Etwas als verloren aufgeben?

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Hallo,

heute geht es mir endlich wieder ein wenig besser.
Möchte heute mal hier etwas einstellen, und um psychologische Bewertung bitten.

Der weise König Salomo sagte einmal:
"Es gibt eine Zeit zum Suchen, und eine Zeit, etwas als verloren aufzugeben."

Mich würde interessieren, ob ich meinen bisherigen Beruf unter diesem Aspekt aufgeben muß.

Vielen Dank fürs Lesen und ggf. Antworten.
LG Eshita



Im November 1997 habe ich meine Schneiderei gegründet.

Es fing alles ganz harmlos an.

War auf der Suche nach einem Nebenjob.
Mit einer Freundin im Gespräch, sagte sie:

„Du Moni, Du kannst doch so gut nähen. Mach doch da was draus.“

Ich machte mir Gedanken darüber und kam zu dem Schluß: Ein Versuch wäre es ja wert.

Ich kreierte mir am PC ein paar Flugblätter und warf sie in die Briefkästen meiner Nachbarschaft.

Nach 14 Tagen kam der 1. Anruf.

Ich hüpfte vor Freude in der ganzen Wohnung rum, albern.

Nach drei Monaten riefen die ersten Leute an, denen ich empfohlen wurde.

Dadurch dass ich recht wenig Selbstvertrauen hatte, war das etwas ganz Besonderes für mich.

Ich – ja ICH - konnte auch etwas.
Mein Vater hat mich mein Leben lang als einen Menschen hingestellt, der zu nichts taugen würde !

Ja, und so kam es, dass ich innerhalb von 1 bis 2 Jahren recht schnell als Super-Schneiderin bekannt wurde.

Kann mich an einen Anruf noch erinnern:
„Sind Sie die Schneiderin, die aus einem Kartoffelsack noch was zaubert?“

Ja, hallo. Was war DAS denn?

Als die Kundin dann das erste Mal bei mir war, war sie voll des Lobes, was sie von anderen über mich gehört habe.

Ich wollte damals nur ein paar Stunden in der Woche arbeiten. Aber da kamen dann immer mehr Leute.

Irgendwie konnte ich die Bremse nicht ziehen.

Ich verdiente dann auch entsprechend. So konnte ich mir dann die ersten großen Fabrik-Maschinen kaufen und einen schönen Vorrat an Kurzwaren und Stoffen.

Dann kam der 1. Umzug mit Schneiderei.

Oft wurden wir gerade deswegen abgelehnt. Die Vermieter wollten den damit verbundenen Umtrieb nicht.

Dann endlich fanden wir eine Wohnung.

Dort meldeten sich dann innerhalb weniger Wochen drei Modegeschäfte aus der Stadtmitte, die von mir gehört hatten.

Das Erste: Ein Modegeschäft für Unterwäsche, Schlafanzüge,
Das Zweite: ein Modegeschäft für gehobene Mode,
und das Dritte: eines für exquisite, sehr sehr teure Mode.

Letzteres war eine wirkliche Herausforderung.
Pelzmäntel, die 3000 € kosteten, waren keine Seltenheit.
Kleider, Röcke, Hosen. Jedes Teil im 200 € - Bereich.

Die Geschäftsinhaberin übergab mir vollen Vertrauens diese Waren.

Ich war IMMER angespannt, verkrampft.

Dann merkte ich erst gar nicht, wie sehr diese Mode meine gesamte Schneiderei vereinnahmte.

Die Kunden, die in diesem Geschäft einkauften, waren reiche Leute.
Da gab es nichts, was eine gute Schneiderin, „nicht können“ durfte.
Pünktlich, preisgünstig, perfekt mußte es sein.

Dann hatte ich die ersten burn-out-symptome: Sehr nervös, Nägelkauen, Konzentrationsprobleme, Durchschlafstörungen.

Ich wollte runterfahren, weil mir alles zuviel wurde.
Aber dann wurde mein Mann ganz unerwartet arbeitslos.
Ohne lange Vorwarnung machte die Firma, in der er arbeitete dicht.
Das war im Frühjahr 2003.

Statt dass ich runterfuhr, stockte ich auf.
Mein Mann und ich versuchten das gemeinsam zu meistern.
Ich erweiterte die Schneiderei, indem ich zusätzlich Bügel-und Mangelarbeiten anbot.
Zur Bewältigung der vielen Arbeit stellte ich 2 Freundinnen auf Minijob-Basis ein.

Die Wohnung, die wir mit Schneiderei bekommen hatten, entpuppte sich als sehr laute Wohnung. Sehr viel Unruhe in sehr dünnen Wänden. So hatte ich nun kaum mehr Schlaf.

Also zogen wir nochmal um.
In unsere Überlegungen mußten wir - aufgrund fortschreitenden Alters von meiner Schwiegermama (wir verstehen uns super !), auch sie mit einbeziehen und so nahmen wir uns eine Haushälfte in Miete. Sie wohnt bis zum Tag bei uns. Hat ihren separaten Wohnbereich.

2004 wandte sich eine Kundin, die bei der örtlichen Tages-Zeitung arbeitete, an uns.
Sie habe den Autrag, Berufe vorzustellen.
Durch den Berufsausfall meines Mannes brauchten wir ein paar Kunden mehr.
Auch er half inzwischen fleißig mit. Trennte Kleidung auf, machte Kurierdienst, Büroarbeiten, übernahm den Haushalt und Einkäufe.

Aber: Dieser Artikel brachte uns viel zu viel Kunden. Es war furchtbar viel los.
Auf diese Anzeige hin meldete sich unser Vermieter und machte uns darauf aufmerksam, dass in der Siedlung, in der wir wohnten, ein Gewerbe in diesem Format nicht erlaubt sei.
Durch diesen Zeitungsartikel würden wir in einer Größe dastehen, die Probleme machen könnte.
Die Stadtverwaltung wandte sich an uns, machte uns klar, dass unsere Schneiderei nicht zu groß werden dürfe, sonst müßten wir eine Räumlichkeit in der Stadt anmieten.
Das hieß:
Ich mußte meine beiden Freundinnen wieder entlassen.
2 Nähmaschinen waren nur erlaubt. Ich hatte aber 7.

Ab dieser Zeit arbeitete ich Tag und Nacht.

14 bis 16 Stunden, auch Samstag und Sonntag waren ganz normal.

