Salutogenese/Resilienz – gesunde (eigene) Entwicklung – des Menschen

ory

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Salutogenese/Resilienz – gesunde (eigene) Entwicklung – des Menschen

In Eigenverantwortung die Gesundheit verwalten wenn es darum geht, die Gesundheit zu bewahren oder wieder zu erlangen ist sicherlich keine einfache Angelegenheit, wurde es doch größtenteils dem Gesundheitssystem überlassen uns weitgehend die eigene Verantwortung abzunehmen. Und das obwohl jeder von uns eine sogenannte innere Widerstandskraft hat, die es einfach endlich gilt wieder wach zurütteln um sicher zu gehen, das auch alles dem eigenen Körper gemäß geschieht.

Das Gesundheitsverhalten in Eigenverantwortung wieder aufzunehmen ist – die Fähigkeit zur Resilienz. Nur ist oftmals diese Fähigkeit in uns eingeschlafen, wir haben es schlicht und einfach verlernt, gesundheitliche Verantwortung weitgehend zu übernehmen. ….anstatt durch eigene Beobachtungen in Prävention zu handeln.

In der jetzigen Zeit ist es aber Aufgabe eines jeden einzelnen sich wieder voll auf sich zu besinnen und Gesundheitsmeinungen/Vorschläge einfach auch mehrfach mal zu hinterfragen, nicht alles was an Prävention und Gesundheitsvorsorge vorgeschlagen wird ist gerechtfertigt um jeden einzelnen dazu zu verpflichten.

Auch wenn eigenverantwortliches Gesundheitsverhalten lange Zeit nicht beachtet wurde, auch weil wir dahingehend ja regelrecht „verwöhnt“ wurden, verlangen es die jetzigen Umstände, uns wieder auf uns selber voll und ganz zu konzentrieren. Denn reflektiert oder nicht reflektiert sind wir bereits durch unsere Denkansätze in der Medizin beteiligt an der Schaffung von Versorgungswirklichkeiten.

Eine Studie hat belegt, dass unsere Gesundheit zu etwa 37% vom Lebensstil abhängt. 29% machen die Erbanlagen aus, wobei auch hier die Lebensweise darüber entscheidet, ob die Erbanlagen auch wirklich zum Tragen kommen oder nicht. 24% unserer Gesundheit verdanken wir der Umwelt und nur 10% der kurativen Medizin.

Oftmals sind gerade Krisen dazu geschaffen sich wieder auf die Eigenverantwortung zu konzentrieren; Möchte man ein selbstbestimmtes und bewusstes Leben führen, gilt es vor allem eins zu erkennen, das man nur selber für sein Wohlbefinden, sein Glück, seine Erfolge und sein Lebensstil verantwortlich ist“. … Oftmals aber reagieren/handeln wir erst wenn wir mitten in einer Krise stecken und das löst dann bei vielen Menschen Widerstand oder Ängste aus.

"Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden."

Die Verantwortung, Handeln/oder nicht Handeln, das Denken, die Gefühle, Bedürfnisse, Ängste und Sorgen, Gesundheit und auch Krankheit in der eigenen (mit)Verantwortung zu nehmen ist geschaffen für Salutogenese und Resilienz.

Recht nah verwandt sind die Begriffe „Salutogenese“ und „Resilienz“ und werden auch oftmals in einem einzigen Zusammenhang genannt. Mit dem Begriff „Salutogenese“ meint man nicht nur die Widerstandsfähigkeit gegen Gesundheit/Stress, sondern auch wie sich Menschen gesund entwickeln könn(t)en.

Manchen Menschen liegt es einfach sich gegen Druck und Stress zur Wehr zusetzen ohne dabei einen Schaden zu nehmen. Sie wissen einfach, wie sie mit sich umzugehen haben, haben einen Riecher aus jeglicher Stresssituation das Beste für sich rauszuholen…..das finde ich einfach nur nachahmenswert.

