Bei Depression: Vorsicht bei der Ernährung, wenn man ein Medikament mit dem Wirkstoff "tranylcypromin" nimmt

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Tyramin ist ein biogenes Amin, das in bestimmten Nahrungs- und Genussmitteln natürlicherweise vorkommt. Die meisten für die Ernährung wichtigen Nahrungsmittel enthalten jedoch kein Tyramin. Unser Körper ist an das Vorkommen biogener Amine angepasst und im Normalfall werden sogar tyraminreiche Lebensmittel wie Käse oder Matjes gut vertragen.

Denn eigentlich baut das körpereigene Enzym Monoaminoxidase (MAO) als natürlicher Schutzfilter biogene Amine ab, bevor diese ins Blut gelangen. Manchmal ist diese Schutzfunktion jedoch vermindert, etwa aufgrund einer genetischen Veranlagung, einer akuten Erkrankung oder der Einnahme eines bestimmten Medikaments.

Die Ernährung unter Tranylcypromin
Eine tyraminarme Ernährung wird notwendig, wenn bei einer behandlungsbedürftigen Depression der Wirkstoff Tranylcypromin zum Einsatz kommt. Tranylcypromin ist ein Hemmer des körpereigenen Enzyms Monoaminoxidase, welches Botenstoffe im Nervensystem abbaut. Da bei Menschen mit einer Depression die Aktivität dieses Enzyms im Gehirn zu hoch sein kann, ist diese Behandlung ein wichtiger therapeutischer Ansatz. Damit die Therapie ohne schwerwiegende Nebenreaktionen erfolgt, muss eine tyraminarme Ernährung eingehalten werden.

Die Umstellung der Ernährung mag zu Beginn Überwindung kosten und beschwerlich erscheinen, aber nach einiger Zeit wird sich daraus eine Routine entwickeln, die in jedem Lebensalltag gut anwendbar ist. Wichtig ist jedoch, dass die Ernährungsvorgaben konsequent eingehalten und keine Ausnahmen gemacht werden. Gewissenhaftigkeit ist der Schlüssel.

Bei Ihrer tyraminarmen Ernährung sollten Sie grundsätzliche folgende Überlegung im Hinterkopf behalten: Tyramin entsteht in erster Linie bei Reifung, Vergärung, Fermentation oder ähnlicher Weiterverarbeitung von Lebensmitteln.
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Besonders tyraminhaltig sind daher:

  • Alte oder verdorbene eiweißhaltige Nahrungsmittel (z.B. abgelaufener Fisch, alter Wein)
  • Durch Fermentierung gewonnene, verfeinerte oder gereifte Nahrungsmittel (z.B. stark gereifter Käse, ausgereifte Salami, Bier, Wein, gereifter Tofu)
  • Lebensmittel, die einen gewissen Grad der Alterung aufweisen (z.B. Matjeshering, Trockenfisch)
  • In Salzlaugen und Essig oder mit Milchsäure gelagerte Lebensmittel (z.B. rohes Sauerkraut, Mixed Pickles, Gewürzgurken aus dem Fass)
  • Einige tierische Produkte (z.B. Rinder-, Geflügel- und Dorschleber, Nieren)
Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, Nahrungsmittel stets so frisch wie möglich zu verwenden und nicht bzw. unvollständig gegarte Speisen noch am Tag der Zubereitung zu verzehren
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Ich finde, es ist auffallend, daß diese tyraminhaltigen Lebensmittel sehr ähnlich sind wie die bei einer Histaminintoleranz. Auch daß man frische Nahrung essen soll, ist ja gleich.

Grüsse,
Oregano
 
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Man sollte sich gut überlegen, ob man mit diesem Medikament überhaupt etwas zu tun haben möchte !!

