Es annehmen wie es ist oder Schlussstrich ziehen? Aber wie?

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Wie nimmt man Dinge so wie sie jetzt sind oder am einfachsten einen Schlussstrich zieht, ohne immer wieder in Gedanken gewisse Situationen zu durchleben um sich dann zu fragen hätte ich mich damals anders verhalten oder gehandelt wäre es besser…. Ich sollte vorher aber mal erzählen worum es geht. vor einigen Jahren hatte meine Mutter einen Herzstillstand, ich wusste nicht was mit ihr passiert war als sie zusammensackte, ich konnte „nur“ den Notarzt rufen…. Sie konnte wieder belebt werden allerdings war der Hirnschaden durch den Sauerstoffmangel gravierend….. und so habe ich unter anderem durch diese Situation immer mal wieder „warum habe ich nicht…., dann wäre es…“!.... und so weiter.
Bin mir nicht sicher ob es gut ist wenn ich darüber schreibe denn auch jetzt durchlebe ich es ja wieder…. Oder ist es vielleicht gerade gut, es anderen mitzuteilen um es endgültig zu verarbeiten? Es kann doch nicht so schwer sein im „Jetzt“ zu leben…. Vergangenes ruhen lassen, was in der Vergangenheit passiert ist kann man nicht mehr ändern.
 
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Hallo Carlina,

ich kann Dir gut nachfühlen. Im Verlauf des Lebens begegnen einem so einige Situationen wo man sich später die Frage stellt, hätte man nicht auch anders handeln können? Und wenn es gleich so einschneidend ist, wie bei Deiner Mutter, ist auch der Selbstvorwurf nicht mehr weit. Damit bist Du nicht allein.

Bei der Bewältigung geht es nicht darum zu vergessen, sehr wohl aber einen Schlussstrich zu ziehen, wenn es für Dich stimmt. Einmal mehr geht es auch hierbei darum zu unterscheiden, was ist meins und was nicht.

Nun könnte man ein dickes Buch damit füllen, alle möglichen Aspekte des für und widers Deiner Handlungsweise zu analysieren und zu bewerten. Aber macht das Sinn? Und wird damit Deine Situation nachhaltig verbessert und gelöst?

Was weisst Du, warum Deine Mutter in diese Situation gekommen ist und was ihr Schicksal ist? Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir als Wesenheit Mensch nur in dieser grobstofflichen Welt bestimmte Erfahrungen machen können (Sterblichkeit, Verletzlichkeit, Schmerz, Abhänigkeit etc.) die auf seelischer Ebene nicht möglich, da wir unsterblich sind.

Rückwirkend sagt man schnell einmal, hätte ich das gewusst, hätte ich anders reagiert. Manchmal übernehmen andere Menschen-Seelen Aufgaben, die sich aus unserer irdischen Sicht tragisch sind, und ermöglichen uns damit eine für unser Leben und Reifen wichtige Erfahrung machen zu dürfen. Und dafür dürfen wir ihnen aus tiefstem Herzen dankbar sein, aber noch lange nicht schuldig fühlen. Aus der Beobachtung der Natur weiss ich, sie kennt kein entweder-oder, hingegen sowohl-als-auch. Will damit sagen, Deine Mutter muss das nicht wegen Dir durchgemacht haben, aber es war auch etwas für Dich mit dabei, oder so ähnlich.

Ich bin überzeugt, Du hast damals das getan, wozu Du in der Lage warst. Es gibt darüber nichts zu urteilen.

Es ist wohl langsam Zeit los zu lassen was war, in Liebe und Dankbarkeit für diese Erfahrung und die Person die es Dir ermöglicht hat. Es ist Zeit Dir selber zu vergeben und Deine Dir selbst auferlegten Schuldvorstellung in Liebe für Dich und die Person aufzulösen, was bedeutend schwieriger ist, als jemandem anderem zu vergeben.

Ich darf Dir ein Buch empfehlen, das mich seinerzeit sehr bewegt hat:

Paul Ferrini, Die zwölf Schritte der Vergebung - Aus der Tiefe des Herzens.
Schirmer Verlag ISBN 3-89767-092-5

Und nun wünsche ich Dir viel Kraft und Eingebung - höre und vertraue auf Deine innere Stimme - Du schaffst es, es ist einfach, aber nicht immer leicht.

