Hallo Oregano,
ich finde es gut, dass du versuchst die Augen für das Thema zu öffnen.
Ich wähle mal den ganz pragmatischen (nicht psychologischen) Ansatz: der Körper schreit nach Essen, wenn was fehlt und kann auf unnatürliche Nahrung nicht gut reagieren.
Also wäre da mein erster Fokus: kommt genug Eiweiß rein? (Wachstum, Baustoff von Kopf bis Fuß. Mangelsymptome sind zB öfter Infekte, Kieferfehlstellung usw.)
Fett ist auch sättigend. (ist Haushalt fettarm? Und dafür zuckerreich?).
In dem Alter würde ich mit dem Kind eher generell übers Essen reden (zB was artgerechte Nahrung für Tiere ist. Beispiele können Hunde oder Katzen sein, die dick werden, Zähne verlieren etc., wenn sie falsch ernährt werden. Im Zoo kann man auch gut erkären, warum die Tiere nicht mit "Menschennahrung" gefüttert werden).
Dann überleiten, was wir Menschen brauchen - wo Eiweiß drinnen ist, wie der Körper es braucht, damit das Skelett gebildet werden kann, die Zähne usw. (in der Schule haben sie ja auch schon Sachunterricht).
Das müsste auch insofern gut funktionieren, dass sie dann auch selbst ein wenig drauf achtet, dass sie jeden Tag genug Eiweiß hat. (da bleibt dann automatisch weniger Platz für Schrott).
(Für die Eltern: drüber nachdenken, dass sie mit übergewichtigem Haustier schnell als schlechte Tierhalter dastehen würden, denen die Abnahme vom Tier drohen könnte. Nur mal als Augenöffner. Leber- und Herzverfettung in dem Alter ist nicht harmlos.).
Süßkram eher unaufällig "ausschleichen". In dem Alter gehen die Kids ja noch nicht alleine einkaufen.
Also kann man es gut eher unaufällig machen. Generell schauen, dass keine Vorräte da sind. Keine Säfte (allein schon wegen der Zähne).
zB sagen, dass man leider vergessen hat die Schoki zu kaufen. Oder es gab die Lieblingssorte nicht.
Durststiller ist immer Wasser. Wenn das am Anfang nicht geht, dann immer mehr verdünnen, auf zuckerfreie Säfte umsteigen für den Start.
Bei Geburtstagsfesten etc. ist es dann ok, wenn sie Süßkram futtern. (so haben wir das mit Kindi gemacht - sehr selten was gekauft. Im Supermarkt auch mitreden lassen, so in Richtung: "du darfst dir 1 süße Sache bei der Kassa aussuchen". (bei der Kassa gibt es ja nur die kleinen Packungen).
So konnten wir Zuckerkonsum über lange Strecken auf niedrigem Niveau halten.
Mein Sohn hatte aber auch "Staubsaugerphasen" in denen er viel zu viel von dem Kram reingefuttert hat- speziell um div. Feiertage rum (Weihnachten, Ostern etc.). Bzw. 2 Monate im Jahr mit sehr vielen Geburtstagen (da auch jeweils Süßkram in der Schule, dann bei den Festen).
Da hat er am Bauch richtig welliges Fettgewebe (je nach Lichteinfall sichtbar) bekommen. Auf somatische Intelligenz kann man da nicht hoffen. Süßes ist in der Natur kaum vorhanden. Daher gibt es kein "Stop" vom Körper, sondern eher ein "nimm was du kriegen kannst" (schnelle Energie) als Überlebensmechanismus.
Wichtig, dass die Kleine nicht das Gefühl hat hungern zu müssen. Also immer Alternativen anbieten (zB auch Deftiges - Eiermuffins mit Speck im Kühlschrank als Reserve aufbewahren - sättigt langfristig). Obst ist auch eher kontraproduktiv (rasch wieder Hungergefühl).
Wenn Pudding und Co --> Keto Variante (gibt es mittlerweile in jedem Supermarkt - Proteinpuddings. Die mit Mascarpone oder Schlagsahen auffetten - dadurch lange Sättigung). Und das ist dann ihr "Süßkram". (oder selbst backen - Birkenzucker und Mandelmehl verwenden usw.)
Also nicht auf Zwang "Magen füllen" (mit Gemüse und Co.), sondern Baustoffe liefern und super leckeres Essen (das die Baustoffe enthält).
Aktuell hat ihr Körper vermutlich verlernt Ketone zu bilden und zu verwerten, einfach weil sie so viele KH isst. Man merkt es daran, dass Kinder die noch einen flexiblen Stoffwechsel haben stundenlang aufs Essen vergessen können. Jene, die voll im KH Stoffwechsel drinnen sind, futtern von Früh bis Spät oder werden unleidlich wenn die Essenspause zu lang ist (und Laune bessert sich sofort, wenn sie was zum Essen bekommen).
