Meine Geschichte

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In dem anderen Thema, war es nur eine kurze Zusammenfassung, wenn überhaupt. Hier möcht ich nun meine komplette Geschichte niederschreiben. Wird wohl sehr lang werden. Werd mich bemühen genügend Absätze zu machen, damit es sich leichter lesen lässt. Dann fang ich mal an...


Meine Erinnerungen fangen ungefähr mit meinem vierten Lebensjahr an. Ich lag wiedermal im Bett als Papa nach Hause kam. Er kam immer spät nach Hause. Er musste viel arbeiten. Ich hab mich sehr gefreut dass ich noch wach war. Ich wollte runter zu Papa laufen als ich hörte das Mama und Papa sich wieder einmal stritten. Also blieb ich auf der Treppe sitzen. Ich wollte nicht lauschen, ich wollte nur warten bis die beiden fertig waren, denn einen Streit zu hören war nichts Ungewöhnliches für mich.

Ich hatte Papa schon tagelang nicht gesehen. Nur morgens ganz kurz bevor er zur Arbeit ging. Abends schlief ich schon als Papa wiederkam. An diesem Abend war es auch schon dunkel als Papa den Schlüssel im Schloss umdrehte. Ich wartete und wartete, mein Po tat mir schon von der harten Treppe weh, aber sie stritten und stritten. Mir fuhr ein komisches Gefühl durch den Bauch, denn ich hörte Kathrins, Marcels und meinen Namen. Sie stritten über uns! Ich hörte wie sie über Rechnungen und darüber stritten wie viele Kosten wir verursachen, dass wir zu viele Joghurts essen.... (wie banal!) Auf einmal ging Papa zur Tür mit den Worten: Ich halte es nicht mehr aus! Er machte die Tür auf und ging, dieses Bild werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Ich verstand nicht was das zu bedeuten hatte, doch trotzdem krochen mir die Tränen in die Augen. An diesem Abend war alles anders. Ich wusste irgendwie dass Papa nicht wiederkommen würde. Papa ging Abends öfter wieder weg, heute weiß ich das er in die Kneipe ging. Es ist besser wenn ich wieder ins Bett gehe, dachte ich mir. Ich konnte nicht schlafen, lag wach. Ich hörte Mama seufzen, sie weinte auch. Ich wollte ihr nicht auch noch Sorgen machen. Ich probierte leise zu weinen und dass klappte auch. Am nächsten morgen haben wir alle zusammen gefrühstückt, dass hatten wir schon lange nicht mehr getan (jeder machte sich selbst was zu essen wenn er Hunger hatte. Manchmal kochte Mama auch, auch dann haben wir nicht zusammen gegessen. Dann nahm sich jeder was er wollte, aß im Zimmer oder Wohnzimmer vor dem Ferneseher, der 24 Stunden am Tag lief), nur Papa war nicht da. Mama erklärte uns dass Papa erstmal nicht mehr wiederkommen würde. Als ich fragte warum, sagte Mama ich sollte doch Papa fragen. Von da an begann meine Kariere als Vermittlerin zwischen Mama und Papa.

Ich wartete jeden Tag darauf dass Papa uns besuchen kommen würde, doch er kam nicht. So oft sagte Mama uns dass Papa uns am Wochenende abholen würde, doch jedes Mal klingelte nur das Telefon. Immer hieß es: Tut mir leid Kinder ich muss arbeiten. Immer hatte er irgendwas zu tun und kam nicht. Auch jetzt noch stritt sich Mama mit Papa wegen uns, aber nur am Telefone, weil Papa UNS nicht abholt. Für eine kurze Zeit lang rückte Papa in den Hintergrund. Mama hatte einen neuen Freund, Kevin. Er spielte mit uns, so was taten Papa und Mama nie. Er wirbelte uns durch die Lüfte, kitzelte uns aus.... Wenn Kevin da war vergaß ich alles. Er war so nett und wir hatten so viel Spaß. Ich hatte mir so sehr gewünscht dass er unser neuer Papa ist. Aber nach ein paar Wochen kam auch er nicht wieder. Alles blieb beim Alten. Papa bekamen wir nur zu unseren Geburtstagen und zu Weihnachten zu Gesicht. Selbst an diesen Tagen kam meist ein Anruf dass er später und nur kurz vorbeikommen würde. Selbst wenn er da war spielte oder knuddelte er nicht mit uns. Kaum war er da, war er auch schon weg. So war er eben.

Als Papa noch da war haben wir in einem Haus gewohnt. Mama sagte das das Haus nun für uns zu groß ist und wir umziehen müssen. Wir sind an ein ganz anderes Ende der Stadt gezogen. Alles war komplett neu, neue Nachbarn, neuer Kindergarten, Mama wurde anders, alles war anders. Ich hatte sehr Probleme damit zu den neuen Nachbarskindern Anschluss zu finden. Das machte die ganze Sache noch schwerere für mich. Naja, von da an hatte Mama einen Job nach dem anderen, immer hat sie gekündigt. Sie hat dafür einen Grund gesucht und gefunden. Dem entsprechend waren unsere Lebensumstände nicht gerade die besten. Zu der Zeit fingen auch die Konflikte zwischen meiner Zwillingsschwester und mir an. K. hatte Neurodermitis. Sie war immer das arme Häschen. Sie bekam alles was sie wollte, Liebe, Geschenke…,sie brauchte nie was zu machen. Und ich, egal was war, ich war Schuld. K. bekam immer mehr Probleme mit ihrem Gewicht, sie zog sich zurück und hatte kaum Freunde. Ihre Wut hat sie immer an mir ausgelassen. Mal zog sie mir eine Decke über den Kopf und setzte sich auf mich, bis ich umkippte, mal schleuderte sie mich nur durch die Gegend. Sie war viel kräftiger und stärker als ich. Ich hatte Klaustrophobie und bekam Panik. Ich habe mit ihr gespielt und ihre Spiele wurden immer brutaler. Wenn ich nicht mitspielte, spielte sie es trotzdem. Ich versuchte zu lachen, mich nicht weinend zu ergeben, aber am Ende weinte ich immer. Ich bekam Angst vor meiner Schwester, das merkte sie auch und nutzte es aus.

" Wegen dir musste ich kündigen! Immer machst du mir Kummer, dich kann man nicht alleine lassen. Außerdem machst du mich so nervös dass ich bei der Arbeit alles falsch mache! Siehst du, du machst mich so kirre dass ich wegen dir eine unruhige Hand habe. Nun ist auch noch das Glas runter gefallen, alles wegen dir! Du bist ein böses Kind!" Ich wusste nicht was ich getan hatte. Ich bin in die Grundschule gegangen, hatte Lob und gute Noten im Gepäck, aber ich machte irgendwie alles falsch. Ich wollte ihr die Noten zeigen, aber sie schickte mich auf K. und mein Zimmer. Super jetzt darf ich auch noch K.´s blöde Spielchen spielen. Sie nahm mir alle Dinge weg mit denen ich spielen wollte. Selbst die Musik machte sie ständig aus. Ich legte mich ins Bett und weinte, ganz leise, so wie immer. Wie immer war ich allein. Ich wusste nie wie Mama gerade war, wer sie war, also wie sollte ich Trost bei ihr finden? Ich hab gehofft keiner würde es mitkriegen, aber wie sollte es auch anders sein? Meine Schwester ärgerte mich weiter und sah dass ich weinte. Sie petzte es direkt Mama. Mama kam zu mir. Sie tröstete mich und fragte was los sei. Gott sei Dank, Mama war wieder nett. Ich sagte ich wüsste nicht was los sei. Wenn ich gesagt hätte das ich nicht wüsste warum sie mich immer für alles beschuldigte und warum K. mich immer ärgern durfte, wäre Mama wieder zu der geworden die mich vorhin angeschrieen hatte. So ging es dann Tag für Tag. Ich wusste nie welche Mama ich morgens zu erwarten hatte.

Ich wurde älter und die Rolle des schwarzen Schafes war immer noch die meine. Mittler Weile hatte ich sogar eine bedeutendere Rolle. Ich musste von Papa immer das Geld für Mama abholen. Wenn ich dann schon mal bei Papa war, musste ich ihm auch noch was von Mama ausrichten. Daraufhin schrie mich Papa an und ich sollte Mama was ausrichten wenn ich ihr das Geld gebe, daraufhin schrie mich Mama an. Mama und Papa stritten wieder, aber diesmal anders, über mich, über meinen Mund. Sie stritten so oft über mich, dass sie auch wütend auf mich waren und deswegen konnten sie mich nicht so lieb haben wie K. Klang logisch, und ich wollte Mama und Papa doch helfen. Ich hoffte dass es irgendwann besser werden würde, dass sich der ganze unbegründete Ärger auf mich sich irgendwann lohnen würde, aber das war nur eine Traumvorstellung.

Letztendlich war ich ungefähr 10 oder 11, da wurde es mit Mama ganz schlimm. Vor manchen "Freunden" von ihr weinte sie, weil es mir doch soooo schlecht ging und sie nicht wüsste was sie tun sollte. Vor anderen wiederum hielt sie ihre Hand über meinen Kopf und prahlte mit meinen guten Noten und meiner Selbstständigkeit. Wieder vor anderen spielte sie die Perfekte, alles läuft super ohne Mann im Haus und die Kinder wären vorbildlich. Doch vor den Eltern meiner Freunde tat sie immer so als sei ich ein schlechter Umgang. Ich würde klauen, ich wäre aggressiv und würde immer weiter abrutschen. Dann spielte sie wieder die Hilflose und rat den Eltern meiner Freunde ihre Kinder lieber nicht mehr mit mir spielen zu lassen, so schwer es ihr auch fallen würde so über ihre eigene Tochter zu reden. Naja, letztendlich war alles katastrophal. Der Haushalt zum Beispiel, in der Spüle schimmelte es immer, der Müll stank durch die ganze Wohnung, mein Bruder lebte nur in seinem Zimmer vor dem Computer, meine Schwester schlug mich und meine Mutter spielte ein komisches psycho- Spielchen. Ich hoffte immer dass sie einen neuen Job bekam. Doch jeden Job den sie hatte war leider nur halbtags. Alles blieb beim Gleichen, sie kündigte und ich war Schuld. Und wenn ich nicht Schuld war heulte sie sich bei mir aus. Noch eine neue Rolle. Ein psychischer Mülleimer.
Jeden Tag konnte Mama wieder anders sein und ich wusste nicht wie ich ihr gegenüber treten sollte damit ich nicht wieder Ärger kriegte. Sollte ich selbstbewusst sein, mich schämen oder mich verkriechen. Egal was ich tat es war irgendwie immer falsch.

Von einen Tag auf den anderen veränderte sich Mama. Auch Papa, er holte uns relativ regelmäßig alle zwei Wochen ab. Er unternahm sogar was mit uns.
Alles musste perfekt sein. Sie knuddelte abends sogar mit mir. Zwar durfte nur K. nachts bei ihr schlafen, aber ich bekam Beachtung. Für eine kurze Zeit ging es mir gut und ich war fröhlich. Doch dann stellte Mama uns ihren neuen Freund vor. Der war irgendwie komisch. Meine Geschwister und ich wurden immer unwichtiger. Zweimal in der Woche war Mama über Nacht weg, bei Lothar. Jedes zweite Wochenende war Lothar bei uns, sonst war Mama auch am Wochenende, dann wenn wir bei Papa waren, bei Lothar. Immer musste Lothar dabei sein. Fast nie waren wir mit Mama alleine. Ich mochte Lothar auch nicht. Er spielte zwar mit uns, aber das war nicht lustig. Er kitzelte uns manchmal so lange aus, bis wir weinten. Wenn er uns hochhob, hob er uns immer zwischen den Beinen hoch, das wollte ich nicht und das tat weh.
Lothar hatte selbst keine Kinder und war Einzelkind gewesen. Er brauchte die volle Aufmerksamkeit von Mama, anders war er es nicht gewohnt. Ich hatte Angst das Mama uns weggeben würde. Es kam auch der Tag wo Lothar Mama vor die Wahl stellte: Die Kinder oder ich. Mama gab uns nicht weg, aber sie gab uns die Schuld daran dass es mit Lothar zu Ende war, besonders mir. Wieder heulte sie sich bei mir aus. Ich bekam so eine Wut auf Lothar, dass ich die Vorstellung hatte mit einem Messer zu ihm zu fahren und ihm die Schmerzen zuzufügen die er Mama zugefügt hatte. Ich hatte das Messer in der Hand und dachte darüber nach, doch statt ihn zu verletzten, verletzte ich mich. Ich fragte mich warum alles so ist wie es ist.