Herzlichst - Philippe
 

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Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Hallo Carlina!

Phil schrieb Dir einen praktischen Rat - seinen Standpunkt und Ansatz finde ich richtig. Aus der Beschreibung Deiner emotionalen Lage höre ich "Schuld" heraus. Wir haben in anderen Beiträgen schon versucht, das Thema aufzuhellen. Meine Meinung, ich sage sie hier noch mal deutlich: Schuld ist eine der grausamsten Fallen (Selbstzerfleischung), in die ein Mensch geraten kann - und viele stecken darin.

Dein Standpunkt, "hätte ich doch ..." ist einerseits sehr ehrenwert, andererseits gibt es einen anderen Standpunkt: "Wie konnte meine Mutter mir das nur antun".

Aus meinem Leben: Wir kauften ein Gutshaus, um daraus ein Seminarhaus zu machen. Da meine Mutter nur noch mich hatte, planten wir, sie zu uns zu nehmen. Damit sie sich mit der neuen Umgebung vertraut machen konnte, luden wir sie für eine Wochen ein. Ichhatte allerdings kaum Zeit für sie, da ich mit dem Umbau mehr als alle Hände voll zu tun hatte. Nach drei Tagen starb sie. - Für mich ein Schock, klar: alte Bäume verpflanzt man nicht. Andererseits war sie ein Leben lang krank gewesen, in den letzten drei Jahren habe ich sie mehr im Krankenhaus besucht, als in ihrer Wohnung. Insgesamt gesehen war aus meinem Empfinden ihr Leben mehr Leid als Freude gewesen. Nein, ich brauchte mich nicht beschuldigen. Sie hatte ihr Leben gelebt - und ich mußte mein Leben leben und ohne sie weiter leben.

Das Entscheidende ist für mich: wer nicht im Schuldzyklus lebt, braucht sich weder entschuldigen, nochbraucht er andere beschuldigen, und hat dann auch nichts mehr, was er vergeben müßte. In meiner Welt gibt es keine Vergebung! Wenn ich mich nicht ganz sauber verhalten habe, und ich erkenne das, gehe ich zu dem Betroffenen und bringe mein "Fehlverhalten" wieder in Ordnung. Manchmal kommt man ja gar nicht umhin, "Fehler" zu machen - denn einiges kann man eben nur aus Fehlern lernen.

Grundsätzlich glaube ich: jeder Mensch kann nur für sich selber Verantwortung übernehmen - damit hat er genug zu tun. Alles, was er für andere Menschen leistet, kann nur ein relativ kleiner Beitrag sein, der "Versuch", dem anderen zu helfen. Für das Ergebnis seiner Begleitung sollte man ihn nicht in die Verantwortung nehmen, wer er nach bestem Wissen und Gewissen handelte. Unserer Hilfe sind eben Grenzen gesetzt, ganz natürliche Grenzen.

Ich kann Dir, Carlina, noch ein anderes Beispiel nennen: ein 2-jähriges Mädchen wird von der Oma auf´s Töpfchen gesetzt, und erlebt, wie die Oma stirbt. 50 Jahre später fühlt sie sich deswegen immer noch schuldig.

Und extrem: wie geht es einem Menschen - der im Schuldzyklus festhängt - dessen Mutter bei der Geburt gestorben ist?

Ich gebe Dir also keinen Rat, aber eine Bitte darf ich äußern: beteilige Dich an den Themen, in denen es um Schuld geht. Vielleicht kannst Du so ein "Kreuz" abwerfen, das kein Mensch tragen muß.

