Via APA USA: Notbremse für Kinder-Psychopillen

alibiorangerl

MᴏᴅᴇʀᴀᴛᴏʀɪN
Teammitglied
Themenstarter
Beitritt
09.09.08
Beiträge
16.069
Wuhu,
"Notbremse für Kinder-Psychopillen" klingt gut, hat aber aufgrund der "Neuregelung" im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wohl nur "Beruhigungsfaktor"... :mad:

Denn genau aus dieser Vereinigung "APA - Vereinigung Amerikanischer Psychiater" heraus entstammt dieses "Machwerk", : https://www.symptome.ch/threads/die-unglaubliche-neufassung-von-krankheitsdefinitionen.114486/ :eek:

Notbremse für Kinder-Psychopillen - news.ORF.at
„Groteske“ Pseudoepidemie

Immer mehr Kinder nehmen Psychopharmaka. Neue Zahlen belegen, dass sich entsprechende Verschreibungen in den USA in den letzten zehn Jahren verdreifacht haben. Die Vereinigung Amerikanischer Psychiater (APA) stemmt sich diesem Trend nun entgegen - mit der Forderung nach einem Verschreibungsstopp, außer bei eindeutig diagnostizierten psychischen Krankheiten bei Kindern.

Vom Verschreibungsstopp ausgenommen wissen will die APA etwa Schizophrenie, andere psychotische Erkrankungen und schwere Ticks. Für alle anderen Fälle - vor allem die immer verbreitetere Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) - rät die Vereinigung dringend ab. Wie ernst es den Psychiatern mit der Warnung ist, lässt sich allein schon daran ablesen, dass die APA damit ihre eigene Existenz gefährdet: Sie wird vor allem durch Zuwendungen der großen Pharmafirmen finanziert.


Je jünger, desto schlimmere Folgen möglich
Die aktuellen Zahlen zum Thema lassen sich jedoch nicht mehr ignorieren. Sie belegen etwa, dass die Häufigkeit der Verschreibung von Psychopharmaka eindeutig mit dem sozialen Status zu tun hat - ginge es tatsächlich nur um die zutreffende Diagnose einer Krankheit, müsste diese aber quer durch alle Bevölkerungsschichten gleich häufig anzutreffen sein. Auch der US-Konsumentenschutzverband Consumer Reports nimmt sich des Themas nun mit einem großen Dossier an.

In dem Report wird etwa eindringlich vor Spätfolgen der Psychopharmaka-Einnahme von Kindern gewarnt. Die Präparate sind in Wahrheit auf Erwachsene ausgelegt. Was die Pillen in einem in Entwicklung befindlichen Hirn anstellen, sei in keiner Weise geklärt, wird betont - und darauf verwiesen, dass bereits Zweijährigen bei allzu häufigen ADHS-Diagnosen entsprechende Medikamente gegeben werden. „Je jünger du damit anfängst, desto mehr kann es dein Gehirn beeinträchtigen“, wird Uniprofessor Christopher Bellonci zitiert.


Beweise für Wirksamkeit auf wackeligen Beinen
Aus der Sicht der Konsumentenschützer ist zudem nicht einmal geklärt, ob die betreffenden Mittel - mögen sie nun Ritalin, Concerta, Medikinet oder Strattera heißen - bei landläufigen ADHS-Diagnosen überhaupt etwas bewirken. Alles in allem seien unter wissenschaftlichen Bedingungen erst weniger als 3.000 Kinder, die Psychopharmaka nehmen, beobachtet worden, und auch das in den meisten Fällen weniger als acht Wochen lang - schwerlich ein fundierter Beweis für die Wirksamkeit der betreffenden Präparate, wie Consumer Reports warnt.

Von einer „Katastrophe von bedrohlichen Ausmaßen“ spricht gegenüber der „New York Times“ („NYT“) der Psychologe Keith Conners. Er war einer der federführenden Mediziner im Kampf um die schulmedizinische Anerkennung der Diagnose ADHS. Er bleibt jedoch auch nach fünf Jahrzehnten der Forschung dabei, dass die Krankheit drei bis fünf Prozent aller Kinder betrifft - und nicht 15 Prozent, die es nach aktuellen US-Verschreibungsdaten sein müssten. Alles sehe danach aus, als gebe es eine „Epidemie“, so Conners. Das sei aber schlicht „grotesk“.


