Seit 15 Jahren ungeklärte Beschwerden – kein Arzt findet die Ursache. Kennt jemand dieses Muster?

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Ich bin 32 Jahre alt und leide seit ungefähr meinem 17. Lebensjahr an einem bis heute ungeklärten Beschwerdebild. Ich war inzwischen bei sehr vielen Ärzten und verschiedenen Fachärzten, hatte zahlreiche Untersuchungen und war auch in einer psychosomatischen Klinik. Trotzdem wurde bis heute keine Ursache gefunden.


Ich suche hier ausdrücklich nicht nach einer Ferndiagnose. Mich interessiert vor allem, ob jemand ein ähnliches Beschwerdemuster kennt oder selbst etwas Vergleichbares erlebt hat und irgendwann eine Diagnose bekommen hat.


Beginn mit etwa 17 Jahren


Alles begann unmittelbar nach dem Konsum von Cannabis (Joint oder Bong, daran erinnere ich mich nicht mehr genau).


Damals entstand zunächst ein winziger, ungefähr stecknadelkopfgroßer Schmerz in der Brust. In den folgenden Wochen und Monaten wurde dieser immer stärker. Daraus entwickelten sich schließlich massive Brustschmerzen, die mich über mehrere Jahre begleiteten.


Mir ist in diesem Zusammenhang wichtig klarzustellen, dass ich damals nicht dauerhaft oder in großen Mengen Drogen konsumiert habe. Nachdem ich bemerkte, dass bestimmte Substanzen meine Beschwerden auslösten oder massiv verstärkten, habe ich den Konsum auch entsprechend beendet. Die später beschriebenen Reaktionen auf einzelne Substanzen stammen aus einzelnen Phasen bzw. Erfahrungen und sollen nicht den Eindruck vermitteln, dass über all diese Jahre ein kontinuierlicher Drogenkonsum bestanden hätte.


Zwischen ungefähr 17 und 20 waren die Schmerzen teilweise so extrem, dass ich nachts überhaupt nicht schlafen konnte. Es kam häufig vor, dass ich wegen der Schmerzen eine komplette Nacht wach blieb und erst am darauffolgenden Abend aufgrund völliger Erschöpfung einschlafen konnte. Dieser Zustand zog sich ungefähr zwei bis drei Jahre hin.


Medikamente halfen praktisch überhaupt nicht


Ich bekam verschiedene Medikamente gegen die Beschwerden.


Normales Ibuprofen hatte keine Wirkung.


Mein damaliger Hausarzt wusste irgendwann ebenfalls nicht mehr weiter und verschrieb mir sehr hoch dosiertes Tilidin. Selbst damit ließen sich die Brustschmerzen praktisch nicht beeinflussen.


Zusätzlich wurden mir zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwei Antidepressiva verschrieben, deren Namen ich leider nicht mehr weiß. Auch diese hatten keinerlei erkennbare Wirkung auf die Beschwerden.


Sehr auffällige Trigger


Über die Jahre habe ich einige ungewöhnliche Zusammenhänge festgestellt.


Alkohol hatte einen sehr starken zweiphasigen Effekt: Während ich deutlich alkoholisiert war, war dies praktisch der einzige Zustand, in dem die Brustschmerzen stark gedämpft oder sogar vollständig verschwunden waren. Aufgrund des damaligen Leidensdrucks habe ich Alkohol zeitweise auch benutzt, um die Beschwerden nicht wahrnehmen zu müssen.


Am nächsten Tag war genau das Gegenteil der Fall: Während eines Katers waren die Brustschmerzen regelmäßig erheblich stärker als normalerweise.


Nach dem Konsum von Amphetamin/„Speed“ wurden die Brustschmerzen bei einzelnen Gelegenheiten nahezu unerträglich. Deswegen bin ich zwei- oder dreimal ins Krankenhaus gefahren. Interessanterweise hatte Kokain nicht denselben charakteristischen Effekt.


Auch nach einer Blutspende hatte ich einmal die gesamte folgende Nacht außergewöhnlich starke Brustschmerzen.


Was dagegen KEIN Trigger ist


Sport löst die Beschwerden nicht aus. Ich kann intensiv trainieren und einen sehr hohen Puls haben, ohne dass dadurch diese Brustbeschwerden entstehen.


Koffein verändert ebenfalls nichts. Koffein hat bei mir generell kaum eine stimulierende Wirkung und macht mich teilweise subjektiv sogar müder.


Auch Essen scheint keinerlei Zusammenhang zu haben. Es macht keinen Unterschied, ob ich sehr fettig oder ausgesprochen gesund esse.