Es ist als gesund zu sehen, wenn Menschen resilient gegen schlechte äußere Bedingungen sind. Wenn eigene Resilienz still in uns schläft und nun wieder gestärkt werden soll, ist dies bestenfalls über Beobachtung resilienten Menschen anzuraten, da dann immer gleich auch ein Beispiel mit überliefert wird/vorliegt.

Warum also nicht mal über den Tellerrand schauen? Neue Impulse und Konzepte schaffen einem immer die Möglichkeit einer Verbesserung des eigenen Lebens.

Selbstverantwortung übernehmen, für die eigenen Fehler Verantwortung übernehmen, all das gehört zur Salutogenese und Resilienz , auf diesem Weg ist nicht nur dem Einzelnen geholfen, sondern auch der Gesellschaft, denn im Einklang mit sich selbst zu sein und Verantwortung für sich übernehmen, schafft einen achtsamen Umgang mit der eigenen Gesundheit.

Gruß ory
 

Kate

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Hallo zusammen,

hier zwei Threads aus einer anderen Rubrik unseres Forums, in denen teils schon lebhaft zum Thema Resilienz diskutiert wurde:


Nur, falls jemand dort mal reinschauen möchte...

Ein interessanter Gedanke aus den Threads kann hier weiter verfolgt werden:

Gruß
Kate
 
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05.04.08
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Hier wird kurz erklärt, was Salutogenese ist:

Gut erklärt danke.

Ich frage mich bei all diesen Dingen, wie effektiv ist das in wirklich schwierigen Situationen, bzw. wie erfaßbar und umsetzbar.

Das erinnert mich an meine Zeit inmitten meiner 4 Kleinkinder, die kurz hintereinander geboren wurden. Ich hatte kaum Zeit für mich, war nur noch gestresst und habe nur noch irgendwie funktioniert. Als ich dann zufällig über einen Artikel stieß, wie man Kinder sinnvoll erziehen sollte, habe ich nur laut rausgelacht und dachte, sowas funktioniert auch nur, wenn man ausgeruht und ungestresst ist oder nur ein Kind hat. Und daran verzweifeln schon manche Gemüter.

Ich hab sie dann vorm Fernseher geparkt, um wenigsten Mal einige Minuten Auszeit zu bekommen.

Ohne Hilfe und in Extremsituationen halte ich das nicht für umsetzbar.
 
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18.03.16
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Wie schon bei Kublinski fehlt auch bei diesem Gesundheitskonzept die Bewegung völlig. Meine Erfahrung dagegen ist, dass mich nichts so beruhigt wie regelmäßige Bewegung. Mein Krafttraining hat nicht nur meinen Körper widerstandsfähiger gemacht, sondern auch meinen Geist. Resilienz ist aus meiner Sicht also auch eine Körperfunktion.
 

ory

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Wie schon bei Kublinski fehlt auch bei diesem Gesundheitskonzept die Bewegung völlig.
Vielleicht kann/sollte man die Salutogenese nicht als Gesundheitskonzept sehen wie wir diese kennen.
Denn der Medizinsoziologe und Stressforscher Antonovsky stellte sich damals eine entscheidende Frage:
Wie kommt es das manche Menschen in Krisensituationen eine gute psychische Gesundheit behalten? Warum bleiben manche Menschen gesund?
Wie gelingt es, sich von schwerer Krankheit zu erholen?
Wie wird ein Mensch mehr gesund und weniger krank?
Trotz nachgewiesenem Risiko stirbt ja bekanntlich nicht jeder Raucher an Lungenkrebs und nicht jeder Übergewichtige an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was hat, so die Frage, diese Menschen „wie ein Fels in der Brandung“ nahezu unversehrt gehalten?

Mehr Info zu dem Thema: http://kurse.fh-regensburg.de/kurs_20/kursdateien/L/SalutogeneseBZgA.pdf

Gruß ory
 

Kate

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Hallo MaxJoy
Wie schon bei Kublinski fehlt auch bei diesem Gesundheitskonzept die Bewegung völlig.
Falls Du Herrn Dr. Kuklinski meinen solltest, ist das nicht richtig. Mir und anderen Patienten gegenüber hat er mindestens 30 Minuten Walken/schnelles Gehen täglich als Grundbaustein seines Behandlungskonzeptes dargestellt (ich meine, Radfahren in aufrechter Haltung und Nicht-Brust-Schwimmen standen noch zur Auswahl; diese hat etwas damit zu tun, dass viele seiner Patienten Probleme mit HWS/Kopfgelenk haben). Und ich meine, das steht auch so in einigen seiner Bücher (ist länger her, dass ich sie las).

