem Glauben erzogen und groß geworden. Den Verlustschmerz kann ich nachvollziehen, doch warum sollte das Resignation und Scheitern als Gefühl auslösen? Weil die Kirche von Dir verlangt ohne wenn und aber zu glauben und Du meinst das nicht zu können (scheitern) und Dich damit widerwillig abfindest (resignieren)? Darf uns überhaupt jemand vorschreiben, was wir zu glauben oder zu denken haben? Vielleicht ist das die Frage die zu stellen wäre und deren Antwort Dir aus dem Dilemma heraushilft?

Das ist eine viel schwierigere Ausgangsposition als ich sie hatte. Ich war von Anfang an frei und ging dann den umgekehrten Weg, bekannte mich erst mit 22 Jahren zur Religion, ohne von klein auf indoktriniert worden zu sein. Mir hatte niemand vorgeschrieben, was ich zu glauben und denken hatte. Als ich dann erkannte, daß dies nichts für mich war, fiel es mir aus diesem Grund viel leichter, dem wieder abzusagen.

Wenn Buddhisten über ihre Glaubenserfahrungen sprechen, ist die erste Frage: "Bist Du erleuchtet?" Wenn die Antworten auf diese Frage nicht übereinstimmen, ist das Gespräch beendet.
Mal abgesehen davon, daß ein echter Buddhist eine solche Frage nicht stellen würde, weil nur die allerwenigsten erleuchtet sein können, und ein Erleuchteter, der dies genau weiß, den anderen helfen würde sich auf den Weg zur Erleuchtung zu begeben, der dann sehr lang und mühsam ist und erst sehr viel später erreicht werden kann, wenn überhaupt, sind es genau solch dümmlich, überhebliche Fragestellungen, die ich nicht schätze.

Jeder von uns hat seinen eigenen Weg, wie immer der auch aussehen mag, jeder ist legitim und verdient respektiert zu werden. Es steht auch niemandem zu, den Weg eines anderen zu kritisieren oder diesen Weg niederzumachen, weil er nicht dem eigenen entspricht. Aber ist es nicht genau dies, was innerhalb von Religionsgemeinschaften aller Richtungen ständig geschieht?

weil prinzipiell so getan wird, als wären wir alle erleuchtet und trotzdem jeder weiß, dass es kein einziger ist. stattdessen das Scheitern am vorgegebenen Anspruch und die Angst, dass das der Andere bemerken könne.
Erleuchtung ist etwas ganz besonderes und es gibt nur wenige, die es wirklich sind. Wäre es anders, könnten ein Buddha, Jesus und andere nicht so verehrt werden, wie es geschieht. Mancher Mensch mag einige der Eigenschaften haben, die auch ein Erleuchteter hat, aber nicht alle. Sie zeichnen sich oft durch Liebe zu den Menschen, Weisheit, Toleranz und so manches mehr aus. Erleuchtung zu heucheln gehört nicht dazu und dennoch tut so mancher dies, doch der Schein ist für andere erkennbar.

Und doch: Wie kann es schmerzen, bei so einem verlogenen Haufen nicht mehr mitmachen zu dürfen?
Vielleicht wäre die Frage anders zu stellen: Was habe ich bei einem solch verlogenen Haufen verloren? Es gibt so viele Menschen, die dies nicht sind, warum suchst Du Dir nicht dort die Kontakte, die Du brauchst? Als ich begann mich mit Esoterik - der Suche im Innen, im Selbst - zu befassen, begann auch eine merkliche Veränderung im Außen. Menschen, die einen völlig anderen Weg gingen wurden für mich uninteressant, Menschen, die ähnliches suchten wie ich, wurden interessant und waren in meinem Umkreis plötzlich sehr viel zahlreicher. Diese Kontakte waren sehr aufbauend und hilfreich, offene und sehr tiefgreifende Gespräche wurden möglich. Verändern wir uns selbst, verändert sich auch das Umfeld - es ist das Gesetz der Resonanz, oder der Schwingungen und Energie, die wir erzeugen, von anderen gespürt werden und sie anziehen.

Ich weiß nicht, wann Glauben - zumindest in meiner Umgebung - zur individuellen Geheimsache geworden
Glaube und Religion sind Privatsache, daher wird niemand die Frage danach schätzen. Viele Gläubige mögen auch zu vielen Religionsangelegenheit eine Meinung haben, die der ihrer Gemeinschaft widerspricht. In einer gängelnden Religion und einer Gesellschaft, in der man sehr schnell bereit ist, jemanden zu verurteilen, allein deswegen weil er/sie eine andere Ansicht vertritt, wird die Angst vor freier Meinungsäußerung geschürt. Also verheimlicht man seine abweichenden Ansichten lieber und weicht solchen Fragen aus.