Bei Hitze und Kälte kann ich keinen eindeutigen Zusammenhang erkennen.


Veränderung der Beschwerden über die Jahre


Das Merkwürdigste ist, dass die starken Brustschmerzen heute größtenteils verschwunden sind.


Stattdessen befindet sich das für mich charakteristische Beschwerdegefühl inzwischen hauptsächlich im Kopf.


Ich nenne es im Alltag „Kopfschmerzen“, aber das ist eigentlich die falsche Bezeichnung. Es handelt sich NICHT um einen klassischen schmerzenden, pochenden oder stechenden Kopfschmerz.


Am ehesten kann ich es als ein permanentes Benommenheitsgefühl oder als ein „vergiftetes Gefühl im Kopf“ beschreiben.


Für mich fühlt es sich so an, als hätte sich dasselbe grundlegende Beschwerdephänomen, das früher hauptsächlich in meiner Brust war, im Laufe der Jahre verlagert und würde sich heute hauptsächlich im Kopf äußern.


Dieses Kopfgefühl ist jeden Tag vorhanden.


Schon unmittelbar morgens nach dem Aufstehen ist es da. Während der ersten ungefähr zwei Stunden ist es meistens noch relativ schwach. Im Laufe des Tages kann es erheblich stärker werden. Wann genau das passiert, kann ich weder vorhersagen noch zuverlässig beeinflussen.


Zigaretten/Nikotin verstärken dieses Kopfgefühl häufig deutlich.


Die Beschwerden beeinträchtigen inzwischen massiv meine Konzentrationsfähigkeit und meinen Alltag.


Weitere Missempfindungen


Seit mehreren Jahren habe ich sehr selten ein merkwürdiges bzw. teilweise taub wirkendes Gefühl im rechten Bein, ungefähr vom Knie bis zum Fuß.


Gelegentlich treten außerdem Hodenschmerzen auf. Diese wurden bereits ärztlich untersucht, ohne dass eine Ursache gefunden wurde.


Ich habe außerdem eine deutlich ausgeprägte Rundrücken-/Haltungsproblematik und weiß nicht, ob Rücken oder Halswirbelsäule möglicherweise irgendeine Rolle spielen.


Anfallsartige Schübe


Über die Jahre hatte ich außerdem immer wieder besondere Schübe, teilweise während der Arbeit.


Dabei breitete sich dieses merkwürdige Krankheitsgefühl teilweise über fast den gesamten Körper aus und ich hatte zeitweise das Gefühl, möglicherweise zusammenzubrechen.


Diese Episoden begannen nicht plötzlich.


Sie bauten sich typischerweise über ungefähr ein bis zwei Stunden langsam auf. Anschließend erreichten sie einen Höhepunkt, an dem es mir ungefähr fünf bis zehn Minuten extrem schlecht ging.


Danach verschwanden die Beschwerden ebenfalls nicht plötzlich, sondern wurden langsam schwächer, bis ich irgendwann wieder auf meinem normalen Niveau war.


Während solcher Episoden hatte ich teilweise Herzrasen sowie Kältegefühl, Kribbeln und Taubheits-/Missempfindungen.


Übelkeit und Zittern gehörten dagegen normalerweise nicht dazu.


Schlaf und Kreislauf


Mein Schlaf ist auch heute auffällig. Ich schnarche stark, wache nachts häufig auf und schlafe insgesamt schlecht. Mein Vater hat Schlafapnoe und benutzt ein PAP-Gerät. Bei mir wurde meines Wissens bislang keine Schlafapnoe sicher ausgeschlossen.


In letzter Zeit fällt mir außerdem auf, dass mir nach längerem Sitzen beim Aufstehen für einige Sekunden ziemlich schwindelig werden kann.


Bisherige Untersuchungen und meine Erfahrungen damit


In ungefähr 15 Jahren war ich bei sehr vielen Ärzten und verschiedenen Spezialisten. Ich kann heute leider nicht mehr vollständig rekonstruieren, welche Fachrichtungen und Untersuchungen das alles waren.


Unter anderem wurden Herzuntersuchungen inklusive Herz-Echo durchgeführt. Ich hatte MRT-Untersuchungen und zahlreiche weitere medizinische Abklärungen. Außerdem war ich bereits in einer psychosomatischen Klinik.


Eine eindeutige Ursache wurde nie gefunden.


Ich möchte ausdrücklich keinen der damaligen Ärzte oder Fachärzte beleidigen oder ihnen pauschal schlechte Arbeit unterstellen. Rückblickend habe ich allerdings das Gefühl, dass ich insbesondere in jungen Jahren teilweise nicht wirklich ernst genommen wurde.