Das habe ich in üblen, länger andauernden Stresssituationen durchgezogen und kann Deine Erfahrung
.... dass mich nichts so beruhigt wie regelmäßige Bewegung.
... absolut bestätigen.
Mein Krafttraining hat nicht nur meinen Körper widerstandsfähiger gemacht, sondern auch meinen Geist. Resilienz ist aus meiner Sicht also auch eine Körperfunktion.
Das sehe ich genauso. Ein Psychologe(!) aus meinem Umfeld hat mal gesagt, die körperliche Ebene sei noch grundlegender als die "psychische". Scheint mir letztlich evident, denn wenn man bspw. nichts isst, stirbt man, und ohne Schlaf geht's auch schnell den Bach runter mit einem (nach 3 Nächten ohne Schlaf kann schon eine runtergefallene Kaffeetasse einen Tränenausbruch auslösen). Ab einem gewissen körperlichen Misszustand geht garnichts mehr, auch wenn man "psychisch" gut drauf ist. Bewegung fördert aber z.B. Nervenberuhigung und Schlaf, stärkt Immunsystem und Kreislauf, wirkt muskulären Disbalancen entgegen (die zu Schmerzen u.a. führen können).

Das Immunsystem wird übrigens in dem von Dir verlinkten Salutogenese-Erklärvideo ((y)) auch als Ressource genannt.

Gruß
Kate
 
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Hallo Kate,

du hast recht, Kuklinski sollte es heißen. Schön, dass er seine Patienten aufklärt und auch in seinen Büchern Bewegung schon mal erwähnt hat. :cool:

Das Grundproblem ist, dass jede medizinische Disziplin ihre eigenen Schwerpunkte als die allerwichtigsten ansieht, so entsteht manche Übertreibung und Verzerrung, und der Blick auf das Wesentliche kann verloren gehen.

Viele Grüße! :)
 
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Eine Studie hat belegt, dass unsere Gesundheit zu etwa 37% vom Lebensstil abhängt. 29% machen die Erbanlagen aus, wobei auch hier die Lebensweise darüber entscheidet, ob die Erbanlagen auch wirklich zum Tragen kommen oder nicht
ja, mit gesunder ernährung und lebensweise kann man sehr dazu beitragen, daß man gesund bleibt bzw. es wieder wird.

aber auch resilienz usw. kann man zu einem sehr großen teil selbst beeinflussen.


Trotz nachgewiesenem Risiko stirbt ja bekanntlich nicht jeder Raucher an Lungenkrebs
genau, viele sterben auch an herzerkrankungen, kehlkopfkrebs usw.

der lange-leben-trotz-rauchen-vorzeige-promi helmut schmidt ist auch nur dank einiger bypässe so alt geworden.


lg
sunny
 

Kate

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Hallo MaxJoy
...und auch in seinen Büchern Bewegung schon mal erwähnt hat. :cool:
Das habe ich so nicht gesagt und nicht gemeint und gehe davon aus, dass Du das ganz genau weißt ;)

