Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. Pall)

Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Rudi Ratlos schrieb:
Weißt du, ob der Therapieplan, den Dr. Kirkamm bei seinem letzten Online-Seminar vorgestellt hat, aus dem Buch von Dr.Pall entnommen ist?
Es sieht mir nach kurzem Querlesen nicht so aus. Dazu ggf. später mehr.

Was ich festgestellt habe, ist, dass der Therapieplan sich teilweise mit der von Dr. Kirkamm online gestellten und oben schon verlinkten Tabelle deckt. Hier noch mal der Link zur neueren Version: www.nitrostress.de/medboxx/wp-content/uploads/therapie-des-nitrosativen-stresses-_tabellen_27052008.pdf

Der erste Abschnitt der Tabelle lautet "Inhibitoren des NO/ONOO-Mechanismus". In der ersten Zeile steht das B12 - dies wird zum 1. Schritt "Ausgleich des Vitamin B12-Verbrauchs" des Therapieplans. Alle übrigen Mittel aus diesem Abschnitt werden zum 2. Schritt "Hemmung des NO/ONOO-Mechanismus".

Der 3. Schritt "Unterstützung des Fettstoffwechsels" findet sich in der Tabelle gleich darunter als zweiter Abschnitt "Unterstützung des Energiestoffwechsels".

Der 4. Schritt "Schutz vor Oxidantien" entspricht dem letzten Abschnitt der Tabelle.

Der 5. Schritt "Senkung der Glutamatrezeptor-Aktivität" bildet in der Tabelle den dritten Abschnitt.

Neu im Therapieplan ist also die zeitliche Reihenfolge. Und die "Reduktion der NF kappa B-Stimulation" fehlt, aber vielleicht ist das auch eine Lücke in der Mitschrift.

Gruß
Kate
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Ich habe inzwischen ein bißchen weiter in dem Buch von Pall geschmökert. Sehr gut gefällt mir der Teil, in dem er sich mit dem"psychogenen" Denkansatz der Mediziner und Psychologen/Psychiater befaßt, also mit der Meinung, daß psychische Ursachen hinter körperlichen Probleme stehen.
U.a. beschäftigt er sich mit dem Gedanken um die immer noch bestehende Meinung von der Dualität des Menschen, also der Teilung des ganzen Menschen in Körper und Psyche. Er meint, das sei längst überholt, spuke aber eben immer noch in den Köpfen herum.
Er wirft den Psychiatern/Psychologen vor, daß sie einfach davon ausgehen, daß die Krankheiten, die sie als "psychogenic" ansehen, dann von ihnen auch so angegangen werden, ganz egal, ob sämtliche mögliche Parameter und möglichen Untersuchungen gemacht worden sind oder nicht.
Dazu käme noch, daß Studien, die gegen diese These der "psychogenen" Krankheiten sprechen, nicht nur nicht angeführt werden sondern gleich so unter den Tisch gefallen lassen werden, als ob es sie überhaupt nicht gäbe.

Er führt Beispiele aus der Sparte "psychogen" an, die allgemein bekannt sind:
Der Helicobacter pylori als Erreger von Magenbeschwerden und Magenschleimhautentzündung. Früher hieß es, der Mensch hätte eben einen empfindlichen Magen und fresse alles in sich hinein.

Auch die um 1900 noch gang und gäbe Hysterie vor allem von Frauen mußte dafür herhalten, Gebärmutterentzündungen zu begründen.
... In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Hysterektomie bei der Therapie der Hysterie angewandt. Man nahm an, die Hysterie sei eine typisch weibliche Eigenschaft. ...
Hysterektomie – Wikipedia
Passte doch gut: hystera = griech. : Gebärmutter.

Es gibt noch mehr Beispiele dieser ARt.

Gruss,
Uta
 
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Zu Vitamin B12 in der Form Cobalamin sagt Pall in etwa:

Die Injektion von B12 Cobalamin in recht großen Mengen hat durchaus Erfolge gebracht bei der Behandlung von CFS und auch Fibromyalgie. Und dies auch, wenn kein nachgewiesener Vitamin B12-Mangel besteht.
Deshalb sagt er, daß es bei den positiven Effekten der Spritzen nicht um die Auffüllung von Mängeln geht sondern um einen anderen Wirkungsweg: B12 ist ein NO-"scavenger" = ein NO-Strassenkehrer/Straßenreinigungsmaschine :)D), es verringert also NO.