Hier ein Tagebucheintrag von dem Jahr 1999, glaube ich: Es gibt viele Fragen ohne Antworten, warum ist alles so wie es ist? Das Wie und Warum stellt sich in alles Situationen des Lebens. Doch auf diese Fragen wird wohl nie irgendjemand eine Antwort kriegen. Der Gedanke nur ein Spielzeug Gottes zu sein lässt mich über den Wert eines oder meines Lebens grübeln. Was sind wir überhaupt? Mein Kopf ist voller Fragen und lässt mich nicht mehr klar denken. Allein um zu wissen wie es nach dem Tod ist, würde ich mich umbringen, damit einige wichtigen Frage in meinem Leben geklärt sind: Ob es Gott gibt, das Paradies, ob man wiedergeboren wird, zum Teufel geht oder einfach nur widerlich verrottet. Leider ist das Leben nun mal so wie es ist, grausam, hart und man kann leider nichts dagegen tun.In meiner Family gibt es nur Stress und unter meinen Freunden auch. Irgendwie hat das Leben für mich keinen Sinn mehr. Was für ein scheiß Spiel namens Leben! Irgendwie ist das Leben nur ne Verarschung (da war ich 12).

Ich gab mir selbst die Schuld für alles, so wie Mama mich auch immer beschuldigte. Ich hasste mich dafür und lies es mich spüren. Es war vorerst das Erste und Letzte mal das ich das tat, obwohl es mir danach besser ging. Ich wollte Mama keine Sorgen machen.

Ca. 3 Monate meines zwölften Lebensjahres verliefen wie immer, dann kam ich auf eine weiterführende Schule. Ich war von Anfang an der Klassenrasch. Mich haben sie aufgezogen wegen meiner Nase und ich hatte nie die Figur die den anderen in den Kram passte. Raphael wurde sein Laserpointer abgenommen und ich stahl ihn aus der Tasche der Lehrerin um dazuzugehören. Natürlich ist es aufgeflogen und alle haben mit dem Finger auf mich gezeigt. Ich war immer die die den anderen hinterher lief und dazu gehören wollte, doch ich schaffte es nie. Die die sich mit mir abgaben taten es nur um Geld und Zigaretten von mir zu bekommen, die Sachen für die ich so hart arbeiten ging. Erst wollte ich es nicht wahrhaben das sie mich ausnutzten, doch irgendwann musste ich es einsehen. Immer wenn ich mich nachmittags mit ihnen treffen wollte hatten sie natürlich schon was vor. Ich war das schwarze Schaf, egal wo, damit musste ich mich abfinden. Eine Person gab sich auch nachmittags mit mir ab, B. Wegen ihr bekam ich riesigen Stress. Wir wollten in die Stadt. Sie ging zu einem Fahrrad und sagte es sei ihrs gewesen. Letztendlich hatte sie es geklaut und es ist aufgeflogen. Ich bekam einen Anschiss von meiner Mutter. Ich unterbrach sie, ich wollte ihr sagen, dass ich es nicht geklaut hatte und nur dabei war und jetzt eine Zeugenaussage machen musste. Doch bevor ich auch nur das erste Wort ausgesprochen hatte scheuerte Mama mir eine. Das war das Erste und Letzte mal das sie mich geschlagen hatte. Sonst schrie sie mich nur mit blutunterlaufenen Augen an, sodass ich Angst bekam. Geschlagen hatte sie mich nie, so sehr ich es mir auch wünschte, dann hätte ich sie wenigstens hassen können. Seitdem war ich fast den ganzen Tag von zu Hause weg, nur auf der Flucht. Wenn ich abends da war, war ich Schuld an den Geschehnissen die an dem Tag passiert sind. Hier und da war ich dann auch noch spät abends der psychische Mülleimer. Mal weil ihr mal wieder einer ihrer Freunde die Freundschaft gekündigt hat, da sie ihre Spielchen durchschaut haben, mal einfach so.

Bei mir hatte sich einiges verändert. Ich hatte das Rauchen angefangen, weil ich dachte erst dann richtig zur Clique zu gehören in der ich seit kurzem war. Ich war das Kücken und noch nicht Strafmündig, dass wurde zum Problem. Ich fing an zig Schachteln Zigaretten für mich und für die Clique zu klauen. Sie habe mich nicht dazu gezwungen, ich wollte wenigstens dort mehr Ansehen. Ich hatte auch ständig einen Freund. Heute weiß ich das ich wohl das gesucht habe was ich zu Hause nie bekam, Liebe und Zuneigung. Ich habe mir selber eingeredet mich zu verlieben. Das war natürlich völliger Schwachsinn. Mit einem Tag änderte sich auch das. Ich hatte einen Freund der 17 war. Alles war so schön. Dann waren wir einen Monat zusammen, er sagte dass das was Besonderes sei und er mir einen besonderen Ort zeigen würde. Am Aa-See waren Hügel wo Bäume drauf waren, dahinter waren Kilometerweit nur Felder. Auf einem dieser Felder breitete Kevin eine Decke aus. Es schienen Stunden zu vergehen als wir uns in den Armen lagen und nur in den Himmel schauten. Doch dann fing er an Dinge zu tun die ich nicht wollte. Ich sagte ihm erst ruhig dass ich das noch nicht will und dass das wehtun würde. Doch er schien wie besessen und hörte nicht auf. Ich drohte ihm damit dass ich schreien würde, er sagte nur dass ich es tun sollte. Ich schrie, doch niemand hörte es. Wieder einmal blieb mein Weinen und meine Schreie stumm. Irgendwann war er fertig. Er ging und ließ mich auf seiner Decke liegen. Es war als hätte meine Seele meinen Körper verlassen. Ich wollte laufen, doch meine Beine bewegten sich nicht, ich wollte schreien, doch kein Ton verließ mehr meine Lippen. Ich weiß nicht mehr wie lange ich dort lag bis ich die Kontrolle über mich wieder hatte, es wurde schon dunkel.

Als ich nach Hause kam bekam ich erstmal einen riesigen Anschiss, weil ich zu spät war. Mir ging es so wie immer, da ich mir selber die Schuld daran gab.

Ich ging nicht mehr zurück zu dieser Clique. Bald schon hatte ich neue Leute gefunden. Ich war nicht so in mich gekehrt oder so ein Stubenhocker wie mein Bruder. Mir war es egal wo ich war, nur nicht zu Hause. Die neuen Leute waren im Jugendheim Leo. Ich ging jeden Tag dort hin.
Tagebucheintrag im Jahre 2000:
Warum lebe ich noch? Es gibt fasst nichts lebenswertes mehr für mich. Meine Mutter macht nur Zoff, mein Vater ist nie für mich da, meine angeblichen Freunde lästern hinter meinem Rücken und ich hab kein Bock mehr! Nur Lee-Chai findet noch was an mir. Er ist mein einziger Halt. Ich würde am liebsten nur rumliegen, garnichts tun. Am besten wäre noch ich würde umziehen und ein neues Leben anfangen, doch ich bin erst 13! KEIN BOCK MEHR!


So das reicht erstmal... Danke an alle die sich durch den langen Text kämpfen konnten und das lesen.:wave:

BurningSoul
 
wundermittel
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21.05.06
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Liebe Burning Soul,
fühl Dich erstmal gedrückt! Großes Kompliment an Deinen Mut, dass Du alles hier aufschreibst. Ich hab hier sowas Ähnliches gemacht und kann nur sagen, dass es echt hilft. Irgendwie kann man so etwas Ordnung in den Kopf kriegen und auch Dinge loslassen, wenn man sie einfach aufschreibt.
Ich bin überzeugt dass das ein guter Weg ist.
Du wurdest von Deinen Eltern leider ziemlich im Stich gelassen und Du musstest sehr früh "erwachsen" werden, sowas prägt einen Menschen natürlich sehr.
Jedenfalls ist es sicher hilfreich darüber zu reflektieren und zu schauen warum man zu dem Menschen geworden ist der man ist. Denn dann kann man auch aus der Opferrolle raus und zu dem Menschen werden der man sein möchte.
Wenn Dir weitere Sachen einfallen, schreib weiter.
Erstmal liebe virtuelle Grüße
von Carrie :wave:
 
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10.01.04
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Hallo Burning Soul,

es ist einfach nur traurig zu lesen, wie sie mit Dir umgegangen sind. Kein Wunder, daß Du so viel gelitten hast und Deine Psyche gewaltige Schrammen abbekommen hat. Ich bewundere Dich, daß Du diese Geschichte aufgeschrieben hast und ich finde, daß Du ausgesprochen begabt bist im Schreiben. Ich glaube, das wäre in jeder Beziehung gut für Dich, wenn Du weitermachst.

Ich wünsche Dir, daß Du aus diesem Teufelskreis "ich bin schuld" herauskommst und das Leben doch Schritt für Schritt lebenswert findest.

Grüsse,
Uta
 
regulat-pro-immune

Malve

Hallo Burning Soul,

es war bestimmt nicht leicht, all das, was Du mitgemacht hast, hier aufzuschreiben - dafür meine Bewunderung!

Ich musste mich gar nicht durch den Text "kämpfen" - Du schreibst in einem Stil, den man gut verstehen kann und der einem zu Herzen geht. Sich die Probleme und Belastungen "von der Seele zu schreiben" ist erleichternd, und ich kann Dich nur dazu ermuntern, den ganzen Ballast loszulassen bzw. zu Papier (in diesem Fall das Forum) zu bringen. Ich bin sicher, dass viele von uns mitfühlen, das Eine oder Andere selbst erlebt haben und Dir ein wenig Beistand leisten können und wollen.

Die kleine Burning Soul von damals musste alles ertragen - von der Demütigung bis hin zur Brutalität, und ich wünsche der "grossen" Burning Soul, dass sie eines Tages alles überwunden hat und ihren Weg findet.

Liebe Grüsse,
uma
 
Themenstarter
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27.03.08
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Danke für eure Antworten und das ihr es gelesen habt.
@carrie: Ich kann mich nicht dran erinnern jemals so richtig Kind gewesen zu sein (als ich in der Kinder un Jugend Psychiatrie war haben wir einen "Matschgang" gemacht, wir haben ne Schlammschlacht gemacht und uns von oben bis unten eingesaut :D daran erinnere ich mich mit einer kindlichen Unbeschwertheit). So lang ich denken kann, versuchte ich mich anzupassen, Erwartungen zu erfülllen und niemandem Sorgen zu machen. Ich hatte auch wenig KOntakt zu Kindern, bin immer den Erwachsenen hinterhergerannt. Für mich zählte nur die Aufmerksamkeit von denen. Ich wollte ihnen gefallen, ich wollte das sie mich mögen und vielleicht stolz sind...

@Uta: Ja, das wünsche ich mir auch, doch siehts leider so aus als drehe ich mich seit Jahren im Kreis und beweg mich nicht wirklich von der Stelle. Immer wieder macht mir dasselbe zu schaffen, es sei denn es treten neuen Probleme auf.

@Uma: Danke
@alle 3: :kiss:

Und dann werd ich gleich noch ein wenig weiterschreiben...

Ich lernte Lee-Chai im Leo kennen. Er war meine erste große Liebe. Es dauerte drei Monate ehe wir zusammen kamen. Wir hatten nie Streit und er war sehr anhänglich. Das konnte ja nicht gut gehen nachdem was mir mit Kevin passiert ist. Er hat mich einmal Vollidiot genannt, dass war auf der Arbeit. Ich fing so früh an zu arbeiten um Mama finanziell zu unterstützen, daher hatte Mama auch Schulden bei mir. Naja ich brauchte eine Pause, die war wohl zu lang. Als ich dann mit Pfeiferschen Drüsenfieber im Krankenhaus lag und er mich besuchen kam, wollte ihm eigentlich sagen das ich ihn liebe und weiter mit ihm zusammen bleiben wollte. Eine Ärztin war auch im Zimmer und sagte das wir uns nicht küssen dürfen, 2 Woche lang, weil er sich sonst anstecken würde. Ich sagte noch zu der Ärztin das ich nicht wüsste wie ich das aushalten sollte. Kaum war die Ärztin aus dem Zimmer, sagte er mir das die Pause zu lang war und er nichts mehr für mich empfinden würde.
Damit brach eine Welt für mich zusammen, da ich ihn wirklich geliebt hatte. Nun besaß ich nichts mehr, keinen Halt, niemand der mich liebt, hatte nicht wirklich eine Familie, ich hatte einfach gar nichts. Außerdem war sein Vater so was wie ein zweiter Vater für mich. Mit Arno konnte ich über alles reden. Doch jetzt hatten Lee-Chai und ich Schluss, also konnte ich Arno nur noch besuchen wenn Lee-Chai nicht da war.

