Die guten Seiten ungeliebter Menschen

admin

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Ihr werdet auch Menschen in Eurem Umfeld haben, die Ihr nicht sonderlich mögt, ... im Beruf, vielleicht in der Familie, der Verwandtschaft, der Nachbarschaft.
Der Kontakt mit diesen Leuten gestaltet sich dann meist unerfreulich und es stellt sich die Frage, ob man nicht selbst etwas dran ändern möchte. Oftmals spiegelt sich die Antipathie gegenseitig wieder, so dass es gar nicht möglich ist, dass der andere einen mag. Und so verstärkt sich wohl auch eine Antipathie.

Wär's nicht besser, wenn man auch mit diesen Leuten einen guten Kontakt hätte? Ist es möglich, das zu erreichen? Und wie?

Eine Möglichkeit wäre z.B., sich über einen solchen Menschen Gedanken zu machen: welche guten Eigenschaften hat er? (Und er hat bestimmt welche)
Wenn man so einen schönen "Blumenstrauss" guter Eigenschaften zusammen hat, dann wird das Schlechte in ihm bzw. das Schlechte, das wir in ihm sehen, automatisch nivelliert bis zu einem gewissen Masse.
Probiert das mal aus.

Mein Dank geht an Anne für den Impuls zu diesem Wochenthema.

Gruss, Marcel
 
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09.11.04
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Hallo,

ich finde es ziemlich schwierig sich die guten Seiten eines Menschen vorzustellen den man nicht mag.
Ich habe es versucht und dabei festgestellt dass ich die guten Seite nicht kenne. Wenn man jemanden nicht besonders mag dann beschäftigt man sich meistens nicht weiter mit dem Menschen und woher soll man dann wissen was das Gute an diesem Menschen ist?

Sicher könnte man diese Seite "erforschen" und man würde zu dem Schluss kommen das dieser Mensch doch nicht so übel ist......aber meistens ist es doch so das man bei diesen Menschen nur schlechte Seiten findet oder finden will.:idee:
 

admin

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Genau darum geht's. Man gibt sich nicht die Mühe, auch mal das Gute zu sehen. Man fokussiert sich komplett aufs Schlechte und ist froh, über alles was man da findet.

Ich bin sicher, dass Du gute Sachen findest, auch wenn Du Dich nicht lange drauf konzentrierst.

Gruss, Marcel
 
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Wenn ich die Wahl habe, mit Menschen umzugehen, die ich mag oder mit denen ich gleiche Interessen teile, oder mit Menschen, die ich nicht mag und die mir unsympathisch sind, ist für mich klar, mit wem ich ich mich gerne beschäftige.
Wenn ich keine Wahl habe und mich mit "Unsympathen" abgeben muss, werde ich versuchen, gute und starke Seiten zu finden und in den Vordergrund zu stellen. Aber das nun einfach als "Gute-Seiten-Suche" als Zeitvertreib zu machen: nein danke!

Gruss,
Uta
 

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Nein, sicher nicht, um die Zeit totzuschlagen. Und auch nicht für irgendwelche Personen. Aber z.B. für Arbeitskollegen, um welche man einfach nicht rumkommt. Oder vielleicht für die Schwiegermutter ;) ... um das Klischee zu nähren. Also Personen, wo es durchaus was bringt, wenn man sich besser versteht.

Gruss, Marcel
 
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25.10.04
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Hallo,
bei mir traf dieser Fall bei meiner letzten Chefin zu. Ich kannte sie schon bevor ich bei ihr gearbeitet hatte und fand sie ganz schrecklich.
Als ich bei ihr anfing versuchte ich diese Abneigung zu verdrängen, da wir ja miteinander und vor allem ich mit ihr auskommen musste.
Ich habe es in dieser Zeit sogar geschafft sie ein wenig zu mögen. Ich habe nämlich ihre guten Seiten kennengelernt und für mich immer wieder hervorgehoben und die anderen Seiten ausgeblendet.
Jetzt, wo ich nicht mehr bei ihr arbeite, sehe ich die Sache gespalten. Ich bin eigentlich froh nichts mehr mit ihr zu tun haben zu müssen, möchte die Zeit aber auch nicht missen, da ich viel von ihr lernen konnte und sie für mich durchaus ein positiver und mitreißender Mensch war.
Im Nachhinein finde ich es interessant, wie man seine Wahrnehmung steuern und in bestimmte Richtungen lenken kann.

www.my-smileys.de/smileys2/bunny_2.gif Noch einen schönen Ostermontag

lieben Gruß Kerstin
 
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05.10.05
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Hallo Uta,

du musst natürlich nicht die Mühe mit anderen geben, aber möglicherweise entgeht dir manchmal auch was.

