Sehschärfe massiv schlechter, aber keine Ursache gefunden – wer kennt das?

  • Themenstarter Themenstarter Petey
  • Erstellt am Erstellt am
Themenstarter
Beitritt
27.05.26
Beiträge
2
Hallo zusammen,

ich wollte fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder noch Ideen hat, in welche Richtung man weiter schauen könnte.

Ich bin 40 Jahre alt. Bei mir hat sich der Visus CC über etwa 9 Jahre verschlechtert:
  • früher ca. 0,7 links / 0,8 rechts
  • aktuell ca. 0,2 links / 0,4 rechts
Beschwerden im Alltag:
  • Lesen anstrengend
  • Arbeiten am Monitor sehr belastend, auch mit Zoom
  • Gesichter auf Distanz (ca. 10 m) nicht mehr erkennbar
  • starke Lichtempfindlichkeit tagsüber auch bei wolkigem Wetter besser mit Sonnenbrille
Es wurden bereits viele Untersuchungen gemacht, alle ohne klaren Befund:
  • mehrere augenärztliche Untersuchungen
  • MRT unauffällig
  • VEP unauffällig
  • OCT unauffällig
  • Gesichtsfeld unauffällig
  • Refraktion/Pinhole
  • Hornhauttopographie
  • Fundusautofluoreszenz
Trotzdem bleibt die Sehschwäche subjektiv und objektiv bestehen.

Mich würde interessieren:
  • Hatte jemand ein ähnliches Problem trotz unauffälliger Diagnostik?
  • Gibt es Dinge, die euch im Alltag geholfen haben (Filtergläser, spezielle Monitore, Beleuchtung usw.)?
  • Habt ihr Ideen in welche Richtung man noch schauen sollte?
Ich bin inzwischen etwas ratlos, weil die Standarddiagnostik praktisch nichts zeigt, die Einschränkungen aber real da sind.
 
Neu hier? Dann ein herzliches Willkommen!
Du liest hier gerade eine Diskussion von Betroffenen – Menschen, die eigene Wege gehen und Erfahrungen teilen. Das kann am Anfang ungewohnt wirken: Jeder Verlauf, jede Geschichte ist anders.
Als Gast kannst du mitlesen und dich orientieren.
Als Mitglied kannst du Fragen stellen, antworten und dich aktiv einbringen.
Deine Wegweiser:
Ich war in einer Universitätsbelegklinik und auch in der Medizinischen Hochschule Hannover.
 
Mit Forumserfahrungen wird man da nicht weiterkommen. Ich habe Claude.ai (Opus 4.7) gefragt, denn für seltene Erkrankungen kann KI ein durchaus kompetenter Auskunftgeber sein, weil sie das Wissen der gesamten medizinischen Standard-Fachliteratur besitzt:

-----

Differentialdiagnostische Überlegungen bei progredientem Visusverlust mit unauffälliger Standarddiagnostik

Das beschriebene Bild ist klinisch herausfordernd: ein über fast eine Dekade progredienter, bilateraler Visusverlust bei einem 40-jährigen Patienten mit ausgeprägter Photophobie, jedoch unauffälligen Befunden in MRT, VEP, OCT, Gesichtsfeld, Topographie und Fundusautofluoreszenz. Diese Konstellation grenzt das differentialdiagnostische Spektrum bereits deutlich ein.

Was die unauffälligen Befunde nahelegen — und was nicht

Ein unauffälliges VEP macht eine relevante Optikusneuropathie (auch subklinisch) unwahrscheinlich, ebenso wie ausgeprägte retrochiasmale Pathologien. Ein normales OCT spricht gegen makuläre Strukturpathologien (Cone-Rod-Dystrophien im fortgeschrittenen Stadium, Stargardt mit RPE-Atrophie, makuläre Ödeme) und gegen eine signifikante Nervenfaserschicht-Atrophie. Eine unauffällige Fundusautofluoreszenz macht die meisten klassischen Makula- und retinalen Dystrophien mit RPE-Beteiligung unwahrscheinlich (Stargardt zeigt typischerweise Flecken; Zapfendystrophien einen Bullseye-Pattern). Ein normales Gesichtsfeld schließt Stangen-/Stäbchendystrophien mit peripherem Verlust und glaukomatöse Schäden weitgehend aus.

Trotzdem bleiben mehrere wichtige Diagnosen, die mit dieser Konstellation vereinbar sind — insbesondere weil die durchgeführten Tests bei einigen Erkrankungen in frühen oder atypischen Stadien normal sein können.

