James

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Was ist MRSA?

Name:
MRSA leitet sich von Methicillin Resistenter Staphylococcus Aureus ab.
Volkstümlich wird dieser Keim als „der Krankenhauskeim“ bezeichnet, obwohl es noch andere ähnliche Keime gibt und flächig auch außerhalb von Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen verbreitet ist. MRSA ist jedoch zur z.Zt. der häufigste antibiotika-resistente Erreger.

Allgemein:
Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, welches Gewebe zersetzt und Eiter erzeugt. Dieser Keim ist weltweit stark verbreitet. Durch den ungezügelten Einsatz und gedankenlose Einnahme von Antibiotika haben sich aus diesem Stamm resistente Erreger schon Anfang der 60’iger Jahre entwickelt.
Anfänglich in OP-Sälen und Intensivstationen verbreitet, hat sich der Keim dann über Alten- und Pflegeheime der bis in breite Schichten der Weltbevölkerung ausgedehnt und zusätzlich Haus- und Nutztiere besiedelt.
Heute kennen wir etliche regionale Stämme mit unterschiedlicher Wirkung. Einige Stämme sind virulent geworden. Wir stehen an der Schwelle einer Pandemie.

Stämme:
In Deutschland gibt es sehr verschiedene regionale Stämme. Sie reagieren unterschiedlich und können eventuell noch auf einige Antibiotika ansprechen. Regional in der Bevölkerung verbreitet ist C-MRSA bzw. Ca- MRSA. C kommt von engl. community, a von aquired. Wir kennen Typ Brandenburg bis Saarland.
Scheinbar Gesunde und Haustiere können Träger (im Nasen-Rachenraum) sein. Ein Ausbruch ist bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (Alte, Kranke, Kinder, Verletzte) über Wunden jedweder Art leicht möglich.
MRSA- Typ USA300 breitet sich über Hautkontakt von scheinbar Gesunden zu Gesunden über Hautkontakt aus. Besonders gefährdet sind Sportler (auch Fitness), Homosexuelle und einige Berufsgruppen. Die Mortalität ist hoch, da bevorzugt die Lunge befallen wird. Tod tritt schnell durch Pneunomie ein. Dieser Stamm wurde durch Reisende und US- Militär in Deutschland eingeschleppt.
Anfang 2008 wurde ein neuer Stamm in Holland gefunden. Er besiedelt Schweine, ohne dass diese sichtbar erkranken, wird dann auf die Tierpfleger übertragen, die dann erkranken. In NRW zeigte eine Überprüfung von 40 Schweinemastanlagen, dass davon 28 positiv waren. Von 122 Mitarbeitern waren 39 positiv, von deren 53 Familienangehörigen schon 7 Menschen. Diese Überprüfung leitete nicht etwa ein Gesundheitsamt ein, sondern Veterinäre!

Maßnahmen gegen MRSA in der EU und Deutschland:
Es gibt keine einheitliche Regelung.
Führend in der MRSA- Prävention der EU ist Holland. Dort besteht seit 11 Jahren sowohl eine Anzeige- und Meldepflicht als auch ein MRSA- Reglement. Jeder Patient wird bei der Einweisung in ein Krankenhaus auf MRSA untersucht und wenn das Screening positiv ausfällt, kohorten- isoliert behandelt. Die Rate der Neuansteckungen war 2007 unter 0,1% gefallen, stieg aber durch den neuen Erregertyp in Schweinemastanlagen wieder an.
Die Bundesrepublik nimmt innerhalb Europas einen mittleren Platz ein. Der liegt aber noch hinter Italien und Spanien mit doppelt so hoher Infektionsrate.
In Deutschland ist MRSA weder anzeige- noch meldepflichtig, wird auf Totenscheinen nicht vermerkt und ist auch nicht aufklärungspflichtig. Alle Zahlen beruhen auf Schätzungen. Man nimmt an, dass 15 bis 40% der Bundesbürger betroffen sind. Die Bundesregierung geht von 500.000 bis 800.000 Neuansteckungen (2006) aus, andere schätzen über 1 Mio. Die Zahlen der Todesfälle und Schwerbehinderungen durch MRSA sind völlig unbekannt. Geschädigte Patienten oder deren Hinterbliebene können Schadensersatzansprüche und Schmerzensgeld fast nie gerichtlich durchsetzten, da der Nachweis einer Ansteckung im Krankenhaus wegen des fehlenden Eingangsscreening nicht erbracht werden kann.
Parlamentarisch wurden „Die Linke“ und einige Einzelabgeordnete 2006 aktiv, konnten aber keine Änderung erreichen. Die kleine Anfrage an den Deutschen Bundestag vom 30.10.2006, Drucksache 16/6084 wurde mit dem Papier Drucksache 16/6185 am 01.08.2007 beantwortet und damit erledigt.
Das Bundesgesundheitsministerium rief Anfang 2008 die „Aktion saubere Hände“ ins Leben, um Schulungen des medizinischen Personals zur richtigen Desinfektion der Hände und Kittel im OP und Intensivstationen durchzuführen. Wir kämpfen also noch um das Hygiene- Niveau von Herrn Prof. I. Semmelweis im Jahre 1850…