Ja, wie Marcel schon sagte, ist es sinnvoll, mit Menschen anzufangen, um die man ohnehin nicht drumrum kommt.
Ein aktuelles Beispiel:

ein neuer Mandant... Hilfe ist der anspruchsvoll. Immer hat er was zu meckern, seine Ablage ist furchtbar, ich versuche ihn behutsam beizubringen, was erforderlich ist und was er leider ändern müsste, damit es den Gesetzmäßigkeiten entspricht (die ich mir nicht ausgedacht habe). Nein , ich freue mich nicht wirklich, wenn er anruft, meist wird es mal wieder unangenehm. Leider muss ich ja jederzeit freundlich sein, geht nicht anders in dem Job, dafür werde ich bezahlt;) . Ein andere Kollege hat auch viel mit ihm zu tun. Wir jammern uns einmal in der Mittagspause aus, wie belastend der Typ ist, bis mir klar wird, dass der Mandant eigentlich unheimlich viel geschafft hat. Er hat eine Firma aufgebaut , die wirklich erstaunlich gut läuft und er ist eigentlich bodenständig geblieben, fährt ein angemessenes Auto usw. . man müsste sogar sagen "Hut ab, es eigentlich echt toll". Seitdem mir das so sehr bewusst geworden ist, habe ich keine Probleme mehr, mit ihm am Telefon zu kommunizieren und welch Wunder, so langsam taut er auch auf.

2. Beispiel Schwiegrmutter;) Ziemlich kompliziert. Da wir ja miteinander auskommen müssen, habe ich wirklich mal wie hier beschrieben intensiv nachgedacht, was ich denn trotz aller Probleme eigentlich gut finde. Sie hat unheimlich Ahnung von Kräutern, tee usw. So habe ich es fertig gebracht, ihr mal zu sagen, dass ich das richtig gut finde, und das ich mich freuen würde, wenn sie meinen Sohn mal zum Teesammeln mitnehmen würde, weil ihn das gerade interessiert. Ich glaube, es hat uns beiden gut getan. Irgendwie nimmt so etwas doch ein Stück der unterschwelligen Spannung. Und irgendetwas Gutes hat wirklich jeder; einer kann gut kochen, einer hat großes Geschick sich zu kleiden usw....
 
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Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Hallo!
Für mich gilt auch: ich beschäftige mich mit Vorliebe mit Menschen, die mir gut tun. Aber wer kann sich den Luxus schon leisten. Wie Kerstin es mit ihrer Chefin machte finde ich gut. Vielleicht steckt wirklich in jedem Menschen, dem man begegnet, etwas, auf das man achten sollte, was man lernen kann, eine persönliche Botschaft, die es zu "übersetzen" gilt. Muß man sie für ihren Beitrag lieben? Über Dankbarkeit würden sie sich sicher auch schon freuen - und auch darüber, wenn man ihre "Fehler" akzeptiert.

Gruß Wolfgang
 
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10.01.04
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Bitte genau lesen. Ich zitiere mich:
Wenn ich keine Wahl habe und mich mit "Unsympathen" abgeben muss, werde ich versuchen, gute und starke Seiten zu finden und in den Vordergrund zu stellen
Uta
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Die guten Seiten ungeliebter Menschen
Ich versuche mir anzugewöhnen, das Thema an den Anfang meiner Beiträge zu stellen, denn oft mußte ich mich fragen: welcher Film läuft hier eigentlich ab.

Marcel, Du hast ein wichtiges Thema gestartet. Es geht, so meine ich, um Erfolg, Harmonie und Zufriedenheit. Die (se Gefühle) wiederum sind nach meiner Auffassung die Grundbedingungen für ein gesundes Leben und betreffen eine Ebene, die viel mehr als nur den Körper umfaßt.

Ich kann nicht alle Menschen lieben. Persönliche Liebe braucht eine sehr persönliche Beziehung, und die braucht Zeit und Pflege - keiner kann das für JEDEN in seinem Umfeld leisten. Aber sind die Ungeliebten damit nicht liebenswert? Nach meiner Grundhaltung sind sie das, und ich kann ihnen das "zeigen", indem ich sie respektiere, sie nicht herabsetze, freundlich und offen bin. Damit bin ich bisher gut gefahren, die Existenz eines jeden Menschen grundsätzlich zu würdigen:

Jeder Mensch ist gut, weil er der "Sache Leben" dient - und es spielt für mich keine Rolle, wie er das tun kann oder tun muß.

