Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. Pall)

Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Dankeschön, Till :) Ziemlich "dynamische" Website, da ist's mit dem Verlinken etwas schwierig. Aber das Prinzip hast Du ja prima erklärt (solange auf "vorherige Beiträge" klicken, bis man hoffentlich den alten Beitrag findet).

Gruß :wave:
Kate
 

Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo zusammen,

in dem Sonderdruck über Palls Krankheitsmodell, den ich vom Kongress mitgebracht habe (siehe Beitrag #48) und nun hoffentlich erfolgreich verlinkt habe (siehe Beitrag #55), lag noch etwas drin - eine Dokument mit der Überschrift "Einführung in die Martin-Pall-Produkte".

Dies habe ich nun auch - sogar in erweiterter Form mit Einzelbeschreibungen der Produkte - auf der Website von GANZIMMUN gefunden :) : www.nitrostress.de/medboxx/wp-content/uploads/pall-produkte-flyer.pdf)

Ein Dankeschön für die Bereitstellung dieser Infos an die "Macher" dieser Seite!

Gruß
Kate
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

CSN berichtet über Dr. Pall: CSN Blog Blog Archiv Umweltmedizin: Dr. Martin Pall bringt MCS in Standardwerk der Toxikologie ein

...
Ich könnte vielleicht hinzufügen, dass es ein auf Deutsch geschriebenes Buch über MCS gibt, mit Hans-Ulrich Hill als erstem Autor, das sich vorwiegend mit dem Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus für MCS beschäftigt.

Während dies alles eine außerordentliche Anerkennung für diese wissenschaftliche Arbeit ist, so kommt doch die wichtigste Anerkennung von anderer Seite. Ich bin gebeten worden einen Übersichtsbeitrag über MCS als ein Kapitel in einem sehr angesehenen mehrbändigen Werk über Toxikologie zu schreiben. Der Beitrag wurde angenommen und wird im kommenden Herbst erscheinen. Dies ist aus wenigstens vier unterschiedlichen Gründen außerordentlich wichtig:.......

Gruss,
Uta
 

Kate

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Danke Uta, für den Hinweis :)

Ich ergänze den Link zum Buch:
Bücher von Amazon
ISBN: 3832270981

Die beiden anderen Autoren sind Dr. Kurt Müller und Prof. Wolfgang Huber. Von beiden halte ich sehr viel.

Gruß
Kate
 

Kate

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... und folgendes Zitat:

Viertens, werden in diesem Kapitel zahlreiche sehr wichtige Arten von Belegen besprochen, die neu für mich waren und den Mechanismus des NO/ONOO-Zyklus stützen. Darunter wichtige Studien über den toxischen Wirkmechanismus der sieben Chemikaliengruppen, die an MCS beteiligt sind. (...), sowie eine Serie von publizierten Studien über verschiedene objektiv messbare Reaktionen auf chemische Exposition im Niedrigdosisbereich, Reaktionen, die mit dem NO/ONOO-Zyklus übereinstimmend sind und die als spezifische Biomarkertests für MCS entwickelt werden sollten.
(Hervorhebung von mir)

Noch auf dem Kongress im November antwortete Pall - wenn ich es recht erinnere - auf eine diesbezügliche Frage, dass ein direkter Nachweis der MCS noch nicht möglich sei und deutete auch nicht an, dass er mit dieser Möglichkeit in naher Zukunft rechne.

Gruß
Kate
 
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die als spezifische Biomarkertests für MCS entwickelt werden sollten.

Ich markiere mal grün, weil das die Farbe der Hoffnung ist: diese Formulierung ist ja leider sehr verschwommen und zeigt nicht unbedingt, daß diese Biomarkertests jetzt schon vor der Tür stehen.
Aber gut wäre das schon! :idee:

Grüsse,
Uta
 

Kate

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Ich markiere mal grün, weil das die Farbe der Hoffnung ist: diese Formulierung ist ja leider sehr verschwommen und zeigt nicht unbedingt, daß diese Biomarkertests jetzt schon vor der Tür stehen.
Stimmt Uta, aber Du hast meine erste blaue Markierung nicht einbezogen :D Es gibt da etwas Messbares :klatschen Von diesem Punkt bis zu validierten Labortests ist es quasi nur noch ein "technischer" Schritt (Normwertstudien, evtl. verschiedene Verfahren vergleichen etc.).