Wenn man sich diese Beschreibung durchliest erst recht:

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Wechselwirkungen mit Medikamenten
Wenn Sie noch andere Medikamente nehmen, ist zu beachten:
Tranylcypromin kann bei gemeinsamer Anwendung mit Atomoxetin (bei ADHS) oder Reserpin (bei hohem Blutdruck) den Blutdruck stark ansteigen lassen (Hochdruckkrise). Außerdem sind Herzrhythmusstörungen zu befürchten.
Unbedingt beachten
Dieses Depressionsmittel darf nicht gleichzeitig mit Sympathomimetika wie Etilefrin oder Midodrin (bei niedrigem Blutdruck), Xylometazolin (bei Schnupfen), Ephedrin oder Phenylephrin (in Husten- und Grippemitteln) angewendet werden. Andernfalls kann der Blutdruck gefährlich ansteigen.
Während einer Behandlung mit Tranylcypromin dürfen Sie die nachfolgend genannten Arzneistoffe keinesfalls einnehmen.
  • SSRI wie Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin oder Paroxetin, SNRI wie Duloxetin oder Venlafaxin (bei Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen) sowie Clomipramin und Imipramin (bei Depressionen). Zwischen der Einnahme von MAO-Hemmern und diesen Mitteln müssen bestimmte Zeitabstände eingehalten werden. Eine Behandlung mit Tranylcypromin muss beispielsweise zwei Wochen beendet sein, bevor eine Therapie mit Fluoxetin begonnen werden darf. Umgekehrt darf eine Therapie mit Tranylcypromin erst fünf Wochen nach dem Ende einer Behandlung mit Fluoxetin begonnen werden. Werden diese Zeitabstände nicht eingehalten, kann sich ein Serotonin-Syndrom mit Erregungszuständen, Bewusstseinstrübung, Muskelzittern und -zucken sowie Blutdruckabfall entwickeln. Dieses ist lebensbedrohlich, wenn die Atemmuskulatur verkrampft. Auch wenn verschiedene MAO-Hemmer kombiniert eingesetzt werden und wenn sie gemeinsam mit Wirkstoffen wie Linezolid (bei bakteriellen Infektionen) eingenommen werden, ist eine solche Wechselwirkung möglich.
  • Tryptophan (bei Schlafstörungen), Triptane (bei Migräne), Tramadol, Fentanyl und Pethidin (alle bei Schmerzen) und Buspiron (bei Angststörungen). Vor Einnahme dieser Medikamente müssen MAO-Hemmer ebenfalls mindestens 14 Tage abgesetzt worden sein.
Des Weiteren darf Tranylcypromin mit Dextromethorphan (bei Husten, in Erkältungsmitteln) nicht kombiniert werden, da die Kombination dieser beiden Medikamente zu Psychosen und bizarrem Verhalten führen kann.
Tranylcypromin darf nicht gleichzeitig mit Disulfiram (zur Alkoholentwöhnung) eingenommen werden.
Bei der gleichzeitigen Anwendung mit Bupropion (bei Depressionen, zur Tabakentwöhnung) können sich dessen Nebenwirkungen verstärken. Das erhöht das Risiko für Krampfanfälle.

Wechselwirkungen mit Speisen und Getränken
Lebensmittel enthalten Amine. Eines davon trägt den Namen Tyramin. Im menschlichen Körper wird Tyramin, wie viele andere Amine auch, durch das Enzym MAO abgebaut. Arzneimittel, die das Enzym MAO hemmen, blockieren den Abbau von Tyramin. Dann reichert es sich im Körper an und kann unangenehme Wirkungen haben. Je nach Tyraminkonzentration reichen die Auswirkungen von ansteigendem Blutdruck bis zur akuten Hochdruckkrise und Hirnblutungen.
Bei einer Behandlung mit Tranylcypromin ist das Risiko von Wechselwirkungen mit Lebensmitteln deutlich erhöht und auch größer als bei dem chemisch ähnlichen Wirkstoff Moclobemid. Tyraminreiche Nahrungsmittel sollten einen Tag vor der Behandlung, währenddessen und bis zwei Wochen nach ihrem Ende unbedingt gemieden werden.