Ich hatte dann mehr mit Markus, Lee-Chai´s Halbbruder zutun. Eines Tages ging ich zu Markus seiner Wohnung. Markus war nicht da, nur seine Oma, sie hat da ein wenig geputzt. Ich wartete auf Markus, als Arno zur Tür herein kam. Als ich fragte wie es ihm so ging, erzählte er mir sein halbes Leben.
Seine Frau nahm er aus Thailand mit. Er verkaufte alles was er bei sich hatte, selbst seine geliebte Harley, um sie mitzunehmen. Sie liebten sich. Zumindest liebte Arno seine Frau, bei ihr war es keine Liebe, sie wollte nur nach Deutschland. Sie bekamen drei Söhne und irgendwann hatte Shintana gut geerbt. Sie besaß ein Grundstück in Thailand was selbst dort ca. 1 Millionen wert war. Arno nahm Kredit auf, kaufte ein Haus und machte ihr ein Puppenhäuschen draus. Arno hatte den Kredit und Shintana das Grundstück. Dann ist sie abgehauen. Arno hatte die Schulden und konnte auch nicht mehr arbeiten gehen. Er hatte einen Bandscheibenvorfall.

Seine beiden ersten Söhne waren schon ausgezogen. Er stand alleine da, mit drei weiteren Söhnen und einem Haufen Schulden. Er hätte in eine Sozialhilfewohnung ziehen und seine Kinder weggeben müssen. Er sagte zu mir dass er die Familientradition aufrechterhalten würde. Sein Vater, sein Bruder und sein Onkel, alle seien so früh gestorben, einmal ein Messer durch die Kehle und es ist Schluss!
Ich habe die Drohung irgendwie nicht richtig realisiert. Eine Woche später ging ich in ein anderes Jugendheim, da waren wir auch oft. Ich kam rein mit mittelmäßiger Laune, wie immer, da kam Ulrike, Tines Mutter, eine Freundin von mir auf mich zu. Sie fragte mich ob ich es noch nicht wüsste. Sie sagte ich sollte mich erstmal setzten. Dann brachte sie mir bei das Arno tot ist. Er hatte sich in der Garage erhängt und sein jüngster, Sheng-Lee, hatte ihn gefunden.
Ich gab mir die Schuld, denn ich hätte die Drohung wahrnehmen müssen. Dann hätte ich einen Krankenwagen rufen können, die kümmern sich auch um psychische Notfälle. Doch ich hab’s nicht wahrgenommen, ich hätte es verhindern können! Ich bin schuld! So wie ich immer an allem schuld war...

Ulrike brachte mich nach Hause, denn Fahrrad fahren konnte ich nicht mehr. Ich wollte meiner Mutter erzählen was passiert ist, doch währenddessen ich am reden war kam meine Schwester rein, irgendwas war mit ihrem Kaninchen. Mama schickte sie weg. Kathrin kam wieder und sagte dass da irgendwelche komischen Ficher in dem Futter von Lilly wären. Mama ging raus und durchwühlte das Futter von Lilly. So viel war ich Mama also wert, noch nicht mal mehr als ein Sack Kaninchenfutter! Ich hatte fast einen Nervenzusammenbruch und sie kümmert sich um das Futter von einem Kaninchen.

Ich flüchtete immer mehr von zu Hause. Ich bekam auch psychische Probleme. Ich verletzte mich wieder selbst. Das war auch der Zeitpunkt wo ich angefangen bin Gedichte zu schreiben. Zu Arnos Tot hab ich auch ein Text geschrieben, das war mein erstes Gedicht oder wie man das auch bezeichnen mag:

Der Tod
Der Mann mit der Sense, er kommt und holt dich,
dann ist alles zu Ende, denn es ist seine Pflicht
Menschen das Leben zu nehmen
doch ob er bös ist oder nicht,
diese Antwort will keiner geben.

was aber wenn man diese Pflicht übernimmt und das Leben freiwillig abgibt?
Ob man sich später erkennt, wenn man vom Himmel hinabblickt?

Man fragt sich warum es so ist wie es ist, ob man von IHM beeinflusst wurde,
warum man sich selber vergaß, wie man es selbst nur tun konnte.

Der Tod hat dich im Griff, egal ob du dir das Leben nimmst oder ER! ER beeinflusst dich!

Mit 14 wechselte ich die Schule. Auch da hatte ich Probleme. Anfangs lief alles gut. Ich war sozusagen mit dem Klassenboss zusammen. Doch dann kam ein Gerücht von meiner alten Schule rüber. Ich hätte mir einen Kuli reingeschoben und danach Bea noch gefragt ob sie ihn wiederhaben wollte. Das versaute mir auch in der Klasse alles. Ich wurde total runtergemacht, wie der letzte Dreck.

Mit meiner Mutter bekam ich immer mehr Probleme. Kathrin ist auch größer und stärker geworden. Wenn sie mich jetzt ärgerte schleuderte sie mich gegen den Schrank oder auf den Boden.

Mein Bruder wurde sogar auch aggressiv, einmal. Mama war abends weg und ich durfte einen Film gucken. Marcel wollte aber Startrek sehen. Ich hab immer wieder umgeschaltet, er auch. Irgendwann war er so sauer das er mir eine Nagelschere in die Rippen warf, die stecken blieb. Mama tat das ganze als Nichtigkeit ab.
Ich kam zu Hause einfach nicht mehr klar. Meine Schwester meinte ich würde Mama nur runtermachen und bezeichnete mich als Simulant. Ich glaubte das selber schon.

Eintrag von 2000:
Was soll ich tun? Ich halte es zu Hause einfach nicht mehr aus. Ich verstehe nicht wie Kathrin das schafft, alles was passiert scheint an ihr vorbei zu gehen. Sie sieht das alles noch nicht einmal. Nur weil es nicht an mir vorbeigeht bin ich noch lange kein Simulant, oder? Sie hat mir das schon so oft gesagt das ich das langsam selber glaube. Indem ich mich bemühe da raus zu kommen komme ich mir schlecht vor. Ich mache Mama aber nicht runter, es ist alles nur die Wahrheit und ich werde damit nicht mehr fertig! Aber was soll ich tun ohne jemanden zu verletzten? Es ist scheiße zu wissen das man über Gestern nachdenkt und sich um Morgen sorgt: Gestern habe ich meine Mutter als Vertrauensperson verloren und Morgen werde ich sie vielleicht hassen.

Alles veränderte sich
Es vergingen 2 Jahre in denen ich nur noch zum schlafen zu Hause war. Trotzdem hatte ich noch meine alte Rolle. Wenn ich zu Hause war, war ich schuld. Naja, dann kam im Jahr 2002 zwei Situationen die letztendlich mein Leben verändert haben.
Ich war bei meiner Hausärztin, da ich krank war. Ich sollte den Pullover ausziehen, aber ich wollte nicht, denn meine Arme waren mit Wunden und Narben übersäht. Gegen meinen Willen zog sie die Ärmel des Pullovers hoch und sah die Wunden. Sie fragte mich ob ich Probleme hätte. Ich verschloss mich vor ihr und sagte gar nichts außer: Alles O.K.
Sie schrieb eine Überweisung zu einer Psychiatrie, nur für ein Gespräch. Sie rief auch meine Mutter an. Die machte einen auf besorgt und sagte sie hätte gemerkt das was mit mir nicht stimmte. Hahaha, nichts hatte sie gemerkt, aber sie war mal wieder die Perfekte. Wir waren dort zu einem Gespräch und ich hatte eher das Gefühl das die Psychologin Hilfe brauchte, denn sie wollte mich unbedingt einweisen. In jedem zweiten Satz erwähnte sie die Psychiatrie, Notintervention, Geschlossene, Tagesklinik und sie sprach sogar davon das ich auch auf dem Rückweg noch aus dem Auto springen und zurückkommen könnte, aber dann müsste ich auf die Geschlossene, da das dann eine Notintervention wäre... .

Zuletzt verblieben wir so, das wenn ich mich noch mal verletzte ich in eine Psychiatrie muss. Mama machte Gott sei Dank keine Kontrollen, zu Hause war sie nicht mehr die Perfekte. Also konnte ich mich trotzdem von dem Druck, den Gedanken und dem Selbsthass durch Schnitte befreien. Wäre das nicht so gewesen wäre ich vermutlich total abgedreht. Dann kam die erste Situation die einiges veränderte.

Ich hatte bei einer Freundin geschlafen. Vorher fragte ich Mama noch wie lange ich abends mit Jenny raus durfte. Sie sagte zehn Uhr. Dabei meinte sie dass ich am nächsten Tag um zehn Uhr morgens wieder zu Hause sein sollte. Das war ich natürlich nicht. Wir hatten einen riesigen Stress. Sie sagte das ich auf Grund meines Verhalten (das war ein stink normaler Streit) doch gleich in die Psychiatrie oder in die Schutzstelle (ich hatte so was wie Schutzstelle schon mal angedroht) gehen sollte. Mein Gott sie wollte mir Hausarrest geben weil sie sich nicht klar ausgedrückt hat! Da wird ein pubertierender Teenager wütend. Sie gab mir Hausarrest und ich haute ab.
Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich es geschafft. Zuvor brachte ich es nicht übers Herz da ich immer das weinende Gesicht meiner Mutter vor Augen hatte. Ich bin wieder nach Jenny gegangen. Ich habe auch Jennys Mutter erzählt dass ich nicht mehr nach Hause wollte. Ich hatte mir so gewünscht dass meine Mutter mich schlagen würde, dann hätte das Jugendamt wenigstens einen Grund gehabt mich daraus zu holen. Jennys Mutter redete mit meiner und Mama nahm mich wieder mit. Ich sagte meiner Mutter dass ich es für besser halten würde wenn ich erstmal weg gehe.

Beleidigt fuhr mich zur Schutzstelle, mit den Worten: Wenn du meinst das du es irgendwo anders besser hast, tue dir keinen Zwang an! Dort konnte ich zwei Wochen durchatmen und hatte jemand der mir zuhört und für mich da ist, Ute.

Naja, ich wieder nach Hause. Ich wollte nicht, trat gegen Türen und haute meinen Kopf vor die Wand. Niemand hat es mitgekriegt.

Nach den Osterferien 2002 bin ich mit Schülern aus meiner Klasse und aus den Parallelklassen nach England gefahren, Schüleraustausch. Dafür musste ich hart arbeiten und habe das selber bezahlt. Die Gastfamilie war so nett, ich wollte da bleiben. Ich wusste natürlich dass das nicht geht, aber ich wollte nicht nach Hause zurück und dafür hasste ich mich. Ich verletzte mich wieder einmal selber. Als ich wieder zu Hause war legte ich mich schlafen, da die Reise anstrengend war. Währendessen ich schlief rutschte mein T-Shirt hoch und als Mama mich wecken wollte sah sie das ich mich selbst verletzt hatte.

Sie packte meine Sachen und brachte mich in die Psychiatrie nach Datteln, noch am selben Abend. Das waren wirklich nur kleine Kratzer und nicht der Rede wert!

So, Fortsetzung folgt... Denn das nächste ist mein 15 Lebensjahr, da ist viel passiert, ich bin in der Zeit ziemlich abgestürzt... Das wird nochmal ein langer Text

So long... BurningSoul
 
Beitritt
10.01.04
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so long, BurningSoul. - Wieder fand ich sehr traurig, was Du beschreibst, aber toll, wie Du schreibst. Du bist wirklich begabt!

Bis zum nächsten Text wünsche ich Dir alles Gute und ein bißchen Klärung und Erleichterung durch das Schreiben.

Grüsse,
Uta
 
Themenstarter
Beitritt
27.03.08
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Gedanken

Mein Leben, aus hoher Höhe auf den Boden geknallt, in 1000 Scherben zersprungen. Ich sitze auf dem Trümmerhaufen meiner Kindheit, mit einer Scherbe meines Lebens in der Hand. In der Scherbe spigelt sich mein Gesicht, der Spiegel der Seele verschwunden, auch die Schreie haben keine Möglichkeit mehr sich zu befreien.
Taub für aufbauende Worte, taub für Abwertungen, taub für Lügen, doch höre auch ich mich nicht mehr. Auch bin ich das Reden satt, das nicht fähig ist zu beschreiben was meine Seele entzweit. Worte die bei anderen Menschen nicht einmal vermögen die Oberfläche anzukratzen. Kein Wort vermag es meine Pain zu lindern, zu beruhigen oder zu trösten. Doch kann ein einziges Wort kränken, verletzen, zerstören und die Hoffnung zerschmettern.

