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Wenn die Wohnung krank macht !

ory

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04.02.09
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Wenn die Wohnung krank macht !

Das ist ein Problem, das so alt wie das Wohnen selbst ist.

„Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt.“ Heinrich Zille, dem dieser vielzitierte Satz zugeschrieben wird, hat das Wohnungselend in Berlin der 1910er und 1920er Jahre eindrucksvoll gezeichnet.
Wohngifte umfassen leider eine Vielzahl chemischer, oft geruchsfreier Schadstoffe deren Quellen sehr unterschiedlich sein können und die zu lang andauernden Belastungssituationen führen könnten.
Asbest z.B. wurde beim Wohnungsbau der Nachkriegszeit massenhaft eingesetzt, jeder kennt dessen Gefährlichkeit seit Jahrzehnten. In Deutschland wurde die Verwendung von Asbest erst 1993/ 1995 weder hergestellt noch durfte es verwendet werden.
Allerdings ist Asbest wegen seiner Langlebigkeit noch immer in den Gemäuern von vielen Wohnungen und Häusern allgegenwärtig. In Abwasserrohren, Fassadenplatten, Fußbodenbelägen und Nachtspeicheröfen kann sich der tückische Stoff immer noch befinden.
Asbest riecht nicht, es strahlt nicht, es diffundiert nicht und lange Zeit scheint es kein Problem für den Menschen zu sein, aber nur solange asbesthaltige Bauteile unversehrt bleiben geht keine unmittelbare Gefahr von ihnen aus.
Spätestens wenn Asbestfasern, zersägt, zerbrochen, geschliffen, gefräst oder anderweitig beschädigt werden, werden die gefährlichen Fasern freigesetzt. Wie z.B. bei Umbauten, Reparaturen oder Modernisierungen besteht für die direkten Bewohner eine konkrete Gesundheitsgefahr.
Da die Folgen oft erst Jahre nach dem Einatmen freigesetzter Asbestfasern auftreten könnten, wird der mögliche Zusammenhang allerdings schwer zu erkennen sein. Nicht erklärbare mögliche Symptome könnten: Atemnot, Reizhusten, zäher Auswurf, krankhafte Atemgeräusche und Gewichtsverlust sein.
Auch Holzschutzmittel können massive Gesundheitsbeeinträchtigungen hinterlassen, bestimmte Inhaltsstoffe früherer Holzschutzmittel sind Gottseidank mittlerweile verboten.
Aber Achtung: Die Gifte der seinerzeit verwendeten Mittel gasen auch heute noch aus. Schlagzeilen machte im Jahr 1984 Formaldehyd.
„Von der Internationalen Agentur für Krebsforschung ist Formaldehyd seit 2004 als „krebserzeugend für Menschen“ eingestuft. Seit 2014 ist Formaldehyd auch nach EU-Recht als wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen eingestuft (Kategorie K1B).
Das leberschädigende Pentachlorphenols (PCP) welches im Holzschutzmittel verwendet wurde, wurde zwar 1989 verboten, ist aber noch immer in Dachstühlen und Balken, aber auch in Farben, Lacken und Holzpaneelen an Decken und Wänden enthalten.
Akute PCP-Vergiftungen können Fieber, allgemeine Mattigkeit, Schwindelgefühl und Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Reizungen der Schleimhäute hervorrufen, auch greift PCP in den Energiestoffwechsel der Zellen ein.
„Trotz allem ist die Verwendung von Formaldehyd nicht grundsätzlich verboten.“
Achtung: Wo Holz drauf steht, steckt vielfach Spanplatte drin – und darin Formaldehyd, das in die Raumluft austreten kann.
Es kommt darauf an welche Schadstoffe in der Wohnung vermutet wird, danach sollten unterschiedliche Analyse- und Untersuchungsverfahren für Wohngifte gewählt werden.
In einer neu renovierten Wohnungen oder in Neubauten z.B. kann eine Untersuchung auf leicht-flüchtige Schadstoffe (Lösemittel, Aldehyde) sinnvoll sein.
Schwerflüchtige Schadstoffe (Holzschutzmittel, PCP, PCB) sind vorwiegend in Altbauten zu finden.
Die häufigsten akuten Symptome durch Wohngifte sind z.B. Augenbrennen, Reizung des Rachens und der Nasenschleimhäute, Kopfschmerzen und Unwohlsein.
Vor allem bei Allergikerinnen und Allergikern ist große Vorsicht geboten: Sie reagieren mit
Atembeschwerden, Schnupfen, Augenbrennen und Bindehautentzündungen, Hautausschlägen, trockene oder gerötete Haut, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen.
Nicht selten reagieren manche auf Schadstoffe in der Raumluft sogar mit Durchfall. In seltenen Fällen können allergische Reaktionen auch Blutzellen, Gewebe und Organe schädigen.

