Meditation in der Kritik

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Sternstunde Philosophie: "Alle meditieren. Wer verändert die Welt?"

Macht uns Meditation zu Egoisten?

Auch bei uns gehört Meditation immer mehr zum Alltag. Gleichzeitig wird Kritik laut: Wer meditiert, verliert den Dialog aus dem Blick, sagt der Historiker Theodore Zeldin.





57:00



Alle meditieren. Wer verändert die Welt?
Legende: Video Alle meditieren. Wer verändert die Welt? abspielen. Laufzeit 57:00 Minuten. Aus Sternstunde Philosophie vom 22.04.2018.




Inmitten von farbigen tibetischen Rollteppichen, beleuchtet von einigen Lichtstrahlen hat sich Richard Davidson in Meditationshaltung hingesetzt. Der Neurowissenschaftler ist der führende Experte, wenn es um Fragen zu Meditation und ihrer Auswirkung auf das Gehirn geht. Hier spricht er von den positiven Effekten des Meditierens.
Der breiten Öffentlichkeit ist Davidson durch die aufsehenerregenden Tests mit meditierenden buddhistischen Mönchen in MRI-Röhren bekannt geworden. Dort zeigte sich, was lange nur eine Vermutung war: Während der Meditation verändern sich die Hirnströme – die Hirnstruktur ist formbar.

Legende: Der Neurowissenschaftler Richard Davidson untersucht, was beim Meditieren im Gehirn passiert. SRF
Naive Schönfärberei?

Gute Nachrichten für Meditierende also? Ja, aber nicht nur, sagt Theodore Zeldin. Der britische Historiker und Skeptiker hält die von Davidson und seinen Kollegen vertretene Ansicht, dass Meditation die Welt verändern könne, für schönfärberisch und gänzlich naiv.
In schwierigen Zeiten gelte es, den Blick nach aussen und nicht nur nach innen zu richten, sagt Zeldin. Der Welt fehle es nicht an Meditation, sondern an inspirierenden Gesprächen.
Damit meint Zeldin nicht einfach den Austausch von Argumenten und Gedanken, sondern gegenseitige schöpferische Stimulation. Mediation stelle die Menschen scheinbar ruhig, wenn es doch so wichtig sei, dass sie neugierig bleiben. Nur mit einem Wissenszuwachs könnten die Probleme der Welt bewältigt werden.
Passend zum Thema




Austausch zwischen Musen

Aus diesem Anliegen heraus hat Theodore Zeldin die Stiftung «Muse», Link öffnet in einem neuen Fenster gegründet. Mit ihr will er eine neue Konversationskultur schaffen. Eine, die vom Willen und von der Bereitschaft geprägt ist, aus jedem Gespräch als veränderte Personen herauszugehen.
Zeldin wünscht sich, dass sich Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und Berufsrichtungen treffen und austauschen. Dabei sollen sie sich gegenseitig aus der jeweiligen denkerischen Komfortzone herausinspirieren.
So könne jeder Mensch dem anderen eine Muse sein. Zeldins Haltung ist klar: Ein richtig gutes Gespräch bringt ihnen und der Welt mehr als schweigsames Meditieren.
Beste Grüße von Kayen
 
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Das Eine schließt das Andere ja nicht aus. Die wenigsten Menschen meditieren vom Morgen bis zum Abend und verbringen ihr Leben in Schweigen. Ich sehe also das Problem nicht ganz.
 
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Es kommt m.E. darauf an, welche Grundlage der Professor für seine Meinung nutzt.
In dem Video wird nicht differenziert, sondern ganz Allgemein von Meditation im Buddhismus gesprochen.
Im Buddhismus gibt es jedoch verschiedene Schulen und jede Lehre bzw. Praxis sieht anders aus.
Nun kenne ich mich nicht mit allen Schulen aus, weiß aber, dass z.B. im Zen (wobei Zen auch noch in verschiedene Schulen gegliedert ist - Soto und Rinzei Zen) immer darauf hingewiesen wird, dass die Praxis hauptsächlich im "Außen" stattfindet. Man liest ja auch in alten Büchern Zen ist "Action".

Nichts desto Trotz gibt es dann wohl auch buddhistische Richtungen, in denen es strenge, lange Meditationen gibt und die Menschen in Lethargie fallen können.
Anscheinend hat sich der Professor genau diese Richtung ausgesucht, weil es gerade so in seinen Kram passte.