Liebe Grüße an Dich Wolfgang
 
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17.01.06
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Vielen Dank für eure Antworten…. Ja irgendwie fühle ich mich schuldig, andererseits habe ich immer und immer wieder auf sie eingeredet das mal zum Arzt gehen solle aber sie wollte nicht, dafür sollte ich immer wieder analysieren was sie haben könnte wenn es in ihrer Schulter knirschte und noch viele Dinge mehr, immer wieder „ich bin kein Arzt geh zu einem“. Ich muss dazu noch schreiben das meine Mutter eine Abneigung gegen Ärzte aufgebaut hat nachdem sie mitbekommen hatte wie mein Vater bei seiner Krebserkrankung behandelt worden war, eine Situation die für sie recht heftig war, mein Vater sollte operiert werden und hatte auch schon den Herzkatheter gelegt bekommen (wenn ich das noch richtig weiß) jedenfalls kam ein Arzt zog im alle Kabel und Schläuche und meinte zu meiner Mutter, es kam ein Notfall dazwischen sie könne ihren Mann mit heim nehmen.
Nach seinem Tot ging sie nicht mehr zum Arzt, wir hatten später darüber gesprochen wie ich mich denn verhalten sollte wenn ihr mal etwas passiert, einen Notarzt rufen, oh nein da war sie strikt dagegen, da habe ich ihr gesagt das ich es dann nur tun kann wenn sie nicht mehr reagieren kann, das komische eine Woche bevor das passierte hatten wir uns gestritten und sie sagte mir am Telefon „ich werde in deiner nähe sterben, damit du dich daran gewöhnst“! Nun ist sie sechzig und lebt in einem Pflegeheim.
Anfangs hatte ich immer wahnsinnige Angst sie zu besuchen, nicht das sie wieder stirbt, aber mittlerweile geht es das ich diese Angst nicht mehr habe. Es tut mir so unendlich leid das sie nicht mehr die Frau ist die sie vorher war, vor allem hätte sie sich ihren „Lebensabend“ auch ganz anders vorgestellt, nun lebt sie in ihrer Welt…. Ja Selbstzerfleischung das ist es was ich immer wieder betreibe, irgendjemand hat mal gesagt wenn du dich noch schlechter fühlen willst dann mach so weiter… nein ich möchte das nicht mehr, ich kann behaupten schon einiges in meinem Leben mit dieser Familie und dazugehörigen Verwandtschaft erlebt zu haben, vergessen nein, aber auch nicht wieder darüber nachdenken!
Wenn ich schon früher von Patientenverfügungen gewusst hätte dann wäre auch manches leichter gewesen, aber gut das Leben ist nun mal so, hin und wieder wird man ins kalte Wasser geschmissen.
Bin leider ein Mensch der alles viel zu nah an sich heran lässt, da werde ich auch noch einiges bei mir ändern müssen….
 

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Wolfgang hat diesen Beitrag nicht durchgekriegt, darum stell ich ihn rein.
Gruss, Marcel

Hallo Carlina - ich möchte jetzt nicht ungestüm wirken, Dich nicht bedrängen. Eines aber ist mir aufgefallen, daß ich dir gleich sagen möchte. Du schreibst:

Bin leider ein Mensch der alles viel zu nah an sich heran lässt, da werde ich auch noch einiges bei mir ändern müssen….

Ich bin froh darüber, eine intensive Nähe zu Problemen herstellen zu können. Du fühlst ein "Leider". Das Mitfühlen hat ja zwei Dimensionen - die eine ist Sensibilität. Da läuft ein reaktiver Zyklus, man läßt sich von einem fremden Problem fesseln, ist in einer reaktiven Resonanz. Die andere Ebene ist die der Sensitivität. Mit dieser Eigenschaft kann man ein Problem ohne reaktive Beteiligung erfühlen, ihm auch ganz nahe sein, ohne von Emotionen überwältigt zu werden. "Ein spannendes Thema, nicht wahr?

Mit der Beziehung zwischen Dir und Deiner Mutter werde ich mich heute Abend noch einmal beschäftigen – nach Deinen letzten Informationen war mein erstes Gefühl: mein Gott, was hat sie sich da für einen fundamentalen Konflikt zum Auflösen ausgesucht.

