Es war einmal - vor mehr als 60 Jahren

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Wir haben als Kinder/Jugendliche etliche Lieder mit großer Stimme und Freude gesungen ohne zu wissen, daß sie auch Kriegs- und Soldatenlieder waren. Eines war "Aus grauer Städte Mauern ..."

https://de.wikipedia.org/wiki/Aus_grauer_Städte_Mauern

Und es gab noch mehr dieser Lieder, die mir jetzt gerade nicht einfallen.

Grüsse,
Oregano
 

nicht der papa

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Ja den meine ich ja. "Nun Volk steh auf, und Sturm brich los". Grauenhaft.
Ganz offensichtlich wollten das die meisten Deutschen und die Aufforderung hatte ja auch große Begeisterung unter den Anwesenden ausgelöst. Zu groß war die Schmach aus dem vorangegangenen verlorenen Krieg mit den nachfolgenden Repressalien aus dem Versailler Vertrag.
Ich habe mich zeitweise sehr intensiv damit beschäftigt und denke, man kann das, was damals passierte, nur dann halbwegs verstehen, wenn man die ganze Situation betrachtet.
Dazu hatte ich mir auch mal eine der neu aufgelegten Zeitung aus der Zeit vor der Machtergreifung durch Hitler gekauft. Die große Armut, die hohe Arbeitslosigkeit, die wechselnden politischen Parteien. Selbst 14-jährige waren damals schon politisch sehr aktiv.

Es gab verschiedene schwerwiegende Umstände, die dazu geführt haben, dass es soweit kommen konnte. Und man darf nicht vergessen, von der Industrie, die davon profitierte, wurden Hitlers Vorhaben unterstützt.

Der Hass auf die Juden war dabei eine Sache, die schon vorher über Jahrhunderte geschwelt hatte.

Aber es war ja nicht nur der Krieg und die KZs, sondern auch die Art und Weise, wie das ausgeführt wurde.
Wie z.B., wie
- Millionen Menschen, nicht nur Juden, sondern auch Menschen fremder Nationen als billige Arbeitssklaven der Industrie gehalten wurden
- viele Menschen als Material für unethische Menschenversuche dienten
- viele Deutschen verrohten und Menschen denunzierten, um billig an deren Hab und Gut zu kommen (und dazu habe ich ein Video gesehen, dass ich niemals vergessen werde können)

Das war mit Kriegsende Vergangenheit, und war es doch nicht. Denn die Ärzte, Lageraufseher, Politiker, und Millionen anderer, die sich aus Überzeugung aktiv an diesem Krieg und seinen Auswüchsen beteiligt hatten, haben danach ja meist völlig unbehelligt einfach unter uns gelebt und soweit sie vorher hohe Posten hatten, hatten sie die danach in der neuen BRD auch. Es waren nur wenige, die eine Strafe erhielten und Einigen der Schlimmsten hat auch noch die Kirche zur Flucht ins Ausland verholfen.
Es ist doch völlig absurd und gleichzeitig so bezeichnend, wenn ein Brite, wie vor einigen Jahren passiert, das Drama seiner Familie recherchierte, und der verantwortliche Altnazi für die Vernichtung seiner Familienmitglieder bis dato völlig unbehelligt in einer hessischer Kleinstadt lebte. Wo wurde da in Wirklichkeit nach dem Krieg was aufgeklärt? Es wurde nur zugedeckt.

Es wurde so gut zugedeckt, dass man dem Polen Demjanjuk (sie haben manchen Polen damals das Angebot gemacht, anstatt im KZ gefangen gehalten oder erschossen zu werden, als KZ-Wärter zu arbeiten) als KZ-Wärter den Prozess gemacht hat. Einem Mann, der weil er mit einem anderen KZ-Wärter verwechselt wurde, bereits mehrere Jahre in Israel in Haft und mittlerweile krank schwer war. Den man aus den USA im Krankentransport hierher geflogen hat.
Zu dieser Zeit hat man viele Zeitungsartikel über den Prozess gegen Demjanjuk lesen können. Der Altnazis aus Hessen wurde zur gleichen Zeit entdeckt und war gerade mal eine Mininachricht in der Zeitung wert.

Von der ehemaligen DDR habe ich kürzlich gelesen, dass sich die Altnazis da unbehelligt treffen konnten. Und wer soll sie hier gehindert haben?