Habe eben mal geblättert: In Kuklinskis Buch "Mitochondrientherapie - die Altenative" kommt im Abschnitt "Mt-Therapie" (Mt: Abk. für Mitochondrien) gleich nach der Ernährung als Punkt 2. die "Körperliche Aktivität". Daraus zitiere ich nur mal einiges (es sind insgesamt knappe 2 Seiten in einem größeren Taschenbuch, eine knappe halbe Seite am Schluss geht auf spezielle Aspekte bei HWS-Schäden ein):
Täglich 30 Minuten flottes Gehen, Quigong, Yoga, ..., solche Bewegungsarten, die zusätzlich Koordination, Gleichgewicht und Kraft trainieren, schonen die Mt und regen sie zu Regeneration an. (...) Außerdem senkt maßvolle(!) Bewegung den Stresslevel, beruhigt die Entzündungsneigung des Körpers und verlängert das Leben, das hat die Wissenschaft inzwischen klar belegen können. (...) Der Mensch braucht unbedingt tägliche Muskelbelastungen, aber er ist kein Renntier! Kein Tier rennt ohne Grund! Ein guter Tipp: Hören Sie auf Ihren Körper, ... Suchen Sie sich eine Bewegungsart, die Sie gerne machen. (...) Oder bauen Sie sich Ihre Bewegung sinnvoll in den Alltag ein. (..) Oder besorgen Sie sich einen Hometrainer, den Sie entsprechend täglich nutzen können, bei geöffnetem Fenster natürlich. Und wenn das alles nicht geht, machen Sie wenigstens ein paar gymnastische Übungen auf dem Wohnzimmerteppich, auch das kann helfen ...
Hier in der Rubrik ist sicherlich besonders der "Stresslevel" relevant, und nach den neuereren Erkenntnissen der PNEI die Entzündungsneigung, die auch auf die "Psyche" einen Einfluss hat (Entzündungen können bspw. Depression fördern und das hilft sicherlich garnicht bei Resilienz-/Entwicklung).

Gruß 🚶‍♀️ 🚴‍♂️ 🌄
Kate
 
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Danke, dass du dir die Mühe gemacht hast. Damit wäre die Ehre von Herrn Kuklinski vollständig wiederhergestellt. (y)
 
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10.01.04
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....
Die Säulen der Resilienz
Wichtige Grundpfeiler der Resilienz sind:
  • Akzeptanz
  • Optimismus
  • Selbstwirksamkeit (Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit)
  • Verantwortung tragen
  • Networking (ein Beziehungsnetz aktiv aufbauen und erweitern)
  • Zukunftsplanung
  • Orientierung an Lösungen
Resilient zu sein heißt allerdings nicht, dem Leben ständig mit einem Lächeln zu begegnen. Der bewusste Umgang mit den unterschiedlichsten Emotionen (ob Freude, Wut oder Trauer) gehört zu einem gesunden Seelenleben.
...
Doch niemand hat Resilienz auf Lebenszeit für sich gepachtet. Manchmal muss sie neu „erarbeitet“ werden, z.B. nach schweren Krisen oder seelischen Traumata. Mit der seelischen Gesundheit ist es wie mit der körperlichen: Sie möchte stetig gepflegt und erhalten werden.

EU-Projekt zum Thema Resilienz (http://www.resilience-project.eu):
Auf Initiative des Vereins Blickpunkt Identität wurde ein EU-Projekt zum Thema Resilienz ins Leben gerufen, gefördert aus Mitteln des Fonds Gesundes Österreich und koordiniert vom Verein Blickpunkt Identität mit Projektpartner Meduni Wien. Einzelne Personen oder Gruppen sollen ihre seelische Widerstandskraft entdecken, ausbauen und nutzen. Vor allem Multiplikatorinnen/Multiplikatoren sollen in ihrer Arbeit unterstützt werden (vorranging in der Erwachsenenbildung oder Organisationsentwicklung, aber auch etwa (Gesundheitspsychologinnen/Gesundheitspsychologen oder Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten). Auf der Internet-Plattform www.resilience-project.eu stehen verschiedene Downloads zur Verfügung.
tippMittels eines eigens entwickelten Online-Games kann zudem jede/jeder spielerisch Resilienz-Know-how erwerben.
...

Die Resilienz wird sich - denke ich - vor allem bei den Menschen leicht einstellen und erhalten, die von Kindheit an ein gesundes Selbstvertrauen hatten und die die Möglichkeit hatten, dieses zu erhalten und auszubauen. Es ist wie so oft auch hier so: wenn die Erfahrung gemacht wird, daß man fähig ist, Situationen zu meistern, gelingt das immer besser.
Hat man gegenteilige Erfahrungen gemacht, gelingt es eher schlechter oder gar nicht. Aus dieser festgefahrenen Haltung/Einstellung heraus zu kommen, ist der erste und wichtigste Schritt zu einer anhaltenden Resilienz.

