SPIEGEL ONLINE Bericht zu "Medikamenten-Cocktail im Lei...

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http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,314868,00.html

Millionen Deutsche schlucken täglich Medikamente. Was nicht verbraucht wird, landet tonnenweise in der Kanalisation. Die Folge: Im Trinkwasser wabert eine bunte Arznei-Mischung, deren Wirkung kaum absehbar ist.

Gibt's Forelle Blau bald nur noch als Frau? Ein Anglermagazin unkte unlängst, dass es "statt strammer Fischjungs nur noch impotente Schwächlinge" geben könnte, wenn das mit der Anti-Baby-Pille so weitergeht. Nicht nur Angler schlugen Alarm, als erste Untersuchungen durch die Medien gingen, die nachwiesen, dass das synthetische Hormon der Pille, Estradiol, ungehindert durch natürliche Ausscheidung an allen Klärwerken vorbei in Flüsse und Seen gelangt.

"Stramme Fischjungs" unterziehen sich dann einer ungewollten Hormonbehandlung. In der Havel, unterhalb des Klärwerkes Berlin-Ruhleben, laben sich inzwischen sieben von zehn Fischweibchen an durchschnittlich drei Milliardstel Gramm künstlicher Hormone pro Liter Flusswasser.

Die erste Panik ist zwar verflogen, aber über Langzeitwirkungen von Medikamentenresten im Wasser sind sich Forscher immer noch nicht im Klaren. Klar ist nur, dass Rheumamittel und andere Arzneien in Fischen wenig verloren haben.

Von der Toilette ins Trinkwasser

Die Analyseergebnisse der Wissenschaftler erinnern an den Blick in ein gut sortiertes Medikamentenschränkchen: So ist das Grund- und Trinkwasser vor allem angereichert mit Blutfettsenkern (Clofibrinsäure), Schmerzmitteln, Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac) und diversen Analgetika. Hinzu kommen Röntgenkontrastmittel. "Diese Stoffe finden sich überall in Deutschland", sagt Markus Lehmann, Geoökologe bei der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg. Kein Wunder: Allein 100 Tonnen Schmerzmittel rauschen nach einem Umweg über den menschlichen Körper jährlich durch die Toilette.

AP
Trinkwasser: Hormone aus der Leitung
Nach einem Zufallsfund dieser Substanzen vor zehn Jahren durch Berliner Forscher wurden die Analyseverfahren verbessert und deutschlandweit Gewässer untersucht. Die breite Palette von Medikamentenresten wird meist via Toilette in den Wasserkreislauf befördert. Die eben ausgeschiedenen Stoffe kommen nach Wochen oder Monaten unter Umständen wieder zurück: Etwa 16 Verbindungen haben die Berliner Forscher im Trinkwasser entdeckt und mehr als 100 im Abwasser.

Privathaushalte als Hauptverursacher

Überraschend: "Nicht etwa Krankenhäuser sind nach unseren Untersuchungen die Hauptverursacher, sondern Privathaushalte, durch die etwa 80 Prozent der Wirkstoffe in die Kanalisation gelangen", sagt Thomas Heberer, Lebensmittelchemiker von der Technischen Universität Berlin. In Fachkreisen gilt er als der Entdecker des Medikamentencocktails im Wasser.

"Es ist noch völlig ungeklärt, ob und in welchem Maße diese Stoffe ein Risiko für Mensch und Natur darstellen", sagt Bodo Weigert vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Nun gehe es darum, festzustellen, wie die in geringen Mengen auftretende Medizin zu bewerten ist. "Jedenfalls gibt es noch keine Beweise für eine humantoxikologische Wirkung. Ich sehe keinen Grund zur Beunruhigung", meint Weigert.

Eine Studie der Bochumer Ruhr-Uni lässt andere Schlüsse zu: Danach wird ein Zusammenhang vermutet zwischen der seit Jahren sinkenden Spermienzahl bei Männern und einer steigenden Rate an Hodenkrebs-Erkrankungen und Genitalfehlbildungen durch Östrogene im Trinkwasser und in Lebensmitteln. Endgültige Beweise gibt es nicht.

