Meine Erfahrung:
Als ich 20 Jahre alt war, hatte ich einen schweren Motorradunfall. Mit zwischenzeitlichen Heimaufenthalten war ich insgesamt vier Jahre in Krankenhäusern. In dieser Zeit hatte ich etwa 15 größere Operationen und zahlreiche kleinere Eingriffe. Das ist inzwischen 43 Jahre her.
Damals wurde zumindest von dem Arzt, der mich während dieser vier Jahre betreute, sehr sparsam mit Schmerzmitteln umgegangen. Ich bekam nur eine bestimmte Tagesration und durfte mir selbst einteilen, wann ich sie nahm. Um welches Medikament es sich handelte, weiß ich heute nicht mehr.
Teilweise hatte ich wirklich unerträgliche Schmerzen. Die ersten vier Monate waren praktisch Dauerschmerzen. Ich dachte oft, ich würde daran verzweifeln. Mein Bein war zerfetzt, es gab offene Wunden, einen Fixateur extern und alle zwei Tage ein Kernseifenbad zur Wundbehandlung. Es war eine sehr schwere Zeit. Ich habe viel gebetet, und das hat mir geholfen, Gott sei Dank
Morgens nahm ich nur eine kleine Menge des Schmerzmittels, den Rest hob ich mir für den Abend auf, damit ich wenigstens etwas schlafen konnte. Schlaftabletten habe ich nie genommen, weil ich damals schon wusste, dass davon eine Abhängigkeit entstehen kann.
Rückblickend habe ich das Gefühl, dass mich diese Zeit auf irgendeine Weise geprägt oder sogar trainiert hat. Ein sogenanntes „Schmerzgedächtnis“, von dem man heute oft hört, habe ich jedenfalls nie entwickelt; ich bin sehr dankbar!
Ich war einer der wenigen Patienten, die bei Heimaufenthalten keine Schmerzmittel mitnahmen. Ich dachte mir immer: Ja, ich habe noch Schmerzen, aber im Vergleich zu den ersten vier Monaten sind sie viel geringer. Dadurch konnte ich sie gut ertragen. Außerdem war ich zu Hause durch Freundinnen, Freunde und gemeinsame Unternehmungen abgelenkt, soweit das eben möglich war.
Und ich dachte mir immer, wenn ich daheim nichts an Schmerzmitteln nehme, wirkt es wieder besser, wenn ich wieder ins Krankenhaus muss - und das stimmt.
Auch heute empfinde ich mich nicht als besonders schmerzempfindlich. Manche Schmerzen kann ich nach meinem Gefühl recht gut ertragen und ich bete, das hilft sehr; manchmal denke ich an diese 4 Monate nach dem Unfall und dagegen wird jeder Schmerz klein, das habe ich auch bei meinen zwei Geburten so gemacht, das half mir gut und mache das heute noch manchmal bei Eingriffen, sei es Zahnbehandlung o. a. und bete stets.
Zwischenzeitlich musste ich mich am Bein nochmals drei Operationen unterziehen. Eine davon, am Fuß, war besonders schlimm. Im Krankenhaus bekam ich Oxycodon, aber das half mir überhaupt nicht. Ich war nur benebelt, während der Schmerz unverändert blieb. Deshalb bat ich um Ibuprofen. Das brachte zumindest etwas Erleichterung. Ich nahm täglich zwei 600 mg und führte das zu Hause noch etwa 2 Wochen so fort und dann 2 Wochen eine Tablette. Danach war es gut.
Im Alltag nehme ich so gut wie nie Schmerzmittel, aber bewusst, da man schon manches auch aushalten kann, denke ich mir und ich bete dafür und dann geht das auch bei mir.
Mit meiner Geschichte möchte ich nicht sagen, dass es jedem Menschen so ergeht wie mir. Ich möchte nur deutlich machen, dass jeder Mensch individuell ist und Schmerzen sowie Schmerzmittel sehr unterschiedlich erlebt und verträgt.