Grüsse,
Oregano
 

ory

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04.02.09
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Mit der seelischen Gesundheit ist es wie mit der körperlichen: Sie möchte stetig gepflegt und erhalten werden.
Ich glaube/denke das ist der Punkt der oftmals einfach vergessen -nicht beachtet- einfach zur Seite geschoben wird.
Aber das ohne seelische Gesundheit gar keine wirkliche Gesundheit möglich ist, ist gerade jetzt durch die Corona-Krise sichtbar/spürbar: Hier nun seelische Widerstandskraft (Resilienz) trotz genügend Selbstvertrauen, hervor zu holen um negativen Einflüssen stand zu halten, empfinde ich wahnsinnig schwer.

Eine Theorie muss nicht aus der Erfahrung abgeleitet werden,
aber sie muss sich in der Erfahrungswelt bewähren.
Gruß ory
 
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10.01.04
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...
Der Wechsel zwischen Gesundheit und Krankheit wird als notwendiger Normalzustand betrachtet. Denn Fakt ist: Im Leben ist nicht alles planbar, berechenbar und sicher. Gerade deshalb ist es wichtig zu lernen, sich auf Herausforderungen einzulassen und mit diesen konstruktiv umzugehen. Das gilt auf der seelischen Ebene ebenso wie für unser Immunsystem.

Salutogenese – was hält den Menschen gesund?
Es reicht also nicht, schwierigen Lebensprozessen oder Krankheitserregern aus dem Weg zu gehen. Oft genug ist das auch schlichtweg nicht möglich. Im Gegenteil, gute Abwehrkräfte und geistige Stabilität gewinnen wir gerade durch die Auseinandersetzung mit dem allgegenwärtigen Fremden, mit Konflikten und Stressfaktoren. Sie helfen uns, die Grenzen unserer seelischen und körperlichen Belastbarkeit kennenzulernen und auszudehnen.

Anstelle einer Wunderwaffe gegen Krankheit müssen wir nach Quellen suchen, die eine aktive Anpassung unseres Organismus an die Herausforderungen der Umwelt fördern. Leben, Lernen und Wachstum können nicht ohne aktive Anstrengung und Auseinandersetzung vollzogen werden. Und tatsächlich kann man sogar soweit gehen zu sagen, dass Stress und schädliche Umweltreize uns Menschen bis zu einem gewissen Grad nützen für eine Entwicklung in Richtung körperlicher Gesundheit und persönlicher Reife. Diese Hypothese wurde schon von Paracelsus (1493-1541) formuliert, dass allein die Dosis entscheidet, ob etwas Gift oder Medizin sei. Bestätigt wird das in aktuellen Untersuchungen zum Prinzip der Widerstandskraft, auch Hormesis genannt.

Salutogenese und Pathogenese – zwei Seiten der Medaille
Somit ist die Salutogenese ein Gegenstück zur Pathogenese, welche die Entstehung von Krankheit beschreibt. Entsprechend der „Fluss-abwärts-Perspektive“ versucht die konventionelle Medizin, Ertrinkende aus einem reißenden Fluss zu bergen, so beschreibt es der Soziologe Aaron Antonovsky. Dieser Aufgabe zugetan, werden Augen und Bewusstsein niemals auf das gerichtet, was stromaufwärts passiert – darauf, wer oder was all die Menschen in den Fluss stößt.

Dieses Bild soll Ihnen im Folgenden helfen, die konventionelle Pathogenese, also die Frage „Was hilft im Falle von Krankheit?“ von der Salutogenese im Sinne von „Was können wir tun, um gar nicht erst in den reißenden Strom zu fallen?“ leichter zu unterschieden.
...