:wave:
Kate
 
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Stimmt, Kate :). Also markiere ich jetzt in blaugrün:
sowie eine Serie von publizierten Studien über verschiedene objektiv messbare Reaktionen auf chemische Exposition im Niedrigdosisbereich, Reaktionen, die mit dem NO/ONOO-Zyklus übereinstimmend sind und die als spezifische Biomarkertests für MCS entwickelt werden sollten.

Grüsse,
Uta
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo zusammen,

ich hatte von dem Kongress in Würzburg einen Sonderdruck mitgenommen, in dem es um Palls Krankheitsmodell geht:

Prof. Dr. Martin Pall:
Das Modell für NO/ONOO- oxidativ-entzündliche Erkrankungen
(Das zehnte Krankheitsparadigma)

Da ich nicht genug Exemplare mitgenommen habe zum Verteilen an Interessierte, habe ich eben im Web gegraben... und bin fündig geworden :)

Die Seite von GANZIMMUN stellt den Sonderdruck freundlicher Weise zum Download zur Verfügung: www.ganzimmun.de/wp/nitrosativer-nitrostress-pall/

Welche anderen 9 Krankheitsparadigmen Pall in seinen Ausführungen meint (siehe oben) konnte ich nur teilweise mitschreiben:

Die neun akzeptierten Krankheitsparadigmen
1. Infektion
2. Genetik
3. Ernährung
4. Hormone
5. Allergie
6. Autoimmunprozesse
7. ?
8. ?
9. ?

Vielleicht kann jemand das vervollständigen?

Gruß
Kate
Hallo Kate,
solltest du noch keine Antwort auf deine Frage gefunden haben, schau dir bitte diese Site an:
www.ganzimmun.de/blog/wp-content/uploads/focus-artikel-martin-pall.pdf
Liebe Grüße
minime
 

Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo Minime,

willkommen und dankeschön :) Das scheint ein älterer Beitrag von mir zu sein ;) - zumal die Antwort ja genau in dem Sonderdruck drinsteht, den ich vom Kongress mitgenommen habe. Hatte ich aber nicht mehr parat.

Ich stelle also die Paradigmen hier nochmal dar. In den vergangenen 140 Jahren ging man nach Pall von neun Hauptparadigmen für die Krankheiten des Menschen aus:

  1. Infektiöse Erkrankungen
  2. Genetische Erkrankungen
  3. Erkrankungen durch Mangelernährung
  4. Erkrankungen durch hormonelle Dysfunktionen
  5. Allergische Erkrankungen
  6. Autoimmunerkrankungen
  7. Somatische Mutation/Selektionserkrankungen (Krebs ist die Folge von Zellmutationen und Selektionen, vergleichbar den Prozessen bei der Darwin’schen Evolutionstheorie.)
  8. Ischämische kardiovaskuläre Erkrankungen
  9. Amyloidablagerungen (einschließlich Prionen) wie etwa Alzheimer- und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Pall ein fügt als ZEHNTES KRANKHEITSPARADIGMA menschlicher Erkrankungen (das allerdings auch bei vielen der anderen neun Paradigmen eine Rolle spielt) hinzu:

...10. Die NO/ONOO--Zyklus-Erkrankungen

Gruß :wave:
Kate
 
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Kate

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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Weiter geht's mit einer Zusammenfassung eines kleinen Abschnitts :) Die Zwischenüberschriften stammen von mir. Teilweise kennen wir das schon ;), teilweise war es mir neu. Ich hebe einige Textstellen hervor.

