Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie im TV (30.01., 21 Uhr, 3SAT)

Kate

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16.11.04
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Hallo zusammen,

wieder mal eine Scobel-Sendung, die ein für diese Rubrik interessantes Thema bringt:

'Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper', hieß es bereits im alten Rom. Und die Römer hatten recht: Mit Hilfe der relativ jungen Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie konnte erstmals nachgewiesen werden, dass akute psychische Belastungen die Immunfunktion im Körper beeinträchtigen, (...). (...)
Die Entdeckung, dass körperliche, psychische und geistige Prozesse untereinander stark vernetzt sind, eröffnet neue Möglichkeiten der Behandlung. Daher verwendet die Psychoneuroimmunologie unterschiedliche therapeutische Ansätze, die den Wechselwirkungen zwischen den Systemen Rechnung tragen und auch auf das Individuum eingehen. Zunehmend wichtig werden dabei auch soziale Beziehungen, (...). (...)

Gäste: Prof. Christian Schubert (Arzt, Psychologe, Innsbruck), Wolfgang Maly (Heilpraktiker, München), Dr. Samia Little-Elk (Fachärztin für psychosomatische Medizin, Berlin)
scobel - Diskussion - TV Programm von TV Today - TV Today (Hervorhebung von mir)

Ich hoffe, dass gemäß der Beschreibung, in der die Worte "vernetzt" und "Wechselwirkung" fallen, nicht - wie so oft - einseitig die psycho-->somatische Richtung betrachtet wird.

Der Wortteil "-endokrino-" fehlt in der Beschreibung, ich habe ihn trotzdem in der Thread-Überschrift dazu genommen, da auch dieser Bereich zur Betrachtung gehört.

Ab 20:15 Uhr läuft auf dem gleichen Sender eine impfkritische Sendung (die erste zu dem Thema, die ich im normalen TV entdeckt habe bisher).

Gruß
Kate
 
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Auch diese Sendung steht noch eine Weile (wohl eine Woche) in der Mediathek bereit: 3sat.online - Mediathek: Heile Dich selbst!

Ich habe bisher erst ca. 20 Minuten angeschaut. Es hat sich bestätigt, dass diese Forschungsrichtung wohl teilweise so aufgefasst wird, dass sie eine Art Konkretisierung der Psychosomatik darstellt (bisher nur aus der Erfahrung bekannte Wirkungen der "Psyche" auf den Körper werden physiologisch begründet, mithilfe u.a. moderner Laborparameter). Am Rande werden beispielhaft auch Wirkzusammenhänge in der umgekehrten Richtung dargestellt (Patienten werden nach einem Herzinfakt depressiv, obwohl sie es recht gut überstanden haben und eigentlich auch eher optimistische Menschen sind).

Mal sehen, was die restlichen ca. 40 Minuten noch bringen...

Gruß
Kate
 
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Hallo Kate,

ich habe die Sendung gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt. Am besten gefallen hat mir der Herr Maly, der Meditationslehrer. Die Informationen über ihn sind allerdings sehr verschieden. - Was mich an seiner Art der Meditation stört, ist, daß man einen Partner bei der Meditation mit Handauflegen haben soll. Was machen dann die, die niemanden haben, der mitgehen kann bzw. der zu Hause mit macht?

Was mir gefehlt hat, waren wirklich praktische Tipps, was der einzelne Kranke selbst tun kann, um Körper und Geist ins Lot zu bringen.

Es wird in der Sendung ja gesagt, daß angeblich in den USA es schon selbstverständlich sei, daß Patienten viele verschiedene Heilungsmöglichkeiten angeboten werden. - Bei uns ist das nicht so, und ich denke, daß das ein schwieriges Thema ist, weil es dabei auch um Geld, Krankenkassen usw. geht.

Schön sind natürlich die Beispiele der geheilen Frauen!

Grüsse,
Oregano
 
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Hallo Oregano
...war nicht sonderlich beeindruckt.
Ich war teilweise schon "beeindruckt"... da physiologische Details genannt wurden, die ich noch nicht wusste ;): Dass z.B. Krebszellen Rezeptoren für Neurotransmitter besitzen (und umgekehrt - siehe: 3sat.de/page/?source=/programm/archiv/20140130.html) und sehr sensibel auf das reagieren, was da andockt - in meinen Worten formuliert und vorbehaltlich meines korrekten Verständnisses. Es klang für mich, als wenn dies auch schon recht gut belegt sei.

