Was hindert euch, die Stille nach dem Tod zu betreten?

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Gilt nur für die wirklich kranken.

"Aber Du weißt, dass man dieses Leben nicht immer festhalten muss; denn nicht das Leben selbst ist ein Gut, sondern [nur] das [lebenswerte] Leben. Der Weise lebt daher, so lange er soll, nicht so lange er kann. Er wird in Betracht ziehen, wo, mit wem und wie er leben, was er tun wird; er denkt immer daran, wie [sein] Leben beschaffen, nicht wie lang es [sein soll]. Zeigt sich ihm vieles Widrige, seine Gemütsruhe Störende, so öffnet er sich dem Ausweg und tut dies nicht erst in der letzten Not; sondern, sobald nur das Schicksal anfängt, ihm verdächtig zu werden; [dann] untersucht er sorgfältig, ob er nicht etwa gleich heute enden soll. Ihm [ist] es gleich, [...] ob dies früher oder später geschehe; er fürchtet keinen großen Verlust. [Denn] an der Regentraufe ist nicht viel zu verlieren. Ob Du früher stirbst oder später tut nichts zur Sache: [wichtig ist nur], ob gut oder schlecht. Gut sterben heißt [...]: der Gefahr entgehen, schlecht zu leben." . Seneca

Wie seht ihr das? Gilt natürlich nur für wirklich schwer kranke, die sich mit dem Exitus befassen müssen.
 
Beitritt
12.10.18
Beiträge
2.150
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

man sollte schwerkranke nicht ermutigen, sich umzubringen, sondern ihre krankheiten so behandeln, daß ihr leben wieder lebenswert wird.
ich hab früher in versch. med. bereichen gearbeitet, u.a. hab ich ein paar jahre in der praxis eines homöopathischen arztes die gesundheits- und ernährungsberatung gemacht. zu dem arzt kamen überwiegend schwerkranke, teils auch krebskranke im endstadium.
u.a. ein mann, der im krankenwagen gebracht werden mußte, weil er noch nicht mal mehr im auto sitzen konnte. er bekam wie alle eine ernährungsumstellung plus homöop. mittel und schon nach kurzer zeit ging es ihm soweit besser, daß er wieder in der wohnung herumlaufen, am eßtisch essen und vom fernsehsessel aus tv schauen konnte und das plus die absolute schmerzfreiheit, obwohl er wie auch alle anderen keine schmerzmittel nahm, weil das nicht mehr nötig war, reichte schon um ihm das leben wieder lebenswert erscheinen zu lassen (wobei seine frau, die dafür gesorgt hatte, daß er in die praxis kam, nachdem sie erfahren hatte, was da möglich ist und sich auch sonst sehr um ihn gekümmert hat, mit sicherheit auch einen gr. anteil daran hatte, aber ihre fürsorge allein hatte halt keine besserung der beschwerden bewirken können). einige zeit später ist er dann nachts im schlaf friedlich verstorben. krebskranke im endstadium kann man halt nicht gesund machen, aber alles soweit bessern, daß sie länger leben und das ohne die üblichen schmerzen usw.

ein anderer, der schon 80 war und lt. uni ohne op nur noch 3 tage zu leben hatte, weil sein mageneingang durch den krebs zu war und er nichts mehr trinken konnte (essen schon länger nicht mehr, er war auch schon zum skelett abgemagert). die ersten tage bekam er infusionen (ohne chemie, es gab da immer nur homöop. mittel), damit er nicht verdurstet, dann war der magen wieder soweit offen, daß er wieder trinken und wieder essen konnte. zuerst nur suppen und brei, aber bald schon wieder alles, was gesund ist.
einige zeit später war er wieder so fit, daß er wieder lange wanderungen machen konnte und sich in der bücherei bücher holen konnte (er hatte begonnen, sich für philosophie zu interessieren, was vorher nie sein thema war) und statt 3 tage hat er noch über 3 jahre gelebt und das so fit und beschwerdefrei, daß er garnicht glauben konnte, daß er krebs hat. und er war sogar froh, daß er mal so krank war, weil er dadurch ganz neue dinge entdeckt hat.
krebspatienten, die rechtzeitig kamen, wurden wieder ganz gesund (diagnosen vor und nach der behandlung wurden incl. biopsie usw. in der uni gestellt), ebenso patienten mit angeblich unheilbaren krankheiten wie ms usw.