Abstract:

Cobalamin (vitamin B12) in the form of hydroxocobalamin or cyanocobalamin injections has been widely used to treat chronic fatigue syndrome (CFS). Hydroxocobalamin is a nitric oxide scavenger and is proposed here to act as such a scavenger in CFS treatment. Its possible efficacy in CFS treatment, if further substantiated, may provide confirmation of a prediction of the elevated nitric oxide/peroxynitrite theory of CFS etiology. This interpretation of the possible role of cobalamin in CFS treatment suggests a useful perspective for confirming and optimizing this treatment.
The Haworth Press Online Catalog: Article Abstract

Gruss,
Uta
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

U.a. beschäftigt er sich mit dem Gedanken um die immer noch bestehende Meinung von der Dualität des Menschen, also der Teilung des ganzen Menschen in Körper und Psyche. Er meint, das sei längst überholt, spuke aber eben immer noch in den Köpfen herum.
Danke, Mr. Pall ! :fans:
 

Kate

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Uta schrieb:
Er wirft den Psychiatern/Psychologen vor, daß sie einfach davon ausgehen, daß die Krankheiten, die sie als "psychogenic" ansehen, dann von ihnen auch so angegangen werden, ganz egal, ob sämtliche mögliche Parameter und möglichen Untersuchungen gemacht worden sind oder nicht.
Zum rot markierten Teil: Diesen Eindruck "durfte" ich auch mehrfach gewinnen. Ist ja auch recht bequem. Von mir auch Danke an Herrn Pall - und an Uta für die Darstellung hier :)

Es grüßt
Kate
 
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@Uta: Kann man das Buch von Pall eigentlich lesen ohne allzugroßen medizinischen Background? Würde mir das nämlich sonst gerne zulegen
 

Kate

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Ich bin zwar nicht Uta ;) aber ich meine bisher (bin im Kapitel 1, wo die einzelnen "Teufelskreise" erläutert werden): Man kann. Bei mir ist eher das Englisch das Problem, aber das wird mit der Zeit. Pall's Satzkonstruktionen sind für mich gut verständlich.

Es grüßt
Kate
 
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Ich bin nicht Kate ;). Mir fallen diese "Teufelskreise" nicht vom Englischen her aber von der Chemie/Biochemie her schwer, weil ich da irgendwie blockiert bin.
Sonst finde ich das Englisch recht gut zu lesen, vor allem, wenn man sich eingelesen hat.
Auch hier gilt wie für fast jedes fremdsprachige Buch der Tipp: wenn man sich die fremden Wörter von den ersten 50-60 Seiten herausschreibt und lernt, dann wird der Rest des Buches einfach zu lesen sein.

Ich lese das Buch nicht systematisch von vorne bis hinten sondern ich picke mir im Inhaltsverzeichnis die Themen heraus, die mich gerade interessieren.

Grüsse,
Uta
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo zusammen,

anscheinend werde ich mich auch mit Mr. Pall noch eingehend beschäftigen müssen.;)

Zu Vitamin B12 in der Form Cobalamin sagt Pall in etwa:

Die Injektion von B12 Cobalamin in recht großen Mengen hat durchaus Erfolge gebracht bei der Behandlung von CFS und auch Fibromyalgie. Und dies auch, wenn kein nachgewiesener Vitamin B12-Mangel besteht.
Deshalb sagt er, daß es bei den positiven Effekten der Spritzen nicht um die Auffüllung von Mängeln geht sondern um einen anderen Wirkungsweg: B12 ist ein NO-"scavenger" = ein NO-Strassenkehrer/Straßenreinigungsmaschine :)D), es verringert also NO.