Materieller Schaden:
Der materielle Schaden für die Krankenkassen ruht auf deren eigener Schätzungen und Auswertungen plötzlicher Therapiewechsel während eines Klinik-Aufenthaltes. Die Kassen gehen davon aus, dass der Mehraufwand für Neuansteckungen für 2007 im Bereich von 1.500.000.000,- € (1,5 Milliarden) liegt. Die Altfälle, der Pflegeaufwand und der Aufwand für Frühverrentungen sind dabei nicht erfasst.
Ein Eingangsscreening aller Patienten bei der Einweisung in eine Klinik würde einen Aufwand von etwa 120.000.000,-€ (120 Millionen) erfordern (unter10%). Einzelbehandlungen von MRSA -Erkrankten können einen Mehraufwand bis zu 200.000.- € pro Person erzeugen. Man nimmt an, dass sich etwa jeder 10. Patient im Krankenhaus ansteckt, zumindest Träger dieser Keime wird.

Ausklang:
Über das durch diese Ignoranz erzeugte vermeidbare menschliche Leid und die sozialen Abstürze als Folge einer MRSA -Infektion möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen. Erfahrung als selbst Betroffener und Begleiter anderer Patienten mit MRSA- Schäden oder deren Hinterbliebenen habe ich zur Genüge.
Der Aufwand meiner Kasse nach einer Unterschenkelamputation beträgt monatlich nur für die Schmerzdämpfung mittels Opioid 150,-€ , vermutlich lebenslang.
 

James

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Steckbrief MRSA

Steckbrief MRSA

Erreger:
Methicillin –Resistenter -Staphylococcus aureus

Haltbarkeit:
Auf steriler Unterlage (Edelstahl, Plastik) über 100 Tage

Nachweis:
Screening per Abstrich (Wattetupfer) aus dem Nasen-Rachenraum bzw. Wunden.
Schnelltest möglich (Normalscreening ca. 24 Std., Schnelltest ca. 2 Stunden).

Wirkung:
Gewebe wird zersetzt, Eitererreger
Dringt der Keim in die Blutbahn ein entsteht Sepsis, bei Befall der Lunge entsteht Pneunomie. Beides erzeugt unmittelbare Lebensgefahr! Ein Befall des Brust- und Bauchraumes sowie wichtigen Nervengewebes ist ebenfalls lebensgefährlich. Ist ein Knochen beteiligt, droht Amputation. Zum typischen Schadbild gehören besonders nicht heilende Wunden, Abszesse, Furunkel, Karbunkel. Infektionen sind oft äußerst schmerzbetont und mindern zusätzlich die Lebensqualität beträchtlich.

Ansiedlung bei scheinbar Gesunden (Träger):
Der Keim bevorzugt neben dem Nasen-Rachenraum alle behaarten Körperteile des Kopfes, der Achsel und Scham- und Leistenregion. Diese Träger sind zugleich Überträger und können besonders immun geschwächte Menschen anstecken. Einige besonders gefährliche Stämme übertragen sich von scheinbar Gesunden auf andere Gesunde.
Als Träger kommt einigen Bevölkerungsgruppen besondere Bedeutung zu:
Gesundheitswesen (einschließlich Alten- und Krankenpflege), Sportler, Fitness, Schule, Kindergärten aber auch Feuerwehr (gemeinsam genutzte Schutzkleidung und Geräte), Tierpfleger, Schlacht- und Fleischverarbeitung sowie sexuell bedingte Gefährdung.

Übertragungswege:
Die Keime werden vor allem über Kontakt übertragen. Das können Menschen und Tiere aber auch Materialien, wie Instrumente, Vorrichtungen (Katheder), Textilien und Hilfsmittel sein.

Therapie und Verhalten:
Eine Therapie erfordert die Austestung des Stammes und Feststellung des Typs. Es sollte ein Arzt (bzw. Klinik) konsultiert werden, der besondere Erfahrung bei der Therapie von MRSA besitzt und dessen Anweisungen sind peinlich genau zu befolgen. Das gilt natürlich auch für hygienische Belange!
Die Keime sind zusätzlich empfindlich gegen Wundauflagen mit Silber-Ionen. Wunden sind möglichst sauber zu halten. Wundsekrete sind hoch ansteckend.
Instrumente (Pinzette) desinfizieren und kochen, gebrauchtes Verbandsmaterial sicher ablegen und mit Unterlage sicher vernichten. Bett- und körpernahe Wäsche täglich wechseln, Kochwäsche verwenden. Kontakt zu Kindern, Alten, Kranken vermeiden. Vor dem Besuch zu einer Behandlung in einer medizinischen Einrichtung ist diese zu benachrichtigen und aufzuklären. Das gilt auch für Notfälle und Krankentransport. Körperkontakt vermeiden. Zur Desinfektion der Hände Desinfektionsmittel verwenden. Nur Ph-neutrale Körperpflege einsetzen, da Seife den Säureschutzmantel der Haut schädigt.
Offensichtlich wird nach einer Studie der Universität Alexandria und der Society for General Microbiologie die Restwirkung von Chloramphenicol und ähnlich wirkenden Präparaten auf MRSA verdoppelt, wenn man als „Hausmittel“ eine Tasse grünen Tees gleichzeitig zu sich nimmt.

Besonderheit:
MRSA kann sich im Körper ruhend einnisten. Eine überstandene Infektion und ein negatives Screening können Sicherheit vortäuschen, Jahre später dann plötzlich ausbrechen.
 
