Einen Ausweg finden

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Hallo zusammen

War schon länger nicht mehr hier, aber nun muss ich mal wieder etwas loswerden.
Ich glaube ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich dringend was ändern muss, bis jetzt hab ich irgendwie alle Hinweise von Kollegen Familie etc. ignoriert, aber als letzthin sogar mein Chef zu mir sagte, ich solle mal endlich Ferien machen, immer nur Arbeiten kommt auf die Dauer nicht gut (und er ist eigentlich auch ein Dauerarbeiter), irgendwie gibt mir das schon zu denken :schock: Nur, ich versuche ja schon seit Jahren, meinen "Stress" in den Griff zu kriegen, nur jedesmal wenn ich mich mal ein paar Tage zurückhalten kann, artet es danach noch mehr aus. Wenn ich so nachdenke, bin ich eigentlich seit der Lehre im Dauerstress, denn während der Lehre arbeitete ich immer auf den Lehrabschluss hin - es würde ja danach mehr Freizeit geben. Anschliessend an Lehre wurde ich in den Vorstand eines neugegründeten Vereins gewählt, in welchen ich jede Freie Minute steckte, während ich gleichzeitig in einem anderen auch sehr Zeitintensiven Verein noch aktivmitglied war, somit war also wieder nichts mit mal einfach etwas abschalten. Ich nahm mir dann vor, nur eine Weile im Vorstand zu bleiben, bis sich der Verein (war eine Neugründung) mal etwas gefestigt hat und es dann gute Nachfolger gäbe. Nach zwei Jahren konnte ich meine Arbeit dort nicht mehr richtig pflichtbewusst ausführen, da ich auch Beruflich sehr eingespannt war. Hab somit relativ spontan meinen Rücktritt bekannt gegeben, gleichzeitig aber wiederum ein nebenberufliches Studium begonnen, da ich sicher war, wenn ich das jetzt nicht mache, dann wohl nie. In diesem Studium stecke ich gerade mittendrin, und eigentlich macht es mir auch Spass, aber mir fehlt einfach überall die Zeit, im Büro ständig Überstunden in der Hoffnung, mal etwas aufarbeiten zu können (was aber nie funktioniert, da dann einfach am nächsten Tag immer wieder neues nicht erwartetes dazu kommt) und die Schule erwartet eigentlich, dass wir nur 4 normale Tage pro Woche arbeiten damit neben 1.5Tagen Schule die restl. Freizeit für Schularbeiten aufgewendet werden kann.. Es geht einfach nirgends auf!?
Trotzdem, ich möchte die Schule fertig machen (bin sowieso viel zu Stur um einfach aufzugeben), und im Büro nicht meine Hauptverantwortung abgeben (es geht um ein 30mio Projekt), sondern lieber kleinere Arbeiten delegieren, womit ich aber sehr Mühe habe da ich nicht andere mit Arbeit zuschütten möchte.
Vielleicht habt ihr einen guten Tipp, ich weiss sonst nicht wie lange das noch gut geht so :confused: Vorallem werde ich je länger je unproduktiver, an Dingen die ich früher ziemlich schnell erledigt hatte, brauche ich heute Stunden, meine Konzentration hat wahnsinnig nachgelassen, geschweige denn wie vergesslich ich geworden bin. Wo ich früher immer Perfektionistin war, passieren mir immer häufiger Fehler, was eigentlich nicht mein Stil ist :-( was mich am meisten ärgert, ich reagiere immer häufiger mega gereizt, wenn irgend jemand etwas von mir will, dabei bin ich sonst eigentlich immer freundlich und lebensfroh, was ich auf keinen Fall verlieren will, da dies meine grosse Stärke ist.

Wer war schonmal an einem solchen Punkt und wie kommt man da alleine bloss wieder raus?
 
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Es geht einfach nirgends auf!?
Trotzdem, ich möchte die Schule fertig machen (bin sowieso viel zu Stur um einfach aufzugeben), und im Büro nicht meine Hauptverantwortung abgeben (es geht um ein 30mio Projekt), sondern lieber kleinere Arbeiten delegieren, womit ich aber sehr Mühe habe da ich nicht andere mit Arbeit zuschütten möchte.
Hallo Geischtli
tja, ich glaube Du wüsstest schon was Dir helfen könnte, aber stehst Dir evtl. auch selbst im Wege.
Es ist wohl wichtig, dass Du delegieren lernst, und vor allem schau wie die anderen Mitarbeiter darauf reagieren, denn es ist ja deine Sicht "da ich nicht andere mit Arbeit zuschütten möchte" versuche ganz klar mit Dir selbst zu sein, was Du noch kannst, und was nicht - was Du noch möchtest und was nicht. Dann schaue bei Deinen Mitarbeitern wer allenfalls für was geeignet wäre, und dann sei ehrlich und offen.
Falls Du aber auch Arbeitssüchtig bist, wäre es auch wichtig da zu schauen was die Gründe sind, dass Du dich so stark über deine Leistung bewertest.
... Du weisst selbst, es ist wohl 5 vor 12....jetzt kannst Du noch aktiv retour schrauben, schauen was Deine Seele wirklich braucht, später ist es allenfalls dein Körper der reagiert und dich zu einem Stopp zwingt.
Wünsche Dir Klarheit, Kraft und Vertrauen
HERZENSGRUESSE
KARDE
 

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26.07.09
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Hallo Geischtli,

selber kenne ich das so nicht, aber Du beschreibst es ja recht deutlich, dass Du Dir sofort die nächste Belastung suchst, wenn eine wegfällt. Irgendwas (irgendwer?) in Dir will es bisher so, aber Du merkst, dass es nicht mehr so weiter geht wie bisher.