2008 bekam mein Mann (nach 5 Jahren Suche) endlich wenigstens einen Halbtagsjob.
Wir wollten noch mit der Reduzierung meiner Arbeitszeit warten, weil wir nicht sicher waren, ob er diesen Job behalten konnte.

Dann endlich im Herbst 2008:
Arbeitszeit kürzen von 14-16h auf 8 bis 10h.

Leichter gesagt, als getan. Denn die Leute wollten mein NEIN nicht hören, gingen darüber hinweg.

Dann stutzte ich meine Kundenliste.

Ich druckte mir die Liste aus, und machte ein „Auswahlverfahren“.
Alle, die ich mit einem x vermerkte, rief ich nach und nach an, und teilte ihnen mit, dass ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so viel arbeiten würde, und bat sie, sich an eine andere Schneiderei zu wenden.

Die Reaktionen ! ! Wirklich böse ! !
Aber wie sollte ich denn das sonst machen?

Einige dieser Kunden waren auch Kunden dieses sehr teuren Geschäftes, für das ich nähte.
Die Inhaberin rief an, das könne ich doch nicht machen. Die Leute beschwerten sich bei ihr über mich.
Ich sei arrogant usw.

Im April 2009 machte ich bei einer spaßigen Rangelei mit meinem Mann eine dumme Kopfdrehbewegung.
Drei Bandscheiben-Protrusionen.
Der Atlas in einer Fehlposition.
Notarzt
Chiropraktik machte alles noch schlimmer.
1 Woche neurologische Klinik, stationär.

6 Monate ganz außer Gefecht, immer wieder Halskrause.

Die Schneiderei ruhte.

Es ist normalerweise nicht möglich innerhalb eines Geschäftsjahres den Status zu wechseln.
Hier kam mir mein guter Ruf betreff Ehrlichkeit zugute.
Ich konnte mit ein paar wenigen steuerberaterischen Bestätigungen zum Kleinunternehmer-Status wechseln – mitten im Jahr.

So fing ich dann im Oktober 2009 wieder an zu arbeiten.
Zur Eingliederung zunächst nur 3h täglich.

Ich merkte schnell, dass plötzlich große Ängste da waren.

Angst vor diesen teuren Klamotten,
Angst es nicht pünktlich zu schaffen,
Angst es nicht gut genug hinzubekommen

DIESE Ängste kannte ich bis dato nicht in diesem Format.

Ich sprach mit meinem Mann lange nicht darüber.
Wollte ihn nicht belasten, denn die Jahre seiner Arbeitslosigkeit haben auch ihn enorm Kraft gekostet.

Er bemerkte zwar schon, dass ich mich plagte, aber nicht, wie sehr.
Ich weinte viel, während er weg war.
Tat so, als ob nichts wäre, während er da war.

Frühjahr 2010 wurden meine Ganzkörperschmerzen unerträglich. Ich schluckte sehr viel Paracetamol.

Ständig bei vielen Ärzten. Man wollte mich mit Medikamenten therapieren. Starke Tabletten.
NOCH lehnte ich ab.

Im Herbst 2010 wurde es dann unerträglich.
Also stimmte ich der Medikation zu. Lyrica, Celebrex, hochdosiert.

Die Schmerzen wurden besser.

ABER mein Denkvermögen !
Ich begann Fehler zu machen – an dieser teuren Ware ! ! !

Von Anfang 2011 bis Juli 2011 machte ich Fehler, die ich teuer ersetzen mußte. (um die 1000 €)

Jede Auslieferung machte mir Angst.
Wenn ich eine Hose falsch gekürzt hatte, rief ich sofort an, und sagte Bescheid.

Anfang Juli rief mich die Inhaberin an, ich solle doch bitte mal in den Laden kommen.

Schon Tage vorher sagte ich ihr immer wieder, dass mir nicht gut sei.
Ich wolle einige Tage ausruhen.
Aber es lief gerade so gut bei ihr. Ich solle mich zusammenreißen.

Dann, bei ihr im Laden, nahm sie mich nach hinten ins Büro.
Das hat sie bis dahin noch nie getan.

Sie machte die Türen zu.
Und dann mußte ich mir Vorwürfe über Vorwürfe anhören.

Was denn nur mit mir los sei.
Sie müßte sich von ihren Kunden böseste Vorwürfe wegen mir und meinen fehlerhaften Arbeiten anhören. (Ich konnte das ja sogar verstehen !)

Das war an einem Mittwoch.

Hatte einen Weinkrampf. War nicht fähig, zu sprechen. Rannte heulend aus dem Laden.

Nun bekam mein Mann alles erst so richtig mit.
Ich outete mich total.
Er war geschockt, dass er das nicht erkannt hat.

Wir fuhren nach hause. Ich konnte mit dem Weinen nicht mehr aufhören, ging ins Bett.

Dann rief Frau A. an, sprach mit meinem Mann.
Ich solle mich jetzt mal ein paar Tage ausruhen.
Am Montag solle ich mich dann melden, wie es mir geht.

Dann hatte ich plötzlich Blasenschmerzen.
Wir fuhren zu meiner Ärztin: Blaseninfekt, Antibiotika.
Dort brach ich dann entgültig zusammen.

Sie verordnete mir Psychotherapie.

Donnerstag und Freitag – ich war nicht mehr ich selbst.

Wenn ich die Schneiderei betrat, bekam ich Panik.

Da lag noch so viel Arbeit.

Wollte wenigstens ein paar einfache Sachen fertig machen.
Es war absolut nichts möglich.
Was ich nähte, mußte ich nochmal auftrennen.

Wieder Heulkrampf.

Freitagmorgen rief ich Frau A. an, wollte ihr sagen, dass das länger geht.

War nicht in der Lage zu sprechen.

Sie kam dann zu mir.

Ich, noch im Nachthemd, ungekämmt. Bat sie, Geduld zu haben.
Sie fragte mich, was denn nur los sei?
Ob ich mich von meinem Mann trennen würde, oder so was?

„N E I N ! ! DAS doch nicht....es sind die vielen Tabletten“.

Montag – erster Termin beim Psychotherapeuten.
Ich dachte, ich hätte meinen Vater vor mir – AUCH DAS NOCH ! ! !
Nicht äußerlich, sondern von der Persönlichkeit her.

Er verordnete mir zusätzlich Citalopram.