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Steckbrief MRSA

hi MRSA,

wenn man es ueberlebt, kann man wirklich was erzaehlen.

meine bessere haelfte scheint es sich im schwimmbecken geholt zu haben.aufgeplatzte blasen an den fuessen und dann schwollen die zehen an wie wuerstchen und platzten auf.
AB erst im zweiten durchgang angeschlagen. da wir durch SARS schon silber zum desinfizieren gebrauchten, haben wir das auch weiter gesprueht (nicht geschluckt)

dass es in deiner abhandlung genannt wird erstaunt mich sehr,obwohl man ja weiss,dass bei verbrennungen auch silber benutzt wird.

was mir neu ist, dass sich die keime IM KOERPER manifestieren und wieder ausbrechen koennen.

danke fuer bericht.
eine sehr gefaerliche angelegenheit,besonders fuer die, die schon durch alle AB's durch sind.

aber, wie sag ich's meinem kinde! :bang:

gruss
mikado
 
Beitritt
19.03.07
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danke MRSA,

für die sehr informativen Beiträge.

danke Mikado, für diesen zutreffenden Satz

eine sehr gefaerliche angelegenheit,besonders fuer die, die schon durch alle AB's durch sind.
Davon kenne ich einige....
Und ich wünsche mir, dass die, die auf dem besten Wege dorthin sind, diejenigen, die in Urologenpraxen das leichtfertige Schlucken von Antibiotika gelehrt werden - nein, die Formulierung ist nicht richtig: Ihre extreme Notlage wird dazu genutzt, sie in diese Richtung zu schieben. - dass diejenigen diese Zeilen lesen und beherzigen.

Das ist mein Anliegen und meine Mission, und offenbar auch Deine, MRSA.
Mein Dank und meine Hochachtung.
 
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22.04.06
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Ich schließe mich Hakushi an. Du machst einen kompetenten Eindruck, MRSA. Kannst Du die Symptome, die Diagnose und die Therapie etwas untersetzen?

Viele Grüsse
Wero
 

James

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Bei Ihnen wurde MRSA festgestellt

Ok, - habe verstanden. Ich danke Euch für das Interesse am Thema und versuche es noch etwas tiefer zu untersetzen:

In der Regel wird mit Ihnen der Arzt ein Therapieprogramm besprechen. Nicht jeder Arzt hat sich mit MRSA beschäftigt. Haben Sie Zweifel, holen Sie sich eine zweite Meinung ein. Zweifel über die Kompetenz sollten bei Ihnen sofort aufkommen, wenn Ihr Arzt das Problem nicht sehr ernst nimmt. Das merken Sie schon an der Tatsache, dass er bei Kenntnis Ihrer MRSA-Infektion sich schon Sorgen um die Hygiene seiner Praxis machen müsste, denn durch Ihre Anwesenheit dort dürfte er ohne gründliche Desinfektion keine weiteren Patienten nach Ihnen behandeln. In Holland wären Sie schon in der Quarantäne gelandet. In Deutschland ist ein Arzt bei MRSA zu nichts verpflichtet, wurde auch nicht umfassend informiert oder hat sich nicht selbst weiter gebildet. Mir sind alle Zwischenstadien passiert. Letztlich war mir ein Arzt, der eine Behandlung in seiner Praxis ablehnte lieber als einer, der keine Reaktion zeigte.

Es ist erst einmal wichtig ein umfangreiches Screening zu machen. Sie müssen genau wissen, welche Wunden und welche weiteren Körperstellen betroffen sind sowie um welchen MRSA-Stamm es sich handelt. Es gibt eine Vielzahl verschiedener MRSA-Stämme. Sie haben alle eine unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber den verfügbaren Antibiotika und ich hoffe, dass noch irgendetwas anspricht.
Nehmen Sie die Therapiemaßnahmen sehr erst und unterbrechen Sie trotz möglicher erheblicher unerwünschter Nebenwirkungen nie die pünktlich Einnahme der Medikamente. Sprechen Sie Nebenwirkungen an, manche kann man dämpfen. Eine erfolgreiche MRSA.Therapie kann sehr langwierig sein!