Langzeitwirkung unbekannt

Die gemessenen Werte sind zwar weit davon entfernt, direkten Schaden anzurichten, nur ist über indirekte Wirkungen - wie allergische Reaktionen oder hormonelle Veränderungen - nichts bekannt. "Aus der heutigen wissenschaftlichen Sicht bestehen keine Risiken für die menschliche Gesundheit. Es wäre jedoch unseriös, eine völlige Unbedenklichkeit zu attestieren", räumt Heberer ein.

DPA
Tabletten: Was nicht geschluckt wird, landet nicht selten im Klo
Auch Geoökologe Lehmann hegt Bedenken: "Ein Fragezeichen besteht, zumal nichts über die Langzeitwirkung niedriger Konzentrationen bekannt ist." Außerdem wisse man nie, wie ein Stoff Jahre später eingeschätzt würde - siehe Kontergan, DDT oder Lindan. Die aktuelle Auswahl ist groß: "Allein in Deutschland sind rund 3000 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe auf dem Markt, von denen einzelne in Mengen bis zu mehreren hundert Tonnen pro Jahr verabreicht werden", erklärt Lehmann.

Denn nachgewiesen ist ein direkter Zusammenhang bisher tatsächlich nur bei der Verweiblichung von Fischen. Das liegt an dem synthetischen Hormon aus der Pille, das schlecht wasserlöslich ist und sich so in Klärschlämmen oder Gewässersedimenten ansammelt. Immerhin findet es so seltener den Weg zurück in die Wasserleitung.

Neue Klärtechniken zu teuer

Dennoch ist der Nachweis auch dieses Stoffes wegen seiner geringen Dosis schwierig. Aber neue Verfahren der Gas- und Flüssigchromatographie gekoppelt mit der Massenspektrometrie machen es möglich, so Heberer, "kleinste Konzentrationen eines Stoffes nachzuweisen". Selbst ein Zuckerwürfel im Bodensee sei heute noch messbar.

Viele Arzneimittel haben aus der Sicht des Gewässerschutzes ungünstige Eigenschaften. Sie sind biologisch schlecht abbaubar, hochwirksam und gut wasserlöslich, wodurch sie im Körper erst ihre Wirkung entfalten können. An üblichen Kläranlagen rauschen die meisten Stoffe ungehindert vorbei, wodurch sie sich wacker im gesamten Wasserkreislauf behaupten. "Eine Reihe von Untersuchungen deutet darauf hin, dass viele Arzneimittel von den Reinigungsstufen bestehender Klärwerke nicht eliminiert werden", erklärt Heberer.

Einige neue Techniken werden erprobt, doch konkret ist in keiner Kommune die Aufrüstung von Kläranlagen zur Entfernung organischer Spurenstoffe geplant. Dabei wird es auch auf lange Sicht bleiben: Stand der Dinge ist nun mal, dass es eine "rein umwelthygienische Maßnahme" ist, wie Heberer meint. Neue Klärtechniken seien schlicht zu teuer: "Technisch ist viel machbar, nicht aber wirtschaftlich."
 
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Ich dachte immer, die Medis die ich in der Apotheke abgebe, werden verbrannt...
Ist es dann besser, sie in den Hausmüll zu werfen, anstatt verantwortungsbewusst sie in der Apotheke abzugeben?

Verstehe auch nicht, warum denn Medis, die man selber nicht mehr braucht und die noch im Haltbarkeitsdatum liegen, nicht an Länder der 3. Welt gegeben werden... ich frage jedesmal danach und immer die Antwort: "Wir würden ja gerne, dürfen aber nicht." Das hätte auch was mit der Lagerung zu tun. Deswegen können nicht gebrauchte Medis auch nicht zurückerstattet werden.

Na ja... ich denke so mancher Patient aus der 3. Welt wäre trotzdem sehr dankbar...
 
