Histamin und Strahlen / Chemikalien

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Histamin und Strahlen Quellen

Es gibt eine ganze Reihe von Hinweisen darauf, dass Strahlen verschiedener Art zur vermehrten Auschüttung bzw. Bildung von Histamin im Körper führen. Hier eine Zusammenstellung diesbezüglicher Quellen:

Ionisierende Strahlen / Röntgenstrahlen / Tumorbestrahlung

Privatdozent Dr. med. Franz Franzen „Untersuchungen zur Frage der Entstehung und pathosphysiologischen Bedeutung biogener Amine bei sublethalen Strahlenschäden“ , Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen, Deutscher Verlag, Köln, Opladen 1966 (Fachartikel in Buchform, Untersuchung über die Ausschüttung Biogener Amine incl. Histamin bei Ratten nach Bestrahlung mit ionisierenden Strahlen, der größte Histaminanstieg findet sich erst mehrere Tage nach der Bestrahlung)

„Das Ansteigen des Histaminspiegels im Organismus nach Einwirkung ionisierender Strahlen ist bekannt. … Den ersten Nachweis einer Histaminzunahme unter Röntgenbestrahlung in vivo erbrachte Segal (1939). Er fand ein Ansteigen des Histaminspiegels im Blut bei Patienten, die wegen maligner Tumore bestrahlt wurden, um das Zwei- bis Dreifache. Diese Befunde wurden später durch BAUR u. LÜDIN (1950) sowie KosLOWSKI, POPPE u. WALTHER (1955) bestätigt. Tierversuche mit ähnlichen Ergebnissen wurden von VOSS (1938) sowie von WEBER u. STEGGERDA (1949) durchgeführt.

Die Gründe für den genannten Aktivitätsanstieg sind bisher nicht eindeutig geklärt. Es verdient jedoch die Möglichkeit der Histaminfreisetzung auf Grund einer Mobilisation aus lokalen Plasma- und Zellverbindungen besondere Erwähnung …“
(Aus dem Abstract und der ersten Seite von: H. C. Sturde and H. J. Heitmann “Über den Einfluß ionisierender Strahlen auf Histamin“, Archives of Dermatological Research Volume 228, Number 3, 337-345, DOI: 10.1007/BF00499309 (1966)
Archives of Dermatological Research, Volume 228, Number 3 - SpringerLink (gefunden am 25.7.2011), es geht darum, dass die ionisierenden Strahlen einen Teil des Histamins wieder inaktivieren – Franz Franzens Untersuchung (s. o.) zeigt aber, dass die größte Histaminausschüttung bei Bestrahlung mit ionisierenden Strahlen erst mit mehrtägiger Verzögerung nach der Bestrahlung auftritt).

„Wässrige Histidinlösungen, die mit ultraviolettem Licht [Ellinger (1,2), Holtz (1)], mit Kathodenstrahlen [Ellinger (3)] oder Röntgenstrahlen (Becker und Freytag) bestrahlt werden, wirken am pharmakologischen Testobjekt wie Histamin.“ Kurt Flemming „Chemischer Nachweis von Histamin in röntgenbestrahlten Histidinlösungen“, Naunyn-Schmiedeberg's Archives of exp. Path. u. Pharmak. 239, 1960, S. 425 – 432 (Quelle: resources.metapress.com/pdf-preview.axd?code=pn15476328037u17&size=largest )

Kathodenstrahlen

Friedrich Ellinger „Über die Entstehung eines Körpers mit histaminähnlichen Wirkungen aus Histidin durch Kathodenstrahlen“, Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology Volume 161, Number 6, 703-712, DOI: 10.1007/BF01864871 (Quelle: Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 161, Number 6 - SpringerLink )

UV-Strahlen

„… prüfte ich den Einfluss des Cysteins auf eine seit langem bekannte Wirkung des ultravioletten Lichtes, die von P. TRENDELENBURG entdeckte und von seinem Schüler F. ELLINGER näher untersuchte photochemische Entstehung von Histamin aus Histidin.“ Einzelvorträge, K. Flemming “Untersuchungen zum Mechanismus der Bildung von Histamin in ultraviolett-bestrahlten Histidinlösungen“ Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology Volume 236, Number 1, 27-30, DOI: 10.1007/BF00259041(Quelle: resources.metapress.com/pdf-preview.axd?code=v085514558vx2v38&size=largest )

