Alltagsbewältigung bei nitrosativem Stress

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Hallo !

Es gibt viel Informationen über Diagnostik und Therapie bei nitrosativen Stress und Instabilität der Kopfgelenke.
Mich würde interessieren wie integriert Ihr die vielfältigen,massiven Beschwerden in den Alltag.Wie schafft Ihr Haushalt,Kinder,Arbeit ?
Wie sieht Euer Tagesablauf aus ??

Gruß gereg
 
wundermittel

Kate

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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Hallo gereg,

dass hier bislang noch niemand geantwortet hat, mag damit zusammen hängen, dass viele im Web sehr vorsichtig mit persönlichen Angaben - noch zusätzlich zu den Gesundheitsdaten, die man hier preisgibt - sind. Hier können wiederum verschiedene Aspekte eine Rolle spielen, von diffusem Unbehagen, so etwas hier so anonym preiszugeben über die resultierende Angreifbarkeit im Forum bis hin zur eventuellen Rekonstruierbarkeit der Identität, wenn genügend Mosaiksteinchen zusammen kommen (manche geben ja z.B. auch den Wohnort und das Alter an).

Ich gehöre auch zu denen, die bezüglich diese Dinge hier nicht so gern ins Detail gehen. Soviel kann ich Dir aber sagen, dass bei mir mehr oder minder Einschränkungen in allen Bereichen da sind gegenüber einem gesunden Zustand. Insbesondere das soziale und kulturelle Leben leidet schon sehr, weil ich sehr stark Prioritäten setzen muss. Zum Tagesablauf kann ich auf jeden Fall sagen, dass ich früh (21-22 Uhr) in die Koje gehe(n muss), damit mit mir am nächsten Tag was los ist und auch, weil ich einfach müde bin.

Wir hatten mal einen Austausch hier, wo es um frustrierende Erfahrungen in Beziehungen ging, Verlassenwerden wegen des supoptimalen Gesundheitszustandes etc. ... und das wir froh sind, uns hier gegenseitig zu haben. Das finde ich aber leider spontan nicht wieder, weil es ein Seitenthema innerhalb eines Thread zu einem anderen Thema war.

Grüße
Kate
 
Themenstarter
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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Liebe Kate,

Danke für Deine Antwort, meine Fragestellung sollte nicht zu persönlich sein,vielleicht habe ich die Frage auch etwas unglücklich formoliert.
Ich habe mir nur Gedanken gemacht wie man mit den vielfältigen beschriebenen Symptomkomplexen einen 8h Arbeitsalltag meistert.
Du hast Recht,es gibt massive Einschränkungen in allen Bereichen.
An sozialen und kulturellen Aktivitäten kann ich so gut wie nicht teilnehmen und zu Bett gehe ich schon wesentlich früher, teilweise schon 19.00 Uhr,weil ist total müde bin.Meine Familie kommt mit der Situation ganz gut zurecht bzw.versucht den Zustand zu akzeptieren. Mein Traum wäre natürlich durch die Dr.Kuk. Behandlung wieder arbeitsfähig zu werden, denn ich liebe meinen Beruf.

Gruß gereg
 
regulat-pro-immune
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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Hallo liebe Geret,

deine Frage finde ich sehr berechtigt und mich interessiert auch wie andere das schaffen und was für Strategien sie entwickeln mit solchen Einschränkungen.

Wie ich meinen Alltag schaffte ist mir selber oft noch ein Rätsel. Mein Vorteil war sicher, das ich keine kleinen Kinder mehr versorgen musste und beruflich selbständig war, was mir eine gewisse Flexibilität ermöglichte, auch wenn Selbständigkeit kein Kranksein erlaubt. Ich litt sehr lange unter Nitrostress (vorher lange Jahre latent und unerkannt, dann nach Halsausrenkung sehr schlimm) und dann auch noch unter den akuten und den späteren Folgen einer HWS-Instabilität. Letzteres war enorm einschränkend. Éin voller durchgeplanter 8 Stunden Arbeitstag mit vollem Einsatz (v.a. was denken und organisieren betrifft) wie ihn viele Menschen haben wäre mir zur Akutzeit nach der Halsausrenkung nicht möglich gewesen ohne unangenehm dabei aufzufallen.