ich hab weder da noch vorher in anderen praxen und krankenhäusern erlebt, daß jemand sterben will, auch schwerkranke nicht. das kam nur mal bei depressiven vor, die falsch behandelt wurden und um die sich niemand gekümmert hat und früher in krankenhäusern auch durch unzureichende therapie, durch die die patienten unerträgliche schmerzen hatten, was sich gsd gebessert hat und in kombi mit der betreuung in einem hospiz, will auch da keiner durch suizid sterben.
mich würde schon der gedanke davon abhalten, daß ja niemad weiß, was nach dem tod ist. falls es doch so etwas wie eine reinkarnation gibt, hat man im nächsten leben vielleicht noch mehr krankheiten und probleme, weil man sich in diesem davor gedrückt hat, diese zu lösen. oder man erfährt im jenseits, daß man eine woche später den jackpot im lotto gewonnen hätte und sich eine behandlung in einer teuren spezialklinik hätte leisten können und dann noch ein schönes leben gehabt hätte statt endloser langeweile im jenseits oder sogar endloser selbstvorwürfe in der hölle o.ä. (letzteres erleben manche schon vor dem tod, wenn sie erfahren, daß sie nicht mehr lange zu leben haben und dann in ein endloses "hätte ich doch nur " und "wäre ich doch bloß" usw. verfallen und das in dem wissen, daß es zu spät ist, noch etwas zu ändern).

lg
sunny
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Ne also wenn ich in die Palliativsituationen schau, an meinen Opa, Vater denke, die beide unter schwersten Schmerzen starben, oder die Demenzkranken. Wir verstehen unter schwer krank vermutlich was anderes. Es lohnt sich bis zu einem Punkt, darüber hinaus. Ich habe letzten von einem gehört, Glioblastom im Hirn, was soll man da noch leben wollen. Man sollte die selektive Brille nicht aufsetzen. Leben ist ein lebenswertes leben, aber sich aus Angst vor dem Tod an ein Leben klammern, das finde ich feige. Dass die Menschen oft so tun, als wollen sie leben, das stimmt schon, aber wer redet über seinen Todeswunsch mit Pflegern oder anderen ... die tauschen sich untereinander aus. Da kenne ich genug, und wenn man DIGNITAS kennt und die Suizide, mehr sterben durch Suizid, als durch Autounfällen. Die großen Philosophen, Skokrates zb, Seneca und viele mehr, die starben auch durch Suizid. Von Sokrates stammt ein schönes Zitat, bevor er den Becher trinkt.

Vermutlich finde man hier kaum schwer kranke, aber da ich nicht nur hier frage, kann ich ja auch hier fragen.

Zudem findest du Menschen die sterben wollen weder im Krankenhaus, auf Dauer, noch in irgend einer Praxis, warum sollte man da hingehen, wenn man sterben will? Die findest du Zuhauf in Suizidforen, Dignitas oder sonst wo, aber wenn man sterben will, geht man doch nicht ins KH.

Philosophie der Stoa | Sokrates Tod

Kriton. "Aber mich dünkt, Sokrates, die Sonne scheint noch an die Berge und ist noch nicht untergegangen. Und ich weiß, daß auch andere erst ganz spät getrunken haben, nachdem es ihnen angesagt worden, und sie haben noch gut gegessen und getrunken, ja einige haben gar noch ihre Freunde zu sich kommen lassen, nach denen sie Verlangen hatten."

Sokrates. "Ganz recht, lieber Kriton, hatten jene, so zu tun, wie du sagst; denn sie meinten, etwas zu gewinnen, wenn sie so täten; und ganz recht habe auch ich, nicht so zu tun, — denn ich meine, nichts zu gewinnen, wenn ich um ein weniges später trinke, als nur, dass ich mir selbst lächer*lich vorkommen würde, wenn ich so am Leben klebte und sparen wollte, wo nichts mehr ist. Also geh, folge mir und tue nichts anderes!"
 
Zuletzt bearbeitet:
Beitritt
10.01.04
Beiträge
66.540
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hallo temp,

ich denke, Sokrates ist kein gutes Beispiel für einen Selbstmord. ER hat zwar den Giftbecher freiwillig getrunken, aber doch nach einem Prozess, in dem er verurteilt wurde:
https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag2584.html

Wie ein Mensch mit seinem Leben und seinem möglichen Tod durch eigene Hand umgeht, gehört wohl zur Freiheit seines Denkens und kann nicht allgemein festgelegt werden.