Aus dem oben schon genannten Buch von Pall "Explaining 'Unexplained Illnesses'"
Kapitel 2: Wichtige Komponenten und ihre Eigenschaften - Abschnitt über Stickstoffmonoxid (NO)

NO ist ein freies Radikal mit einem ungepaarten Elektron (in den Schreibweisen NO. oder .NO steht der Punkt dafür), das sich in vielen Organismen findet. Viele freie Radikale sind hoch reaktiv, mit Halbwertszeiten im Organismus von 1 µs bis 1 ms, NO ist dagegen relativ stabil mit einer Halbwertszeit von ca. 1 s.

Physiologische und pathophysiologische Funktionen
NO hat wichtige physiologische Funktionen im Blutkreislauf (Blutgefäße), Nervensystem (Lernen und Gedächtnis) und Immunsystem (Kontrolle der Immunreaktionen). Es kann aber auch pathophysiologisch, d.h. schädigend wirken und spielt eine wesentliche kausale Rolle in Krankheitsprozessen. Diese Wirkung tritt ein, wenn die Spiegel zu hoch sind. Auch die physiologischen Funktionen können helfen, manche Symptome von Multisystemerkrankungen zu erklären, an denen diese Funktionen beteiligt sind.

Die NO-Synthasen (NOS)
Drei Enzyme im Körper produzieren NO, sie werden NO-Synthasen (NOS) genannt (u.a. Kuklinski nennt ein viertes Enzym, die mitochondriale NOS oder mtNOS, Anm. Kate):

  • neuronales NOS (nNOS): Kommt vor in vielen Neuronen im Gehirn, Rückenmark, peripheren Nervensystem.
  • endotheliales NOS (eNOS): Kommt vor in Endothelzellen, die die Blutgefäße säumen.
  • induzierbare NOS (iNOS): Ist nur in geringen Mengen vorhanden, außer wenn es "induziert" wird, d.h. bestimmte Signale bewirken, dass es in viel höheren Mengen produziert wird - typischer Weise unter entzündlichen Bedingungen durch inflammatorische Zytokine. Besonders hohe Spiegel werden in Immunzellen und Gliazellen des Gehirns erreicht.
Alle drei NOS-Arten können auch in vielen anderen Zelltypen vorkommen.

Mengenregulation und Aktivierung der NOS
Das iNOS-Gen wird aktiviert durch den Transkriptionsfaktor NF-KappaB. Das Gen wird stimuliert mehr RNA herzustellen, die wiederum die Synthese von viel mehr iNOS veranlasst. Der größte Teil des iNOS-Spiegels wird so reguliert.

eNOS und nNOS sind normalerweise in einem bestimmten Zelltyp in relativ konstanten Mengen vorhanden - je nach Zelltyp variierend. Sie sind Calcium (Ca 2+)-abhängig. Das Zytoplasma, in dem sich die NOS befinden, hat normalerweise sehr niedrige Ca-Spiegel (der Ca-Influx in das Zytoplasma ist begrenzt und reguliert und es gibt Mechanismen, um Ca aus der Zelle zu pumpen oder es an Stellen zu speichern, wo es keinen Zugang zu den NOS hat). Das Nahrungs-Ca hat wenig Einfluss. Unter den meisten Umständen ist die Aktivität der eNOS und nNOS daher niedrig, bei steigenden Ca-Spiegeln im Zytoplasma erhöht sie sich allerdings stark.

Einflüsse der NOS auf den NO/ONOO-Zyklus
Der NO/ONOO-Zyklus umfasst beide Formen der Regulation

  • iNOS-Induktion und
  • Stimulation der eNOS und nNOS durch Ca,
es können alle drei NOS-Arten eine Rolle spielen bei exzessiver NO-Produktion.

Messung der NO-Spiegel
Die NOS wirken ein auf L-Arginin, eine Aminosäure, die hauptsächlich aus der Nahrung aufgenommen wird. Aus einem Molekül Arginin entstehen je ein Molekül NO und Citrullin. NO wird wegen seiner kurzen Halbwertszeit üblicherweise indirekt über seine Abbauprodukte Nitrat und Nitrit im Blut gemessen. Citrullin ist sehr viel stabiler und direkt messbar im Serum (Kuklinski misst dies im Urin, Anm. Kate).