Ich war damals teilweise bei Spezialisten, die bereits sehr lange im Beruf und zum Teil in einem hohen Alter waren. Bei einigen dieser Termine hatte ich als sehr junger Patient das Gefühl, dass wenig Interesse daran bestand, meine ungewöhnliche und inzwischen sehr lange Krankengeschichte wirklich vollständig zu erfassen.


Nachdem Untersuchungen keine offensichtliche körperliche Ursache ergeben hatten, wurde mir mehrfach relativ schnell vermittelt, dass die Beschwerden wahrscheinlich psychisch bedingt seien.


Das kann natürlich grundsätzlich eine mögliche Erklärung oder ein Teil der Erklärung sein. Ich war deshalb auch bereit, diesen Weg zu verfolgen und war unter anderem in psychosomatischer Behandlung.


Wenn ich die vergangenen 15 Jahre heute mit 32 Jahren rückblickend betrachte, habe ich allerdings das Gefühl, dass die Einordnung „psychisch“ teilweise dazu geführt hat, dass meine Beschwerden anschließend nicht mehr mit derselben Offenheit weiter untersucht wurden.


Ich kann deshalb heute auch nicht sicher sagen, ob beispielsweise jemals eine wirklich umfassende neurologische Untersuchung mit ausführlicher Anamnese, Reflexprüfung, Sensibilitätsprüfung und gegebenenfalls Nervenleitmessungen durchgeführt wurde.


Das soll ausdrücklich keine pauschale Kritik an Ärzten sein. Ich möchte damit lediglich erklären, warum ich trotz der großen Anzahl an Arztkontakten nicht sicher sagen kann, dass jede denkbare medizinische Richtung tatsächlich gründlich untersucht wurde.


Meine eigentliche Frage


Kennt irgendjemand dieses Muster?


Besonders interessieren mich Menschen, bei denen Beschwerden über viele Jahre den Ort verändert haben – beispielsweise zunächst starke Schmerzen in einer Körperregion und später überwiegend neurologisch bzw. benommen wirkende Beschwerden – und bei denen Standarduntersuchungen lange unauffällig geblieben sind.


Auch die Kombination aus fehlender Wirkung selbst starker Schmerzmittel, Verschlechterung durch Nikotin, Amphetamin, Kater und damals Blutspende, aber gleichzeitig keinerlei Verschlechterung durch intensiven Sport, finde ich ungewöhnlich.


Falls jemand etwas Vergleichbares erlebt hat: Welche Diagnose wurde bei euch letztendlich gestellt? Welche Fachrichtung hat sie gefunden? Und welche Untersuchung hat am Ende den entscheidenden Hinweis geliefert?


Mich interessieren ausdrücklich auch Erfahrungen von Menschen, deren Beschwerden zunächst als psychosomatisch eingeordnet wurden und bei denen später doch eine konkrete körperliche, neurologische oder andere Ursache gefunden wurde – genauso wie Erfahrungen von Menschen, bei denen sich eine Störung der Schmerz- oder Reizverarbeitung tatsächlich als Erklärung herausgestellt hat.


Mir ist bewusst, dass niemand über das Internet eine Diagnose stellen kann. Nach ungefähr 15 Jahren möchte ich aber herausfinden, ob irgendwo jemand ein ähnliches Muster wiedererkennt und mir dadurch vielleicht eine neue Richtung für die weitere ärztliche Abklärung geben kann.
 
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Hallo Marv1212,

es klingt schon so, als wären deine Beschwerden durch ein überempfindliches Nervensystem bedingt. Bei mir hat sich eine Magnesiumtablette vor dem Schlafengehen als Gamechanger erwiesen: Ich schlafe wie ein Baby, träume schöne Sachen und wache morgens entspannt und fit auf. Du schreibst, dass dir Sport gut tut - dann würde ich ein bisschen Gymnastik und Krafttraining in den Alltag einbauen, jeden Tag ein Viertelstündchen kann die Lebensqualität erheblich verbessern.

