Positiv denken?

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10.12.06
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Guten tag,

Ich hatte heute wieder einmal einen Thermin bei meinem Therapeuten.
Nach langen Gesprächen meinte er, ich solle immer ein bisschen positiv denken.

Eigentlich sagt man ja auch immer wenns Jemandem schlecht geht er solle doch positiv denken.

Ich war überrascht von meinem Therapeuten, denn eigentlich denke ich positiv über dinge, auch wenn dies nicht so scheint.
Lustigerweise hab ich auf der Heimreise im Zug darüber nachgedacht, und fesstgestellt, das ich doch eher negativ denken sollte, um glücklicher zu sein.

Wenn man zum Beispiel die schlechten Dinge hervorhebt, hat man doch mehr freude an den Guten Dingen. oder etwa doch nicht?

Sollte ich es jetzt positiv sehen, dass ich alles Negativ anschauen will, oder doch Negativ?

Oder ist ein Mischmasch von "positiv denken" und "negativ denken" besser?
Muss es jeder selber wissen?

Ich hab so ein Wirrwarr in meinem Kopf und es lässt mir einfach keine Ruhe.

Was denkt ihr über "positiv denken"?
Obwohl ich mir schon einige Antworten ausmahlen kann, verbleibe ich jetzt bloss noch mit Grüssen von Rudolf.
 
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19.03.06
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Hallo rudolf56,

also ich weiß gar nicht so richtig, was das eigentlich sein soll, dieses vielbeschworene "positive Denken".
Ist das positives Denken, wenn man auf einem Schiff steht, das untergeht und man sich am schönen Blau des Himmels freuen kann?

Wenn damit gemeint ist, eine bestimmte Lebenshaltung zu haben, die einen befähigt zu denken: "Ich schaffe das!", dann finde ich es gut, das nenne ich für mich aber eher "ressourcenorientiertes" oder "konstruktives", "lösungsorientiertes oder schlichtweg "vernünftiges" denken.
Es geht nämlich - um bei dem Beispiel zu bleiben, nicht darum, über drohendes Unheil hinweg zu sehen, sondern darum, die zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen.
Also wünsche ich Dir das Bewusstsein "Ich schaffe das!"



Herzliche Grüße von

Leòn
 
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10.01.04
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Hallo rudolf,
hat Dein Therapeut denn auch beschrieben, was er unter "Positives Denken" versteht und wie Du das machen sollst?

Hier eine Definition:
Positives Denken
positives Denken, auf praktische ›Lebenshilfe‹ zielende neureligiöse Bewegung, deren Lehre christliche Grundvorstellungen (Glaube, Gebet, Heilung) mit einem lebensphilosophischen Konzept verbindet, dessen zentrale Gedanken als unbedingtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, unbedingter Mut zum eigenen Handeln und unbedingter Glaube an den eigenen Erfolg definiert werden. Die Bewegung für positives Denken (›positive thinking‹) entstand in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA (u. a. beeinflusst durch die →Neugeistbewegung) und hat in der westlichen Welt v. a. über die Millionenauflagen erreichenden Bücher ihrer ›Erfolgsautoren‹, Joseph Murphy (* 1895, † 1981), Dale Carnegie (* 1888, † 1955) und Norman Vincent Peale (* 1898, † 1994), Verbreitung gefunden, heute speziell vermarktet in besonders an Prinzipien des positiven Denkens ausgerichteten Weiterbildungsangeboten (z. B. Managerkurse).
Definition: Positives Denken - Meyers Lexikon online

Ich denke, es fehlt noch Coué bei den genannten Autoren.
www.coue.ch/Autosuggestion/autosuggestion.html

Ich sehe es sehr ähnlich wie Leòn. Mit Gewalt in jeder Lebenssituation Positives sehen zu wollen/müssen, kann ein "Krampf/Schmarrn" sein. Oder auf hochdeutsch: Unsinn. - Denn dadurch entgeht einem meiner Meinung nach öfters die Möglichkeit, aus einer Situation zu lernen, sie zu verändern, daran zu wachsen. Das kann dann positiv enden - oder auch nicht!