Nach einigen Tagen war´s dann ganz um mich geschehen:
Ich wollte nicht mehr leben.

Ständig sagte ich mir:
Du hast in ALLEM versagt, wo man nur versagen kann:
Gesundheitlich warst Du Deinem Schatz immer nur eine Last.
Noch nicht einmal Kinder konntest Du ihm schenken.
Mich konnte nie jemand leiden.
Mit der Schneiderei konntest Du NIE richtig umgehen.
ALLES hast Du kaputt gemacht.

Ich ließ meinen Mann nicht mehr an mich heran.
Lag nur noch aphatisch im Bett. 14 Tage lang.

Immer, wenn alle aus dem Haus waren, dachte ich an Rasierklingen, Überdosis von Tabletten. Sprung vom Hochhaus usw.

Nach mehreren Tagen wurde ich ruhiger. Konnte aber immer noch nicht klar denken.

Frau A. rief immer wieder an.
Das warf mich jedesmal zurück.
Mein Mann bat sie, zu warten, bis ich mich bei ihr melden würde.

Dann, irgendwann Ende August 2011 beschloß ich, ALLE Medikamente abzusetzen. Nach und nach.

Nach 4 Wochen war ich entwöhnt.

Die Psychotherapie brachte mir gar nichts, außer Ängste. Ich sagte es dem Therapeuten. Brach auf eigene Verantwortung ab. Hatte insgesamt 5 Sitzungen.

Im September 2011 klärte mein Kopf auf. Der Schwermut ließ nach. Die Ängste in Verbindung mit der Schneiderei nicht.

Im Oktober gewährte ich Frau A. wieder Zutritt in meine Schneiderei.
Mein Mann fand das noch zu früh.
Aber es war Hochsaison, ich wollte sie nicht sitzen lassen.

Es gelang relativ gut. Fehler passierten mir von da an keine mehr.
Aber es kostete mich wahnsinnig viel Kraft, fehlerfrei zu arbeiten.

Dennoch:
Sie machte 80 % dessen aus, was ich erwirtschaften sollte.
Allein das machte furchtbar Druck.

Ihr zu kündigen, und statt dessen Privatkunden zu aktivieren, das machte mir aber genauso Angst.
Nur zu gut wußte ich noch, wie bereitwillig sich die Leute an meine Öffnungszeiten hielten.
Da wurde noch um 21 Uhr geklingelt, oder am Sonntag mittag. Wir hatten nie wirklich Ruhe.

Dann - im Juni 2012:
An die verkrampfte Art zu arbeiten konnte ich mich nicht gewöhnen. Immer wieder sprach ich mit meinem Mann darüber. Aber wir fanden keine Lösung.
Er suchte noch einen zusätzlichen Minijob – bisher ohne Erfolg.

Dann kam diese berüchtigte Woche:
Frau A. rief mich an, was ich denn mit dem Herrenhemd ihres Mannes gemacht hätte. Ich hatte es gute 8 Wochen zuvor gekürzt. Wußte erst gar nicht, was sie meint?

Ich solle mich nicht so dumm stellen. Es sei viel zu kurz geraten. 140 € für den Mülleimer !

Ich drehte schier durch, erzählte es meinem Mann.

Am nächsten Tag mußte ich ein 300 € Leinen (!) – Kleid sehr aufwendig und kompliziert abändern.
Frau A. holte es am Mittwochmorgen ab. – Ausnahmsweise, sonst lieferten wir immer.

Ich hatte schon wirklich muffe, ob das wohl gelungen ist.
Am Abend rief sie an, lobte zunächst meine perfekte Änderung.

„Das Kleid sitzt zwar perfekt,
ABER, warum haben Sie es denn nicht gebügelt?
Die Kundin war total empört, hat den ganzen Laden zusammengeschrien.“


„Frau A. ich HAB das Kleid gebügelt !“

„Nein haben Sie nicht. Ich hab es aus dem Kleidersack genommen und hab schon gedacht: Na was ist das denn?“

„Ich bin mir sicher: Ich hab es gründlich gebügelt.“

„Jetzt geben Sie schon wieder nicht zu, dass Sie was falsch gemacht haben. Gestern das teure Hemd von meinem Mann, und jetzt das Kleid.
Überdenken Sie mal Ihr Verhalten. Aufwiederhörn“


Am nächsten Tag kam sie zu mir. Vor einigen Monaten hatte ich ihr an 2 Body´s die Träger versetzt, - von Hand, sehr stabil.

Einige Wochen zuvor an einen dritten dann auch. Aber die Träger hielten nicht. Dann nochmal befestigt. Nun hielten sie.

Nun stand sie vor mir. Den 4. Body hatte ich ihr einige Tage zuvor gemacht. Der Träger war wieder gepfatzt.
Entnervt zeigte sie es mir.
„Frau A., ich habe es diesmal besonders fest angenäht. Ich kann mir das nicht erklären.“
Sie war so stinkig. Beherrschte sich aber, und ging.

Am gleichen Tag meldete sich das Wäschegeschäft. Sie hätten einen Body, an dem man die Träger versetzen müsse.
Oh nein !
Als ich ihn abholte, sagte ich zu der Inhaberin, dass ich Bedenken hätte, ob es hält. Ich hätte gerade eine unzufriedene Kundin, deren Träger nicht hält.
Sie fragte mich, ob diese Kundin Frau A. sei.
Ich bestätigte.
Ach, die solle nur still sein. Sie habe 5 kg zugenommen, ließe sich aber nicht zur nächsten Größe überreden. Kein Wunder, dass die Träger nicht hielten.
Puh. Es lag tatsächlich nicht an mir.

Freitag dann die Krönung.
Ich solle an einem 100€ - Shirt die Ärmel kürzen. Kurzarm mit Aufschlag.

Die Kürzung solle aber ohne Aufschlag gemacht werden.

Ich sah die Nadel, den Aufschlag. Das wird, so wie es gesteckt ist, nicht kürzer. Nur der Aufschlag wäre dann weg.

Ich war soooo unsicher. Legte es erst mal weg.
Eine Stunde später nahm ich es nochmal her.
Ich war mir sicher, da stimmte was nicht.
Legte es aber NOCHMAL zur Seite.
Beim 3. Anlauf nahm ich zitternd das Telefon, und sagte es Frau A.

„Das kann nicht sein. Ich komme zu Ihnen....“

Ich zeigte es ihr. Sie gestand ein, dass das IHR Fehler war.

