Kuklinskis Therapiekonzept bei nitrosativem Stress

Kategorien: Stress


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Behandlungskonzept Kuklinskis besteht in einer integrativen und organübergreifenden Komplextherapie, die wegen der heterogenen Erkrankungsbilder vom Arzt und Physiotherapeuten individuell angepasst werden sollte. Da er eine Mitochondropathie als zwangsläufige Folge des chronischen nitrosativen Stresses sieht, ist eine Verbesserung der mitochondrialen Energiegewinnung neben der Reduzierung des nitrosativen Stresses Bestandteil seines Konzeptes. Sofern eine instabile Halswirbelsäule vorliegt, werden auch hier bestimmte Maßnahmen empfohlen.

Ursachenbeseitigung ist nicht nur oberstes Ziel der Therapie, sondern nach Kuklinski auch teilweise erreichbar (er bezeichnet sie als „kausal wirksam“). Weitere Ziele sind die Behandlung bereits entstandener und Vorbeugung weiterer Schäden. Zum Teil den Richtlinien der sogenannten evidenzbasierten Medizin (engl. evidence für Beweis, Nachweis, Hinweis; wörtliche Übersetzung „Beweisgestützte Heilkunde“, basiert ausdrücklich auf durch statistische Verfahren erwiesener Wirksamkeit) widersprechend, hebt sich Kuklinskis Ansatz deutlich von der offiziellen Medizin ab. Eine Kostenerstattung oder Anerkennung von Diagnosen seitens der Krankenversicherungen und anderer Sozialleistungsträger ist daher i.a. nicht zu erwarten.

Kuklinski hat nach diesem Behandlungskonzept bisher ca. 2000 Patienten behandelt. Als entscheidende Faktoren für die Zeitdauer bis zu den ersten Behandlungserfolgen und die erreichbare Verbesserung des Gesamtzustandes erwiesen sich dabei ein möglichst früher Therapiebeginn und die konsequente Durchführung aller Therapiemaßnahmen. Insbesondere bei der Nährstofftherapie ist zudem das Einhalten der angegebenen Reihenfolge wichtig, um nutzlose Nährstoff-Einnahme und zusätzliche Schädigungen zu verhindern. Die Therapie sollte bei HWS-Schädigung lebenslang fortgeführt werden, die Mikronährstoff-Dosen können jedoch meist reduziert werden.

Die Säulen der Therapie nach Kulinski:

Stärkung des Muskelapparates und Lösung von Blockaden

Sofern eine instabile Halswirbelsäule vorliegt, sollten der Muskelapparat gestärkt und Blockaden gelöst werden. Ziele sind dabei die Vermeidung weiterer Schäden, die Vorbeugung des Versteifens instabiler Regionen, die Unterstützung der HWS und die Reduzierung von Nervenreizungen und -entzündungen und des dadurch ausgelösten nitrosativen Stresses. Dabei kommen verschiedene Manualtherapien, Methoden der Muskelstärkung und moderate Bewegung in Form geeigneter Sportarten zum Einsatz, während auf der anderen Seite HWS-Belastungen in Alltag und Freizeit gemieden und die HWS in der Nacht durch passende Kissen und Matrazen gestützt werden sollte. Eine einfache von Kuklinski empfohlene HWS-Übung ist die „Giraffe“, die gleich nach dem Aufstehen ausgeführt werden sollte: Der Hals wird langsam und ausdauernd so weit wie möglich gestreckt – ohne mit den Händen nachzuhelfen.

Optimierung der Ernährung

Kuklinski empfiehlt bei nitrosativem Stress eine spezielle Ernährungsform, die er Pro-Mitomed-Ernährung nennt.

Die Grundregeln sind dabei:

  • Verzehr möglichst frischer, unverarbeiteter Lebensmittel, idealerweise aus kontrolliert biologischer Erzeugung – darunter Gemüse (als Eintopf, Wok-Gericht, Gemüsepfanne), Wildkräuter wie Brennessel und Löwenzahn (wegen des Chlorophyllgehaltes), Eier, Fisch
  • … – abgestimmt auf die individuelle Verträglichkeit
  • Meiden nitrathaltiger Lebensmittel wie Blattsalate aus konventionellem Anbau und Fleischwaren mit Nitritpökelsalz
  • Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr auf 150 bis 200 g pro Tag in komplexer Form, keine süßen Speisen
  • Erhöhung der Zufuhr an Fetten mit einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, darunter Milchfett, Fisch, Nüsse, Mandeln und Brotaufstriche daraus, Oliven- und Rapsöl – bei schwereren Formen 50-60% der Kalorienzufuhr über Fett
  • Kürzere Abstände zwischen den Mahlzeiten, kurz vor der Nachtruhe und evtl. auch nachts bei Erwachen ein (fetthaltiges) „Spätstück“