Zusätzlich sollten Sie:
1. sich so verhalten, dass Sie den Keim weder an andere Bereiche Ihres Körpers noch an andere Personen sowie Haustiere verschleppen. Dazu gehört, dass Sie strenge Hygienemaßnahmen einhalten. Sie dürfen die betroffenen Körperstellen nicht mit bloßen Fingern berühren. Verwenden Sie zur Reinigung eine sterile Pinzette, die nach Benutzung sofort wieder desinfiziert wird (Desinfektionsmittel, abkochen, 100%-iger Alkohol). Benutzter Zellstoff, Wundauflagen, Tupfer, Verbandsmaterial gezielt ablegen und dann mit der Ablage so entsorgen, dass keine Personen damit mehr in Berührung kommen (spielende Kinder!) können. Waschen und desinfizieren Sie sich vor und nach Verbandswechsel gründlich Ihre Hände und Unterarme. Verwenden Sie ph-neutrale Reinigungs- und Desinfektionsmittel.
2. Diese Keime sind empfindlich gegen Silber-Ionen. Legen Sie die silberhaltigen Wundauflagen über den Wundrand bis auf das gesunde Gewebe. Wechseln Sie die Wundauflage täglich, auch wenn die Prozedur extrem schmerzhaft ist
3. Informieren Sie alle Personen, die körperlichen Kontakt zu Ihnen haben. Das sind besonders Pflegekräfte, Ärzte und natürlich Angehörige.
4. Vermeiden Sie Besuche in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheime, Kindergärten, Kureinrichtungen sowie Fitness- und Sportstätten.
5. Vermeiden Sie unnötige Körperkontakte (Handschlag) zu Mensch und Tier.
6. Wechseln Sie Unterkleidung, Nacht- und Bettwäsche möglichst täglich. Verwenden Sie ausschließlich Kochwäsche, die auch in höchster Stufe Ihrer Maschine unmittelbar nach Benutzung (nicht irgendwo ablegen!) gereinigt werden kann.
7. Sind tiefere Infektionsherde an Gliedmaßen vorhanden, ziehen Sie die Möglichkeit einer Amputation in Betracht. Besprechen Sie das mit dem behandelnden Arzt. Er wird Ihnen nach seinem Verständnis diese Möglichkeit erst dann unterbreiten, wenn Ihr Leben (und nicht die Lebensqualität) davon abhängt! Bedenken Sie, dass das betroffene Körperteil erhebliche Schmerzen verursacht, die sich so „einbrennen“ können, dass sie nach einer späteren Amputation (wie bei mir) als Phantomschmerzen erhalten bleiben. Letztlich werden Sie oftmals das betroffene Körperglied auch bei Erhalt nicht nutzen und die Infektion nicht dauerhaft beseitigen können, da im Umfeld des Infektionsherdes sich MRSA einnistet und nach Ruhephasen wieder ausbrechen kann.
8. Damit in Zukunft sich die unhaltbaren Zustände im Umgang mit MRSA in Deutschland ändern, solle Druck ausgeübt werden. Sie können das erreichen, wenn Sie Ihr Gesundheitsamt, die zuständigen Politiker oder die Öffentlichkeit informieren. Es kann auch sinnvoll sein gerichtlich (spezialisierter Patientenanwalt erforderlich) oder über die Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen vor zu gehen, auch wenn für Sie persönlich erst mal kein Erfolg sichtbar wird. Sie sind der Tropfen, der den Stein formt!
9. Verwechseln Sie bitte nicht Ursache und Wirkung. Die unhaltbare Situation ist durch unsere Gesundheitspolitik entstanden. Verantwortungsvolle Ärzte in Kliniken stehen dadurch zwischen allen Stühlen. Sie werden zwischen Gewissen und Wirtschaftlichkeit zerrieben und riskieren Ihren Arbeitsplatz, wenn sie gegen ihre eigenen Verwaltungen ankämpfen. Auch dafür sollte man als Betroffener etwas Verständnis aufbringen.
10. Nehmen Sie MRSA nicht als „Schicksal“ hin! Sie haben durch Schlamperei erhebliche körperliche Schäden und Einschränkungen oder den Verlust eines Angehörigen erlitten. MRSA ist bei uns weder melde- noch anzeigepflichtig obwohl jedes Jahr nach Schätzung des Gesundheitsministeriums (1) 500.000 bis 800.000 Neufälle in Deutschland zu beklagen sind. Durch das Robert-Koch-Institut sowie die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene ist das Bundesgesundheitsministerium umfassend informiert. Die Untätigkeit trotz Kenntnis ist für mich nicht mehr fassbar. Sollten die Umsätze der Pharmazie mit Antibiotika für Mensch und Tier wirklich wichtiger als die Gesund- und Unversehrtheit der Bürger sein?
….da fällt mir doch direkt noch die Vogelgrippe ein… wie das nur kommt?
Gruß allen Lesern,
Euer MRSA

(1) Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 16 / 6185 vom 01.08.2007
 

James

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Fragen und Vergleiche

Gedanken (nach kurzer Nacht - siehe oben) zu MRSA und anderen nosokominale (im Krankenhaus erworbene) Infektionen

Je tiefer ich mich mit MRSA beschäftigt habe, desto eindringlicher stellen sich mir neue, bisher kaum in der Öffentlichkeit gestellte Fragen und Vergleiche

Staphylococcus hat seine beängstige Anpassungsfähigkeit schon bei seiner Entdeckung als MRSA im Jahre 1961 bewiesen. Damals war das Antibiotika Methicillin gerade knapp 6 Monate auf dem Markt. In dieser kurzen Zeit konnte sich der Keim bereits anpassen und verlieh MRSA seinen Namen. Das Medikament ist schon Jahre nicht mehr erhältlich, der Name des Keims geblieben. Da ich den überwiegend großen Anteil der Mediziner als eher konservativ bei der Auswahl ihrer Medikamente einschätze, ist die kurze Zeitspanne noch bedeutender zu bewerten.