Grüsse,
Oregano
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hallo Oregano,

gutes Beispiel oder nicht, da gibts wohl wenig gut oder schlecht, da man objektiv kaum messen kann wann jemand ein Leben lebenswert empfindet, das kann man ja nur selber festmachen. Was mich interessiert ist, ob die, die wirklich richtig krank sind, also schwerst krank, im Sterben, wirklich noch einen Sinn im Leben haben, so Menschen gibt es Hawking war so einer, aber was ich so mitbekommen habe, ich habe viele sterben sehen, war es meist nur die Angst vor dem Tod, die die Menschen im Leben gehalten hat. Oder aber, dass sie solange warteten, dass sie nicht mehr selbstbestimmt entscheiden konnten, das erlebte ich ein paar mal und das ist mmn richtig übel. Man muss dann abwägen, ob das Risiko, in Relation zum möglichen Gewinn steht. Wenn ich noch 5 gute Tage hab, aber so Ende, dann ist das für mich niemals die 5 Tage Wert. Ich habe von einer Leukämie Frau gelesen, oder war es ein Mädchen, das wartete solange, bis die Knochen rausgestanden sind, also die Haut und Muskeln zerissen, und sie konnte dann nicht mehr sterben, aber auch nicht mehr leben, die Mutter hat dann das Zyankali besorgt und wurde dafür verurteilt....

Ich kann mir nicht vorstellen, wie man noch lebenswert leben können soll, wenn man völlig dement ist, oder aber die Knochen im freien stehen. Oder das Glio das Hirn gerade auffrisst und man das noch mitbekommt.

Ich denke es ist individuell. Desto weniger Zeit man hat, und desto größer das Risiko, desto mehr braucht man einen Grund, oder Angst, um im Leben zu verweilen. Wir sind alles nur Pilger auf der Erde.

Mich würde es interessieren welche Gründe die Menschen wirklich haben, also mal von der Angst abgesehen, das ist logisch, aber für mich zB kein Grund.
 

alexo13105

Temporär gesperrt
Beitritt
23.09.18
Beiträge
1.224
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Man sagt ja , viele Menschen können gar nicht Denken . Sie übernahmen Denkbestände anderer und wurschteln sich sozusagen (uneigenständig) durchs Leben .
Kommt es nun zu Situationen , wo selbständiges Denken nötig wäre , verhalten sie wahrscheinlich passiv und geben sich ab .
Ich meine das nur mal so und das hat nichts mit dem Thema Suizid zu tun .

LG
 
Beitritt
12.10.18
Beiträge
2.150
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Wir verstehen unter schwer krank vermutlich was anderes.
ach ne, krebspatienten im endstadium sind natürlich nicht schwer krank............

menschen, die sterben wollten, sind mir auch begegnet, aber die waren depressiv und/oder wurden einfach nur falsch behandelt. sobald das geändert wurde, wollten sie nicht mehr sterben.

und bzgl. hawking. der wollte mit sicherheit nicht aus angst vor dem tod nicht sterben, sondern weil er noch viel zu tun hatte. er hat ja trotz seiner schweren behinderungen noch viele jahre an der uni unterrichtet, auch als er nicht mehr sprechen konnte,da ging es dann halt mit sprechcomputer und elek. rollstuhl (seine studenten nannten ihn den rasenden professor, weil er immer im höchsttempo über den campus gedüst ist), außerdem auch noch geforscht und bücher geschrieben und in einem schon fortgeschrittenen stadium noch mal geheiratet usw usw

lg
sunny
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Sichre sind Menschen mit Krebs schwer krank, ich habe das bei meinem Opa erlebt, Krebs bis zu den letzten Tage verdrängt, war immer gut drauf, aber nur, weil er den Tod völlig verdränge (als es dann so war, war es wie aus heiteren Himmel, er wurde völlig überrascht, trotz 2 Krebse und das mit 80 Jahren). Es gibt Studien die zeigen, dass die Menschen die besonders gut mit solchen Schicksaalsschlägen umgehen, diese einfach verdrängen, der KZ Psychologe, also Frankel der im KZ war, hat das sehr genau beschrieben.

