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Dazu dieser Artikel:

... Wovor Rechthaber Angst haben

Nächste Frage: Was steckt denn dahinter, dass Jan um jeden Preis nicht verlieren also gewinnen will. Bei der Frage wird es all jenen langsam heiß, die selbst gerne Recht haben. Mir zum Beispiel. Die Angst vor dem Verlieren, vor dem nicht Recht haben hat mehr mit dem eigenen Selbstvertrauen zu tun, als manchem lieb sein dürfte. Menschen, die sich ihrer Qualitäten bewusst sind, haben es schlichtweg nicht nötig, aufs Rechthaben zu setzen. Das bedeutet, wer sich seiner selbst sicher ist, kann aufs Rechthaben verzichten. Wer aber darauf angewiesen ist, fehlendes Selbstvertrauen durch Erfolge im Außen zu ersetzen, braucht diese Rechthaber-Siege wie die Luft zum Atmen.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Auch wenn Ihr Rechthaber Jan noch so eloquent, argumentativ gut bestückt, noch so selbstsicher und noch so stark wirkt, hat sein Drang zum Rechthaben mehr mit Schwäche zu tun, als Sie auf den ersten Blick feststellen werden. Tatsächlich hat es vor allem mit Schwäche zu tun, wenn ich nicht in der Lage bin, aufs Recht haben verzichten zu können. Das können Sie beobachten, wenn Jans selbstsichere Azubikollegen sich nicht auf lange Diskussionen einlassen. Sie sehen überhaupt keinen Sinn darin, sich mit Jan ewig lang argumentativ zu kloppen, hören einfach auf und lassen ihn stehen.

Rechthaben verhindert Beziehung

Das ist, was passiert, wenn Rechthaber über die Stränge schlagen: Sie werden gemieden, weil jeder unbewusst oder bewusst bemerkt: Diesen Menschen geht es nicht um Beziehung, sondern nur ums eigene Rechthaben und folglich um sich selbst. Recht haben verhindert Beziehung. Rechthaber werden einsam.
...
Warum auch immer manche Menschen meinen, immer Recht haben zu müssen oder - anders ausgedrückt - meinen, sie hätten "die Weisheit mit Löffeln gefressen": sie verhindern Diskussionen, weil ihnen gar nicht daran gelegen ist, andere Argumente aufzunehmen und auf andere einzugehen. Sie bleiben so gut wie immer nur im eigenen Dunstkreis und wundern sich immer mal, warum sie kaum Gesprächspartner finden.

Grüsse,
Oregano
 
wundermittel
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Wuhu,
leider sehr schade und traurig, wenn Leute meinen tatsächlich Recht zu haben jedoch Menschen vorwerfen, sie wären solche "Rechthaber", nur weil sie eine andere bis konträre Meinung, Einstellung, etc pp haben - und gerade dadurch einen Diskurs (aka Gesprächspartner) verhindern, alleine schon deshalb, weil sie selbst in ihrem Dunskreis (oder Blase) trotzig verharren... 😔
 
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Es kann tatsächlich leicht passieren, dass jemand, der nicht mit den Wölfen heult und sich nicht der Mehrheitsmeinung anschließen will, ins soziale Abseits gerät - obwohl er recht hat. Die Geschichtsbücher sind voll mit Pionieren, denen erst nach ihrem Tod die Anerkennung gezollt wurde, die sie zu Lebzeiten verdient hätten. Viel verbreiteter als Rechthaberei sind nämlich fest zementierte Meinungen, die sich kaum aufbrechen lassen ("Das haben wir schon immer so gemacht ...").
 
regulat-pro-immune
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Menschen, die recht haben, sind meistens keine Rechthaber. Bei der Rechthaberei in dem obigen Artikel geht es ja um Menschen, die geradezu aus Prinzip unfähig sind, einen Irrtum oder Fehler einzugestehen.
 
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18.03.16
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Es geht um Menschen, die Meinungsstreitereien gewinnen wollen, also ist damit eigentlich jeder gemeint. Vielleicht sollte man sein Augenmerk mehr auf das Zusammenspiel von Macht und Recht richten. Lagerbildung und soziale Sanktionen dienen nämlich dem Machterhalt und nicht der Wahrheitsfindung.
 