The Haworth Press Online Catalog: Article Abstract

Vorab sei gesagt, dass ich von orthokularer Medizin noch keine Ahnung habe. Die Aussage von Pall, dass B12 ein NO-scavenger sei, finde ich aber sehr beruhigend, da dies dann eben nicht mehr eine singuläre Meinung von Dr. Kuklinski darstellt. In seinem dickeren Buch, das zufällig "gerade" bei meinem HA weilt :mad:, dünkt mir, dass er genau diese wissenschaftliche Entdeckung für sich beansprucht. Die, deren Exemplare nicht gerade zufällig beim HA darauf warten, einen interessierten Leser zu finden, könnten ja gleich mal nachschlagen.

Nun ist mir ja eigentlich egal, ob Dr. Kuklinski vielleicht des Englischen mächtig ist :idee: - oder möglicherweise Mr. Pall des Deutschen.

Therapeutisch ist es aber doch schön, wenn man nicht so oft auf beinahe singulär vertretene Hypothesen angewiesen wäre.

Liebe Grüße
Karolus
 

Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

...finde ich aber sehr beruhigend, da dies dann eben nicht mehr eine singuläre Meinung von Dr. Kuklinski darstellt. In seinem dickeren Buch, das zufällig "gerade" bei meinem HA weilt , dünkt mir, dass er genau diese wissenschaftliche Entdeckung für sich beansprucht.
Lieber Karolus, dazu kann ich ganz "zufällig" gerade definitiv etwas sagen :) Weil ich nämlich derzeit ein Wiki über den "Straßenkehrer" B12 vorbereite ;) Das wird zwar noch etwas dauern... aber das Kuklinski-Kapitel habe ich mir zu diesem Zwecke gerade nochmals zu Gemüte geführt.

Ich habe die betreffende Stelle so zusammengefasst:
Zur Klärung des gefundenen statistischen Zusammenhang zwischen gesteigerter NO-Synthese und Vitamin B12-Mangel wurde NO in der Ausatmungsluft bei 20 Patienten mit cervico-cephalem oder –enzephalem (von lat. cervix für Nacken, Hals, gr. kephalē für Kopf und enzephalon für Gehirn) Syndrom vor und 15-20 Minuten nach 1-2 Vitamin B12-Infusionen untersucht. Dabei zeigte sich ein deutliches Absinken der Werte. Zwar wies Pall schon 2001 darauf hin, dass durch Vitamin B12 eine Citrullinsenkung möglich sei, aber eine derart schnelle und deutliche Wirkung wurde nach Aussage Kuklinskis bisher nicht beschrieben.

Kuklinski bezieht sich also u.a. auf Pall als Quelle!

Genaue Quellenangabe:
Pall, M.L.: Cobalamin used in chronique fatigue syndrom therapy is a nitric oxid scavenger. J. Chron. Fatigue Syndr. 8 (2001), 39-44

Uta schrieb:
Ich bin nicht Kate ;) . Mir fallen diese "Teufelskreise" nicht vom Englischen her aber von der Chemie/Biochemie her schwer, weil ich da irgendwie blockiert bin.
Sonst finde ich das Englisch recht gut zu lesen, vor allem, wenn man sich eingelesen hat.
Auch hier gilt wie für fast jedes fremdsprachige Buch der Tipp: wenn man sich die fremden Wörter von den ersten 50-60 Seiten herausschreibt und lernt, dann wird der Rest des Buches einfach zu lesen sein.

Ich lese das Buch nicht systematisch von vorne bis hinten sondern ich picke mir im Inhaltsverzeichnis die Themen heraus, die mich gerade interessieren.
Nachdem wir nun geklärt haben, dass Uta und ich zwei verschiedene Personen sind :D muss ich natürlich zugeben, dass auch ich die Biochemie nicht im engeren Sinne verstehe. Ich kann nur versuchen, den Kausalketten so gut wie möglich zu folgen, die Struktur im Kopf abzubilden und auf Plausibilität zu prüfen. Wie das eben leider so ist, wenn man fachfremd ist. Das mit dem Wörter rausschreiben mache ich genau so :idee: - mit einem großen Papp-Lesezeichen. Habe aber das 50-60-Seiten-Stadium noch nicht erreicht. Ich lese i.W. chronologisch, so dass wir uns gut ergänzen :) Und wenn dann erst Karolus noch dazukommt... wow :fans:

Gute Nacht wünscht Euch
Kate
 
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Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Ich knüpfe hier an meine Beiträge weiter oben zum Buchinhalt an. Wir befinden uns immer noch im Kapitel 1, dessen Überschrift übersetzt in etwa lautet: Der NO/ONOO- Zyklus und die Ursache von chronischem Müdigkeitssyndrom, multipler Chemikaliensensitivität, Fibromyalgie und posttraumatischem Belastungssyndrom

Ich gebe das Gelesene hier in meinen eigenen Worten und nach eigenem Ermessen zusammengefasst wieder.