Die Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr bezeichnet Kuklinski als „Kernstück bei der Therapie NO-induzierter Stoffwechselstörungen“, da Kohlenhydrate – insbesondere solche mit hoher glykämischer Last – energetisch nicht verwertet werden können und den nitrosativen Stress und die Störungen der mitochondrialen Energiegewinnung verstärken. Fette dagegen „entkoppeln die oxidative Phosphorylierung (…), Ketone können bei kohlenhydratarmer Kost vom Hirn energetisch verwertet werden“ und „entfalten lang anhaltende Sättigungseffekte“ (Kuklinski). Ketone sind Stoffe, die bei der Oxidation von Fettsäuren in unserem Körper entstehen, wenn nicht genügend Glukose für die Energiegewinnung zur Verfügung steht. Auch kurzfristige Diätfehler können nach Kuklinskis Beobachtung zum Wiederaufflammen etlicher Symptome führen und sind nicht durch nachfolgende straffe Diät wieder zu gut machen. Jeder übermäßige Zuckeranstieg nach dem Essen schädige im Zusammenhang mit einer reduzierten mitochondrialen Energiegewinnung (mt-ATP-Synthese) die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse irreversibel.

Die sogenannte LOGI-Kost mit Ihrer Empfehlung 50% Fett / 25% Eiweiß / 25% komplexe Kohlenhydrate – mit einem Schwerpunkt auf Obst – wird nach Kuklinski den Anforderungen nicht gerecht. Gerade der Konsum an glukose- und fructose-haltigem Obst sollte aus seiner Sicht drastisch reduziert werden, da Fructose die Lipogenese (biologische Fettsäuresynthese) und die postprandiale (nach dem Essen auftretende) Lipämie (weißliche Trübung des Blutserums oder -plasmas, die durch Fettstoffe und bestimmte sehr kleine Lipoproteinpartikel entsteht) aktiviert und den Fettansatz fördert. Zudem werde der notwendige erhöhte Fettkonsum bei der LOGI-Kost nicht ausdrücklich betont.

Auch die Gesundheit des Magen-Darm-Traktes soll durch die Optimierung der Ernährung gefördert werden und damit eine möglichst gute Aufnahme von Nährstoffen in den Körper. Diese ist Voraussetzung für die Effektivität der Mikronährstofftherapie, die ebenfalls wichtiger Bestandteil des Therapiekonzeptes ist.

Mikronährstofftherapie in 5 Schritten

Ziele der Mikronährstofftherapie sind die Reduzierung der NO-Belastung, die Sicherstellung einer Basisversorgung, der Ausgleich von Nährstoffmängeln, der Schutz bzw. die Sanierung der Mitochondrien durch Stimulation der enzymatischen Aktivitäten und die Verbesserung von Elektronentransport und Citratzyklus.

Vitamin B12

Vitamin B12 als potenter Stickoxid-Gegenspieler wird initial mit 1000-3000 µg/Tag subkutan (5 Tage lang) gegeben, danach in größeren Abständen je nach Symptomatik. Zur schnellen Senkung hoher NO-Konzentrationen können auch Kurzinfusionen zur Anwendung kommen. Nach der Besserung von Laborwerten und Symptomatik ist bei intakter Magen-Darm-Funktion die orale Einnahme zu bevorzugen, idealer Weise in Form von Adenosylcobalamin. Falls die Wirkung nachlässt, ist evtl. eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin B6, Folsäure und Biotin nötig oder die Einnahme von NO-Blockern. In der Langzeitbehandlung können die Einnahmeintervalle je nach Symptomatik ausgedehnt werden. Bei Schwerstkranken können Cyanoverbindungen (Cyanocobalamin) nachteilig sein und Nebenwirkungen auslösen, da sie über Gluthathionsystem bzw. Leber entgiftet werden müssen, so dass hier Hydroxo-, Methyl- oder Adenosylcobalamin zu bevorzugen sind.

Mineralstoffe und Spurenelemente

Je nach Laborergebnissen und Symptomatik kommen häufig Kalium und Magnesium, teilweise auch Zink, Selen, Eisen und Jod zur Anwendung. Die besonders im Zusammenhang mit Kryptopyrrolurie – nach Kuklinski eine der möglichen Folgen des nitrosativen Stresses – empfohlene Zufuhr von Zink führt allerdings bei vielen Betroffenen zu einer Verschlechterung der Symptomatik. Kuklinski erklärt dies durch eine zusätzliche Hemmung des Citratzyklus und Aktivierung des Glutamatrezeptors, mit der Folge, dass Energiedefizite und Übererregungszustände zunehmen. Vorsicht ist auch geboten bei Aspartat-Verbindungen (z.B. Magnesium- oder Kalium-Aspartat), da neben Glutamat auch das eng verwandte Aspartat Glutamatrezeptoren (genauer: den Untertyp der NMDA-Rezeptoren) stimuliert.