Durch das Sick Building Syndrom, (kurz:SBS) z.B. kommt es durch den Aufenthalt in Gebäuden zu konkreten Beschwerden.
Menschen mit SBS berichten gewöhnlich über ganze eine Reihe von Symptomen, viele "ähnliche" Symptome treten bei den meisten Schadstoffen immer wieder auf, was deren Zuordnung bzw. Ursachenforschung extrem schwierig macht.
• Kopfschmerzen, Nasenbluten
• trockene oder gereizte Schleimhäute - dadurch unter anderem
• Reizhusten
• geschwächtes Immunsystem - damit unter anderem
• erhöhte Infektanfälligkeit
• Verhaltensauffälligkeiten (Unruhe, Nervosität, Aggression, Hyperaktivität)
• Depressionen
• ADHS
• geringe Konzentrationsfähigkeit
• Appetitlosigkeit
• Erbrechen
• Hauterkrankungen (möglicherweise auch Neurodermitis?) und Haarausfall
• vermehrter Juckreiz
• Auftreten von Allergien (unter anderem durch die häufig eingesetzten Isothiazolinone, aber auch Schimmel...)
• Asthma
• chronische Bronchitis
• Ohrgeräusche
• andauernde Müdigkeit
• vermehrte Gedächtnis-Lern- und Aufmerksamkeitsstörungen
• Hitzewallungen
• Schlafstörungen
• Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen
• Magen- Darmstörungen
• Schädigung des Immunsystems
• Störungen der Leber- und Nierenfunktion
• Asbestose
• Augenbrennen
• "pelziges" Gefühl auf der Zunge
Tipp: Für einen Arztbesuch wäre es sinnvoll zumindest mehrtägige Aufzeichnungen der Beschwerden zu notieren.

Und laut Environmental Illness Resource ist es wichtig, dass diese Symptome nur als SBS bezeichnet werden, wenn sie wieder verschwinden, sobald das Gebäude verlassen wurde.

Gruß ory
In unserer Rubrik „Gifte“ https://www.symptome.ch/forums/gifte.28/ geht es um Umweltgifte wie Schimmelpilze, Lösungsmittel & Co und deren gesundheitliche Auswirkungen.
In der Rubrik „Wohn- und Arbeitsumfeld“ geht es um die subtile Wirkung von Faktoren aus unserer Umgebung auf den Menschen https://www.symptome.ch/forums/wohn-und-arbeitsumfeld.164/
In der Rubrik „Umfeld“ geht es um Wohngifte: https://www.symptome.ch/wiki/Wohngifte/
 
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12.10.18
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durch die gifte (die meisten geruchlos, einige damals als normal geltend: "neugeruch" usw.) wurde ich vor vielen jahren sehr krank.

nach einigen monaten im süden am meer in einer völlig schadstofffreien umgebung ging es mir wieder gut und ich war dann ein paar jahre in münchen, wo es mir schon nach rel. kurzer zeit wieder schlechter ging.
leider hatten die ärzte damals fast alle keine ahnung von beschwerden durch umweltgifte usw. (heute ist es wohl auch noch nicht viel besser).