„Histamin könnte aus Histidin einfach durch Kohlendioxidabspaltung entstehen. Es zeigt sich aber, dass bei Bestrahlung neben Kohlendioxid auch beträchtliche Mengen von Ammoniak entstehen. Die Dekarboxylierung des Histidins ist also zum wenigsten nicht der einzige chemische Vorgang, den die Bestrahlung bewirkt.“ (Anmerkung: Ammoniak ist ein Histaminliberator, siehe Chemikalien undHistamin)
Einzelvorträge, P. Szendrö „Entsteht bei der Ultraviolett-Bestrahlung von Histidin Histamin?“, Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology Volume 157, Number 1, 136-137, DOI: 10.1007/BF01972137 (gefunden unter SpringerLink - electronic journals, protocols and books. – dort aber nicht mehr aufzufinden)

Durch Bestrahlung von Histidin mit ultraviolettem Licht entsteht Histamin. Das Histamin wurde identifiziert als Pikrat, Chloroaurat und Chloroplatinat.“
„In einer früheren Arbeit konnte ich zeigen, dass die histaminähnliche Substanz, die durch Bestrahlung von Histidinlösungen mit ultraviolettem Licht entsteht,…“ kurze wissenschaftliche Mitteilungen, Peter Holtz „Die Entstehung von Histamin durch Bestrahlung“, Journal of Molecular Medicine Volume 12, Number 41, 1613-1614, DOI: 10.1007/BF01758289 (Quelle: resources.metapress.com/pdf-preview.axd?code=v4353406u7w35236&size=largest )

Peter Holtz “Die Entstehung von Histamin aus Histidin durch Bestrahlung“, Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology Volume 175, Number 1, 97-103, DOI: 10.1007/BF01861164 (1934) (Quelle: Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 175, Number 1 - SpringerLink es geht um UV-Besrahlung, bezieht sich auf Szendrö (s.o.) und weist per chemischer Untersuchung nach, dass Histamin aus Histidin entsteht - dass die wie Histamin wirksame Lösung tatsächlich Histamin enthält)

Kurzwellen, Diathermie, Fango

Kurzwellendurchflutung bewirkt bei Hund, Katze und Kaninchen eine Erhöhung des Histamingehalts im Blute, wobei das Histamin aus dem Gewebe stammt. Die Reaktion der einzelnen Tiere bezüglich Schnelligkeit, Intensität und Dauer dieser Reaktion ist sehr verschieden. Auch andere Formen der Wärmezufuhr, wie Diathermie und Fango, rufen ähnliche Änderungen des Histamingehalts von Blut und Gewebe hervor.

Ein Teil der Ergebnisse wurde auf der Tagung der Deutschen Pharmakologischen Gesellschaft, Berlin 1938, und auf dem Internationalen Physiologen Kongreß in Zürich 1938 vorgetragen, vgl. auch Klin. Wschr.1940, S. 270.” F. Hildebrandt “Histamin im Blut und Gewebe unter dem Einfluß von Kurzwellen, Diathermie und Fango“ Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology Volume 197, Numbers 2-5, 148-160, DOI: 10.1007/BF01865172 (Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 197, Numbers 2-5 - SpringerLink )
Originalien F. Hildebrandt „Über den Einfluss der Kurzwellen, der Diathermie und des Fango auf den Histamingehalt im Blut und Gewebe“, Journal of Molecular Medicine Volume 19, Number 12, 270-271, DOI: 10.1007/BF02074753 (Journal of Molecular Medicine, Volume 19, Number 12 - SpringerLink ) (interessant: auch Muskelarbeit und Verbrennungen setzen Histamin frei)

Tumortherapie allgemein:

Tumortherapie allgemein: „Es sollte experimentell geprüft werden, ob die Gabe von MAO/DAO an Tumorpatienten die Auswirkungen der Aminschübe mildern kann. Im Experiment konnten Probanden bereits vor Histaminvergiftungen dadurch bewahrt werden.“ (Quelle: Beutling „Biogene Amine in der Ernährung“, Springer 1996, S 252 – Vorletzter Abschnitt der Schlussbetrachtung; leider keine passende Quelle als Hinweis angegeben)

Forenbeitrag:
https://www.symptome.ch/vbboard/his...taminintoleranz-strahlenbehandlung-krebs.html

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Histamin und Chemikalien Quellen