Aber das waren jetzt innerhalb dieser einen Woche 4 Fehler, die ich gemacht haben soll.

Zu wissen, dass nichts davon WIRKLICH meine Schuld war, brachte aber nichts.
Meine Angst zu versagen war wieder voll da.

Ich stand wieder kurz vor einer Depression.
Auch jährte sich das ganze exakt.
Zum 1. Juli 2012 kündigte ich ihr.

80 % meines Einkommens – dafür mußte ich erst mal Ersatz finden.

Aber dann rechneten mein Mann und ich alles nochmal durch. Wenn die Krankenkasse bereit wäre, mich mitten im Jahr in die Familienversicherung umzuschalten und wir hier und da nochmal streichten.....

Nun arbeite ich seit Juli 2012 nur noch im Schnitt 1 bis 2 Stunden.

Aber:
Sobald ich in die Schneiderei muß, verspanne ich mich.
Auch bei den einfachen Näharbeiten.
Selbst das Telefonklingeln macht mir Angst.

Was ist da nur mit mir passiert?

Vor einigen Tagen rief eine Frau an, sagte ihr, dass ich sie nicht mehr unterbringe.

Sie versuchte mindestens 6 mal, mein NEIN zu übergehen.
Sie hörte es gar nicht.

Dann wurde ich vor ein paar Tagen gefragt, ob ich eine große Änderung an einem Brautkleid machen würde.
Auch hier wurde mein NEIN erst nach dem 4. Versuch angenommen.

Das ist etwas, das mich dann wirklich aufregt.
 

Rota

in memoriam
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Hallo,

Hallo Eshita,
auf die Gefahr hin, daß mein harmloser Witz total off topic ist, ich muß ihn einfach los werden. weil er so gut zu Deinem Titel paßt.
Entschuldige also. Vielleicht geht es Dir danach noch besser. :)

Der Schiffsjunge klopft beim Kapitän und fragt ihn: "hab ich etwas verloren wenn ich weiß, wo es ist?"
Der Kapitän antwortet: "Aber nein, Du Döskopp, wenn man weiß, wo es ist, hat man es doch nicht verloren". :rolleyes:
Da spricht der Junge erleichtert: "Gott sei Dank, dann hab ich die Kaffekanne nicht verloren, denn ich weiß ja, daß sie jetzt am Grund des Meeres ist". :)

und jetzt mache ich mich mal an Deinen langen Text. Bis später also...

Gruß Rota
 

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Rota

in memoriam
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Hallo Eshita,

damit Du nicht denkst, ich nehme Deinen Eintrag nicht Ernst, schreibe ich gleich jetzt zwischen Deine Zeilen.

Mich würde interessieren, ob ich meinen bisherigen Beruf unter diesem Aspekt aufgeben muß.

Das denke ich nicht.

Was Dir allerdings Niemand abnehmen kann ist "Nein zu sagen". Wenn Du das nicht lernst, geht es so weiter, bis Du wirklich zusammenbrichst und dann erst ist das Ende Deiner Schneiderei besiegelt.

Was ich so auf die Schnelle entnehmen kann ist, daß Du zwischen der Not Geld zu verdienen und Deiner gesundheitlichen Möglichkeit klare Grenzen ziehen lernen solltest.
Ich entnehme auch, daß Du dich auf allen Sektoren der Näherei auskennst und auch die Anforderungen erfüllen kannst, aber die Menge der Reparaturen Dir über den Kopf gewachsen ist.

Für die Abteilung Geld verdienen, würde ich mal auf bestimmte Zeit nur die Sachen annehmen, die wirklich Kohle bringen. Wenn Du dir Zeit dazu nehmen kannst, wird es ja auch gut, oder seh ich das falsch?

Hast Du eigentlich in den 16 Jahren Deiner Schneiderei mal richtig Urlaub gemacht?

Was Du von Deinem Vater schreibst, das erinnert mich an meine Mutter und ihr Verhältnis auf dem Gebiet, zu ihrem Vater.
Nie hat sie etwas gut genug gemacht, sie wurde sogar übelst beschimpft und erniedrigt.

Liebe Eshida, da hilft nur, Deinen Vater einmal vom Sockel zu holen und ihm, wenn er noch lebt einmal Deine Meinung zu sagen und wenn er nicht mehr lebt endlich damit abzuschließen, er kann Dir nichts mehr anhaben.

An der Stelle Deines Beitrags, als Du von 1000 E Schadenersatz schreibst, fällt mir auf, daß Du vielleicht gar keine Rechtsschutzversicherung hast - ist das so?
Auch da solltest Du dich erkundigen, ob es sich für Dich vielleicht rentiert, eine solche abzuschließen. Es gibt ganz üble Kundschaften, die es darauf anlegen, Regreß zu fordern und das ohne wirklichen Anspruch, weil Du gar nichts dafür kannst.

Von jedem Stück das Du annimmst könntest Du ein Foto machen, wie es ausgesehen hat und dann wie es ausschaut nach der Arbeit daran. Das ist dann der Beweis, den Du in Händen halten kannst.

Für die Fälle, wo Kundinnen lästig sind und nicht verstehen wollen, daß Deine Kapazität erschöpft ist, brauchst Du ein paar Standartsätze, die Du parat hast, wenn es brenzlig wird.

Wie schaut es denn in Deiner Schneiderei aus. wie ordnest Du die eigegangenen Waren und wie stellst Du sicher, daß Du halbwegs pünktlich die Reparatur oder die Änderung gemacht hast?

Da helfen Zettelchen die man an die Ärmel heftet (oder sonst wohin) auf denen steht, wie umfangreich die Arbeit ist, d.h. wie lange (in Zeit) dauert voraussichtlich die Arbeit. An Tagen, wo Du Dich nicht gut fühlst, könntest Du den Kleinkram der nur Minuten dauert erledigen, dann kannst Du öfter mal rausgehen an die Luft und Pause machen. Sauerstoff ist sehr wichtig, wenn man so eine Arbeit hat wie Du in Deiner Schneiderei.
Pausen sind überhaupt wichtig und sollten pünktlich eingehalten werden.
Genau so wie der tägliche Beginn und das Ende der Arbeit.