Die Welt ist bunt, keiner geizt mit Reizen, erst recht nicht dann wenn sie damit bezwecken für sich zu werben. Jeder versucht sich ins rechte Licht zu stellen, ungeachtet dessen, das manche nicht einmal einen kleinen Lichtstrahl erhaschen können. Sie sonnen sich mitten im Leben mit Zufriedenheit und Stolz während andere frierend, in einem vom Winter gezeichneten Wald mit nassem Boden sitzen, ohne jeglichen Schutz, wärmende Erinnerungen und der Gewissheit das niemand nach ihnen suchen wird.

Meine Wut wätzt das Messer mit dem ich all die anderen, schlechten Gefühle verschwinden lasse... Mein Schmerz bestärkt mich in dem Vorhaben ihn durch einen anderen zu ersetzen. Für einen kurzen Moment bin ich frei, frei von all den beklemmenden, zerschmetternden Gefühlen und Gedanken.
 
Beitritt
25.09.07
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Hi BurningSoul!

Auch ich lese voller Mitgefühl, hatte doch auch ich eine total sch... (sorry) Kindheit :mad:.

Wenn Du magst kannst Du hier (Beitrag #13)

https://www.symptome.ch/vbboard/nachdenken/13589-spuren-sand-2.html#post114384

eine Kurzform meiner schrecklichen Zeit lesen. Das passt zwar nicht unbedingt perfekt zu Deinem Thema, jedoch fand ich selbst es bis jetzt immer tröstlich nicht "alleine" zu sein :mail:.


Liebe Grüße :wave:.

Heather
 
regulat-pro-immune
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10.01.04
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Hallo BS,
Du schreibst irgendwo, daß Du total schwach und kraftlos bist.
Hast Du denn eine Ahnung, was daran alles beteiligt ist? Ißt Du einigermaßen ausgewogen? Wie versorgst Du Dich? N immst du Medikamente? Bewegst Du Dich oder sitzt Du meistens zu Hause herum?
Hast Du eine ärztliche Betreuung, die auch auf Deine körperliche Verfassung achtet und Dir so ab und zu mal das Blut abnimmt?

Grüsse,
Uta
 
Themenstarter
Beitritt
27.03.08
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Hallo Uta,
ich kann mich nicht ausgewogen ernähren, dafür hab ich viel zu wenig Geld. NUr gehts schon Jahre so mit der Ernährung, da denk ich mir das wenn das damit zusammenhängt eher hätte auftreten müssen. Medikamente nehme ich, ja, zur Nacht Atosil und ansonsten nur Medis zu Bedarf. Ich war eigentlich immer recht aktiv, viel unterwegs und hab zwischenzeitlich gearbeitet. Seitdem ich mich so schlapp und müde fühle, haben natürlich auch Aktivitäten abgenommen.
Ich war letzten Freitag beim Arzt und es wurd Blut abgenommen, MIttwoch muss ich zur Besprechung der Werte. HOffe das da was bei rumkommt (hoffentlich nichts schlimmes) wenns nur auf Grund von irgendwelchen Mängeln in der Versorgung ist lässt sich das ja schnell wieder beheben.
Werd dann auch berichten nach der Besprechung.

LG BS
 
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Mein 15es Lebensjahr: Die Psychiatrie
Es war glaub ich Mai oder Juni. Mama eine Betreuerin und ich hatten ein Aufnahmegespräch. Mama unterschrieb mir sogar das ich in Begleitung 3 Zigaretten und wenn ich alleine raus durfte 5 Zigaretten am Tag rauchen durfte. Zuerst kam ich mit Jaqueline und Sarah auf ein Zimmer.
Sarah war 13, glaub ich, sie hatte einen Nervenzusammenbruch und eine schwere Krankheit. In ein paar Jahren würde sie in einem Rollstuhl sitzen. Dazu war sie auf einem scheiß Internat indem man sie in den Keller einsperrte wenn sie sich nicht an die Regeln hielt und sie hatte eine nicht allzu prickelnde Familie.
Jaqueline hatte versucht sich umzubringen, sie hatte auch Probleme in der Familie, sie war 14, glaub ich.

Am ersten Abend konnte ich nicht schlafen. Frau H.
machte mir eine heiße Milch mit Honig. Sie redete mit mir, sie kümmerte sich, so was kannte ich nicht, aber es tat gut.
Ich lernte Alternativen zu den Selbstverletztungen kennen.. . Ich war nicht lange dort, denn ich hatte fürchterliche Rückenschmerzen. Die Psychologen und Ärzte stellten mich vor die Wahl. Wenn ich das mit meinem Rücken klären wollte sollte ich gehen, entlassen werden. Wenn nicht könnte ich da bleiben. In der Nacht wo ich drüber nachdenken sollte hatte ich starke Rückenschmerzen. Ich entschloss darauf zu gehen.

Ich musste in die Bereitschaftspflege in eine Pflegefamilie. Die beiden Ältesten der Pflegefamilie boxten mich und schickten mich rum. Hätte ich nicht gekuscht, hätten sie mich geschlagen. Davor warnten mich die anderen Mädchen. Die Pflegemutter war fett, lag nur auf der Couch, rauchte eine nach der anderen und trank nach jeder Mahlzeit einen Korn. Einmal schmissen die Jungs einige Sachen von mir in den Garten. Petra, die Pflegemutter beschuldigte mich, denn sie dachte ich wollte nur Aufmerksamkeit, ihre Jungs würden so was nicht tun. Den ganzen Tag durfte ich putzen, selbst in den Ferien hatte ich kaum Freizeit. Petra lag nur faul auf der Couch.

Ich hab mich beim Jugendamt beschwert und gesagt dass ich da weg will, doch sie haben mir nicht geglaubt, denn ich wollte ja nur Aufmerksamkeit. Wie blind sind die Leute eigentlich?! Die Familie wird überprüft und es gab nur positive Feedbacks. Klar wenn einem gesagt wird was man sagen muss wenn das Jugendamt kommt.

Nach zwei Wochen wurde ich da Gott sei Dank rausgeschmissen. Eine Bereitschaftspflege ist für max. 2 Wochen. Das Jugendamt wollte noch einen Schutzstellenaufenthalt nicht zahlen, also musste ich zu meinen Großeltern, obwohl ich Abstand von meiner Familie haben wollte.

Ich bemühte mich wieder in die Psychiatrie zu kommen. Klingt komisch, ist aber so. Dort kümmerte sich wenigsten jemand um mich, dort war ich mit mir nicht alleine. Ich bekam Angst vor mir selber und es ging mir beschissen und deswegen wollte ich zurück. Nach einem langen Gespräch nahmen sie mich wieder auf, das war im August 2002, glaub ich.

Ich war ein paar Tage in der Psychiatrie, da hatte ich einen totalen Zusammenbruch. Was ich jetzt berichte weiß ich auch nur aus Erzählungen, denn Erinnerungen besitze ich nicht mehr. Ich weiß nur noch dass sich die Geschehnisse aus meiner Vergangenheit in meinem Kopf immer und immer wieder wiederholten. Ich weinte. Ich sagte noch Jaqueline sie solle mir Eiswürfel bringen. Das war eine Alternative zu Selbstverletztungen, Eiswürfel in der Hand zerquetschen. Ab dann weiß ich nichts mehr.
Mir hat man erzählt das ich meinen Kopf immer wieder gegen die Wand geschlagen habe und laut geweint habe, wie ein kleines Kind habe ich geschrieen. Dann soll ich noch fast den Schrank kaputt geschlagen und getreten haben.

Als ich wieder aufwachte hatte ich einige Milligramm Truxal intermuskulär intus (Ein Neuroleptikum zur Ruhigstellung). In Datteln hatten sie kein Fix- Bett nur Medis, Gott sei Dank. Ich war auf der Geschlossenen.
Ein paar Tage später hatte ich ein Gespräch mit meiner und einer anderen Psychologin, Frau F. Sie wollte meinen Fall unbedingt übernehmen. Sie war sehr jung und mir viel sympathischer als meine alte Psychologin, deswegen stimmte ich zu. Mit Gesprächen war nicht viel, da die viel zu viel zu tun hatten. Also hatte ich ca. 1-2-mal die Woche ein Gespräch. Die Betreuer waren ja auch noch da. Frau L. meine Bezugsbetreuerin kümmerte sich meiner Ansicht nach nicht. Immer wenn ich das Bedürfnis hatte zu reden sagte sie ich sollte es aufschreiben.
Ich verletzte mich wieder. Ich rubbelte mir mit einem abgebrochenen Stück von einem Kugelschreiber die Arme auf. Wieder bekam ich Truxal und schlief erstmal so 12 Stunden, so waren die Regeln eben. Ich fand Gefallen daran zu schlafen. Ich verletzte mich immer öfter um Truxal zu kriegen. Der Schlaf war wenigstens schmerzlos.
Rausgehen und rauchen durfte ich auf Grund meines Verhaltens eh nicht mehr. Die Gespräche mit Frau F. taten sehr gut. Ich mochte sie sehr, mehr als man eine Psychologin mögen sollte. Ich hatte sogar Sehnsucht nach ihr. Naja ich hatte eine derbe Depression, Selbstmordgedanken, ich durchlebte jeden Tag die scheiss Situationen meines Lebens wieder in Tagträumen, Flashbacks und in den normalen Träumen. Viele hatten es noch schlimmer als ich, aber für mich war das schon die Hölle.

Papa war wieder der Alte. Er versprach mir mich besuchen zu kommen und ich wartete die ganze Besuchszeit über und er rief noch nicht einmal an. Mama kam zwar relativ regelmäßig, aber immer log sie sich selbst was vor, war wie immer in einer anderen Welt, eine andere Persönlichkeit. Das zog mich mehr runter als sonst was, ich bekam auch eine Kontaktsperre zu ihr. Das einzige was ich hatte waren die leeren Versprechungen meines Vaters und ganz selten der Besuch meiner Tante mit meinen Großeltern.
Ich wollte aber nicht dass sie kommen, denn ich wollte nicht dass sie mich so sehen, ich wollte ihrem Glück nicht im Wege stehen.

Ich vegetierte so vor mich hin, schlief nur und wenn ich wach war saß ich in meinem Zimmer oder verletzte mich. Die Psychiatrie war das grausame Aufwachen aus einem Traum von Hoffnung, den ich bis dort hin noch hatte:
Alles ist nur eine Phase, irgendwann werden wir wieder eine richtige Familie sein. Ich sah mich selbst aus der Vogelperspektive, als liefe ein Film und ich realisierte, das schmiss mich um. Und doch waren Gefühle für mich was Fremdes. Ich kannte nur noch den körperlichen Schmerz und weinte.

Nach 3 Monaten Geschlossene raffte ich mich auf, wegen Frau F. Ich wollte nicht ihr erster hoffnungsloser Fall sein, ich mochte sie und tat’s für sie. Ich lebte so oder so nur noch für andere Menschen. Ich konnte mich nicht umbringen, ich konnte die Bilder von den tränenüberlaufenden Gesichtern meiner Familie nicht ertragen. Auch wenn ich sie hasste, ich liebte sie und wollte ihnen nicht wehtun. Ich schrieb viele Gedichte in der Zeit.

Im November 2002 wurde ich entlassen. Frau F. hat mir zum Abschied ein Tagebuch geschenkt mit ein paar Worten und ihrer Adresse. Im letzten Gespräch sagte sie das ich was Besonderes sei. Sie wollte mit mir Kontakt halten und wir wollten uns irgendwann mal wieder treffen. Dann, wenn ich stabil bin, aber soweit kam es erstmal nicht.

Das Jugendamt hatte endlich eingesehen das ich zu Hause nicht mehr bleiben kann. Es ist was passiert, ich kam in die Klapse, dass passiert in meinem Alter nicht einfach so. Als ich entlassen wurde hatte das Jugendamt noch keine passende WG, obwohl sie es mir versprochen hatten. In der Hinsicht war das Jugendamt wie mein Vater, nur leere Versprechen.
Ich sollte zurück in die Pflegefamilie. Das wollte ich nicht. Wieder ging ich zu meinen Großeltern.
Irgendwann im Dezember hatte ich ein Probewohnen in einer WG in Gogh. Da war es grausam. Vor dem Jugendamt, haben sie die WG so gut dargestellt, das ich mich auf das Probewohnen freute. Das Haus war schon komisch, das war eine alte Kirche, die umgebaut wurde. Als das Jugendamt weg war wurden die Türen abgeschlossen. Nur die die schon lange da waren durften raus. Vor dem Jugendamt hatten sie gesagt das ich jeder Zeit raus darf. Bis 22 Uhr, da ich erst 15 war. Die Realität, sie haben uns weggesperrt wie Tiere. Nach dem Probewohnen habe ich ganz klar gesagt, wenn die mich dort lassen würden, könnten sie mich gleich wieder einweisen.
Gott sei Dank musste ich dort nicht bleiben. Ich ging wieder zurück zu meinen Großeltern.