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07.05.04
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Lebensmittelüberschüsse werden auch lieber vernichtet, als sie abzugeben...
Liebe Grüße

Günter
 

Clematis

"Wir würden ja gerne, dürfen aber nicht." Das hätte auch was mit der Lagerung zu tun. Deswegen können nicht gebrauchte Medis auch nicht zurückerstattet werden.
Na ja... ich denke so mancher Patient aus der 3. Welt wäre trotzdem sehr dankbar...
Hallo Himmelsengel,

das glaube ich nicht. Wenn Medikamente aufgrund unsachgemäßer Lagerung verdorben sind, können sie krank machen, auch die Patienten der 3. Welt. Dieses Verbot ist durchaus berechtigt.

Wäre schön, wenn man beim Export unseres Elektro- und Elektronikmülls ebenfalls solch strenge Maßstäbe anlegen würde.

Gruß,
Clematis
 

ory

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hallo clematis ,

womöglich wird "himmelsengel" nicht antworten , die letzte aktivität im forum war 27.01.08 und zu diesem thema 26.08.04 ;)

wobei es zu diesem thema "medikamentenentsorgung" sicherlich noch einiges zu sagen gibt.
das privathaushalte als hauptverursacher zu der im trinkwasser bunten arznei-mischung sind ,kann ich mir lebhaft vorstellen und darf mMn nicht übersehen werden .

eine eigene verantwortungs kontrolle " in allem" ist von nöten ,um einen großen teil der "verunreinigung" nicht immer noch weiter fortzuführen .

lg ory
 
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10.01.04
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AW: SPIEGEL ONLINE Bericht zu "Medikamenten-Cocktail im Lei...

Zur Medikamenten-Entsorgung gibt es hier Tipps:

...
Keine Entsorgung über Toilette oder Spüle: Medikamente und Arzneimittel dürfen niemals über Toilette oder Spüle entsorgt werden. Dies gilt auch für flüssige Arzneimittel (z.B. Tropfen, Säfte).

Medikamente und Arzneimittel helfen Krankheiten zu lindern und heilen. Aber wenn sie in unsere Umwelt und unseren Wasserkreislauf gelangen, können sie auch unerwünschte Effekte haben.

Über die richtige Entsorgung, d.h. nicht über die Toilette oder Spüle, können wir selbst einen wichtigen Beitrag dazu leisten, diesen Eintrag in unseren Wasserkreislauf zu verhindern. Neben dem Abwasserpfad sind auch Trinkwasserversorgung, Städte, Landwirtschaft und der Naturraum wichtige Elemente unserer Wassernutzung.

Klicken Sie auf die Abbildung! Hier erfahren Sie, auf welche Weise Arzneimittel in unseren Wasserkreislauf gelangen können, welche Auswirkungen dies hat und wie wir den Eintrag verhindern können.
...
Arzneimittel-Entsorgung richtig gemacht

Das grössere Problem ist meiner Meinung nach die "Entsorgung" über die Toilette, wenn der Mensch über Urin und Stuhl seine Medikamente "entleert".
Und da scheint es bis jetzt kaum Möglichkeiten zu geben, das Wasser wieder frei von diesen Medikamenten-Überbleibseln zu machen.

Grüsse,
Oregano
 

ory

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hallo oregano ,
Das grössere Problem ist meiner Meinung nach die "Entsorgung" über die Toilette, wenn der Mensch über Urin und Stuhl seine Medikamente "entleert".
diese "normale" entsorgung der menschen ist , glaube ich, unumgänglich , aber :
Viele Arzneimittel haben aus der Sicht des Gewässerschutzes ungünstige Eigenschaften.
Sie sind biologisch schlecht abbaubar, hochwirksam und gut wasserlöslich, wodurch sie im Körper erst ihre Wirkung entfalten können.
An üblichen Kläranlagen rauschen die meisten Stoffe ungehindert vorbei, wodurch sie sich wacker im gesamten Wasserkreislauf behaupten.
"Eine Reihe von Untersuchungen deutet darauf hin, dass viele Arzneimittel von den Reinigungsstufen bestehender Klärwerke nicht eliminiert werden", erklärt Heberer.

