Es war einmal - vor mehr als 60 Jahren

Malve

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Hallo gerold,

ich fände es respektvoller wenn man "die Alten" als "alte Menschen" bezeichnen würde.
"Die Alten" ist (für mich, ich sehe es lediglich aus meiner Perspektive) eine eher herabwürdige Bezeichnung für alte Menschen.

Liebe Grüße,
Malve
 
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Hallo gerold,
ich fände es respektvoller wenn man "die Alten" als "alte Menschen" bezeichnen würde.
"Die Alten" ist (für mich, ich sehe es lediglich aus meiner Perspektive) eine eher herabwürdige Bezeichnung für alte Menschen.
Liebe Grüße,
Malve
Nein Malve, hier widerspreche ich:

DUDEN Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden / Mannheim; Wien; Zürich: Bibliographisches Institut, 1976-1981, definiert:
"Alten (Pl.): 1. alte Menschen; 2. (salopp) Eltern; 3. (hist.) Vorfahren, Ahnen, die Völker der Antike; 4. (Sport) erfahrene Wettkämpfer, Altmeister; 5. (Zool.) Tiereltern."

Damit sind "die Alten" ungewöhnlich positiv besetzt; es sind jene, die etwas vom Leben wissen, in diesem Erfahrungen gesammelt haben, die "den Jungen" abgehen, die damit von "den Alten" nur lernen können.

Alles Gute!

Gerold
 

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Deshalb redet mit den Alten, die das alles noch selbst miterlebt haben, bevor diese davongehen.
Das finde ich auch :), egal, ob man nun "Alte" sagt oder etwas Anderes.

Die Frage ist nur, ob die Alten auch reden möchten. Oft hört man dann, daß man doch die alten Dinge ruhen lassen soll und aufhören soll, in der Vergangenheit zu stöbern. Zwingen kann man niemanden.

Grüsse,
Oregano
 
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Man könnte ja meinen, das Thema dieses Threads (in etwa) "Was hat das 3. Reich und der Krieg mit uns gemacht?", dürfte sich langsam von selbst erledigen. Viele der Kriegsteilnehmer und deren Angehörige sind gestorben.
Aber: wenn es tatsächlich so ist (für mich ist das höchstwahrscheinlich), daß die Kinder und Kindeskinder der Kriegsteilnehmer immer noch mitzutragen haben, was damals geschah, dann ist es doch noch nicht erledigt.

... Auch 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs leiden noch viele Menschen unter vielfältigen Traumata. Selbst bei den Kindern der Kriegskinder zeigen sich Symptome wie Einsamkeit, Unsicherheit, Angst und Entwurzelung.

Denn die beiden Weltkriege wirken bis heute nach – bei den Überlebenden, Versehrten, Traumatisierten und sogar in der Enkelgeneration, den Kriegsenkeln. Wenige Eltern oder Großeltern haben über ihr Schicksal gesprochen. Viele vom Krieg traumatisierte Erwachsene waren emotional verstummt, haben ihre eigenen schmerzlichen Empfindungen unterdrückt und ihren Kindern und Enkeln seelische Trümmer hinterlassen. Doch nur über die Erinnerung, das Erzählen und Verstehen ist es möglich, die Weitergabe dieser traumatischen Erinnerungen zu unterbrechen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Menschen auch eine Therapie gebraucht. Doch damals mussten die Überlebenden Deutschland wieder aufbauen. Außerdem wusste man noch nicht, dass sich hinter Albträumen, schlimmen Erinnerungen und Ängsten eine Erkrankung verbergen könnte. ...
https://www.persoenlichkeits-blog.de/article/110493/kriegstrauma-kriegsenkel

Europa hat jetzt viele Jahre des Friedens hinter sich. Aber wir erleben gerade, daß Millionen Menschen flüchten, weil in ihren Ländern teilweise Krieg herrscht. Andere flüchten, weil sie hoffen, in ein wirtschaftlich besser gestelltes Land zu kommen als sie es von zu Hause kennen. Zum Teil haben die Flüchtlinge traumatische Fluchtwege hinter sich.
Auch hier dürfte sich zeigen, daß das nicht folgenlos bleibt.