Dadurch dass ich von zu Hause weg war, war mir klar geworden das es keine Familie mehr geben würde. Dazu war es Dezember, Weihnachten stand vor der Tür, das Fest der Familie. Das hat mich noch mal umgeworfen. Ich fühlte mich wie ein kleines Kind, die ganze heile Welt lag vor meinen Füßen in Scherben. Ich war psychisch noch labil, ich hab’s nicht ausgehalten.

Diesmal ging ich zu meiner Hausärztin und lies mich einweisen. Ich sagte ihr dass es mir nicht gut ginge und dass ich nicht weiß was passieren kann. Ich wollte nicht wieder mit mir alleine sein, ich hatte Angst davor mich eines Tages so schlimm zu verletzten das ich mich umbringen würde.

In der Zeit wo ich bei meinen Großeltern war, konnte ich nicht schlafen. Ich schlug mir eine Nacht nach der anderen um die Ohren. Die Gedanken kreisten immer schneller. Immer öfter dachte ich darüber nach meinem Leben und dem ganzen Schmerz ein Ende zu setzten. Ich war kein ganzer Mensch mehr. Ich bin so sensibel, ich brauche eine Familie. Mit ihnen kam ich nicht klar und ohne eine Familie (nicht Personenbezogen, einfach eine Familie, damit muss ich nicht meine Mutter oder meine Geschwister meinen) sterbe ich innerlich. In einer der schlaflosen Nächte schnitt ich mir großflächig in den Bauch. Ich wollte das nicht mehr, aber ohne den Schmerz fühlte ich mich so leer und nur die Schnitte konnte meine Gedankenkreisläufe für eine kurze Zeit beenden.


Ich war total verwirrt und froh dass ich in der sicheren Klinik war. Ich kam am 10.12 dort hin. Ich blieb auch nur für eine Woche, dann haben sie mich wieder in die kalte grausame Welt, nach draußen geschickt.
Ich wurde in das St. Agnes Heim in Oer-Erkenschwick (Kreis Recklinghausen) entlassen. Ich musste mir das Zimmer mit zwei jüngeren total zickigen Mädchen teilen. Mir stand nur das Bett und ein kleiner Schrank zu. Den Rest beanspruchten die Beiden.

Die Betreuer setzten mich Konflikten aus die völlig unnötig waren, ihnen hatte das wohl Spaß gemacht. Ich sollte den Mädchen sagen dass sie ihr Zimmer aufräumen sollten. Von mir haben sie sich natürlich nichts sagen lassen. Deswegen durfte ich dann nicht raus. Dann war da noch so ein ekeliger Typ, Timo. Er war auf den Strich gegangen, Alkoholiker und erst 17. Alles was er sagte hatte mit Sex zu tun. Z.B sagte er währenddessen er eine Mandarine aß: Mmmmhhhh Mandarine, noch eine junge, so süß und spritzig. Dabei guckte er mich an als würde er gleich auf mich drauf springen.

Dann waren da noch zwei, Fathi und Sarah, sie missbrauchten ein Mädchen nur weil sie sie nicht leiden konnten. Fathi pisste ins Bett und sie musste sich reinlegen, sie schnitten ihr die Haut auf, fackelten ihre Haare ab und sie musste Fathi anfassen. Sie hat auch noch die Schnauze gehalten. Das ist erst aufgefallen als sie in der Schule zusammen gebrochen ist. Auch mir machten sie Angst. Dazu kam noch die neue Schule. Als ich in die Klasse kam begrüßte mich Richie, ein Schüler mit den Worten: Dich fick ich auch noch!

Wir haben im Deutschunterricht Gericht gespielt. Ich habe natürlich den Zettel gezogen wo Richter/in draufstand. Ich sollte jeden rausschmeißen der stört. Richie zog sich die Hose runter und demonstrierte mit dem nackten Arsch seine Abneigung gegenüber dem Gesetz. Ich sagte er solle den Saal verlassen, denn der Lehrer und andere Schüler haben das auch gesagt. Er sagte er habe doch nichts gemacht. Da sagte ich er solle den Saal verlassen oder ich müsse ein Ordungsgeld verhängen (habe ja oft genug Barbara Salesch geguckt!).
Nach der Schule hatte Richie mich dann verfolgt, mit einem Messer. Er schrie mich an was ich mir einbilden würde, ich wäre doch nur ne hässliche Neue die gerade mal ein Tag da ist. Er fragte mich ob ich nicht wüsste wer er sei.

Sein Vater unterstützte die Schule finanziell, Richie konnte sich alles erlauben. Er schlug sogar Mädchen. Von dem Tag an verfolgte er mich jeden Tag und machte mir ordentlich Angst. Sicherlich war das genau die richtige Situation für meine Verfassung.

Ein paar Tage später war ich nur noch abwesend, realitätsfremd. Ich wollte mir die Pulsadern aufschneiden. Ich schnitt tief ins Fleisch. Das Blut holte mich in die Realität zurück. Ich bekam einen Schock und ging runter zu einer Erzieherin, meine Bezugserzieherin. Sie wies mich wieder ein.
Ich war wieder nur ein oder zwei Wochen da, dann musste ich zurück ins Heim.

Es verging eine Woche im Heim, da habe ich mich bis mitten in die Nacht mit Frau A. unterhalten. Das war die einzige Erzieherin die ich mochte. Ich wollte nicht mehr, hatte eine fette Depression. Dann ließ ich mir Truxal geben. Ich hatte das als Bedarfsmittel verschrieben bekommen. Danach ging ich auf mein Zimmer, holte alle Medikamente die ich noch hatte und packte sie in meine Kulturtasche. Ich ging ins Bad, schluckte zwei Flaschen Kreislauftropfen und mehrere verschiedene Schmerzmittel. Ich studierte vorher ausführlich was bei einer Überdosierung passieren würde. Bei den Kreislauftropfen müsste eine Tachykardie eintreten, bis hin zu Herzstillstand und bei den Schmerzmitteln eine Herzrythmusstörung, Bluthochdruckund Schwindelanfälle. Die Medis unterstützten sich Gegenseitig in der Wirkung die ich haben wollte. Mein Herz hätte also rennen müssen mit Aussetzern und irgendwann hätte mein Herz stehen bleiben müssen.

Später kam Frau A. noch mal hoch. Sie fragte mich ob alles in Ordnung sei. Ich sagte ihr dass ich Angst habe. Mein Herz schlug schon schneller und das Atmen viel schwer. Sie sagte ich bräuchte keine Angst haben, sie wäre doch bei mir. Das trieb mir die Tränen in die Augen und mir tats auch irgendwie leid für sie, dass einer der Erzieher mich am nächsten Morgen tot auffinden würde. Dann ging sie wieder runter.
Ich blieb lange Zeit noch wach. Mein Herz raste. Schweißperlen tropften mir von der Stirn. Ich lauschte genau meinem Herzschlag: bum bum bum bumbum. Es schlug total unregelmäßig. Ich betete das Gott mir verzeihen würde, betete für meine Mutter und meine Schwester. Irgendwann schlief ich ein.


Denke ich schreib später noch weiter... Aber is auch schon wieder ne Menge geworden. Wills endlich mal ausführlich, mit allem an das ich mich erinnern kann aufschreiben. ich versuche mich an die Gefühle und Gedanken zu erinnern. Vielleicht hilfts mir auch in der Therapie wenn ich meiner Therapeutin das geschriebene mal gebe...
und mal wieder, so long
BurningSoul
 
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Ja, so long, BS, aber Dein Bericht kommt mir gar nicht lang vor, so traurig-spannend ist er. Deine Therapeutin wird auf ihre Weise entzückt sein, wenn sie diesen Bericht liest.

Vielen Dank und Grüsse,
Uta
 
Themenstarter
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Ich habe als Kind viele kleine, aber auch mal größere Geschichten geschrieben. An eine kann ich mich noch grob erinnern. Die Abenteuer von Affenfreunden im Dschungel. Bin sehr früh mit dem Schreiben angefangen. So seitdem ich 11 oder 12 bin, schreibe ich songs. Meist sind mir die kompletten Songs, also Text und Melodie rasendschnell eingefallen. Meist wenn ich auf dem Fahrrad saß. Und von den Melodien her waren das die besten Songs die ich je geschrieben habe. Ein Song habe ich sogar 2 stimmig geschrieben. Naja die Texte sind teilweise pubertär, aber dann doch wieder schrecklich erwachsen und hoffnungslos.
Seitdem schreibe ich ständig irgendetwas, mal weil ich musste (Tagesrückblick und schriftliche Aufgaben in der Psychiatrie oder Schule) und sonst um mir Luft zu machen oder weil mir kreative Gedanken durch den Kopf gehen, die ich nicht in dem Vergesssen verschwinden lassen will. Leider vergesse ich viele Sachen. OK, meine Vergangenheit hat sich in jeder Falte meines Hirns eingebrannt, die zeit ca seitdem ich angefangen bin zu schreiben. Davor kann ich mich nur an Teile erinnern und hab teilweise riesengroße Gedächtnislücken. Und viele völlig unwichtige Sachen merk ich mir dann... Schon bekloppt.

Vielleicht sollte ich mich mal wieder an das Theaterstück ranmachen, da ich momentan wieder Worte finde.

Freut mich das dir mein Schreibstil gefällt (mal abgesehen vom Inhalt) und das man es gut lesen kann.

Liebe Grüße, BurningSoul
 
regulat-pro-immune
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Da fällt mir noch was ein... Bevor ich in die Psychiatrie kam, waren noch ein paar DInge. Papa hatte eine neue Freundin die mich nicht leiden konnte. Sie war total dürr und als ich sie fragte warum das so ist sagte sie: Ich hab Bulimie, aber sags nicht Papa. Ich weiß nicht wie alt ich da war. Aber so mit 13 war ich ein Wochenende bei Papa. Er hatte mir eine riesige Pizza geholt, die ich unbedingt haben wollte (Tiefkühlpizza). Am Sonntag hatte ich die noch nicht gegessen und da wurde Papa sauer und meckerte wofür er die dann gekauft hätte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und hab sie gegessen. Mir war so schlecht, konnte mich aber von allein nicht übergeben. An dem Tag ging ich zum ersten mal aufs Klo um mir den Finger in den Hals zu stecken.

Danach fing ich an mir kegliche Nahrung zu entziehen, ich versuchte auch das trinken sein zu lassen. Da ich schon beim Jugendamt war und die mich nicht ernstgenommen haben, wollte ich denen einen Grund geben, bzw. verdeutlichen wie schlecht es mir geht. Ich habe darauf gesetzt umzukippen. Hab Kapseln mit Kiselerde aufgemacht und mit Salz gefüllt und die mir so wenig Wasser wie möglich geschluckt, in der Hoffnung das mir das viele Salz die letzte Flüssigkeit entzieht. Mir war mulmig, schwindelig und ich sah nicht gut aus, aber zusammengeklappt bin ich nicht.

Wenn ich so darüber nachdenke, versetzt es mir irgendwie n Schock, was ich in so jungen Jahren alles chon gemacht habe und wie schlecht es mir ging.

So ca. mit 12 bin ich angefangen bei einem Tret-u.Segelboot verleih zu arbeiten. Die hatten ne Terasse direkt am Aa-See mit Tischen und Stühlen, achja und Ruderboote. Kalle, der Chef, beschäftigte nur Minderjährige oder Rentner, die man Lohnmäßig übern Tisch ziehen kann. Ich bekam 5 DM die Stunde, bei schlechtem Wetter bekam ich ne Menge vom Lohn abgezogen, aber bei gutem Wetter und gutem Geschäft kein Zuschuss.
Ich arbeitete, weil wir in einer sehr schlechten finanziellen Lage waren. Ich wollte Mama finanziell unterstützen indem ich soweit es geht für mich selbst sorge. Natürlich hatte das auch Vorteile für mich, so konnte ich mir schönere Kleidung kaufen (und musste nicht abgeschnittene Hosen meines älteren Bruders im SOmmer auftragen) die natürlich auch teurer war. Habe Klassenfahrten auch selbst bezahlt. So z.B die beiden male Schüleraustausch nach England. Meine Mutter wollte sich zur Hälfte an den Kosten beteiligen, sie hatte das Geld nicht und versprach mir, mir das Geld zu geben wenn sie die Möglichkeit hat. Das habe ich nie gesehen, auch die anderen Schulden die meine Mutter bei mir hatte.
Als ich schulden bei ihr machten, wegen nem neuen Fahrrad, schrieb sie es feinsäuberlich auf. Nur die Notizen über den Betrag den sie mir schuldete war verloren gegangen. Meine Mutter sagte das wenn sie das recht in Erinnerung hat, die Schulden beglichen waren. Da hat sie sich nicht richtig erinnert. Ich habe ihr aber nicht widersprochen, das hätte eh nichts gebracht außer Ärger. Also ließ ich es sein.

soweit zu dem was ich vergessen hatte...
 
