Ernährung bei CFS aus Sicht klinischer Neuro-Immunologie

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Hallo,

Liebe Datura , lieber Kopf,

ihr habt nun beide das Buch.

Wie ist denn eure Meinung zu Pruimbooms Aussage, dass die "Vergiftung durch Ammoniak .. wahrscheinlich mitverantwortlich ist für die Symptome von chronisch erschöften Menschen".

das Buch habe ich nicht, möchte aber dennoch etwas dazu schreiben.

Meine Meinung und Erfahrung dazu ist, dass Ammoniak bei ME ein beachtenswertes Thema sein kann. Durch den Abbau von Ammoniak konnte ich manche Symptome mildern.
Kann mir gut vorstellen, dass es auch bei chronisch erschöpften Menschen ein Thema sein kann. Die Symptome eines Ammoniaküberschusses sind in ihrer Ausprägung sehr variabel (von latenter Müdigkeit bis zu heftigen Konzentrationsstörungen, komatösen Zuständen, bis hin zu argen Koordinationsstörungen). Vermutlich weil es auch die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger macht.
Da die Quellen für zu viel Ammoniak sehr vielfältig sein können, halte ich den Fokus auf die Ernährung als Ursache für zu kurz gegriffen, obwohl eine individuell unverträgliche Ernährung allein schon für horrende Ammoniakmengen sorgen kann.

Da ME häufig mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten vergesellschaftet ist, muss jeder für sich darauf achten, sich im Rahmen seiner individuellen Verträglichkeit zu bewegen.
Wenn ich mich so ernähren würde
esse Walnüsse, Paranüsse, Mandeln, Gemüse in jeder Form, Früchte (auch tropische und vor allem Heidelbeeren, Äpfel)
bräuchte es nicht viel Zeit, um meinen Allgemeinzustand zu verschlechtern. Nicht zuletzt weil hierdurch auch mein Ammoniakspiegel ansteigen würde, da alles, was nicht optimal verdaut wird zu vermehrtem A. führt, sowie auch zu Leaky Gut (wie auch zu vermehrtem Histamin im Stuhl, was wiederum auch zu Leaky Gut führen kann. Meeresfrüchte sind bei HIT auch nicht der Hit..usw).
Aus diesem Grund bringen mich Ernährungsempfehlungen nicht weiter.

In diesem Artikel werden viele weitere Ursachen für Ammoniaküberschuss genannt:
Hepatische Encephalopathien - Neuropsychatrische Symptome - Paracelsus Magazin - Naturheilkunde, Psychologie, Tierheilkunde und Wellness

Auszüge daraus:
….auch Störungen des Vitamin-B12- und Biotin-Stoffwechsels infolge Abnahme der hepatischen Speicherbarkeit als Auslöser einer Hyperammoniämie in Erwägung ziehen......
...im Gefolge einer Arzneimittel-induzierten chronischen Hepatopathie (meist Leberzirrhose) ..

Weitere Auslöser des Coma hepaticum sind Infektionen mit hepatogenen Viren, wie Hepatitis A, B, C und E, Delta Virus, Superinfektionen,Herpes-simplex und Coxsackie-Viren, Toxine wie Tetrachlorkohlenstoff, gelber Phosphor, Amanita phalloides, akute Alkohol-Hepatitis, sonstige Ursachen wie Morbus Wilson, Reye-Syndrom und Schwangerschaftsfettleber.*

Pathogenese der hepatischen Encephalopathie* (Anm.: Leberbedingten Hirnstörung)

Drei Hypothesen zur Pathogenese der hepatischen Encephalopathie werden derzeit diskutiert:
1. Wirkung endogener Neurotoxine*
2. Wirkung falscher Neurotransmitter*
3. Quantitative Veränderung der normalen Neurotransmitter und ihrer Rezeptoren*

Endogene Neurotoxine

Als endogene neurotoxisch wirkende Substanzen bei hepatischer Encephalopathie kommen in Betracht:*
- Ammonium*
- Mercaptane*
- kurz- und mittelkettige Fettsäuren*
- Phenole*

Die Hyperammoniumämie bei Lebererkrankungen beruht auf einer verminderten Ammoniumentgiftung in der Leber. die Verminderung kann hämodynamisch durch Ausschaltung der Leber aus dem Pfortaderkreislauf infolge Zirrhose und Ausbildung eines Kollateralkreislaufs verursacht sein.