Und dies:
Bei chronischem Stress gerät zu viel Cortisol ins Blut. Das Stresshormon dämpft dauerhaft die Immunabwehr und bringt sie aus dem Gleichgewicht. Dabei wird je nach Krankheitserreger entweder eine zelluläre oder eine humorale Abwehr aktiviert. Die zelluläre Abwehr bekämpft Viren und Krebszellen, die humorale dagegen Bakterien, die durch Wunden in den Organismus eindringen. Die Überproduktion an Cortisol verschiebt das Gleichgewicht von zellulärer und humoraler Abwehr. Die zelluläre Abwehr wird geschwächt, die humorale verstärkt. In der Folge werden wir anfälliger für Virusinfektionen wie Grippe oder Herpes (oder Krebs, Anm. Kate).

Gleichzeitig wird die Produktion von Antikörpern hochgefahren. Das macht uns anfälliger für Allergien und zahlreiche Hauterkrankungen wie etwa Neurodermitis. Auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma gehören in diesen Zusammenhang. (...) Viele werden schon vor der Geburt angelegt. Stressbelastete Mütter geben ihr Cortisol an den Fötus weiter und gefährden dessen Immunsystem. Auch eine belastende Kindheit hat Auswirkungen. So können traumatische Erfahrungen im Kindesalter die Ursache für rheumatische Erkrankungen bei Erwachsenen sein.
3sat.de/page/?source=/programm/archiv/20140130.html

Ich wusste bislang nicht (oder habe es wieder vergessen), dass hier das Cortisol der vermittelnde Stoff ist. Wir haben zu diesem Thema in der Nachbarrubrik übrigens einen Thread: https://www.symptome.ch/threads/nitrosativer-stress-und-th1-th2-shift.41851/.

Was mich an seiner Art der Meditation stört, ist, daß man einen Partner bei der Meditation mit Handauflegen haben soll. Was machen dann die, die niemanden haben, der mitgehen kann bzw. der zu Hause mit macht?
Das fiel mir auch sofort auf... in einer Welt, wo ein sehr großer Teil der Menschen als Single lebt (vielleicht zwar mal verheiratet war, erwachsene Kinder hat, o.ä., aber eben niemand, der aktuell regelmäßig zur Verfügung steht für so eine Aktion).

Was mir gefehlt hat, waren wirklich praktische Tipps, was der einzelne Kranke selbst tun kann, um Körper und Geist ins Lot zu bringen.
Die brachte Christian Schubert am Schluss und stehen wohl auch in seinem Buch: Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie: Mit Geleitworten von Joel E. Dimsdale und Gerhard Schüßler

Da dachte ich allerdings: Das ja reichlich hochgegriffen, wer schafft das schon... Aber vielleicht ist ja der Weg das Ziel. Falls Du mit "wirklich praktisch" allerdings Handlungsanleitungen meinst im Sinne von: "Wie optimiert man sein soziales Netz - 1. ... 2. ..., 3. ...", dann gebe ich Dir recht. Ein paar allgemeinere Hinweise gab es zwar, aber keine Schritt-für-Schritt-Anleitung oder Zauberformel. Allerdings scheint es mir auch vage, inwieweit sich da etwas gut verallgemeinern lässt. Mir ist schon vor längerer Zeit bei Gesprächen mit Menschen aufgefallen, dass z.B. mit Freundschaft ganz unterschiedliche Arten von Beziehungen bezeichnet werden bzw. dass die Wünsche an zwischenmenschliche Beziehungen sehr verschieden sein können.

Nach wie vor etwas unklar bleibt für mich der dort verwendete Begriff PNI (Psychoneuroimmunologie) - geht es da um Wechselwirkungen oder wird doch eine Kausalrichtung betont? Dies bleibt auch in der Buchbeschreibung bei Amazon (Hervorhebungen von mir) etwas unklar:
Ist aber auf dieser Basis eine gezielte Beeinflussung der Immunaktivität durch psychologische und psychotherapeutische Interventionen möglich?
(...)

Thematische Schwerpunkte:
(...)
- Auswirkungen von psychischer Belastung auf immunologische Aktivität und, umgekehrt, von Immunaktivität auf Erleben und Verhalten
- Immunologische Wirksamkeit unterschiedlicher psychotherapeutischer Verfahren
Für eine erhöhte Immunaktivität gibt es ja andere als die hier genannten "psychischen" und sozialen Ursachen, z.B. die Wirkungen von Umweltschadstoffen. In unserem Wiki (https://www.symptome.ch/wiki/neurostress/) wird bei der Behandlung auf der körperlichen Ebene (der Neurotransmitter) angesetzt, im Gegensatz zur Betonung der Psychotherapie, Meditation, Verhaltens- und Einstellungsänderung etc. seitens der Experten in der Sendung.