Bei der üblichen Arginin-Konzentration in der Zelle sind die NOS nur teilweise gesättigt. Ihre Aktivität steigt also mit Erhöhung der Arginin-Zufuhr, während sie bei erschöpften Arginin-Pools sinkt. Bei Multisystemerkrankungen hat Pall typischerweise niedrige Pools festgestellt, wohl weil das Arginin durch die NO-Produktion aufgebraucht ist.

Kofaktor Tetrahydrobiopterin
Die NOS benötigen etliche verschiedene Kofaktoren, einer davon ist Tetrahydrobiopterin. Es wurde kürzlich gezeigt, dass die NOS Superoxid statt NO produzieren, wenn sie Tetrahydrobiopterin und Arginin gesenkt haben.

Superoxid ist eine weitere Komponente des NO/ONOO-Zyklus, trotz gesenkter NO-Produktion kann es so zu einer Verschlimmerung der Multisystemerkrankungen kommen. Die Tetrahydrobiopterin-Verfügbarkeit könnte hier ein Schlüsselfaktor sein, weil es durch Peroxinitrit oxidiert wird. (Den letzten Teilsatz verstehe ich nicht, Anm. Kate.)

Hier könnte nach Pall ein Fokus für die zukünftige Forschung zu Multisystemerkrankungen liegen, auch für deren Therapie.

Geschichte
Die physiologische Bedeutung von NO wurde erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt, lag jedoch seit dem im Fokus vieler verschiedener Studien. Von der Zeitschrift Science wurde NO 1992 zum Molekül des Jahres erklärt. 1998 erhielten Furchgott, Ignaro und Murad den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung von NO und einige frühe Studien zu seiner Rolle im Organismus und den grundlegenden biochemischen und physiologischen Vorgängen, die dafür relevant sind. Dieser Forschungsbereich ist nach Pall bereits gut studiert und verstanden.

Gruß
Kate
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo Kate,
Danke für die Fortsetzung.
Superoxid ist eine weitere Komponente des NO/ONOO-Zyklus, trotz gesenkter NO-Produktion kann es so zu einer Verschlimmerung der Multisystemerkrankungen kommen. Die Tetrahydrobiopterin-Verfügbarkeit könnte hier ein Schlüsselfaktor sein, weil es durch Peroxinitrit oxidiert wird. (Den letzten Teilsatz verstehe ich nicht, Anm. Kate.)
Könnte hier gemeint sein, dass dies einen Turboeffekt im Teufelskreis auslöst?
Wenn es zur Bildung von Peroxynitrit kommt, bedeutet das, die Tetrahydrobiopterin-Verfügbarkeit ist durch die Oxitation (durch Peroxyinitrit) erledigt. Die Folge ist noch mehr Superoxid und also Peroxynitrit. Der Vorgang verstärkt sich selbst, weil er sich von "Viel NO, wenig Superoxid" auf "Weniger NO, mehr Superoxid"
verlagert. :idee:
 

Kate

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Hallo Rudi,

ich habe auf Deinen Beitrag hin eben nochmal nachgedacht und vielleicht habe ich jetzt auch den Teilsatz
... weil es durch Peroxinitrit oxidiert wird.
verstanden :idee:

Ich mache mal Teilschritte daraus:
  1. NOS braucht den Kofaktor Tetrahydrobiopterin zur NO-Produktion
  2. Wird viel NO produziert, wird dieser Kofaktor verbraucht, sein Spiegel gesenkt
  3. die NOS produziert dann statt NO Superoxid
  4. mit dem bereits vorhandenen NO verbindet sich das Superoxid zu Peroxinitrit
  5. Peroxinitrit schafft weitere Gesundheitsprobleme und oxidiert das Tetrahydrobiopterin, so dass noch weniger davon zur Verfügung steht
  6. die NOS produzieren noch mehr Superoxid
  7. es entsteht noch mehr Perioxinitrit... (und weiter ab 5.)

Das würde aber auch bedeuten, dass allein durch anhaltenen NO-Stress irgendwann auch Peroxinitrit entsteht, ohne dass noch oxidativer Stress anderer Art dazu kommen muss.