Die Abwässer aller Kliniken fließen, rein technisch gesehen, in einen Sammler und von dort aus über die öffentliche Kanalisation zum kommunalen Klärwerk. Im Sammler herrscht unabhängig von der Jahreszeit durch gleich bleibenden Nachschub von Abwässern ein feucht-warmes Klima. Das Wasser beinhaltet neben jeder Menge typisch organischer Fracht natürlich auch die Rückstände aller in der Klinik verwendeten Medikamente einschließlich Antibiotika. Es ist also neben kontinuierlicher Ernährung und Klima auch die Zeit zur problemlosen Anpassung gewährleistet. Wenn Staphylococcus schon an sterilen Oberflächen über 100 Tage aktiv bleibt, wage ich mir kaum vor zu stellen was dort geschieht.

Aus dem im Gesundheitswesen durch die Politik verursachten Kostendruck werden zunehmend Patienten „blutig“ (heißt tatsächlich so, wenn Wunden noch nicht verheilt sind) oder mit MRSA infiziert ohne zwingend vorgeschriebene Information in die häusliche Pflege entlassen. Beste Voraussetzungen eine flächendeckende „Versorgung“ mit MRSA in immer neuer Variante zu erreichen.

Schauen wir uns doch mal die offiziellen, vom Bund selbst erstellten Zahlen an. Die findest Du im Netz unter gbe-bund.de (Gesundheitsberichtserstattung des Bundes) als PDF zum runter laden. Die stammen zwar aus 2006, zeigen aber vieles sehr deutlich.
Tote durch Vogelgrippe = 0
Tote durch Influenza (Grippe) = 12
Tote durch Straßenverkehr = ca. 6.000
Tote durch Pneunomie = ca. 26.000
Pneunomiefälle = ca. 250.000
Nosokominale (in Krankenhaus erworbene) Infekte sind nicht zu finden, also = 0
*******
Nun gehen wir mal auf den ICE-Schlüssel
J10.0/J11.0 Influenza (Grippe) = 12 …ok., stimmt!...und schauen mal an, was J18 bedeutet.
J18 = Pneunomie, Erreger nicht näher bezeichnet
Prima, da haben wir wohl das Hintertürchen gefunden in dem alle MRSA-Tote so wunderbar verschwinden können, denen MRSA zu schwer auf die Brust geschlagen ist. Und bei Sepsis? Nanu, das gleiche Spielchen!
Man zeige mir den Mediziner der nicht weiß welcher Keim seinen Patienten unter die Erde brachte, wenn ein Screening im eigenen Haus einen Kostenaufwand unter 5,-€ erzeugt und abgerechnet werden kann.

Unwillkürlich muß ich nun wieder mal an die schreckliche Vogelgrippe und die fürchterliche Bedrohung durch Influenza denken. War doch toll, dass unsere Gesundheitspolitik so herrlich uns Bürger in die Arme schloss und wunderbar beschützte und natürlich wieder beschützen wird. Ohne die vielen Aufrufe und Mahnungen wären wir nicht in die Praxen gelaufen und hätten uns impfen lassen. Und Arbeitsplätze hat das auch gesichert, und arme Aktionäre vor Sozialhilfe bewahrt…

Verzeiht mir bitte, dass ich manchmal sarkastisch klinge, aber sagen wir das mal mit Worten Luthers:“ Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“

Letztlich möchte ich hier noch einmal betonen, dass viele verantwortungsvolle Mediziner von den Zuständen bei uns sehr betroffen sind und meine Meinung stützen. Sie sind das schwächste Glied der Kette, stehen zwischen unzureichenden Gesetzen und dem daraus resultierenden Druck ihrer Verwaltung. Auf der Anklagebank sitzt für mich der Bund, solange MRSA und die anderen nosokominale Infekte weder melde- noch anzeigepflichtig sind obwohl die Strukturen dafür flächendeckend bestehen, und auf Totenscheinen als „Sepsis - Blutvergiftung“ oder „Pneunomie - Lungenversagen“ umschrieben werden kann.
Bei der Meldepflicht erkennt man die gleichen Zustände. Das Gesetz schreibt vor dass (Zitat!) “MRSA bei gehäuften Auftreten dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden ist“. Wie groß der Haufen werden kann, wird man vergeblich suchen. Ehrlich: würdest Du unter diesen Umständen zum Gesundheitsamt rennen und anzeigen, dass in Deiner Klinik, Altenheim, Kindergarten, Sportanlage, Fitnesscenter MRSA-Tote auf der Rechnung stehen? Das macht doch nur dann Sinn, wenn es sowieso in der Zeitung stand. Und da steht so etwas auch nicht immer, denn man möchte doch weiter möglichst blattfüllend für Wundermittel werben, die uns das Leben versüßen, Arbeitsplätze schaffen, arme Aktionäre…
Oh, ich wiederhole mich..
Euer MRSA
 
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04.01.07
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Danke, MRSA. Das ist ja ein Pulverfass!

Man nimmt an, dass 15 bis 40% der Bundesbürger betroffen sind.
Alle Zahlen beruhen auf Schätzungen.

15% von den 5.314 Benutzern des Forums sind 797 !!

Als Träger kommt einigen Bevölkerungsgruppen besondere Bedeutung zu:
... Schule, Kindergärten ...

Da bleibt einem ja die Luft weg. Das muß ich erst mal verdauen.

Baffomelia
 
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06.04.08
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Ich habe gerade meine Apotheke, meinen Hausarzt und unser Krankenhaus angerufen. Sie haben mir versichert, daß sie keine MRSA-Prüfung machen. Wer es macht, wissen sie auch nicht.