durch puren zufall bin ich dann bei einem toxikologen gelandet (stand nicht auf dem praxisschild, ich hatte nur irgendwie das gefühl, ich sollte da mal reingehen).
er hat eine blutuntersuchung gemacht und festgestellt, daß da viel pcp drin war. ob aus der wohnung oder vom arbeitsplatz wußte ich nicht, ich hab einfach beide gewechselt.

es wurde dann auch besser. nach einem weiteren jobwechsel bekam ich dann heftige allergien (es hat viele jahre gedauert bis ich die meisten wieder weg hatte, die ärzte und hp waren dabei leider keine hilfe, haben nur viel geld gekostet).
ich hatte vorher keine einzige und im januar bei eis und schnee blühte da auch nichts und kontakt zu tieren hatte ich auch nicht. mir fiel aber rel. schnell auf, daß es in der praxis viel schlimmer war als in meiner wohnung.
zuerst wußte ich nicht warum, hab aber gekündigt, weil die beschwerden (u.a. extrem entzündete augen) da nicht auszuhalten waren und nichts half.

kurz vor ende der kündigungszeit hab ich durch zufall herausgefunden, daß der inhaber der praxis, der auf "entgiftungen" spezialisiert war und damit sehr viel geld verdient hat, in dem raum, in dem auch die testungen und beratungen stattfanden, große mengen lindan versprüht hatte (sehr giftig und damals schon verboten) und das gast ja ewig lange aus.

infos gab es damals noch fast keine und baubiologen usw. nehmen für untersuchungen von wohnungen usw. viel geld und es bringt oft nicht viel, weil man halt nur das findet, wonach man sucht und bei den irrsinnig vielen schadstoffen, die heutzutage überall drin sind, wird nie nach allen gesucht, sondern immer nur nach ein paar.

es dauerte daher noch ziemlich lange und erforderte noch ein paar wohnungswechsel bis ich genug infos hatte bzw. teils auch selbst rausgefunden hatte, was geht und was nicht.

z.b. enthält heizkörperlack üble schadstoffe, ebenso teppiche, teppichböden, pvc, laminat, vorhangstoffe, polstermöbel, matrazen, viele möbel usw.

und solang man das zeug permanent einatmet, nützen auch div. behandlungen usw. nicht viel. kosten nur viel geld.

ich hab dann aber gsd eine wohnung gefunden, die ok ist und in der ich auch arbeiten kann und konnte dann einiges noch weiter bessern, so daß ich z.b. auch wieder fast alles ohne probleme essen konnte, was vorher lange nicht möglich war. durch den crash war alles wieder uv, bessert sich aber schon wieder. :)


lg
sunny
 
Beitritt
10.01.04
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Da weise ich doch gleich auf das "Lexikon" zu Wohngiften hin:


Bei mir war es ein großer Billilgschrank, der Formaldehyd ausdünstete, was ich durch einen schlichten Test aus der Apotheke heraus gefunden habe.
Ab da wurde mir immer klarer, daß ich auf alles Mögliche reagierte und immer noch reagiere. Das hat mich in Bezug auf Gifte sehr aufmerksam werden lassen.

Grüsse,
Oregano
 
Beitritt
12.10.18
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einen schlichten Test aus der Apotheke

es ist ja schon mal sehr gut, daß es das gibt, aber es sind ja immer unzählige schadstoffe in der wohnung und selbst bei "bio"-möbeln ist man davor nicht ganz sicher, weil die bäume schon im wald mit pestiziden usw. "behandelt" werden, aber es ist wohl weniger als bei normalen möbeln usw.

und "entgiftungen" bringen auch nicht wirklich was, weil man das zeug ja immer wieder einatmet.

