Rund um die Anthroposophie

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Für mein Empfinden passen da Worte nicht wie z.B. eine "erhebende" Sitten- und Morallehre.
Sitte und Moral schon - aber erhebend?
abhebend?
Wenn man das Wort "erhebend" mal sucht, findet man im e-Duden zum Beispiel als Synonyme
Achtung gebietend, ehrwürdig, feierlich, würdevoll, würdig
Ich bin mir sicher, wenn man diese Stelle, diesen Satz im Zusammenhang liest, auch im weiteren, größeren Zusammenhang, dass man da nichts im Sinne von "abhebend" findet.
Und das Wort "Erhabener" dagegen, für Buddha stehend, im Palikanon, erscheint nicht frag-lich oder frag-würdig?

Ich interpretiere jetzt mal "erhebend" für mich so:
über ein "normales", allgemein und vielleicht seit vielen Jahren und Jahrhunderten übliches Leben hinaus "hebende" Lehre, Erkenntnis.
Oder a u s dem normalen Leben heraus-hebende Lehre, Erkenntnis?
Denn das ist es doch eigentlich, ein Versuch, etwas zu durch-schauen, was von vielen nicht so gesehen wird, und dadurch zu einem anderen Leben zu kommen.
Ob man das, und sich selber, dann für besser hält (was Besseres sein?), oder über anderen stehend (erhaben? erleuchtet?) - oder nur (weit) abseits von anderen, das hat dann vielleicht mit
Tugend ... Temperament ... Charakteranlage
zu tun, die Steiner in dem Zitat mit der "erhebenden Sitten- und Morallehre" auch erwähnt.
 
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Mal einiges aus dem Thread vor etwa 1 1/2 Jahren, um es (für mich) hier mal zusammen zu sehen:

Weisheitslehre, ja.....ich bin überzeugt, dass seit gut 100 Jahren da einige ganz schön große Haufen Weisheit im deutschen Original "vor unseren Haustüren" liegen, respektive in mancher Buchhandlung und schon längst auch vollständig im Internet verfügbar sind, inklusive einer Wort-Suchfunktion für alle Texte, Vorträge und Bücher von Rudolf Steiner.
... nachvollziehen zu können und auch spüren zu können, dass dieses Wissen, diese Erkenntnise echte Weisheitslehren sind, mit sehr tiefen Ein-Blicken und Ein-Sichten in Wirklichkeit und Wahrheit über Körper, Seele, Geist und Selbst- und Ich-Bewusstsein!
Ein schauender Mensch kann nicht ein jeder augenblicklich werden; eine rechte gesunde Lebensnahrung sind aber die Erkenntnisse des schauenden Menschen für jedermann.
Denn anwenden im Leben kann sie jeder. Und wer es tut, wird bald einsehen, was das Leben mit ihnen auf allen Gebieten sein kann und was es entbehrt, wenn man sie ausschließt.
Nach Meinung und Wissen Steiners also sind diese übersinnlichen Erkenntnisse "gesunde Lebensnahrung", und eigentlich eine "Entbehrung" für das Leben, wenn man sie nicht kennt!
Weil sie nach seiner Erfahrung einen Teil der Welt betreffen, einen "realen" Teil der Welt, und zwar den Geistigen Hintergrund der materiellen Welt, den "Urgrund" vielleicht.
Ja, sowas wie der Urgrund der materiellen Welt, Physiker suchen den wohl auch - um sowas geht's auch in der Anthroposophie, was vermutlich viele nicht denken oder ahnen, die mit Steiner- oder Waldorf-Schulen und -Kindergärten zu tun haben, als Eltern. Und auch wenn diese Dinge, soweit ich weiß, überhaupt nicht im Unterricht dort erwähnt werden. Sie stehen aber hinter Steiners Menschen- und Weltbild, und in irgendeiner Weise eben auch hinter allem anderen, was sich aus der Anthroposophie entwickelt hat.