SICH ÜBERSCHNEIDENDE MULTISYSTEMERKRANKUNGEN

Zwischen CFS, FM und MCS gibt es viele Überschneidungen und Gemeinsamkeiten sowie hohe Komorbiditäten (d.h. wenn jemand eins der Syndrome hat, ist die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, auch andere dieser Syndrome zu entwickeln). Sie haben ein gemeinsames Muster der Krankheits-Auslösung: Kurzzeitige Stressoren, die gefolgt werden von einem chronischen Krankheitszustand, der typischerweise Jahre andauert, oft sogar das ganze Leben lang. Als erster brachte Miller [1] die Idee ein, dass diese und andere Erkrankungen eine gemeinsame, wenn auch noch nicht geklärte, Herkunft haben.

[1] Miller, C.S. Are we on the threshold of a new theory of disease? Toxicant-induced loss of tolerance and its relationship to addicion and abdiction. Toxicol Ind Health 1999;15;284-294
Der Titel in meiner Übersetzung: Sind wir an der Schwelle einer neuen Theorie von Krankheit?


Andere Autoren kamen aufgrund von Studienergebnissen zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Pall vermutet, dass die Erkrankung PTSD ebenfalls diesen gemeinsamen Mechanismus teilt. Das Golfkriegssyndrom und andere "Postkonflikt-Syndrome" haben Anteile aller vier genannten Erkrankungen. Als Oberbegriff wird von Pall im Weiteren "Multisystemerkrankung" verwendet.

DIE VORAUSGEHENENDEN STRESSOREN

Die vorausgehenden Stressoren variieren bei den verschiedenen Multisystemerkrankungen:

  • Bei CFS handelt es sich im Allgemeinen eine virale oder bakterielle Infektion.
  • Bei FM wurden darüber hinaus physische Traumen als Auslöser beschrieben, offenbar meist Kopf- und Genicktraumen.
  • Bei MCS sind es chemische Expositionen - entweder als einmalige Belastung auf hohem oder mehrfache Belastung auf niedrigem Level. Die meisten beteiligten Chemikalien lassen sich vier Klassen zuordnen, drei Klassen von Pestiziden und flüchtige organische Lösungsmittel.
  • PTSD wird meist durch schweren psychischen Stress ausgelöst. Das DSM-IV verlangt ein solches Trauma als Definitionskriterium.

Eine wichtige Frage ist, wie diese verschiedenen Stressoren diese Erkrankungen auslösen. Sie haben kein offensichtliches gemeinsames Merkmal, das die ähnliche biologische Antwort beim Menschen erklären könnte. Es existieren allerdings wesentliche Belege dafür, dass jeder dieser Stressoren die NO-Spiegel im Körper erhöhen kann, das heißt, hier besteht zumindest eine auffällige Koinzidenz. Diese Belege hat Pall überprüft und ist auf diverse Mechanismen gestoßen, die zu diesen erhöhten NO-Spiegeln führen können.

Die Mechanismen in Kurzdarstellung:

Abkürzungen/chemische Formeln:
NO: Stickoxid
ONOO-: Peroxinitrit
OO-: Hyperoxid (veraltet: Superoxid)


Infektion
--> Synthese und Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine (bestimmte Substanzen, die während der Immunantwort freigesetzt werden)
--> Induktion der iNOS (Induktion: Fähigkeit von Organismen u. Organen, unter dem Einfluss eines Substrates sogenannte induzierte Enzyme zu bilden oder die Enzymaktivität zu vermehren, siehe Roche Lexikon Medizin (5. Aufl.))
--> NO-Produktion
--> ONOO--Produktion (Oxidationsprodukt von NO; entsteht mithilfe von OO-)

Diese Mechanismen sind gut belegt.