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12.05.11
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gilt halt leider auch für Leute, die sich - vermeintlich - sicher sind, recht zu haben...
Ja, manchmal gibt es Fälle, bei denen objektiv klar sein könnte (oder geklärt werden könnte), wer recht hat, und manchmal wird um Einschätzungen und Wertungen gestritten, wo es eh keine "richtige" Meinung gibt. Im ersten Fall tritt das oft auf, was du da sagst. Besonders hier im Forum. :)

Aber da kommt für mich noch ein Kriterium der Relevanz einer strittigen Frage dazu. Im Beispiel des Artikels, ob es der Gitarrist oder der Bassist einer Band war, der etwas Schlimmes gesagt hat, da ist es Jacke wie Hose, das ist völlig belanglos und interessiert niemanden; wenn da jemand auf seinem Rechthaben beharrt, könnte es Rechthaberei sein. Wenn es aber um Dinge geht, bei denen es nicht egal ist, wer recht hat (etwa: ist der Mensch am Klimawandel Schuld oder nicht?), da sollte man es auch ausdiskutieren dürfen. Das sehe ich überhaupt nicht als Rechthaberei, es sei denn, jemand kann einfach nicht eingestehen, sich geirrt zu haben.
 
regulat-pro-immune
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P.S. Der Artikel beschäftigt sich auch nicht wirklich mit Argumentationstechniken, sondern mit einem unguten Persönlichkeitszug.
 
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18.03.16
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sondern mit einem unguten Persönlichkeitszug.

Häufig ist aber das Unterstellen eines "unguten Persönlichkeitszugs" die Folge von sozialen Sanktionen und nicht die Ursache. Erst an den Pranger und dann in die Wüste geschickt zu werden, erzeugt genau diese Mischung aus Enttäuschung, Wut, Misstrauen und Verbitterung, die dem Delinquenten dann vorgeworfen wird.
 
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Persönlichkeit bildet sich auch im Austausch mit der Mitwelt und als Reaktion auf die Mitwelt, ja. Wenn nun die Gesellschaft gewisse Persönlichkeitszüge als problematisch ansieht, dann hat sie damit nicht automatisch immer recht, und die Bewertung der Gesellschaft kann sich ja auch ändern (man denke an "Widerspenstigkeit" oder "Gehorsam"). Aber der Mensch lebt eben doch in seiner Gesellschaft, und ganz sollte er sich dem nicht entziehen, was die Gesellschaft von ihm verlangt oder wie sie ihn zu formen versucht. Sanktionen der Gesellschaft und das Phänomen der Erziehung (denn das ist ja nichts anderes) sind vermutlich öfter sinnvoll als schädlich.
 
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12.10.18
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Aber der Mensch lebt eben doch in seiner Gesellschaft, und ganz sollte er sich dem nicht entziehen, was die Gesellschaft von ihm verlangt oder wie sie ihn zu formen versucht.

das kommt drauf an, was es ist.

wenn nicht immer wieder menschen sich dem entzogen und widersetzt hätten, würden wir noch im finstersten mittelalter leben und frauen würden immer noch als hexen verbrannt.

und in amerika usw. gäbe es immer noch sklaven usw. usw.

und frauen, die sich nicht dem pillenverbot der kath. kirche widersetzt hätten, wären dauerschwanger usw. usw.

als ich jung war wurden z.b. auch noch männer, die homosexuell waren nur deswegen ins gefängnis gesperrt, obwohl sie niemandem etwas getan hatten. allein nur wegen ihrer veranlagung.
und nur weil immer wieder einige nicht das getan haben, was "die gesellschaft" verlangt, hat sich das geändert und mittlerweile dürfen sie sogar heiraten.

und frauen mußten in deutschland noch vor ca. 50 jahren ihren ehemann um erlaubnis fragen, wenn sie arbeiten gehen wollten.

und im dutzendjährigen reich wurden die deutschen, die sich nicht widersetzt haben zu mittätern usw. usw.

als ich 10 jahre alt war, mußten die mädchen in der örtlichen realschule (in einer großstadt) zum schulbesuch auf jeden fall einen rock oder ein kleid tragen. für mich einer der gründe, warum ich unbedingt auf`s gymnasium wollte. ich bin schon ab 8 j. immer mit einer jeans bzw. einer damals eher erhältlichen cordhose rumgelaufen und nur mit kleid usw., wenn ich lust dazu hatte oder bei besonderen anlässen.