Noch eine Definition:
Positives Denken (nicht zu verwechseln mit "Positiver Psychologie") geht von der Annahme aus: "Wer Erfolg erwartet, der bekommt Erfolg. Wer Misserfolg erwartet, der bekommt Misserfolg". Ziel des positiven Denkens ist, durch Autosuggestionen das Bewusstsein und Unterbewusstsein zu beeinflussen. Durch die sog. "self-fulfilling prophecy", die "sich selbst erfüllenden Prophezeihung", soll positives Denken auch zu positiven Effekten führen. Ausgegangen wird von der Vorstellung, der Mensch sei programmierbar und es gebe für alle Menschen die eine "richtige Programmierung".
Vertreter des Positiven Denkens und damit verwandter Themen sind u.a. Dale Carnegie, Joseph Murphy, Erhard Freitag, Oscar Schellbach, Napoleon Hill, Norman Vincent Peale, Anthony Robbins, Brian Tracy, Tom Peters, Vera F. Birkenbihl oder auch Jürgen Höller......
Glücksarchiv: Positives Denken


Zwischen Positivem Denken und einer positiven Lebenseinstellung wird im Sprachgebrauch des Alltags kaum unterschieden.

....Daß eine positive Lebenseinstellung das Wohlbefinden beeinflußt, ist allgemein bekannt. Bekannt ist auch, daß in Krankheitsfällen der Wille gesund zu werden, die Ermutigung dazu von Freunden, Bekannten, Partnern, nicht zuletzt von Ärzten und dem Pflegepersonal diese Lebenseinstellung und den Lebenswillen positiv stärken kön nen.

Die öffentlich organisierten Formen zur Verbreitung des "Positiven Denkens" meinen etwas anderes. Selbstbewußtsein, sich selbst managen, positiv denken, leichter lernen. "Die Macht des positiven Denkens, Wohlstand entstehen lassen, innere Ruhe finden - Entscheidungen treffen, Lebensfreudeseminar", so heißt es in einer Einladung zu Vorträgen, zu denen man Wolldecke, Freizeitkleidung, Hallenschuhe oder warme Socken sowie einen Kostenbeitrag mitbringen soll.......
In seinem Buch "Kraftzentrale Unterbewußtsein" werden von Freitag im Kapitel "Psychosomatische Krankheiten und ihre Überwindung" eine Reihe von Krankheiten aufgezählt, Diagnosen gestellt und Ratschläge gegeben. Z.B. Gehirntumor; Ursachen: falsches Denken, Starrköpfigkeit, Unwilligkeit, alte Gedankenmuster materialisieren sich zu einem Tumor. Suggestionen: Alles Leben ist ewiger Wechsel. Meine Gedanken erneuern sich immer wieder. Ich denke selbständig. In meinem Denken betrachte ich alles vom ewigen, göttlichen Standpunkt. Gottes Liebe durchströmt und regeneriert mich. Ich bin zu vollkommenem Leben erwacht (Erhard E. Freitag: Kraftzentrale Unterbewußtsein. Hilfe aus dem Unbewuß ten, Sonderausgabe, München, 1986, S. 381).

Hier wird deutlich: Der Mensch wird gesehen wie eine durch Management-Anleitungen zu programmierende Maschine. Richtig eingestellt, ist Erfolg, Gesundheit, Heilung, Glück, Freude logische Konsequenz. Mit Kalendern, täglichen Sinnsprüchen, Büchern, Kassetten bis zu Telefonanweisungen kann der Bewußtseinsoptimismus auf Dauer gestellt und programmiert werden.

Die Sehnsucht vieler danach beschert den Vermarktern des "Positiven Denkens" zunächst einmal den Wohlstand, der anderen versprochen wird. Die Begriffe "Liebe Gottes" bzw. auch "göttliche Kraft" werden hier im Dienst einer Ideologie mißbraucht.....