Mehr zu Hormesis:

Mehr zu Abraham Maslow:

Diese "Gleichmütigkeit /Gelassenheit" in Bezug auf Krankheitszeiten und Gesundheitszeiten ist sicherlich erstrebenswert und mit einem guten Start ins Leben verbunden.
Diese Balance ist dann schwer zu halten, wenn einer der beiden "Zustände" über längere Zeit überwiegt und der Gleichmut nicht zu halten ist sondern mit Angst gepaart ist.

Eine extreme Situation scheint mir da z.B. die Lage der Insassen von KZs zu sein: Krankheit bedeutete dort Nichtarbeitsfähigkeit und damit den Tod. Was für eine miserable Voraussetzung für Zuversicht und Gelassenheit!
Wenn man dann noch die Erkenntnis mit einbezieht, daß solche Topstress-Situationen sich einprägen und weiter gegeben werden ...

Grüsse,
Oregano
 
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12.10.18
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aber auch da gab es ausnahmen, die es nicht nur überlebt haben (teils bis vor wenigen jahren), sondern so, daß sie dann ein normales leben hatten.

ebenso das :
"während an der Spitze das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung steht, das aber erst dann verwirklicht werden kann, wenn alle grundlegenderen Bedürfnisse befriedigt worden sind"

bestes beispiel ist da stephen hawking, der sogar als er schon komplett gelähmt war und nicht mehr sprechen konnte, noch an der uni unterrichtet hat (mit sprachcomputer) und alles andere als depri war.


lg
sunny
 
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12.10.18
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die WAS nicht nur überlebt haben...?

das kz.

beim versuch mich kurz zu fassen, hab ich das vergessen, aber da es ja direkt nach deinem beitrag steht, war es doch eigentlich klar.


Ausnahmen von was?
das steht aber doch da

"während an der Spitze das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung steht, das aber erst dann verwirklicht werden kann, wenn alle grundlegenderen Bedürfnisse befriedigt worden sind"

stephen hawking konnte seine grundlegenden bedürfnisse nicht befriedigen, das hat ihn aber nicht an der selbstverwirklichung gehindert.

es gibt auch noch andere beispiele (die für mich früher teils auch vorbild waren), aber mein gedächtnis ist noch nicht wieder ok.


lg
sunny
 
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17.10.18
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Hallo,

sonny schreibt: „stephen hawking konnte seine grundlegenden bedürfnisse nicht befriedigen, das hat ihn aber nicht an der selbstverwirklichung gehindert.“
Diese Sichtweise ist ziemlich oberflächlich und dadurch falsch.

„Physiologische Bedürfnisse: Die wichtigsten sind Hunger, Durst und Sexualität. Wenn diese konstant befriedigt werden verlieren sie an Bedeutung.“
Diese Bedürfnisse waren durchaus befriedigt. S. Hawking konnte nicht selbst um sich sorgen, dafür haben das entsprechende Personal und seine Frauen schon gesorgt. Nur mit Sexualität ist es nicht klar.

„Zugehörigkeits- und Liebesbedürfnisse: Ergebnisse soziologischer Studien bestätigen die negativen Auswirkungen von Entwurzelung aus Bezugsgruppen (Wegzug der Familie in einen anderen Ort; Auflösung der Familie z.B. durch Scheidung Emigration, Aussiedler) “
Mit diesen Bedürfnissen hatte Hawking auch keine Probleme.
„Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis: Das Bedürfnis umfaßt zum einen den Wunsch nach Stärke, Leistung und Kompetenz, zum anderen das Bedürfnis nach Prestige, Status, Ruhm und Macht. Darauf gründet sich das Selbstwertgefühl eines Menschen.“
Also, das Bedürfnis nach Prestige, Status und Ruhm usw. waren meiner Meinung nach mehr als befriedigt.

„Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (Wachstumsbedürfnis, Selbstaktualisierung)“
Das ist der krönende Abschluss: Selbstverwirklichung. Die ganze Pyramide wurde damit bestätigt. Dein Beispiel, sonny, ist falsch. Wenn S. Hawkins Leben als Beispiel dienen kann, dann als die Bestätigung für diese Pyramide. Bei einer körperlichen Behinderung ist genau das ein Problem: einfach das tägliches Leben zu meistern. Verwirklichen können sich nur diejenigen, die sich den Luxus leisten können, von anderen Menschen umsorgt zu werden. S. Hawking hatte diesen Luxus.