Wünsche Dir, Carlina, einen guten Tag Wolfgang
 
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Danke dir Wolfgang ja das klingt wirklich spannend…. Nun ich muss ja irgendwo einmal anfangen alles zu ordnen und schön verpackt in Schubladen (anders kann ich es jetzt nicht beschreiben) tun, das Erlebte nicht vergessen aber auch nicht immer und immer wieder darüber nachdenken, wieso, weshalb… gesund ist das sicher nicht, bin auch sicher das durch diese immer wiederkehrenden Gedanken der Vergangenheit, mit dazu beigetragen haben eine Angststörung zu entwickeln, die ich aber mittlerweile so möchte ich das mal behaupten hinter mir gelassen habe (gut ab und zu sind da noch so ein paar kleine Anfüge aber meine positiven Affirmationen helfen!)
Vor allem auf was man als Kind für Ideen kommen kann, als mein Vater so schlimm krank wurde hatte ich doch ernsthaft überlegt würde Gott ihn am leben lassen wenn ich mich dafür umbringe?
Das hatte ich irgendwann mal meiner Mutter erzählt, da meinte sie zu mir das sie dann ganz alleine wäre, und mein Vater hätte das sicher auch nicht gewollt… ich stelle das mal unter „Pubertärer Spinnerei!“, denn ich bin mir ganz sicher das mein Vater (auch wenn er zu Lebzeiten nicht wirklich für mich da war) nun bei mir ist… an dem Tag als meine Mutter mich verlassen sollte war ich zu vor noch einkaufen und ich hatte auf dem Heimweg wirklich das Gefühl hinter mir ist jemand den ich nur spüre der mich schiebt schnell nach Hause zu meiner Mutter damit ich sie „halbwegs“ noch retten konnte. (Sie erkennt mich heute nicht mehr, daher habe schon irgendwie Abschied genommen, sicher wenn sie dann stirbt irgendwann dann…. entschuldige ich schreibe hier irgendwie ein durcheinander, kannst du mir überhaupt noch folgen, meine Gedanken springen umeinander… mache mal eine Pause!

Schönen Abend
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Guten Morgen, Carlina - du stehst früh auf, und ich gehe früh ins Bett. Nachts, wenn die unruhigen Geister im Traumland sind, kann ich mich am intensivsten einstellen auf die Situationen, mit denen uns Menschen das Leben konfrontiert. Gut ist es, wenn wir Freunde haben, die Toleranz nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln, die uns zur Steite stehen, statt uns zu bestrafen, die stark sind und uns nicht benutzen, die wirklich verstehen können. Heute schrieb ich einem guten Freund: Das ist die beste Medizin, einen wissenden Freund an der Seite zu haben.

Du fragst, ob ich Deinen Informationen folgen kann. Dein dritter Beitrag war für mich der schönste; ich spürte, wie sich etwas begann in Dir zu entwirren. Du bist auf dem Weg, etwas Bedeutsames in Dir zu klären. Ich sehe das so, daß es etwas Ungeklärtes in Deinem Wesen gibt, und daß Deine Eltern Dir dabei geholfen haben, an dieses Problem heran zu kommen. Die Eltern helfen, daß ist jedenfalls meine Erfahrung, auch wenn ich Jahre brauchte, um zu verstehen. Ich denke, so funktioniert das Leben grundsätzlich: erst durch eine Bedrängnis kommen wir auf die Ebene, nach der Befreiung zu suchen.

Ich schildere Dir mal meinen Eindruck: Du arbeitest mit Affirmationen, das finde ich sehr gut. Du arbeitest nicht verbissen an der Aufarbeitung Deiner Erlebnisse, Du gehst entspannt vor, bist nicht getrieben, hast Geduld mit Dir, vertraust der Zeit: auch diese "Einstellung", sanft und liebevoll mit Dir umzugehen, bringt Dich in Resonanz zu heilenden Kräften. Und alles zusammen genommen an Ideen für Deine weitere Entwicklung war Deine Leistung, die Du auch nur selber erbringen konntest durch ein Gefühl, das Dich leitet.

Was Du von Deinem Vater berichtest, daß Du Dein Leben für ihn geben wolltest, halte ich keineswegs für eine Teenager-Spinnerei - im Gegenteil. Ich kenne nicht viele Menschen, (und ich kenne sehr viele) die ein solch wertvolles Gefühl besitzen. Menschen mit diesem Gefühlsstatus, das weiß ich aus Erfahrung, haben sehr viele mächtige Freunde. Ich bin mir sicher, Phil wird Dir dazu auch noch etwas sagen.

Du, Carlina, bist mir jedenfalls eine Freude, und ich bin zutiefst dankbar, Dich ein Stück des Weges begleiten zu dürfen.

