Milch, Bauchspeicheldrüse, Insulinausschüttung, Akne

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Über die Wirkung von Milch auf Nicht-mehr-Säuglinge wird weiter diskutiert.

Hier wird über eine insulinotrope*) Ernährung und die Wirkung von Milch(produkten) auf die Bauchspeicheldrüse und auch die Haut (Akne)
geschrieben:

... NACHGEFRAGT bei Professor Dr. med. Bodo Melnik, Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück für Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie

? Sie zielen auf Kohlenydrate und Milch als Akneauslöser. Dass schnelle Kohlenhydrate Insulin locken, hat sich herumgesprochen. Aber welche Rolle spielt die Milch?

Milch und speziell die Molkeproteine der Milch induzieren in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse schon nach 30 Minuten eine starke Insulinsekretion. Anhaltender Milchkonsum bewirkt darüber hinaus eine vermehrte hepatische Bildung des Insulinschwesterhormons IGF1. Insulin und IGF1 sind potente Stimuli für Akne. Dabei spielt der Fettgehalt der Milch keine wesentliche Rolle. Fettarme Milch stimuliert durch ihre Molkeproteine die Akne sogar stärker als normale Vollmilch.

? Ist Milch nicht ein natürliches, gesundes Nahrungsmittel?


Wir müssen erkennen, dass Milch ein von der Natur für die Phase nach der Geburt vorgesehenes, endokrin aktives Signalsystem ist, das der Mensch in artfremder Weise zur Langzeiternährung nutzt. Aufgabe der Milch ist es, Wachstum während der Stillphase zu induzieren. Hierbei nutzt das Signalsystem „Milch“ die Induktion von Insulinresistenz. Durch die Milch-induzierte Insulinresistenz steigen die Blutglukosespiegel, was die Betazellen des Pankreas mit erhöhter Insulinproduktion kompensieren. Über diesen physiologischen Mechanismus induziert Milch erhöhte Insulinspiegel für Wachstumsvorgänge - ein Naturprinzip des neonatalen und pubertären Wachstums sowie der Schwangerschaft. Insulinresistenz ist somit nicht immer pathologisch, wohl aber ihr chronisches Fortbestehen.
Frau Professor Camilla Hoppe aus Dänemark hat das Auftreten von Hyperinsulinämie und Insulinresistenz bei achtjährigen Jungen nach einwöchigem vermehrtem Milchkonsum eindrucksvoll nachgewiesen. Für die nicht insulinresistenten Talgdrüsen erhöht sich damit die Summe stimulierender Signale von Insulin und IGF1 zur Zellproliferation und vermehrten Talgsynthese.

? Welche Produkte sollen Aknepatienten meiden? Gibt es besonders „milchempfindliche“?
...
? Sie ziehen eine Verbindung zwischen Akne und Insulinresistenz. Akne nimmt zu, noch mehr aber Typ-2-Diabetes. Erklärt Ihre Hypothese auch diesen Anstieg?

Ja, höchstwahrscheinlich. Die Wurzeln sind offensichtlich dieselben, insofern Akne und Diabetes mit hyperinsulinotroper westlicher Ernährung und Insulinresistenz assoziiert sind. Wird die insulinotrope Ernährungsweise bei entsprechender genetischer Diabetesdisposition fortgesetzt, könnte nach einigen Jahrzehnten durch vorzeitige Erschöpfung der Beta-Zellen die Diabetesentwicklung begünstigt werden. Beim Diabetespräventionskongress 2010 in Dresden haben Genforscher übrigens freimütig eingeräumt, dass vornehmlich Umwelt- und Ernährungsfaktoren und nicht primär genetische Polymorphismen die Diabetes-Epidemie erklären.

? Welche Konsequenzen fordern sie für unsere Ernährungsweise? Wollen Sie uns die Milch wegnehmen?

Entscheidend ist, die Gesamtbelastung durch insulinotrope Nahrungsmitteln, die derzeit mehr als 50 Prozent unserer täglichen Kalorienaufnahme ausmachen, zu reduzieren.
...
Akne und Ernährung ::: Münchner Medizinjournalisten

*) Insulinotrop bedeutet "die Insulinsekretion stimulierend".

Grüsse,
Oregano
 
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