Wenn Du sagst "andere nicht mit Arbeit zuschütten", hörst Du dann auch dabei, dass Du selber schon längst mit Arbeit und Verpflichtungen zugeschüttet und überlastet bist? Hoffst oder erwartest Du vielleicht, dass andere so an Dich denken, auf Dich achten, wie Du es selber für andere tust? Oder kannst Du nur nicht Nein sagen? Bei der Arbeit und in Vereinen?

Man kann sicher selber lernen, genauer hin zu sehen, sich selber genauer zu fragen, was mach ich da eigentlich, oder auch was (oder wer) macht da etwas mit mir, in mir. Es gibt sicher viele Ratgeber in dieser Richtung. Bücher, Seminare oder Psychotherapeuten. Um heraus zu finden, was man denn wirklich will. Gesund sein und bleiben möchte sicher jeder. Zumindest bewusst wird das jeder so sagen. Aber was sagt vielleicht das Unterbewusstsein? Ob nun durch Eltern, Geschwister, Schule, Partner oder von sich selbst geprägt und beeinflusst. Es gibt ja die Beispiele, dass da etwa Sätze wie "Du arbeitest nicht genug", "Du bist faul", "Immer muss man alles für Dich machen" oder "Du wirst nie Erfolg haben" in einem stecken, ohne dass man das noch bewusst weiß, die aber trotzdem in einem ständig arbeiten (!) können.

Als Möglichkeit und Beispiel. - Ich denke, sowas gilt es heraus zu finden, wenn man merkt, dass man es "einfach so" nicht mehr in den Griff bekommt, und es eher immer schlimmer wird, mit Gereiztheit, Aggressivität, Fehlern, irgendwann vielleicht Erschöpfung, gesundheitlichen Problemen etc. . . .

Die erste Frage ist vielleicht sogar, ob man es noch alleine schaffen kann, den Ausweg. Oder wie gut man den momentanen Weg alleine sehen, einschätzen, beurteilen kann.


Liebe Grüße, Gerd
 
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09.02.10
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Hallo ihr beiden, vielen Dank für eure Nachricht!
Ich weiss nicht ob ich es alleine schaffe, ich hoff es jetzt einfach mal..

Das mit dem Nein sagen ist auch ein grosses Problem, zwar konnte ich das in letzter Zeit besser als auch schon, aber durch das schlechte Gewissen geplagt versuche ich dann nachher einfach wieder umso mehr zu erledigen. Und wenn ich mal kritisiert werde, nagt das extrem lange an mir, während ich positive Rückmeldung irgendwie gar nicht recht wahrnehme (bzw. ist heute vieles halt schon selbstverständlich, wofür man vorher oft gelobt wurde).
Nuja werde weiterhin versuchen, irgendwie eine geregelte Arbeitszeit anzustreben, aber das ist leider wirklich nicht einfach.

Gruss vom Geischtli
 
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26.07.09
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Nun, Du hast ja schon vor drei Jahren hier im Forum geschrieben - ging es da auch schon um Stress? Ich kann mich nicht immer so gut konzentrieren, um das mal eben zu überfliegen, ich lese da eher von anderen Problemen - hat sich daran denn etwas geändert? Da hatten ja schon einige geantwortet - von sozialen Problemen schreibst Du, bzw. dem Problem Ärzte oder Therapeuten aufzusuchen, wenn ich das richtig verstehe.

Haben sich seitdem Dinge verändert in Deinem Leben, sind neue dazu gekommen? Oder hast Du es seitdem so weiter laufen lassen, und hat es sich eher verschlechtert? Dann wüsstest Du recht genau, dass Du jetzt wohl nicht mehr auf etwas warten und hoffen solltest, sondern etwas für Dich tun musst.


Liebe Grüße, Gerd
 
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Hallo Geischtli,

um Deinen "Zustand" mit einem Namen zu versehen: ich würde das Arbeitssucht nennen :eek:), wobei es da sicher verschiedene Formen und Arten gibt:

...
Der Arbeitssüchtige wirkt zunächst aktiv, erfolgreich und scheint sein Leben im Griff zu haben. Doch irgendwann verliert er die Kontrolle. Seine Arbeitstage sind in Wahrheit lang, dicht und anstrengend. Er braucht den Schreibtisch, um zu überleben, denn Arbeit gibt ihm Halt, Selbstbestätigung und Geld.

