Gut belegt, aber fast unbekannt: Die zentrale Rolle der Mastzellaktivierung (MACS) bei COVID-19, Long Covid und Impfreaktionen

Themenstarter
Beitritt
10.01.04
Beiträge
70.625
Gut belegt, aber fast unbekannt: Die zentrale Rolle der Mastzellaktivierung (MACS) bei COVID-19, Long Covid und Impfreaktionen.
Die von den Mastzellen ins Bindegewebe entlassenen Substanzen sind vor allem:
  • Histamin (u. a. Gefäßerweiterung, Ödembildung, Anlocken von Entzündungszellen)
  • Heparin
  • Serin-Proteinasen (aktvieren die Entzündungskaskade des Komplementsystems)
  • Prostaglandine (Schleimproduktion, Kontraktion der Atemwegsmuskulatur)
  • Leukotriene (Kontraktion der Atemwegsmuskulatur, Gefäßerweiterung, erhöhte Gefäßdurchlässigkeit)
  • Zytokine (Entzündungsbotenstoffe)
    Genau diese Prozesse und Stoffe spielen bei COVID-19, der COVID-Lungenentzündung und bei
    Long Covid eine zentrale Rolle. Die Aktivierung der Mastzellen ist dafür maßgeblich verantwortlich.
    Hyperaktive Mastzellen schädigen Lunge, Herz und andere Organe
    Das Virus SARS-CoV-2 aktiviert die Mastzellen, woraufhin diese Zytokine und Histamin ausschütten, was übermäßige antivirale Immunreaktionen auslösen und die Entwicklung eines Zytokinsturms verursachen kann. Bei dem Zytokinsturm kommt es zu einer Kaskade von immer stärkeren Immunreaktionen, die das Immunsystem erschöpfen, was schließlich zu Organversagen (Lunge, Herz, Nieren u.a.) und tödlicher Atemnot führen kann (Hafezi et al., 2021). Die Mastzellen schütten auch Heparin aus, das wiederum die Bildung von Bradykinin fördert (Oschatz et al., 2011). Der Bradykininsturm bei COVID-19 beruht stark auf überaktiven Mastzellen.
    Bei der Autopsie von Patienten, die an COVID-19 verstorben waren, wurde eine Anhäufung von Mastzellen in der Lunge festgestellt. Diese wurde als Ursache für Lungenödem, Entzündung und Thrombose vermutet (Hafezi et al., 2021). Es konnte auch nachgewiesen werden, dass die Mastzellen bei Patienten mit COVID-19 vermehrt aktiviert sind – in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung ...

    ...

    Die Symptome des MCAS sind unspezifisch und betreffen vor allem die Haut, den Magen-Darm-Trakt, das Herz-Kreislauf-System, die Atemwege und neurologische Systeme, u.a. niedriger Blutdruck, schneller Puls (Tachykardie), Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Hautrötung, Juckreiz, Nesselsucht, Angioödeme, verstopfte Nase und Kopfschmerzen (Valent, 2013; Frieri, 2018). Oft steckt auch hinter Herzrhythmusstörungen ein MCAS. Meist ist eine Kombination verschiedener Symptome vorhanden. Die Symptome lassen auch an eine Histaminintoleranz (HIT) denken. Tatsächlich ist eine HIT in den meisten Fällen eigentlich ein Mastzell-Aktivierungssyndrom mit vermehrter Bildung von Histamin durch die Mastzellen.
    Viele der Symptome bei MCAS gleichen denen bei einer akuten COVID-19-Infektion bzw. Long Covid (siehe Tabelle 1). Auch ein Großteil der Hyperinflammation (schwere Entzündungsreaktion), die bei COVID-19 auftritt, entspricht denjenigen Entzündungsformen, die durch eine Mastzellaktivierung ausgelöst werden können. ...





    Bei der MCAS-Diagnose ist das Vorhandensein der entsprechenden Symptome also der wichtigste Faktor. Daneben können Biopsien verschiedener Organe auf Mastzellen untersucht und eine begrenzte Zahl an Laborparametern (die Mastzellmediatoren Histamin, Methylhistamin und Prostagladin D2 in Blut oder Urin) bestimmt werden (Afrin et al., 2020b).
    Mastzellen degranulieren jedoch in Schüben und schütten ihre Botenstoffe nicht ständig aus. Die Laborparameter sind daher meist nur innerhalb von vier Stunden nach einem Schub erhöht und nicht in den Intervallen. Da Patienten im symptomatischen Schub selten in der Lage sind, einen Arzt aufzusuchen, fallen die Laborergebnisse häufig falsch negativ aus. Die bei Dermatologen beliebte Tryptase ist nur bei Mastozytose erhöht; bei MCAS ist sie meist nicht oder nur zeitweise erhöht (Kacal at al, ). Ein empfehlenswerter Marker ist das Methylhistamin im Urin. Hierfür sollte bestenfalls der Urin innerhalb von vier Stunden nach einem schweren Schub (z.B. Ödeme, Erröten “Flush”, Urtikaria, schwere Magen-Darm-Beschwerden, etc.), also nach der erfolgten Mastzell-Degranulation, gesammelt werden (Shibao et al., 2005).
    Fehlende Auffälligkeiten bei Laborwerten und Biopsien sollten nicht zum Ausschluss der Diagnose führen. Ein mit MACS erfahrener Diagnostiker ist hier wesentlich hilfreicher als ein Fragebogen oder Labortest. Auch die Besserung der Symptome durch die entsprechenden Medikamente trägt zur Diagnosestellung bei. ...