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Fortsetzung:
....irgendwann schlief ich ein.
Am nächsten morgen wachte ich auf. Ich überlegte ob ich noch leben würde oder tot sei, sieht so der Tod aus? Scheiße nein! Jetzt hatte ich richtig Angst vor mir selber. Ich bin den Schritt gegangen, ich wollte es und tat es. Ich ging zur Schule. Mir wurde so schwindelig das ich dachte dass ich jeden Moment zusammenbrechen würde. Die Wirkung hatte noch nicht nachgelassen.

Am Nachmittag rief ich Frau H. an. Ich sagte das ich ihr was erzählen müsste aber nur wenn sie mich dann nicht wieder einweisen würde. Denn das mit der Klinik war ein scheiss Kreislauf. Die Klinik wurde für mich zu einer Familie nur das können sie nie sein! Ich musste mich damit abfinden und ich musste ohne sie klar kommen. Sie konnte es mir nicht versprechen. Ich wollte nur wissen was ich tun sollte. Als ich erzählt hatte was an dem vorherigen Abend geschehen ist wollte sie mit einer Erzieherin sprechen. Sie sagte mir dass wenn mir etwas passieren würde, sie sich ins Grab daneben legen würde und sie mit meiner Erzieherin sprechen müsste, sie sollte entscheiden was weiter passiert. Die sprach wiederum mit der Heimleitung und sie wiesen mich wieder ein, das war der 24.01 2003.

Ich sollte meine Sachen packen. Ich weiß nicht warum, aber an dem morgen, bevor ich in die Schule ging, ging ich zum Arzt und ließ mir Medis verschreiben. Ich hatte die Medis in einen Koffer mit Zahlenschloss gepackt. Den Koffer hatte mir meine Mutter mitgebracht da dort viel geklaut wurde. Als ich meine Sachen packte stand die ganze Zeit eine Erzieherin hinter mir. Ich ging runter und sagte dass ich noch ein Bild von meiner Familie vergessen hatte. Ich ging schnell nach oben und packte die Medis in die Tasche. Ich hatte sie gerade weggesteckt, da kam auch schon die Erzieherin wieder, Schwein gehabt.
Ich wollte so nicht mehr leben in diesem scheiss Kreislauf. In der Klinik mussten wir unten in der Aufnahme warten. Ich sagte ich müsste auf Toilette, ich durfte sogar alleine gehen, aber nur mit dem Versprechen das ich nicht abhauen würde. Ich sagte nur das das jetzt eh keinen Sinn mehr hätte, außerdem wo sollte ich hingehen, ich kannte dort doch niemanden. Ich ging auf die Toilette und schluckte noch alles was ich dabei hatte.

Dann kam ich wieder auf die Station. Ich sagte nur dass ich die Kreislauftropfen am vorherigen Abend geschluckt hatte. Sie schlossen mich an ein Überwachungsgerät an. Ich fragte ob ich Truxal bekommen könnte da es mir total schlecht gehen würde und ich nicht wüsste was passiert wenn ich nicht ruhig gestellt werden würde. Natürlich mit dem Hintergedanken das Truxal mit den anderen Medis besser reagieren könnte. Die Ärztin setzte sich mit der Vergiftungszentrale auseinander und ich bekam Truxal.

Am nächsten Morgen wachte ich wieder auf. Die Ärztin machte mich komisch an als wäre ich bekloppt. Ich war doch nur ein gebrochenes Kind, keine Verrückte! Ich war so sauer auf sie das ich ihr sagte: Schade das ich nicht tot bin. Übrigens ich habe vorgestern noch andere Sachen geschluckt, nicht nur die Kreislauftropfen und Gestern auf der Toilette noch mal ne Packung Schmerzmittel und irgendwas anderes. Achja und dann habe ich ja noch Truxal bekommen.
Die hat sich natürlich voll den Kopf gemacht, denn wäre ich gestorben wäre sie mit dran Schuld gewesen. In dem Moment tat mir das auch nicht Leid für sie. Ich hatte auch nicht drüber nachgedacht in welche Situation ich sie damit bringe. Deswegen musste ich dann mit diesem scheiss Gerät auf dem Flur vor dem Betreuerzimmer liegen.

Dann kam ich mal wieder auf die Geschlossene, dort musste ich auch mit dem Schiebebett auf den Flur. Frau F. war schon nicht mehr da, die war in einer anderen Klinik in Brandenburg. Über einen Brief der an die Ärztin gerichtet war brach sie den Kontakt zu mir ab. Es sei besser für mich, sonst könnte ich mich nicht auf eine andre Psychologin einlassen. Das teilte mir dann die Ärztin mit. Ich weinte tagelang, das brach mir das Herz.

Von da an hatte ich wirklich kein Bock mehr aufs Leben. Ich bekam die Aufgabe drei Seiten darüber zu schreiben was ich am St. A. Heim gut finde und wie die Erzieher merken können wenn es mir schlecht geht. Wie sollte ich diese Aufgabe erledigen? Ich hasste das St. A. Heim und wollte unter keinen Umständen dort hin zurück. Der Chefarzt sagte dass ich entweder dort hin zurückgehe oder ich muss in ein Heim für seelisch Behinderte, doch ich war doch nicht behindert! Dort wäre es kein Leben mehr gewesen. Ich habe mich dort liegen sehen mit einem Blasenkatheter, total aphatisch und keinen Bock mehr aufs Leben. Hätte ich dahin gemusst wäre es so gewesen als hätte ich ständig unter Truxal gestanden, nur aphatisch, weggetreten oder am schlafen.

Letztendlich war das auch das Ergebnis des Familiengesprächs, entweder oder. Das Familiengespräch fand ohne Familie statt. Die Ärztin, die Psychologin, der Chefarzt, eine Betreuerin, Frau W. vom Jugendamt plus Auszubildende und ich nahmen teil. Ich musste ein Protokoll für meine Mutter schreiben. Sie schrieb zurück. Ich hasste diesen Brief! :

Hallo Sandra,
ich habe heute mit Frau K. gesprochen um mich über das Ergebnis des Termins zu informieren.
Nach der Schilderung durch Frau K. hatte ich den Eindruck, dass Du meinen Standpunkt, nämlich: entweder das St. Agnes Heim oder das Heim für seelisch Behinderte, immer noch nicht klar hast.
Mit aller Deutlichkeit schreibe ich Dir jetzt, dass die Möglichkeit zurück nach Hause zu kommen, nicht besteht.
Mein Gefühl sagt mir, dass Du glaubst, so hart kann Mama gar nicht sein und es zu lassen, dass ich in dieses Heim muss.
In der Tat fällt mir diese Entscheidung nicht leicht. Doch ich bin mir sicher, dass es falsch wäre wenn Du wieder zu uns zurückkommen würdest. Es wäre weder gut für Dich, noch für deine Geschwister und mich. Du hast noch viel zu lernen und diese Dinge kann ich Dir nicht vermitteln. Ich bin damit überfordert.
Die Entscheidung wie es für Dich weitergeht kannst Du nur allein treffen. Von meiner Seite gibt es nur das Entweder-oder.
Ich hab Dich lieb und drück dich ganz fest.
Liebe Grüße
Mama

Die Grüße kannste dir in den Arsch stecken. Ich wollte nach Hause, nachdem du gesagt hast das ich dir fehle und dann hast du mich wieder abgestoßen. Dann die tolle Aussage: 1. Stell dir unsere Familie wie ein Bild vor, ohne dich fehlt da was, das Bild ist nicht komplett und 2. wenn du nicht zurück kommst bekomme ich das und das Geld nicht mehr... Du hast mich an dich rangezogen und abgestoßen, rangezogen und abgestoßen! Ich will doch nur nicht in das Heim für seelisch Behinderte oder in das Agnes Heim zurück! Ich will nur in ein anderes normales Heim, dass heißt wenn es so was wie ein normales Heim gibt. Aber ist klar, dass du so was schreibst. Ich bin krank und an allem schuld, wie sollte es auch anders sein. Aber wer hat mich zu dem gemacht was ich bin, wer hat mich erzogen, wer hat mich krank gemacht? Wegen wem verletze ich mich selber? Hast du dir die Fragen schon mal gestellt? Es ist auch klar dass du jetzt wieder die arme Mutter mit einem kranken Kind bist, überfordert, dass ich nicht lache. Das warst du schon immer, du solltest auch eine Therapie machen, das wäre gut für dich. Wenn du das nicht machst ist es nicht gut für dich, aber ich bin nicht die jenige die nicht gut für euch ist, Mama das bist du! Außerdem wäre es richtig wenn ich zurück zu meinen Geschwistern gehe! Denn die muss ich jetzt mit dir alleine lassen und das ist nicht gut für meine Geschwister!

Das war meine gedankliche Antwort auf den Brief die auch seine Richtigkeit hat.

Die Zeit in der Klinik, ich glaube das war der 5te Aufenthalt, war die schlimmste. Ich lag den ganze Tag nur im Bett, sprach tagelang kein Wort. Mein Kreislauf war so runtergefahren, dass wenn ich dann Truxal bekam ich tagelang schlief. Dann mussten sie mir wieder etwas für den Kreislauf geben. In dem Aufenthalt wurde auch ein Antidepressiva angesetzt. Ich merkte keine Veränderung.

Dann raffte ich mich auf, spielte den Leuten vor das es mir besser ginge. Ich erledigte meinen Tagesplan so gut es ging. Bald durfte ich wieder rauchen gehen. Im März durfte ich für ein paar Stunden täglich auf die Offene.

Meinen Geburtstag musste ich dann halt auch in der Klinik feiern, wenn man das so nennen kann. Papa ist einmal aufgetaucht und das sogar fast pünktlich, das wäre ein Grund zum feiern gewesen.

Zwei Tage später hatte ich eine Belastungserprobung. Ich musste jeden Tag für vier Stunden in die normale Schule, zu Richie. Ein paar Leute konnte mich leiden, die haben sich auch rührend gekümmert.
Am Wochenende hatten wir dann wieder ein Gespräch. Ich habe die Leute überzeugen können das ich noch ein paar Tage länger in die Schule gehen darf. In der Woche zuvor bin ich morgens öfters zum Arzt gegangen und habe mir wieder Medis verschreiben lassen, außerdem hatte ich die Antidepressiva nicht geschluckt, ich hatte sie wieder ausgespuckt und aufbewahrt. Ich musste es mit Medis versuchen, denn zum springen war ich zu feige. Außerdem wollte ich unter Schmerzen sterben, das hatte ich verdient.

Am Montag bin ich vor der Schule ins Heim gegangen und habe mir mein Taschengeld abgeholt. Dann habe ich mir auch noch alle Medis eingesteckt die ich die Woche zuvor gesammelt hatte. Das Taschengeld hatte ich letzte Woche auch schon mal abgeholt, da die Erzieher keine Zeit hatten das vorbeizubringen. Ich ging an dem Morgen zum Kiosk und holte mir einen Flachmann Korn. Ich sagte dem Kiosktypen das der für einen Chemieversuch sei. Dem war das relativ egal, Hauptsache er machte Kohle. Dann fuhr ich nach Recklinghausen. Ich ging in die Stadt, kaufte mir zwei Bierdosen und eine Cola.

Dann schrieb ich noch einen Brief an Frau Fl. Ich hatte keinen Abschied bekommen als sie den Kontakt abbrach. Das fand ich scheiße von ihr. Deswegen musste ich einen Abschiedsbrief schreiben, sonst wäre ich ja um nichts besser gewesen.
Ich trank die Bierdosen währenddessen ich einen Platz suchte wo ich unbemerkt sterben kann. Irgendwann fand ich eine abgelegene Garage die leer stand. Eine Bierdose hatte ich aufbewahrt, damit ich darin den Alk mit den Medis mixen kann.

Dann spielte ich mit vielen Leuten die ich kannte. Ich machte zweideutige Anmerkungen. Dann rief mich Julia aus meiner Klasse an. Die Klasse wusste natürlich Bescheid. Der Klassenlehrer hat der Klapse gemeldet dass ich nicht in der Schule war und meine Mitschüler wurden befragt ob sie wüssten was ich vorhätte oder ob sie wüssten wo ich wäre.
Julia fragte mich wo ich wäre und ich antwortete :weg, bald für immer. Sie sagte noch ich sollte keinen Scheiss machen und das wir doch reden könnten und das ich zur Schule kommen sollte. Ich sagte dass das nicht ginge da ich weit weg bin und ich meinen Cocktail nicht warten lassen wollte. Ich hörte wie Julia im Hintergrund fragte: Cocktail? Dann hörte ich hektisches Geflüster. Dann sagte Julia: Mach keinen Scheiss, wir brauchen dich doch! Ich antwortete: tut mir leid, aber die Flasche ist leer, ich kann nichts mehr für euch tun. Das Blut, das ist so schön, wie es sich den Weg über meine Arme bahnt, so schön warm, voller Leben. Danach verstand ich nicht mehr was sie sagte, ich war zu besoffen.