Grüsse,
Oregano
 
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Find ich sehr gut, Oregano, dass Du das Thema nochmal weiterführst..der letzte Beitrag liegt schon wieder 2 Jahre zurück, meine Beiträge sichtweise-psychologie ##118, 120 sind vom letzten Jahr..und ich bin weiterhin in dieser Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT) nach Frau Reddemann.
Es gibt auch TherapeutInnen, die spezialisiert sind auf transgenerationale, generationen-übergreifende Wirkungen von Kriegstraumata.

Hier ein Buch (das ich nicht gelesen habe) klett-cotta.de/ Trauma und Beziehung von einem Therapeuten, Andreas Bachhofen,, den ich in einem (recht kurzen) Erstgespräch kennenlernte, und der mir sehr direkt und offen und ehrlich sagte, warum er in meinem Fall eine Therapie nicht verantworten könne!? Für mich damals leider!
Das Medium aber, oder die Matrix, auf deren Hintergrund die "Weitergabe" erfolgt, rückt dabei kaum in den Blick.
Der Autor verdeutlicht sowohl konzeptionell, als auch anhand von Fallbeispielen, dass die Weitergabe von Traumatisierungen sich nur innerhalb der Beziehungskontexte der jeweiligen Familien wirklich verstehen lässt, und dass es hierzu einer soliden intersubjektiv verankerten Konzeption bedarf, die auch den Bereich des Unbewussten mit einschließt.
Ich muss sagen, mich verwirren schon länger die Bezeichnungen Kriegskinder, Kriegsenkel usw. Meine Eltern waren im Mai 1945 fast 20 und fast 22, waren 1939 also 14 und 16 - sie haben die NS-Zeit seit '33 als Kinder erlebt, den Anfang der Kriegszeit als Jugendliche, und das Ende des Krieges entsprechend als junge Erwachsene schon.
Waren sie jetzt Kriegskinder, Kriegsjugendliche - sagt man, glaube ich nicht - oder eben Kriegserwachsene, die man vielleicht auch allgemein Kriegs-Generation nennt?

Mir fällt das auf, wenn ich etwas dazu lese oder auch in Filmen und Dokumentationen sehe, dass das schon etwas ausmacht, in welchem Alter Eltern diese Zeit erlebt haben - also dann von '33 bis '45 gesehen - und was sie entsprechend erlebt haben, gemacht haben, mit-gemacht haben (im doppelten Sinne!).

Entsprechend Nachkriegskinder, die vielleicht bis 1950 geboren wurden, oder später, vielleicht bis 1960, oder auch noch später - je nachdem, wie alt die Eltern eben '45 waren, bzw in welchem Alter sie Kinder bekamen (wenn überhaupt, klar, aber wenn nicht, dann sind wir heute auch nicht ihre Kinder :cool:).

Kennengelernt hatten sich meine Eltern 1942, als mein Vater im Heimatort meiner Mutter im Arbeitsdienst-Einsatz war. Bis heute weiß ich nicht - meine Eltern leben auch schon länger nicht mehr - wie sie sich dort verabschiedet haben, ob sie sich irgendwas versprochen hatten(?)..mein Vater wurde mit 18, das war Anfang '44, in eine Waffen-SS-Einheit eingezogen. Ich glaube, große Wahlmöglichkeiten(?) hatte man in dem Fall nicht (mehr), unsere (spätere) Mutter war 20 - sechs Jahre danach, 1950, kam unser (späterer) Vater dann aus russischer Gefangenschaft zurück.

Ich bin mir heute sicher, dass mein Vater 1958 schon deutlich gemerkt haben muss, dass ihn diese Zeit, die Erinnerungen und vielleicht auch Schuld und Scham, nicht wirklich loslassen, obwohl D'land doch schon zum Wirtschafts-Wunder(?)-Land geworden war - und die '68er Jahre ja noch bevor standen!?

Vor kurzem wurde mir erst klar, dass meine (unsere) Eltern auch zu einer Nachkriegsgeneration gehören, sie sind von '23 und '25, der erste Weltkrieg war also noch nicht lange vorbei.....!?
Ich weiß, Kriege gab es natürlich öfter in der Vergangenheit.