Ein lesenswerter Artikel, der nicht unbedingt Vorfreude auf eine mögliche Erkrankung mit Covid-19 oder eine Impfung macht, aber immerhin ein Stück weit informiert, was man tun kann.

Grüsse,
Oregano
 
wundermittel
Beitritt
18.03.16
Beiträge
5.684
Eine einjährige Studie an MCAS-Betroffenen, die eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Schwere Verläufe sind bei keinem der 32 Patienten aufgetreten.

Schon seltsam ... :unsure: Möglicherweise hat genau die starke Immunreaktion schon im frühen Stadium Schlimmeres verhindert.
 
Beitritt
20.08.09
Beiträge
5.175
Mastzellen sind ja Teil der Infektionsabwehr, also werden sie auch aktiviert bei einer akuten Infektion:


Eine Coronavirus-Infektion (unabhängig von den verschiedenen Corona-Virus-Typen) wird hauptsächlich von Immunzellen einschließlich Mastzellen (MCs) angegriffen, die sich in der Submukosa der Atemwege und in der Nasenhöhle befinden und eine Schutzbarriere gegen Mikroorganismen darstellen. Viral aktivierende MCs setzen frühzeitig entzündliche chemische Verbindungen frei, einschließlich Histamin und Protease; während eine späte Aktivierung die Erzeugung von pro-inflammatorischen Mitgliedern der IL-1-Familie, einschließlich IL-1, IL-6 und IL-33, provoziert. Hier,
Daraus können wir schließen, dass virale Infektionen MCs aktivieren können, die mit zweifacher Wirkung reagieren, eine positive, die dem Immunsystem hilft, Infektionen zu bekämpfen, und eine negative, die die Freisetzung chemischer Entzündungsmediatoren und die Sekretion von entzündungsfördernden Zytokinen wie IL . bewirkt -1, IL-33, IL-18 und TNF, die den pathologischen Zustand des Patienten verschlimmern.

Es hat also sein gutes, dass sich Mastzellen aktivieren, bei MCAS-empfindlichen dauert es halt, bis sich die Mastzellen wieder beruhigen.

Auch ich merke immer noch, dass die Entzündungsneigung höher ist seit Corona. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis es sich einreguliert und werde berichten. Ich nehme das ganze Paket an NEMs, das mir bis 2021 so genützt hat, dass ich die letzten Jahre so stabil war.

Primär sind die Mastzellen aber wichtig als Teil der Abwehr gegen Covid-19.
 
regulat-pro-immune
Beitritt
18.03.16
Beiträge
5.684
Dies Prävalenzzahl des MCAS von 17 % stimmt sehr eng mit den Schätzungen zur Prävalenz eines
schweren Krankheitsverlaufes überein. Dem hyperinflammatorischen Zytokinsturm bei schweren
COVID-19-Fällen könnte in vielen Fällen eine dysfunktionale Reaktion der Mastzellen im Rahmen eines
MCAS zugrunde liegen – und nicht die normale Reaktion der Mastzellen. MCAS ist somit ein prognos-
tischer Faktor, der einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf sowie Long Covid wahrscheinlicher
macht.

Diese These zweifle ich hiermit an. Nur weil wir 17% MCAS-Betroffene in der Bevölkerung haben, müssen das nicht die 17% sein, die einen schweren Krankheitsverlauf haben. Das ist eine reine Zahlenübereinstimmung, kein Beweis. So wie es aussieht, haben im Gegenteil die 83% ohne MCAS ein erhöhtes Risiko.

Die Statistiken zeichnen mittlerweile ein recht klares Bild von der Risikogruppe: Hohes Alter, Übergewicht und chronische Vorerkrankungen. Das sind Menschen mit einem schwachen Immunsystem, nicht mit einem überstarken wie bei MCAS.

Bei einem Ausbruch von Covid ist eine möglichst frühe Intervention entscheidend, um die akuten und chronischen Schäden möglichst klein zu halten. Das gilt für Heilmittel, aber eben auch für das Immunsystem selbst. Da kann MCAS endlich einmal seine Stärken ausspielen und den Keim im Keim ersticken.
 
Zuletzt bearbeitet:
Beitritt
18.03.16
Beiträge
5.684
Auch ich merke immer noch, dass die Entzündungsneigung höher ist seit Corona. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis es sich einreguliert und werde berichten.

Ich habe die letzten Wochen auch eine unangenehme Zeit gehabt - ganz ohne Covid. Bei mir sind die Wetterwechsel im Frühjahr und Herbst die Trigger, vielleicht ist das bei dir genauso.
 