Gute Besserung! :)
 
... es klingt schon so, als wären deine Beschwerden durch ein überempfindliches Nervensystem bedingt. Bei mir hat sich eine Magnesiumtablette vor dem Schlafengehen als Gamechanger erwiesen: Ich schlafe wie ein Baby, träume schöne Sachen und wache morgens entspannt und fit auf. Du schreibst, dass dir Sport gut tut - dann würde ich ein bisschen Gymnastik und Krafttraining in den Alltag einbauen, jeden Tag ein Viertelstündchen kann die Lebensqualität erheblich verbessern.
Das mach ich alles. Leider keine Verbessrung dadurch :(
 
Leider nein. Ich nehme aber 40k Einheiten die Woche

Messen lassen ist besser, muß man extra zahlen, aber kostet nicht so arg viel, ich habe kürzlich 17 Euro bezahlt. Das ist ja möglich, und es ist immer gut zu wissen, was man überhaupt behandelt.
Und wenn ein Mangel ist, die Cofaktoren nicht vergessen, auf jeden Fall K2 und Magnesium dazu. Erstens damit sich kein Kalzium ablagert irgendwo, wo es nicht soll, denn das riskiert man, wenn man es ohne die Cofaktoren einnimmt, und zweitens, damit der Vitamin D Spiegel überhaupt auch steigt. Ohne wenigstens die beiden steigt er manchmal gar nicht. Also besser mal messen lassen, wie der Stand überhaupt ist, damit Du das auch kontrollieren kannst.

Am besten zu einem Arzt gehen, der sich damit auskennt, der die Einnahmemenge dann "überwachen" kann.

Ist der Vit D Spiegel überhaupt jemals schon gemessen worden?

Ach und: Deinen Drogenkonsum solltest Du vielleicht mal überdenken. Das kann ja auch so einiges auslösen, oder? Keine Ahnung. Also wenn Du mich fragst: Laß das sein. Und befasse Dich mal mit dem Thema Entgiftung. Das Thema Vitamin D aber trotzdem auch verfolgen.
 
Zuletzt bearbeitet:
40k pro Woche ist zu viel, wenn der Pegel eigentlich ok ist. Darum solltest du den mal messen.

Teils gings mir ähnlich. Wenn die Nerven an sich das Problem sind, kanns natürlich überall Schmerzen, ohne das genau dort wirklich was nicht stimmt. Und dass du psychisch Belastet bist nach 15 Jahren gesundheitlicher Problematik, ohne Lösungsansatz, ist übrigens völlig verständlich.
LG
 
Ach und: Deinen Drogenkonsum solltest Du vielleicht mal überdenken. Das kann ja auch so einiges auslösen, oder? Keine Ahnung. Also wenn Du mich fragst: Laß das sein. Und befasse Dich mal mit dem Thema Entgiftung.
Ja, das mit dem Drogenkonsum habe ich eigentlich nur dazugeschrieben, weil er meine Symptome damals immer deutlich verschlimmert hat. Das Ganze ist aber schon seit über fünf Jahren Geschichte. Ich finde trotzdem, dass es zu meiner Geschichte dazugehört, weil es gerade für die Schmerzen ein ziemlich großer Trigger war. Deshalb war es mir wichtig, das mit zu erwähnen.
 
Das freut mich jetzt echt für Dich, daß das Drogenthema eh schon abgehakt ist.

Sollten Deine Probleme mit einem Vitamin D Mangel zu tun haben, könnte man den Trigger mit Cannabis, aber auch mit dem Alkoholabbau, vielleicht damit erklären, daß das ja beides glaube ich in der Leber abgebaut wird. Und Vitamin D wird ja auch in der Leber umgewandelt (vom inaktiven in das aktive Vitamin D, - oder so ähnlich. Oder von der Vorstufe ins inaktive? Irgendwie so). Vielleicht war sie dann überfordert? Wäre nur so eine Idee dazu.

P.S. Ich habe mal gegooglet, Cannabisnutzer und Alkoholiker sollen wohl öfters Vitamin D Mangel haben. Man weiß nicht wirklich, warum. Aber vielleicht gibt es mit diesen beiden Substanzen biochemische Prozesse, die eine Aufnahme oder Umwandlung behindern?
Ich sage jetzt nicht, daß Du Alkoholiker oder Dauercannabisnutzer warst! Aber Du hast ja bei einmaligem Gebrauch schon was bemerkt, sagst Du. Die Beobachtungen waren halt bei Dauernutzern.


Habe was gefunden. Aus dem Link unten:
  • Veränderte Leberfunktion: THC & Co beanspruchen Enzyme, die auch für D3-Umwandlung benötigt werden
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Marv,

Du hast doch sicher schon etliche Blutbilder aller Art machen lassen? Gab es dabei auffällige Werte?
- Welcher Wert ist z.B. für Vitamin B12 bestimmt worden?
- Wie sieht Dein Vitamin B6 aus?
- Wie ernährst Du Dich
- Weißt Du etwas von Allergien und /oder Unverträglichkeiten (Intoleranzen)?
- Gab es als Du 17 Jahre alt warst irgendwelche Veränderungen in Deinem Leben? - Das könnte ein Schulwechsel sein, ein Umzug, eine Wohnungsrenovierung, ein „markantes“ Ereignis ...
- Ist klar, daß Du in einer gesunden Wohnung lebst, ohne Wohngifte u.ä.?
- Bist Du evtl. elektrosmog-belastet?
- Hattest Du damals bis heute einen Unfall, bei dem die HWS geschädigt worden sein könnte?
- Hast Du Dich schon mit dem Krankheitsbild von MCS und CFS beschäftigt?
...