Gruß Wolfgang
 
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25.07.05
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Die guten Seiten ungeliebter Menschen

Zuerst habe ich bei diesem Thema gedacht, da kannst du gar nicht mitreden, weil ich ja mein Gegenüber generell so akzeptiere wie er mir begegnet. uneingeschränkt.

Aber dann fiel mir auf, das ich letzten Monat auch einem Menschen begegnet bin bei dem es mir nicht gelang.

Beruflich
Ich setze mich viel für meine Kollegen ein und habe auch immer ein offene Ohr. Dann kam der Tag wo ich einen Kollegen gebraucht hätte und sein Ohr. Ich hatte eine richtige Wut , weil ich mir manchmal den Ar...... aufreiße für andere und wenn man dann selber mal jemanden braucht ist das schon doof.

Jedenfalls ist das ein Mensch , den alle anderen auch unangenehm finden. Es fällt mir tatsächlich leicht mindestens hundet Dinge zu nennen die unmöglich an ihm sind. Selbst musste ich ja auch die Erfahrung machen das ich ihn auch so sehe. Jetzt habe ich ja die Gelegenheit mir mal Gedanken zu machen was er denn für gute Seiten hat.

Fällt mir tatsächlich schwer. Traurig aber war, es fällt mir nur eins ein, dass auch wiederum nur negativ klingt.
Er hat immer etwas zu sagen, auch wenn es ein meckern ist.

Also stelle ich für mich fest, dass auch ich nicht jeden mit absoluter Tolleranz gegenüber stehen kann.

L. G. Klaudia
 
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24.09.04
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Ungeliebte Menschen ermöglichen mir 1.Gedankengänge, 2.Wahrnehmungen und 3.Erkenntnisse, die ich sonst nicht machen könnte.
Aber während 1. und 2. ist es durchaus sehr un-angenehm (sprich un-angenommen):chat:
und bei 3. kann es sich sogar in eine Dankbarkeit transformieren..... :fans:

wie schon mal geschrieben: Ich bin ein Meister, der übt.:greis:
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Die guten Seiten ungeliebter Menschen

Ja Pius, Du beschreibst mir das sehr genau, was in der Interaktion emotional abläuft.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß sich das, was Du Erkenntnis nennst, meist einige Zeit getrennt von 1 und 2, einstellt: die Erleuchtung bzw. die Bedeutung einer Begegnung mit ungeliebten Menschen ist erstmal nicht offensichtlich. Seitdem ich dieses Phänomen akzeptiert habe und mit mehr Gelassenheit mit Begegnungen der besonderen Art umgehe, offenbart sich auch die Bedeutung oder die lehrhafte Seite schneller. Braucht aber kein Zusammenhang bestehen.

Echte Erfahrungen austauschen finde ich WAU.

Wolfgang
 
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28.11.05
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ich kann durchaus erkennen und akzeptieren, dass auch ungeliebte menschen gute seiten haben, auch das mit den wahrnehmungen und erkenntnissen, die pius beschreibt sehe ich ähnlich.
nur, wenn die schlechten seiten einfach überwiegen und mir zum teil auch schaden, wenn ich mich auf diese menschen einlasse, dann nützt mir das alles nix, und ich bleibe lieber auf distanz.
 
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01.03.06
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Ich kann eure Auffassung nicht in allem teilen.Auch ich kannte einen Menschen der mir sehr weh getan hatte und dem ich ewige Ignoranz geschworen hatte. Er wurde mein Kollege und ich merkte ,was er für ein armer Mensch war.Da tat er mir leid.Hätte nie gedacht ,dass mein Hass auf ihn mal verfliegen würde.
Aber meine Chefin hatte mir 5 Jahre das Leben zur Hölle gemacht ,durch Lügen ,Intrigen usw. .Ich kann nicht behaupten ,das ich ihr das vergeben könnte ,denn ich könnte keine gute Eigenschaft an ihr entdecken.Wie sollte ich da meine Antipathie dieser Frau gegenüber abbauen ?Sie war weder freundlich noch ehrlich .Im Gegenteil sie hat alle Kollegen schikaniert.
Also da fällt es mir schwer bzw. geht es gar nicht .Bloß gut ,dass ich sie nie wieder sehen muß.
M.
 