Auch bestimmte Chemikalien können im Körper Histamin freisetzen (als Histaminliberator wirken) oder die Bildung von Histamin fördern:

- R. Bartosch
"Über die Freisetzung von Histamin durch chemisch bekannte Substanzen"
Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmakologie, Volume 181, Nr. 1, S. 176 Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 181, Number 1 - SpringerLink
(Toluol, Benzol, Xylol, Hexan, Heptan, Oktan, Petroläther)

- Reschad Sami Garun
"Histamin-Freisetzung in der Lunge durch Reizstoffbeatmung"
Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmakologie, Volume 188, Nr.2-5, S. 250 - 254 (1937) Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 188, Numbers 2-5 - SpringerLink
(Toluol, Benzol, Xylol, Hexan, Heptan, Ammoniak, Acrolein, Chlorpikrin)

- Heubner / Bachnann
Kurze Wissenschaftliche Mitteilungen
"Über die Freisetzung von Histamin durch Quecksilber"
Journal of Molecular Medicine, Volume 16, Nr. 8, S. 279 (1957) Journal of Molecular Medicine, Volume 16, Number 8 - SpringerLink
(Quecksilber)

- Peter Holtz
"Oxydo-reduktionskatalytische Entstehung von Histamin aus Histidin"
Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmakologie, Volume 187, Nr. 2 - 5, S. 589 - 593 (1937) Naunyn-Schmiedeberg's Archives of Pharmacology, Volume 187, Numbers 2-5 - SpringerLink
(Palladium)

- Schievelbein / Werle
"Freisetzung von 5-Hydroxytryptamin durch Nicotin"
Psychopharmakologie, Volume 3, Nr. 1, S. 35 - 43 (1961) Psychopharmacology, Volume 3, Number 1 - SpringerLink
(Nikotin, Freisetung auch von Histamin)

(Laut Wikipedia sind in Zigarettenrauch neben Nikotin unter Anderem auch Toluol, Benzol und Ammoniak enthalten.)

Toluol findet sich neben Zigarettenrauch und Benzin auch in Nitroverdünnung, anderen Lösungsmitteln, Lacken und Farben, auch immer in Nagellack und ist als Moschustoluol häufig Bestandteil von Parfüms und Duftstoffen. Acrolein entsteht beim zu hoch Erhitzen von Fett und beim Abbrennen von Kerzen oder Zigaretten. Ammoniak ist im Zigarettenrauch zu finden und wird von einigen schlechten Darmbakterien gebildet (z.B. E. coli, Heliobakter phylori).

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Radiologie und Histaminintoleranz

Histaminintoleranz allgemein

Der Begriff Histaminintoleranz bezeichnet eine nicht ausreichende, beziehungsweise verminderte Abbauleistung des Körpers für Histamin. In der Regel liegt ihr ein erworbener oder genetisch bedingter Mangel oder eine gestörte Aktivität des Histamin abbauenden Enzyms Diaminooxidase (DAO) zugrunde.

Histamin wurde 1910 als körpereigene Substanz entdeckt. 1932 wurde die Rolle des Histamins bei allergischen Reaktionen erkannt. Jedoch wurde erst 1954 entdeckt, dass Histamin auch in Lebensmitteln vorkommt (Wein) und erst 1999 erschien das erste Fachbuch zur Histaminintoleranz (Jarisch, 1. Aufl. / Östereich).

Bei Histaminintoleranz müssen nicht nur Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt gemieden werden, sondern auch Nahrungsmittel, Medikamente und Chemikalien, die im Körper Histamin freisetzten (Histaminliberatoren). Ebenfalls zu vermeiden sind solche Nahrungsmittel, Medikamente (auch pflanzliche Medikamente) oder Chemikalien, die das Histaminabbauenzym Diaminooxidase (DAO) beeinträchtigen.

Typische Symptome sind laut Umfrage im Libaseforum Erschöpfung und Abgeschlagenheit (76%), Blähungen (74%), sowie Müdigkeit (62%) – Stand 30.1.2011. Des weiteren sind typisch (nach Jarisch 2004) auch Durchfälle, Niesen / laufende oder verstopfte Nase , Kopfschmerz, Juckreiz / Urtikaria, Flush, Übelkeit, Erbrechen, Atembeschwerden, Hypotonie, Herzrythmusstörungen. (Bis auf die Atembeschwerden treffen alle typischen Symptome auf mich zu. Ich bin der Überzeugung, dass mein CFS – Chronisches Erschöpfungs Syndrom überwiegend oder sogar gänzlich histaminbedingt ist.)