Grüsse,
Oregano
 
ChatGPT sieht deine Schlafapnoe als auffälligstes Symptom, bei dem sich eine Behandlung lohnen könnte:

Ich würde mich bei dieser Geschichte nicht auf „überempfindliches Nervensystem“ oder Vitamin D als Hauptspur festlegen. Aus dem ganzen Bericht springen für mich drei deutlich sinnvollere, überprüfbare Ansatzpunkte heraus.

An erster Stelle würde ich die Schlafapnoe sauber abklären lassen. Er schnarcht stark, wacht häufig auf, schläft schlecht, hat morgens ein „Kopfgefühl“ und Konzentrationsprobleme, und sein Vater hat eine behandelte Schlafapnoe. Das ist genug, um eine schlafmedizinische Diagnostik ernsthaft zu rechtfertigen. Ein Heimtest oder eine Polysomnographie sind etablierte Wege zur Diagnose; bei unklarem oder negativem Heimtest trotz weiter bestehendem Verdacht sollte weiter abgeklärt werden. Medizin Forum

Zweitens würde ich Kreislauf/autonomes Nervensystem prüfen. Dass ihm nach längerem Sitzen beim Aufstehen für einige Sekunden schwindelig wird, passt zumindest zu einer orthostatischen Komponente. Einfacher erster Schritt wäre Blutdruck und Puls nach fünf Minuten Liegen sowie nach dem Aufstehen, idealerweise nach etwa einer und drei Minuten. Ein Blutdruckabfall von ≥20 mmHg systolisch oder ≥10 mmHg diastolisch innerhalb von drei Minuten erfüllt die Definition einer orthostatischen Hypotonie. Wenn der Verdacht trotz unauffälliger Messung bleibt, kann ein Kipptischtest sinnvoll sein. Medizin Forum

Drittens halte ich eine einmalige gründliche neurologische Untersuchung für vernünftig, gerade weil er selbst gar nicht weiß, ob das jemals systematisch gemacht wurde und weil er wiederkehrende Sensibilitätsstörungen am rechten Bein beschreibt. Dabei würde ich nicht mit einem exotischen MRT-Marathon beginnen, sondern mit Anamnese, Kraft, Reflexen, Sensibilität, Koordination und Gangbild. Je nach Befund dann Nervenleitmessung/EMG oder gezielte Bildgebung. NICE nennt bei entsprechenden Sensibilitätsstörungen unter anderem B12, Schilddrüse, Blutzucker, Nierenfunktion, Zöliakie und Entzündungsparameter als sinnvolle Basisabklärung, bevor man bei ungeklärtem Befund neurologisch weitergeht. Nice

Bei Vitamin D würde ich dagegen tatsächlich bremsen. 40.000 IE pro Woche entsprechen im Mittel rund 5.700 IE täglich. Der allgemein angegebene obere tolerierbare Zufuhrwert für Erwachsene liegt bei 4.000 IE/Tag, sofern eine höhere Dosis nicht gezielt ärztlich wegen eines festgestellten Mangels eingesetzt wird. Deshalb würde ich nicht weiter über K2 oder andere „Cofaktoren“ spekulieren, sondern schlicht 25-OH-Vitamin-D und Calcium bestimmen lassen und die Dosis anhand des Ergebnisses besprechen. Medizin Forum

Was mich dagegen weniger überzeugt, sind die im Thread aufkommenden Erklärungen wie „Entgiftung“, Elektrosmog oder eine vermeintliche Überforderung der Leber durch Cannabis und Vitamin-D-Stoffwechsel. Dafür gibt die geschilderte Symptomatik keinen belastbaren Hinweis. Auch würde ich aus der Verschlechterung nach Cannabis, Amphetamin, Nikotin oder Kater keine spezifische Erkrankung ableiten: Alle diese Dinge greifen massiv in Kreislauf, Sympathikus, Gefäßtonus, Schlaf und Wahrnehmungsverarbeitung ein. Dass sie Symptome verändern, ist interessant, aber diagnostisch ziemlich unspezifisch.