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13.07.07
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Hallo,

das Thema hier ist zwar schon älter, aber wird wohl immer aktuell sein.
Darum möchte ich es gerne mal wieder zum Thema machen. :)

Die guten Seiten ungelieber Menschen

Ich denke mir: jeder Mensch ist viel mehr als das was ich an ihm wahrnehmen kann. Ich sehe immer nur einen Bruchteil dessen, was den ganzen Menschen ausmacht. ich sehe ihn in meiner Welt, in meiner Wahrnehmung, da ist er Gast, hat eine kleine Statistenrolle, oder eine größere Nebenrolle.

Aber dieser Mensch hat eine eigene Welt, eine eigene Wahrnehmung, in der er "ganz" ist, die Hauptrolle spielt.
Darin ist er veilleicht geliebter Vater, herzensgute Mutter, umsichtiger Nachbar, nachgiebiger Opa, hilfreicher Freund, ängstlicher Kranker. Alles auf einmal, oder immer wieder in Kombination. Auf alle Fälle gibt es viele Menschen in seinem Leben, die ihn ganz anders wahrnehmen als ich es tue.
Ich kenne nur diese Seiten an ihm nicht.

Ausserdem weiss ich nie, wie ich wahrngenommen werde, in dem Leben mancher Menschen. Welche Gastrolle ich da spiele. Ich bin mir sicher, auch ich gehöre in manchem Leben zu der Spezie ungeliebter Mensch.

liebe Grüße von hexe :hexe:
 
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13.07.07
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Hallo,:)

es ist bald Weihnachten. Das Fest der Liebe.
Da denken wir an die Menschen, die wir lieben. Mit ihnen wollen wir diese Zeit verbringen, ihnen wollen wir etwas Gutes tun, ihnen schenken wir unsere ganze Aufmerksameit und Zuneigung.

Aber was ist mit den anderen, den von uns "ungeliebten" Menschen?
Marcel schreibt:
Eine Möglichkeit wäre z.B., sich über einen solchen Menschen Gedanken zu machen: welche guten Eigenschaften hat er? (Und er hat bestimmt welche)
Wenn man so einen schönen "Blumenstrauss" guter Eigenschaften zusammen hat, dann wird das Schlechte in ihm bzw. das Schlechte, das wir in ihm sehen, automatisch nivelliert bis zu einem gewissen Masse.
das wäre, doch gerade zum Fest der Liebe, eine schöne, lohnende Gedanken"arbeit". Lohnend nicht nur für die ungeliebten Menschen.
Jede Feindschaft, jede Antipathie oder auch nur Unmut gegenüber anderen zu minimieren, tut uns selbst unmittelbar gut. Es vergrößert unsere Gefühle der Zuneigung, Freundschaft, Liebe oder auch nur Akzeptanz.

Und es verringert in uns Gefühle der Wut, des Zornes, der Feindschaft. Keiner, der diese Gefühle fühlt, kann sich dabei gut und glücklich fühlen. :)

Ich wünsche Euch eine schöne, friedliche Vorweihnachtszeit.

liebe Grüße von hexe :hexe:
 
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10.09.08
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Ich bin mir sicher, auch ich gehöre in manchem Leben zu der Spezie ungeliebter Mensch.
Och nööö!!!

Hallo, liebe Hexe!

Diesen Satz streichen wir mal ganz schnell, finde ich! Den mag ich in Zusammenhang mit dir gar nicht lesen! :D

Ok, ich weiß, dass jeder mal andere nervt. Aber es gibt Menschen, die durch und durch egoistisch sind, die andere quälen und piesacken. Dass das dann ungeliebte Menschen sind, das verstehe ich und das kenne ich auch. Da habe ich dann große Mühe, mein Herz offen für sie zu halten. Und manchmal geht es auch nur, indem man das Herz zumacht, weil man nur so überleben kann.

Aber bei ganz normal netten Menschen kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, dass sie irgendwo solche Gefühle auslösen. Da gibt es dann eher so ein Gefühl der Gleichgültigkeit.

Verstehst du, was ich meine?

