Glück, was ist das überhaupt?

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Vermute mal, das weiche Wasser und der harte Stein gehören zusammen, egal ob das weiche Wasser nun einverstanden ist, oder nicht.

Der harte Stein symbolisiert meines Denkens, Gefühle, für die wir uns eigentlich schämen sollten, jedoch auch trotzdem wahrgenommen werden wollen.

Mit der Neigung "zum Sieg" bzw. Unterdrückung dieser negativen Gefühle, des harten Steines, um weiches Wasser zu bleiben, desto mehr Energie wird erforderlich werden und uns bei der wirklichen Entwicklung behindern.

Eine Anerkennung des Steines "kein Sieg", denke ich, ist hier von Nöten, mit allen positiven und negativen Eigenschaften, d.h. weiches Wasser, samt harter Stein, damit so entstehende/entstandene Blockaden, innerliche Vergiftungen, die vielleicht schon von Kindestagen bestehen, sich auflösen, um so glücklicher, fröhlicher, liebevoller und angenehmer den Umgang mit uns selbst und mit Anderen, zu gestalten.

Liebe Grüssis von Kayen
 
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Zur Zeit mache ich mir keine Gedanken über Steine ,Wasser oder Musik und schicke sehr entspannte Grüße aus dem Urlaub.
Jeden Tag wache ich hier glücklich auf,denn nichts kann glückliches Kinderlachen und leuchtende Kinderaugen ersetzen .

Meine fröhliche und unbeschwerte Enkelin macht mich rundherum glücklich.

Liebe Grüße von Wildaster:wave:
 
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Hallo liebe Wildaster,:wave:

schön, dass Du Dich aus dem Urlaub meldest und dann noch mit Glücksbotschaften. Ich freue mich mit Dir:kiss:
Erhole Dich weiterhin und genieße Deine Zeit.

Herzlichst
Kayen




Zur Zeit mache ich mir keine Gedanken über Steine ,Wasser oder Musik und schicke sehr entspannte Grüße aus dem Urlaub.
Jeden Tag wache ich hier glücklich auf,denn nichts kann glückliches Kinderlachen und leuchtende Kinderaugen ersetzen .

Meine fröhliche und unbeschwerte Enkelin macht mich rundherum glücklich.

Liebe Grüße von Wildaster:wave:
 

Windpferd




Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du
Und was sie stillt.

Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.

Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter dir
Die Pforten zu.

Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.

Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!

(Friedrich Rückert)
 

Windpferd

Hallo Miglena (432),

klar hast Du richtig geraten mit den Goldberg-Variationen. Hatte nicht – oder nicht so rasch – damit gerechnet. Denn wer kennt denn diesen alten Kram noch. (Einmal tat ich mein Bestes, einem meiner Söhne eine seinem – häufig wechselnden aber jeweils angesagten – Geschmack entsprechende CD zu schenken, was mir wieder mal misslang. Er schaute mich mit tiefem Mitgefühl an: „Babù, du bist wirklich out.“)

Längst wollte ich Dir danken und was dazu schreiben, aber, wie üblich . . . (es folgt eine Ausrede).

Also, das Ding heißt „Clavier-Übung bestehend aus einer Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbel mit 2 Manualen“. (Die zwei Manuale sind schwierig sogar auf Steinway-Flügel, weil der halt nur eines hat, da sind die Hände einander im Weg und man muß manchmal umschreiben – geht aber eigentlich nicht bei so ausgetüftelter Stimmführung. Relativ neu war zu Bachs Zeit das Übergreifen der einen Hand über die andere – das machte auch mir noch Spaß und ich kam mir toll vor, z.B. bei Mozarts A-Dur-Sonate. Das Staunen, wenn irgendwas mal der Gewohnheit zuwiderläuft. Was müssen die Menschen damals gestaunt haben.)

„Goldberg-Variationen“, der Name entspringt einer posthumen Anekdote, nicht belegt aber plausibel. Goldberg war ein ausgezeichneter Cembalist, Bach-Schüler, beschäftigt am Hof den russischen Gesandten in Wien. Nicht direkt als Schlafmittel gedacht (wie man hört) sondern zur Aufheiterung des Botschafters in schlaflosen Nächten. (Also vielleicht immense politische Bedeutung: wer weiß, was andernfalls hätte passieren können in den Beziehungen der Großmächte bei chronischer Insomnie des Botschafters?)