Es wird in der Sendung ja gesagt, daß angeblich in den USA es schon selbstverständlich sei, daß Patienten viele verschiedene Heilungsmöglichkeiten angeboten werden.
Das hat mich auch erstaunt.

- Bei uns ist das nicht so, und ich denke, daß das ein schwieriges Thema ist, weil es dabei auch um Geld, Krankenkassen usw. geht.
Ja, es geht sicher um viel Geld (das in einigen Bereichen der Wirtschaft weniger verdient würde, wenn die Menschen auf die in der Sendung genannte Weise gesund/gesünder werden und bleiben könnten). Ärzte dagegen würden für ihren Gesprächsaufwand angemessener entlohnt. Und Meditationslehrer würden Zulauf erhalten. Ach ja, da fehlte mir auch der Hinweis, wo man denn solche Leute findet, die geeignete Meditationsarten anbieten (es können ja nicht alle zu Herrn Maly). Gerade in einer aufgewühlten oder sonst desolaten Verfassung halte ich es für sehr schwierig, das in Eigenregie zu machen.

Gruß
Kate
 
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Das hast Du alles sehr gut auf den Punkt gebracht, Kate
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. Danke!

Ich habe mich um die Zeit des Todes meiner Mutter und anderer Mütter und Väter meiner Jahrgänge damit beschäftigt, was wohl dazu führt, daß einige ganz große Ängste bekommen haben im Alter. Damals bin ich auf die Bewältigung der Kriegserlebnisse gestoßen (meistens ja sogar zwei Weltkriege), die ihre Spuren hinterlassen haben.

Dadurch bin ich dann auch auf die Stressbewältigung auf der körperlichen Ebene gestoßen, die eben auch mi der Cortisolausschüttung zusammen hängt/hing und die - wenn ungenügend oder nicht möglich - auch dazu führen konnte, daß u.a. die Nebennieren aus dem Lot gerieten. Dadurch wurde mir der Zusammenhang von Stress ganz allgemein und später dann über die Themen "Histamin, SErotonin, Adrenalin, Noradrenalin, biogene Amine usw." auch der Zusammenhang von Krankheit jeder Art und Stress jeder Art.

Ich fand es bedauerlich in der Sendung, daß das Buch von Christian Schubert zwar eingeblendet wurde, er aber sehr wenig dazu gesagt hat. Wenn er schon mal da war ...

Grüsse,
Oregano
 
Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie im TV (30.01., 21 Uhr, 3SA

Gratuliere Ihnen zur seriösen Diskussion. Wollte nur ergänzen, dass die hier betrachtete Forschungsrichtung in der Tat mehr betrifft als die bis dato vorherrschende mechanistische-reduktionistische Sicht in der Medizin. Zitat aus meinem Buch:
"Wenn Gehirn, Psyche und Immunsystem tatsächlich, wie die „Neurobiologie der Krebserkrankung“ (Mravec et al. 2008) nahelegt, psychosomatisch-synchronisiert sind, d.h. ein hochkomplexes Informationsnetzwerk formen, in welchem ständig mittels gemeinsamer Kommunikationsstrukturen in beide Richtungen, bottom-up und top-down kollaboriert wird, muss sich die Frage gestellt werden, ob die derzeitige PNI-Forschung diesen hohen Grad an Komplexität überhaupt imstande ist valide abzubilden. Der Autor dieses Kapitels antwortet auf diese Frage mit einem klaren Nein.
Denn so eindrucksvoll viele der in diesem Kapitel dargestellten Ergebnisse der PNI auch sein mögen, sie dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei der derzeitigen Psychoneuroimmunologie-Forschung um reine Wirksamkeitsforschung handelt, d.h. es wird zwar geprüft, ob ein Stressor die Stresssystemaktivität verändern kann, wie diese Veränderung aber im Innersten von statten geht, darüber kann nur wenig ausgesagt werden. Denn es dominieren in der PNI-Forschung Laborexperimente an Tier und Mensch, Prä-post-Designs sowie standardisierte Antwortformate bei Fragen nach psychischem Erleben – Methoden, die die dynamisch/funktionellen Charakteristika und die subjektiven Phänomene des Stressreaktions-Prozesses methodisch unberücksichtigt lassen. Diese paradigmatische Grenze gegenwärtiger PNI-Forschung wurde an verschiedenen Stellen dieses Literaturüberblicks deutlich" (Auszug aus Kapitel 4, Psconeuroimmunologie und Psychotherapie, 2. Auflage, Schattauer 2015).