Vitamine

Es kommen B-Vitamine (B1, B2, B3, B5, B6, Biotin, Folsäure, B12) als Komplex und teilweise als höher dosierte Monopräparate zur Anwendung, sowie die Antioxidantien Vitamin C und E und die Vitamine D und K. Vitamin E sollte dabei stets als Komplex mit allen 8 Vitameren eingenommen werden (die Gamma-Tocopherole und -Trienole sind effektive NO-Fänger). Die Einnahme von Vitamin B1, das eine blockierende Wirkung auf das histaminabbauende Enzym DAO (Diaminoxidase) hat, kann sich nach Jarisch bei Histaminintoleranz ungünstig auswirken. Dies wird durch die Erfahrungen einiger Forumsmitglieder bestätigt.

Gesundes Fett

Empfohlen werden mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren aus Leinöl, Hochseefisch, Fischöl oder Algenprodukten.

Coenzym Q10

Coenzym Q10, auch als „Turbogenerator“ unter den Mikronährstoffen bezeichnet, wird erst eingesetzt, wenn eine gewisse Stabilität des Stoffwechsels erreicht ist. Es ist einer der Elektronenüberträger innerhalb der mitochondrialen Atmungskette (Kette biochemischer Redoxreaktionen, wichtiger Teil des Energiestoffwechsels) und eines der wichtigsten Antioxidantien.

Was sonst noch gut sein kann

Je nach Symptomatik kann auch die Einnahme folgender Mikronährstoffe sinnvoll sein:

  • Alpha-Liponsäure bei Kohlenhydratunverträglichkeit, Muskelschwäche oder -schmerzen – ebenfalls eines der wichtigsten Antioxidantien
  • die Aminosäure L-Carnitin bei Muskelschwäche und chronischer Erschöpfung
  • die Aminosäure Taurin – auch ein starkes Antioxidans
  • Kreatininphosphat bei Muskelschwäche
  • Melatonin – ein NO-Fänger, der auch vor Peroxinitrit schützt
  • Ginkgo biloba

Senkung der Sympathikus-Aktivität

Dies kann z.B. durch Verhaltenstherapien, Entspannungsmethoden oder Yoga erreicht werden.

Quellen

  1. Jarisch, Reinhart: Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit, 2. Auflage, Seite 12 f
  2. KFS – Privat-Institut für präventive & regenerative Medizin: Mitochondriale Medizin (dort nicht mehr online verfügbar)
  3. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Das Hals-Wirbel-Säulen-Trauma – Ursachen, Diagnose und Therapie (Vortrags-Mitschnitt 12/2006, Audiodatei, leider wohl nicht mehr online verfügbar)
  4. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Das HWS-Trauma – Ursachen, Diagnose und Therapie
  5. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Internistische Auswirkungen der HWS-Instabilität – für alle Therapeuten, die mit Ihren Händen die Gesundheit des Menschen fördern, Vortrags-Skript (wohl nicht mehr online verfügbar)
  6. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Migräne – eine Mitochondropathie mit neuen Therapieansätzen (verwendete Version auf www.lebe-dich-gesund.com nicht mehr online verfügbar, wurde durch einen Link mit mutmaßlich gleichem Inhalt ersetzt)
  7. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Vortrag „Nitrosativer Stress: Auslöser für erworbene Mitochondropathien“ (gehalten auf dem Kongress „Chronische Multi-System-Erkrankungen“ am 29.-30. November 2008 in Würzburg)
  8. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Praxisrelevanz des nitrosativen Stresses (pdf-Datei)
  9. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo: Praxisrelevanz des nitrosativen Stresses – 2. Mitteilung: Therapie internistischer Erkrankungen (pdf-Datei)
  10. Kuklinski, Doz. Dr. sc. med. Bodo und Dr. Anja Schemionek: Schwachstelle Genick – Ursachen, Auswirkungen und erfolgreiche Therapie
  11. Pall, Dr. (PhD) Martin L.: Explaining ‚Unexplained Illnesses‘: Disease Paradigm for Chronic Fatigue Syndrome, Multiple Chemical Sensitivity, Fibromyalgia, Posttraumatic Stress Disorder, Gulf War Syndrome and Others (bisher nur in englischer Sprache).
  12. Patientenfragen.net – Urologische Sprechstunde: Ketone im Urin!

Siehe auch

Relevante Foren-Beiträge

Weblinks

Autor: Kate, letzte Aktualisierung (Links): 03.2020

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