Ich habe zufällig erfahren, dass am Ende des Jahres endlich das Buch von Robert Whitaker auf Deutsch erscheinen wird.
Nach all der langen Recherche, also
Made in America ,die Seite, die er betreibt , das ist wie ein kleines Geschenk.
Ich hänge auch die Datei mit dem Interview mit ihm an – einige Zitate darin habe ich markiert oder fett hervorgehoben.
Na ja, und genau deshalb wurde ich so stark angefeindet und regelrecht gemobbt.
Da frage ich mich wirklich: In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Millionen von Menschen schlucken dieses legale Gift, das sie im Grunde genommen zerstört und tötet! – und wenn jemand die Dinge einmal anders betrachtet, wird er sofort zur
persona non grata oder als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Ha?
Das Buch bereitet sehr umfangreich die Evidenz zur psychopharmakologischen Behandlung psychischer Störungen auf. Der preisgekrönte Autor Robert Whitaker geht der Frage nach, ob zwischen der extremen Zunahme psychischer Krankheiten in den USA in den letzten Jahrzehnten und der Ausbreitung der Psychopharmakotherapie im gleichen Zeitraum Zusammenhänge bestehen. Die englischsprachige Originalausgabe wurde mit dem IRE Book Award in der Kategorie "bester investigativer Journalismus" ausgezeichnet.
Detailliert werden die Geschichte der Pharmakotherapieentwicklung sowie die Anwendung innerhalb der psychiatrischen Versorgung aufgearbeitet. Der Autor stellt Störungsbilder, wie Schizophrenie, Bipolare Störungen, Angsterkrankungen, Depression und ADHS, dar und arbeitet differenziert heraus, dass für bislang keine der bei diesen Störungen verwendeten Substanzen der postulierte Wirkmechanismus nachgewiesen werden konnte.
Kritisch beleuchtet er Studienergebnisse und erläutert, dass Studien z. T. so ausgewertet bzw. Ergebnisse so präsentiert wurden, dass sie positive Effekte für die Substanzen belegen. Und dies obgleich bspw. Placeboeffekte ähnliche Wirkungen erzielen bzw. sich langfristig sogar aversive Wirkungen mit einem schlechteren Abschneiden der Gruppen, die dauerhaft pharmakologisch behandelt werden, zeigen im Vergleich zu denen, die nicht oder nur kurz pharmakologische Interventionen erhalten.
Die vorliegende Übersetzung ist im Rahmen eines universitären Projekts unter Federführung von Hanna Christiansen, Robert Kumsta, Jürgen Margraf und Silvia Schneider entstanden.
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Psychopharmaka – ein Angriff auf die
Menschenwürde
Interview mit Robert Whitaker aus der
amerikanischen Zeitschrift Street Spirit
Interviewer: Terry Messman
übersetzt von Thomas Gotterbarm / Kalle Pehe
Originalartikel unter:
The American Friends Service Committee (AFSC) is a Quaker organization that includes people of various faiths who are committed to social justice, peace, and humanitarian service. Its work is based on the Religious Society of Friends (Quaker) belief in the worth of every person, and faith in the...
akmhcweb.org
Betrachtet man die Ergebnisse der Untersuchungen, so findet man bei all diesen Medikamenten ein eindeutiges Muster von Befunden – bei den Neuroleptika, den Antidepressiva, den Anxiolytika (Tranquilizern) und den Stimulantien wie Ritalin zur Behandlung von ADHS. All diese Arzneien dämpfen für einen kurzen Zeitraum, vielleicht sechs Wochen, ein Zielsymptom ein klein wenig wirksamer als ein Placebo. Ein Antidepressivum lindert also die depressiven Symptome für kurze Zeit besser als ein Placebo.
Langfristig gesehen jedoch verschlimmert jede dieser Psychopharmaka-Kategorien im Vergleich zu Placebos Zielsymptome wie Depressionen, Psychosen und Angstzustände. Die Folge sind eine Chronifizierung und Verschlimmerung der Zielsymptome. Bei einem großen Prozentsatz der Patienten werden sogar neue und schwerere psychiatrische Symptome durch die Medikamente selbst hervorgerufen.
Na ja, also im Klartext bedeutet das, dass ich bei mir selbst diese Depressionen ausgelöst habe.
Und genau das ist passiert. Ha!
Nach dem Absetzen habe ich sehr schlimme Symptome. Nichts hilft mir mehr, und all diese Stoffe wirken paradox. Da ist nichts mehr zu machen. Bitte kein Mitleid – das brauche ich hier nicht. Es geht um Reflexionen, also darum, -Nachzudenken, was das alles bedeutet. Übel, oder?
Die Theorie besagte, Schizophrene hätten eine überaktives Dopamin-System, und diese Medikamente korrigierten das chemische Ungleichgewicht, indem sie das Dopamin im Gehirn blockieren. So entstand die Metapher, Neuroleptika seien wie Insulin bei Diabetes, sie korrigierten eine Anomalie. Bei Depressionen wiederum hieß es, Depressive hätten einen zu niedrigen Serotonin-Spiegel, und die Medikamente brächten die Hirnchemie wieder ins Gleichgewicht, indem sie das Serotonin im Gehirn vermehrten.