Die Achtsamkeitsmeditation, welche durch J.K. Zinn in aller Munde ist, beruht soweit ich weiß, aus Wurzeln des Zen.

Man könnte jetzt noch tiefer in Vermutungen gehen; früher gab es im Zen nur 7 Ochsenbilder, anstatt wie heute 10 (Pfad zur Leere und Erkenntnis) Action - also das Außen - (die letzten 3 Bilder) scheinen wohl erst später hinzugekommen zu sein. Aber ich weiß es nicht genau.


Nicht desto Trotz: die Kritik des Professor ist mir auch unverständlich; obwohl er zugegebener Maßen auch gute Beispiele rüberbringt.
Aber ob er damit erreicht, die Welt zu verbessern, wage ich zu bezweifeln.

Beste Grüße von Kayen
 
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Es gibt auch christliche Klöster, wo das Schweigen gepflegt wird. Wem das gefällt, der kann das von mir aus gerne machen, am Lauf der Welt ändert sich dadurch meiner Meinung nach nicht viel. Die meisten Menschen reden wohl eher zu viel als zu wenig.

Zeldin wünscht sich, dass sich Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und Berufsrichtungen treffen und austauschen. Dabei sollen sie sich gegenseitig aus der jeweiligen denkerischen Komfortzone herausinspirieren.

Durch das Internet passiert doch genau das ständig, dieses Forum ist ein gutes Beispiel. Auch wenn es nicht immer harmonisch abläuft und man auch nicht alles glauben mag, habe ich für mich doch schon sehr viele nützliche Ideen und Anregungen mitgenommen.

Mein Fazit: Der Aufhänger des Professors ist falsch und sein Wunsch ist längst Wirklichkeit geworden. Guten Morgen! ;)
 
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Durch das Internet passiert doch genau das ständig, dieses Forum ist ein gutes Beispiel. Auch wenn es nicht immer harmonisch abläuft und man auch nicht alles glauben mag, habe ich für mich doch schon sehr viele nützliche Ideen und Anregungen mitgenommen.

Wenn ich die Video-Aussage des Professors richtig im Kopf habe, meint er jedoch bei dieser Aussage:
Zeldin wünscht sich, dass sich Menschen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und Berufsrichtungen treffen und austauschen. Dabei sollen sie sich gegenseitig aus der jeweiligen denkerischen Komfortzone herausinspirieren.

reale Treffen und weniger bis garnicht das Internet.


Beste Grüße von Kayen
 
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Das wäre ja auch sehr aufwändig. Viele sind auch so krank, dass sie dazu kaum in der Lage wären. Ich pflege lieber ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft, da ergeben sich auch immer wieder interessante Gespräche. Und das ist nur eine von sehr vielen Möglichkeiten, im echten Leben Kontakte zu pflegen.
 

Piratin

Wenn ich die Video-Aussage des Professors richtig im Kopf habe, meint er jedoch bei dieser Aussage:


reale Treffen und weniger bis garnicht das Internet.


Beste Grüße von Kayen

Was hat denn das mit Meditation oder nicht nicht Meditation zu tun? Der Gute hat wohl den alten Witz mit dem rumhängen und nichts tun zu wörtlich genommen. :lachen2:
 
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Warum die Herren Probleme während einer Meditation bekommen könnten (umgekehrt geht natürlich auch):D

 
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Auch bei uns gehört Meditation immer mehr zum Alltag. Gleichzeitig wird Kritik laut: Wer meditiert, verliert den Dialog aus dem Blick, sagt der Historiker Theodore Zeldin.

Das ist nicht das einzige und ganz sicher das dringlichste Problem, das durch Meditation auftreten kann.

Der amerikanische Wissenschaftler Deane H. Shapiro fand 1992 heraus, dass 62,9 % der untersuchten Meditierenden negative Auswirkungen während und nach der Meditation beklagten. 7,4 % erfuhren sogar starke negative Effekte wie z.B.