Ich legte auf, machte das Handy aus. Ich konnte nicht mehr lesen was auf den Flaschen der Medis stand. Ich kippte die Tropfen einfach in die Dose. Danach kippte ich den Rest Korn rein. Das war alles was ich noch hatte. Mit dem Rest schluckte ich alle Tabletten die ich noch hatte. Ich schluckte die Antidepressiva, das waren richtige Klopper mit heftigen Nebenwirkungen: Bei Überdosierung sofort einen Arzt benachrichtigen. Schwere Herzrhythmusstörungen bis hin zum Tod.
Dann waren da noch Schmerztabletten, eine Packung gegen Migräne (höchste Ibuprofendosierung) und eine Packung gegen Unterleibschmerzen, da war auch nicht wenig drin. Das war ein richtiges Buffet an Medikamenten, genau die richtige Henkersmahlzeit für mich.

Ich machte mein Handy wieder an, ich hatte den Cocktail in Ruhe getrunken und die Tabletten geschluckt. Dann rief mich die Kripo an. Sie fragte mich wo ich sei und ich sagte Dorsten und legte auf, bevor die rauskriegten wo ich war. Ich schnitt weiter in die Innenseiten meines Armes in der Hoffnung dass ich die Pulsader aufschneiden würde, denn um gezielt zu schneiden hatte ich zu wenig gesehen. Alles war verschwommen, nichts mehr klar, so wie meine Gedanken. Dann war ich weggetreten.

Ich wurde wach als mein Handy klingelte. Ich konnte nicht erkennen wer das war, doch ich hob ab. Und wer war’s? Mein Vater. Ich konnte ihm nicht sagen was ich getan hatte, denn ich schämte mich zu sehr, außerdem habe ich meinen Vater aus dem emotionalen Scheiss immer rausgehalten. Er war immer meine Zuflucht. Auch wenne er das nicht wusste. Hab oft bei ihm über der Firma gepennt, sagte meiner Mutter das ich dürfte. Ich hatte dort meine Schulsachen, da die Firma (über der er jahrelang gewohnt hat) in der Nähe meiner Schule war und ich so die Schultasche nicht so weit schleppen musste. Hab oft da gepennt, heimlich, dort war ich allein und hatte Ruhe. Ich hab ihn fern gehalten von all den Problemen. Ich idealisierte meine Vater und wollte partou mein selbstaufgebautes Bild von ihm nicht verlieren und so versprach ich ihm im besoffenen und benommen Zustand das ich zurück in die Klinik gehen. Ich musste dann zurück, sonst wäre ich doch nichts besser als mein Vater gewesen. Ich musste das Versprechen
halten.

Ich taumelte durch die Straßen, ziellos. Irgendwann kam ich am Bahnhof an, stieg in den Bus. Der war voll von Schülern, keiner hat gemerkt wie beschissen es mir ging. Keiner wollte es sehen, so wie die Jahre zuvor in meinem Leben. Ich viel zurück in die Vergangenheit, mein Leben lief vor meinen Augen ab. Ich dachte dass ich jeden Moment sterbe.
Irgendwie schaffte ich es umzusteigen. Keine Ahnung wie, es war als hätte mich jemand getragen.
Ich kam in Datteln an, betrat das Grundstück der Klinik. Dort traf ich auf eine Praktikantin unserer Station. Sie fragte mich ob sie mich begleiten müsste oder ob ich freiwillig gehen würde. Ich antwortete nur: freiwillig. Ich kam auf die Station. Sofort kam Herr D.auf mich zu und fragte: Was haste geschluckt? In einem total saurem Ton. Warum konnten sie nicht akzeptieren dass ich am Ende war?
Es schien mir eine Ewigkeit zu dauern als ich im Arztzimmer saß. Ich hatte Frau Dr. K. gesagt was ich geschluckt hatte, zumindest die Dinge an die ich mich noch erinnern konnte. Sie telefonierte wieder mit der Vergiftungszentrale. Dann säuberte sie die Wunden. Mein Kopf sank immer wieder weg.
Frau H. saß vor mir, schaukelte die ganze Zeit meinen Fuß mit ihrem und sagte mit einer beruhigenden Stimme: wach bleiben.
Dann wurde mir eine Kanüle gelegt. Ich glaub Herr D. hat mich ins Bett getragen. Ich kann mich noch daran erinnern dass mir ständig jemand in die Augen geblendet hat und mir in den Finger gepiekst hat. Dann fehlen meine Erinnerungen völlig.

Frau I. erzählte mir ein paar Tage später, als ich wieder ansprechbar war, dass ich fast gestorben wäre. Mein Herzschlag war ein paar Mal nur noch auf 20 Schläge die Minute, 80 im Ruhezustand sind normal.
Ich wusste nicht wer ich bin, was ich fühlen sollte, was ich sagen sollte, ich war total verwirrt.

Ein paar Tage später besuchte mich meine Mutter. Ich konnte ihr nicht in die Augen sehen. Sie setzte sich auf einen Stuhl, zog einen zweiten zu sich und bat mich, mich zu setzen. Ich setzte mich, sie zog mich zurück, sodass ich mit meinem Rücken an ihrer Brust lag. Sie schloss mich in ihre Arme und sie weinte. Ich drehte mich um und sah das weinende Gesicht was mich solange vor solchen Taten bewahrt hat. Es war als hätte mir jemand ein Schwert in die Brust gejagt, so weh tat es meine Mutter, die Person die ich hasse und die Mutter die ich liebe, weinen zu sehen. Sie erzählte mir eine Geschichte von einem Mädchen und ich sagte sie könnte ruhig Sandra sagen. Die Geschichte hieß:

Kampf gegen die Schatten
An dem Tag als Sandra geboren wurde waren ihre Eltern sehr glücklich. Sie liebten ihr Mädchen von ganzem Herzen. Sie lebten glücklich und zufrieden. Doch dann änderten sich einige Dinge. Sandra wurde öfter von Menschen die ihr nahe standen und von Freunden enttäuscht. Jeder dieser Enttäuschungen und Verletzungen legten sich wie Schatten auf ihre Seele. Sandra verlor ihre Lebensfreude und wurde immer trauriger. Die Mutter sah diese Veränderungen mit Besorgnis. Als die Mutter merkte, dass sie Sandra nicht helfen konnte, betete sie zu Gott und bat ihn, einen Schutzengel zu Sandra zu schicken. In der Nacht, während Sandra schlief, kam ein Schutzengel zu ihr und pflanzte ihr einen Samen ins Herz. Es war der Samen vom Baum der "inneren Kraft". Der Schutzengel flüsterte Sandra ins Ohr: "Kämpfe und alles wird gut"

Am nächsten Morgen hatte sie die Worte noch immer in ihren Ohren. Sie spürte einen Hauch von Zuversicht in sich. Von diesem Tag an kämpfte Sandra und gewann viele kleine Kämpfe. Die Zauberworte waren: " Ich will wieder gesund werden, ich werde glücklich leben."

Mit jedem gewonnen Kampf wuchs der Baum der "inneren Stärke". Je größer der Baum wurde, umso heller wurde ihre Seele. Die Lebensfreude kam in ihr Leben zurück. Zuversicht und Selbstvertrauen stellten sich ein. Ihre Mutter hat immer an sie geglaubt und nicht aufgehört für sie zu beten.

Wenn jetzt ein Mensch Sandra enttäuscht oder verletzt weiß sie, dass jeder Mensch mal Fehler macht. Der Baum der "inneren Stärke" gibt ihr die Kraft die Enttäuschungen auszuhalten.

Naja, das ist eine nette Geschichte und als Mama noch da war weinte wir und sie umarmte mich, das brauchte ich auch. Aber als sie weg war spürte ich nur noch Hass, denn die Geschichte ist wieder nur eine Ausgeburt einer ihrer Persönlichkeiten, nämlich die Perfekte. Ich glaube ja dass sie mich liebte als ich auf die Welt kam und klein war, aber der Rest ist nichts als eine Lüge. Mama merkte nicht dass es mir von Tag zu Tag schlechter ging. Sie bemerkte es erst als meine Hausärztin von den Selbstverletzungen berichtete und als ich die Überweisung für ein Gespräch in einer Psychiatrie mitbrachte. Außerdem betete Mama nie, nur als sie mit Lothar zusammen war, denn der war streng katholisch. Sie biegte sich selber ja immer so zu recht wie die anderen sie haben wollten, zumindest in Beziehungen. An mich geglaubt hat sie auch nicht immer.

Als sie im St. Agnes Heim sagte, dass sie es gut fände das ich da sei und das sie nun endlich die Verantwortung abgeben könnte, hat sie mich weggegeben und auch aufgegeben. Sie wurde für eine lange Zeit genauso unzuverlässig wie mein Vater. Wie gerne hätte ich diese Geschichte geglaubt. Wie sehr hatte ich mir gewünscht das dass die Wahrheit ist, das ich eine Mutter gehabt hatte die sich gekümmert htte, aber das ist leider nur eine Lüge.

and again so looooong, BurningSoul
 
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Hi, BurningSoul!

Wo bist Du denn?

HALLO, HAAALLOOOOO???

Melde Dich doch mal wieder, wann schreibst Du denn weiter???


LG :wave:

Heather
 
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ups, falschen thread erwischt, habs bei ich und mein knax reingeschrieben, dabei wollte ich es eigentlich hier reinschreiben...:
Sry das ich mich nicht gemeldet hab. bin zu hause voll abgesackt,bin daraufhin zu ner freundin und bin seit dienstag wieder hier. meine mutter heiratet diesen monat und ich muss in nen diazepamentzug... geht nich ohne lügengerüst, denn sie soll sich keine sorgen machen. meine betreuerin hat angeboten alles auf sie zu schieben, da sie ja auch eh keine auskunft geben darf... jetzt muss ich mir einen plausiblen grund finden der nicht so viele sorgen macht und ich muss es schaffen auf die hochzeit zu gehen und gut auszusehen... sie soll unbeschwert sein können an diesem tag und nicht belastet durch sorgen um ihre tochter. will ihr das nich versauen...
morgen muss ich hin... wünscht mir glück...

P.S mit schlafen wird heut wohl nix mehr bei mir...:(
 
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Freitag 09.05.08: Hab mich in die zuständige psychiatrie begeben. die haben das was ich genommen habe auf schlag halbiert von 12 auf 6mg diazepam. dazu tegretal als krampfpräventionsmittel angesetzt. es war keine sucht die wie im buche steht sondern mal wieder ein akt der selbstzerstörung, da ich weiß wie gefährlich die dinger sind. ich fragte nach bedarfsmedikamenten die ich auch verschrieben bekommen habe und zu hause habe, medis die nich abhängig machen.
antwort: gibts hier nicht, is ne suchtstation blub bla... "wenn es mir schlecht geht nehm ich ne tablette..." ich brauch das so selten, aber gerade in so einer situation. wenn ich die geister verfluche die ich rief, wenn ich nicht einfach so rausgehen kann, wenn ich mal wieder in dem gebäude bin wo man die fenster von innen nicht ganz öffnen kann und der selbsthass ins unermessliche steigt. ich bin ja nicht (sry für den ausdruck) junkie und das wars. das is ne ganze menge mehr denke ich und anders als man denkt. wenn man in einer zwischenmenschlichen bruchbude lebt mit dem schild über der tür "lebenserhaltungstriebunfallmanagment" . Die scheiß körperliche Abhängigkeit ist nicht das Problem. Es war auch nicht so das es mir schlecht ging und ich dann eine Tablette nahm. Ich achtete nur darauf sie regelmäßig zu nehmen und so viel wie es geht und dafür hieß es Klinken putzen in allen erreichbaren Praxen allgemeinmedizinischer Ärzte. Erniedrigend... Deswegen wollte ich das wieder loswerden.
In den knapp 4 Stunden die ich nach der Aufnahme nicht raus durfte nur weil die Ärztin es nicht geschafft hat den Satz:" Frau J. darf alleine raus" zu sagen, bin ich fasst durchgedreht. Ich konnte nicht rauchen gehen, konnte bei dem schönen Wetter nicht draußen sein, mich mit positiven Dingen runterkühlen halt.