Physische Traumen des Kopfes oder Hirns
--> NO-Produktion
--> Stimulation des NMDA-Systems (Neurotransmittersystem; NMDA = N-Methyl-d-Aspartat; Untertyp der auf erregende Aminosäuren wie Glutaminsäure bzw. Glutamat, gemeinsam mit Glycin, ansprechenden Glutamat-Rezeptoren; steuern im Gehirn z.B. Gedächtnisleistungen, siehe Roche Lexikon Medizin, 5. Auflage)
--> NO- und ONOO--Produktion

Auch in der Wirbelsäule und im Genick existieren NMDA-Rezeptoren, so ist die Annahme berechtigt, dass es durch Genick-Traumen zu einer ähnlichen Reaktion kommen kann. NO-Erhöhungen durch physische Traumen anderer Körperteile wurden auch berichtet, der Mechanismus ist jedoch unbekannt.

Organophospor und Carbamat-Pestizide (scheinen besonders oft MCS auszulösen)
--> Erhöhung der Acetylcholin-Spiegel
--> Stimulation der Muscarin-Rezeptoren (zu Muscarin und Muscarinrezeptoren siehe z.B. Roche Lexikon Medizin (5. Aufl.))

--> Erhöhung der NO-Spiegel durch Stimulation von 3 von 5 dieser Rezeptoren und
--> Stimulation des NMDA-Systems --> Erhöhung der NO-Spiegel​

VOCs (flüchtige organische Verbindungen, siehe Wikipedia Flüchtige organische Verbindungen)
--> Stimulation des Vaniloid-Rezeptors (siehe Wikipedia TRP)

--> Erhöhung der NO-Spiegel und
--> Stimulation des NMDA-Systems --> Erhöhung der NO-Spiegel​

Schwerer Psychostress (scheint eine wesentliche Rolle bei der Auslösung von PTSD zu spielen)
--> Exzessive Stimulation des NMDA-Systems
--> Erhöhung der NO-Spiegel

Im Tierversuch wurden NMDA-Antagonisten erfolgreich zum Blocken PTSD-artiger Symptome eingesetzt. In einer Studie stoppte die Hemmung der NO-Synthese die dort betrachtete physiologische Antwort in Form von Magenschleimhautschäden.


Es gibt einen beträchtlichen "cross-talk" (wörtlich: schneller Wortwechsel) zwischen den Stressoren. So stellt schwerer Psychostress ebenso einen Risikofaktor für FM, CFS oder MCS dar. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Stressoren mittels einer ähnlichen physiologischen Antwort wirken. Dass die einzige bekannte gemeinsame Antwort die Erhöhung des NO-Spiegels ist, bestätigt die kritische Rolle von NO in den Krankheitsmechanismen.

Studien von Abou-Donia & Mitarbeitern untersuchten im Tierversuch die synergistische Rolle von psychischem Stress und chemischer Exposition bei der Auslösung einer MCS-artigen Antwort. Solche Synergismen zwischen verschiedenen Stressoren waren zu erwarten aufgrund verschiedener Beobachtungen am Menschen.

Neben den sechs Stressoren, die als Auslöser von Multisystemerkrankungen gut dokumentiert sind, gibt es sechs weitere weniger gut dokumentierte "Kandidaten". Zu diesen gehören u.a. CO-Exposition, Toxoplasmose und Thiomersal (organische Quecksilberverbindung mit 50% Quecksilber – eingesetzt in Impfstoffen, desinfizierenden Spülungen etc.)!

Ein wichtiger Bestandteil dieses Buchkapitels ist eine Darstellung der verschiedenen Mechanismen des "Teufelskreises" im Diagramm. Dieses findet sich auch auf Palls Website: molecular.biosciences.wsu.edu/Faculty/pall/pall_main.htm.

Besonders aufgefallen ist mir, dass Thiomersal mit seinem hohen Quecksilbergehalt als vermutliche auslösende Chemikalie erwähnt wird. Von Amalgam las ich bisher nichts (finde das Wort auch nicht im Stichwortverzeichnis), obwohl dies vermutlich die größte Quecksilber-Quelle des Menschen darstellt.