Das ist vielleicht das Schlimmste daran. Die Ideologie lebt in den Menschen weiter.
Eine Zeit lang habe ich gedacht, die Menschen mit dieser Ideologie sterben irgendwann alle aus. Doch eine Ideologie stirbt nicht aus. Sie ist heute stark wie nie.
Und ausgerechnet diejenigen, die heute das 3.Reich am Liebsten wieder auferstehen lassen würden, würden den Schuldkult, der uns daran erinnert, was die Deutschen an Verbrechen begangen haben, gerne löschen.

Was mich angeht, so denke ich nicht, dass die Sache bis heute wirklich aufgearbeitet wurde. Sie wurde damals totgeschwiegen und während man einerseits seit Jahren vieles veröffentlicht hat, wurde in gewisser Weise bis zum Schluss alles totgeschwiegen. Denn viele der Täter werden nicht mehr leben.
Warum machte man keinen öffentlichen Prozess gegen einen der deutschen Altnazis, aber einem Polen, der damals in einer Zwangssituation war, wird stellvertretend für die deutschen Naziverbrecher der große spektakuläre Prozess gemacht.
Für mich ist der öffentliche Umgang mit unseren Verbrechen aus der Nazizeit jedenfalls von Anfang bis Ende der totale Hohn, der mit dem Prozess Demjanjuk dann völlig auf die Spitze getrieben wurde.

Das Ganze wurde dann nur noch dadurch getoppt, dass wir, um Milliarden an Entschädigungszahlungen zu umgehen, keinen Friedensvertrag gemacht haben, sondern mit einem geschickten Vertragswerk unter Einwilligung der beteiligten Alliierten, die sicher entschädigt wurden, alle anderen geschädigten Länder noch mal kräftig gelinkt haben.:cool:
 
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"bis zur Vergasung" - das traue ich mich kaum zu schreiben hier.


Allerdings habe ich das selber gesagt in den Siebzigern, glaube ich, war das eine übliche Redenswendung. Ich habe es mir komplett und strikt damals abgewöhnt - und ich habe diese Redewendung auch glücklicherweise nicht mehr gehört. Seit Langem nicht mehr.....




auf dass wir stets aufmerksam sind - auch was die Sprache anbelangt.


Liebe Grüße,
 
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Felis hatte es ja schon verlinkt, mondvogel :)
daraus:
... kam kurz nach dem Ersten Weltkrieg auf und wurde zunächst vor allem von Soldaten, Schülern und Studenten verwendet.
denn ...
Nachdem im Gaskrieg während des Ersten Weltkrieges vor allem an der Westfront von beiden Seiten Giftgas eingesetzt worden war, soll die Redewendung bei deutschen Soldaten erstmals gebräuchlich gewesen sein.
In der Soldatensprache ausgedrückt blieb man „bis zur Vergasung“ auf seinem Posten.
In gedruckter Form fand der Ausspruch unter anderem auf sarkastischen Feldpostkarten Verwendung.
 
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"bis zur Vergasung" - das traue ich mich kaum zu schreiben hier.
........................................
auf dass wir stets aufmerksam sind - auch was die Sprache anbelangt.
Heute habe ich - in einem anderen Zusammenhang - etwas aus meinem Wortschatz entdeckt, das ich Gott sei Dank in der ganzen mir bekannten Fassung nie von mir gegeben habe, obwohl ich es von meiner Mum öfters gehört habe. Sie sagte das aber einfach nur manchmal "jemanden" nachsprechend, und in einem Ton, als würde sie ein freches Verslein aufsagen.

"Flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl".

Ich gab es unwissend und aus Scherz irgendwann an meinen Sohn weiter, mit dem Hinweis auf seine Radlerwaden. "zäh wie Leder, hart wie Stahl".
Es war mir bis heute nicht bewusst, wer die eigentliche Variante von sich gab.

Der Hier:


In unseren Augen muss der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl.“
 
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10.01.04
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Ich bin weiter davon überzeugt, daß auch heute noch das Dritte Reich nachwirkt. Und diese Nachwirkungen beziehen sich ja nicht nur "national" auf Deutschland sondern auf viele Ländern, die damals betroffen waren. Aber auch auf Länder und deren Bevölkerung, die inzwischen mit Kriegen zu tun haben, und das sind viele ...

Grüsse,
Oregano
 
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10.01.04
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Obwohl die Schweiz im 2. Weltkrieg neutral war, spielte er dennoch für dieses Land eine Rolle und war schwierig.


... Vor 75 Jahren endet der Zweite Weltkrieg. Der Aufbruch in der Schweiz ist zögerlich: Zuerst müssen Altlasten entsorgt werden, dann zieht auch schon der Kalte Krieg auf. Einblicke in eine widersprüchliche Zeit. ...
Grüsse,
Oregano
 
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