Wolfgang
 
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17.01.06
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Hallo Wolfgang, ich finde wenn man den Tag früh beginnt hat man mehr davon, der Sonnenaufgang die frische Luft und wenn die Vögel anfangen zu singen, wenn die Natur erwacht…..beim Grab von meinem Vater, er ist auf einem Waldfriedhof beerdigt, die Bank hinter den Gräbern hat mich schon so manche Stunde ausgehalten da zu sitzen und nur der Natur zu lauschen aber auch seinen Gedanken zu ordnen bzw. es zu versuchen, es hat mir viel gebracht dort zu sein. Klar was soll man eigentlich zu Lebzeiten auf einem Friedhof…. der Frieden und die Stille, keine laute Musik, keine hektischen Menschen ……na ja für mich war es etwas besonderes, habe mich manchmal gefragt ob die Menschen die dort liegen das Leben genossen haben… wie es ihnen ergangen ist… manch ein Grab übermäßig gepflegt, liebe Verwandtschaft die diese Person wirklich geliebt haben, andere verwahrlost war dieser Mensch zu Lebzeiten so böse oder hat man ihn einfach vergessen? Nun ich denke so kann man das sicher nicht immer behaupten,

sorry nun fange ich schon wieder an zu springen aber ich muss schon sagen… wenn ich erst einmal angefangen habe zu schreiben kommt immer eines zum anderen, dann muss ich mich über mich selber wundern, einerseits habe ich sorge nicht zu wissen was ich schreiben soll und dann…. wie du siehst….

Du schreibst von Freunden… leider habe ich da nicht wirklich welche…. bin so oft von den Menschen enttäuscht worden… da zieht man sich zurück, halte mich da lieber an Tiere die enttäuschen einen Menschen nicht (aber der Mensch oft die Tiere), leider wurde meine geliebte Katze vor ein paar Monaten überfahren… der „natürliche Feind“ einer Katze ist das Auto… leider!
Bin erstaunt was du so treffend über mich schreibst, schön von dir zu lesen….


Schönen Abend
 
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25.01.05
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Grüss Dich Carlina,

ja, die frühen Morgen sind schön, und ja Wolfgang, ich mag auch die späten Abend- und tiefen Nachstunden, und ich mag zu jeder Tages und Nachtzeit mich hinlegen, dösen und schlafen, eben so wach zu sein. So hat jede Tageszeit ihre ganz eigenen Qualitäten die ich alle, jede für sich mag.
Dankbar, mich hinlegen zu können, wenn mein Körper danach fragt.

Dass Du Dein Leben für Deinen Vater hingeben wolltest, so höre ich bei Dir heraus, zeugt von tiefer Liebe, aber auch von einem eigentlich entspannten Verhältnis zu Deiner Vergänglichkeit und Deinem Sterben, möglicherweise auch von einer Zuversicht, dass da noch was anderes auf uns wartet.
Vielleicht täusche ich mich auch - dennoch, ich glaube etwas in diese Richtung heraus zu hören.

Ich bin nie in die Lage gekommen, mein Leben für jemanden hingeben zu wollen. Hingegen bin ich heute an dem Punkt, wo ich mir selber treu bin, über den Tod hinaus (mei, hört sich das wiede pathetisch an...). Mir selber treu sein ist in diesem Fall nicht purer Egoismus, es ist eher das was man Eremitentum nennt, sich aus der Welt zurückziehen.
Du sprichst die Freunde an. Je weiter man auf seinem Weg kommt, besonders dann wenn es den Berg hinauf geht, um so schmäler wird er. Er wird steiler und karger, aber nicht weniger faszinierend, und es bleiben immer mehr unserer Begleiter zurück. Die letzten paar Schritte legen wir alleine zurück, und hinter dem Tor...

Enttäuscht ist ein sehr schönes Wort, es beschreibt eindrücklich was passiert: die Täuschung entfällt und es folgt die Klarsicht. Alte Seelen sind oft alleine und einsam und haben manchmal eine Tendenz zum Eremiten. Sie mögen auch nicht in Beziehungen eingeengt sein, benötigen ihren Freiraum, gerade auch um mal in tiefen Nachstunden am Bildschirm zu sinnieren, oder sich am frühen Morgen am Gesang der Vögel zu erfreuen.

Denk dran, scheint der Weg auch noch so einsam, Du bist nie alleine.