Die Propagandisten und Anhänger des "Positiven Denkens" müssen sich fragen lassen:


Was passiert, wenn jemand trotz positiver Programmierung krank wird?
Wenn jemand einen Unfall verursacht, andere oder/und sich selbst schadet, leidet?
Was ist mit den Opfern von Kriegen?
Was mit denen, die unter sozialer Ungerechtigkeit , extremer, unverschuldeter Armut, Krankheit leiden? - Haben sie sich falsch gemanagt?
Die Unterdrückten und Zukurzgekommenen überall auf der Welt; - Haben sie falsch gedacht? - Denken sie zu wenig positiv, weil der Wohlstand, die innere Ruhe sich nicht einstellen wollen? - Sind sie schließlich selbst schuld an ihrem Unglück?
Wie steht es schließlich mit der sozialen Verantwortung der "Erfolgreichen"? - Was sind ihre Aufgaben und Pflichten im Dienst sozialer Gerechtigkeit?
www.bistum-trier.de/sekten/kinfos/posidenk.htm


Ich selbst finde den Spruch "ich nehme erst einmal an, was auf mich zukommt und schaue dann, was ich daraus machen kann und welche Mittel mir dazu zur Verfügung stehen" sehr praktikabel....

Herzliche Grüsse,
Uta
 
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18.12.06
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Hallo Rudolf!

ich denke Uta und Leon haben das vortrefflich beschrieben. was ich nur noch dazufügen kann ist.

man sollte diese ständige bewerterei von gut und schlecht sowieso soweit wie möglich bleiben lassen.
denn zum einen (wie du das ja mit dem beispiel sehr gut beschrieben hast) hat meistens alles zwei seiten, und zum anderen sind die meisten dinge die dir im alltag so begegnen onehin nicht bewertungswürdig, da sie sich am ende zumeist als völlig unwichtig für den gesamtverlauf deines leben´s herausstellen.

ich habe mir abgewöhnt alles in seine bestandteile zerlegen zu wollen und für alles die ultimative bewertung zu finden, es bringt mich einfach nicht weiter sondern blockiert viel wichtigere resourcen.


ich wünsche dir alles gute und grüße dich!
richter
 
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05.10.05
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Hallo Rudolf,

ich kann das Wirrwarr in deinem Kopf gut verstehen. Auch ich habe zwiespältige Erfahrungen gemacht.
Ich habe mich längere Zeit mit Encouraging beschäftigt (dazu gibt es hier auch einen Extratread). Dass hat mir geholfen, überhaupt erstmal wieder Hoffnung zu schöpfen in einer ausweglos erscheinenden Lebensphase. Dort geht es ganz besonders um Selbstermutigung, aber auch darum, die guten Seiten an anderen bewusster wahr zu nehmen und in den Vordergrund zu setzen. Zum damaligen Zeitpunkt war es gut für mich und hat mir geholfen.
Zum jetzigen Zeitpunkt muss ich aber sagen, dass es mir auch geschadet hat. So wurden zweifellos vorhandene schlechte Seiten einzelner naher Mitmenschen verkleistert und mit dem Gefühl "derjenige gibt sich aber ganz viel Mühe und hat so viele gute Seiten" eine Auseinandersetzung mit den schlechten Seiten von mir unterlassen. Inzwischen habe ich einsehen müssen, dass es wichtig ist, auch die schlechten Seiten hochkommen zu lassen, damit nicht doch in einem drin sich eine "Müllhalde" nicht aufgearbeiteter Probleme bildet.
Natürlich unter der Vorstellung, aus jeder Situation das Beste machen zu wollen, würde ich natürlich dem "positiv denken" folgen können. Das Beste draus zu machen kann aber auch bedeuten, seelischen Müll von sich loszuwerden und dazu muss man ihn sich vorher anschauen.

Ich hoffe du findest deinen persönlichen Weg zwischen Aufarbeitung und Hoffnung.

Alles Gute wünscht Anne
 
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16.08.06
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Hallo Rudolf

Positiv, das ist für mich eine Bewertung.
Hört sich aber irgendwie "gut" an.

Eine zeitlang dachte ich, wenn ich die Mitte finde, dann sei das der optimale Zustand.
Aber inzwischen habe ich erkannt, dass ich dadurch auch zum Stillstand komme.
Das ist für mich im Moment nicht erstrebenswert.
Wichtig, finde ich, ist der Austausch zwischen den Gegensätzen.
Positiv oder negativ zu denken ist relativ.