Herzliche Grüße,

Christian Schubert
 
Guten Abend Herr Schubert,

willkommen im Forum. Schön, dass Sie hergefunden haben und danke für das Kompliment :) Ich hatte Sie auch gerade ganz präsent, weil es ja kürzlich wieder eine Sendung zum Thema auf 3SAT gab, an der Sie auch beteiligt waren.

...ob die derzeitige PNI-Forschung diesen hohen Grad an Komplexität überhaupt imstande ist valide abzubilden. Der Autor dieses Kapitels antwortet auf diese Frage mit einem klaren Nein.
Ich finde es gut, dass Sie auch die derzeitigen - und vielleicht auch grundsätzlichen? - Grenzen dieses Forschungsgebietes sehen.

Mit möglicherweise grundsätzlichen Grenzen meine ich z.B., dass es mir schwer vorstellbar ist, ob und wie sich die
... dynamisch/funktionellen Charakteristika und die subjektiven Phänomene des Stressreaktions-Prozesses...
überhaupt methodisch berücksichtigen lassen. Aber sicherlich kann man sich da Schritt für Schritt annähern und die Methodik noch verfeinern. Spannend ist es allemal und offensichtlich gibt es jetzt schon praktisch umsetzbare Erkenntnisse, wie auch die neue Sendung wieder zeigte.

Wenn ich schon beim Praktischen bin: Oben trat schon einmal die Frage auf, wie man bei Interesse geeignete Meditationslehrer für Heilmeditationen finden kann oder auch andere Behandler, die sich in diesem Bereich auskennen. Haben Sie da einen Tipp?

Das wäre sicherlich für viele interessant, auch wenn sie (noch) nicht schwer (z.B. an Krebs) erkrankt sind, sondern wenn sie einfach spüren, dass Dauerstress den Körper schädigt und/oder bereits deutlich angeschlagen sind.

Von mir ebenfalls herzliche Grüße
Kate
 
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Auch hier interessant: https://www.symptome.ch/threads/stickstoffmonoxid-no-als-antistressmolekuel.124483/

Erwähnt wird dort übrigens eine spezielle auf das wesentliche reduzierte Art der Mediation ohne religiöses oder esoterisches Beiwerk: die "Benson-Meditation".

Laut Wikipedia war Benson Kardiologe.

Aus der Wikipedia:
Benson übernahm die Mantra-Technik aus der Transzendentalen Meditation, die zu jener Zeit eine im Westen verbreitete Adaptation des indischen Yoga war, als einfache und völlig säkulare Methode und arbeitete über die Auswirkungen dieser Tiefenentspannung auf messbare Körperfunktionen wie Blutdruck und Puls.

(...)

Er gründete 1988 das noch bestehende Mind/Body Medical Institute (MBMI) am Massachusetts General Hospital in Boston. Benson war wegen seiner unkonventionellen Ideen und seiner öffentlichen Popularität stets umstritten. Andererseits ist die von ihm postulierte Verbindung von psychischem Stress und Körperfunktionen heute breit akzeptiert, und er gilt auch unter seinen Kritikern als wichtigster Wegbereiter der Psychoendokrinologie und Psychoimmunologie

An dieser Stelle auch gleich der Hinweis, dass es in der Wikipedia mehrere Artikel zu diesem Bereich gibt:

Neuroendokrinologie
Psychoneuroendokrinologie
Psychoneuroimmunologie
Neuropsychologie

wobei mir scheint, dass hier evtl. ein zusammenhängendes Gebiet irgendwie künstlich in Teilgebiete zerlegt wird. Ich habe die Artikel aber noch nicht (gründlich) gelesen.

Gruß
Kate
 
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Kürzlich lief eine weitere 3SAT-Sendung, die das Thema berührt:

Der Körper als Arzt - 3sat.Mediathek

Siehe auch:
3sat.Mediathek

Zu Wort kam u.a. wieder Christian Schubert, dabei ging es auch um eine Krebspatientin, die mithilfe von u.a. Jin Chi Jyutsu (japanisches Heilströmen), Physiotherapie und Musik (die letzteren beiden wurden nicht genauer benannt) nach Abschluss der "schulmedizinischen" Krebsbehandlung (OP, Chemotherapie) aus einer Phase von Depression und tiefer Erschöpfung herausfand. Die Zeitpunkte der verschiedenen Interventionen wurden mit den Ergebnissen von Laboruntersuchungen korreliert (im Bild gezeigt oder erwähnt wurden Tryptophan, Kynurenin - beide Werte werden/wurden auch von GANZIMMUN im "Organix" untersucht und in Beziehung zueinander gesetzt, siehe auch: Stoffwechseluntersuchungen mittels organischer Säuren; sowie Neopterin). Man sah schon in der Grafik, dass die jeweilige Intervention eine deutliche Wirkung hatte.

