Wie lange noch bis zum Crash?

MisterX

Die Weltwirtschaft im Ungleichgewicht
[03.12.2006]

Im Grunde genommen ist Wirtschaft die richtige Verteilung von Ressourcen. Entscheidungen über die Verteilung der Ressourcen werden getroffen, indem man den Bedarf und die Preise auf dem Markt beachtet. Jede Intervention in den Preismechanismus verändert diese Verteilung.

Die gegenwärtige Situation ist von einem massiven Intervention bei einem der wichtigsten Preise der Weltwirtschaft gekennzeichnet: Dem Verhältnis zwischen dem Dollar und den asiatischen Währungen einerseits und den Zinsen in den USA.

Wie es funktioniert:
China setzt den Wechselkurs seiner Währung dem Dollar gegenüber auf einem sehr niedrigen Niveau fest, indem es bei Bedarf mehr Yuan erschafft. Da andere asiatische Länder, um ihre wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit nicht zu gefährden, keine andere Wahl haben, machen sie das gleiche mit ihren Währungen. Japan war auch bis vor kurzem in diesem Boot

Diese Länder investieren dann ihre durch diese Manipulation der Währung eingenommenen Dollar in US-Regierungsanleihen, was zu einer künstlichen Reduzierung des Zinsniveaus in den vergangenen Jahren in den USA geführt hatte, da sich die USA nicht mehr um Geld bemühen müssen, sondern auf den unaufhörlichen Strom von Dollars aus Asien vertrauen konnten.

Unvorstellbare weltweite Geldmengenausweitung

Zwischen 2003 und 2005 druckten vor allem asiatische Notenbanken und die amerikanische FED jedes Jahr etwa 500 Mrd. US-$ pro Jahr, wodurch die weltweite Geldmenge um 65 Prozent anstieg.

Das ist ohne Beispiel. Der niedrige Wechselkurs der asiatischen Währungen gegenüber dem Dollar führte zu einer hohen Nachfrage nach Gütern aus China und zu Überinvestitionen in asiatische Fabriken: Folgendes trat in China und einigen anderen asiatischen Staaten auf:

Der Handelsüberschuss der asiatischen Länder mit den USA und anderen Ländern stieg im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BSP) auf einen Rekordwert.

Die Industrieproduktion stieg stark an.

Das Verhältnis von Investitionen zum BSP ist das höchste in der Geschichte.





In den USA hingegen verursachte die Kombination aus Niedrigzinsen und einer überbewerteten Währung eine Import- und eine Immobilienblase, was zu folgenden Entwicklungen führte:

Die Sparrate ist die niedrigste in der Geschichte und mittlerweile sogar negativ.


Die Verschuldung der Privathaushalte stieg stark an und erreichte mittlerweile einen Rekordwert.


Der Anteil des Konsums liegt mittlerweile bei 71 Prozent des BSP, der höchste Anteil der Geschichte der Statistik.


Das Handelsdefizit liegt im Verhältnis zum BSP bei 7 Prozent und ist somit ebenfalls auf historischem Höchststand.


Mit anderen Worten gesagt, produzieren die Asiaten zu viel und die USA konsumiert zu viel. Nur das exzessive Drucken von Geld zur Erhaltung des Wettbewerbsvorteils der eigenen Währungen konnte zu dieser Situation führen.

Kann die Lawine aufgehalten werden?

Ein Ballon kann entweder weiter anschwellen und platzen oder man kann die Luft herauslassen. Asiens Führer stehen vor zwei Alternativen: Weiterhin Geld drucken und das künstliche Währungsystem aufrechterhalten oder sie unterlassen die Währungsmanipulationen und folgen den Kräften des freien Marktes, der dann den richtigen Wechselkurs festsetzt...

Ein ´Weiter so wie bisher´ würde folgende Probleme nach sich ziehen:

Das Geldmengenwachstum würde vor allem in den Dollarländern zu einer noch höheren Inflationsrate führen, wie es bei den Öl- und Rohstoffund Imobilienpreisen schon jetzt der Fall ist. Die wahre Inflationsrate in den USA wird auf etwa sieben bis zehn Prozent geschätzt, selbst die amtliche gibt etwa drei bis vier Prozent zu.

Die weltwirtschaftlichen Verwerfungen nehmen in einem immer schnelleren Ausmaß zu.