Gerd
 
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Hallo Gerd,

für mich sind Kriegskinder die Kinder, die den Krieg schon miterlebt haben mit Eltern, die teilweise Kriegsteilnehmer waren und/oder eben das ganze zu Hause erlebt haben. Da gab es dann grosse Unterschiede im Erleben abhängig davon, ob sie in einer eher ruhigen Gegend oder mitten im Kriegsgeschehen lebten.
Das wäre so in etwa die Jahrgänge ab 1925 +/-.
Die Kriegsenkel sind dann die Kinder dieser Kriegskinder, also ca. die Jahrgänge um 1966 herum, auch wieder +/-.
Wenn ich gerade an meine Nichte denke, deren Vater Jahrgang 1928 war (Kriegsteilnehmer am Ende des Kriegs 1945 und verwundet) und deren Mutter Jahrgang 1931 war, also ein "echtes" Kriegskind, dann wundere ich mich nicht wirklich, daß sie recht ängstlich ist, sich schwer aus der Sicherheit des Elternhauses lösen konnte ...

Und es stimmt natürlich, was DU schreibst: Diese um 1920-1930 Geborenen waren noch im Dunstkreis des ersten Weltkriegs aufgewachsen, während die um die Jahrhunderwende Geborenen auch wieder zwischen einigen Kriegen standen. Ein schwieriger Kreis...

Letzten Endes liegt die Rettung aus diesen Kreisen wohl in der eigenen Arbeit mit sich und den Ahnen. Wie man das macht, liegt im eigenen Ermessen und im Glück, geeignete Therapeuten und Methoden zu finden.

Grüsse,
Oregano
 
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26.07.09
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für mich sind Kriegskinder die Kinder, die den Krieg schon miterlebt haben mit Eltern, die teilweise Kriegsteilnehmer waren und/oder eben das ganze zu Hause erlebt haben.
Die Kriegsenkel sind dann die Kinder dieser Kriegskinder ...
Ich hatte gestern erst n a c h dem Schreiben des eigenen Beitrages richtig verstanden, was ich da für ein (sprachliches) Problem habe...Kriegskinder ist eigentlich klar, also Kinder, die Krieg und Kriegszeit erlebt haben..und später deren Kinder nennt man Kriegsenkel, ja.

Aber wie ist es dann mit Erwachsenen, die den Krieg erlebt haben, und später, nach der Kriegszeit, Kinder haben? Diese Kinder müsste man ja eigentlich jetzt Kriegskinder nennen - so wie vorher Kinder, Enkel, hier dann Eltern, Kinder.

Anders herum, so wie man von Nachkriegs-Kindern spricht, müsste man ja eigentlich die Kriegsenkel auch Nachkriegsenkel nennen..weil sie eben selber keine Kriegszeit erlebt haben.

Kompliziert, ich weiß, aber irgendwie bin ich beim Lesen immer wieder über diese verschiedenen Worte/Begriffe gestolpert.

Zu der Arbeit mit sich und den Ahnen kann ich sagen, dass es nicht leicht ist, und ich denke mal, je mehr Unbewusstes, Unausgesprochenes dabei ist, um so schwieriger wird es.

Gerd
 
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Hallo Gerd,

da werde ich ja ganz wirr vor lauter Überlegen, wer nun Kriegskind, Kriegselternteil, Kriegsenkel usw. ist.
Deshalb eine andere Überlegung:
Auf das Thema "Krieg und seine Folgen" kommt man ja wahrscheinlich im Rahmen einer Problematik , die zu einer Therapie geführt hat. Dann kann man doch gleich mit den Namen oder den "Titeln" (Oma, Opa, Vater, Mutter, Geschwister ...) arbeiten, und Verwirrungen um Begriffe erübrigen sind.

Grüsse,
Oregano
 
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26.07.09
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Danke, Oregano, das ist schon okay, und wir müssen das hier gar nicht weiter ausführen - dieses "Problem" hatte ich nur, wenn ich zum Thema mal was gelesen habe, wo diese Begriffe/Unterscheidungen dann so auftauchten.