Einige neue Techniken werden erprobt, doch konkret ist in keiner Kommune die Aufrüstung von Kläranlagen zur Entfernung organischer Spurenstoffe geplant.
Dabei wird es auch auf lange Sicht bleiben:
Stand der Dinge ist nun mal, dass es eine "rein umwelthygienische Maßnahme" ist, wie Heberer meint.

Neue Klärtechniken seien schlicht zu teuer: "Technisch ist viel machbar, nicht aber wirtschaftlich."
Chemie: Medikamenten-Cocktail im Trinkwasser - SPIEGEL ONLINE

und leider ,leider hat sich wohl bisher noch nichts geändert ....

lg ory
 

Clematis

womöglich wird "himmelsengel" nicht antworten , die letzte aktivität ... zu diesem thema 26.08.04 ;)
Hallo Ory,

ausnahmsweise hatte ich das diesmal gesehen ;), meist gucke ich aber da nicht hin, daher danke für den Hinweis. Fand aber, daß eine Anwort vielleicht auch für andere von Interesse sein könnte.

wobei es zu diesem thema "medikamentenentsorgung" sicherlich noch einiges zu sagen gibt.
eine eigene verantwortungs kontrolle " in allem" ist von nöten ,um einen großen teil der "verunreinigung" nicht immer noch weiter fortzuführen.
Da gibt es enormen Handlungsbedarf zumal die Filter, die man im Haushalt verwenden kann, da ebensowenig nutzen wie die Kläranlagen. In einem Punkt kann aber jeder selbst ansetzen: so wenig Medikamente einnehmen wie eben möglich. Aus dieser schon älteren Tabelle geht hervor, was alles im Trinkwasser ankommt:
http://www.hilp.de/am-oekologie-literatur.pdf
Diclofenac, Ibuprofen z.B. Da kann man Oreganos sarkastisch gemeinte Frage wiederholen: statt dieser gleich einen Liter Wasser trinken?

Wie entsorgen - dazu gibt es widersprüchliche Informationen
Entsorgung: Wie alte Medikamente richtig entsorgt werden - DIE WELT
Die Welt scheint eine Entsorgung auch im Hausmüll zu propragieren...
Was kann ich mit alten Medikamenten machen? (Medikamente, Tabletten, Apotheke)
Was macht Ihr mit alten Medikamenten? (Medikamente, Entsorgung)

Demnach nehmen nicht alle Apotheken alte Medikamente zurück - das war einmal. Einige Apotheken entsorgen sie selbst mit dem normalen Müll :mad:. Wenn man sie in den Haus-Rest-Müll gibt, sollte man wissen, daß dieser tatsächlich verbrannt wird, dann wäre das in Ordnung. Doch vielfach landet der Restmüll nur auf einer Deponie - dann dürfen sie da nicht hinein. In D und F, sicherlich auch in A und CH, gibt es gesonderte Annahmestellen für gefährlichen Müll, der einer Sonderbehandlung unterzogen wird. Oft sind sie kostenpflichtig, wären aber eine sichere Alternative.

Bei den Medikamenten muß nach Art unterschieden werden:
MEDIKAMENTE
Achtung: Viele Apotheken nehmen Altmedikamente nicht mehr entgegen. Im Zweifelsfall sollten Sie zunächst bei ihrer Apotheke nachfragen.
Feste und pastöse Medikamente (z.B. Pillen, Zäpfchen, Kapseln, Salben) können per Restmülltonne entsorgt werden. Sie werden ordnungsgemäß verbrannt. Dasselbe gilt für flüssige Medikamente (z.B. Tropfen, Säfte, Sprays). Diese können zusätzlich auch in haushaltsüblichen Mengen beim ZKE-Ökomobil abgegeben werden.

Medikamente zur Krebstherapie (Zytostatika) oder Chemikalien z. B. zur Wunddesinfektion dürfen nicht über den Restmüll entsorgt werden. Private Haushalte können Sie beim Ökomobil abgeben. Die gewerbliche Anlieferung ist nicht möglich.
http://www.zke-sb.de/abfall/entsorgungs_einrichtungen/schadstoffe_oekomobil
Gruß,
Clematis
 
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