Vielleicht sollte man eher sagen:" Ich denke um" oder "ich denke an etwas anderes" - wenn einem auffällt, dass man negativ denkt.

Also mir ist es z.Bsp. nicht möglich, wenn ich gerade "negativ" drauf bin, einfach auf "positiv" umzuschalten.

Aber wenn ich mir darüber bewusst werde, dass ich mich da irgendwie verstricke u. anfange, mich in etwas hineinzusteigern, dann hilft es, meine Gedanken umzulenken - mich abzulenken, dann können die negativen, zerstörerischen Gedanken ruhen. Der Rest regelt sich dann meist von Selbst.

Man sagt ja nicht umsonst : schlaf mal `nei Nacht darüber"

Das mit dem Hineinsteigern gilt übrigens auch für die "positive" Seite, denn man wird dann leicht manisch u. das kann wiederum ein zerstörerisches Ausmass annehmen.

Es ist halt gut, sich immer wieder mal zu beobachten, sich seiner Selbst ab und zu bewusst zu sein.

Dennoch bin ich der Meinung, dass die "positive" Seite stärker als die negative ist.
Ich vermute sogar fast, dass das eine der großen Wahrheiten ist.

Woher das bei mir kommt, weiß ich auch nicht. Jedenfalls ist es bei mir so, dass wenn ich der Meinung bin, ich bin gut, es geht mir gut, dann fühle ich mich wohler und gesünder.
Aber ob das nun eher zur Evolution beiträgt - hier sowieso - da kommen bei mir schon wieder Zweifel auf. Vielleicht ist es ja genauso gut, wenn die Natur fleißig aussortiert.
Gehupft wie gesprungen. Oder sowohl als auch.
Du siehst, ich kann mit Deiner Ambivalenz was anfangen.

Ich hatte mal im Halbschlaf eine Stimme gehört, die zu mir sagte: " Die Menschen sollen nicht glauben, eine Sache sei auf der einen Seite gut gewesen, wenn sie die andere Seite nicht verstanden haben."
Das hat wohl was mit diesem Thema zu tun...

Ich finde das ist ein interessantes Thema.

Was wäre, wenn die positive Seite tatsächlich stärker ist?

Das wäre außerhalb unserer uns (mir) bekannten Gesetzmäßigkeiten...

Alleine daran zu glauben, verursacht in mir ein tiefes Glücksgefühl.

Kaba
 
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10.12.06
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Hallo Leòn

Vielen Dank für deine Antwort!
Es geht nämlich nicht darum, über drohendes Unheil hinweg zu sehen, sondern darum, die zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen.
Genau aus diesem Gedankenstrang kam ich auf die idee, alles etwas "düsterer" anzusehen. Denn eigentlich sollte man sich den schlimmen dingen doch immer bewusst sein, da sie Gefahr birgen. Die Guten dinge sind dann eher dazu da, um auch das schöne an alldem zu sehen.

Hallo Uta

Auch dir lieben Dank für deine Antwort.
Meinem Urteil nach, hatte mein Therapeut in die Richtung "sinkendes Schiff", wie es leon brachte, tendiert.
Der spruch
ich nehme erst einmal an, was auf mich zukommt und schaue dann, was ich daraus machen kann und welche Mittel mir dazu zur Verfügung stehen
ist wirklich eine gute Lösung und meine Schritte werden sich sicherlich eher in diese Richtung begeben.

Hallo Anne

Ich hab mich die letzten drei Tage, mit dem Encouraging tread auseinandergesetzt und dazu auch im www rechechiert.
Ich muss bei mir feststellen, dass ich einerseuits sowas zwar durchaus brauchen könnte, andererseits ist es genau das problem mit der "Müllhalde", die mich eher in eine andere Richtung drängt.
Auch dir Danke ich für ganz lieb für deine Antwort.