Das Stück ist atemberaubend durchstrukturiert nach ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten gleichzeitig. (Man versteht, was Hermann Hesse im „Glasperlenspiel“ als das Land „Kastalien“ beschrieb, in dem das höchste Ziel die Vereinigung vom Musik und Mathematik war - also Bach. Die Musik begann zu verfallen mit Beethovens 5. Symphonie; da begann nämlich, Hesse zufolge, die „rauschende Musik“, weil Beethoven die Blechbläser verstärkt hatte.) 30 Variationen (10 Dreiergruppen), jede dritte ein Kanon in den Oberstimmen, bei jedem der Tonabstand der beiden Stimmen um eine Sekunde größer, bis zur None, 3 x 9 = 27. (Für diese Menschen waren mathematische Formenstrenge und Gesang des Herzens keine Widersprüche.) Man wird dem Stück nicht gerecht, wenn man es nur vorbeirauschen lässt und die Virtuosität bewundert. Dennoch auch Züge von Improvisation, bewegende Dissonanzen, v.a. in den Mollvariationen. Manche Variationen den zeitgenössischen Tänzen verwandt.

Nr. 30 ist ein „Quodlibet“. Ein Biograph (Forkel) schrieb über die festlichen Treffen der Bach’schen Großfamilie:

„Sie sangen nehmlich Volkslieder, theils von possierlichem, theils auch von schlüpfigem Inhalt zugleich miteinander aus dem Stegreif so, dass zwar die verschiedenen extemporierten Stimmen eine Art von Harmonie ausmachten, die Texte aber in jeder Stimme anderen Inhalts waren. Sie nannten diese Art Quodlibet und konnten nicht nur von ganzem Herzen dabey lachen, sondern erregten auch ein ebenso herzliches wie unwiderstehliches Lachen bey jedem, der sie hörte.“

Die Texte der „beyden Volkslieder“ dieses Quodlibet beginnen: „I’ bin so lang / nit bei dir g’west / ruck her, ruck her, ruck her . . .“ (soviel zum "schlüpfrigen Inhalt"?) und „Kraut und Rüben / haben mich vertrieben.“ Natürlich anspielend auf die Fallhöhe zwischen immer komplexeren Variationen zur schlichten „Aria“. Die darauf natürlich, in ursprünglicher Gestalt, wiederkehrt. Dann vielleicht sogar schlaffördernd.

Süß, nicht? Nur: das Quodlibet der Goldberg-Variationen ist absolut kein Stück der Entspannung, der Willkür sondern streng gefügt – nur daß unsereins (ich jedenfalls) das nicht mehr einfach hören sondern nur mühsam erarbeiten kann (was freilich ganz neue Dimensionen öffnet). Wir sind ja träg geworden durch die homophone Musik, in der immer die Oberstimme führt, und, je weiter der „Fortschritt“ geht, darunter armselige Harmonik und quasi maschinell-monotones Schlagzeug.

Die Variationen ein Spätwerk, 9 Jahre vor Bachs Tod gedruckt. Ebenso wie Beethovens monumentale Diabelli-Variationen, auch die einem eher skurrilen Anlaß zu verdanken. (Es gibt noch andere Variationen – an erster Stelle vielleicht Brahms’ Händel-Variationen, Schumanns Symphonische Etüden und Regers Bach-Variationen. (Von ihm auch Variationen über das Thema des ersten Satzes von Mozarts A-Dur-Sonate, s.o., das er aber grausam erschlagen hat mit seinem Riesenorchester.)

Auch in der Literatur spielt das Werk eine Rolle, bei E.T.H. Hoffmann („Kreisleriana“) und Thomas Bernhard („Der Untergeher“), die ich beide nicht kenne. Und in Anna Enquists (der Psychologin und Pianistin) Roman „Kontrapunkt“. (Bachs früh verstorbener Sohn hat, so der Roman, die „Aria“ geliebt – und des Vaters Variationenwerk sei gewissermaßen ein Grabmal für den Sohn, eine Weise der Vergegenwärtigung, der Trauerarbeit. (Ähnlich wie die Chaconne für Violine Solo für seine erste Frau Anna.) Das ist fiktiv. Und die Pianistin des Romans vergegenwärtigt durch das Studium des Werks ihre tote Tochter. Weiß nicht, ob das auch fiktiv ist.)