eine möglichkeit, wenigstens etwas zu vermeiden ist es, dem vermieter, vor allem auch bei einer neuen wohnung zu sagen, daß man die renovierung selbst übernimmt. er wird sich freuen, weil er geld spart und evtl. auch einen zuschuß zahlen.

und beim neukauf von möbeln, e-geräten usw. darauf achtet, daß es wenigstens nicht nach chemie riecht. damit kann man wenigstens einen teil der schadstoffe vermeiden.

bis schadstoffe in der wohnung komplett ausgegast sind, kann etliche jahre dauern.
dann sind sie nicht mehr in den möbeln, matrazen usw., sondern im körper.....................


lg
sunny
 
Beitritt
24.02.18
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1.599
Entgiften funktioniert immer. Die Kunst ist es mehr rauszudrücken als man reinschiebt.
Das Problem ist nur das man diverse Stoffe nicht so einfach entgiften kann.
Schwemetalle sind da noch relativ einfach. Dioxine, PCB usw sind gar nicht möglich.

Man muss auch mal die Kirche im Dorf lassen.
Streng genommen darf man gar nichts mehr essen und wenn überhaupt nur in Nackten Lehmhütten wohnen um es mal zuzuspitzen. Plastik ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und jedes Plastik hat Weichmacher drinne.
BPA ist verboten, und ein Weichmacher. Aber auch alle anderen Weichmacher sind nicht förderlich für die Gesundheit.
Faktisch ändert sich in der Praxis somit nichts. Dann wird halt ein anderer Weichmacher eingesetzt der uns krank machen kann der aber noch nicht als krankmachend eingestuft ist.

Asbest ist perse kein Problem solange wie es keine Emissionen gibt. Da hat der Handwerker mehr Belastungen zu ertragen als der Bewohner selbst...

Formaldehyd kann man im Aktufall therapieren. Ob Amioniumcarbonat ( Antidot) aber auch bei chronischen Belastungen was taugt ist unklar. Vermutlich bleibt alles an die Leber hängen.

In Summe hilft es auf jeden Fall die Leber und Nieren gesund zu halten und einen tauglichen Baubiologen zu bestellen der die Bude in Augenschein nimmt. Der findet alles raus. Man muss den nur genügend mit Geld bedrohen. Als Alternative gibt es auch Institutionen des jeweiligen Landkreises die das machen. Bei erfolgreicher Allergie, könnte man das Geld vielleicht sogar von der Kasse (teilweise) ersetzt bekommen.
Um Allergien loszuwerden muss man sich auch mächtig anstrengen und eine wirkliche Garantie gibt es nicht. Es gibt Leute die Allergien mit einer Schwermetallausleitung, oder generell Entgiftung beseitigt bzw. gelindert haben. Wie das Immunologisch möglich ist, ist mir zwar ein Rätsel da dazu immer ein Schadstoff + ein Immuntrigger benötigt wird wodurch Gedächtniszellen entwickelt werden die man perse mit Schwermetalle nicht raus bekommt sondern nur die Schwermetalle selbst... ... aber egal. Viel Wahrscheinlicher ist das die Gedächtniszellen irgendwann dezimiert werden und dadurch die Allergie verschwindet/sich bessert.

Als Beispiel Heuschnupfen innerhalb der Kindheit die man im laufe der Zeit als Erwachsener abgelegt hat. Wenn man sich Impfen lässt ist man bei bestimmten Erregern ja auch nicht immer Lebenslang geschützt. Beispiel Hepatitis oder Tetanus. Wobei man dazu sagen muss das eine solche Impfung die Lokal injeziert wird ebenso Immunologische Störungen verursachen können. Wenn sich der Impfverstärker (Adjuvants) zufälliger weise mit Nüsse verbindet, entwickelt man eine unschöne Nussallergie. Daher sind auch eher nur Lebendimpfstoffe ( die haben keine Wirkverstärker) empfohlen.
 
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