Und doch: Ich wäre gerne ein akzeptierter Gesprächspartner für einen Erleuchteten, und das nicht nur um angeben zu können.
Und doch ... , um was eigentlich geht es da?
Also möchtest Du auch ein bißchen damit angeben können ;)? Der Wunsch mit einem Erleuchteten Bekanntschaft zu machen, der einen auf dem Weg zur Erleuchtung begleitet, Anregungen gibt, einem weiterhilft, wenn man sich verrannt hat, ist gut, doch er birgt auch viele Gefahren. Auf dieser Welt laufen viel zu viele Gurus herum, die sich erleuchtet nennen, es aber nicht sind. Allzuoft verfolgen sie leider ganz andere Ziele und führen in die Abhängigkeit einer Ersatzreligion, die für den Einzelnen sogar gefährlich werden kann.

Die wirklich Erleuchteten wirken im Stillen, sie tun Gutes, helfen wo sie nur können, sind äußerst bescheiden und hängen ihre Taten nicht an die große Glocke. Ich hatte mal das Glück einem solchen Menschen zu begegnen, als ich mich zu einer tibetischen Behandlung in Freiburg anmeldete. Mehrere Ärzte waren dort aktiv, u.a. der Leibarzt des Dalai Lama. Da auch ich nicht davor gefeit bin "elitäre" Gedanken zu spinnen, wollte ich bei der Anmeldung meinen Wunsch äußern, diesem Arzt zugeteilt zu werden. Aber schon diesen Gedanken empfand ich als anmaßend und verwarf ihn sogleich wieder. Umso überraschter war ich, als er es war, der die Pulsdiagnose durchführte, mir seine heilenden Hände auflegte, sein Kollege stellte das Rezept aus. Worte wurden keine gewechselt. Als ich wieder ging, stand ich auf, drehte mich aber nicht um, sondern verbeugte mich mit aneinandergelegten Händen, wie in Tibet üblich, mehrmals, rückwärts gehend, bis ich die entfernte Tür erreichte... Und erst dann drehte ich mich um, um die Tür zu öffnen. Wie es zu dieser Ehrerbietung diesem nur scheinbar kleinen, unscheinbarem Mann gegenüber kam? Ich weiß es nicht, es war aber gleichsam die natürlichste Handlung der Welt. Die Wirkung seiner heilenden Hände hielt noch lange an, ich war wie ausgewechselt, voller Frohsinn und Glücksgefühlen und auch heute noch, nach vielen Jahren, bin ich dankbar für das, was ich damals erleben durfte.

Um was geht es da? Dieses Erlebnis gibt einen Einblick - es geht darum die Menschen auf den für sie richtigen Weg zu führen, ihnen zu zeigen, wie es sein kann mit sich selbst in Einklang zu sein, wie es sein kann sich selbst und andere glücklich zu machen und noch viel, viel mehr. Und darum zu erkennen, daß man dies erreichen kann, wenn man bereit ist diesen Weg zu gehen. Es ist ein langer Weg, das Ziel in weiter Ferne, das Begehen dieses Weges an sich aber schon sehr befriedigend.

Liebe Grüße,
Clematis

Ein kurzer Lebenslauf von Dr. Choedrak, dem ich damals begegnete:
https://www.tibet.de/fileadmin/pdf/tibu/1992/tibu023-1992-14-tenzinchodrak.pdf
Das zeigt, wie man allein mit geistigen Kräften überleben kann...
Der Palast des Regenbogens, Der Leibarzt des Dalai Lama erinnert sich:
Bücher von Amazon
ISBN: 3458169725
 
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17.08.10
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Danke Marcel für Deinen klaren und doch sehr einfühlsamen Beitrag zur geistigen Befreiung. Dem ist von meiner Seite nicht mehr viel hinzuzufügen. Ich bin bereits vor 40 Jahren aus ähnlichen Gründen ausgetreten. Bereits vor 45 Jahren als ich den Kriegsdienst verweigerte, war mir klar, daß etwas mit den Religionen nicht stimmen kann. Schon nach meinem damaligen Verständnis hätte jeder ‚Gläubige‘, zumindest der christliche Gleiches tun müssen. Was machten die jungen Kollegen statt dessen? Gingen blindlinks zur Bundeswehr oder machten Kariere in der Waffenfabrik und sonntags in die Kirche.