Ich bin übrigens heute, auch was den Nitrostress angeht weitgehend beschwerdefrei und -bis auf wenige, gelegentliche Einschränkungen wie jeder sie vermutlich kennt- voll einsatzfähig.

Die wirkungsvollen Sofortmaßnahmen von Kuklinski (Spätstück, Kopfkissentausch gegen Dinkelkissen, bestens gefederte Schuhe tragen, Physiotherapie nach Maitland um die Hirnnerven zu beruhigen, hochdosiert B12 und viel Ruhe) führten gleich anfangs zu einer bedeutenden Verbesserung der schlimmsten Einschränkungen. Sie waren die wichtigsten Maßnahmen für mich um wieder zurecht zu kommen und bestätigten K.s Aussagen, was mir erstmals den Glauben gab, dass ich es schaffen werde einigermaßen gesund zu werden.

Die morgendliche Anlaufzeit reduzierte sich und ich war nicht mehr so stark und nicht mehr so lange erschlagen von der Nacht. Das Stressgefühl reduzierte sich deutlich durch die gefederten Schuhe, so war ich auch nach langem auf den Beinen sein nicht mehr so schlimm kaputt (Feierabend-Jetlag) und hatte abends nicht so starke Schmerzen in den Gliedern wie vorher. Bis dahin war ich ab dem späten Nachmittag oder frühen Abend (je nachdem wie ich nach Hause kam) zu gar nichts mehr in der Lage und fiel direkt von der Haustüre aus aufs Sofa.

Weite Autostrecken überstand ich bedeutend besser wenn ich mir das Auto meines Freundes dafür leihen konnte, das wegen defekter Federung zu weich gefedert war. Ich spürte einen deutlichen Unterschied zu den Tagen wo ich mit meinem eigenen Auto unterwegs war.

Mit dem Spätstück fühlte ich mich morgens viel besser und ich konnte durchschlafen. Ich reduzierte meine Schlaf- bzw. Liegezeit im Bett auf etwa 6 Stunden (die dank Spätstück nicht unterbrochen waren), dann ging es mir morgens viel besser als mit mehr Schlaf. Je kürzer ich im Bett lag um so besser fühlte ich mich nach dem aufstehen. (Nach einem langen Abend konnte ich mal nur 4 Stunden schlafen und fühlte mich ungewohnt fit nach dem Aufstehen). Dafür legte ich mich tagsüber zwischendrin mal hin und machte auch häufiger kurze Pausen wo ich mich hinsetzte und in die Luft schaute. Wenn das nicht ging machte ich im Auto mal 10 Min. Pause und schloss die Augen, das half auch schon.

Sowohl beruflich als auch privat konnte ich es meistens so einrichten, dass ich Arbeiten die anstrengend waren mit sitzenden Tätigkeiten abwechselte. Z.B. habe ich nach dem Staubsaugen (eines Raums, nicht der ganzen Wohnung) auf dem Sofa sitzend einige Wäschestücke zusammen gelegt. Dann wieder was körperliches gemacht, und später wieder ein paar Stücke Wäsche zusammen gelegt im Sitzen. Oder auch mal nur nichts gemacht oder eine Tasse Tee getrunken. Oder die PC-Arbeit in Etappen zwischen den körperlichen Arbeiten erledigt anstatt, wie früher, zuerst das eine und danach das andere zu machen.

Auch beruflich stressige Tage mit viel Arbeit und Bewegung überstand ich so indem ich mich immer wieder für eine Minute hinsetzte (manchmal nur auf die Stufen meiner Leiter). Umgekehrt konnte ich geistige Arbeit besser erledigen wenn ich zwischendrin immer wieder was anderes tat und in Bewegung kam und z.B. eine Maschine Wäsche anschmiss oder 5 Minuten Laub rechte, oder (bei einem Kunden) häufiger den Gang zur Toilette mit einem kleinen Umweg machte.