Das bedeutet den weitgehenden Verzicht auf viele Käsesorten, Innereien, Salami, salzkonservierten und geräucherten Fisch, vergorene Produkte, solche, die mithilfe von Hefen hergestellt werden, sehr reife Früchte und die meisten Fertigprodukte (insbesondere Tütensuppen).
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Grüsse,
Oregano
 
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So kann eine tyraminarme Ernährung aussehen. In diesem Fall geht es um das Medikament "JATROSOM":
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Eben dies ist auch bei Jatrosom® der Fall: Das Antidepressivum wirkt, indem es Monoaminoxidase hemmt. Daher ist der Abbau von Tyramin für die Zeit der Einnahme von Jatrosom® ( plus einen Tag vor der ersten Einnahme sowie bis zu zwei Wochen danach ) beeinträchtigt.
Da während dieses Zeitraums keine ausreichende Entgiftung der bio- genen Amine stattfinden kann, muss die Aufnahme von Tyramin in ho- hen Konzentrationen mit der Nahrung vermieden werden. Andernfalls kann es zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder Blutdruckanstieg kommen – im äußersten Fall sogar zu lebens- bedrohlichen Komplikationen. ...

Hier eines der Rezepte, die da beschrieben werden:
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Ofen-Spargel mit Kartoffeln
ZUBEREITUNG
Mandeln rösten, abkühlen lassen. Spargel schälen und in einem nassen Küchentuch eingerollt beiseite stellen. Kartoffeln schälen und vierteln. Schalotten vierteln. Pfefferschote leicht einritzen. Oliven abtropfen lassen. Tomaten putzen, vierteln.
Auflaufform mit Butter einstreichen. Kartoffeln und Schalotten in einer Schüssel mit 1 EL Öl und 1 / 2 TL Salz mischen. Auf einer Seite der Form verteilen. Mittig im Ofen von unten 25 Minuten garen.
Spargel in einer Schüssel mit restlichem Öl, 1/2TL Zucker und 1TL Fleur de Sel mischen; neben den Kartoffeln verteilen.
Butter und 100 ml Wasser zum Spargel geben. Im Ofen 35 – 40 Minuten weitergaren.
Spargel mehrmals wenden, sodass er gleichmäßig gart. 8 – 10 Minuten vor Ende der Garzeit Pfefferschoten, Mandeln, Oliven und Tomaten in der Form verteilen und mitgaren.
Petersilienblätter fein schneiden. Form heraus nehmen, Kartoffeln mit Paprika bestreuen. Gemüse mit Petersilie bestreut servieren.
Zubereitungszeit: 100 min Nährwert: 450 kcal pro Portion
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Mehr zu Jatrosom: https://fachinformation.srz.de/pdf/aristo/jatrosom20mgfilmtabletten.pdf

Grüsse,
Oregano
 
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... Eine tyraminarme Ernährung wird notwendig, wenn bei einer behandlungsbedürftigen Depression der Wirkstoff Tranylcypromin zum Einsatz kommt. Tranylcypromin ist ein Hemmer des körpereigenen Enzyms Monoaminoxidase, welches Botenstoffe im Nervensystem abbaut. Da bei Menschen mit einer Depression die Aktivität dieses Enzyms im Gehirn zu hoch sein kann, ist diese Behandlung ein wichtiger therapeutischer Ansatz. Damit die Therapie ohne schwerwiegende Nebenreaktionen erfolgt, muss eine tyraminarme Ernährung eingehalten werden.
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Tyramin entsteht in erster Linie bei Reifung, Vergärung, Fermentation oder ähnlicher Weiterverarbeitung von Lebensmitteln.

Besonders tyraminhaltig sind daher:
  • Alte oder verdorbene eiweißhaltige Nahrungsmittel (z.B. abgelaufener Fisch, alter Wein)
  • Durch Fermentierung gewonnene, verfeinerte oder gereifte Nahrungsmittel (z.B. stark gereifter Käse, ausgereifte Salami, Bier, Wein, gereifter Tofu)
  • Lebensmittel, die einen gewissen Grad der Alterung aufweisen (z.B. Matjeshering, Trockenfisch)
  • In Salzlaugen und Essig oder mit Milchsäure gelagerte Lebensmittel (z.B. rohes Sauerkraut, Mixed Pickles, Gewürzgurken aus dem Fass)
  • Einige tierische Produkte (z.B. Rinder-, Geflügel- und Dorschleber, Nieren) ---

Grüsse,
Oregano
 
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