... soweit ich das weiß, ist die "Leidbefreiung" nicht unbedingt das große Thema, oder auch nicht unbedingt vordergründig.
Letzten Endes aber, würde ich sagen, wenn man verstehen, oder auch "sehen" könnte, wie die Lösungen der Lebensrätsel, der Lebensgeheimnisse sind, dann wird einen das auch innerlich befreien können.
Deshalb endet ja nicht alles Leid unbedingt..für jeden einzelnen, oder für die Welt.
Und ich glaube, das ist dann auch (mindestens) ein großer Unterschied zum Buddhismus, da ist es ja das große Thema, das Leid der Welt, immer wiederkehrend, ohne Ende.
Vielleicht(!) ist es hier, in der Anthroposophie, eher das Thema, wie kommt es dazu, welchen Sinn, welche Bedeutung hat es, dass immer wieder Menschen (aber auch Tiere und Pflanzen?) leiden, und welche Entwicklung gibt es für den Menschen, wenn er diese Welt und das Leid schon nicht wirklich weg-meditieren kann (sag ich so, was nicht heißt, dass es keinen Sinn hat zu meditieren).
Mittlerer Pfad (Sanskrit madhyamā pratipad, Pali majjhimā paṭipadā) ist im Buddhismus ein Synonym für den Edlen Achtfachen Pfad. Im weiteren Sinne wird er im Buddhismus als Grundsatz verstanden, Extreme zu meiden.
Später ging es ja mal darum, dass Steiner auch Meditationen beschreibt, meditative Übungen.
Wenn ich lese "Extreme meiden", dann könnte man natürlich denken, dass Meditieren für manchen vielleicht auch schon "extrem" erscheint, sich einfach so hinzusetzen und "nichts" zu tun oder sogar zu denken. Auch was da passieren mag in einem Menschen in Meditation, sieht ja niemand anders mit dem normalen Sehen, auch das kann man kaum mit normalen wissenschaftlich-materiellen Mitteln zeigen und "sehen"!

Wenn man die Einleitung zum Buch "Erkenntnisse der höheren Welten" liest, wird ja deutlich (wenn man es wirklich liest!), dass es nicht so sehr darum geht, dass jeder diese Ein-Blicke selber erfährt, aber eine Möglichkeit erhält zu verstehen, wie man dazu kommt, dazu kommen kann, und wie auch in der Vergangenheit in Alten Weisheiten genau aus solchen Welten, Dimensionen berichtet wird, und was man dort "findet" in diesen Welten.
Über die Entstehung und Entwicklung des Menschen z.B. aus einer Geistigen Welt heraus - ganz im Gegensatz zur biologischen Evolution, die zu Steiners Zeiten durchaus schon bekannt war - vor den anderen Lebewesen, also auch vor(!) den Tieren.
Das sind z.B. Punkte, die Steiner in geistigen Welten "gesehen" haben will!

Was sich dann in Schulpädagogik, Landwirtschaft, Medizin und einigen anderen Bereichen entwickelt hat, hat ja auch nicht damit zu tun, dass es nur um das Streben nach anderen Welten ginge, aber es sind alles Versuche, das Wissen, Erkenntnisse aus Geistigen Welten umzusetzen, weil man weiß, dass der Mensch aus diesen Dimensionen stammt und immer noch damit verbunden ist, als Seele und Geist, und dass es einen tiefen Grund hat, dass der Mensch jetzt und hier in einer materiellen Welt lebt. Das ist ja kein "Zufall".
Wenn alles göttlich gut und vollendet gewesen wäre in den Geistigen Welten, hätte es ja gar keinen Grund gegeben, dass Menschen in der materiellen Welt erscheinen.....auch dazu findet man Erkenntnisse aus Geistigen Welten, wie ich finde hochspannend, faszinierend und seelisch-geistig zutiefst befriedigend!
Tja, ich bin nun, entgegen Alexos Ratschlag, mit dem Buch "Erkenntnisse der höheren Welten" angefangen.
Dies hatte eigentlich nur den Grund herauszufinden, wie R. Steiner den achtfachen Pfad in seinen Texten/Vorstellungen mit eingebaut hat.

Ich fing dann mit dem Inhaltsverzeichnis und den ersten Seiten des Buches an zu lesen und wollte dann den Rest zum Pfad überspringen, um mir dann möglichst schnell ein Bild zu machen.

