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Manche Pflanzen sind eine Zeitlang heilsam, dann aber nicht mehr. Dazu gehört auch die Petersilie. - Wobei man davon ausgehen kann, - hoffe ich -, daß die im Handel angebotene Petersilie ok ist. Aber so ganz genau weiß man das ja nie.

...
Mit knapp 30 Prozent der abgegebenen Stimmen gewinnt die Petersilie (Petroselinum crispum) die Abstimmung des Botanischen Sondergartens in Hamburg-Wandsbek zur Wahl der Giftpflanze des Jahres 2023. Ihre Giftwirkung entfaltet die zweijährige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler allerdings erst im zweiten Jahr, sobald sie zu blühen beginnt. Bereits die Blüten enthalten das giftige Phenylpropanderivat Apiol, das sich dann auch in den Blättern und insbesondere in den Wurzeln und Früchten der Petersilie anreichert. Im ersten Jahr und zu Beginn des zweiten Jahres nach der Aussaat, vor der Blüte, ist das Kraut aber genießbar und entfaltet seinen charakteristischen Geschmack.
Aus einer grundständigen Rosette mit den essbaren Blättern im ersten Jahr entwickeln sich im Folgejahr 30 bis 70 cm hohe Blütenstiele mit kleinen, gelbgrünen Blüten und später daraus die Saatkörner. Hauptbestandteil des ätherischen Öls dieser Petersilienfrüchte ist Apiol, das auch Petersilienkampfer genannt wird. In höheren Dosierungen kann Apiol Nieren und Leber schädigen sowie Krämpfe der glatten Muskulatur in Blase, Darm und Gebärmutter hervorrufen. Aufgrund seiner wehenfördernden Wirkung kam Petersilienöl im Mittelalter häufig zu Schwangerschaftsbrüchen zum Einsatz. Diese endeten häufig nicht nur für den Fetus, sondern auch für die Schwangeren fatal.
Petersilie ist also nur vor der Blütezeit genießbar, unbedenklich und sogar sehr gesund. Mit durchschnittlich etwa 160 mg Ascorbinsäure pro 100 g ist das Kraut ein wahrer Vitamin-C-Gigant. Zum Vergleich: Eine durchschnittliche Zitrone enthält pro 100 g nur etwa 50 mg Vitamin C. ...
(Hervorhebungen durch mich)

Grüsse,
Oregano
 

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Nicht nur im Mittelalter - ich erinnere mich an Freundinnen, die mir den Rat gaben 1 Tl Petersiliensamen beim Ausbleiben der Periode zu nehmen.

Das machte ich auch, ohne vorher darüber nachzulesen, denn ich dachte damals (sehr jung), was kann so schädlich an Petersilie sein. Ich bekam dann auch meine Tage und hatte sonst keine NW. Vielleicht hatte ich Glück oder die Samen selber sind nicht so giftig?
 
die Samen selber sind nicht so giftig?
Habe dazu noch folgendes gefunden:

Der Giftstoff, der sich in den Saatkörnern befindet, sei abortiv. Und wurde dann häufig etwas überdosiert, sodass nicht nur der Fötus abgegangen, sondern auch die Frau infolge der Prozedur gestorben sei. Das seien dann aber professionell gemischte, hochdosierte Gifte aus der Petersiliensaat gewesen, betont der Botaniker.
und ich glaube, das bezieht sich auf den Verzehr von Blättern der einjährigen Pflanze:
Eine Studie zeigte, dass ein 75-Kilogramm schwerer Mensch mehrmals zwei Kilogramm Petersilienblätter essen müsste, damit sich die toxische Wirkung entfaltet und Leber sowie Niere geschädigt werden.

 
Seit ich das gelesen habe, verwende ich meine allseits geliebte Petersilienwurzel nicht mehr, vor allem, wenn sie so schön dick ist, wie in der letzten Zeit im Bioladen.

Ich frage mich, ob das immer so korrekt gehandhabt wird und ob das überhaupt möglich ist.

Bisher ist mir zwar nichts passiert. Aber ein komisches Gefühl ist es schon. Bei den Blättern habe ich jetzt weniger Probleme. Malvegil hat das ja gut erklärt.
 