Hawking ist sicher eine Ausnahme, aber selbst er hatte Rahmenbedingungen gesetzt unter denen er Leben würde, sein Intellekt war einer davon, bei Demenz hätte er sicher nicht ins Sichtum abgedriftet.

Eine Depression ist im ICD 10 Definierte Krankheit, der ICD-10 ist aber keine Wissenschaft. Es gibt das bekannte Sprichwort "die die am Ungklücklichsten sind, Lächeln am meisten". Ich kenne sehr viele Kranke, die sehr gut mit ihrer Krankheit umgehen, sehr fröhlich und heiter sind, wenn jemand dabei ist, spricht man dann aber das Thema an, sagen sie, und ich habe das oft erlebt, am liebsten würde ich nicht wieder aufwachen. Suizid ist ein Thema, dass nur sehr ungern angesprochen wird, da stigmatisiert.

Beim Krebs gibt es natürlich auch ganz unterschiedliche Formen, meine Oma hatte kaum Schmerzen, trotz schweren Krebs, mein Großvater massivste. Leichte Krebsschmerzen kann man mit Placebo schon gut behandeln, manche Krebsarten zerstören auch die Nerven durchs Wuchern und man spürt die Schmerzen mit der Zeit nicht mehr, manche werden immer schlimmer.

Hättest du Alzheimer, denkst du dann wäre für dich ein Leben bis zum Ende sinnvoll? Diese Homöopathie , ich kenne so viele die das gemacht haben, aber über eine Psychotherapie geht es nicht hinaus. Dazu gibt es auch Studien wie Sand am Meer.

Man muss sicher zwischen Depression, und Bilanzsuizid unterscheiden, das machen Psychologen auch.

Dass eine Depression per se eine Krankheit ist, lässt sich aber auch nicht beweisen.

Hawking hatte selbst einmal versucht, wenn auch missglüchklich, zu sterben. Er hat sich auch mal zu dem Thema geäußert, was er als Lebenswert empfindet und was nicht. Für ihn war es sein Geist. Hätte man ihm den geraubt, wäre seine Bilanz sicher anders ausgefallen.

Im übrigen ist deine Ansicht sehr undifferenziert, wie möchtest du denn einen Menschen, wo die Knochen rausstehen, wo das Blut über den Körper fließt und die maximale Dosis an Schmerzmittel nicht mehr wirkt, mit Globuli oder was weiß ich behandeln? Meinst du wirklich, dass das geht? Oder einem mit Hirntumor oder Alzheimer. Entweder du hast sehr wenig Erfahrung, oder eine sehr selektive Wahrnehmung.
 
Zuletzt bearbeitet:

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Das mit dem Denken stimmt, man weiß auch, dass Menschen mit höherem IQ häufiger zu Drogen und Depression neigen. Desto weniger man über das Leben nachdenkt, desto glücklicher ist man meist, dazu gibt es empirisch aufgearbeitete Daten und darum kann man Kummer so gut wegsaufen, weil man einfach dümmer wird.

Man muss aber differenzieren, zwischen dem Übernehmen von Erkenntnisse, bestes Beispiel Einstein, oder aber von Vorurteilen/ Wunschdenken.

Worum es mir hier aber eigentlich ginge wäre das Warum, bei Hawking kannte man es. Aber die, die ich bisher getroffen habe, hatte bisher, und ich hab im KH gearbeitet, 1 Jahr, nie eine Antwort auf diese Frage. "Ich bin noch nicht bereit zum Sterben" war die häufigste Antwort oder was ich oft hörte "das wird schon wieder" (Krebs im Endstadium, nach ner OP wo man aufhörte, weil der Körper so mit Metastasen durchsetzt war).

Onkologe würde sich, mindestens zu 30%, das sind die die es in einer Umfrage zugeben, selber anders behandeln. Mir sagte ein Onkologe, mit den Diagnosen die ich immer ausstellen muss, würde ich gleich in die Schweiz fahren. Der war weder depressiv, noch meinte er das sarkastisch. Das war sein nüchtern, objektive Einschätzung, von Jahrzehntelanger Erfahrung.
 
Zuletzt bearbeitet:

nicht der papa

Temporär gesperrt
Beitritt
18.11.09
Beiträge
5.621
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hättest du Alzheimer, denkst du dann wäre für dich ein Leben bis zum Ende sinnvoll?
Wer genau will das entscheiden? Gunther Sachs hat es vor Jahren für sich entschieden, wie wir alle wissen und ich habe es damals gut verstanden.

