PFAS im Trinkwasser, hohe Belastung in verschiedenen Regionen Deutschlands

Themenstarter
Beitritt
05.04.08
Beiträge
5.463


In Mittelbaden belasten umweltschädliche per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS oder PFC) seit Jahren Grundwasser und Ackerland. Der Landkreis Rastatt, der besonders betroffen ist, macht für die großflächige Belastung einen Komposthersteller verantwortlich. In der Region sind rund 1.100 Hektar Ackerland und circa 170 Millionen Kubikmeter Grundwasser verseucht. Der Anfang des Skandals reicht bis ins Jahr 1999 zurück.
Da begann eine Kompostfirma damit, sogenannte Papierschlämme zu verarbeiten. Das sind Abfälle aus der Papierindustrie. Sie sollen PFAS enthalten haben. Die Firma vermischte diese Abfälle mit Kompost und ließ sie auf Felder ausbringen - bis zu einer behördlichen Untersagung im Jahr 2008. Über Boden und Grundwasser sollen die PFAS schließlich auch ins Trinkwasser gelangt sein.


Bluttests in mehrjährigen Abständen haben gezeigt, dass bis 2020 teilweise immer noch hohe Konzentrationen im Blut gefunden wurden. (Neueste Ergebnisse stehen noch aus). Wer im Landkreis Rastatt wohnt und in dieser Zeit erkrankte, könnte auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, sich auf PFAS testen zu lassen.

Das Problem hat sich aber noch mehr ausgeweitet als angenommen:

In 1500 Orten in Deutschland wurde eine starke Belastung nachgewiesen, in 300 eine sehr hohe. Alle Gewässer seien belastet, so dass man in Sachsen bereits vom Fischverzehr aus Binnengewässern abgeraten hat.

Leider gibt es noch keine zentrale Meldestelle, die die Daten über diese Schadstoffbelastung zusammenträgt.

20% der Jugendlichen haben bereits eine höhere Belastung im Blut, die sich weiter anreichert, eigentlich hat es aber fast jeder im Blut, da bereits in der Nahrungskette.



Hier ist auch eine interaktive Karte der PFAS -Belastung:


Über die Folgen gibt es noch keine eindeutigen Erkenntnisse, man geht von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Schwächung des Immunsystems, Unfruchtbarkeit und Autoimmunerkrankungen bisher aus.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ach du liebe Güte, die Karte ist ja erschreckend. Ich dachte bislang, das sei ein Problem einzelnen Industriestandorte. Am Flughafen Nürnberg wurde im Grundwasser der absurd hohe Wert von 1,3 mg pro Liter gemessen. Dort versickern wahrscheinlich Unmengen von Chemikalien aus dem Luftverkehr.

Nördlich vom Flughafen liegt das Knoblauchsland, eines der größten Gemüseanbaugebiete in Deutschland. Keine Ahnung, ob es dort verboten ist, mit Grundwasser die Felder zu gießen, und keine Ahnung, ob die Agrarerzeugnisse auf PFAS überwacht werden. Ich schätze aber: zweimal nein. Sicher ist jedenfalls, daß Grundwasser nicht dort bleibt, wo das Gift versickert ...
 
Ich habe den Titel etwas abgeändert, da es nicht nur Mittelbaden betrifft.

Noch eine Doku dazu:



Weizen, Sojabohnen und Erdbeeren scheinen PFAS vermehrt aufzunehmen und zu speichern.

Wind und Wasser tragen die Chemikalien auch in entferntere Gebiete.

Auch vom Trinken des Regenwassers wird abgeraten. Nehme an, dass dabei auch nicht nur PFAS eine Rolle spielt.
 
Oben