Gruß
Kate

P.S. Das Buch ist sehr spannend, aber nicht das, was man so eben nebenbei liest, leider...
 
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Kate

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Kofaktor Tetrahydrobiopterin
Die NOS benötigen etliche verschiedene Kofaktoren, einer davon ist Tetrahydrobiopterin. Es wurde kürzlich gezeigt, dass die NOS Superoxid statt NO produzieren, wenn sie Tetrahydrobiopterin und Arginin gesenkt haben.

Superoxid ist eine weitere Komponente des NO/ONOO-Zyklus, trotz gesenkter NO-Produktion kann es so zu einer Verschlimmerung der Multisystemerkrankungen kommen. Die Tetrahydrobiopterin-Verfügbarkeit könnte hier ein Schlüsselfaktor sein, weil es durch Peroxinitrit oxidiert wird. (...)[/I]

Hier könnte nach Pall ein Fokus für die zukünftige Forschung zu Multisystemerkrankungen liegen, auch für deren Therapie.

Tetrahydrobiopterin ist offensichtlich ein Folsäure-Abkömmling und hat eine weitere wichtige Rolle im Körper bei der Dopaminsynthese. Siehe dazu aus der Nachbarrubrik:
https://www.symptome.ch/vbboard/neurostress/20412-neurostress-befund-antje-7.html#post335895 #65
https://www.symptome.ch/vbboard/neurostress/20412-neurostress-befund-antje-8.html#post336870 #71
https://www.symptome.ch/vbboard/neurostress/20412-neurostress-befund-antje-8.html#post339961 #78

Gruß
Kate
 

Kate

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Aus dem Palls Buch "Explaining 'Unexplained Illnesses'"
Kapitel 2: Wichtige Komponenten und ihre Eigenschaften - Abschnitt über Stickstoffmonoxid (NO)

nun ein weiteres kleines Stück Text-Zusammenfassung. Diesmal geht es um

Wirkungen von NO im Körper

Abkürzungen:
NO: Stickstoffmonoxid
ONOO: Peroxinitrit
cGMP: zyklisches Guanosinmonophosphat


NO wirkt in zwei gut dokumentierten Stoffwechselpfaden:

1. cGMP-Stoffwechselpfad

  • NO bindet an die lösliche Guanylylcyclase (Enzym, nach Pall auch als "Rezeptor" für NO bezeichnet).
  • Die Guanylylcyclase wird dadurch stimuliert, cGMP zu produzieren.
  • cGMP stimuliert die G-Kinase (Enzym).
  • Die G-Kinase katalysiert Veränderungen (Phosphorylierungen) in Zellproteinen und erzeugt dadurch veränderte Antworten. Dazu gehört die Vasodilation (Gefäßerweiterung), die erste bei Säugetieren nachgewiesene biologische Antwort auf NO.
(Laut Wikipedia (Guanylylcyclasen ? Wikipedia) bedingt die Guanylylcyclase die gefäßerweiternde Wirkung von NO sowie die Wirkung als Neurotransmitter.)

2. Reaktion mit Superoxid zu ONOO (beides Schlüsselfaktoren im NO/ONOO-Zyklus)
Diese Reaktion gilt als diffusionsbegrenzt und ist damit fast unbegrenzt (siehe: Diffusionsbegrenztes Wachstum ? Wikipedia). Fast jedes Mal, wenn ein NO-Molekül auf ein Superoxid-Molekül stößt, reagieren sie zu einem Molekül ONOO. Dieses kann als potentes Oxidans großen Schaden in Zellen anrichten und gilt als zentral bedeutsam in einem der beiden Haupt-Stoffwechselwege zur Erzeugung von oxidativem Stress.


Die meisten physiologischen Funktionen von NO sind nach Pall durch den ersten Stoffwechselpfad zu erklären, die meisten pathophysiologischen Wirkungen dagegen durch den zweiten Stoffwechselpfad.