Bei diesen Theorien handelte es sich jedoch keinesfalls um Schlussfolgerungen aus Forschungsbefunden darüber, was mit den Betroffenen tatsächlich geschah. Vielmehr hatte man herausgefunden, dass Neuroleptika das Dopamin blockieren, und daraus zog man dann den Schluss, die Patienten hätten ein überaktives Dopamin-System. Man hatte entdeckt, dass Antidepressiva den Serotonin-Spiegel anheben, und stellte nun die Theorie auf, Depressive müssten logischerweise zu wenig Serotonin im Gehirn haben.
Es gibt jedoch eine Tatsache, die jeder Amerikaner kennen und die die Psychiatrie endlich eingestehen sollte: Man hat bis heute nichts gefunden, was bestätigt, dass Schizophrene ein überaktives Dopamin- und Depressive ein zu wenig aktives Serotonin-System hätten. Man hat bis heute keine eindeutigen Beweise, dass diese Erkrankungen in
irgendeinem Zusammenhang mit einem chemischen Ungleichgewicht im Gehirn stehen. Die Behauptung, bei psychisch Kranke bestehe erwiesenermaßen ein chemisches Ungleichgewicht ist eine Lüge.
Man erzählt Millionen von Menschen dieselbe Lüge, und sie wird überall verbreitet. Die Ärzte versichern, dass alles stimmt.
Einmal habe ich mit meiner ehemaligen Psychiaterin darüber gesprochen.
Zuerst war sie stutzig, dann wurde sie richtig wütend und wollte mich hinausschmeißen. Eine andere Ärztin hat genauso reagiert. Ha--!
Jetzt sitze ich in einer Sackgasse und weiß nicht, wie sich diese ganze Symptomatik weiterentwickeln wird.
Gut, ich bin alt – aber was ist mit denjenigen, die noch jung sind?
Sie können alles verlieren, so wie ich.
Absolut alles!
Aha:
All diese Medikamente, schrieb er, verursachen Störungen in der Funktion der Hirnbotenstoffe. Ihm zufolge reagiert das Gehirn auf die chemische Manipulation von außen, indem es seine normalen Funktionen verändert und sich an die Psychopharmakawirkung anpasst. Anders gesagt, das Gehirn passt sich an die Blockade der normalen Dopamin-Funktionen durch die Neuroleptika an. Im Falle der Antidepressiva wiederum versucht das Gehirn, die Blockade der normalen Serotonin-Wiederaufnahme auszugleichen. Es tut dies, indem es sich in umgekehrter Richtung verändert. Blockiert man also das Dopamin, versucht das Gehirn, den Dopamin-Spiegel wieder zu erhöhen und vermehrt dabei die Zahl der Dopamin-Rezeptoren. Dies bedeutet, dass jemand, der mit einem Neuroleptikum behandelt wird, schließlich eine anormal große Zahl von Dopamin-Rezeptoren im Gehirn hat.
Gibt man jemandem ein Antidepressivum, das den Serotonin-Spiegel künstlich erhöht, reagiert das Gehirn wiederum entgegengesetzt. Es verringert den Serotonin-Ausstoß und vermindert die Zahl der Serotonin-Rezeptoren. Wer ein Antidepressivum einnimmt, hat am Ende also eine anormal niedrige Zahl von Serotonin-Rezeptoren im Gehirn. Aus all dem zog Hyman den folgenden Schluss: Nach diesen Veränderungen funktioniere das Gehirn des Patienten in einer Weise, die sich „qualitativ wie quantitativ“ von seinem Normalzustand unterscheide. Stephen Hyman, der frühere Leiter unserer Behörde für seelische Gesundheit, zeigte also, wie diese Arzneimittel einen krankhaften Zustand im Gehirn herbeiführen.
Na ja, das ist aber die ganze Essenz – oder besser gesagt, der Kern.
Das Gehirn reagiert sofort, weil es das Gleichgewicht aufrechterhalten will.
Der Mensch nimmt dann alles um sich herum ganz anders wahr – fast so, als stünde er unter Drogen.
Zwar kann das helfen, sehr tiefe Niedergeschlagenheit oder akute Wahnvorstellungen zu unterdrücken.
Aber zu welchem Preis, verdammt noch mal?
Das Absetzen kann Jahre dauern. Wer versucht, diese Stoffe plötzlich abzusetzen, erlebt etwas, das einem Aufprall von 120 km/h auf null gleicht. Wenn ich auf die Bremse drücke, ha--ha ha-! / Achtung-Ironie!/
Das Auto wäre kaputt – und der Körper auch.
Ich denke wenigstens, dass dadurch nicht alles sofort gelöscht wird.
Anderswo ist es ja schon passiert.
Viel Spaß beim Lesen – das nicht zu viel.
Das Buch würde ich aber bestimmt kaufen.