Dann habe ich aber gemerkt, wie feinsinnig und liebevoll das Buch geschrieben ist, wirklich sehr, sehr schön. Ich werde nun garnichts mehr überspringen und Seite für Seite so zu Ende lesen.

Auch wenn sich alles zusammen konträr verhält, denn eigentlich ist der Sinn des achtfachen Pfades (im Buddhismus) das "Ego-Ich" nach und nach aufzulösen und bei R. Steiner hat die Anthroposophie eine Art Ich-Stärkung vorgesehen.
Das gebe ich alles zu bedenken, ist mir aber egal, ein bisher sehr schönes Buch.
Das Wort "Geheim" finde ich hier schon einmal sehr gut.

Eine Umschreibung dafür, dass man nicht überall heraushängen lässt, was man gerade lernt ; zumal Andere wahrscheinlich sowieso wenig dafür Interesse zeigen werden(wenn sie nicht zufällig auch diesen Weg mitgehen) und man sich vor Anderen dann auch nicht "erhöht".
Es gibt ja ein Anthro-Wiki, dort kann man zu Buddha, Buddhismus oder auch Maya mal recherchieren, alexo hat das mal verlinkt, aber auch nichts weiter dazu gesagt, da findet man vielleicht schon ein paar "Ansätze".
Hier kann man gut von Steiner lesen , zum Buddhismus .
https://anthrowiki.at/Buddhismus
Das habe ich mir vor kurzem nochmal angesehen, was man dort zu Buddhismus liest, und zum Beispiel über den Menschen (allgemein), über die Menschen vor 2500 Jahren, als Buddha lebte. Etwa 500 Jahre später lebte Jesus Christus, und, was glaube ich auch nicht viele wissen, dass sich Steiner auch sehr viel mit dem Christus beschäftigt hat, mit dem Geistigen Christus würde ich sagen.
 