Die berühmtesten Einspielungen des Werks stammen von Glenn Gould. Er spielte es zweimal ein, im Abstand von ca. 25 Jahren. Die erste Einspielung dauert eine gute halbe, die zweite eine ganze Stunde. (Bei Bach gibt es keine Tempoangaben.) Er entdeckte die Langsamkeit. Schon vorher, mit dem „Wohltemperierten Klavier“. (Wobei langsame Tempi nichts mit „leicht“ zu tun haben. Bei den Meistern ist Technik nicht mehr das Problem.) Wenige Monate nach der letzten Einspielung starb er.

So far . . .

Ich find es hilfreich, sich bei manchen Werken den Kontext auf den zugänglichen Ebenen zu vergegenwärtigen. Auch bei bildender Kunst, bei Dichtung. Mit scheint, ich höre, sehe dann besser. Erinnerung an meine Faszination vor einer romanischen Kirchenfassade in Arezzo: Ich zählte die Säulenabstände auf den vier Stockwerken – und berechnete, dass ihre Verhältnisse reinen Intervallen entsprechen: Quindezim, Oktav, Quart. (Das erinnert wieder an Hindemiths Oper „Harmonia Mundi“ über das Leben Keplers, der genau diese Harmonie sah in den Planetenbahnen. Bei Hindemith hörbar im Quartenzirkel, um den ganzen Orbit.) Natürlich eine Art von Religiosität, all das?

Nun war das auch noch O.T. Mea culpa . . .

Aber mit Glück hat’s ja irgendwas zu tun? Kommt mir so vor.

Schönen Abend,
herzlich
Windpferd
 
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15.05.13
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Hallo Windpferd,

dass ich richtig geraten habe, verdanke ich der Google-Suchmaschine. Meine Neu- und Wissbegierde bewirkt erhöhten Fleiß bei der Suche nach Informationen im Internet.

Glück bedeutet für mich Wissen, denn der Wissende weiß, wie er dem Unglück davonlaufen und das Glück fangen bzw. erzeugen kann. :D

Und schon wieder habe ich von Dir Interessantes über die Geschichte der klassischen Musik und ihre Schöpfer gelernt. Die klassische Musik ist eine Verkörperung der Entwicklung und Vervollkommnung der europäischen Seele auf ihrer Suche nach dem Glück, und daher immer aktuell, einfach unvergänglich. Es gibt nicht zufällig fortwährend jungen Talent-Nachwuchs.

Und die ganze Welt und alle Nationen spielen und lieben klassische Musik, denn sie ist ein unübertroffenes Instrument wahrer Kunst, neben der Bildenden Kunst, der Literatur und dem Theater. Ich liebe sie alle, doch ich habe das Gefühl, dass die Musik am ursprünglichsten und subtilsten von allen ist. Die klassische Musik verbindet die ganze Welt auf allerfeinste und triumphale Art und Weise.

Ich danke Dir für Deine Anregungen und Dein geteiltes Wissen, die mir helfen, die klassische Musik für mich noch einmal und zwar richtig zu entdecken.

Liebe Grüße,
Miglena
 

Windpferd

Thus shall ye think of all this fleeting world:

A star at dawn,
a bubble in the stream,
a flash of lightning in a summer´s night,
a flickering flame,
a phantom,
and a dream.​

(Prajnaparamita Sutra)​
 

Windpferd

VERBUNDENHEIT

Einer bedarf des Sturms und des Blitzesschlags,
einer bedarf der Stille und des geebneten Tags,
einer bedarf der Tiefe des senkrecht sinkenden Lots,
einer bedarf der Fläche und des leicht hinschwebenden Boots.

Einer bedarf des klar geschnittenen Gedankenkristalls,
einer bedarf der Erhebung und einer bedarf des Falls,
einer bedarf des nebligen Traums und des Wechselgebilds,
einer bedarf des Schwertes und einer bedarf des Schilds.