Es grüßt
Kate

P.S. Ich erwähne hier wieder Studien, die mit Hilfe von Tierversuchen erstellt wurden. Das bedeutet nicht, dass ich diese gutheiße (siehe die Diskussion weiter oben). Ich wollte Euch lediglich deren Ergebnisse nicht vorenthalten.
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo Kate,
schreibt Dr. Pall auch etwas zu ererbten Schäden, etwa in der mitochondrialen DNA? Das müßte den Teufelskreis doch zuallererst in Gang setzen.
 

Kate

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Hallo Kate,
schreibt Dr. Pall auch etwas zu ererbten Schäden, etwa in der mitochondrialen DNA? Das müßte den Teufelskreis doch zuallererst in Gang setzen.
Hallo Rudi,

in besagtem Kapitel jedenfalls nicht. Was später noch kommt, weiß ich nicht. Vielleicht hast Du Glück und Uta stößt bei ihrer speziellen Lesemethode auf eine Aussage dazu. Im Stichwortverzeichnis fand ich eben auch keines der englischen Wörter für "vererbt", "ererbt" etc.. Leider ist mein Englisch immer noch so unterentwickelt, dass ich für so einen Beitrag wie oben mehrere Stunden brauche... und das Stöbern oder Querlesen um eine bestimmte Aussage zu finden, ist kaum machbar.

Gruß
Kate
 
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Nein, bei meiner Methode bin ich bis jetzt nicht fündig geworden zur Frage "Vererbung".

Aber vielleicht hilft das hier weiter:
... Mitochondrien werden beim Menschen nahezu ausschließlich über die Eizelle der Mutter vererbt (Schapira, 2006). Dies ist der Fall, da bei der Verschmelzung der Eizelle mit dem Spermium nur zu einem sehr geringen Grad väterliche Mitochondrien in das Zytosol eindringen können. Weiterhin wird diskutiert, dass diese durch Suppression oder durch Verdünnung eliminiert werden (Schapira, 2006). Tatsächlich wurden Hinweise auf einen gezielten Abbau väterlicher Mitochondrien in der Eizelle gefunden (Sutovsky et al., 1999; Sutovsky et al., 2004). Eine Fehlfunktion der Elimination wurde im Zusammenhang mit einem vermehrten Abgang von Embryonen beschrieben (St John et al., 2000).Es wird geschätzt, dass am Aufbau und der Funktion der Mitochondrien desMenschen etwa 1000 verschiedene Proteine beteiligt sind (Foury and Kucej, 2002;Reichert and Neupert, 2004). Davon werden die meisten in der DNA des Nukleus kodiert. Zumindest ein Teil dieser Gene war ursprünglich im Genom des Mitochondriums kodiert und wurde während der Evolution in den Nukleus transferiert (Kurland and Andersson, 2000; Reichert and Neupert, 2004). Es werden daher nach Transkription und Translation durch zytosolische Ribosomen verschiedenste Proteinein die Mitochondrien importiert.
Jetzt finde ich den Link nicht mehr, weil mein Pc abgestürzt war... Vielleicht später wieder.

Auch hier wird von der Vererbung gesprochen:
Bei Erkrankungen deren Gendefekt im mitochondrialen Genom liegt wird die Erkrankung nur über die Mutter weitergegeben, sog. maternale Vererbung. Bei diesen Störungen können innerhalb einer Zelle genetisch veränderte (mutierte) und nicht-mutierte DNA-Bereiche vorliegen. Dies wird als Heteroplasmie bezeichnet. Bis zum Auftreten von funktionellen Störungen muss ein gewisser Schwellenwert an genetisch veränderten Zellen erreicht werden – Schwellen(wert)effekt. Je nach Mutation kann dies bis zu 70% genetisch veränderter DNA sein. Bei manchen Erkrankungsbildern z.B. dem MELAS-Syndrom, werden unterschiedlichste, z.T. komplexe genetische Störungen im mitochondrialen Genom beobachtet.
Bei der Diagnostik haben histochemische, biochemische und molekulargenetische Untersuchungen große Bedeutung.
Deutsche Gesellschaft fr Muskelkranke e.V.