Das Auffälligste ist für mich sogar etwas anderes: Sport mit sehr hohem Puls provoziert die Beschwerden nicht. Das macht einige belastungsabhängige kardiale Ursachen zumindest weniger naheliegend, auch wenn es sie nicht beweisend ausschließt. Gleichzeitig verändern Substanzen mit deutlicher Wirkung auf das autonome Nervensystem seine Beschwerden. Zusammen mit den Schüben aus Herzrasen, Kältegefühl, Kribbeln und Benommenheit würde ich deshalb die Möglichkeit einer Dysregulation des autonomen Nervensystems zumindest im Hinterkopf behalten. Das ist aber eher eine Untersuchungsrichtung als eine Diagnose.

Und eine funktionelle bzw. zentralisierte Störung der Reiz- und Schmerzverarbeitung würde ich ebenfalls nicht vom Tisch wischen. Dass Schmerzen den Ort wechseln, starke Analgetika kaum helfen und über Jahre keine strukturelle Ursache gefunden wurde, kann durchaus dazu passen. „Funktionell“ bedeutet allerdings nicht eingebildet und sollte idealerweise positiv anhand klinischer Merkmale diagnostiziert werden, nicht bloß nach dem Motto „MRT normal, also Psyche“. Auch neurologische Symptome können bei funktionellen Störungen schwanken und sich über die Zeit verändern. Nice

Wenn ich ihm einen konkreten Fahrplan geben müsste, wäre er deshalb: Schlafmedizin → orthostatische Messung mit Puls/Blutdruck → vollständigen bisherigen Befundordner zusammentragen → Hausarzt/Internist macht ein vernünftiges Basislabor → einmal gute neurologische Untersuchung → danach erst entscheiden, welche Spezialdiagnostik wirklich angezeigt ist. So verhindert man, dass er weitere zehn Jahre wahllos nach immer exotischeren Ursachen sucht.

Dein Hinweis mit Magnesium und Bewegung war als niedrigschwelliger Versuch völlig okay; nachdem er aber sagt, dass er beides bereits macht und es nichts ändert, würde ich diese Spur nicht weiter verfolgen. Die Schlafapnoe-Frage ist in seinem Text für mich der auffälligste noch offene und gleichzeitig sehr gut prüfbare Punkt. Medizin Forum

Chat unterschätzt in meinen Augen die Wirkung von Entgiftung, wenn eine Schwermetallbelastung vorliegt (Amalgam, Exposition am Arbeitsplatz etc.).
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist zum Einstieg evtl. auch bei einem Mangel etwas viel, oder? Ist es da nicht auch besser, etwas niedriger zu beginnen?
Zudem ist eine Aufteilung in - mindestens - Tagesdosen, wenn nicht sogar in mehrere am Tag, nach meinem Stand sinnvoll, um den Pegel gleichmäßig zu halten.

Die Überprüfung des Vitamin D-Spiegels (25-OH... und evtl. mindestens einmalig 1,25-OH-...) halte auch ich für sinnvoll. Ebenso wie einen Check auf SchlafApnoe - Hinweise auf so etwas können inzwischen sogar SmartWatches geben. Und es gibt auch Profi-Geräte für zu Hause, so dass man nicht für jede Untersuchung zwingend in ein Schlaflabor muss. Auch eine erneute neurologische Untersuchung kommt mir sinnvoll vor - evtl. jemand suchen, der nur als Neurologe, nicht als Psychiater, arbeitet, wenn das möglich ist (um vorzubeugen, dass der Fokus allzu früh abschweift).
 
P.S. Ich habe mal gegooglet, Cannabisnutzer und Alkoholiker sollen wohl öfters Vitamin D Mangel haben. Man weiß nicht wirklich, warum. Aber vielleicht gibt es mit diesen beiden Substanzen biochemische Prozesse, die eine Aufnahme oder Umwandlung behindern
Hi Ida und andere. Beide diese Gruppen haben häufig mit unterschwelligen aber chronischen und üblicherweise bis zur Obduktion oder einem ganz akut fulminantem Verlauf unerkannten Pilzinfektionen zu tun.
Cannabisblüten sind oft mit Sporen durchsetzt und einige akut verlaufende Fallberichte dazu sind in der medizinischen Literatur auffindbar. Das ist ein ausgewiesener Risikofaktor.
Für das Erwähnen einer bei Alkoholikern einhergehende Pilzbelastung wird man sehr wahrscheinlich zu 100% von Ärzten für absurd und verrückt erklärt. Aber deren häufige Involvierung beim z.B. Verlauf alkohol-assoziierter Lebererkrankungen ist zweiffellos da.
Cannabis ist da also der Ursächlichkeit zuzuschreiben, Alkoholkonsum dagegen der Immunschwächung und der Beanspruchung überlappender Entgiftungspfade. Die Immunität via 1,25-OH-D3 gegen Pilze ist stark eingeschränkt und kann hilflos ins Leere laufen, da Pilzspezies durch Abwehrmechanismen eine Phagozytose regelhaft überstehen und regelhaft auch zu groß für die Aufnahme sind.