Iris, ich liebe Petersilienwurzel auch, und ich esse sie weiterhin ohne jede Bedenken. Erstens sind unsere heutigen Zuchtsorten von Bitter- und Giftstoffen weitgehend freigezüchtet worden (ich erinnere an die Aubergine), zweitens ist unsere heutige Lebens- und Arzneimittelsicherheit eher übervorsichtig (Verbot von Beinwell etc.), und drittens sind geringe Mengen von Bitterstoffen (= Giftstoffen, je nach Menge!) gesund. Der Gaumen ist in aller Regel in der Lage, das zu Bittere und evtl. Giftige zu erkennen. Dazu hat die Evolution ihn in Hunderttausenden von Jahren ausgebildet, dafür ist er da.

Übrigens ist es bei all diesen Doldenblütlern so (die Möhre und die Pastinake sind ja auch eng verwandt und haben genau denselben zweijährigen Wachstumszyklus), daß die Rübe das Überwinterungsorgan ist, aus dessen Kohlenhydratvorräten im zweiten Jahr die Blüte getrieben wird. Die Wurzel wird dann zäh und hart. Das heißt, kein Bauer wird jemals eine Petersilienwurzel oder eine Mohrrübe im Frühling wieder austreiben und blühen lassen.
 
Noch was zur Giftigkeit von Apiol:

Hohe Konzentrationen an Apiol schädigen aber auch Leber- und Nierengewebe und es kann zur Ausbildung einer Fettleber und Nekrosen kommen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten Apiol-haltige „Female Pills“ ohne Rezept gekauft werden. Beworben als Mittel gegen allerlei Frauenbeschwerden wurden sie in Wahrheit für Abtreibungen genutzt; immer wieder mit fatalem Ausgang, wie Veröffentlichungen zu Vergiftungsfällen mit Apiol belegen. Ab den 1960iger Jahren wurde Apiol durch andere Abortiva ersetzt.

Apiol hat mit einem LD50 Wert von etwa 1000 mg/kg keine hohe akute Toxizität, d. h. viele der Patientinnen hätten wahrscheinlich bei schnellem Einschreiten und entsprechenden Maßnahmen gerettet werden können. Die schlechte Prognose der Vergifteten war aber auch dadurch bedingt, dass Scham und empfundene Schuld dazu führten, dass die Patientinnen erst spät beim Arzt vorstellig wurden und häufig die Ursache der Vergiftung verschwiegen.
Quelle: https://toxikologie.eu/toxikologie/artikel-des-monats/apiol/

1 g/kg sind 50 g bei einer 50 Kilo schweren Frau! Dafür müßte man vermutlich 1 kg Petersiliensamen auf einmal essen.

Nicht vergessen würde ich auch, daß Horrormeldungen über solche Todesfälle auch Warnungen vor illegalen Abtreibungsmethoden gewesen sein könnten. Damals konnte man auch viel über Todesfälle durch Masturbation lesen. :sneaky:
 
Und noch was Interessantes: Der wunderschöne Schwalbenschwanz frißt als Raupe mit großem Vergnügen Fenchel, Dill, Petersilie und Weinraute (auch die Früchte, je mehr Apiol, desto besser!). Mit den ätherischen Ölen, die allesamt in hoher Konzentration anfangen, ein bißchen giftig zu werden, füllt er seine orange gefärbte Nackengabel, die er bei Gefahr ausfährt und womit er Freßfeinde durch den aromatisch-giftigen Geruch vertreibt.

Raupe-des-Schwalbenschwanz-24546.jpg

Bildquelle: https://naturfotos.lbv.de/image/Raupe-des-Schwalbenschwanz-24546.html

Anders gesagt: pflanzliche ätherische Öle sind allesamt Abwehrstoffe und sollen das Gefressenwerden verhindern. Trotzdem sind sie für uns in Maßen (!) sehr gesund.
 
Petersilien-Tee

... Wusstet ihr schon, dass man auch Petersilientee trinken kann? Das soll jetzt kein Rezept sein, sondern einfach nur ein zusätzlicher Tipp: Einfach ein bis zwei Teelöffel klein geschnittene Petersilie in eine Tasse oder ein Glas geben, heißes Wasser darüber gießen und ca. 10 Minuten ziehen lassen. Dann absieben und trinken. Petersilie wirkt entwässernd und spült Nieren und Blase gut durch, was Nierensteinen und Entzündungen vorbeugen kann. ...

Grüsse,
Oregano
 
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