Dienstag 13.05.08:
Ich hab mich in ein anderes KH verlegen lassen. Dort arbeiten die mehr mit Düften und Homeöpathie. Als ich gehört hab das Oma im KH liegt, war ich ein wenig überfpordet und sprach mit einer Schwester. Ich weiß nicht was es war, aber irgendwas hat hat ein Loch in den sorgfältig verschlossenen und versenkten Kasten gerissen. Der ganze Dreck, den ich lieber vergessen würde, gerade bezüglich Familie war wieder da. Wie Luftblasen die sich vom Grund lösen stiegen sie an die Oberfläche. Die Schwester brach das Gespräch ab und ging. Bevor ich es vergesse. Dort hätte ich 1 Woche nicht raus gedurft, aber die hatten einen Raucherraum, ne riesige Badewanne, große, helle Fensterfronten...
Sie sagte sie käme gleich nochmal wieder. Ich habe geheult wie ein Schlosshund und es nahm kein Ende. Ich ging nach vorn und wurde direkt wegeschickt wegen Übergabe. da fragte die Schwester noch ob ich die Gummis benutzt hätte (das hat es nicht gerade vesser gemacht mit den Flashbacks, bezüglich dieses Wortes in dem Zusammenhang und was weiß ich hat es einige Bilder raufbeschworen) Haushaltsgummis zum fletschen gegen selbstverletzungsdruck. Nun den hatte ich ja nicht, das war was völlig anderes. Posttraumatische Belastungsstörung, was sehr bekanntes und würd scho fast sagen was wissenschaftlich abgeklärtes. das müsste doch so in jeder psychiatrie bekannt sein... dann kam das nachttablett und ewigkeiten danach konnte ich irgendwann schaffen und es war ein wunder dass ich das geschafft hab ohne von einem chiruigen behandelt werden zu müssen. klar, mit sowas muss ich allein klarkommen. aber ich hatte nicht meine mÖglichkeiten, meine Umgebung, ich konnte nicht raus. Und die haben mich vollkommen mit mir alleine gelassen. Am nächsten morgen der 15.05.08 habe ich mich entlassen lassen und den Entzug ambulant gemacht.
Seit Dienstag den 20.05.08 bin ich auf Null und mir gehts einigermaßen gut.

Nunja, dann hat meine Mutter geheiratet. Mama ließ mich im Glauben das ich die erste war die es wusste. Nunja, dem war nicht so, meine Schwester wusste es so ziemlich zu dem selben Zeitpunkt. Meine Mutter wohnt nicht hier in der Nähe, ca 45 Minuten mit dem Auto entfernt. Sie kommt an 1-2 Tagen im Monat hier in die Ecke. Tja und sie hat nichts davon gesagt das keine Gäste erwünscht sind. Hab mich voll gefreut, für die zwei und wollte das nicht verpassen auch wenns nur standesamtlich ist. Einen Abend vor der Hochzeit (die morgens um halb 9 stattfand) hieß es dann, damit hab ich ja garnicht gerechnet blubb... Ich frag mal L. L. sagt nein. Meine Mutter bezieht keine klare Stellenung, lässt ihre Meinung völlig außen vor. Sie haben geheiratet mit einem einzigen Gast, der Vater von dem Mann meiner Mutter. Kein einziger stand mit an ihrer Seite. Und es tat einfach sau weh das ich nicht kommen durfte. Mama meinte noch: welches Kind er lebt es schon das seine Mutter heiratet? Ja, eben! Ich hab mich so für sie gefreut und das was ich von deren Beziehung mitbekommen habe ist einfach nur toll. Keinerlei Einwände.
Und ich mach mir Gedanken wie ich alles von Mama fernhalten kann damit sie ihre Hochzeit genießen kann. Kopp-->Tisch---->Kopp--->Tisch...

Zum Schluss: Ich mach mir viel zu viel Gedanken um andere anstatt für mich zu entscheiden was gut für mich ist. Charakterlich oder was weiß ich, bin ich ein chamöleon, passe mich allem und jedem an. Ich sollte aufhören mit den Gedanken um diejenigen die keinen Einzigen an mich verschwenden...
 
regulat-pro-immune
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Edit: Wegen dem Bedarf in der zuständigen Psychiatrie... Ich habe keinen Bedarf genommen, stattdessen habendie das Catapressan fest angesetzt ( ist eigentlich als blutdrucksenkendesmittel gedacht das aber auch den zereissenden druck in der brust ein weing nimmt). Und dann wollten die mich nicht rauslassen weil mein Blutdruck zu niedrig war 70/40 die meinten das wäre sowieso ein komischer wert und die haben auch 2 mal gemessen... Fest angesetzt für morgends und Abends 75mg. Erkennt ihr da einen Sinn hinter? wenn ich das Medikament nur hin und wieder brauche, warum dann fest ansetzen? Erkenne ich mal sowas von keine Logik drin...

Ich schreib auch bald weiter, was meine Geschichte anbelangt. Mache im moment so viel. Meine Gitarre und ich wir vertargen uns wieder und es sprießen nur so die Ideen bezüglich der Musik für die ganzen Texte die ich in der letzten Zeit geschrieben habe.
dann male ich an nem sehr großeb Bild. Male bei diesem Bild mit Wasserfaarben, Acryl und teilweise Öl-Pastell und Ölfarben. Aquarell will ich auch noch mit einbringen. Kleine und feine Akzente mit Modelliermasse und ich hab Zeitungsausschnitte mit eingearbeitet Collagen ähnlich, zusammengesetzte Wörter, Farblich angegleicht mit Wasserfarben. Und es ist noch lange nicht fertig.

Dann hatte ich in der 2 Klinik einen relativ kurzen Text geschrieben. Einfach so, über ein Mädchen. Dachte auch ich hatte ihn zu ende gebracht. Aber dann kam immer mehr zu und immer mehr und wenn ich weiter so schreibe krieg ich genug Stoff für ein Buch. Ist viel arbeit, denn das was ich jetzt schreibe ist die Grundidee bzw Grundlage aber wenn es ein Buch werden soll dann bedarf es einiges mehr als das.

Joa, eigentlich geht es mir gut. Außer den schon immer dagewesenen tiefen Abgründen, die schlechten Dinge die sich, leider nicht selten, in mir aufbäumen und mich darunter vollkommen zerquetschen. Aber hey, ich stehe immer wieder auf und hab auch Spaß im Leben, es ist nicht mehr alles nur schwarz. Ich kann mich nicht beschweren...
 
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Im Februar 2003 verließ meine Mutter auch noch meine Schwester. Sie zog zu ihrem neuen Freund, Lothar, Sie waren seit einem Jahr zusammen und sie verpisste sich in eine andere Stadt. Sie wollte nicht nur zu dem Mann den sie angeblich liebte, nein sie flüchtete auch vor sich selbst und den ganzen Menschen die sie verlassen hatten. Sie ließ meine Schwester, zurück, dafür hasste ich sie noch mehr. Kathrin ging’s beschissen, mir auch. Sie fragte sich was sie getan hatte das Mama sie verließ.

Ich wurde noch ende März entlassen, kam in die Schutzstelle Hörstel. Da blieb ich einen Monat und dann zog ich in eine Jugendhilfe WG.
Anfangs kümmerten sich die Leute dort, doch das dauerte nicht lange an. Das war die beste WG in der ich jemals war, aber die war auch scheiße. Sie schlossen mich total aus dem Gruppenleben aus. Ich war das einzige Mädchen dort. Sie sagten mir nicht bescheid wenn sie in einen Freizeitpark, nach Enschede oder sonst wohin fuhren. Ich wurde am Wochenende wach und die waren weg. Ich war alleine, anders kannte ich es ja auch nicht, was hätte ich erwarten sollen.

Ein Betreuer hat mich oftmals wegen Nichtigkeiten oder Hirngespinsten von ihm total fertig gemacht. Manchmal kam ich weinend in die Schule. Er schrie mich an mit blutunterlaufenen Augen und mit einer rausquillenden Halsschlagader, so wie meine Mutter und mein Vater damals. Z.B wegen Gefrierbeuteln die ich von meinem Lebensmittelgeld zahlen sollte, was ich eigentlich nicht darf. Denn wenn das Jugendamt eine Kontrollen gemacht hätte und Gefrierbeutel auf dem Kassenbon gestanden hätten, hätte es einen Haufen Ärger gegeben. Aber F. hatte immer Recht und ich Unrecht. Er hat sich immer wieder neue Sachen einfallen lassen weswegen er mich zusammenstauchte. I. z.B. versprach mir zig Dinge und wenn ich sie drauf ansprach hieß es sie hätte mir das nie versprochen, ich würde halluzinieren.

Die ließen mich dort jeden Tag spüren dass ich unerwünscht bin und wenn ich mal ein Problem hatte hörten sie mir nicht zu oder drehten mir daraus noch ein Strick. Als einige meiner Kollegen und Bekannten durch Autounfälle ums Leben kamen, hieß es nur ich könnte nicht mit jedem Mitgefühl haben oder ich solle nicht so tun als wäre ich vom Tod verfolgt. Sie drehten jede Situation zu meinem Nachteil und drehten mir jedes Wort im Mund um. Sie taten alles dafür das ich mich wie ein Stück Scheiße fühle.

Die wollten mich wohl mit allen Mitteln wieder auf dem Boden liegen sehen, aber warum? Viele Dinge werde ich nie erfahren. Das Gruppenleben habe ich nicht mehr so genau geschildert. Das ist eben typisch für Wohngruppen, da sitzt der Keim für Probleme.

Man geht von zu Haus weg in der Hoffnung dass es besser werden würde, dabei bekommt man nur ein Problem anderer Art. Vielleicht schaffe ich es ein eigenes Leben aufzubauen. Das wird nur schwierig, denn um ein Leben aufzubauen braucht man ein Fundament, ein stabiles. Auf Grund meiner Vergangenheit fühle ich mich nicht in der Lage ein Beziehung zu führen. Mein Fundament besteht aus einer nicht vorhandenen Kindheit, einer verwundeten Seele und einem sterbenden Herz.

Sehnsucht
Versteckt hinter der Mauer die ich baute weine ich stumme Tränen. Und doch bin ich der Hoffnung jemand entdeckte die Tränen und trocknete sie.
Meine Seele, verborgen unter der Decke die ich knüpfte, zerbricht wie ein aufschlagendes Glas. Ich wünschte wieder gefundene Zeit, die einst verloren, könnte sie heilen.
Irgendwo, tief in mir drin, wartet ein Kind auf tröstende Worte, heilende Nähe, doch die Wärme scheint erfroren, die Zuneigung vermisst gemeldet, die Liebe verschollen und die Hoffnung gestorben.
Mein Verstand fiel in das Loch das ich grub und die Kraft wehte weg mit dem Sturm. Was bleibt übrig? Eine leere Hülle mit nur einem sterbenden Herz. Allein das letzte Gefühl, die Sehnsucht, lässt mein Herz noch einmal seufzend aufschlagen.

Im Januar 05 zog ich aus. Und damit kann auch der Zusammenbruch im Ziel. Ich hatte noch eine mobile Betreuung, die mir aber nichts als Stress brachte. Nur Vorwürfe, keine Bestätigung oder Unterstützung. Das konnte ich mir auch schenken. Nichts wurde besser. Ich hatte keine Freunde, keine verlässlichen. Wenn es schwierig wurde, ließen sie mich allein. Ich war unbeobachtet und jeden Tag nach der Schule allein.

Ich leide stark an Bulimie. 2 Monate Anfang 2005 waren am schlimmsten, ich nahm 15 Kilo ab, darüber hatte ich mich aber irgendwie auch gefreut, endlich kein Pummelchen mehr.
Jeden Abend hatte ich gesoffen, um die ess-Brech Anfälle zu beenden, rauchte mir einen oder nahm Medikamente, nur um schlafen zu können und den Kopf frei zu kriegen, um dann morgens aufzustehen und mich durch den nächsten Tag zu kämpfen. Meine Fassade bröckelt, meine Maske fällt. Ich krieg mein Leben nicht in den Griff.

Ich hatte mich für eine freiwillige Klinik auf die Warteliste setzten lassen und hab gewartet bis ich im März 18 geworden bin. Am 7. März war ich auch schon in der Klinik. Dort war ich 4 Monate. Die Zeit war schwer aber schön. Als ich wieder draußen war ging mein Leben nach ein paar Wochen wieder seine gewohnten Wege. Das Essen klappte nicht und ich schaffte es nicht die Drogen aus dem Kopf zu lassen...







Ich hab im moment viel zu viele Ideen als das ich an allen weiterkäme. Ich hoffe ich kann bald hier auch noch weiterschreiben.

So long, BS
 
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