Zuerst nimmt die Arbeit mehr und mehr Zeit in Anspruch. Das macht am Anfang noch Spaß. Man fühlt sich sehr gut, ist offenbar wichtig und wird gebraucht. Die Freizeit hingegen wird immer knapper. Die Arbeit bestimmt die Gedanken. Danach werden meist alle privaten Beschäftigungen der Arbeit untergeordnet. Der Erfolg motiviert. Arbeitssüchtige sehen Freizeit sogar als Zeitvergeudung an. Denn sie definieren ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität aus ihrer Arbeitsleistung. Flexible Arbeitszeiten und die Angst vor Arbeitslosigkeit unterstützen ihre Sucht.

Phasen der Krankheit
Adrenalin wird freigesetzt, genauso wie bei anderen Süchten. Der Adrenalinstoß kommt dann, wenn der Körper eigentlich überfordert ist und letzte Reserven in Gang setzen muss. Das Verlangen nach dem Glücksstoff spielt sich im Unterbewusstsein ab - die Sucht beginnt.
...
Oder: "Wenn du eine gute Zensur nach Hause bringst, darfst du fernsehen." Oder - umgekehrt: "Wenn du die Hausaufgaben nicht schaffst, gehen wir morgen nicht ins Schwimmbad!" Dadurch kann im ungünstigen Fall ein Belohnungs- oder Strafsystem entstehen, das dem Selbstwertgefühl des Kindes schadet: Nur durch gute Leistungen fühlt es sich bestätigt. Bei schlechten Leistungen entstehen Schuldgefühle und Druck. Arbeit kann dann, genau wie andere Drogen, ein Mittel sein, um Angst, Schuld oder Unsicherheit zu überspielen und durch den Erfolg das Selbstwertgefühl zu stärken. Das zieht sich durch das ganze Leben, vom Kindergarten über Schule und Studium bis in den Beruf.
...
Ein Medikament gegen Arbeitssucht gibt es nicht. Der erste Schritt zur Heilung ist, wie bei allen Süchten, das Eingeständnis der Sucht und der Wille zur Veränderung. Ob professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden sollte, hängt vom Einzelfall ab.

"Fordern Sie nicht zuviel von sich!" "Stecken Sie sich nicht zu hohe Ziele!" "Setzen Sie sich Grenzen!" "Haben Sie Mut zur Unvollkommenheit!" ...
www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/krankheiten/arbeitssucht/

Aus diesem Denken und Fühlen heraus zu kommen, ist sicher nicht einfach. Insofern würde ich mir eine Hilfe suchen (Psychotherapie), um alte Themen zu finden und zu lösen.

Grüsse,
Oregano
 
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09.02.10
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hm, ich weiss nicht recht, Sucht ist denk ich etwas übertrieben, wenn der Tag plötzlich mehr Stunden hätte würde ich diese Freizeit ja echt geniessen :) Aber ich kann ja ein Projekt mit so viel Verantwortung, nicht einfach schleiffen lassen, nur weil ich pünktlich Feierabend machen will.

Wie auch immer, aufgeben werd ich natürlich nicht, ich versuch's einfach weiter. Wird schon klappen, wenn nicht heute dann sicher morgen.
Danke für eure Tipps!

Wünsch euch einen schönen und ruhigen Abend!

Gruss Geischtli
 
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26.07.09
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Nochmal zum Anfang, Geischtli,
Ich glaube ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich dringend was ändern muss, bis jetzt hab ich irgendwie alle Hinweise von Kollegen Familie etc. ignoriert, aber als letzthin sogar mein Chef zu mir sagte, ich solle mal endlich Ferien machen, immer nur Arbeiten kommt auf die Dauer nicht gut (und er ist eigentlich auch ein Dauerarbeiter), irgendwie gibt mir das schon zu denken.

Nur, ich versuche ja schon seit Jahren, meinen "Stress" in den Griff zu kriegen, nur jedesmal wenn ich mich mal ein paar Tage zurückhalten kann, artet es danach noch mehr aus.

Wenn ich so nachdenke, bin ich eigentlich seit der Lehre im Dauerstress, denn während der Lehre arbeitete ich immer auf den Lehrabschluss hin - es würde ja danach mehr Freizeit geben. Anschliessend an Lehre . . .
also seit Jahren artet Dein Stress aus und Du willst dringend etwas ändern, sagst jetzt aber
... wenn der Tag plötzlich mehr Stunden hätte würde ich diese Freizeit ja echt geniessen.

Aber ich kann ja ein Projekt mit so viel Verantwortung, nicht einfach schleiffen lassen, nur weil ich pünktlich Feierabend machen will.

Wie auch immer, aufgeben werd ich natürlich nicht, ich versuch's einfach weiter. Wird schon klappen, wenn nicht heute dann sicher morgen.

Danke für eure Tipps!
Was seit Jahren nicht klappt, wird heute oder morgen klappen?

Übermorgen ist ja auch noch ein Tag!

Wozu brauchst Du dann eigentlich Tipps?

Vielleicht für die Zeit nach diesem Projekt, um nicht gleich in's nächste Projekt rein zu rasseln?

Falls Du dafür nicht schon längst "gebucht" bist.


Liebe Grüße, Gerd
 
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