Einer bedarf der zärtlichen Lippen, der Brust und der Hand,
einer bedarf des einsamen Starrens auf einsame Wand,
einer bedarf des Lachens, unbändig und prächtig gelacht,
einer bedarf der Träne, vergeblich gestreut in die Nacht.

Alle bedürfen aller. Alles bedarf des Alls.
Tropfen bedürfen der Meere und Meere des Tropfenfalls.
Deiner bedarf der Mangel und deiner bedarf das Brot.
Deiner bedarf das Leben. Und deiner bedarf der Tod.​
(Johannes Urzidil)​

(Johannes Urzidil, 1896 - 2070, geboren in Prag, tschechisch-deutscher Schriftsteller, Kulturhistoriker, Übersetzer. Mitglied des "Prager Kreises", dem unter anderen Franz Kafka, Max Brod und Franz Werfel angehörten. Seine Frau war Jüdin, er selbst Halbjude; 1941 gelang den Beiden die Flucht über Italien, England in die USA, wo sie in Armut lebten. Nach dem Krieg wieder in Europa. Er starb auf einer seiner zahlreichen Vortragsreisen in Rom. Er war gläubiger Katholik, Humanist, stand den Freimaurern nahe.

In Prag gibt es an der Mauer des Gymnasiums, das er besuchte, eine Gedenktafel für ihn in tschechischer und deutscher Sprache mit seinen Zeilen:

. . . und gib mir, daß an jener Stelle,
wo ich einst stand, ein Schein des Lichts
dem Wandernden den Weg erhelle.
 
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Im Spiegel des Wassers erblickt der Mensch sein Gesicht, und im Spiegel seiner Gedanken erblickt der Mensch sich selbst.

Salomon

 

Windpferd

Laß die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
Laß das Tüfteln, laß das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen!

(Christian Morgenstern)​
 

Windpferd

Hallo Dasein,

"Im Spiegel des Wassers erblickt der Mensch sein Gesicht, und im Spiegel seiner Gedanken erblickt der Mensch sich selbst." Sagt Salomon. Wo eigentlich?

Ich glaub, er täuscht sich.

Das Wasser muß schon sehr still sein, um uns als Spiegel zu dienen. Ein - Regentropfen in die Pfütze - und schon wird das Spiegelbild unkenntlich.

Und die endlose, schnelle Abfolge unserer Gedanken (manche auch noch emotional aufgeladen) - das ist ja ein dauernder "Starkregen" (wie der Wetterbericht neuerdings so schön sagt). Als Spiegel ganz ungeeignet.

Wie ein Mensch sich selber erkennen kann (wenn er denn will) - darüber reden uralte Traditionen. Sogar darüber, was er dann sieht.

Alles Liebe
Windpferd
 
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18.03.12
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Ein lieber User schrieb vor sehr langer Zeit:
,,Schmerz und Glück......
Glück,weil man sich in der eigenen Trauer von der Musik getragen fühlen kann .......es macht Hoffnung."
Ja Mimer,es macht Hoffnung.

Liebe Grüße von Wildaster
 
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Oft denke ich,dass das Glück mich verlassen hat und dann gibt es Augenblicke ,wo ich wieder dieses wunderschöne Gefühl in mir spüre und bin dankbar dafür.

Liebe Grüße
Wildaster
 
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17.08.13
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hallo,

auch wenn es lachhaft rüberkommt.
ich war gestern seit "ewigkeiten",
mit meinen enkeln schlitten fahren.

diese freizeit-beschäftigung,hat mich sehr glücklich gemacht.
auch wenn mir heut alles weh tut,werd ich dies wieder tun.:kraft:

das sagt mir wieder mal,wer rastet der rostet.

lg sanara
 
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18.03.12
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Liebe sanara:),
es ist überhaupt nicht lachhaft,im Gegenteil.
Es ist so schön zu lesen,dass du dich glücklich gefühlt hast und ich freue mich mit dir:freu:.
Du tust soviel für deine Familie und kommst dadurch bestimmt nicht zum Rosten :fans:.

Liebe Sonntagsgrüße von Wildaster :wave:
 
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