Herzlichst - Phil
 
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Guten Abend Phil
Ich bin dir dankbar für deine Zeilen…entspannt bin ich eigentlich nicht was meinen Tot irgendwann …mal betrifft, denn genau wie ich hatte auch mein Vater sehr große Angst vor dem Tot, durch seine Krebserkrankung waren wir oft gezwungen den Notarzt zu rufen, doch bei einem der ersten male wollte mein Vater das überhaupt nicht….. denn dieser Arzt könnte ihn eine Spritze geben und dann wäre es gleich vorbei. :greis:
Einerseits sage ich mir, das ich keine Angst vor dem Tot haben muss, da, da so viele liebe Menschen sind die ich wieder sehen kann/könnte…. Andererseits die Angst vor dem sterben das ist ein Thema für sich!
Leb den Tag ….

Eine schöne Woche wünsche ich euch Allen!
:wave:
 
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19.03.06
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Hallo, Carlina,

der Herr Jensen bat mich, diesen Beitrag an seiner Stelle zu posten, was ich hiermit tue!
Gruß von
León

Kannst Du mir den folgenden Beitrag posten - für Carlina - ich schaffe es zum wiederholten Mal nicht. Danke!

Meine Nachricht vom Freitag an Dich, Carlina, ging wieder nicht durch. Ich schickte den Beitrag Marcel mit der Bitte um Hilfe - das kam auch irgendwie nicht an. Jetzt versuche ich es noch mal:

Hei Carlina, genau, wenn die Vögel das Singen anfangen, bin ich ja noch wach. Das ist schon ein gutes Gefühl, wenn ein neuer Tag anbricht, ich wieder eine neue Chance bekomme, am Leben teilzunehmen.

Was den Friedhof betrifft - ist doch gut, wenn es Dir gefällt. Ich habe damit nicht viel am Hut, meine dieses ganze Brimborium, was um die sterblichen Überreste gemacht wird. Manch einer der Eingebuddelten hätte sich über Zuwendungen zu Lebzeiten sicher mehr gefreut.

... andere verwahrlost war dieser Mensch zu Lebzeiten so böse oder hat man ihn einfach vergessen? Nun ich denke so kann man das sicher nicht immer behaupten

Genau. Meine Mutter habe ich unter die Erde gebracht, und dann schlug mein Schicksal zu und führte mich ziemlich weit weg von ihrer Grabstelle. Ich liebe meine Mutter immer noch und bin dankbar für das, was sie mir mit auf den Weg gab - etwas darüber hinaus ist für mich nicht wichtig.

sorry nun fange ich schon wieder an zu springen aber ich muss schon sagen… wenn ich erst einmal angefangen habe zu schreiben kommt immer eines zum anderen, dann muss ich mich über mich selber wundern, einerseits habe ich sorge nicht zu wissen was ich schreiben soll und dann…. wie du siehst….

Du wirst lachen, früher als Junge in der Schule: Aufsätze waren für mich eine Katastrophe, Briefe schreiben ein Graus. Heute sprudeln die "Texte" nur so aus mir heraus - muß den Fluß mit Vernunft bremsen. Ich möchte dich ermuntern, mach weiter so, erlaube Dir die Freiheit des aus-Dir-Fließens. Darunter leiden ja viele Menschen, weil sie ständig unterdrückt wurden und glaubten, fremden Erwartungen gerecht werden zu müssen.

Ich schreibe seit 20 Jahren ein Tagebuch - und das war Balsam für meine Seele. Warum sollte es Dir anders ergehen? Außerdem hast Du ja hier Ansprechpartner, die Dich begleiten, wenn´s mal dicke hoch kommt.

Ja, was die Tiere betrifft kann ich Dir nur zustimmen. Kannst du Dir keine neue Katze aus dem Tierheim oder vom Bauernhof holen? Allerding ist ein Tier kein Ersatz für die Begegnung mit Menschen, meine ich. Wenn Du mit Freunden schlechte Erfahrungen gemacht hast, ist das schade, kann aber auch bewirken, daß Du künftig mehr darauf achtest, Deine Grenzen zu bewahren und Dich nicht aus der "Hand" zu geben. Du hast ein so nettes Wesen, da kreuzt der oder die Richtige sicher Deinen Weg.