Ansonsten fiel mir auf, wenn Fallbeispiele genannt werden in Büchern/Artikeln, dass es so viele ganz individuelle (Familien-)Geschichten und Schicksale rund um die Kriegszeit gibt, dass ich mich mit der eigenen Familie da nie "gefunden" habe.
Klar, in der Therapiearbeit ist das ja ganz anders, da geht es ganz konkret um mich, meine Geschichte und meine Eltern-Familie.

Gerd
 
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Ein Gedicht, das ich sehr anrührend finde (leider auf engl.)

War Mother

For the months
she would wait.
She taught me "Daddy."
"Daddy," I would say
as she held me,
stroked my head.

By her chair
the radio, the shape
of a church's chancel,
gave her all the news.
She'd sit and listen,
rock me as she'd hum.

when certain songs
came on, she'd
lift me,
dance me cheek to cheek
around the room.

--Jack Ridl
 
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https://www.br.de/mediathek/video/l...im-geschuetzhagel-av:5bb38aadd435130018553eb8

Der Erste Weltkrieg gilt als "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts. Am 11. November feiert das Ende des ersten Weltkriegs sein hundertjähriges Jubiläum. Ursachen und den militärischen Verlauf des Ersten Weltkriegs haben bereits zahlreiche Bücher und Filme behandelt. Wie aber erlebten Familien - die Soldaten und ihre Frauen - diesen Krieg? Wie sah der Alltag aus, an der Front und in der Heimat? Möchte man das Ausmaß dieses Krieges erahnen, muss man die Menschen zu Wort kommen lassen, die ihn erlebt haben. Die zentralen Quellen dafür sind Tagebücher und Feldpostbriefe. In ihnen werden persönliche Erfahrungen, Empfindungen und Schicksale einzelner Menschen wieder lebendig. "Schreiben im Geschützhagel" widmet sich der Korrespondenz des Künstlerehepaars Colombo und Paula Max. Colombo Max erlebte als Unteroffizier den Schrecken der Westfront. Paula Max berichtet aus München von der Heimatfront, dem zunehmenden Hunger und der Revolution 1918.
Der erste Weltkrieg ging 1918 zu Ende. Das ist schon 100 Jahre her. Trotzdem passt diese Lesung hierher in diesen Thread.
Ich finde diese Briefe sehr berührend und lebendig.

https://corneille-colombo-max.de/colombo/painting.html



Grüsse,
Oregano
 
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26.07.09
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Der erste Weltkrieg ging 1918 zu Ende.
Das ist schon 100 Jahre her.
Mir wurde erst vor wenigen Monaten klar, dass meine Eltern auch Nachkriegs-Kinder, eine Nachkriegs-Generation waren, nämlich '23 und '25 geboren, und dann ab '33 eben Kinder in Nazi-Deutschland, mit 10 bzw 8 Jahren.

Gerd
 

alexo13105

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23.09.18
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Ich bin froh , das ich noch erkennen konnte was meine Vorfahren so alles zu tragen haben .
Traumatisierungen , Doppeltraumatisierung etc.
Deutsch-Französischer Krieg , 1.Weltkrieg , 2.Weltkrieg .

Was man nach einem Krieg tut ist klar . Der materialistische Wiederaufbau . Keine Zeit für anderes .
Gestern hatte ich Geburtstag und das 1.Mal in meinem Leben hab ich mich vernünftig verhalten .
Ich brachte meiner alten Mutter Blumen .

Nach Jahren des Hasses , liebe ich meine Eltern !
Es ist in mir drinnen , tief verwurzelt und ich bin sehr dankbar .
Das das passieren konnte , ist auch ihr Verdienst und nicht zu wenig .

Verleugnet man seine Eltern , verleugnet man sich selbst .

LG
 
Themenstarter
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Hallo alexo,

alles Gute für Dein neues Lebensjahr !

Es freut mich für Dich, daß Du Frieden mit Deinen Eltern und Ahnen geschlossen hast. Selbst wenn sie nicht mehr leben, spüren sie und wir sicherlich, daß jetzt die gegenseitige Achtung eingetreten ist. Wir schauen mit ihnen in eine Richtung und nicht mehr entgegen gesetzt.