„Medikamentenvergabe schönreden“
Die Faktoren, die zur Psychopillen-Schwemme bei Kindern führen, sind für Conners ein „Mischmasch“, das einzig und allein dafür da sei, „die Vergabe von Medikamenten auf noch nie da gewesenem und nicht zu rechtfertigendem Niveau schönzureden“. Einer der Faktoren dieses „Mischmaschs“ sind dabei eindeutig die finanziellen Interessen der Pharmabranche. In ihrem großangelegten Magazinbeitrag über das Thema weist die „NYT“ Stück für Stück etwa fragwürdige Finanzflüsse und Marketingpraktiken der Psychopharmaka-Hersteller nach.

Psychopharmaka sind ein Milliardengeschäft: Schon 2003 wurden allein in den USA damit Umsätze von 2,8 Mrd. Dollar (zwei Mrd. Euro) gemacht. Das war allerdings verschwindend wenig gegen den aktuellen Wert von weit über 18 Mrd. Dollar. Und von Anfang an hatten die Pharmafirmen Eltern im Visier, die ihre Kinder „dopen“ wollen - oder glauben, das tun zu müssen. Wurde anfangs noch damit geworben, dass Kinder durch die Präparate „braver“ oder „leistungsfähiger“ seien, bemächtigte sich die Industrie später aggressiv des Themas ADHS.


Fragwürdige Geldflüsse
Neben personellen und finanziellen Verflechtungen - die lautesten Befürworter der Medikation von ADHS werden oft über Umwege von Pharmafirmen bezahlt - deckt der „NYT“-Artikel auch auf, dass die maßgebende ADHS-Eltern-Selbsthilfegruppe CHADD de facto von Ritalin-Produzent Ciba-Geigy erhalten wird. Dazu kommen in den USA fragwürdige Marketingpraktiken wie direkt an Schulen verteilte Comic-Werbebroschüren und Kampagnen mit Boyband-Mitgliedern als Psychopharmaka-Fürsprecher.

Es gibt jedoch auch Zeichen für ein Umdenken. Zum einen wurden erst im November Pharmafirmen für ihre Werbepraktiken zu einer Strafe von 2,2 Mrd. Dollar verdonnert, zum andern melden sich nun auch Kritiker lauter zu Wort. Gegenüber der „NYT“ sagte etwa der Psychiater Tyrone Williams, dass abseits schwerer psychischer Erkrankungen Antworten „manchmal so einfach sind und kein Ärzterezept brauchen“: „Wie wär’s mit acht Stunden Schlaf, Mama, weil vier einfach nicht reichen?“ Oft verschwinde das vermeintliche ADHS dann „wie von Zauberhand“.


Links:


Publiziert am 31.12.2013
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Neu hier? Dann ein herzliches Willkommen!
Du liest hier gerade eine Diskussion von Betroffenen – Menschen, die eigene Wege gehen und Erfahrungen teilen. Das kann am Anfang ungewohnt wirken: Jeder Verlauf, jede Geschichte ist anders.
Als Gast kannst du mitlesen und dich orientieren.
Als Mitglied kannst du Fragen stellen, antworten und dich aktiv einbringen.
Deine Wegweiser:

Willkommen bei Symptome.ch
Schön, dass du da bist.

Symptome.ch ist seit vielen Jahren eine der größten und aktivsten deutschsprachigen Gemeinschaften rund um Gesundheit, Naturheilkunde und alternative Therapien. Hier tauschen sich Menschen aus, die Ursachen verstehen, Zusammenhänge erkennen und eigenverantwortlich etwas für ihre Gesundheit tun wollen.

Als Gast kannst du viele Themen mitlesen und dich informieren. Wenn du selbst Fragen stellen, auf Beiträge antworten oder mehr Inhalte sehen möchtest, registriere dich kostenlos. Die Gemeinschaft lebt vom Austausch – und jedes neue Mitglied bringt wertvolle Erfahrungen mit. 🙂

Zurzeit aktive Besucher

Statistik des Forums

Themen
69.527
Beiträge
1.067.997
Mitglieder
53.379
Neuestes Mitglied
dermistry
Zurück
Oben