Sei gut zu dir, achte auf Dich, beschuldige Dich nicht für angebliche Versäumnisse, fühle aufmerksam, daß Du beschützt wirst und Begleiter da sind, auch wenn Du sie nicht sehen kannst. Eine Hölle können Dir andere nur machen, wenn Du es zuläßt; Deinen Himmel mußt Du Dir selber machen.

Liebe Grüße für Dich, Carlina, von Wolfgang


Als Ergänzung: Leben und Tod sind ein spannendes Thema - willst Du es hier im Forum nicht mal gestalten?
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Ja, lieber León - wo die Liebe waltet, ist kein Berg zu hoch.

herzlichsten Dank an Dich für die Versorgung mit einem sehr guten Gefühl.

Wolfgang
 
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21.04.05
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Hallo Carlina,

Dein Thema hat mich an etwas aus meinem Leben erinnert.
Vor 4 Jahren stritt ich mich mit meinem Vater, am selben Abend und einen Tag danach bekam er einen Herzanfall.
Er überlebte, brauchte einen Bypass.
Wir haben nie darüber gesprochen - ob er wohl je mich als Schuldige gesehen hat?
Denn ich hab mich damals schuldig gefühlt - was wäre wenn wir keinen Streit gehabt hätten.
Dabei wäre es wohl auf jeden Fall passiert und war vielleicht nur Zufall, das es grade zu dieser Zeit war.

Damals ging es mir damit nicht gut, da ich da grad in einer Therapie war, hab ich es gleich mit verarbeitet.

Dich trifft keinerlei Schuld Carlina - aber anscheinend fühlst Du Dich noch schuldig und hast Dir selbst nicht verziehen. Vielleicht ist das der nächste Schritt für Dich?

Einen Friedhof hab ich auch hinter meiner Wohnung und sitze dort auch öfter - denn es ist wie eine Oase in der Stadt, ruhig und voller Tiere.
Die Gedanken, die Du Dir dort manchmal machst, kenne ich auch, mittlerweile denke ich öfter, ein Leben kann so schnell vorbei sein, alles was in diesen Menschen vorging ist vorbei.
Wie wichtig ist es doch, jeden Tag zu leben und dankbar dafür zu sein..

Viele Grüße
 
Themenstarter
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17.01.06
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Entschuldigung dass ich jetzt erst antworte, aber ich konnte keine Verbindung zum Internet aufbauen….

Danke Wolfgang für deine Zeilen… ich und das Thema „Leben und Tod“ hier gestalten, hm….so ähnliches gibt es hier doch schon?!

Eine neue Katze irgendwann mal aber noch nicht jetzt… klar ein gutes Gespräch mit einem Menschen können Tiere nicht ersetzen, da führt man ein Monolog. Wenn die Zeit gekommen ist, dann….

Damals als mein Vater gestorben ist hatten wir beschlossen das Grab immer zu erhalten, mittlerweile bin ich aber auf dem Standpunkt es nach Ablauf nicht zu verlängern, es hat niemand etwas davon, solange die Verstorbenen in unseren Herzen und Gedanken sind sind sie nicht vergessen, ich denke mittlerweile das ist viel mehr wert als ein Grab….. obwohl ich schon auch froh war eine „Anlaufstelle“ zu haben, man muss ja auch nicht in die Kirche gehen um zu beten ...

@Sternenfee,
manchmal denke ich auch das ich ungerecht bin, da beklage ich mich über verschiedenes doch das sollte man nicht, wenn ich dann Menschen sehe denen es nicht so gut geht wie mir sollte ich doch viel dankbarer sein das mein Leben so ist wie es ist mit allen Höhen und Tiefen, versuchen sich nicht sorgen über Vergangenes zu machen sondern gespannt sein auf die Zukunft.

Einen schönen Tag euch allen!
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Hei Carlina - ich finde, Du hast sehr klare Gedanken, du kannst sie gut ausdrücken, und Deine Einstellungen/Ideen zum Leben könnten in "Deinem" Thema zu Wort kommen.

Damit bereicherst Du ja nicht nur uns, sondern hast selber die Möglichkeit, Deine persönlichen Fragen, die aus der Betrachtung Deiner Vergangneheit auftauchen, im Kreise von Freunden zu besprechen. Allein das Schreiben hat - das ist meine Erfahrung über viele Jahre - eine heilende Wirkung: Erinnerungen werden nicht nur aufgefrischt, man kann erst durch eine umfassende Betrachtung schwelende Konflikte entschärfen und abschließen.