Somit wäre aus meiner Sicht am Anfang gut sie einfach immer essen zu lassen - allerdings das "Richtige" (im Sinne von: wenn du Hunger hast, dann kannst du eine Eierspeis haben oder Fischssäbchen, Chickennuggets...) - also Schwerpunkt auf Eiweiß (und Fett). Pommes weglassen oder Portion immer kleiner werden lassen, dafür mehr vom Fleisch ("oh, wir haben keine mehr").
Auch Nudeln, Reis --> Portionen verkleiner (dafür mehr Fleisch/Eiweiß).
Auf dem Weg wird ihr Körper lernen auch wieder auf Ketone umzuschalten. (und ja, in der Zeit in der der Zuckerspeicher geleert wird, kann das zu schlechter Laune führen - aber dann eben auf andere (zuckerfreie) Speisen - umsteigen).
Die Umstellung - gesunder Stoffwechsel, der zwischen Ketonen und KH hin und her schaltet - geht bei den Kids zum Glück noch recht schnell.
Während mein Sohn streng Carnivore war, hatte er einen Freund für 10 Tage auf Besuch. Der Freund ist enorm in die Breite gewachsen. Hatte säckeweise Gummibärli, Schoki und sonstigen Schrott mit. Die ersten Tage hat er bei uns kaum was gegessen und sich nur von seinen Snacks ernährt. Ich hatte mit seinem Vater abgesprochen, dass ich ihm keinen Süßkram kaufen werde (Obst etc. gab es für ihn, auch süße Ketosnacks - eben zB Proteinpuddings).
Seine Mutter war dem Thema Übergewicht auch recht hilflos gegenüber und hat in ihrer Hilflosigkeit auch das große Fresspaket mitgegeben.
Sobald sein Vorrat leer war, gab es 2 Tage ein wenig Unruhe (immer wieder Suche und Nachfrage nach Süßkram. Wir hatten es leicht, da ich ihm erklärt habe, dass es das bei uns einfach nicht gibt. Anderer Haushalt - ist halt so).
Gegen Ende des Aufenthalts hat er kaum mehr an Essen gedacht (also von "dauernd grasen", hin zu "im Flow". Die Jungs waren viel unterwegs (Rad, schwimmen...). Anfänglich wollte er kaum was unternehmen (nur TV/Spiele). Und die paar Tage haben gereicht, dass er deutlich abgenommen hat (das Aufgedunsene war schnell weg).
Auch Lust auf Steaks ist schnell erwacht (davor nur panierte Sachen).
(sein Papa war begeistert, die Mama auch - aktuell hab ich keinen Stand. Fürchte aber, dass er in alten Mustern drinnen ist und vA ist er nun alt genug um selbst einzukaufen...)
Also ja - Umstellung geht recht schnell und das Gewicht purzelt dann automatisch bzw. wird vermutlich ein Wachstumsschub ausgelöst, und damit ändert sich er Körper enorm schnell). Und eben nicht "hungern" lassen, sondern deftige Speiseauswahl lassen, damit der Körper checkt, dass er gefüttert wird mit Sachen die er braucht.
Sobald die Umstellung da ist (Stoffwechsel flexibel ist), kann man dann noch feiner drehen (zB Essenfenster verkleinern - kein Mensch braucht Frühstück/Mittag/Abendessen. Wäre in der Natur auch nicht so. Mein Kind isst entweder Früh+Mittag oder Mittag + Abend. Nicht weil ich das so vorgebe, sondern weil das automatisch so stattfindet. Auch wenn er "Mischkost" isst. Die Pausen sind wichtig, damit der Verdauungstrakt sich erholen kann).
In Kindis Schule sind einige stark übergewichtige Kinder. In der Volksschule ging es noch. Aber mit dem Eintreten der Pubertät wird es immer mehr Thema. Auch so Dinge wie Turnunterricht - Kinder, die kaum laufen können. Oder beim Skifahren fast nur am Rand sitzen konnten, weil ihnen einfach die Energie aufgrund der Körperfülle gefehlt hat. Unschön.
(Mein Sohn holt sich Sushi aus dem Supermarkt oder was an der Fleischtheke, wenn er lange Tage hat. Er ist zum Glück nicht mehr in das "Süßkramfuttern" zurückgefallen. "Damals" hätte und hat er jeden einzelnen Cent in Süßkram investiert. Bei Projekttagen haben die Kids - ich glaub das war so mit ca. 9 Jahren - sofort ihr Taschengeld in Sükram umgewandelt)
Mir ist klar, dass dir vieles vom obigen bekannt ist - denke mir nur als Auswahl für deine Familie (eventuell ist da was dabei, womit sie in Resonanz gehen können). Und vA ist sie jetzt noch jung genug, um da gesund rauszukommen, ohne dass es Spuren hinterlässt.
Alles Gute deiner Enkelin
lg togi