Hier noch ein Satz zur Vererbung:
Mitochondrien werden ausschließlich über die Oocyten weitergegeben, so daß mitochondriale DNA-Mutationen nur über die Mutter vererbt werden (maternale Vererbung).

Nur Frauen sind Überträger
Frauen geben die Mutation an alle Kinder weiter
Neue Seite 1
(überhaupt ein interessanter Link!)

Ist das überhaupt die Frage nach den ererbten Schäden gewesen? Denn letzten Endes hilft es doch nicht wirklich zu wissen, daß schon die eigene Mutter eine Mitochondriopathie hatte bzw. daß ihre mt-Gene mutiert waren?

Grüsse,
Uta
 
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Hallo zusammen,

ich verlinke hier einen Beitrag von Uta in der Neurostress-Rubrik, der auch hier von Interesse ist: https://www.symptome.ch/vbboard/neurostress/25582-neurolab-gmbh-gentest-infla-check.html

Wenn Ihr einmal das Diagramm auf Palls Seite molecular.biosciences.wsu.edu/Faculty/pall/pall_main.htm anschaut, wisst Ihr auch warum.

Einige der im erwähnten Gentest untersuchten körpereigenen Stoffe sind nach Palls Forschungsergebnissen auch im Zusammenhang mit dem biochemischen "Teufelskreis" NO/ONOO-Zyklus von entscheidender Bedeutung: NFkappaB, Interleukin-6, TumorNekroseFaktor-alpha (TNF-a), Interferon-gamma (IFN-gamma). Die Begriffe werden in Utas Link auch kurz erläutert. Auch die COX2 wird erwähnt, die nach Kuklinski eine Rolle bei der Krankheitsentstehung durch Nitrostress spielt. Siehe Wiki Nitrosativer Stress, Kapitel 2.4 Citrullinierung von Peptiden und Aktivierung der Cyclooxygenase-Enzyme.

Es grüßt
Kate
 

Kate

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Hallo zusammen,

hier ein Link zu einer Zusammenfassung von Palls Aussagen zum Vitamin B12 in der Behandlung von Multisystemerkrankungen, die er in Kapitel 6 seines Buches trifft: https://www.symptome.ch/vbboard/oxi...in-b12-nitrosativer-stress-34.html#post204468 #339

Ich habe sie in den anderen Thread gestellt, da das Thema dort sicherlich am relevantesten ist.

Es grüßt
Kate
 
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01.02.08
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Organophospor und Carbamat-Pestizide (scheinen besonders oft MCS auszulösen)
--> Erhöhung der Acetylcholin-Spiegel
--> Stimulation der Muscarin-Rezeptoren (zu Muscarin und Muscarinrezeptoren siehe z.B. Roche Lexikon Medizin (5. Aufl.))
--> Erhöhung der NO-Spiegel durch Stimulation von 3 von 5 dieser Rezeptoren und
--> Stimulation des NMDA-Systems --> Erhöhung der NO-Spiegel​
Hallo,
ich habe eine recht lange Leitung, aber jetzt hat es geklingelt.
Fr. Schröder von der Selbsthlfegruppe MCS, CFS, Pilzerkrankungen hat mir vor einigen Jahren erzählt, die Selbsthilfegruppe hätte, ohne sich das erklären zu können, einen überproportional starken Anstieg an "Neukunden" aus den ländlichen Regionen. Sie vermutete, das hätte mit dem Spritzen der Felder zu tun.
Und was lese ich jetzt: "Organophospor und Carbamat-Pestizide (scheinen besonders oft MCS auszulösen)", das scheint doch genau zu passen.
 
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Hallo Freunde,

dann will ich mich mal Rudi anschließen und hoffen, dass auch bei mir mal der eine oder andere Groschen fällt. :D

Ich formuliere es nur als Verknüpfung von 2 systemischen Ansätzen. Zur inhaltlichen Kleinarbeit habe ich jetzt nicht die Kraft und Muße.