Umfrage Libaseforum: HI: Typische Symptome? Umfrage! - Histaminintoleranz - LIbase - Internetportal für Laktoseintoleranz und NMU
im Libase-Internetportal für Laktoseintoleranz und NMU: Forum: Histaminintoleranz: „HI: Typische Symptome? Umfrage!“ von „HamsterD“ gestartet am 14.7.2010, Stand vom 30.1.2011 (Teilnehmer: bis dahin 173) – am besten zu finden mit der Suchfunktion des libaseforums unter Autor: HamsterD und 14. Juli 2010
Fachbuch zur Histaminintoleranz (inzwischen in 3. Auflage erschienen):
Reinhart Jarisch Hrg. „Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit“, 2. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart – New York 2004


Bezüglich Krebsbestrahlung und Histamin / Histamin-Intoleranz


Hier ein Erfahrungsbericht, der im Herbst diesen Jahres 2011 in dem Buch: „Alles ist möglich – auch das Unmögliche“ (Ein Mut-Mach-Buch von Krebspatienten für Krebspatienten, deren Angehörige, Freunde und andere Interessierte) im Benno-Verlag Leipzig erschienen ist, Hrg. Christel Schoen:

"Ein solches Wissen hätte mir Jahre der Erschöpfung ersparen können"

Bei mir wurde 2001, damals war ich gerade 35 Jahre alt, ein Phyloides-Tumor (Cystosarcoma Phyloides, ein Bindegewebstumor) in der Brust festgestellt, extrem schnell wachsend und in 25 % der Fälle auch bösartig, was leider bei mir der Fall war. Es ging alles sehr schnell.

Im Juni bemerkte ich eine deutliche Veränderung meiner linken Brust. Im Juli ging ich zum Gynäkologen, der mich sofort zur Mammografie schickte. Da war der Tumor schon 9 x 5 cm groß. Nur 1 ½ Wochen später wurde ich operiert. Dass der Chirurg mich noch am letzten Tag vor seinem Urlaub operieren wollte, machte mir zum ersten Mal den Ernst der Lage so richtig klar. Der Chirurg, dem glücklicherweise klar war, wie extrem schnell wachsend diese Art Tumor ist, ging allerdings davon aus, dass ich das Glück haben würde und der Tumor nicht bösartig sei. Es dauerte einige Wochen und mehrere Untersuchungen an dem großen Tumor, bis der Pathologe auf den bösartigen Bereich stieß. Nun war guter Rat teuer oder besser gesagt äußerst schwer zu bekommen. Der Chirurg, der meine Brust kosmetisch schön – das muss man ihm lassen - operiert hatte, ließ mich nun mit der Frage allein, was weiter zu tun sei.

Hier gilt dem Heidelberger Krebsinformationsdienst ein großes Dankeschön. Sie machten eine Internetrecherche für mich und gaben mir Auskünfte bezüglich der wenigen medizinischen Fachartikel, die es zu dieser extrem seltenen Tumor-Art gibt. Anhand dieser Informationen wurde klar, dass es nur zwei Alternativen gab: die Brust abnehmen oder eine Bestrahlungstherapie. Ich entschied mich für letzteres.

Im Verlauf der Bestrahlungen, die ich ansonsten gut vertragen habe, entwickelte sich sehr schnell eine starke Erschöpfung. Seitdem leide ich unter einem Chronischen Erschöpfungs Syndrom (FS-Chronic fatigue syndrom). Die Erschöpfung, eine normale Nebenwirkung der Bestrahlung, hörte bei mir einfach nicht wieder auf. Mehr als im Durchschnitt drei bis vier Stunden (an manchen Tagen sechs Stunden, viele Tage aber nur zwei bis drei Stunden) konnte ich am Tag einfach nicht aktiv sein. Den Rest des Tages verbrachte ich mit Liegen, Halbliegen auf dem Sofa oder mit Schlafen. Anfangs habe ich fast zwanzig Stunden am Tag geschlafen. Lange Jahre brauchte ich dann etwa zwölf Stunden Schlaf am Tag.