Aber nun, nach all den Jahren, in denen ich die Demenz meiner Tante erlebt habe, muss ich sagen, sie hatte Jahre, in denen sie vielleicht, nein bestimmt sogar, ein glücklicheres Leben hatte, als vorher. Sie hat in ihrer Welt gelebt, die mit unserer nichts mehr zu tun hat. Sicher. Doch war sie dabei die meiste Zeit sehr fröhlich und freundlich. Konnte sich über die banalsten Dinge kaputtlachen. Und das quasi alle 5 Minuten. :D
Die Pfleger haben sie für ihre Freundlichkeit geliebt.

Das war Anfangs, als sie sich noch nicht ganz verloren hatte, natürlich noch nicht so.
Mutmaßlich hatte sie ca. 1/2 Jahr vor Ihrem Tod einen Hirninfarkt und erst danach ging gar nichts mehr.:eek:)

Wir stellen es uns furchtbar vor, dement zu sein. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Tante ihr Leben vor dem Hirninfarkt als nicht lebenswert empfunden hat. Im Gegenteil.
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Wer genau will das entscheiden? Gunther Sachs hat es vor Jahren für sich entschieden, wie wir alle wissen und ich habe es damals gut verstanden.

Aber nun, nach all den Jahren, in denen ich die Demenz meiner Tante erlebt habe, muss ich sagen, sie hatte Jahre, in denen sie vielleicht, nein bestimmt sogar, ein glücklicheres Leben hatte, als vorher. Sie hat in ihrer Welt gelebt, die mit unserer nichts mehr zu tun hat. Sicher. Doch war sie dabei die meiste Zeit sehr fröhlich und freundlich. Konnte sich über die banalsten Dinge kaputtlachen. Und das quasi alle 5 Minuten. :D
Die Pfleger haben sie für ihre Freundlichkeit geliebt.

Das war Anfangs, als sie sich noch nicht ganz verloren hatte, natürlich noch nicht so.
Mutmaßlich hatte sie ca. 1/2 Jahr vor Ihrem Tod einen Hirninfarkt und erst danach ging gar nichts mehr.:eek:)

Wir stellen es uns furchtbar vor, dement zu sein. Aber ich hatte nicht den Eindruck, dass meine Tante ihr Leben vor dem Hirninfarkt als nicht lebenswert empfunden hat. Im Gegenteil.
Das Problem aber ist, dass man die Grenze zwischen noch in die Nacht zu gehen, oder im Leben verweilen zu müssen, nicht mehr ziehen kann. Wenn ich im KH in die Dementen Menschen blicke, blicke ich entweder Leere, ich glaube die merken gar nichts mehr, oder aber Leid. Das Leid was man da sieht, das sicher noch mit Bewusstsein verknüpft. Man stellt sich mal vor, man kann isch nicht mehr mitteilen, nur mehr leiden, und lebt auch noch ne lange Zeit.

Die Frage ist hier die Erkenntnistheorie, schaue ich einen Junky an der sich fixt, dann sieht der auch Überglücklich aus, das geht auch ne Weile, aber dann... wie wir Erkenntnisse gewinnen, ist sehr schwer.
 

nicht der papa

Temporär gesperrt
Beitritt
18.11.09
Beiträge
5.621
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Die Frage ist hier die Erkenntnistheorie, schaue ich einen Junky an der sich fixt, dann sieht der auch Überglücklich aus, das geht auch ne Weile, aber dann...
Mein Bruder war Junky und ich halte das absolut nicht für vergleichbar.
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Das kann durchaus so sein, bei Junkys hängts auch davon ab, ob man genug Geld hat.

Aber die endgültige Bilanz, ob das Leben in der Demenz, den restlichen Lebensschritt nach den Infarkt aufwiegt, kann man nie im Voraus wissen.

Würdest du denn eine Demenz bis zum Ende gehen, aufgrund deiner Einschätzung/ Erfahrung als Aussenstehender?