Jedenfalls: Jemand meine Hexe nicht mögen? Geht nicht! :kiss:

Liebe Grüße :wave:
Sonora
 
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13.07.07
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liebe Sonora,

:eek:) ui, ich weiss gar nicht was ich schreiben soll. Ich schreib einfach mal "danke" :kiss:

Ich verstehe aber was du meinst. :)
Aber es gibt Menschen, die durch und durch egoistisch sind, die andere quälen und piesacken. Dass das dann ungeliebte Menschen sind, das verstehe ich und das kenne ich auch. Da habe ich dann große Mühe, mein Herz offen für sie zu halten.
gut, wenden wir uns mal diesen Menschen zu. Nehmen wir einen Menschen, der im Job knallhart "über Leichen geht".

eine Seite von ihm ist der "Job-Mann", (die kennen wir dann), eine Seite der Ehemann, eine Seite der geliebte Papa der immer so lustige Grimassen macht. Und eine seite ist da noch der geliebte Sohn, der seiner Mutter jedes Wochenende den Großeinkauf macht.
Und es gibt da noch den immer lustigen Verteidiger in der Fußballmannschaft des Ortes. Der immer zuverlässig zu jedem Spiel kommt und sich für seine Mannschaft den "Hintern aufreisst" :D.
Und ganz für sich alleine, wenn keiner dabei ist, da gibt es dann noch die Seite des Träumers, der seinen früheren Idealen oft ein wenig nachtrauert, der sich gehetzt, gejagt und überfordert fühlt.

Wir alle wissen ja im Grunde, dass es so ist, das jeder Mensch so viele Seiten ins ich birgt, so viele Rollen besetzt. Nur, meist beachten wir nur diese eine, für uns so unangenehme Seite. Was uns glauben lässt, der Mensch sei für alle, für jeden und in seinem ganzen Wesen so. Und da denke ich - das ist bei niemandem so.

Ich sage nicht - es ist leicht oder immer möglich dies so zu sehen. :rolleyes: Ich weiss, es geht nicht immer. Aber ich finde es ist der Mühe wert es zu versuchen. auch sich selbst zuliebe.

liebe Grüße von hexe :hexe:
 
Beitritt
10.09.08
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Hallo, liebe Hexe!

Ich verstehe, was du meinst. Und IM PRINZIP hast du damit auch Recht. Aber ich überlege mir bestimmt seit mindestens 35 Jahren, wo da die Grenze ist. Wie ist das denn z.B. mit KZ-Aufsehern oder KZ-Leitern gewesen? Der eine Mensch war dann der zärtliche Vater, ein anderer der aufmerksame Ehemann, der gute Kamerad war auch noch ein Mensch, wahrscheinlich gab es da noch den charmanten Erzähler und vielleicht den begnadeten Gedichte-Rezitierer, ich könnte mir vorstellen, dass er großzügige Spenden für die Armen gab – und dann war da halt der Mensch, der über Leichen ging. Der "unwertes Leben" mit Füßen trat und keine Gnade kannte. Der auf die Menschen herabsah, weil sie schuldlos nicht so gepflegt aussahen wie zu Hause die Ehefrau oder die Vereinskameraden – obwohl sie, als sie noch ihr Leben und ihr Heim hatten, mindestens genauso gepflegt ausgesehen haben wie er und seine Ehefrau. Da war von dem "guten Menschen" aus seinem Privatleben nichts zu sehen.

Irgendwann habe ich für mich selbst daraus die Lehre gezogen, dass man einen Menschen nicht trennen darf in dies und das und jenes. Die Summe der Dinge, die uns ausmachen, das sind wir.

Das muss nicht unbedingt stimmen, aber um von dem Gedanken abzuweichen, muss ich erst anderes Input bekommen, über das ich lange nachdenken muss, um zu erkennen, was wahr ist.

Ich glaube, dass es am Ende nur auf eins hinausläuft: War jemand ein Mensch guten Willens... Jeder Mensch macht und/oder sagt jeden Tag viel falsch. Aber wenn jemand guten Willen hat, dann kann er jederzeit zurückrudern und die Sache in Ordnung bringen. Und wenn ein Mensch so drauf ist, dann ist es völlig egal, in wie viele "Persönlichkeiten" man ihn aufspalten kann. Denn jede dieser Persönlichkeiten ist in Ordnung. Fehlerhaft zwar – wie wir alle – aber in Ordnung.

Ich bin der Meinung, wenn jemand andere zum Weinen bringt und ihnen das Leben schwer macht, dann wiegt nichts das auf. Da kann der gleiche Mensch zu Hause der allerbeste Familienvater sein, das macht die Sache nur noch schlimmer. Denn die Menschen, die unter ihm leiden, sind wahrscheinlich zu Hause nicht so glücklich und ausgeglichen.

Uff, das war schwer! Hoffentlich war ich verständlich!

Liebe Grüße :wave:
Sonora
 
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