Täusche ich mich denn, wenn ich eine Freude beim Schreiben bei Dir spüre?

Entschuldigung dass ich jetzt erst antworte, aber ich konnte keine Verbindung zum Internet aufbauen

Für mich war es viele Jahre nötig, Formulierungen neu einzuüben, zu ändern, was man mir beigebracht hatte - ich schreibe heute:

"Weil ich keine Verbindung ins Internet aufbauen konnte, kann ich euch erst jetzt anworten".

Es ist nur eine Kleinigkeit - mit großer Auswirkung auf das eigene Selbstverständnis. Also, bei mir kannst Du dreimal das "Danke" weglassen, wenn Du einmal auf das Entschuldigen verzichtest.

In unserer Welt ist Schuld eines der furchtbarsten Gifte - und besonders betroffen davon sind (leider) Frauen.

Was die Dankbarkeit betrifft erzähle ich Dir eine kleine Geschichte:

wenn jemand bei mir über Halsschmerzen klagt, sage ich - sei froh, daß du keine Giraffe bist.

Einen heiteren Tag wünscht Dir von Herzen Wolfgang (der sich in diesem Moment auch freut über ...)

PS. Für welche Lebensthemen interessierst Du Dich besonders?
 
Themenstarter
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17.01.06
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Hallo Wolfgang, ein Lob für meine Gedanken/ Schreiben das tut gut, ich selber bin ja recht kritisch mit mir… nein getäuscht hast du dich bisher noch nicht, es macht mir wirklich spaß zu schreiben.

Ich habe auch hin und wieder mal so Phasen indem ich aufschreibe was ich so erlebt habe also kein Tagebuch, mehr ein „hin und wieder im Monat Buch“ oder so, also nichts was in regelmäßigen Abständen gemacht wird. Habe auch schon gemerkt wenn ich mir etwas von der Seele schreibe, danach eine Besserung meines Befindens eintritt, und wenn etwas ganz besonders war was meine Seele zu bewältigen hatte habe ich den Aufschrieb danach verbrannt, das kam bei Erlebnissen vor mit denen ich endgültig Schluss machen wollte oder wenn ich mir etwas sehr wünsche…. sicherlich ein Widerspruch... aber ob es hilft bei Wünschen schön wärs....:confused: und naja Gedanken über die Vergangenheit mache ich mir doch immer noch... daher kam ich ja auf die Frage wie ich einen Schlussstrich ziehen kann.

Du fragst nach Lebensthemen… :schlag: hilfe ich steh auf dem Schlauch :eek:)

Schönen Abend!
 

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Hallo Carlina, gib den Schlauch frei, wenn Du mit dem Wasser Blumen begießen kannst. Niemand drängt Dich! Vergangenheit ist sehr sensibel - und am leichtsten kann ein Mensch wohl mit ihr umgehen, wenn er gleichzeitig seine Gegenwart harmonisch und zufriedenstellend gestaltet. Eine Maßnahme, die auch mir gut tut, wäre, hier jeden Tag ein paar Beiträge zu schreiben - raus gehen und Lächeln üben - mit dem Fahrrad in die Natur fahren. Klar, es gibt bessere Optionen - vielleicht kommen ja noch ein paar davon bei Dir an.

Was den "Schlußstrich" betrifft, bin ich wohl ein nur schlechter als rechter Begleiter. Vergangenheit ist nach meinen Erfahrungen nicht auslöschbar. Ich konnte sie nur verstehen, sie um einen Roten Lebensfaden herum einsortieren als "notwendige Übel" bewerten und so eins nach dem anderen abhaken. Und ich mußte Verhaltensweisen ändern, die man mir aufgezwungen hatte. Einige davon waren äußerst gemein, subtil, tief im Unbewußtsein versteckt - allerdings griff das Gelernte über das Unterbewußtsein sehr aktiv in meine Lebensgestaltung ein, über viele Jahre meines Lebens machte mir das Probleme. Jedoch vermag ich nicht zu beurteilen, wie das bei anderen Menschen funktioniert.

Wenn Du magst - ich mag - können wir darüber auch intensiver sprechen.

Alles Liebe Dir, Carlina, wünscht Wolfgang
 
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