Für weitere Wirkmechanismen von NO gibt es zwar Belege, sie sind aber bisher nicht gut verstanden. Einer davon ist die Produktion von S-Nitrosothiolen an Zellproteinen (Merkmal von Nitrosoverbindungen ist die Nitrosogruppe -N=O als funktionelle Gruppe, siehe Nitrosoverbindungen ? Wikipedia). Diese könnten aus den Thiol- (Sulfhydryl-, –SH-) Gruppen gebildet werden, die Bestandteil vieler Proteine sind. NO kann allerdings nicht direkt mit Thiolen reagieren, da die Reaktion neben NO eine Oxidation benötigt. Die möglichen Einflussfaktoren der Reaktion sind ungewiss. Zudem wird sowohl von Superoxid als auch von ONOO berichtet, dass sie mit Nitrosothiolen reagieren und sie zerstören. Da bei Multisystemerkrankungen NO, Superoxid und ONOO als erhöht vorausgesetzt werden, ist unklar, ob man von einer Erhöhung der S-Nitrosothiole ausgehen kann. (Das Thema wird später im Kapitel über FM diskutiert.)

Auf einer Kurzrecherche zu S-Nitrosothiolen fand ich u.a. diese Dissertation aus dem Jahr 2001 zum Thema "Verfahren zur elektrochemischen Messung von Stickstoffmonoxid und S-Nitrosothiolen in Flüssigkeiten"): deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=968460348&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=968460348.pdf

und hier folgende Zitate (Hervorhebungen von mir):
Sulfhydrylgruppen von Proteinen werden im Körper durch oxidiertes NO, also NO2 oder N2O3, nitrosyliert (Stamler et al. 1992b, Wink et al. 1994, Pietraforte et al. 1995). Es entstehen S-Nitrosothiole. (...) S-Nitrosothiole werden als extrazellulärer NO-Speicher angesehen. Darüberhinaus haben sie aber auch selbst eine sehr große Bandbreite von Wirkungen,...
(S. 11)

Es folgt eine Tabelle mit den Wirkungen, in denen ich einige von Kuklinski geschilderte Folgen von NO-Stress wiederfand (z.B. Hemmung der Alkoholdehydrogenase).

S-Nitrosothiole im Plasma gelten als Monitor (Kontrollmöglichkeit, Anm. Kate) für endogenes NO und die endogene NO-Synthese (Stammler 1992). Sie sind Zwischenprodukte des NO- Stoffwechsels mit deutlich längerer biologisch-chemischer Halbwertszeit als freies NO, das wegen seiner Flüchtigkeit und Oxidationsempfindlichkeit im Plasma ex vivo (außerhalb des lebendigen Organismus, Anm. Kate) nicht bestimmt werden kann. Zudem wird die S-Nitrosothiolkonzentration im Plasma durch exogene NOx Aufnahme (Nahrung) nicht im gleichen Ausmaß verfälscht wie die Konzentration der stabilen NO-Metabolite Nitrit und Nitrat.
(S.59)

Das Ziel einer verlässlichen Messung von S-Nitrosotholen im Plasma konnte laut Schlussbemerkung (S. 64) in der Dissertation nicht erreicht werden. Die Untersuchung verschiedener Störfaktoren ergab keine eindeutige Erklärung für die unterschiedlichen Messergebnisse und keine Hinweise, wie eine sichere Messung zu erreichen ist.

Gruß
Kate
 
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Kate

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Aus dem Palls Buch "Explaining 'Unexplained Illnesses'"
Kapitel 2: Wichtige Komponenten und ihre Eigenschaften - Abschnitt über Stickstoffmonoxid (NO)

nun ein weiteres kleines Stück Text-Zusammenfassung. Diesmal geht es um

NMDA-Rezeptoren

Abkürzungen/Fachausdrücke:
NMDA: N-Methyl-D-Aspartat
Neuronen: Zellen des Nervensystems
exzitatorisch(er Neurotransmitter): erregende(r Neurotransmitter)
inhibitorisch(er Neurotransmitter): hemmend(er Neurotransmitter)
Synapsen: Kontaktstellen zwischen Zellen
GABA: Gamma-Amino-Buttersäure

Hervorhebungen von mir.

