Kälbchenjagd

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Horaz

in memoriam
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Ein nicht alltägliches Land-Erlebnis möchte ich euch erzählen:

Ich wohne ländlich, sittlich; auf den Wiesen rundherum weiden die Kühe. Der Bauernhof zu dem sie gehören, hat die Milchwirtschaft eingestellt und widmet sich der Kälberaufzucht. Die Kälber werden draußen irgendwo auf den Weiden geboren. Eines, vor etwa einem Jahr, ganz in der Nähe meines Gartens. Schon nach kurzer Zeit stand es auf staksigen Beine da und schaute mich an. Natürlich hatte ich mir das Ereignis nicht entgehen lassen.

Nach einiger Zeit wandte ich mich aber wieder der Gartenarbeit zu. Da hörte ich auf einmal ein klägliches Schreien. Das Kälbchen war unter dem Elektrozaun durchgeschlüpft, hatte sich trotzdem ein paar Stromschläge eingefangen und stand nun bei mir im Garten. "Kälbchen", sagte ich und näherte mich vorsichtig "wär`s nicht besser, wenn du wieder zu deiner Mama gingest?" Das hatte es auch vor. Leider erhielt es ein paar weitere Stromschläge bei dem Versuch und geriet in Panik. "Bääähhhh, bäääähhhhh" jammerte es; tatsächlich klang es mehr nach einem Schaf. Es stürmte durch meinen Garten, ließ sich von keinen Rosen oder Hecken aufhalten und verwüstete binnen kurzen des Gärntners Müh`.

Das Kälbchen schrie und die Mutterkuh, jenseits des Zauns, brüllte. Sie witterte wahrscheinlich einen Mordversuch an ihrem Baby. Zum Glück erlahmten dann die Kräfte des kleinen Tieres und es legte sich in eine Wiese. Zentimeter für Zentimeter näherte ich mich, sprach beruhigend auf es ein und ließ mich dann neben dem Kälbchen nieder. Zuerst wollte es aufspringen, das konnte ich gerade noch verhindern. Unglaublich wieviel Kraft so ein kleines Wesen schon haben kann.

Inzwischen hatte meine Nachbarin den Lärm vernommen und schaute zum Glück vorbei. Als sie mich etwas hilflos und erschöpft, das Kälbchen halb umarmend, halb niederringend sah, organisierte sie schnell einen Strick. Den banden wir dem Tier um den Hals und führten es am Elektrozaun vorbei, wieder zu seiner Mutter. Das Kälbchen riß sich dann bald los und sprang mit dem Strick um den Hals davon. Mama Kuh wirkte gar nicht friedlich, weswegen wir uns schnell aus dem Staub machten.

Inzwischen ist das Kälbchen schon eine recht ansehnliche Kuh, nähert sich aber meinem Garten nur mit äußerster Vorsicht. Das ist mir auch sehr recht, denn ich hatte Tage an der Beseitigung der Schäden gearbeitet, die bei dem Ausflug entstanden sind.

Viele Grüsse, Horaz
 
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Hallo Horaz

Das ist eine hübsche Geschichte.

Wenn man auf einem Bauernhof aufwächst, passiert einem öfter Ähnliches. Besonders tückisch sind Schweine. Die sind seeehr schnell und können Haken schlagen. Aber ein Erlebnis der "anderen Art" hat uns mal unser Zuchtbulle beschert, als er meinte, einen Spaziergang durch die Stadt (Kleinstadt) machen zu müssen. Eine mutige Frau schlug mit der Handtasche auf ihn ein und rettete sich dann mit einem Sprung über den nächstbesten Gartenzaun. Natürlich sorgte das für Gerede und Gelächter in der Stadt, obwohl dieser Koloss recht gefährlich war, wenn auch nicht der Schnellste. Zum Glück war ich in der Schule. Er verstand nichts von Familienbanden, und wir hatten alle eine Heidenangst vor ihm. :eek:

Gruss
Kathy
 
Hallo Kathy und Horaz,
danke für Eure spannenden und erheiternden Geschichten
von
Leòn

 

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