Ich knüpfe hier an meine Beiträge weiter oben zum Buchinhalt an. Wir befinden uns immer noch im Kapitel 1, dessen Überschrift übersetzt in etwa lautet: Der NO/ONOO- Zyklus und die Ursache von chronischem Müdigkeitssyndrom, multipler Chemikaliensensitivität, Fibromyalgie und posttraumatischem Belastungssyndrom

[..]

Die Mechanismen in Kurzdarstellung:


VOCs (flüchtige organische Verbindungen, siehe Wikipedia Flüchtige organische Verbindungen)
--> Stimulation des Vaniloid-Rezeptors (siehe Wikipedia TRP)
--> Erhöhung der NO-Spiegel und
--> Stimulation des NMDA-Systems --> Erhöhung der NO-Spiegel

Die SHG in Berlin (Frau Schröder) für CFS, MCS und Pilzerkrankungen der unterschiedlichsten Art sieht als einen Auslöser / Verursacher für viele Erkrankungen bzw. Pilzerkrankungen exogene Pilz- bzw. v.a. Mykotoxinbelastungen (unter Mykotoxikose suchen: https://kunden.www-pool.de/cfs+mcs-berlin/). Diese können laut dieser SHG am Ende des Stoffwechselprozesses von Schimmelpilzen, die in Räumen / Wohnungen / Häusern vorkommen können, entstehen, insb. bei der chemischen Vernichtung solcher Schimmelpilze durch Anti-Schimmel-Mittel, aber auch durch chemische Reaktionen von Fungiziden (z.B. in Holzschutzmitteln, Farben etc.) mit einer normalen Pilzbelastung in der Luft, da die "abgetöteten" Pilze als "Leichengift" Mykotoxine freisetzen. Diese konnten vor einigen Jahren - auf dem neusten Stand bin ich leider nicht - noch nicht in der (Raum-) Luft gemessen werden. Zwar konnte die Messung vermehrbarer Sporen einen Hinweis auf mögliche Mykotoxine liefern, das war aber ungenau.
Den vor einigen Jahren genauesten Hinweis auf Mykotoxine lieferten MVOC und VOC-Messungen, über die auf Stoffwechselprodukte (auch Mykotoxine) von Schimmelpilzen zurückgeschlossen werden konnte.

Auch hier könnte sich womöglich herausstellen, dass Pall und Kuklinski auf der einen Seite und die SHG in Berlin auf der anderen Seite mehr Gemeinsamkeiten haben, als man zuerst denken würde.
Nebenbei gesagt, meinte Dr. K. zu mir sinngemäß: Was für ein Glück, dass Sie die SHG in Berlin gefunden haben. Das hat Ihnen doch bestimmt kein Arzt gesagt. Das haben Sie doch selber recherchiert. Wenn Sie das ganze Cortison weiter genommen hätten, hätten Sie mit Sicherheit einen Morbus Crohn oder eine Colitus Ulcerosa bekommen. Da sind Sie nur ganz knapp dran vorbeigeschrammt. Na ja (schmunzel), dann hätten Sie ja wieder Cortison bekommen, noch mehr. Da haben Sie sich selber aus dem Sumpf gezogen. Ich: Ich habe allen Ärzten gesagt, dass es mir mit dem Cortison immer schlechter geht. Einige haben richtig Druck gemacht, dass ich es unbedingt nehmen muss. Die ganzen Symptome, die dann anfingen, könnten angeblich gar nicht vom Cortison kommen. Er: Natürlich! So wirkt eben die evidenzbasierte Medizin. Patienten wie Sie werden oftmals psychiatrisiert...

Herzliche Grüße
Karolus
 
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Hallo zusammen,

hier habe ich ein Interview mit Dr. Martin Pall in deutscher Übersetzung gefunden: Ende der Kontroverse? - Martin Pall's MCS-Theorie: Ende der Kontroverse?, Allergienews, Pall.

@ Kate: Ich habe sogar extra ins Wiki geschaut, ob das Interview dort schon verlinkt ist. ;) Vielleicht verlinke ich es hier also sogar erstmalig.

Ich wusste noch gar nicht, dass Pall selber CFS hatte!

Liebe Grüße
Karolus
 
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