Toxische Substanzen, die im Darm gebildet werden, vor allem Ammoniak und Eiweißabbauprodukte gelangen unter Umgehung der Leber in den großen Kreislauf und somit unentgiftet ins Gehirn. Eine weitere Ursache der Hyperammoniumämie ist metabolisch begründet aufgrund einer Einschränkung der Harnstoff- und Glutaminsynthese.*

Durch den Aminosäurestoffwechsel entsteht in vielen Organen Ammoniak, das schon in relativ niedrigen Konzentrationen als Zellgift wirkt...
….Durch Methioninzufuhr kann eine hepatische Encephalopathie ausgelöst werden.

Mehr Infos zu Ammoniak: https://www.symptome.ch/vbboard/cfi...ngszyklus-geht-mir-besser-125.html#post991362

Darunter werden weitere Ursachen für Ammoniaküberschuss genannt:
Genetische Gründe (CBS-Gene), Dünndarmfehlbesiedlung, eingeschränkte Mitochondrienaktivität

CBS-Gene: https://www.symptome.ch/vbboard/genetik/117168-cbs-gen-polymorphismen-behandlung.html

Mein Fazit – eine Ernährungstheorie, die in der Praxis jeder für sich überprüfen sollte.

Gruß - tiga
 
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wundermittel
Themenstarter
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Pruimbooms schreibt, dass bei CFS Patienten in den meisten Fällen ein erniedrigter Glutaminspiegel gemessen werde. Das sieht er im Zusammenhang mit Darmproblemen, Hormonstörungen und Schwächen der Immunfunktion bei CFS-Patienten.

Glutamin sei in dieser Situation wichtig, denn ein aktives Immunsystem
verbrauche viel mehr Eiweiß, und dabei entstehe Ammoniak als
Nebenprodukt. Im Körper sei der Harnstoffzyklus verantwortlich für den
raschen Abbau dieses Gifts. Funktioniere das nicht effizient
genug, müsse Glutamin verwendet werden, um Ammoniak abzubauen

Pruimboom beschreibt Ablauf so:

Anthropogene Faktoren würden chronische Aktivierung des Immunsystems mit erhöhten Eiweißverbrauch verursachen.

Das Immunsystem befehle dann den Wechsel der Energiegewinnung:
Die Energie werde dann nicht mehr in den Zellkraftwerken über den
Zitronensäurezyklus gewonnen, sondern durch die aerobe Glykolyse.

Dann werde die Glukose partiell genutzt für die ATP-Bildung, wobei
genügend Substrat übrig bliebe für die Bildung von anderen wichtigen
Makromolekülen wie DNS, Fettsäuren und verschiedenen Aminosäuren
Damit könne das Immunsystem jnahrungsunabhängig agiren

CFS-Patienten würden in der Folge zur erhöhten Energiegewinnung für das Immunsystem primär die Aminosäure L-Glutamin verwenden

Diese Stoffwechselstrategie führe zur Anhäufung von Ammoniak,
wodurch die CFS-Symptome entstünden, da gleichzeitig auch der
Glutaminspiegel sinke und keine Kompensation möglich sei
 
regulat-pro-immune

1gisa

Hallo Juliane,

ganz herzlichen Dank für einen Teil der Einstellung des Kochbuchs.

Auch und gerade # 22 trifft bei mir zu. Mein Glutaminspiegel ist extremst erniedrigt und dies hat ja, wie Pruimboom beschreibt, seine Gründe und entsprechende Auswirkungen.

Magst Du nachlesen, ob es dann einfach reicht Glutamin zu substituieren oder empfiehlt er noch etwas anderes?

Danke Dir und schöne Grüße
1Gisa
 
Themenstarter
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Hallo 1Gisa,

am Besten wäre es natürlich einen Therapeuten zu finden, der mit der Methode vertraut ist.

Nur Glutamin zu substituieren ist wahrscheinlich nicht sinnvoll. Es geht ja darum, herauszufinden, welche Nahrungsmittel Medizin sein können bzw. welche Nahrungsmittel auf der Tabuliste stehen. Wann und wie oft man essen sollte...

Und das ist dann halt individuell verschieden, weil man schauen muss, welche Wirkmechanismen greifen können.

LG Juliane
 
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