Erst Ende 2007 habe ich in der Selbsthilfegruppe für CFS (Fatigatio e. V.) den Hinweis auf eine mögliche Histamin-Intoleranz bekommen. Was die Histamin-Intoleranz angeht, liegt es mir sehr am Herzen bekannt zu machen, dass sie die Ursache einer schwerwiegenden und anhaltenden Erschöpfung nach Bestrahlungen sein kann. Es gibt bislang meines Wissens keine Hinweise in der üblichen „Krebsliteratur“ darauf. Das Buch von Privatdozent Dr. med. Franz Franzen „Untersuchungen zur Frage der Entstehung und pathosphysiologischen Bedeutung biogener Amine bei sublethalen Strahlenschäden“ , Forschungsberichte des Landes Nordrhein-Westfalen, Deutscher Verlag, Köln, Opladen 1966, ist mir bei meinen Recherchen zu Histamin, welches eines der biogenen Amine ist, in die Hände gefallen, als ich im Berliner Bibliotheken-Verbund nach Literatur suchte. Das war mein großes Aha-Erlebnis.

Im Juni 2008 hatte ich dann die ärztliche Bestätigung, dass ich unter einer Histamin-Intoleranz leide. Bei einer Histamin-Intoleranz besteht ein Mangel am Enzym Diaminooxidase, das Histamin, einen Immunbotenstoff abbaut. Wahrscheinlich bis zu 5 % der Bevölkerung, überwiegend Frauen, sind von Histamin-Intoleranz betroffen. Leider wird bei einer Krebsbestrahlung im Körper sehr viel Histamin freigesetzt (Franzen 1966), das ich wegen des Enzymmangels aber nicht abbauen konnte.

Seit Mitte 2008 halte ich nun eine Histamin arme Diät ein und die Erschöpfung wird nach und nach besser. Mein Schlafbedarf hat sich schon fast wieder normalisiert. Das geht allerdings alles nur sehr, sehr langsam. Aber es verändert sich endlich etwas zum Besseren.
Wer also auffällig früh – meine Ärzte wunderten sich – und mit anhaltender Erschöpfung auf die Bestrahlung reagiert, sollte sich frühzeitig auf eine Histamin-Intoleranz untersuchen lassen. (Maßstab ist ein niedriger Diaminooxidase-Wert im Blut) Leider ist die Histamin-Intoleranz hierzulande noch relativ unbekannt, auch den meisten Ärzten. Ein solches Wissen hätte mir Jahre der Erschöpfung ersparen können.

Typisch für die Erschöpfung bei CFS und einer chronische Histaminvergiftung ist unter anderem eine verzögerte und extreme Reaktion auf Überlastung. Sie kommt erst Stunden bis Tage später - bei mir meistens am zweiten Tag danach – und es braucht zum Teil sehr lange, Tage bis Wochen, bis ich mich von so einer Überlastung wieder erholt habe.

Glücklicherweise ist aber der Krebs besiegt. Wäre es zu Metastasen oder einem Rezidiv ge-kommen, hätte ich nur noch ein halbes bis dreiviertel Jahr zu leben gehabt. …“

Hier noch einige zusätzliche Bemerkungen: Laut meinen Schlafaufzeichnungen (die ich lange vor dem Krebs begonnen hatte), stieg der Schlafbedarf im Laufe der Bestrahlung von sowieso durch den Krebs an sich erhöhten Werten um 8,5 Stunden / Tag auf Werte von zunächst etwas über 9,5 Stunden / Tag an. Leider habe ich ca. 2 Wochen nach Ende der Strahlen-Therapie mit den Aufzeichnungen aufgehört (wahrscheinlich war ich selbst dazu zu k. o.) und erst im Februar / März 2005 (wegen des Antrages auf Teilerwerbsminderungsrente bei der BfA) wieder damit begonnen, wo es mit knapp 12 Stunden / Tag losging. Es muss also in den Monaten nach der Bestrahlung zu einem verzögerten / nachträglichen weiteren Anstieg gekommen sein, da mir meine Erinnerung sagt, dass der Schlafbedarf zu diesem Zeitpunkt (Anfang 2005) schon am runtergehen war. Ab April 2005 ist er dann für viele Monate auf Werten zwischen 10 und 11 Stunden / Tag. (Inzwischen bin ich im August 2011 nach ca. 3 Jahren histaminarmer Diät bei einem Schlafdurchschnitt von ca. 6,5 Stunden / Tag !)
_____________

Folgende Fragen drängen sich mir auf, die nur wissenschaftliche Untersuchungen beantworten könnten:

- Hat das durch die Bestrahlung freigesetzte Histamin als potenter Immunbotenstoff eine zusätzliche Wirkung gegen den Krebs (zusätzlich zu der Krebszellen abtötenden Wirkung der Bestrahlung selber) oder könnte man eventuell die Histaminausschüttung und die Ausschüttung anderer biogener Amine reduzieren / unterbinden, ohne den Erfolg einer Bestrahlung zu gefährden? (In der Untersuchung von Franz Franzen gelang dies bei den Ratten mit alpha-Methyldopa und Phenylessigsäure – siehe Franzen 1966, S.14)

- Welche Mengen an Histamin werden beim Menschen bei / nach einer üblichen Krebsbestrahlungssitzung freigesetzt? (Bei den Ratten erhöhte sich die Histaminausschüttung in der Regel erst verzögert nach einigen Tagen deutlich – siehe Franzen 1966, S. 7 – 8.)

- Wie schnell kann jemand mit einer normalen Diaminooxidaseproduktion und –aktivität das durch eine Bestrahlung im Körper angefallene Histamin wieder abbauen? (Bei mir war der Histaminwert im Blut auch noch 2008, sechseinhalb Jahre nach dem Ende der Bestrahlung, mit 1,0 ng/ml deutlich gegenüber dem von Götz M., Wantke F., Focke M., Wolf-Abdolvahab S., Jarisch R. in „Histaminintoleranz und Diaminoxidasemangel“ Allergologie 1996;91:394-398 postulierten Normwert von 0,2 ng/ml erhöht.)

Bei einer Internetrecherche zum Thema „Histamin Bestrahlung“ bin ich nun im Juli 2011 unter SpringerLink - electronic journals, protocols and books. noch auf einige sehr interessante Fachartikel zu diesen Stichworten gestoßen, aus denen hervorgeht, dass Strahlung (UV-, Kurzwellen-, Kathoden-, und Gammastrahlen) in der Lage sind das Eiweiß Histidin in das biogene Amin Histamin umzuwandeln. (Fachartikel insb. von Peter Holtz, F. Ellinger, F. Hildebrandt, P. Szendrö)

Außerdem habe ich bestätigt gefunden, dass unter Bestrahlung mit ionisierenden Stahlen (und Röntgenstrahlen) der Histaminpegel im Körper ansteigt. „Das Ansteigen des Histaminspiegels im Organismus nach Einwirkung ionisierender Strahlen ist bekannt. … Den ersten Nachweis einer Histaminzunahme unter Röntgenbestrahlung in vivo erbrachte Segal (1939).

Er fand ein Ansteigen des Histaminspiegels im Blut bei Patienten, die wegen maligner Tumore bestrahlt wurden, um das Zwei- bis Dreifache. …“ (Aus dem Abstract und der ersten Seite von: H. C. Sturde and H. J. Heitmann “Über den Einfluß ionisierender Strahlen auf Histamin“, Archives of Dermatological Research Volume 228, Number 3, 337-345, DOI: 10.1007/BF00499309 Archives of Dermatological Research, Volume 228, Number 3 - SpringerLink (gefunden am 25.7.2011)).

Das Thema Histaminentstehung / Histaminfreisetzung durch Strahlen wird kompliziert dadurch, dass wohl ein Teil des Histamins durch die Strahlung selbst inaktiviert wird – diese Tatsache ist ebenfalls in oben genanntem Artikel von Sturde und Heitmann und anderen Artikeln zu finden.

Bezüglich Kontrastmitteln und Histamin habe ich folgende Informationen:

Aus R. Jarisch Hrg. „Histamin-Intoleranz, Histamin und Seekrankheit“, 2. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart – New York 2004:
„Da die Kontrastmittel-Unverträglichkeit durch eine Prämedikation mit H1- und H2- Rezeptorenblockern weitgehend vollständig unterdrückt werden kann, spricht dies dafür, dass die Hauptursache der Kontrastmittel-Unverträglichkeit eine Histaminfreisetzung bzw. Unmöglichkeit, das freigesetzte Histamin abzubauen, ist.“ (S 127)

Folgendes habe ich im Text zu meiner Medikamentenliste (bei Histaminintoleranz zu meidende Medikamente) geschrieben:
„Wenn irgend möglich sollten Histaminliberatoren gänzlich vermieden werde. Histaminliberatoren führen zu einer Freisetzung von Histamin aus Immunzellen (Mastzellen) im Körper und erhöhen damit den Histamingehalt des Blutes / Gewebes.