Den ganzen Tag über moderate Bewegung (leichte bis mittlere Arbeiten) tat mir übrigens sehr gut solange ich auf HWS-schondende Bewegungsabläufe achtete und solange ich Intensivanstrengungen vermied (schon kurze intensivere Anstrengung wie schweres Heben oder schnell gehen machten mich hingegen platt). Für den Transport schwererer Sachen (was damals schon bei relativen leichten Sachen zutraf) hatte ich ein Wägelchen (von Ikea die kleinen, die wie ein Minisackkarren aussehen. Das benutzte ich beruflich wie im Haushalt). Ich versuchte so wenig wie möglich herum zu schleppen.

Ohne Bewegung ging es mir nicht so gut. In meiner Freizeit machte ich deswegen lange und ausgiebige Spaziergänge in der Natur, aber sehr langsam und ohne Anstrengung. Die frische Luft und Licht taten gut, gehören für mich genauso dazu wie die NEMs.

Chemische Belastungen durch Putzmittel, Deos (meiner Mitbewohner), Parfumes und anderen Mitteln auf die ich reagierte vermied ich und alles was mir instinktiv "stank" verbannte ich aus meinem Umfeld soweit es ging.

Ich vermied kohlenhydratreiche Mahlzeiten und verzichtete sogar auf Brötchen zum Frühstück. So konnte ich das "Fresskoma" das Kuklinski beschreibt und das mich häufiger überfallen hatte vermeiden.

Das Arbeitspensum musste trotzdem auf das Nötigste zusammen geschrumpft werden. Richtig gut konnte ich das erst nachdem mein Arzt die Brisanz meines Zustandes anmahnte. Auf mich und meine Genesung Rücksicht nehmen rückte also an die erste Stelle meiner verpflichtenden Aufgaben für mich selbst und ich stellte mich mental darauf ein und erteilte mir sozusagen die Berechtigung, ja verpflichtete mich sogar zum Faulsein.

Damit fiel es leichter nur noch das Allernötigste zu machen, Dinge liegen zu lassen, Arbeit zu delegieren, Termine so zu legen wie es mir leicht fiel und etliches mir schlicht und einfach vom Hals zu halten. Ich entwickelte Strategien zur Arbeits- und Terminvermeidung oder -reduzierung. Mein meistgesagter Satz war: "da geht es bei mir leider nicht" oder "das kann ich nicht verbindlich zusagen". Ich begründete das nicht und rechtfertigte es nicht, mit der Zeit fiel es immer leichter sich (frühzeitig) abzugrenzen. Wo es ging vereinbarte ich gleich einen Ausweichtermin dazu, so stressten mich bevorstehende Termine nicht mehr (wenn es an dem Tag besonders schlimm war hatte ich immer noch die Möglichkeit daheim zu bleiben und musste das nicht lange entschuldigen).

Mit diesen selbstgeschaffenen Freiräumen konnte ich entspannter sein und letztendlich viel mehr schaffen als ich meinte und musste sie oft gar nicht in Anspruch nehmen.

Arbeiten wie Fenster putzen, Frühjahrsputz, Hütte aufräumen etc. ließ ich einfach liegen. Da läuft nichts weg. Fürs Rasenmähen organisierte ich jemanden. Putzarbeiten lassen sich auch viel länger hinausschieben als man meint ohne dass es gleich richtig dreckig wird. So viel als möglich Zeit für vermeidliche Arbeiten einsparen und so mehr Zeit für die unvermeidlichen Tätigkeiten zur Verfügung zu haben sowie viel Ruhe bekommen ist sehr wichtig für die Genesung, finde ich.

Das Motto lautet: Kein Stress... Und in unserem Fall ist das keine Phrase sondern Programm.

Das hochdosierte B12 tat bald seine Wirkung und ich wurde in allem gelassener. Die Einstellung "egal was ist, nichts ist so wichtig wie mein Leben und meine Gesundheit" trug viel zur Entspannung bei. Man muss in allem so eine Art L-m-a-A-Gefühl entwickeln um das ganze System zur Ruhe zu bringen. NEMs alleine helfen da nicht.