Zum Schluß könntest Du dir Hilfen holen.
In jeder Zeitung gibt es einen Anzeigenteil in dem Schneiderei und Änderungsarbeiten angeboten werden. Such Dir gleich mehrere heraus und klappere die Adressen ab und schau Dir die Leute an. Wenn Sie Deinen Ansprüchen entsprechen, kannst Du mit ihnen abmachen, Arbeiten in Eigenregie abzugeben.

Also die Verantwortung gibst Du damit aus der Hand. Oder besser noch die Kunden gehen gleich zur Konkurrenz, die Du ihnen nennst. So kann man sich auch mal vertreten, damit man Urlaub machen kann.

Ich hoffe, meine Zeilen helfen schon ein wenig weiter.

Erhole Dich!!!! :kiss:

Liebe Grüße
Rota
 
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12.05.13
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Hallo Eshita,

ich gebe Rota Recht und ergänze noch um ein wirklich sehr gutes und leicht zu lesendes Buch von Melody Beatty "Kraft zum loslassen".

Darin gibt es vom 1. Januar bis zum 31. Dezember jeden Tag ein Thema (auch NEIN sagen gehört dazu) mit einer einfachen Affirmation.
Das Buch ist sehr leicht verständlich geschrieben und man kann sich ohne jeden Druck damit beschäftigen.

Hast Du Dir in der Zwischenzeit mal die Bachblüten anschauen mögen?

Was mir noch durch den Kopf geht, ist Deine Schwiegermama pflegebedürftig?
Dann könntet ihr vielleicht versuchen eine Pflegestufe für sie zu bekommen und damit eventuell auch eine Unterstützung vom Staat erhalten.

Grenzen setzen und NEIN sagen sind für Dich zwei ganz wichtige Bereiche um Deinen Beruf wieder mit Freude ausüben zu lernen und Spaß an Deinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zu erleben.

Ich kann nur sagen, was ich machen würde und zwar sortieren.

Sortieren welche Menschen mir gut tun und welche nicht.
Sortieren auch welche Arbeit ich machen möchte und welche nicht.

Es geht um Dich. :)

Liebe Grüße Tarajal :)
 
Themenstarter
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21.11.11
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Liebe Rota,

erst mal vielen Dank für den netten "Witz". Du hast mir damit ein verschmitztes Lächeln aufs Gesicht gezaubert.

Ich fragte mich gleich: Liegt meine Schneiderei im tiefem Meeresgrund?
Wie soll ich sie von da wieder hochholen?
:idee: Jaaa! Erst mal dort lassen und abwarten !

Rota, was Du über das "Nein"-Sagen schreibst, stimmt schon. Jedoch ist es
in dieser Branche vorwiegend die eigentliche Arbeit.
Nein sagen, wenn etwas gleich morgen benötigt wird.
Nein sagen, wenn es um Preisvorstellungen der Kunden geht, die den Aufwand einer Arbeit einfach nicht erkennen.
Nein sagen, wenn es um die Öffnungszeiten geht.
Nein sagen, wenn es um Arbeiten geht, die sich einfach nicht mehr lohnen.

Und für diesen konstante "Nein"-sagen braucht man sehr viel Kraft.

Was ich so auf die Schnelle entnehmen kann ist, daß Du zwischen der Not Geld zu verdienen und Deiner gesundheitlichen Möglichkeit klare Grenzen ziehen lernen solltest.
Ja. Jetzt und heute kann ich die Grenzen ziehen.
In den 6 Jahren der Arbeitslosigkeit meines Mannes blieb uns nichts anderes
übrig, als über meine gesundheitlichen Grenzen zu gehen.
Diese Härte des Lebens war leider nicht zu vermeiden.

Für die Abteilung Geld verdienen, würde ich mal auf bestimmte Zeit nur die Sachen annehmen, die wirklich Kohle bringen.
Im Versuch, diesen Vorschlag umzusetzen, wurde ich belächelt, ausgelacht, beschimpft.
Ich sei ein Dienstleistungsbetrieb. Da MUß ich vorwiegend Arbeiten annehmen, die nicht jede x-beliebige Näherin kann.
Und das stimmt ja auch.
Wenn heute eine Kundin mit einer Tüte voll Näharbeiten zu mir kommt, sind evtl 2 Hosen zum kürzen drin, aber auch Arbeiten, die wirkliches Können erfordern.
In den wirklich schlimmen Jahren beherrschte ich - egal welche Arbeit vor mir lag - das richtig gut.
Heute - heute hab ich jedes Selbstvertrauen in mein Können verloren, weil ich extreme Konzentrationsprobleme habe.
Auch hat sich mein Nacken nie wirklich erholt seit 2009.
Und schon ist die Verkrampfung wieder da.....

Hast Du eigentlich in den 16 Jahren Deiner Schneiderei mal richtig Urlaub gemacht?
Nicht wirklich. WENN wir mal weg waren, dann war das immer mit viel Schmerzen verbunden. Von der Schlaflosigkeit mal ganz abgesehen.

Was Du von Deinem Vater schreibst......
Das habe ich vor einigen Jahren mal versucht.
Er bleibt bei seiner Meinung, selbst jetzt noch, mit meinen 53 Jahren.
"Wenn Du diesen Mann nicht gefunden hättest,....wer weiß, was dann aus Dir geworden wäre!"
DAS war sein Komentar dazu.

1000 E Schadenersatz Rechtsschutzversicherung
Gegen Pfusch kann man sich nicht versichern lassen. Auch schon versucht.

Für die Fälle, wo Kundinnen lästig sind und nicht verstehen wollen, daß Deine Kapazität erschöpft ist, brauchst Du ein paar Standartsätze, die Du parat hast, wenn es brenzlig wird.
Mein Mann konnte manchmal nicht verstehen, warum ich zu was bestimmten in der Schneiderei nicht nein gesagt habe.
Wenn wir uns heute über diese Zeiten unterhalten, gesteht er mir zu, dass das auf vielerlei Gebieten wirklich sehr schwer ist.
Auch andere Schneidereien, die ich kenne leiden sehr unter diesem Punkt und vielen gelingt es auch nicht besonders gut, hier konsequent zu sein.

Wenn es um Organisation und System in der Schneiderei ging:
DARIN war ich richtig gut.
Ich hatte mir einen Kalender ausgearbeitet, für den Kunden einsehbar.
Sogenannte "Laufzettel" für jedes Kleidungsstück.
Hier habe ich viel Bewunderung bekommen.
DAS war unter anderem mein guter Ruf.
Zuverlässig, sauber verarbeitet, pünktlich.