Es handelt sich bei den NMDA-Rezeptoren eigentlich um eine Gruppe vier strukturell unterschiedlicher Rezeptoren, die sich in verschiedenen Neuronen und einigen anderen Zellen finden. Sie werden stimuliert durch die Aminosäuren Glutamat und das eng verwandte Aspartat (1) , außerdem durch Glycin und Polyamine. L-Glutamat ist der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter im Gehirn. Er wird von vielen verschiedenen Typen von Neuronen freigesetzt. Exzitatorische Neurotransmitter wirken, indem sie das nächste, "postsynaptische" Neuron stimulieren, einen elektrischen Impuls abzugeben. Das Gegenstück sind die inhibitorischen Neurotransmitter, die darauf abzielen, diesen Vorgang zu hemmen; der Wichtigste ist hier GABA, eine aus Glutamat synthetisierte Verbindung.

Das Verhältnis Glutamat/GABA ist

  • entscheidend für die Regulierung der Hirn-Tätigkeit
  • beteiligt an einigen Problemen mit Toxizität

Die Synthetisierung von GABA aus Glutamat ist Vitamin B6-abhängig. Folglich kann ein Vitamin B6-Mangel ein hohes Glutamat/GABA-Verhältnis zur Folge haben. Ein großer Mangel kann zu Anfällen führen, eine von Pall als sehr ernst eingeschätzte Folge. (2)

Glutamat stimuliert drei weitere Klassen von Rezeptoren:

  • AMPA-Rezeptoren
  • Kainate-Rezeptoren
  • Metabotrope Rezeptoren

Es gibt auch Stoffe, die spezifisch nur einen der Rezeptoren stimulieren. Beim NMDA-Rezeptor handelt es sich um NMDA – daher der Name. Die physiologischen Stimulatoren sind allerdings Glutamat und Aspartat, NMDA fungiert im Körper nicht als solcher.

Die elektrischen Impulse, die ein stimuliertes Neuron abgibt, sind wesentlich für ein funktionierendes Nervensystem. Wenn allerdings zuviel Glutamat freigesetzt wird oder die Rezeptoren hypersensitiv sind, kann es zu einer überschießenden Stimulation kommen, auch Exito-Toxizität (? engl. exitotoxicity) genannt, und zu Schäden des Nervensystems.

Meist ist daran der NMDA-Rezeptor beteiligt, aber auch AMPA- und Kainate-Rezeptoren können beteiligt sein. Eine überschießende NMDA-Stimulation spielt eine wesentliche Rolle bei verschiedenen neurodegenerativen Erkrankungen und Hirn-Schäden. Ein kürzlich zugelassenes Alzheimer-Medikament, Memantin (Memantin ? Wikipedia), ist ein NMDA-Rezeptor-Antagonist (Gegenspieler, "Wirkungshemmer").

Die Aktivierung der NMDA-Rezeptoren führt dazu, dass Calcium (Ca2++)-Ionen in die Zelle fließen können, die wiederum zu einer erhöhten NO-Synthese (und nachfolgend Peroxinitrit-Synthese) führen.

---

  1. Hier stellte sich mir sofort die Frage, ob wohl Aspartat-Verbindungen (bei Magnesium und Kalium gern genommen) so gut für (einige von) uns sind...
  2. Das klingt für mich, als wenn man bei Patienten mit "passenden" Symptomen auf jeden Fall den B6-Status überprüfen sollte.

Das war's für heute aus diesem Kanal.

:wave:
Kate
 
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Sie werden stimuliert durch die Aminosäuren Glutamat und das eng verwandte Aspartat (1), (...)

