Sanft mutig
Ist auch der schwere Mut mir so vertraut,
und musste ich den Heldenmut erringen,
und immer wieder seine Lieder singen,
so lern den sanften Mut ich wieder schätzen.
Nachgiebig wirkt er, eher leis als laut
und kann doch schwere Lasten tragen.
Er bricht nicht ein, mag nicht verzagen
und ist doch stärker ohne zu verletzen.
Er flammt nicht auf, er glüht nur still
und ist im Grunde beinah nicht zu spüren
Er bricht nicht aus, wird kein Inferno schüren,
doch wärmt sein Feuer selbst die kalten Steine.
Es scheint nur so, dass er nicht will,
denn er sucht immer wieder neue Wege,
baut über Schluchten Brücken, über Bäche Stege.
Weil er nicht siegt, gewinnt er alles Feine.
Er ist das Tragende im Schneekristall,
er ist das feine Netz in dem Gewebe,
das sich in Liebe wirkt, auf dass es lebe
in jedem Wassertropfen. In der Fülle
lebt er von Hingabe und Widerhall,
ist unsichtbar und doch von heller Dichte.
Ja, er ist sie, nicht grell und dennoch lichte,
ist daunengleich so leicht und warme Hülle.