PS: Ich würde jetzt nicht sagen, dass das Leben deiner Oma nicht für sie lebenswert war, ich denke aber, bzw ich weiß, dass es das für mich nicht sein könnte. Auch Hawking hätte das nicht akzeptiert. Lebenswert leben ist eben sehr unterschiedlich definiert. Ich meine nur, eine nüchterne Bilanz ist durchaus möglich, man muss aber frei von Angst sein und seine Lage nüchtern einschätzen können, gleichzeitig darf man sich auch nicht durch pathologische Depression getrübt sein, aber auch durch Verdrängung/Illusion nicht beschönigt. Wobei diverse neurodegenerative Erkrankungen das rein neurologisch machen und dann muss man das auch einkalkulieren.
 
Zuletzt bearbeitet:

nicht der papa

Temporär gesperrt
Beitritt
18.11.09
Beiträge
5.621
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Würdest du denn eine Demenz bis zum Ende gehen, aufgrund deiner Einschätzung/ Erfahrung als Aussenstehender?
Soll das eine Aufforderung sein, mir das Leben zu nehmen, wenn ich vermute dement zu werden?:D

Nun. Ich bin zwar Atheist, aber gleichzeitig lehne ich die Selbsttötung ab, so wie ich es ablehne als Organspender zu fungieren, da ich ein Recht auf einen natürlichen Tod habe. Ich habe eigentlich keine Angst vor dem Tod. Wenn er kommt, dann kommt er halt. Ich bin überzeugt, dass die Seele weiterlebt. Doch wenn nicht, dann werde ich sicher auch nicht mehr enttäuscht sein.:)))
 
Beitritt
18.03.12
Beiträge
6.456
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hallo temp54691,
entschuldige bitte, dass ich hier dazukomme auch wenn ich nicht schwer erkrankt bin.
Ich erschrak als ich deine Frage las, denn ich entdecke darin einen Vorwurf an die Menschen, die trotz schwerer Krankheit noch am Leben hängen.
Bist du sehr krank, lieber temp und suchst auf diesem Weg Antworten?
Es muss für Betroffene furchtbar sein zu wissen, dass man eine schwere Krankheit hat und der weitere Weg ungewiss ist. Jeder, auch ich, würde in ein Loch fallen und ALLES überdenken.
Da hilft auch das ganze Philosophieren nicht weiter.

Wir alle haben schon liebe Menschen verloren und sie auf ihren Weg begleitet.
Ist es nicht auch Stärke, wenn man sich nicht aufgibt und dem Leben noch etwas abgewinnen kann, statt freiwillig in die Stille zu treten.
Wichtig ist dann für uns hinzuhören und hinzuspüren, einfach da sein und sich dafür einzusetzen, dass dieser Weg für den Betroffenen leichter und ertragbarer wird.

Du vergisst auch temp, dass in unserer heutigen Zeit keiner mehr unsägliche Schmerzen ertragen muss.

Nachdenkliche Grüße von Wildaster
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Es war eine Frage. Viele Menschen glaubn keine Angst vor dem Tod zu haben, aber er ist genetisch durch den Selbsterhaltungstrieb verwurzelt, man kann das zwar abbauen, aber von alleine ist das nicht der Fall. Es gibt eine Krankheit wo man keinen Selbsterhaltungstrieb hat, aber mir fällt der Name nicht ein. Kurt Kubain hatte das angeblich. Da fällt man zB ins Wasser und taucht nicht auf.
 

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Wildmaster,

also ich muss keine unerträglichen Schmerzen ertragen, da ich verschiedene Mentale Techniken beherrsche, zumindest klappt das bisher, die Palliativmedizin ist aber sehr schlecht, ich kenne viele die bei Experten sind und die furchtbare Schmerzen haben und auch viele Pallativmediziner geben das offen zu.

Ich Bilanziere natürlich bei mir selbst ebenfalls. Aber der Schmerzt ist nicht der Grund, ich hatte ne Kiefer Op ohne Schmerzmittel. Aber das ist ja nun nichts was sich mit schwersten Schmerzen vergleichen lsst. Ich habe einige Menschen, bestmöglich versorgt gesehen, und die hast du durch das gesamte Krankenhaus schreien gehört. Da war nichts mit friedliche einschlafen. Die wurden dann aber nicht lange im KH gehalten und "outgesourcht" und die Pflege die dann da herrschte.