  1. Hier stellte sich mir sofort die Frage, ob wohl Aspartat-Verbindungen (bei Magnesium und Kalium gern genommen) so gut für (einige von) uns sind...
  2. (...)
Hallo zusammen,

ich hatte heute morgen einen Telefontermin mit Dr. Ku. und habe ihn danach gefragt. Es ist tatsächlich so, dass er Aspartatverbindungen für nicht geeignet hält, wenn man ein Problem mit dem NMDA-Rezeptor hat! Darauf angesprochen, dass er mir ein Magnesium-Kalium-Präparat mit Aspartat-Verbindungen (nehmen einige hier) "genehmigt" hat, als ich dort war, sagte er, dass er davon ausging, dass es bei diesem Präparat (das neben Aspartat- noch Oxid-, Citrat-, Taurinat-, Alpha-ketoglutarat-Verbindungen enthält) mengenmäßig nicht ins Gewicht fällt. Dieses Präparat werde ich wohl auch weiternehmen - zumindest aufbrauchen. Allerdings habe ich auch gerade ein Magnesium-Präparat mit Aspartat- (sowie Citrat- und Orotat-)Verbindungen für die zusätzliche Magnesium-Zufuhr gekauft und weiß jetzt nicht so recht...

Gruß
Kate
 
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Stickoxid-Peroxinitrit-Zyklus - ein biochemischer Teufelskreis (Ansatz von Dr. P

Hallo, liebe Kate :) und Ihr ebensolche anderen :)

Vielen Dank für die wichtige Info!
Das erstgenannte Prodoukt nehme ich nun auch, seit einigen Tagen. Ich habe den Eindruck, es ist gut.

Woher weiß man denn, ob man ein Problem mit dem NMDA-Rezeptor hat? Ich nehme nämlich außer dem oben genannten Produkt noch 15 mg Zink als Zinkaspartat und mindestens weitere gut 300 mg elementares Kalium als Kaliumaspartat.

Herzliche Grüße
Karolus
 
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Kate

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Ebenfalls lieber Karolus :)

Gute Frage. Ku. selbst hat mir ja gestern keine konkreten Anweisungen gegeben.

Da der NMDA-Rezeptor u.a. physiologisch durch Glutamat stimuliert wird und dies der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter ist, nehme ich mal an, dass Übererregbarkeit und sonstiger Nervenklabaster und neurologische und neurodegenerative (z.B. Alzheimer :eek:) Probleme aller Art ein Zeichen sein könnten:
Beitrag #78 (siehe oben) schrieb:
Wenn allerdings zuviel Glutamat freigesetzt wird oder die Rezeptoren hypersensitiv sind, kann es zu einer überschießenden Stimulation kommen, auch Exito-Toxizität (? engl. exitotoxicity) genannt, und zu Schäden des Nervensystems.

Außerdem kann die (Über-)Aktivierung der NMDA-Rezeptoren zu nitrosativem Stress führen, d.h. ungekehrt: Wenn dieser nachgewiesen ist, ist die (Über-)Aktivierung der NMDA-Rezeptoren eine mögliche (Mit-)Ursache und man sollte wohl drauf achten:
Beitrag #78 (siehe oben) schrieb:
Die Aktivierung der NMDA-Rezeptoren führt dazu, dass Calcium (Ca2++)-Ionen in die Zelle fließen können, die wiederum zu einer erhöhten NO-Synthese (und nachfolgend Peroxinitrit-Synthese) führen.


Was mir bisher nicht ganz klar ist: Bezeichnet der von Ku. erwähnte "Glutamat-Rezeptor" dasselbe Ding wie der NMDA-Rezeptor?... :
bzw. aus dem Wiki schrieb:
Mineralstoffe und Spurenelemente

(...)
Die (...) Zufuhr von Zink führt allerdings bei vielen Betroffenen zu einer Verschlechterung der Symptomatik. Kuklinski erklärt dies durch eine zusätzliche Hemmung des Citratzyklus und Aktivierung des Glutamatrezeptors, mit der Folge, dass Energiedefizite und Übererregungszustände zunehmen.
Aus: Kuklinskis Therapiekonzept bei nitrosativem Stress ? Symptome, Ursachen von Krankheiten - Forum, Hilfe, Tipps zu Gesundheit

Wenn da jemand mehr weiß als ich, bitte immer gern posten :)

Gruß
Kate
 
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