Gedankenaustausch mit ‚Gläubigen‘ vermeide ich immer mehr und werde auch hier nicht darauf eingehen.

Dennoch hat mich mein Leben lang die Frage beschäftigt, wie kam es zu diesem geistigen Unfall. Dazu gehört auch generell die Frage: wie entsteht Macht? Führt aber hier zu weit. Wie es zu dem Drama Religion kam, habe ich unter anderem in einem meiner Märchen verarbeitet. Ich möchte es Euch hier erzählen:

Es war einmal und ist immer noch. Wo? / 1 « bumi bahagia - glückliche Erde

Möge es das Thema etwas aufheitern. Das Wichtigste ist, das Leben mit möglichst viel Humor zu gestalten.

LG Ludwig
 
Beitritt
13.03.10
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13
Hallo, Clematis!

Danke für Deine schnelle Antwort.
Sie fegt wie ein Wirbelwind zwischen die Zeilen meines depressiven Gebrabbels.
Ich bin versucht, aufzuspringen, Haltung anzunehmen und „Jawoll ja!“ zu brüllen.
„So ist es, so wird´s gemacht und keinen Deut anders.“ :D

Deine Intuition trügt Dich nicht!
Deine „Energiespende“ trift auf einen kraftlos danieder Liegenden – vielen Dank dafür!

Es scheint, als wärest Du unglaublich schnell im klaren Denken, Formulieren, Schreiben, Bewerten, vermutlich auch Abwerten und Verwerfen, ... .
Verzeih´, das ich Deine bewundernswerten Fähigkeiten dazu mißbrauche, mir selbst auf die Spur zu kommen und der Tücke dieser Materie von Religion und Glaubenspraxis ein bißchen näher.

Schätze, das waren auch einmal meine Stärken:
Schnelligkeit, auf den Punkt bringen können, klare Fragen formulieren die nur eindeutige Antworten zuließen, ..., eine zweite Chance, ein zweiter Blick, eine zweite Überlegung, eine zweite Perspektive, ..., alles zweite Wahl - ist nicht!
Was immer mich erreichen soll, muß schnell sein und klar und logisch und eindeutig.

Ich war in viel jüngeren Jahren wohl sehr anstrengend in meinem nach Antwort Gieren für meine „zuständige“ Umgebung.
Ich kann mich nur an die Szenerie erinnern, wie der väterlich gütige Pfarrer einer Provinzkleinstadt meinen aufgebrachten und empörten Religionsprofessor zu beschwichtigen sucht mit der Erklärung: „Er ist halt ein verzweifelt Suchender.“
Ich vermute, dass ich Antworten darauf verlangte, wozu ich all diese Einschränkungen in Kauf nehmen sollte, wozu diesen ganzen unglaubwürdigen "Schmarren" lernen, der im Widerspruch stand zu jeder Vernunft und Logik, wie genau sich das Befolgen dieser ganzen Regeln auf das private Leben des Professors auswirken würde und wie genau seine private Praxis davon wäre, .... .
Ich vermute, ich bekam für meine Begriffe nur ausweichende Phrasen, Allgemeinplätze, inhaltlose „Worthülsen“ als Antwort – unglaubwürdiges, unbrauchbares Gewäsch!

Warum ich nicht diesem verklemmten, verlogenen Haufen endgültig den Rücken kehrte und auch heute, viele Jahrzehnte später in ganz anderer Lebenssituation, noch immer zögere?
Vermutlich, weil da immer ein Ahnen war, daß da noch etwas drinnen sein könnte, das sich mir bisher verschloß.
Vielleicht auch ganz einfach die Vermutung, daß da ja viele sonst sehr vernünftige und gut zu brauchende Leute dabei waren und die nicht alle irren konnten und nur ich vielleicht zu verbohrt war, zu verstehen, worum es da ging.

Jetzt aber, beim Nachsinnieren darüber und in ganz anderem Lebenstempo unterwegs, kriege ich eine Vorstellung davon, was das sein könne, wie das gehen könne.
Vielleicht bringt das ein Titel eines Filmes auf den Punkt, den ich vor Jahrzehnten gesehen habe, an dessen Inhalt ich mich gar nicht erinnern kann, wohl aber seinen Titel:
„Die Tür zum Himmel geht nach innen auf.“
Auch nach dem Film hatte ich keine Ahnung, was er mit mir zu tun haben solle, warum mich sein Titel so irritierte.