Gruß
dshudshu
 
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James

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Hallo Baffomelia,
gut gerechnet - setzen!

Hallo dshudshu,
Hautärzte sind meist gut informiert und wissen welches Labor günstig Abstriche austestet. Ein Krankenhaus sollte immer die Möglichkeit im eigenen Hause haben, sonst hat es den Namen nicht verdient. Da ist man doch manchmal baff, wie die Ärzte dann ihre Diagnose wohl stellen wollen? Vermutlich per Horoskop?
Liebe Grüße,
MRSA

Ps.: eben ist eine Meldung hereingeflattert nach der eine Meldepflicht MRSA nun doch endlich eingeführt werden soll. Muß also gleich stöbern gehen, dann hätten wir ja endlich einen Teilerfolg....kann das noch gar nicht glauben
Bis bald,
MRSA
 
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James

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Da bin ich wieder...
Die Meldung bezieht sich auf eine Äußerung vom Gesundheitsstaatssekretär Herrn Rolf Schwanitz gegenüber der ARD in Report. Er sagte, daß die MRSA-Meldepflicht geplant sei.
++++++
Nun ja, geplant...da sinkt meine Begeisterung schon wieder etwas. Ich werde so lange meckern, bis die Meldepflicht da ist.
Versprochen!
Gruß an alle,
MRSA
 

James

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Meldepflicht geplant

Falls Interesse besteht, hier die Pressemeldung:

Berlin - Die Bundesregierung will die schwer zu behandelnden, weitgehend resistenten MRSA-Bakterien (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) aus Krankenhäusern zurückdrängen. Eingeführt werden solle eine Meldepflicht, nach der Kliniken jeden MRSA-Fall den zuständigen Gesundheitsämtern anzeigen müssen, sagte Gesundheitsstaatssekretär Rolf Schwanitz dem ARD-Magazin „Panorama“. Nach Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene sterben bis zu 1500 Patienten im Jahr an den Folgen einer MRSA-Infektion. Bis zu 800.000 Patienten infizieren sich in Deutschland mit Krankenhauskeimen, hieß es in dem Bericht.

Bislang bestehe nur eine Meldepflicht, wenn „eine Häufung“ von MRSA-Krankenhauskeimen auftritt. Das Bundesgesundheitsministerium schlägt dem Bericht zufolge auch vor, Risikopatienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus auf MRSA zu untersuchen. Das Ministerium werde Gespräche mit den Bundesländern über eine entsprechende Novellierung des Infektionsschutzgesetzes führen. „In den 90er Jahren, als die MRSA-Bakterien in Deutschland massiv angestiegen sind, hat man nicht schnell genug reagiert“, sagte Schwanitz.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte bereits einer Studien- und Kampagnenaktion „Saubere Hände“ Unterstützung zugesichert. Nur bei 20 bis 50 Prozent der Patientenkontakte in Intensivstationen werden die Hände ausreichend mit Alkohol desinfiziert. Von den rund 500.000 Infektionen im Krankenhaus pro Jahr sind nach Angaben des Aktionsbündnisses Patientensicherheit 20 bis 30 Prozent durch mehr Hygiene vermeidbar.

Quelle: ARD/NDR Pressemitteilung
 
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MRSA schrieb:
Hautärzte sind meist gut informiert und wissen welches Labor günstig Abstriche austestet.

Hallo MRSA, darf ich das so interpretieren, daß mir der Hautarzt (am Telefon?) ein Labor nennt, und dann fahre ich in dieses Labor und das Labor macht den Abstrich?

Gruß
dshudshu
 

James

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Hallo dshudshu,
ein Versuch wäre es wert.
Zum Screening: Ein steriler Wattetupfer befindet sich im Glasröhrchen. Er wird entnommen und in die Nasenlöcher geführt sowie leicht gedreht. Tut nicht weh, kitzelt aber! Dann gleich wieder ab in's Röhrchen. Im Labor wird dann mittels des Tupfers ein Glasschälchen mit Nährboden beimpft und nach 24 Std. im Brutschrank auf Art und Typ der Besiedlung sowie auf Reaktionen gegen AB's geprüft. Das wars. Der Schnelltest ist ähnlich, nur das Ergebnis liegt schon nach 2 Std. vor, da der Keim nicht angezüchtet werden muß. Der Schnelltest ist jedoch teurer, er wird bei Notfallpatienten benutzt.
Gruß,
MRSA
 

James

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MRSA bei Tieren

Krankenhauskeim: MRSA in Schweineställen

Gerade ist Deutschland offiziell für vogelgrippefrei erklärt worden, da scheint sich ein anderer, unter Umständen auch lebensgefährlicher Krankheitserreger unter unseren Nutztieren auszubreiten: der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, kurz MRSA. Bislang war MRSA als „Krankenhauskeim“ bekannt, da er fast nur in Krankenhäusern vorkam. Doch jetzt verbreitet er sich auch in Deutschlands Schweineställen. Er ist offensichtlich von Schwein zu Schwein und vom Schwein auf den Menschen und dann auch von Mensch zu Mensch übertragbar. Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass dies sogar auch Rinder betreffen kann.