Differentialdiagnosen, die weiter aktiv abgeklärt werden sollten

Zapfendystrophie / okkulte Makuladystrophie (Miyake-Krankheit)

Dies ist eine der wichtigsten zu erwägenden Diagnosen. Eine okkulte Makuladystrophie verursacht klassischerweise bilateralen, progredienten zentralen Visusverlust mit Photophobie bei normalem Funduskopiebefund, normaler FAF, normalem Gesichtsfeld (oder nur diskreten zentralen Defekten) und kann auch beim OCT in frühen Stadien unauffällig sein — wobei sehr feine ellipsoidzone-Veränderungen oft erst bei hochauflösender OCT oder im Verlauf sichtbar werden. Eine reine Zapfendystrophie zeigt typischerweise ebenfalls Photophobie, Visusverlust und Farbsehstörungen, häufig bevor strukturelle Veränderungen sichtbar werden.

Hereditäre Optikusneuropathien (LHOH, autosomal-dominante Optikusatrophie)
Auch wenn das VEP unauffällig war: in milden oder atypischen Verläufen kann das VEP normal sein, insbesondere wenn die OCT-Messung der Nervenfaserschicht ebenfalls normal ist. Dominante Optikusatrophie (OPA1) beginnt typischerweise in der ersten oder zweiten Dekade, kann aber sehr langsam progredient sein.

Toxisch-nutritive Optikusneuropathie
Methanol, Ethambutol, Amiodaron, Tabak-Alkohol-Amblyopie, B12- und Folsäuremangel — alle können bilateralen, langsam progredienten Visusverlust verursachen. Anamnestisch wichtig.

Erworbene Ursachen
Schwermetallintoxikation (Blei, Quecksilber), chronische Mangelernährung, paraneoplastische Retinopathien (CAR, MAR — diese zeigen aber meist ausgeprägtere Symptome und schnellere Progression).

Diagnostisches Vorgehen — die nächsten Schritte

Der wichtigste nächste Schritt ist das Ganzfeld-Elektroretinogramm (Full-Field-ERG) und insbesondere das multifokale ERG (mfERG). Das mfERG ist hier zentral: bei okkulter Makuladystrophie und früher Zapfendystrophie ist es typischerweise pathologisch, während alle bisher durchgeführten Tests normal sein können. Es ist im Grunde die diagnostische Lücke, die noch zu schließen ist.

Ergänzend wäre sinnvoll:

  • Farbsehprüfung (Ishihara, idealerweise Farnsworth D-15 oder D-100): Eine erworbene Farbsinnstörung (besonders Rot-Grün-Achse) weist auf eine Zapfen- oder Optikusbeteiligung hin
  • Hochauflösende OCT mit Fokus auf die Ellipsoidzone und ggf. OCT-Angiographie zur Beurteilung der choriokapillären Perfusion
  • Adaptometrie / Dunkeladaptation zur Differenzierung Zapfen vs. Stäbchen
  • Elektrookulogramm (EOG) zur Beurteilung der RPE-Funktion
  • Humangenetische Beratung und Panel-Diagnostik für retinale Dystrophien und hereditäre Optikusneuropathien (mtDNA für LHON, OPA1, RP1L1 für okkulte Makuladystrophie u.v.m.) — bei einem 9-Jahres-Verlauf mit Beginn um das 30. Lebensjahr ist eine genetische Ursache plausibel
  • Labor: Vitamin B12, Folsäure, Homocystein, Schwermetalle, ggf. paraneoplastische Antikörper
  • Sorgfältige Medikamenten- und Expositionsanamnese

Klinischer Eindruck

Die Kombination aus progredientem bilateralem Zentralvisusverlust, ausgeprägter Photophobie, erhaltener peripherer Funktion und normaler Struktur in OCT und FAF passt am ehesten zu einer Zapfen- oder okkulten Makuladystrophie — und genau hier ist das multifokale ERG der entscheidende Test, der noch fehlt. Wenn das mfERG pathologisch ist, sollte eine genetische Abklärung folgen. Ist es normal, rückt eine hereditäre Optikusneuropathie (trotz normalem VEP) oder eine toxisch-nutritive Ursache stärker in den Vordergrund.

Eine Überweisung an ein spezialisiertes Zentrum für hereditäre Netzhauterkrankungen wäre an diesem Punkt sehr sinnvoll, da dort sowohl die elektrophysiologische als auch die genetische Abklärung gebündelt erfolgen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:

Willkommen bei Symptome.ch
Schön, dass du da bist.

Symptome.ch ist seit vielen Jahren eine der größten und aktivsten deutschsprachigen Gemeinschaften rund um Gesundheit, Naturheilkunde und alternative Therapien. Hier tauschen sich Menschen aus, die Ursachen verstehen, Zusammenhänge erkennen und eigenverantwortlich etwas für ihre Gesundheit tun wollen.

Als Gast kannst du viele Themen mitlesen und dich informieren. Wenn du selbst Fragen stellen, auf Beiträge antworten oder mehr Inhalte sehen möchtest, registriere dich kostenlos. Die Gemeinschaft lebt vom Austausch – und jedes neue Mitglied bringt wertvolle Erfahrungen mit. 🙂

Zurzeit aktive Besucher

Statistik des Forums

Themen
69.565
Beiträge
1.068.654
Mitglieder
53.398
Neuestes Mitglied
beachflagexpress
Zurück
Oben