Ich wünsche Dir noch mehr Frieden und Weisheit und viel Leben, wie Du es magst :).

Grüsse,
Oregano
 

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alexo13105

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23.09.18
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Selbst wenn sie nicht mehr leben
Des Menschen Seele Gleicht dem Wasser ,
Vom Himmel kommt es , Zum Himmel steigt es , Und wieder nieder , Zur Erde muß es , Ewig wechselnd .

Von Goethe.

Danke :)
 

Piratin

Gestern hatte ich Geburtstag und das 1.Mal in meinem Leben hab ich mich vernünftig verhalten .
Ich brachte meiner alten Mutter Blumen .

Nach Jahren des Hasses , liebe ich meine Eltern !
Es ist in mir drinnen , tief verwurzelt und ich bin sehr dankbar .
Das das passieren konnte , ist auch ihr Verdienst und nicht zu wenig .

Verleugnet man seine Eltern , verleugnet man sich selbst .

LG
Alles Gute nachträglich! :wave:
Wie hast du das geschafft? Würde mich wirklich sehr interessieren. Ein gewisser Gleichmut würde mir persönlich schon reichen.

Mein Opa hat schon des öfteren vom Krieg erzählt. Aber nie in einem Jammerton. Jammern kannte er nicht. Er hat mit der Marine Schiffsbruch erlitten und ist im eiskalten Meer um sein Leben geschwommen. Danach kam noch mehr. Er WOLLTE Leben. Wahrscheinlich ist auch in dem Moment seine übergroße Lebensfreude geboren worden.
Meine Oma hat seltener erzählt. Beide sind nun tot und ich bereue es sehr, dass ich nicht viel mehr und öfter mit ihnen gesprochen habe. Also richtig gesprochen, nicht nur über belangloses.
Ich finde es schon seltsam, dass dies alles für die Menschen heute so weit weg scheint. Und sie ganz vergessen haben, wie wir dahin kamen.
Ich glaube persönlich, dass vieles von dem Grauen was damals geschah noch gar nicht aufgeklärt ist und schon gar nicht aufgearbeitet.
 

nicht der papa

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18.11.09
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Meine Familie väterlicherseits und meine Familie mütterlicherseits sind da etwas unterschiedlich. Gemein ist allen, dass sie tot sind. Alle sind sie nun tot. Meine gesamte Herkunftsfamilie.

Väterlicherseits:
Mein Opa war im 1. und 2. Weltkrieg. Er ist gestorben als ich 7 war. Er hat nie vom Krieg gesprochen. Ah. Ausser, dass er im Krieg in Schweden war. Er war vorher schonmal verheiratet und Witwer als er meine Oma heiratete. Ich weiß eigentlich nichts über seine Familie, die im Taunus lebt.

Meine Oma habe ich als Kind über alles geliebt. Mehr als jeden anderen Menschen. Sie ist gestorben als ich 11 war.
Sie hat mit mir unheimlich viel über den Krieg gesprochen.
Auch, weil ich sie unheimlich viel gefragt habe.
Sie hat während dem Krieg in einer Waffenfabrik gearbeitet. Sie hat gesehen, wie die Bombe, die im Garten ihres Wohnhauses lag, explodierte und alle Kinder zerfetzte, die dort spielten. Meinen Vater hatte sie kurz vorher hochgerufen. Deshalb hat er überlebt.

Die beiden kamen aus einer ganz anderen Zeit und unterschiedlichen Schichten. Er Handwerker. Sie aus einer anscheinend wohlhabenderen höchster Familie. Als Kind schon aus dem Auto gefallen.:D
Sie musste trotzdem immer alles aufessen und wenn es beim ersten Mal nicht geklappt hat, dann beim nächsten oder übernächsten Essen.
Damals trugen Mädchen noch keine Unterhosen.
Im Sportunterricht mussten die Mädchen einen Mast hochklettern. Der Lehrer stand unten drunter und schaute hoch.
Als meine Oma das ihrem Opa erzählte, ist der entrüstet zum Lehrer. Der hatte einen zweigeteilten Kinnbart. Die eine Seite des Bartes hat ihr Opa dem Lehrer ausgerissen und kam vor Gericht. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und sagte abschließend, dann hätte ich ihm die andere Seite ja auch noch ausreissen können.:cool:
So war das damals.
Auch zur Familie meiner Oma gab es nie irgend einen Kontakt, fällt mir gerade auf.
Mein Vater hatte eher altmodische Ansichten.