Wie eine Stichprobe der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bei 40 landwirtschaftlichen Betrieben ergab, wurden die Keime bei bis zu 70 Prozent der Schweine nachgewiesen. Schweinezüchter kommen nun als mögliche Überträger in Betracht. Bislang galt der Keim als typischer Hautkeim des Menschen, der sich über Hautkontakt vor allem in Krankenhäusern überträgt. Jährlich erkranken in Deutschland rund 35.000 Patienten an den gefährlichen Krankenhauskeimen. Schätzungsweise 1.500 sterben daran. Genaue Zahlen sind aber nicht bekannt, denn MRSA ist in Deutschland noch immer nicht meldepflichtig.

Der Keim kann unaufhaltsame Wundinfektionen sowie Blutvergiftung und Lungenentzündung auslösen. Die Übertragung erfolgt zum größten Teil von einem Patienten zum anderen über die Hände des Klinikpersonals. In Deutschland tragen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung den Keim im Nasen-Rachen-Raum, ohne es zu wissen und ohne zu erkranken. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa bei Krankheiten oder Operationen oder wenn offene Wunden dem Keim die Möglichkeit der Einnistung bieten.

Dass eine Variante des Erregers nun auch bei Schweinen auftritt, ist jedoch nach Informationen von plusminus eine neue Situation. In den Niederlanden schon seit dem Jahr 2003 bekannt, haben unlängst auch deutsche Landwirte und Veterinärmediziner das Risiko erkannt. Die europäische Behörde für Verbraucherschutz (EFSA) ordnete im November 2007 an, das MRSA-Vorkommen bei Schweinen zu überprüfen. Die europäische Kommission legte daraufhin eine Regelung fest, wonach das Vorkommen von MRSA in Zuchtschweinebeständen zusammen mit Untersuchungen zu Salmonellen erfolgen soll. Für Deutschland muss das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diese Untersuchungen bundesweit und flächendeckend koordinieren. Ein erster Zwischenbericht soll bis zum 31.05.2008 vorliegen. Das Robert-Koch-Institut, das für die Erfassung von MRSA-Risikogruppen zuständig ist, war gegenüber plusminus noch zu keiner Stellungnahme bereit, ob nun auch jene Personen, die in Kontakt mit Schweinen und Rindern stehen, als Risikogruppe eingestuft werden sollen. Man müsse erst die in Deutschland laufenden Untersuchungen abwarten. .

Quelle/Link: daserste.de vom 5. Mai 2008

Anmerkung: Da scheint es ja bei den Veterinären besser zu klappen als bei der Humanhygiene in Krankenhäusern, obwohl die genannten Tatsachen ebenfalls erschreckend sind. Ich wollte die Pressemitteilung zur Abrundung des Thema MRSA hier trotzdem einstellen um die Lage noch deutlicher zu machen.
 
Beitritt
22.04.06
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MRSA schrieb:
Die europäische Kommission legte eine Regelung fest, wonach das Vorkommen von MRSA in Zuchtschweinebeständen erfolgen soll. Für Deutschland muss das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) diese Untersuchungen bundesweit und flächendeckend koordinieren.

Bundesweit. Flächendeckend. Ruckzuck. Für Schweine.
Sehr komisch.

Viele Grüsse
Wero
 

James

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20.05.08
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....eben, Schwein gehabt!

Gruß, MRSA
 
Beitritt
06.04.08
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Hallo MRSA,

vielleicht solltest Du dem Herrn Staatssekretär vorschlagen, daß die neue Regelung auch den Ansprechpartner für Prüfwillige festschreibt. Der Hautarzt hat mein Anliegen (MRSA-Prüfung) abgeschmettert. Ich solle mich an den Hausarzt wenden. Welches Labor wissen sie auch nicht. So ein Verwirrspiel muß doch nicht sein.

Gruß
dshudshu
 

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dshudshu

Hallo dshudshu,
Deine Erfahrung haut mich vom Hocker. Bei jeder unklaren Infektion macht der Arzt einen Abstrich, den ein Labor auf 2 Dinge untersucht:
1. welcher Erreger
2. auf was reagiert er empfindlich
Das ist die Grundlage der Diagnose und Medikation seit 50 Jahren, wenn man als Arzt nicht mit Kanonen auf Mücken schießt und hofft, dass man ungezielt trifft.
Wo wohnst Du? Birma, Sahel-Zone oder doch im Regenwald fern jeder Zivilisation? Wenn Dir die Humanmediziner nicht helfen wollen, rufe mal den Tierarzt an. Wie weiter oben zu sehen ist, klappt das, was ich bei Menschen schon lange einfordere bei Tieren ja vorzüglich. Nun ja, die unterstehen auch dem Landwirtschaftsministerium und nicht Frau Schmidt. Als Schwein wird einem halt geholfen...
Dir liebe Grüße und ich drücke den Daumen.
Dein MRSA

Ps.: Das mit dem Tierarzt meine ich ernstlich. Lasse mich wissen, ob Du weiter gekommen bist.
 

James

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Klarstellung

Klarstellung um Mechanismen besser zu verstehen aber auch überzogene Hysterie zu vermeiden.

