... Als Lourdes längst einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt war, verfasste Emile Zola mit dem ersten Roman seiner Trilogie „Les trois villes“ 1894 eine Polemik gegen die „kollektive Illusion“ von Wunderheilungen und den florierenden Kommerz. Diese Ambivalenz hat sich bis heute erhalten. Lourdes zieht Jahr für Jahr Hunderttausende Kranke und Behinderte an. Und aus der Ferne lässt sich's zwar trefflich spotten über erfolgreiches Marien-Marketing und angeblichen Aberglauben.
Aber: Lourdes setzt auch immer wieder ein Fragezeichen hinter den Absolutheitsanspruch von Naturwissenschaften und Schulmedizin. Zumindest macht es immer neu die seelische und spirituelle Dimension eines Genesungsprozesses deutlich. „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“, meinte einmal David Ben-Gurion. Als Staatsgründer Israels sollte er es wissen. ...