Pausen sind überhaupt wichtig und sollten pünktlich eingehalten werden.
Genau so wie der tägliche Beginn und das Ende der Arbeit.

Tja: Theorie und Praxis.


Zum Schluß könntest Du dir Hilfen holen.
In jeder Zeitung gibt es einen Anzeigenteil in dem Schneiderei und Änderungsarbeiten angeboten werden.

Also hier in dieser Wohnung dürfte ich eh niemanden einstellen.
Auch habe ich eine Zeit lang Arbeiten, die mir zuviel waren in eine andere
Schneiderei weggeben.
Mit dem Erfolg, dass meine Kunden mich fragten, ob das wirklich ICH gemacht habe. Solche Arbeiten seien sie von mir gar nicht gewohnt.

Rota, Du mußt wissen, dass ich wirklich richtig gute Maschinen habe, die nicht jede Schneiderei hat.
Wenn dann jemand mit einer kleinen Haushalt-Nähmaschine arbeitet. Da sieht das Ergebnis wirklich sehr leienhaft aus.

Aber Deine Tipps haben dennoch gut getan.
So denke ich wirklich alles nochmal durch.

Nur: Die Sperre in mir löst sich einfach nicht.

Tarajal, auch Dir vielen Dank fürs Antworten.

Ja, den Bachblüten-Test habe ich gemacht. Hatte nur 5 x "Nein". Kann mir nicht vorstellen, dass so viele Sachen in einer Mischung helfen sollen.

Was mir noch durch den Kopf geht, ist Deine Schwiegermama pflegebedürftig?
Nein. Sie ist mit ihren 73 Jahren noch recht fit.

Ich kann nur sagen, was ich machen würde und zwar sortieren.
Sortieren welche Menschen mir gut tun und welche nicht.
Sortieren auch welche Arbeit ich machen möchte und welche nicht.

Wie gut die Aussichten dafür in dieser Branche sind, siehe oben.

Trotzdem: Auch Dir herzlichen Dank
Eshita
 
Beitritt
12.05.13
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Liebe Eshita,

wie ich Dich lesen und verstehen durfte, glaube ich, dass Du die meiste Zeit Deiner Arbeit sehr kreativ warst und auch viel Spaß an der Arbeit hattest.

Vielleicht könnte Dir ja eine andere "Abteilung" den Spaß am Nähen wieder bringen.

Kinderspielzeug (Plüschtiere etc.) nähen, Kinderkleidung, Kinderschuhe etc.

Natürlich aus Naturmaterialien.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass Dir so etwas eine andere und entspanntere Klientel bringen würde. :)

Zu den Bachblüten, schau Dir mal die einzelnen Blüten genauer an und dabei werden sich bestimmt einige stärker heraus kristallisieren als andere.
Auch kannst Du mehrere Blüten in eine Mischung geben beziehungsweise geben lassen.

In meinen Augen wäre es einen Versuch wert. :)

Liebe Grüße tarajal :)
 
Themenstarter
Beitritt
21.11.11
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Tarajal,

diese Perspektive hatte ich auch schon im Visier.
Vom Spaß - Factor, wenn meine Depression einigermaßen überstanden ist,
wäre das sogar denkbar.

ABER: Und jetzt schon wieder ein Aber:
Kreative Ideen erfordern Arbeitszeiten, die niemand bereit ist zu bezahlen.
Wir leben hier zu ländlich für diesen Bereich.
Die Nachfrage ist nicht gegeben.

Aber Du zerbrichst Dir den Kopf für mich, und das finde ich sehr nett von Dir.

Die Bachblüten, dafür muß ich mir mal wirklich Zeit nehmen.
Ich meine, jemand aus meiner Familie hat darüber auch ein Buch, das muß ich mir mal auftreiben...

Danke nochmal
Eshita
 
Beitritt
01.06.10
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Liebe Tarajal,

so nett die Ratschläge gemeint sind, es ist geradezu lächerlich....

z.B. dieser Esel hier soll 37,50 Euro kosten:

https://www.landoftoys.com/

Dafür würde eshita vermutlich kaum das Material kaufen können....wenn sie nicht eine riesige Fabrik mit Mengen hat....

Billig ist nicht nur bei Fleisch in...
 
Zuletzt bearbeitet:
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01.06.10
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Liebe eshita,

ich denke, Du musst Prioritäten setzen. Und genau festlegen, was Du willst und wo Deine Grenzen sind.
ICh würde erster Stelle die Wiedererlangung Deiner Gesundheit stellen.

Das Andere regelt sich dann auch.

Alles Gute !
 
Beitritt
12.05.13
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Kullerkugel,

das ist nicht als eine 1:1 Umsetzung gedacht, sondern nur eine Ideenanregung.

Ich denke mal, dass Eshita da ihre eigenen Ideen hat. :)

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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21.11.11
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Tarajal, Kullerkugel,

ja: Eins nach dem Anderen.

Die Links von Dir, Tarajal, sind ja hier in diesem Thread gut aufgehoben.

Muß mich jetzt erst mal wieder einfinden. Für neue Pläne und Ziele
ist noch keine Kraft da.

Wissen, was ich will, wohin es mich zieht, kann ich im Moment auch noch nicht.

Meine Frage, ob ich etwas als verloren aufgeben muß?
Gefühlsmäßig eher ja.

Aber, wenn die Depression im Griff ist, sieht vielleicht alles schon wieder ganz anders aus.

:kiss::wave:
Eshita
 
Beitritt
01.06.10
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Liebe eshita,

Der weise König Salomo sagte einmal:
"Es gibt eine Zeit zum Suchen, und eine Zeit, etwas als verloren aufzugeben."

Mich würde interessieren, ob ich meinen bisherigen Beruf unter diesem Aspekt aufgeben muß.

Ich würde nicht denken, Du musst Deinen Beruf verloren geben. Ich habe Dich so verstanden, das Du immer noch Geld damit verdienen kannst und musst.
In einem neuen Beruf ist es vermutlich noch schwerer, neu anzufagen ?

Was Du kannst und machst, klingt sehr gut. Und Du konntest damit auch einmal zufrieden sein, es machte Freude ?