Osteoblasten sind übrigend ein häufiger langfristiger Wirt für Pilze. Doppelt interessant hinsichtlich der mgl. prophylaktischen Wirkung von Bor gegen rheumat. Arthritis.
Die Symptome in der Brust als Beginn passen zum Eintrittstor inhalierter Sporen und was danach kommt zur körperweiten Streuung. Würde gezielt damit und im Fachbereich Infektiologie mit allen Schimmelpilzartigen die man sich per Inhalation einfangen kann ansetzen wie Aspergillus, Histoplasma, Blastomyces. Idioten gibt es überall: Dann Kopf hoch und weitergraben. Wer lebt, stört.
 
... Du hast doch sicher schon etliche Blutbilder aller Art machen lassen? Gab es dabei auffällige Werte?
- Welcher Wert ist z.B. für Vitamin B12 bestimmt worden?
- Wie sieht Dein Vitamin B6 aus?
- Wie ernährst Du Dich
- Weißt Du etwas von Allergien und /oder Unverträglichkeiten (Intoleranzen)?
- Gab es als Du 17 Jahre alt warst irgendwelche Veränderungen in Deinem Leben? - Das könnte ein Schulwechsel sein, ein Umzug, eine Wohnungsrenovierung, ein „markantes“ Ereignis ...
- Ist klar, daß Du in einer gesunden Wohnung lebst, ohne Wohngifte u.ä.?
- Bist Du evtl. elektrosmog-belastet?
- Hattest Du damals bis heute einen Unfall, bei dem die HWS geschädigt worden sein könnte?
- Hast Du Dich schon mit dem Krankheitsbild von MCS und CFS beschäftigt?
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Mit diesen Krankheitsbildern habe ich mich ehrlich gesagt bisher noch gar nicht beschäftigt. Allergien sind bei mir keine bekannt. Die normalen Blutbilder, die meine Ärzte über die Jahre immer wieder gemacht haben, waren meines Wissens auch unauffällig. Allerdings gehe ich davon aus, dass bei einem normalen Blutbild Sachen wie Vitamin B12, Vitamin D oder bestimmte andere Mangelwerte nicht automatisch mit untersucht werden. Das müsste ich also nochmal gezielt überprüfen lassen.
 
Cannabisblüten sind oft mit Sporen durchsetzt und einige akut verlaufende Fallberichte dazu sind in der medizinischen Literatur auffindbar. Das ist ein ausgewiesener Risikofaktor.

Das höre ich zum ersten Mal, aber es gibt mindestens einen Fallbericht:


Allerdings dürfte die Gefahr, sich in Deutschland mit kalifonischen Bodenpilzen zu infizieren, extrem gering sein. Sehr viel häufiger dürften unentdeckte Hefepilzinfektionen wegen schlechter Ernährung sein (-> zu viel Zucker).
 
Mit diesen Krankheitsbildern habe ich mich ehrlich gesagt bisher noch gar nicht beschäftigt. Allergien sind bei mir keine bekannt. Die normalen Blutbilder, die meine Ärzte über die Jahre immer wieder gemacht haben, waren meines Wissens auch unauffällig. Allerdings gehe ich davon aus, dass bei einem normalen Blutbild Sachen wie Vitamin B12, Vitamin D oder bestimmte andere Mangelwerte nicht automatisch mit untersucht werden. Das müsste ich also nochmal gezielt überprüfen lassen.

Das ist durchaus möglich, daß das noch nie untersucht wurde. Zu Vitamin B12 übrigens:

Erhält der Körper über Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente zu viel Vitamin B12, kann er damit in der Regel problemlos umgehen. Das Vitamin ist nämlich wasserlöslich. Der Körper kann deshalb einen Überschuss über die Nieren mit dem Urin ausscheiden.

Dementsprechend sind laut den Fachinformationen verschiedener Vitamin-B12-Medikamente keine Symptome einer Überdosierung bekannt.

Aus diesem Link:



Das könntest Du also ohne Blutuntersuchung mal eine Weile einnehmen, und schauen, wie es Dir bekommt, denn das kostet ja auch. Wenn Dir die Kosten egal sind, laß es halt mitbestimmen, was man weiß, weiß man. Und sicher ist sicher, das ist eh klar.