Beitritt
18.03.16
Beiträge
5.684
Bei Desloratadin (alternativ: Cetirizin) und Famotidin handelt es sich um Histaminrezeptorblocker.
Diese Medikamente blockieren unterschiedliche Histaminrezeptoren und müssen kombiniert werden.
Sie sind rezeptfrei erhältlich, sehr hilfreich und ohne wirkliche Nebenwirkungen (außer ggf. Müdigkeit).
Desloratadin stabilisiert zusätzlich Mastzellen, die nicht nur Histamin, sondern auch andere
Entzündungsstoffe ausschütten.
Die Kombination ist eine sichere, wirksame Methode, um das Fortschreiten der Symptomschwere und
den Krankheitsverlauf abzumildern, vermutlich durch Minimierung des histaminvermittelten Zytokin-
sturms (Hogan et al. , 2020). Desloratadin bindet zudem an den ACE2-Rezeptor, blockiert damit die
Interaktion des Spike-Proteins mit ACE2 und kann so das Eindringen des Virus in die Zelle verhindern
(Hou et al., 2021).

Dr. Jacobs empfiehlt die Kombi Desloratadin und Famotidin gegen MCAS. Hat das hier schon mal jemand ausprobiert?
 
Beitritt
12.10.18
Beiträge
7.035
ich hab früher verschiedene kombis usw. ausprobiert bzw von den ärzten (u.a. auch "umweltmediziner") und hp verordnet bekommen. geholfen hat nichts, es meist sogar noch schlimmer gemacht.

wirklich geholfen hat sehr lange die ursachen und auslöser rauszufinden und soweit möglich zu meiden, was dann irgendwann auch dazu geführt hat, daß ich z.b. manche nahrungsmittel nicht mehr komplett meiden mußte, sondern sie wieder essen konnte, zuerst nur ab und zu in kl. mengen, dann wieder häufiger und mehr und dann haben diese .......... ärzte mir die falschen mittel verpaßt und dann war alles wieder uv und ich muß den ganzen weg von vorn gehen, wobei sich aber gsd schon einiges gebessert hat und es schneller aufwärts geht als früher, weil ich ja schon mehr erfahrung mit dem ganzen mist hab.

ich hab nicht grundsätzlich etwas gegen pillen. manchmal sind sie ja erst mal nötig, wenn es ernste beschwerden gibt, aber sehr viel besser ist die beseitigung der ursachen (ist ja auch ganz im sinne dessen, das hier auf der ersten seite steht).
 
Beitritt
18.03.16
Beiträge
5.684
Ich ziehe auch natürliche Heilmitel den künstlichen vor, wo immer es geht. Aber was, wenn es wirklich so einfach ist? Wenn diese Kombi noch niemand ausprobiert hat, werde ich das mal versuchen. Das kann sich aber bis zu meinem jährlichen Härtetest im Frühjahr hinziehen.
 
regulat-pro-immune
Beitritt
20.08.09
Beiträge
5.175
Eine Rolle bei MCAS nach Covid-19-Infektion spielen auch Mikroben. Viren infizieren ja auch den Darm und sie zerstören Mikroben, was ja auch in der Phagentherape genutzt wird. Aber sie zerstören auch gute Bakterien, dadurch können sich opportunist. Bakterien vermehren. Die Mastzellen bleiben nach Covid-19-Infektionen aktiviert, weil sie die bakteriellen Infektionen bekämpfen, die Covid-19 nach sich zieht.

Covid-19 kann auch Leaky-Gut nach sich ziehen, dadurch wandern die höchst toxischen Zellwände der opportunist. Bakterien (Lipopolysaccharide) ins Blut und können dort das Blut verdicken. Wobei diese LPS-Bakterien auch ein bedeutender Teil der Immunabwehr gegen virale Infektionen sind und sie sich auch deshalb vermehren.

Genau das zeigt sich bei mir beim GD: LPS-Bakterien, die sich vermehren und gleichzeitig erhöhte entzündliche Pyrogene (Endotoxine zB von LPS-Bakterien). Ich habe gleich einen Mikrobiomtest weggeschickt und vermute, dass er das bestätigt. Sehr spannend, das ganze zu beobachten, dass sich bestätigt, was in Studien steht und dass man das Ganze heute im Labor auch testen kann.

Hilfreich nach Covid-19-Infektionen können also Mikrobiomtests sein, um opportunist. bakterielle Infektionen zu testen und zu behandeln und gleichzeitig mit Ernährung und therapeut. NEMs den Darm so zu modulieren, dass sich Proteobakterien (mit entzündl. LPS-Zellwänden) herunterregulieren und wichtige Bakterien, die Entzündungen herunterregulieren, vermehren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Beitritt
20.08.09
Beiträge
5.175
Welche NEMs wären dass den zum Beispiel?
Hallo Aufdersuche, alles, was pro- und prebiotisch ist mit Focus auf eine pro- und prebiotische Ernährung hilft sehr.

Einen ganz aktuellen Online-Kongress zum Thema Darm hat Alibiorangerl hier gepostet:

 
Zuletzt bearbeitet:
Oben