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Hier kann man gut von Steiner lesen , zum Buddhismus .
https://anthrowiki.at/Buddhismus
Daraus mal das, aus dem letzten Zitat dort:
Man kann diese ganz eigentümliche Art der Buddha- Erleuchtung und der Buddha-Lehre nicht verstehen, wenn man ihr nicht gegenüberstellt, was uns im Christentum entgegentritt.
Da haben wir sechshundert Jahre nach dem Auftreten des großen Buddha etwas ganz anderes.
Die Stellung des Menschen zur Welt und zur ganzen Umgebung wird darin auch charakterisiert.
Aber wie?
Wollten wir noch einmal den Buddha-Menschen charakterisieren, so könnten wir einen abstrakten Ausdruck gebrauchen und sagen: Durch die Buddha-Lehre wird die Weltbetrachtung ungeschichtlich, unhistorisch.
...
Geschichte ist nicht das Herabsteigen von einer Höhe zu Niederem, sondern Geschichte ist das Hinaufstreben zur Erringung eines bestimmten Zieles und die Möglichkeit, sich zusammenzuschließen mit der gesamten Welt, mit der Vorzeit und mit der Nachwelt.
Das wäre Geschichte.
Der Buddha-Mensch aber steht isoliert und allein da, nur auf der Grundlage seines Eigendaseins, und er will in dem Eigendasein die Kräfte finden, die ihn zur Erlösung vom Durst nach Dasein und damit von den Wiedergeburten führen.
Hat Steiner gesagt 1911, und kann man sich damit auseinandersetzen, was er meint.
Den Text findet man hier: fvn-archiv.net/ GA060.pdf S.393 und kann es im Zusammenhang lesen.
Wenn man will von Anfang an, Seite 376 über Buddha.
... daß alles Streben, auf das der Buddhismus abzielt, darauf gerichtet ist, diese ihm ja allerdings als ganz gewiß erscheinenden wiederholten Erdenleben soviel wie möglich zu unterschätzen, ihre Zahl soviel wie möglich abzukürzen.
Also Erlösung von den Wiedergeburten, den wiederholten Erdenleben ist das, was wir als den innersten Nerv der ganzen buddhistischen Geistesrichtung anzusehen haben.
Befreiung, Erlösung von den wiederholten Erdenleben, die ihm allerdings als eine sichere Tatsache gelten, ist sein Wesen.
(Seite 377)
Steiner sagt da, dass der Buddhismus die (wiederholten) Erdenleben "soviel wie möglich" unterschätzt!
Er widerspricht dem Buddhismus, der (seiner Meinung nach) zwar weiß, dass es wiederholte Leben gibt, der aber nach dieser Aussage diese Erdenleben selber unterschätzt, so viel wie möglich!
Warum widerspricht er? ..... es ist ja erst der Anfang des Vortrags. Es kommt also noch einiges als Antwort dazu.
Worauf es im wesentlichen dem Buddhismus ankommt, ist, sich zu sagen: Man muß solch ein Wissen, solch eine Weisheit erringen, die uns von dem befreien kann, was uns als wiederholte Erdenleben vor dem geistigen Auge stehen kann.
Nur dann sind wir in der Lage, ruhig einzugehen in etwas, was mit dem Worte Ewigkeit belegt werden darf, wenn wir uns in irgendeinem dieser Leben von den folgenden, die sich daran anschließen sollen, befreien können.
So erscheint es wie eine Äußerlichkeit, wenn man gerade den Buddhismus unmittelbar zusammenstellt mit der Idee der wiederholten Erdenleben.
Wir müssen vielmehr, wenn wir das Wesen des Buddhismus ins Auge fassen wollen, nach ganz anderem unsern geistigen Blick richten. Da muß ich noch einmal an das Gesetz in der Menschheitsentwickelung erinnern, das uns schon bei der Betrachtung des großen Zarathustra entgegengetreten ist und an dem sich uns gezeigt hat, daß die menschliche Seele mit ihrer ganzen Verfassung im Laufe der Zeitentwickelung verschiedene Zustände durchgemacht hat, daß die Erlebnisse, von denen uns die äußere Geschichte, die äußeren Urkunden berichten, für die Menschheit im Grunde genommen nur eine späte Phase in der Menschheitsentwickelung sind, und daß, wenn wir zurückgehen in vorhistorische Zeiten, wir vielmehr geisteswissenschaftlich auch eine solche Seelenverfassung der Vormenschen sehen können, in welcher das menschliche Bewußtsein in einem ganz anderen Zustande war.
(Seite 379)
Von Veränderung und Entwicklung der Seelenverfassung des Menschen und des menschlichen Bewusstseins spricht Steiner, im Laufe der Geschichte, dazu kann man dort weiter lesen.....
Durch jenes alte traumhafte Hellsehen konnte die Vormenschheit in die übersinnliche Welt hineinsehen, und aus dem Zusammenhange mit dem Übersinnlichen gewann sie nicht nur ein Wissen, sondern das, was man nennen könnte: innerste Befriedigung der Seele an der geistigen Welt, Glückseligkeit in dem Empfinden des Zusammenhanges mit einer geistigen Welt.
Denn so gewiß es heute für den Menschen in seinem sinnlichen, intellektuellen Bewußtsein ist, daß sein Blut aus Stoffen besteht, die im physischen Raume draußen sind, ja, daß sein ganzer Organismus aus diesen Stoffen zusammengesetzt ist, so gewiß war es für den Menschen der Vorzeit, daß er in bezug auf seinen geistig-seelischen Teil heraus entsprungen ist aus dem, was er als geistige Welt mit seinem hellseherischen Bewußtsein erblickte.
(Seite 380)
Da kommt noch sehr viel mehr über die Entwicklung der Menschheit und auch über Buddha und die Entstehung des Buddhismus......wenn man es lesen und sich damit beschäftigen will. Da findet man dann schon, wenn auch nicht direkt und persönlich auf Rudolf Steiner bezogen, aber warum er sich nicht Buddhist nennt, und warum Buddhismus tatsächlich für ihn etwas ganz anderes ist als sogenannte Geisteswissenschaft, aber auch ganz anders als ein "christlicher Impuls", vom historischen Christus ausgehend (sage ich mal so, historisch an der Stelle), und das meint Steiner nicht kirchlich-christlich, egal welche Konfession, da werden offizielle Christus-Verwalter nicht begeistert gewesen sein, und sind sie wohl auch heute noch nicht.

Später nochmal mehr zu dem Vortrag.
 
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