Angst und Panik
unverständliche Zunahme von Anspannung
weniger Motivation im Leben
Schmerzen
Verwirrung und Orientierungslosigkeit
Depression
zunehmende Negativität
Angst, Wut, Sorge, Verzweiflung

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1428622

https://www.uni-wh.de/detailseiten/news/meditation-kann-auch-unangenehm-sein-7809/

Man sollte immer sehr genau die potentiellen Nebenwirkungen prüfen, bevor man einem Trend hinterherläuft. Wenn es einem ohnehin schon nicht gut geht und man dann den üblichen empfohlenen "Stressreduktionsmethoden" wie Meditation folgt, kann das unter Umständen erst recht in eine Abwärtsspirale führen.
 

alexo13105

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Mir ist beigebracht worden , Meditation ist ein -beschauliches Nachdenken .
Mit anderem kann ich nichts anfangen und bin regelrecht erstaunt , welch Energie aufgebracht wird , oft von Personen mit starker Problematik und ohne Lösungsstrategie , hier wieder einen "Ruheraum" zu finden , um eben nicht nachdenken zu müssen .

LG
 

Piratin

So ist es, bevor es entspannend wird, muss unheimlich viel Energie aufgebracht werden, um die Stille zu erreichen. Aufgrund dessen ist die klassische Meditation für Menschen mit der Problematik Erschöpfung und/oder Trauma nicht geeignet. Auch daher wahrscheinlich die von mirgehtsschlecht zitierten Nebenwirkungen. Besser ist da körperorientiertes Arbeiten oder andere, z.B. geführte Meditationen.
 
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Vor ein paar Tagen habe ich einen Vortrag von einem (Dr.) Schamanen angehört, der seit 30 Jahren mit Schamanen im Amazonas zusammen lebt und gleichzeitig dort auch forscht.
Dr. deswegen, da er erst in Amerika als Arzt gearbeitet hat.
Im Amazonas hat er wohl auch ein eigenes Labor.

Jedenfalls erzählt er, dass viele Gehirne gar nicht mehr für die Meditation zu gebrauchen sind, da dieser zuständige Gehirn-Teil wohl aufgrund unserer vielen Belastungen einen erheblichen "Schaden" genommen hat.
Dann nützen auch geführte Meditationen nichts - weil man zu dem "höchsten BewusstseinGrad", dort genannt "Adler/Kondor" (für die Schamanen das All-(eine)-Bewusstsein) nicht mehr aufsteigen kann.

Wenn er Kranke behandelt bekommen sie - vor der Meditation - erstmal 6 Wochen Fischöl, da das Gehirn zu einem großen Teil wohl aus Omega 3 Fettsäuren besteht und die Reparatur wird so eingeleitet. Also die Hirnsubstanz kann, lt. seiner Aussage, damit wieder aufgestockt werden.

Wenn diese Zeit um ist, werden wieder Versuche gestartet, ob die Meditation (stilles Sitzen) nun besser funktioniert.
Dann geht es weiter mit Curcumin, Reversatol, Brokkolisamen und noch einer Substanz, die mir gerade entfallen ist. . .
Im Amazonas werden dafür jedoch die einheimischen Pflanzen eingesetzt, die den gleichen Effekt haben - wenn nicht noch stärker - da in unmittelbarer Verbindung mit Mutter Erde .:)
 
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Piratin

Wenn er ein richtiger Schamane ist, wird er sicherlich auch noch auf feinstofflicher Ebene einiges zur Traumaheilung tun! Und wenn man 6 Wochen im Amazonas war hat das sicherlich auch einige Effekte auf das Gehirn.
Warum aber geführte Meditationen wie z.B. Schlafyoga, nichts nutzen sollen, verstehe ich nicht. Man darf halt nur nicht immer nur von seinen eigenen Zielen (Erleuchtung etc.) ausgehen.

LG
 
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Warum aber geführte Meditationen wie z.B. Schlafyoga, nichts nutzen sollen, verstehe ich nicht. Man darf halt nur nicht immer nur von seinen eigenen Zielen (Erleuchtung etc.) ausgehen.

LG


Die Schamanen haben eben einen ganz anderen Heilungsansatz. "Erleuchtung" ist da überhaupt eines der ganz kleinen Aufgaben - nicht das Ziel.

Letztendlich sehen sie ihre Aufgabe darin den Ursprung der Erkrankung zu finden und in der Prävention.

Man geht auch nicht mit jedem Problem sofort zu einem Schamanen.


Wenn man von einer Schlange gebissen wurde, geht man erst einmal ins Spital und danach erst zum Schamanen um zu erfahren, warum man überhaupt von einer Schlange gebissen wurde.:D


Das kann man nun auf alles um-münzen.
 
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