Alle Arbeiten langsamer erledigen, Unnötiges sein lassen, sich größere Zeitfenster verschaffen, jede Gelegenheit zum Relaxen nutzen und v.a. sich bewusst machen (und sich gönnen), dass man für eine längere Zeit nicht so viel schaffen kann und auch nicht muss, das ist m.E. ganz wichtig. Sonst ist der Stresskreislauf trotz Behandlung nicht zu unterbrechen.

Aus heutiger Sicht würde ich auch viel früher meine Ernährung komplett umstellen, aber vermutlich hätte ich das damals gar nicht auf die Reihe gekriegt. Später hat mir jedenfalls der tägliche Genuss von Obst wie Granatapfel und von Säften aus Papaya und Ananas in Kombination mit hochwertigen Ölen und Kokosöl einen enormen Energiezuwachs gebracht, den vorher die NEMs und alle Maßnahmen nicht erreicht hatten und mein Serotoninspiegel entwickelte sich vom Mangel in einen traumhaften Wert. Die antioxidative Wirkung und die positive Wirkung der Inhaltsstoffe wie Enzyme etc. auf das System scheint viel weitreichender zu sein als die NEMs alleine.

Ich wünsche dir eine schnelle und nachhaltige Genesung, liebe Gereg. Bei mir hat es eine längere Zeit gedauert und viel ist liegen geblieben. Das hat sich aber wirklich gelohnt. Der Erfolg rechtfertigt das alles, und dass es mir wieder einmal so gut gehen würde, das hatte ich mir zwar erhofft aber nicht erwartet. Ich bin nicht vollkommen gesund: wenn ich nicht auf meine Ernährung achte und mich allzu schlecht benehme geht es auch wieder bergab. Aber solange ich mich an ein paar wichtige Regeln halte geht es mir bestens. NEMs nehme ich nur noch sporadisch und nur noch sehr wenige.

Alles Gute und LG
Lealee
 
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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Liebe lealee,
vielen Dank für den ausführlichen Bericht.Vieles Deiner Schilderungen kommt mir sehr bekannt vor,ich finde es jedoch sehr motivierend von Dir zu hören,dass Du es mit den Umstellen von Lebensgewohnheiten,Ernährung........geschafft hast wesentlich leistungsfähiger zu werden.Das macht mir echt Mut.
Vielen Dank
Gruß gereg
 
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13.05.08
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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Hallo lealee,

Dein ausführlicher Bericht ist klasse. Ich habe mich da 1:1 wiedergefunden.....Nur leider geht es mir noch nicht ganz so gut. Aber ich bleibe optimistisch.

Was mich besonders interessiert ist, wo gibt es gut gefederte Schuhe? Wenn es hier "Schleichwerbung" nicht geben darf, sei so nett und schick mir eine PN. Ich meine "normale" Schuhe, denn immer mit Sportschuhen geht es ja nicht.

Gruß von Hareeka
 

Kate

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Alltagsbewältigung bei nitrosativen Stress

Hallo lealee,

hareeka erinnert mich daran, dass ich Dir auch noch danken wollte für Deinen langen und bestimmt für viele hilfreichen Bericht :)

Ich mache vieles im Prinzip genau so wie Du - insbesondere das Abwechseln von körperlichen Arbeiten/Bewegung mit "geistigen" oder allgemein sitzenden/unbewegten Tätigkeiten. Auch für mich ist Frischluftzufuhr essentiell, was manchmal zu Problemen führt (viele Menschen scheinen auch unter "anaeroben" Bedingungen gut zu funktionieren und maulen, wenn man mal das Fenster aufmacht und auch nur ein bisschen Wind oder Kälte reinkommt... :rolleyes:).


Hallo hareeka,

wir haben hier einen Thread zum Thema Schuhe: https://www.symptome.ch/vbboard/oxidativer-nitrosativer-stress/61982-gut-beschuht-hws-problem.html. Findet man im Inhaltsverzeichnis unter Halswirbelsäule A-Z.

Wenn ich längere Zeit gehen muss/möchte, ziehe ich tatsächlich oft Sport- (Walking-)Schuhe an, in schwarz, das ist noch halbwegs "stadtfein".

Grüße :wave:
Kate
 
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