Hallo Rudi
Auch vorab dir vielen Dank
ich werde ab Donnerstag ausprobiern, wie meine Erfahrungen mit dem "Weg der mitte" sein werden. Die Ergebnisse werden dann auf einer "negativ- positiv"-Liste, auf welcher ich die guten Dinge , sowie die schlechten dinge vermerkt.
Ich were negativ, eher negativ, neutral, eher positiv und positiv eingehend "untersuchen" um so meinen weg zu suchen.

Hallo kaba

"Ich denke um" oder "ich denke an etwas anderes"
Dies sehe ich auch als einen sehr wichtigen Ausweg, sich einer bestimmten Richtung Hinzugeben.

Auch eine Nacht darüber zu schlafen find ich eine akzeptable Lösung.
Jedoch sind es eher kurzfristige Geschehnisse die mich beschäftigen, und so oft am tag sollte ich mich nicht hinlegen um zu schlafen ;).

Fals die Positive Seite tatsächlich überwiegen sollte, würde mich das eher erschrecken.
Nungut, es würde auch darauf ankommen wie stark die positive Seite überwiegen würde. Hauptsache ist, das auf beide seiten geschaut wird, wie beim Fusgängerstreifen.



Eigentlich wollte ich das Thema nicht so auf meine Person bezogen dementieren, aber die resultate sollten schlussendlich dieselben sein.

Mit freundlichen Grüssen
Gezeichnet
Rudolf der sechsundfünfzigste
 
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19.03.06
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Hallo rudolf56,

Genau aus diesem Gedankenstrang kam ich auf die idee, alles etwas "düsterer" anzusehen. Denn eigentlich sollte man sich den schlimmen dingen doch immer bewusst sein, da sie Gefahr birgen. Die Guten dinge sind dann eher dazu da, um auch das schöne an alldem zu sehen.
vielleicht können ja Fragen an Dich selbst hilfreich sein wie

- Entspricht der Gedanke/ die Einstellung den realen Gegebenheiten?
- Hilft mir der Gedanke/ die Sichtweise, meine (kurz-/oder langfristigen Ziele
zu verfolgen?
- Hilft der Gedanke/ die Sichtweise mir, mich so zu fühlen, wie es es will?
- Hilft der Gedanke/ die sichtweise, mir meine (körperliche/ geistige/ seelische
Gesundheit) zu erhalten oder zu stabilisieren oder wiederzugewinnen?




Herzliche Grüße von

Leòn
 
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25.01.05
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Grüss euch,

wenn Positives Denken der Zuckerguss über die ganzen negativen Programme, Überzeugungen, Vorstellungen, Haltungen ist, dann hat es den Stellwert von Kosmetik.

Weit wichtiger als Positves Denken scheint mir eine neutrale, annehmende und nicht wertende, aber sehr wohl unterscheidende Einstellung zu dem was ist, kurz zum Leben zu haben. Will man etwas verändern, sollte man es erst einmal als das akzeptieren was es ist. Der Alltag ent-wickelt (und ent-wirrt) sich im besten Sinne des Wortes und wird einfacher: kaum mehr Kompensation, viel weniger Frust und Stress, mal 5 gerade sein lassen, mehr Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Dazu kommt noch stetig zunehmendes Vertrauen und Sicherheit in die eigene Wahrnehmung, die aus einer nahezu nicht wertenden Sichtweise weit weniger verzerrt ist.

Eigentlich alles Dinge, die man mittels positivem Denken erreichen möchte.

Wenn ich auch weitgehendst aufgehört habe zu werten, so unterscheide ich allerdings sehr wohl ob etwas passend ist oder nicht. Es ist sinnlos einen Schlüssel als schlecht zu bezeichnen, wenn Schlüssel und Schloss nicht zusammen passen.

herzlichst - Phil :)
 
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02.01.11
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Zum Thema Positiv-Denken gibt es ein Buch, die Beschreibung davon gefällt mir gut, daher setze ich es hier rein:

Zum ganzen Artikel:
www.connection.de/rezensionen/buch/mike-hellwig-wie-wir-uns-vom-positiven-denken-heilen.html

Ausschnitt:
Mike Hellwig: Wie wir uns vom positiven Denken heilen

Die radikale Erlaubnis


Mike Hellwig ist nach dem Klappentext systemischer Therapeut und Seminarleiter und hat mehrere Bücher zum inneren Kind geschrieben. Der Titel bezeichnet klar Hellwig's Haltung zum sogenannten positiven Denken; der Untertitel »Über die Freiheit, alles fühlen zu dürfen« erklärt seine Absicht näher.
Mike Hellwig versteht unter positivem Denken z.B. die in den Büchern »The Secret« und »Law of Attraction« propagierte Haltung und setzt dem sein Konzept der radikalen Erlaubnis entgegen.