Also müssen sich die Bedingungen ändern....und das kannst nur Du. So wie Du Dir eine Arbeitslogistik errbeitet hast, so müßtest Du auch eine Sortierlogistik erarbeiten.
Welche Aufträge möchte ich annehmen, welche nicht. Klare Regeln.
Überlegen, wie Grenzen zu setzen sind. Das wie muss man üben. Allmähliche Veränderungen bringen Dich auch weiter ....es wäre doch sehr schade, ganz aufzugeben und es "verloren geben". Ich denke, damit wärst Du auch nicht glücklich ?

Ich würde mir etwas Zeit nehmen, gesundheitlich wieder auf die Beine zu kommen .
 
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12.05.13
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Meine Frage, ob ich etwas als verloren aufgeben muß?

Wenn Du mich fragst, dann würde ich in erster Linie versuchen meine seelische und körperliche Gesundheit wieder zu erlangen und mir diese Frage zur jetzigen Zeit gar nicht stellen.

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Ja, auch jetzt habt Ihr beide wieder recht.

Gegenwärtig habe ich mit
Tinitus
Trigeminus-Neuralgien
Kalkschulter (evtl. anstehende OP)
und diese furchtbare Depression mit Schlaflosigkeit
zu kämpfen.

Nur: Jeden Tag klingelt mehrmals das Telefon mit Anfragen.
Tüten hängen an der Tür, mit Nähaufträgen.

DESHALB stellte ich die Frage hier ein.

Klar: Sollte schon Geld verdienen. Aber da mein Mann wieder einen Ganztagsjob hat - seit einem Jahr - steht MEIN Verdienst nicht mehr im Vordergrund, und das ist gut so.

Danke Euch allen.
Eshita
 
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Ja, auch jetzt habt Ihr beide wieder recht.

Gegenwärtig habe ich mit
Tinitus
Trigeminus-Neuralgien
Kalkschulter (evtl. anstehende OP)
und diese furchtbare Depression mit Schlaflosigkeit
zu kämpfen.

Nur: Jeden Tag klingelt mehrmals das Telefon mit Anfragen.
Tüten hängen an der Tür, mit Nähaufträgen.

DESHALB stellte ich die Frage hier ein.

Klar: Sollte schon Geld verdienen. Aber da mein Mann wieder einen Ganztagsjob hat - seit einem Jahr - steht MEIN Verdienst nicht mehr im Vordergrund, und das ist gut so.

Danke Euch allen.
Eshita

Wie drücke ich es am besten aus?

Ich versuche es mal so:

"Ex oder hopp, es gibt kein bißchen schwanger." :)

Wenn Dein Einkommen nicht mehr so im Vordergrund steht, dann hast Du jetzt die Möglichkeit eine ganz klare Richtung für Dich heraus zu finden und auch danach zu handeln.

Was einen selbst am meisten an einer Wegfindung und Gesundung hindert sind unklare Aussagen wie:

"Ja, aber..." oder
Nur: Jeden Tag klingelt mehrmals das Telefon mit Anfragen.
Tüten hängen an der Tür, mit Nähaufträgen.

Ein klares NEIN, ich arbeite zur Zeit nicht mehr.
Oder ein JA ich möchte und will das machen ist da sehr hilfreich.

"Ja aber..." bedeutet in etwa "ich sage ja weil es von mir erwartet wird, aber eigentlich meine ich NEIN."

Und solange Du diese Entscheidung noch nicht klar in Dir gefällt hast, wirst Du weiterhin überladen werden.

Es wird vermutlich der für Dich schwerste Schritt sein NEIN zu sagen und es auch konsequent durchzuziehen.

Niemand wird sich ändern wenn Du es nicht selber tust.

Liebe Grüße Tarajal :)
 
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Hallo Eshita

Deine Geschichte hat mich an mich erinnert, als ich eine psychisch physische Erschöpfung hatte. Bei mir ist immer noch nicht alles ok, aber ich möchte dir trotzdem mitteilen was ich über deine Situation denke. Vielleicht wiederhole ich auch einiges was andere gesagt haben und eineiges wird auch ein bisschen komisch klingen.

Ich hätte dir auch eine Liste mit Standartsätzen vorgeschlagen. Die du dann aber immer neben deinem Telefon hast. Wenn eine Person dein NEIN nicht versteht, dann sagst du ihr, dass du nochmals in deiner Agenda nachschaust (auch wenn du das nicht wirklich musst). Damit gewinnst du Zeit um dich zu sammeln und nochmals kurz die Sätze zu überfliegen und dir zu überlegen was und wie du dieser Person das nochmals sagst. Und dann musst du auf deiner Antwort beharren. (dein Kunde denkt ja dann auch, dass du nochmals in dener Agenda nachgeschaut hast und es keine andere Möglichkeit gibt). Es gibt einige Leute die sind wirklich gut im überreden und wenn man selbst nicht so gut ist im sich durchsetzen, dann muss man sich einen Vorsprung verschaffen.
Ich nehme an, wenn dir Jemand eine Tüte an die Tür hängt, dann musst du diesen Kunden anrufen um ihm mitzuteilen wann die Kleider fertig sind. Dann ist es auch gut wenn du dir vorher genau überlegst wie und was du dieser Person sagst. Auch hier könntest du dieser Person sagen, dass du noch schnell etwas überprüfen musst wenn sie dich versucht zu einem Termin zu überreden der nicht ok ist für dich. Es ist wichtig, dass du das nicht mit dir machen lässt. Du hast ein Recht auf deine Gesundheit.

Ich denke es ist wichtig, dass du das Gefühl von Kontrolle hast und das du das Gefühl bekommst, dass du dich jetzt wieder mehr um dich sorgst und deine Bedürfnisse nicht mehr so ignorierst. (Versteh mit nicht falsch, ich weiss, dass es damals nicht anders ging wegen dem Geld. Es ist also kein Vorwurf. Mir ging es damals auch so.). Es geht darum Selbstvertrauen aufzubauen und Selbstzweifel abzubauen.

