Neues Antibiotika-Mantra: kürzer ist besser

Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
72.814
... Resistenzen gegen Antibiotika stellen eine zunehmende Bedrohung dar. Um ihre Ausbreitung zu verhindern, sollten die Wirkstoffe möglichst kurz und in ausreichender Dosierung eingesetzt werden. Die frühere goldene Regel, wonach die Einnahme mindestens sieben Tage dauern soll, gilt nicht mehr.
...
»Die Sieben-Tage-Regel ist eines der Dogmen in der Medizin, die es uns so schwer machen«, sagte der Intensivmediziner. Die Daten hierzu stammten aus dem Jahr 1945 und seien längst widerlegt. Warum es immer noch die Hinweise gebe, man müsse die Antibiotika-Packung immer ganz aufbrauchen, sie ihm unklar. Besonders eine zu lange niedrig dosierte Therapie fördere die Resistenzbildung. »Kürzer ist besser« lautet das neue Motto. ... Je länger eine Therapie andauert, desto schwieriger ist es, die Vermehrung der resistenten Subpopulation zu unterdrücken. Mit einem vier- bis fünftägigen Regime kann man einen guten antibakteriellen Effekt erreichen und gleichzeitig die Vermehrung der resistenten Keime minimieren. Dagegen kann ein Weiterführen der Therapie über zehn Tage zu einem Therapieversagen führen, wenn bis dahin nicht alle Erreger beseitigt sind, heißt es in der Publikation.
...

Ein Problem bei „kürzer ist besser“ dürfte darin bestehen, daß ja erst einmal sicher sein sollte, daß eine bakterielle Infektion tatsächlich vorbei ist und damit die ABs abgesetzt werden können. Ich weiß gar nicht, wie Ärzte das normalerweise feststellen können?

Ein anderes Problem dürfte sein, daß sich noch nicht wirklich herum gesprochen hat, daß eben eine kürzere AB-Einnahme sinnvoller sein kann als eine 7-tägige Einnahme. Bei Blasenentzündungen ist da ja so: da dauert die Einnahme meistens 1-2 Tage.

Grüsse,
Oregano
 
Ein Problem bei „kürzer ist besser“ dürfte darin bestehen, daß ja erst einmal sicher sein sollte, daß eine bakterielle Infektion tatsächlich vorbei ist und damit die ABs abgesetzt werden können. Ich weiß gar nicht, wie Ärzte das normalerweise feststellen können?

Genau das habe ich auch gedacht. Bei Borreliose sagt man, dass eine AB-Therapie circa drei bis vier Wochen Sinn machen würde. Ich kenne zwei Personen, da hat dieser Zeitrahmen zum Verschwinden der Borreliose geführt - I und II Stadium jeweils.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist. :)
-
 
Borreliose ist aber wirklich ein Sonderfall, weil die Borrelien sich viel langsamer teilen als andere Bakterien. In dem Artikel steht ja auch:
Selbstverständlich gibt es auch Indikationen, die eine längere Antibiose erfordern, aber: »Selbst schwere Pneumonien behandeln wir in der Klinik nur für vier bis fünf Tage«, so Höhl.
 
Borreliose ist aber wirklich ein Sonderfall, weil die Borrelien sich viel langsamer teilen als andere Bakterien. In dem Artikel steht ja auch:

Danke.

Ein weiterer Punkt, ist die höhe der Dosierung, welche entsprechend angepasst und überwacht werden müssen, je nach Organfunktion usw.

Die Angaben aus den Fachinformationen seien kritisch zu sehen, weil die Daten an jungen Gesunden gewonnen wurden. Doch Schwerkranke, etwa Sepsis- Patienten, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Immunologie und sie haben unter anderem Endothelschäden, Mikrozirkulationsstörungen oder Organschäden. Entsprechend sei die Dosisfindung sehr komplex, zumal in der frühen Phase der Sepsis noch keine Nierenstörung vorliegt, sondern die Clearance häufig zum Teil erheblich gesteigert ist. »Wirkstoffkonzentrationen im Plasma sind daher sehr schlecht vorherzusagen und müssen gemessen werden«, betonte Höhl.
 
Ein weiterer Punkt, ist die höhe der Dosierung, welche entsprechend angepasst und überwacht werden müssen, je nach Organfunktion
Ja, müßte! Der Artikel zeigt ja schon, daß das schon als Riesen-Fortschritt anzusehen ist, wenn das bei todkranken Intensivpatienten gemacht wird. Relevant wäre es natürlich auch bei banaleren Infekten, denn nicht jeder Organismus verarbeitet das AB gleich. Zu niedrige Wirkstoffspiegel führen zu Unwirksamkeit und Resistenzbildung, zu hohe Wirkstoffspiegel zu erhöhtem Nebenwirkungsrisiko. Gerade leichtgewichtige Menschen sind für letzteres gefährdet. Und die Clearance kann sich auch zwischen Frauen und Männern unterscheiden ...
 
Oben