Vitamin D wäre allerdings gut, den aktuellen Wert zu kennen, um den Verlauf überprüfen zu können. Bei manchen steigt der Wert schlecht, schon deshalb sollte man den Verlauf wissen, um da gegebenenfalls dann reagieren zu können. Z. B., daß der Spiegel nicht ansteigt trotz Einnahme von Vitamin D. Was heißt, spätestens dann sollte man an weitere Cofaktoren denken. Unbedingt gleich dazunehmen Vitamin K2 und Magnesium! Damit es hoffentlich klappt sowie man sich nicht vielleicht weitere Probleme einhandelt (Kalzifizierungen nämlich).
 
Zuletzt bearbeitet:
Ärzte mit der Bezeichnung „... für funktionelle Medizin“ schauen sich die Hintergründe für bisher ungelöste Krankheitsbilder genauer an. Leider sind das meistens Privatärzte....

Was bedeutet „Funktionelle Medizin“?

Die „Funktionelle Medizin“ sieht den Körper als Ganzes und spürt die Wurzel der Erkrankung auf, setzt also bei deren Ursache an, anstatt bei der Behandlung der Symptome stehen zu bleiben.

Nährstoffmangel, Umweltbelastungen und Stress sowie durchlebte Traumata können, je nach individueller Konstitution, nur unterschiedlich vom Köper kompensiert werden. Ist das System der Kompensation erschöpft, kommt es zu chronischen Entzündungsreaktionen („Silent Inflammation“) und nicht selten zu einer Autoimmun-, Organ- oder Systemerkrankung.

Die „Funktionelle Medizin“ hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Vorgänge u.a. mit gründlicher Anamnese und speziellen Laboranalysen zu erkennen. Die Behandlung erfolgt mit Hilfe des Einsatzes orthomolekularer Substanzen, Darmsanierung und Immunstimulation. Wichtig dabei ist eine konsequente Lebensstiländerung (Ernährung, psychosoziale Aspekte und körperliches Training). Auf dieser Grundlage kann der Körper sich neu ausrichten und selber heilen. Das hierfür zugrundeliegende Wissen basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Kannst Du von den Fragen in #12 noch ein paar beantworten?

Grüsse,
Oregano
 
Kannst Du von den Fragen in #12 noch ein paar beantworten?

Sind doch fast alle bereits beantwortet. Schau mal z. B. in den Eingangsbeitrag, aber auch spätere.

Marv,

für den Fall, daß Du bisher kein K2 und Magnesium dazugenommen haben solltest:

In einem solchen Fall (heißt: bisher alleinige Vitaminn D Einnahme) kann es also zu sog. Kalzifizierungen kommen, was heißt, daß sich das Kalzium nicht dort, wo es soll, sondern woanders ablagert. Das ist erstens mal unerwünscht. Und zweitens, wenn man dann beginnt, Vitamin D jetzt mit K2 und Magnesium einzunehmen, wird dieses an unerwünschten Orten abgelagerte Kalzium gelöst. Das ist in größeren Mengen ebenfalls unerwünscht. Kann die sog. Hyperkalzämie auslösen. Das will man vermeiden, das Kalzium soll sich nur so nach und nach aus den unerwünschten Orten bewegen.

Soweit ich weiß, kann man das günstig beeinflussen, indem man K2 und vor allem Magnesium einige Zeit VOR Beginn der Vitamin D Therapie einnimmt, um diese Speicher erstmal aufzufüllen. Also vielleicht so ein oder zwei Wochen lang (oder sogar länger) ohne Vitamin D das K2 und Magnesium einnehmen.
Und dann nicht gleich soviel Vitamin D (also keine 40.000 I.E.), sondern kleinere Einheiten, vielleicht eine Woche lang 2000 I.E., dann 5000 I.E. und gut beobachten, wie es einem damit geht. Aber das ist jetzt keine Anleitung! Das sind nur meine laienhaften Überlegungen dazu.
Und ich bin leider auch nicht sicher, ob da jede Einzelheit auch wirklich richtig ist. Der Problemenkreis jedenfalls existiert.

Recherchiere das am besten mal nach, wie es sich genau verhält und man da am besten vorginge, ich habe jetzt nur aus der Erinnerung von irgendwann gesprochen und nicht nochmal nachgelesen. Und besprich das mit dem Arzt, sprich ihn auf diese Thematik an, wenn Du das Vitamin D untersuchen läßt. Vielleicht gibt es auch Sinn, den Kalziumspiegel gleich mitzumessen, damit man immerhin weiß, wo man startet, das vielleicht auch gleich erfragen. Das kostet glaube ich um nen Euro oder so extra oder ist sogar Kassenleistung.
 
Zuletzt bearbeitet:

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