Mütterlicherseits:
Da wurde mal erwähnt, wo man wohnte, als man in dem Dorf im Odenwald ankam oder was man gearbeitet hat. Mehr nicht.
Von der ganzen schrecklichen Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechei, die man heutzutage sehr gut nachlesen kann, wurde ganz prinzipiell nicht gesprochen. Ich glaube, dass es ziemlich schlimm gewesen sein muss. Meine Mutter behauptete sogar, als ich sie als Jugendliche mal fragte, sie wäre erst 2 Jahre alt gewesen. Dabei war sie 1945 schon 8 Jahre alt.
Meine Tante hat einmal ein wenig darüber gesprochen, als sie schon etwas dement war.
Sie sagte, da kam ein Mann und sagte, in einer Stunde müsst ihr los. Haustiere sind beim Förster abzugeben. Sie waren wohl auch in einem Lager. Sie hat auf meine Nachfrage gesagt, dass sie damals 12 Jahre alt war. Sonst wüsste ich nicht, wann die hierher gekommen sind.

Mein Urgroßvater war im 1. Weltkrieg. Er ist im Dachstuhl des Hauses im Erzgebirge verbrannt. Der Vater meiner Mutter war auch bereits im Erzgebirge gestorben. Da gab es keinen Mann, als sie hier als Sudetendeutsche, aber eigentlich als tschechische Bürger deutscher Abstammung, ankamen.
Meine Mutter hatte eher lockere Ansichten.

Aus anthroposophischer Sicht habe ich mir meine Eltern ausgesucht.
Das war mutig. Wer weiß, was ich in meinem letzten Leben Schlimmes verbrochen habe.


Es ist einfach Toten zu verzeihen, um sich selbst zu entlasten.
Bei meiner Mutter hätte ich es wohl auch so geschafft, wenn sie nicht so früh gestorben wäre.

Bei meinem Vater war es mir zu seinen Lebzeiten schlussendlich nicht möglich. Obwohl ich es probiert hatte. Man rührt seine Tochter eben auch dann nicht unsittlich an, wenn man sie sehr liebt.:cool:
Aber heute auch egal.:)
Ich bin trotzdem, von dieser unschönen Sache abgesehen, wie eine Freundin der Familie immer sagt, der beste Sohn meines Vaters geworden.:)))

Naja. Vor dem Hintergrund, dass meine beiden verstorbenen Brüder ihr Leben lang unterschiedlich starke Drogenprobleme hatten, weil sie ihre Kindheit (trotz fehlender sexueller Übergriffe) nicht so gut überlebt haben wie ich, und zu meinem völligen Unverständnis auch noch bis zum Schluss um die Zuneigung meines Vaters buhlten, war es auch leicht für mich, der beste Sohn zu sein.
Vielleicht sind Frauen eben doch das stärkere Geschlecht.
 
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Piratin

Damals trugen Mädchen noch keine Unterhosen.
Im Sportunterricht mussten die Mädchen einen Mast hochklettern. Der Lehrer stand unten drunter und schaute hoch.
Als meine Oma das ihrem Opa erzählte, ist der entrüstet zum Lehrer. Der hatte einen zweigeteilten Kinnbart. Die eine Seite des Bartes hat ihr Opa dem Lehrer ausgerissen und kam vor Gericht. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und sagte abschließend, dann hätte ich ihm die andere Seite ja auch noch ausreissen können.:cool:
Cooler Typ! :))):))):)))
 

nicht der papa

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Cooler Typ! :))):))):)))
Das fand ich damals auch ganz toll, als meine Oma das erzählt hat.

Heute denkt man eher an das königlich bayrische Amtsgericht.:D Das würde auch zeitlich ganz gut passen, da das ja um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts herum gewesen sein muss.
 
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