Grüße, Panacea.
 
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10.01.04
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Hallo sunny,

ja, es gab Häftlinge in den einzelnen KZs, die überlebt haben. Um es mit Karl Valentin zu sagen: "Leben scho, aber wie?" (Zitat aus dem Spritzbrunnenaufdreher).
Viele ehemalige KZler sind nie wieder wirklich gesund geworden, viele sind an den Folgen ihres Kz-Aufenthalts später gestorben. Viele haben lebenslänglich verdrängt, was sie dort und vorher schon erlebt haben.
Und wie schon gesagt: wenn es so ist, daß traumatische Erlebnisse gespeichert und genetisch weiter gegeben werden bis in nächste Generationen, sogar ohne daß diese von den Kz-Erlebnissen wissen, ist das eine langanhaltende Wirkung.
Abgesehen vom Danach des Kz: Schon allein die Angst davor war doch schon grausam.


Steven Hawkins als Beispiel finde ich auch etwas mißlungen. Trotz seiner massiven körperlichen Behinderung hatte er doch immerhin durch seine Intelligenz und seine dadurch großen Möglichkeiten, sich Hilfe zu suchen, eine Ausnahmestellung.

Grüsse,
Oregano
 
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12.10.18
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Abgesehen vom Danach des Kz: Schon allein die Angst davor war doch schon grausam.
ja, das war alles ganz fürchterlich.

aber umso wichtiger ist es, daß es auch überlebende gab und dabei durchaus auch solche, die es soweit verarbeitet oder sonstwie im griff hatten, daß sie davon berichten konnten.
es würde sonst mit sicherheit noch viel mehr holocaust-leugner geben als so schon.

der umgang mit und die folgen von schlimmen traumen sind bei jedem anders, wie ja auch der umgang mit schlimmen krankheiten usw. (es gibt auch intelligente, die nur rumjammern und sich pflegen lassen statt selbst irgendwas zu tun).

stephen hawking ist keineswegs eine ausnahme, nur halt bekannter als tausende andere.

ich hätte auch ganz normale leute als beispiel nehmen können, die weder geld noch hilfe hatten, die meisten auch keinen mehr als normalen iq und die trotz schlimmer krankheiten und schmerzen usw. auch im rentenalter noch gearbeitet haben, weil sie wegen krieg und/oder schweren krankheiten nur eine mikrorente hatten und die sich nebenbei auch noch um menschen gekümmert haben, die hilfe brauchten.

es war für sie alles andere als einfach, hat aber letztendlich nicht nur vielen anderen geholfen, sondern auch ihr eigenes leben bereichert.

mit erinnerungen, nicht mit geld oder hilfe o.ä.
daß sie das brauchten, wußte keiner.
da sie trotz allem immer auch noch anderen geholfen und nie gesagt haben, daß sie z.b. starke schmerzen haben und zu wenig geld usw., kam niemand auf die idee, daß sie hilfe brauchen. wollten sie auch nicht.

oder auch patienten, die krebs im endstadium hatten als sie damals in die praxis kamen und denen in der uni usw. gesagt worden war, daß sie nur noch wenige wochen zu leben hätten, einer sogar nur 3 tage, weil der mageneingang zu war und die den ärzten einfach nicht geglaubt haben und dann mit hilfe des hom. arztes viel dafür getan haben soweit möglich wieder gesund zu werden (ganz ging nicht, dazu war es viel zu weit fortgeschritten und organe teils schon weitgehend zerstört usw., das ging nur bei denen, die etwas früher kamen) und die alle sehr viel länger gelebt haben als zu erwarten war und in der zeit auch noch viel positives erlebt haben usw. usw.

aber dann hättet ihr evtl. gesagt, daß die ja wahrscheinlich garnicht so schlimm krank waren usw. usw. usw.



lg
sunny
 
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