Geht man nach dem Konzept des positiven Denkens, besteht ein Gesetz der Anziehung, nach dem alles, was uns widerfährt eine Spiegelung unserer Gedanken und Gefühle darstellt: Was wir denken und fühlen, das ziehen wir in unser Leben. Wenn wir also ein positives Leben wollen, müssen wir positiv denken und fühlen – alles negative Denken zieht negative Ereignisse ins Leben.

Aber auch wenn man kein Buch zum positiven Denken gelesen hat, unterliegen wir alle ständig dem Druck positiv sein zu müssen: Enttäuschung, Leid, Verzweiflung dürfen nicht geäußert werden. Diese Haltung führt nach Hellwig zu einer Abspaltung wesentlicher Seelenteile, die dann nicht mehr gelebt werden können. Man kommt immer mehr in einen Zwang, positiv denken zu müssen, da ja im anderen Fall das Universum die entsprechenden negativen Ereignisse schickt.

Dies führt in eine fatale Sackgasse, da wir alle mehr oder minder Schmerz mit uns tragen, Schmerz, der oft gut verborgen ist, oft auch vor unserem eigenen Bewusstsein. Mit der Strategie des positiven Denkens wird der Schmerz verleugnet und es wird versucht, den Schmerz durch positives Denken umzuwandeln, jedoch ohne dass der Schmerz gefühlt und anerkannt wird. Diese Strategie führt jedoch nicht nur nicht zum gewünschten Ergebnis, sondern noch darüber hinaus zur Abspaltung und Entfremdung vom eigenen Fühlen.
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Für mich stellt sich auch die Frage, ob ich tatsächlich meine Gedanken (immer) "selber mache". Ich zweifle daran jedenfalls.

Schöne Grüße an Euch!
**Nischka**
 
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23.04.06
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Hallo Nischka,:)

das Buch scheint mir ein guter Ansatz zu sein. Ob alles wichtige drin steht kann ich nicht beurteilen.

Für mich stellt sich auch die Frage, ob ich tatsächlich meine Gedanken (immer) "selber mache". Ich zweifle daran jedenfalls.
Aber das was du sagst, das stimmt, soweit ich das selbst erfahre und auch so gelesen habe. Gedanken denkt man nicht immer selbst. Sie können auch einfach auftauchen, wenn man beispielsweise alte Verletzungen noch nicht losgelassen hat, oder wenn man Schwächen hat, wie zum Beispiel Ängste. Das hat durchaus ein Eigenleben. Gleiches zieht gleiches an, das stimmt in dem Falle und ist ein Teil des Denkens und ein Teil des Lebens. :) Wäre es nicht so, dann würde man keine vernünftigen Ziele zusammen bekommen. Nur so waren Erfindungen möglich, durch Denken, das andere Gedanken angezogen hat, die zu dem gewünschten Ziel passten. Wenn das nicht funktionieren würde, würden wir alle planlos durch die Gegend laufen.:D

Ein Gedanke an sich ist ja auch nicht gut oder schlecht. Es sind einfach nur aneinander gereihte Worte. Was ihn schlecht machen könnte ist die Bewertung. Aber das man etwas unterdrücken soll, oder dass man Gefühle "übertünchen" soll mit positivem Denken. Das funktioniert nicht.
Ich habe gelesen, dass man durch annehmen und zulassen, das Alte loslässt und dadurch wieder Platz schafft für die Lebensenergie, die sonst blockiert ist. Das steht in vielen Büchern und das positive Denken, ist glaube ich da ein wenig überholt. Man könnte es eher bewusstes Denken nennen.

Grüsse von Juliette
 
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