Ich versuche mich noch einmal an meinem provokanten Beispiel:
´Wenn Buddhisten über ihre Glaubenserfahrungen sprechen, ist die erste Frage: "Bist Du erleuchtet?"
Wenn die Antworten auf diese Frage nicht übereinstimmen, ist das Gespräch beendet.`
Du reagierst sofort und völlig zurecht auf die Form dieser Aussage:
Was soll diese blöde Aussage, wie überheblich und menschenverachtend ist das denn?
Was aber inhaltlich - zugegeben vielleicht ungeschickt - mitgeteilt werden soll, kann allerdings vielfältig sein und ist vielleicht gar nicht überheblich gedacht, sondern ein Hinweis auf alles Mögliche:
- Daß Erfahrung nicht dazu da ist, daß viel über sie gegackert wird, sondern daß sie gemacht wird?
- Daß außerordentliche Erfahrungen mit Dankbarkeit angenommen werden sollen und nicht damit andere Menschen traurig gemacht, die diese Gnade nicht erfahren?
- Daß für außerordentliche Erfahrungen die menschliche Sprache ungenügend ist, sie zu beschreiben?
- Daß über solch intensive Erfahrungen nicht viel gesprochen werden soll, nicht viel verglichen, weil das den Charakter der Einzigartigkeit zerstört?
- Daß so außerordentliche Erfahrung mit gutem Grund einem bestimmten Adressaten zugedacht sind und dort auch bleiben sollen?
- Daß es nicht zum Einfachsten und Sinnhaftesten gehört, mit einem Blinden über die Farben zu diskutieren?
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Viele Motive des Autors, viele beabsichtigte Inhalte sind denkbar.
Welche bei mir ankommen, hängt auch davon ab, wie viel Zeit ich ihm gebe, Resonanz in mir zu erzeugen, wie viel Übung ich habe, alle Möglichkeiten auszuloten. Was er mir vermitteln kann, hängt fast mehr von mir selbst, als vom Text ab, auch wenn der unverzichtbar ist dafür, meine Assoziationen auszulösen.
So ist vermutlich auch mit religiösen Inhalten umzugehen, kommen sie von wohlmeinenden Menschen, oder über religiöse Texte.
Dankend annehmen und sich darauf einlassen - wie Du ja auch schon wiederholt erfahren hast.
Und gespannt sein, welche Resonanz er im eigenen Unterbewußten erzeugt, was an Erkenntnissen, Einsichten er hoch spült, ... ?

Aber warum sagte einem das damals denn keiner!? Ist das wirklich so schwer mitzuteilen? Ist das wirklich unmöglich, einem doch intelligenten jungen Menschen beizubringen?
Wer soll denn ahnen, daß man zwar die Fragen laut nach außen stellen kann - vielleicht sogar sehr laut – Antworten aber ganz leise – und wenn überhaupt und zu ihrer Zeit - von innen kommen?
Wie fies ist das denn?

Ich kann mich nur vage erinnern, wie sprach- und hilflos die Generation meiner Eltern ihren Emotionen ausgeliefert war und wie wenig sie sich gegenseitig von ihren Empfindungen und Nöten mitteilen konnten - und mit ihnen natürlich auch meine Lehrer.
Und ich wollte in aller Schulöffentlichkeit eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Glaubens führen, forderte eine persönliche Demonstration ein einer „funktionierenden Glaubenspraxis“, die Bloßstellung des Intimsten überhaupt: der Beziehung oder Nichtbeziehung zum eigenen Schöpfer?

Betroffen blicke ich zurück und leiste Abbitte gegenüber meinen armen Opfern von damals und bin dankbar, daß meine Religion die Möglichkeit bietet, das in einem Ritual tun zu können.
Vielleicht ist das gemeinsame Ritual wirklich der größte gemeinsame Nenner, der eine Gemeinschaft möglich macht von verschiedensten Zugängen, verschiedensten Erfahrungen, oder auch nur des Bemühens darum.

Vielleicht warten da noch einige Antworten geduldig darauf, endlich von mir gehört zu werden?
Vielleicht werde sogar ich noch besinnlicher, hellhöriger, ... ?
Vielleicht ist das Sprichwort mit dem Hänschen und dem Hans auch übertrieben ... ?
Vielleicht ... ?
Vielleicht ist auch mal gut für diesmal? :)
Vielleicht kannst sogar Du - Clematis - mir meine Flapsigkeit von oben vergeben?

Mit zerknirscht lieben Grüßen
Owlet
 

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Ich möchte Euch kurz für Eure sehr umfassenden Beiträge danken. Gerne möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt darauf aufsetzen. Dies ist mir diese Tage jedoch leider nicht möglich. Aber nur aufgeschoben ... nicht aufgehoben ;)

Gruss, Marcel
 
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