das zu tun, was die gesellschafft will, fand ich immer schon nur dann sinnvoll, wenn es dazu dient, daß niemandem schaden zugefügt wird. und da wo es dazu führt, daß es hilfsbedürftigen besser geht. usw. usw.
 
regulat-pro-immune
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Begriffe wie "Gesellschaft" und "Erziehung" spielen meiner Meinung nach eine sehr wichtige Rolle im Verhalten eines Menschen, ebenso wie gewisse Charakteranlagen, die er schon einigermaßen klar mit auf die Welt bringt.

Trotzdem ist es meiner Meinung nach doch auch möglich, als Erwachsener eigene Meinungen zu hinterfragen, wenn man merkt, daß sie nicht unbedingt auf Zustimmung stoßen. Es wäre doch durchaus möglich, daß auch an den Argumenten, die mir spontan nicht einleuchten, etwas dran ist?
Dualität, mit der wir Menschen nunmal leben müssen, bedeutet doch auch, daß wir uns mindestens zwei Seiten einer Medaille ansehen können und auch jedes Mal entscheiden können, für welche wir uns entscheiden.

Ich finde es ziemlich verwirrend, "die Gesellschaft" für manche Entscheidungen verantwortlich zu machen, die letztlich von mir allein getroffen werden.

Es geht mir auch nicht so sehr um "Recht haben" sondern um "Rechthaberei" - das sind für mich zwei verschiedene Begriffe. Im Extremfall kann ein "RechthaberIn" sogar total im Unrecht sein, aber dennoch seine Meinung weiter vertreten, obwohl sie eindeutig Quatsch ist (wie meine Enkelin sagen würde ...). Das ist dann Rechthaberei für mich.

Wer mit Menschen zu tun hat, die diese Art der Rechthaberei betreiben - was ja auch seine Gründe hat - , kann sich diese Punkte einmal durchlesen und schauen, ob sie ihm evtl. helfen könnten:


Grüsse,
Oregano
 
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Ich habe es gelernt, auch wenn ich sicher weiß, dass ich Recht habe, dieses Wissen anderen nicht aufzuzwingen, selbst dann, wenn es zu ihrem Besten wäre. Neben der hier reichlich diskutierten Heilwirkung von CDL ist es vor allem die Schädlichkeit strahlenbelasteter Schlafplätze, die von vielen als Aberglaube und physikalischer Unsinn angesehen wird. Da ich vielfach bewiesen habe, dass ich in fremden Wohnungen den Schlafplatz krebskranker Menschen exakt finden kann, und es einigen 100 Menschen nach Veränderung besser ging oder sie ihre Beschwerden ganz los wurden, weiß ich, dass ich Recht habe, z.B. dass zur Entstehung von Krebs neben anderen Einflüssen immer auch die Situation am Schlafplatz beteiligt ist. Jedenfalls habe ich kein Gegenbeispiel gefunden.

Trotzdem kann ich zwar mein Wissen weitergeben, muss aber den anderen frei stellen, ob sie die Information annehmen und umsetzen oder nicht. Auch wenn es der eigene Bruder ist. Nun ja, als er mit Dickdarmkrebs im Krankenhaus lag, habe ich im Einverständnis mit seiner Frau im Haus eine Störquelle beseitigt. Das brauchte der selbstsichere Ingenieur ja nicht zu wissen. Es geht ihm jetzt, einige Jahre später, mit 88 Jahren relativ gut.

Meiner Überzeugung nach hat jeder Mensch das Schicksal, das er braucht. Dazu gehört, welche Überzeugungen er hat, welche positiven und negativen Erfahrungen zur Entfaltung seiner Persönlichkeit wichtig sind.

Mein eigenes Leben betrachte ich im Rückblick mit seinen Höhen, mehr aber seinen Tiefen, als Schule zur Gestaltung meiner Persönlichkeit. Sie hat mich zu dem geformt, was ich heute bin. Aber muss ich andere mit meinen Einsichten bedrängen? Ich meine nein!

Aber bitte, jetzt keine Diskussion über Radiästhesie. Das gehört in einen anderen Thread. Es war nur ein Beispiel.
 
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