Im Körper angesammeltes Histamin, dass wegen des Mangels an Diaminooxidase selbst bei Einhaltung der Diät nur sehr langsam wieder abgebaut werden kann, führt unter Umständen zu einer langfristigen Verschlechterung von histaminbedingten Symptomen wie Herzrasen u. Herzrhythmusstörungen, Ödemen, Erschöpfung28 / CFS = Chronic fatigue syndrom. Häufig verursachen Histaminliberatoren dabei keinerlei warnende Magendarmprobleme!

Wenn eine Untersuchung mit Kontrastmitteln25 nicht vermeidbar, oder die Einnahme von Histaminliberatoren nicht zu umgehen ist, sollten Antihistaminika vor der Untersuchung / vor und während der Einnahme eingenommen werden, um einem anaphylaktischen Schock (Lebensgefahr!) vorzubeugen. (Das Antihistaminikum verhindert aber nur im Einnahmezeitraum bestimmte Histaminauswirkungen. Auf die zusätzliche Ausschüttung und Ansammlung von Histamin im Körper haben Antihistaminika leider keinen Einfluss.) Unter Umständen könnte aber die vorausgehende / parallele Einnahme von Mastzellstabilisatoren (z. B. Chromoglyzinsäure18) die durch Histaminliberatoren ausgelöste Histaminausschüttung vermindern und damit negative Langzeitfolgen eindämmen helfen.“

Offensichtlich gibt es aber Kontrastmittel deren histaminfreisetzende Wirkung zumindest weniger stark zu sein scheint, was für Menschen mit Histaminintoleranz vorteilhaft wäre (geringere Gefahr einer anaphylaktischen Reaktion, weniger Histaminansammlung im Körper mit möglichen Langzeitfolgen für den Allgemeinzustand des histaminintoleranten Patienten).
Allerdings müssten dann andere Untersuchungsverfahren benutzt werden.

Hierzu aus meiner Medikamentenliste (Teil 2 – bei Histaminintoleranz verwendbare Medikamente):
„…ev. könnte es sinnvoll sein statt Röntgen bzw. Computertomographie + jodhaltige Röntgenkontrastmittel die Magnetresonanz (MR) oder den Kernspin (NMR) einzusetzen, bei dem andere Kontrastmittel mit Gadolinium (Gegenanzeige dialysepflichtige Niereninsuffizienz) oder ev. Eisen zum Einsatz kommen, die verträglicher sein sollen31 (trotzdem würde ich vorher sicherheitshalber ein Antihistaminikum und wenn möglich Chromoglyzinsäure einnehmen)“

Die Quelle 31 ist: https://www.azw.ac.at/akas/rtakademie/diplomarbeiten2002/prinz.PDF; „Kontrastmittel in der Magnetresonanztomographie“ Gertrud Prinz, S 16 – 17, S 22 – 23, S 30

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Folgende Chemikalien sind - wissenschaftlich nachgewiesen - Histaminliberatoren:

- Nikotin

- Toluol (Kohlenwasserstoff, in Zigarettenrauch, Farben, Lösungsmitteln...) starker Liberator
- Xylol (Kohlenwassersoff, in Lösungsmitteln...) starker Liberator
- Benzol (Kohlenwasserstoff, in Zigarettenrauch, Farben, Lösungsmitteln...) starker Liberator
- Hexan (Kohlenwasserstoff)
- Heptan (Kohlenwasserstoff, in Lösungsmitteln...)
- Oktan (Kohlenwasserstoff)
- Petroläther (Kohlenwasserstoff, in Lösungsmitteln...)
- Ammoniak (in Zigarettenrauch...)
- Acrolein
- Chlorpikrin

Paladium und Quecksilber können eine Umwandlung vonkörpereigenem Histidin zu Histamin fördern. (Quecksilber kommt auch im Zigarettenrauch vor.)

Meine Empfehlung für Renovierung bei HIT: immer - auch bei Biofarben! - das Technische Datenblatt und das Sicherheitsdatenblatt durchsehen, um zu klären, dass oben genannte Stoffe nicht enthalten sind und auch keine reizenden Stoffe (Xi) oder gesundheitsgefährdenden Stoffe (Xn).

https://www.symptome.ch/vbboard/woh...-mir-manchen-raeumen-migraene.html#post706209

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