Vielleicht kannst du probieren deine Arbeit so zu gestallten: Das du eine halbe Stunde arbeitest und dann 10 - 15 Minuten etwas machst das dir gut tut (Katze streicheln, Tee trinken, an die Sonne sitzen usw.). Irgendeine Kleinigkeit, die du ganz bewusst für dich machst. Dann gehst du wieder an die Arbeit für eine halbe Stunde und dann machst du wieder etwas für dich. Ich weiss das klingt ein bisschen komisch und ist am Anfang auch umständlich. Aber es geht darum, dass du immer wieder neben der Arbeit etwas für dich machst und dich bewusst dir zuwendest. Ich denke es ist auch wichtig, dass du dir ein Tagesziel vorgibst. Und wenn du fertig bist hast du Freizeit. Je nach schwierigkeit deiner Arbeit könntest du die halbe Stunde auch verlängern oder verkürzen. So nimmst du auch Rücksicht auf deine Konzentrationsfähigkeit. Wenn du das mit dir abgemacht hast und auch einhältst, dass du dich während der Arbeit immer wieder bewusst dir selbst zuwendest, kannst du diese Verspannung und Angst vielleicht abbauen.

Liebe Grüsse
moon1
 
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21.11.11
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Guten Morgen, Ihr Lieben.

Habe nun nochmal alle Antworten hier überflogen.

Eure Ratschläge/Gedanken sind vielerlei die, die ich in den letzten 2 Jahren auch in etwa so hatte.

Meine Geschichte mit der Schneiderei ist so umfangreich, dass ich vielleicht auch ein paar wichtige Sachen nicht geschrieben habe.

Z.B. dass ich hier in der Gegend bereits als "immer wieder krank" schon bekannt bin.

"Was haben Sie denn schon wieder?", bekomme ich dann zu hören.

Solche Sachen spielen natürlich auch in meiner Entscheidungsfindung mit hinein.

Moon1, was Du schreibst: In dieser "Probierphase" lebe ich schon seit Monaten.
Immer ein bißchen was für andere und anschließend ein bißchen was für mich. Schön brav im Wechsel.
Es funktioniert stellenweise ganz gut, dann auch wieder nicht. Je nachdem, wie es mir geht, und wie dominant andere auftreten.

Seit einer Woche habe ich grundsätzlich den AB an, mit der Ansage, dass die Schneiderei bis auf Widerruf geschlossen bleibt.
Dennoch: Wenn es klingelt, löst es Angst aus.
Die beiden kleineren Geschäfte betreue ich schon seit Fasching nicht mehr. So spricht sich das mehr und mehr herum.

Wenn jetzt noch Tüten an der Tür hängen, dann von Leuten, die das einfach noch nicht wissen.
Aber auch hier kann ich mit einem Hinweisschild an der Tür Abhilfe schaffen, und das werde ich auch gleich nachher noch machen.

Ich bin in der glücklichen Lage, dass der Inventar nicht sofort aufgelöst werden muß. Und ich mir mit der Entscheidung, wie Tarajalschreibt "Hop oder Top", Zeit lassen kann.

Durch das extreme Abnehmen letzes Jahr, habe ich von mir selbst enorm viel Zeug zu ändern.

Wenn ich mich an DAS heranwage, dürfte ich einen ordentlichen Schritt weiter sein, und in Verbindung mit der Verarbeitung auch wieder einiges an Sicherheit gewinnen.

Solange ich diese Konzentrationsstörungen, Benommenheit und Schwindel habe, rühre ich aber garantiert nichts an.

Wir Ihr alle sagt: Die eigene Gesundheit zählt jetzt erst mal.
D.h.: ich muß jetzt erst mal das Problem mit dem CMD/Trigeminus/Tinitus angehen. Vielleicht bekomme ich ja die beantragte Reha genehmigt, und auch sie bringt mich vielleicht doch wenigstens ein wenig weiter.....

Vielen lieben Dank an Euch
Eshita
 
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10.01.04
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Hallo Eshita,

manchmal hilft es klar zu machen, daß man - wie in Deinem Fall - tatsächlich nicht arbeitet, indem man mehrmals eine Anzeige in eine örtliche Zeitung setzt, ungefähr so:

Meine Firma ist geschlossen. Bitte beachten Sie das !

In meinem Ort war so eine Anzeige lange zu lesen, und ich bin sicher, das hat geholfen.

Grüsse,
Oregano
 
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26.07.09
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... um psychologische Bewertung bitten.

Ich hüpfte vor Freude in der ganzen Wohnung rum, albern.

Nach drei Monaten riefen die ersten Leute an, denen ich empfohlen wurde.
Dadurch dass ich recht wenig Selbstvertrauen hatte, war das etwas ganz Besonderes für mich.

Ich – ja ICH - konnte auch etwas.
Mein Vater hat mich mein Leben lang als einen Menschen hingestellt, der zu nichts taugen würde !
Hallo Eshita, ist das mit Deinem Vater nicht ein Punkt, den Du Dir noch mal genauer ansehen solltest?
Gestern habe ich in einem anderen Thread von Dir speziell über Deinen Vater gelesen. Hängt da für Dich psychologisch gesehen nicht noch einiges dran?

Und vor Freude rumhüpfen ist eigentlich auch gar nicht albern. Hat das jemand gesagt, dass es albern wäre?
Montag – erster Termin beim Psychotherapeuten.
Ich dachte, ich hätte meinen Vater vor mir – AUCH DAS NOCH ! ! !
Nicht äußerlich, sondern von der Persönlichkeit her.

Er verordnete mir zusätzlich Citalopram.

Nach einigen Tagen war´s dann ganz um mich geschehen:
Ich wollte nicht mehr leben.

Ständig sagte ich mir:
Du hast in ALLEM versagt, wo man nur versagen kann:
Gesundheitlich warst Du Deinem Schatz immer nur eine Last.
Noch nicht einmal Kinder konntest Du ihm schenken.
Mich konnte nie jemand leiden.
Mit der Schneiderei konntest Du NIE richtig umgehen.
ALLES hast Du kaputt gemacht.
[ ... ]
Die Psychotherapie brachte mir gar nichts, außer Ängste. Ich sagte es dem Therapeuten. Brach auf eigene Verantwortung ab. Hatte insgesamt 5 Sitzungen.
Was für Ängste waren da(s)? Wenn bei Psychotherapie Ängste hochkommen, aufkommen, spricht das ja nicht unbedingt g e g e n die Psychotherapie. Was sagte dieser Therapeut dazu? Und warum hast Du es dann selber abgebrochen?

Und eigene Kinder, die Du nicht hast, ist das auch ein Problem für Dich? Konntest Du darüber mit diesem Therapeuten sprechen?

Gäb es da nicht einige Sachen zu klären für Dich? Bewusst oder auch unbewusst? Mit psychologisch/psychotherapeutischer Hilfe oder auch ohne?

.
Herzliche Grüße, Gerd
 
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