Das Eigentum an Sachwerten in den USA und Ländern des Dollarraumes geht in ausländische, besonders asiatische Hände über (das ist das natürliche Ergebnis des Handelsbilanzdefizits).


Wenn das überschäumende Gelddrucken der asiatischen Notenbanken aufhören würde, wäre ein starker Anstieg der asiatischen Währungen gegenüber dem Dollar die Folge. Dies würde den amerikanischen Kaufrausch à la WalMart und ebenfalls den asiatischen Produktionsboom ( WalMart allein ist Chinas siebt größter Außenhandelspartner, wäre es ein Land und keine Firma ) schlagartig beenden, mit anderen Worten, eine Weltwirtschaftskrise müsste folgen.

Das erste Signal in dieser Richtung gab die Bank of Japan im April dieses Jahres, als sie Yen im Wert von 300 Mrd. US-$ vom Markt nahm. Daraufhin stiegen weltweit die Zinsen der Anleihen um einen Prozentpunkt und der aufgeblähte amerikanische Immobilienmarkt schwächte sich deutlich ab. Auch Chinas Zentralbank zeigt Anzeichen eines Anziehens der Schraube. Man unternahm erste zaghafte Maßnahmen in Richtung einer reduzierten Geldmengenexpansion.

Für manche mag es noch nicht sichtbar sein, aber die Weltwirtschaft befindet sich in einer heiklen Lage. Ihre Zukunft hängt von den Aktionen der Zentralbanken ab, besonders denen von Amerika, Japan und China. Die Zentralbanken stehen unter ungeheuerem Druck, und ihre Handlungsweise ist schwer vorhersehbar. Eines ist sicher: Man muss sich gut anschnallen, die Reise der Weltwirtschaft wird unangenehm werden. :schock:

http://www.chinaintern.de/
 
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Shop till you drop...

Die Ausrichtung unserer Wirtschaftssyteme auf Konsum bekümmert mich schon lange und ganz abgesehen von weltwirtschaftlichen Zusammenhängen. Schon die ganz Kleinen geraten in die Fänge von Werbung und Marketing. Wegwerf-Windeln heißen Pampers, Papiertaschentücher Tempos, täglich wird man - wenn man nicht gut aufpaßt - von Morgens bis Abends mit Slogans bombardiert, mehr oder weniger subtil. Sich dem zu entziehen ist unsagbar schwer. Und um das Ganze aufrecht zu erhalten müssen ja ständig neue Bedürfnisse produziert werden. Mal ganz ehrlich: Wer braucht einen MP3-Player, wer eine Playstation, wer den 88. Waschmaschinen-Typ? Wirklich brauchen tun das doch nur die produzierenden Firmen. Auf Dauer wird meines Erachtens nur der bestehen können, der sich weitestgehend von all dem Überfluss an Waren unabhängig macht.

Weihnachten ist eine gute Gelegenheit damit anzufangen. Widersagt dem Konsum und all seinen Versuchungen!

Licht und Liebe,

Sanne
 
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Ist es aber nicht so, daß der Verzicht auf weiteren Konsum die Binnenwirtschaft in Deutschland endgültig noch mehr darniederliegen läßt? Soweit ich das sehe, bedeutet das dann erst recht: Verlegung der Produktion in Billiglohnländer und Schließung von noch mehr Firmen hier im Inland. Das bedeutet: steigende Arbeitlosigkeit, Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften und gut verdienenden Leuten ins Ausland (die ist ja schon im Gange) und tatsächlich abnehmender Konsum, weil einfach kein Geld mehr da ist.
Dagegen stehen noch höhere Belastungen des Staates und der Länder, die jetzt schon nur noch von sparen reden...

Wo der Ausgang aus diesem Teufelskreis ist, weiß ich leider auch nicht.

Uta
 
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Das ist sehr interessant, MisterX. Die Frage ist natürlich, mit welchem Gürtel sollte man sich anschnallen? Mir ist noch eine andere Verwerfung aufgefallen: das Einkommen der „reichen“ Amerikaner hat sich in den letzten Jahren verzehnfacht, während das Einkommen des Fußvolkes gleich geblieben ist. Wenn etwas so läuft, stehen die Hebel falsch.

Viele Grüsse
Wero
 

oli

Naja, mit dem Gürtel, der Dir schon eng (immer enger) um die Hüfte geschnallt ist :D


Wenn das Volk in Europa und USA nicht mal was unternimmt, ist bald eine unumkehrbare Situation da: ungleiche Vermögensverteilung und unzufriedene Bürger und auf der anderen Seite ein Überwachungs- und Polizeistaat, der nicht dem Kampf gegen den "weltweiten Terrorismus" dient, sondern die Elite vor den eigenen Bürgern schützt.
 