Staphylococcus (aureus und epidermis) gehört zur normalen Hautflora des Menschen und wird durch den Säureschutzmantel sowie das Immunsystem in Schach gehalten. Wohl jeder Mensch nach dem Säuglingsalter hat schon mal eine Staphylococcus-Infektion gehabt (z.B. wenn ein eingezogener Splitter eiterte). Im Normalfall besiegt der Mensch diese temporäre Infektion sehr schnell weil sein Immunsystem reagiert, wenn der Keim in den Körper eindringt.
Das ist mit vielen antibiotika – resistenten Keimen nicht wesentlich anders und auch der Grund, dass die meisten MRSA-Träger nichts davon bemerken. Es wird erst dann problematisch, wenn durch irgendeinen Grund das Immunsystem nicht stark genug reagiert. Ich empfinde es als verantwortungsvoll, seinen eigenen Status austesten zu lassen, besonders wenn man einer Risikogruppe angehört und als Träger andere Menschen gefährdet.
Bei Kleinkindern und Alten ist das Immunsystem schwächer als bei Menschen im mittleren Lebensalter. Deshalb ist ihre Gefährdung höher und der Grund, dass ich immer wieder auf Alten- und Pflegeheime sowie Kindergärten hinweise.
Anders sieht es natürlich aus, wenn das Immunsystem runter gefahren ist. Erst dann kann man sehr schwer erkranken. Wenn der Keim resistent ist, kann man mit Antibiotika nur noch bedingt dem Körper helfen. Das geschieht also bei Menschen, die durch andere Einflüsse neben der MRSA-Infektion ein weiteres gesundheitliches Problem haben. Das kann eine schwere Krankheit oder eben auch ein Verkehrsunfall (selbst schwere psychische Zusammenbrüche können das auslösen) sein. Dann erhält MRSA die Gelegenheit im Körper verheerend zu wirken. Auf Intensivstationen und im OP ist die Gefahr deshalb so konzentriert.
Hat sich MRSA manifestiert und man ist daran erkrankt, kommt es sehr darauf an wo sich der Infekt befindet. Ist ein lebenswichtiges Organ oder Teile des zentralen Nervensystems betroffen, ist es sehr kritisch. Das gilt natürlich auch dann, wenn der Keim sich im Brust- bzw. Bauchraum oder in der Nähe von Gehirn bzw. Rückenmark manifestiert hat.
Von allen diesen Fällen ist ein Befall der Lunge der häufigste Befund und kann leider schnell zum Tode führen. Das ist auch der tiefere Grund, dass ich immer wieder darauf poche nicht mehr nur „Pneunomie“ sondern „Pneunomie/MRSA“ auf Totenscheine auszuweisen. Wie will man denn eine Erhebung machen und entsprechend reagieren, wenn wichtige Aussagen nicht getroffen werden können und immer nur von vagen Schätzungen ausgegangen wird.
Der andere Fall ist eine Sepsis. Diese entsteht, wenn der Erreger und seine Toxine in die Blutbahn gelangen. Dabei ist weniger der Ort sondern die Menge entscheidend. Führt eine Sepsis zum Tode, würde auch hier der Vermerk von MRSA aus gleichen Gründen wichtig sein.
Ansonsten gilt allgemein: Je tiefer, desto schwieriger zu bekämpfen. Es ist ein großer Unterschied, ob Haut- oder äußerliche Bereiche befallen sind oder am Knochen seine Wirkung entfaltet. Man kann sich vorstellen, dass eine Ausräumung am Knochen viel schwieriger (und schmerzhafter) verläuft als eine oberflächliche Infektion, die man leichter sauber halten und behandeln kann. Nach der 10. Vollnarkose ist man dann als Patient schon geneigt auf weitere zu verzichten und stattdessen eine Amputation (wenn möglich) zu verlangen. Entschließt man sich dazu, sollte man unbedingt mit dem Arzt ausführlich darüber sprechen. Der Grund liegt auf der Hand: Ärzte sind gewohnt, dass Patienten bei Amputationen immer darauf pochen so wenig als möglich zu verlieren. Das dürfte wohl allen klar sein. Bei MRSA sollte aber gelten: so sicher und sinnvoll wie möglich! Der Grund ist schnell erklärt. Der Infekt und mögliche Einnistungsorte sollten vollständig entfernt werden und zugleich eine gute prothetische Versorgung gewährleistet sein.
Nun noch ein Wort zum Gesetzgeber:
Eine vorgeschriebene Eingangsuntersuchung würde die Gefahr minimieren, dass sich Patienten in der Klinik gegenseitig anstecken. Für das gesamte medizinische Personal im OP und auf Intensivstationen muss als Minimum ein regelmäßiges Screening Pflicht sein. Es wäre natürlich sehr sinnvoll weitere Risikogruppen (vom Pfleger bis zum Schweinezüchter) mit einzubeziehen. Die entstehenden Kosten erscheinen lächerlich, wenn man die Behandlungs- und Pflegekosten MRSA-Erkrankter bis hin zur Verrentung dagegen setzt.
Wie man mit den neuen mutierten, durch Peptide virulenten MRSA-Formen (USA300, ST398 über Schweine) umgehen soll, müssen Fachleute empfehlen, da kann ich meinen Senf nicht dazu geben. Abschließend möchte ich nur sagen, dass es Aufgabe des Gesundheitsministerium wäre kompetente Fachleute zu beauftragen und nicht wieder auf externe, eher private Initiativen zu warten wie auf den Runden Tisch am 03.07.08 in Graz (MRSA-Symposium) oder ECCMID in Barcelona.
 
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