Ich werde solange leben, wie ich mag, aber ich werde nicht am Leben kleben. Ich kann auch extrem gut meditieren, wenn ich meditiere, also mindestens so intensiv wie Tolle, falls dir das was sagt, also da ist man Glücklicher wie auf Koks oder schweren Opiaten (kenne beide Zustände), aber das ändert nichts an meiner Bilanzierung. Am besten kann man Bilanzieren, wenn man sich dissoziiert, da weder positive, wie negative, Gefühle reinspielen. Mich hätte sehr interessiert, wie das andere machen,. Hätte ich eine Aufforderung posten wollen, hätte ich aus Zarathustra zitiert.

Im übrigen Verläuft das Thema bei Gesprächen mit schwer Kranken meiner Erfahrung nach ganz anders ab, als mit denen, die meinen die Situation verstehen zu können, was eben nicht geht, wenn man sich nicht in der Lage befindet.

PS: Auf Antworten suche ich nicht, dazu habe ich Menschen die klüger sind wie ich oder alle die hier schreiben, das ist ja kein neues Thema und es gibt sehr, sehr gute Literatur dazu, aber es interessiert mich. Ich habe hier nur gefragt, weil ich generell in verschiedenen Foren frage. Aber dass das hier wohl eher deplatziert ist, ist mir bewusst. Die "allgemeine" kollektive Meinung wollte ich eigentlich nicht diskutieren, weil die ja eh jeder kennt. Da hier aber ua auch Krebs Unterforen sind, wollte ich das Thema hier auch mal anstoßen. Aber es scheint sich keine Atomsphäre zu etablieren, wo sich diejenigen, sollten sie sich hier aufhalten, posten werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Beitritt
18.03.12
Beiträge
6.456
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Es war eine Frage. Viele Menschen glaubn keine Angst vor dem Tod zu haben, aber er ist genetisch durch den Selbsterhaltungstrieb verwurzelt, man kann das zwar abbauen, aber von alleine ist das nicht der Fall.
Hallo temp, für mich ich das etwas Positives. Ich würde niemandem vom Gegenteil überzeugen wollen.

Auch kann ich deine Zeilen was das Krankenhaus betrifft nicht bestätigen; ich begleitete dort über eine lange Zeit meinen schwerstkranken Mann Tag und Nacht und war über seine Versorgung, bevor er zu Hause starb, sehr dankbar. Er wurde immer mit Würde behandelt und seine furchtbaren Schmerzen wurden ihm zu jeder Zeit genommen.

Ich wünsche dir ein langes und gesundes Leben, temp.

Viele Grüße von Wildaster
 
Zuletzt bearbeitet:

Temp

Gesperrt
Themenstarter
Beitritt
21.10.16
Beiträge
713
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hallo Wildaster,

ja die schreienden Patienten verbleiben nicht lange im KH. Das ist irgendwo auch verständlich. Bestimmte Schmerzen lassen sich gut behandeln, andere nicht, bspw lassen sich neurophatische Schmerzen so gut wie nicht behandeln, dafür kann man Knochenbrüche super mit Morphium behandeln. Es ist sehr individuell. Die Würde des Patienten hängt auch von der Pflegekraft ab, da gibt es leider sehr große Lücken in unserem Gesundheitssystem. Es gibt gute Pfleger, nett freundlich, und welche, das will ich lieber nicht ausschreiben.

MFG
 
Beitritt
11.01.10
Beiträge
998
Was hindert euch die Stille nach dem Tod zu betreten?

Hallo temp54691,
Viele Menschen glaubn keine Angst vor dem Tod zu haben, aber er ist genetisch durch den Selbsterhaltungstrieb verwurzelt
Kannst du bitte erklären, was das genau bedeutet? Da ist Zweifels ohne der Selbsterhaltungstrieb des Körpers, da das vegetative Nervensystem die Funktionen so steuern wird, dass das Leben des Körpers erhalten bleibt. Aber auf der nicht rein körperlichen Ebene bezweifle ich dass das genetisch begründet ist, habe mich aber leider nie ausreichend damit befasst, wie Genetik, also etwas Physisches, auf die Ebene des Mentalen, Willens wirkt. Wie sieht da der Zusammenhang aus?

Ich finde diesen thread bzw. die Fragestelung interessant. Ich habe mich das auch schon manchmal gefragt (na eigentlich nicht für mich selbst), weil ich es manchmal phänomenal finde, wie viele kranke Menschen trotz aussichtsloser Situation und Schmerzen anscheinend nicht aufgeben. (Zu anderer Zeit vielleicht noch meine ganz persönlichen Gedanken dazu).

Viele Grüße
Prema
 
Oben