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Ist es aber nicht so, daß der Verzicht auf weiteren Konsum die Binnenwirtschaft in Deutschland endgültig noch mehr darniederliegen läßt?
Liebe Uta,

genau so funktioniert doch die Falle. Die Menschen werden glauben gemacht, dass ohne Konsum hier alles zusammenbräche. Was immer mehr, immer schneller, jetzt haben und später zahlen bedeuten, das wird doch immer mehr sichtbar. "Haste was, biste was...", das heißt auf der anderen Seite doch: Wer wenig hat, ist auch wenig wert. Wer nicht konsumieren kann, ist für die Gesellschaft wertlos. Davon sollten wir uns dringend befreien. Denn je mehr wir uns über die Dinge definieren, die wir besitzen, die wir uns leisten können, desto geringer wird unsere Unabhängigkeit gegenüber diesen Dingen und den Konzernen, die sie verteilen, desto mehr schmilzt unsere persönliche Freiheit.

Licht und Liebe,

Sanne
 
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http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,438606,00.html


Es braucht gar keinen Crash, sollte die Abgeltungssteuer 2009, so wie bisher angekündigt, kommen, lohnt sich in Deutschland praktisch kein Aktienhandel mehr, außer man gibt sich mit Zinsen ähnlich einem Tagesgeldkonto bei ungleich höherem Verlustrisiko zufrieden.
Betroffen sind natürlich vor allem wieder Klein- und Normalverdiener, die
neben den staatlichen Altersvorsorgeinstrumenten, die nur einen kleinen Teil abdecken können, vorsorglichen und kontinuierlichen Vermögensaufbau (z.b. mit einem Fondssparplan) betreiben wollen.
Da ich mich (wie bei einigen hier) bei keiner Berufsunfähigkeitsversicherung erst vorzustellen brauche, ist/wäre dies besonders schmerzhaft.

Viele Grüße,
Ming
 
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Das war doch schon alles vorher klar gewesen, FIAT Währung kann doch nur zum Crash führen! Unsere Wirtschaft setzt auf völlig wertloses da ungedecktes Papiergeld, schlimmer noch, die Möglichkeit neues Geld zu drucken befindet sich mitlerweile bereits seit Jahrzehnten im privatem Besitz (siehe US "federal" reserve system)! ALLE unsere Währungen sind defakto wertlos, Inflation ist das was entsteht wenn man einfach immer weiter ungedecktes Geld druckt - das was die Schmarotzer seit Jahrzehnten tun. Wollen die unsere Geld dann müsen sie es nicht etwa stehlen wie früher, nein, sie müssen einfach die Druckmaschinen anwerfen und mehr FIAT Währung drucken!

Der anschließende Wertverfall der Währung aka Inflation erleichtert dann die Menschen langsam aber sicher um ihre Ersparnisse (das Güter und Sonstiges immer teurer werden ist eine Ilusiuon, unsere Währungen verliren seit Jahrzehnten lediglich kontinuirlich an Wert). Wer halbwegs inteligent ist - und Kapital besitzt - solte jetzt bereits angefangen haben in Gold und Silber umzulagern...
 

MisterX

Danke für eure Antworten!

Es ist natürlich sehr schwer sich hier eine wirklich objektive Meinung zu bilden, weil man ja nicht den vollen Überblick hat.
Wobei man sich wohl fragen muss ob den überhaupt noch einer hat? ;)

Hier hab ich gerade noch was passendes zum Thema gefunden - wenn es euch interessiert ...

http://www.saar-echo.de/de/art.php?a=32190

Hier ist von der brutalen Übernahme durch die berüchtigten ”Heuschrecken”, durch Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften die Rede, die seit einiger Zeit in Deutschland und anderen Ländern alles übernehmen, was nicht niet- und nagelfest ist: Großunternehmen wie ABB und Telekom, mittelständische Betriebe, Villen, Sozialbauten, Schlösser - eben Sachwerte für die Zeit nach dem Crash. Diese Übernahmen weiten sich derzeit mit einem fieberhaften Tempo aus. Was auf der Strecke bleibt, ist Deutschland als Industrienation, die sich ein soziales Netz leisten kann.
Lieben Gruß X
 
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