Interessant fand ich persönlich die Betrachtungen zur Resilienz, z.B. die Aussage, dass dies nicht dasselbe sei wie Robustheit. Verschiedene Stellen sind wohl dabei, Übungen zu entwickeln, mit denen man Resilienz gezielt stärken kann. In diesem Zusammenhang wurde auch der Begriff "eudaimonisches Wohlbefinden" (teilweise sind auch andere Schreibweisen des ersten Wortes im Umlauf) erwähnt, der mir ganz neu war (s. z.B. Hedonistisches und Eudämonistisches Wohlbefinden | Sinnforschung). Ich habe mich noch nicht weiter damit befasst, die 6 Aspekte - in der Sendung benannt als: Sinnhaftigkeit des Lebens, Autonomie, persönliches Wachstum, Kontrollierbarkeit der Umwelt, positive Beziehungen zu anderen, Selbstakzeptanz - leuchten mir aber ein. Als eine Basismethode, dieses "Wohlbefinden" zu aktivieren, wird MBSR genannt.

Das war jetzt alles aus dem Gedächtnis ohne Anspruch auf Korrektheit... schaut bei Interesse am besten mal selbst in die Sendung.

Gruß
Kate
 
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,,,
AMY GOODMAN: Sie sprechen über Emotionen, wie Ärger, die zusammen mit unserem Immunsystem dieselbe Rolle zum Schutz der persönlichen Grenzen spielen, und Sie sagen, dass durch Unterdrückung der Emotionen wir auch unseren Immunschutz außer Kraft setzen. Wie manifestiert sich das in unterschiedlichen Krankheiten?

DR. GABOR MATÉ: Also, als ich die Menschen, die durch mich ärztlich in der Palliativpflege betreut wurden, sowie die erkrankten Menschen in meiner Familienpraxis beobachtete, hat sich eine Reihe von auffälligen Merkmalen aufgezeigt. Eines war die Unterdrückung von Ärger. Menschen wussten nicht, wie sie negative Emotionen ausdrücken sollen. Entweder hatten sie Angst dies zu tun oder sie waren sich nicht bewusst, wann sie verärgert waren. Menschen, die anderen alles recht machen wollten, immer versuchten andere Menschen nicht zu enttäuschen. Sie wussten nie, wie man nein sagt. Sie nahmen alles auf sich, ohne zu murren, da sie sich immer als Pfleger und Betreuer sahen. Zudem hatten sie außerordentlich starke Pflicht- und Verantwortungsgefühle.

Nun, wenn Sie sich die Rolle von gesunder Durchsetzung der persönlichen Grenzen z.B. Ärger anschauen, werden Sie feststellen, dass dies eigentlich dazu da ist Sie zu schützen. Ich rede von gesundem Ärger. Sein Zweck besteht nicht darin, jemanden zu attackieren, sondern um ihre persönlichen/psychischen Grenzen zu beschützen. Das ist die gleiche Rolle, die auch das Immunsystem wahrnimmt. Das Immunsystem funktioniert auch ähnlich wie ein Gehirn. Es besitzt ein Gedächtnis, Reaktionskapazität und Lernfähigkeit. In der Tat hat das Immunsystem, das mit unserem Hirn interagiert, seinen Namen als „schwebendes Gehirn“ dadurch verdient. Es interagiert mit dem Gehirn in unserem Kopf.

Nun, z.B. bei Frauen mit Brustkrebs, die nicht wissen, wie man Ärger ausdrückt, wurde eine verminderte Aktivität von einer Gruppe der Immunzellen, den sogenannten natürlichen Killerzellen, festgestellt. Natürliche Killerzellen attackieren fremdartige Bakterien, Viren sowie bösartige Zellen. Mit anderen Worten: Sie beschützen unsere Grenzen. Frauen, die nicht wissen, wie man persönliche Grenzen emotional ausdrückt tendieren dazu, sie zu unterdrücken und können infolgedessen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Krankheit entwickeln. Das gleiche trifft natürlich auch für Männer zu; das Immunsystem befindet sich also in einer ständigen Interaktion mit unseren emotionalen Antworten.

In einer anderen Studie, in der das Immunsystem untersucht wurde, wurde bei Studenten der Medizin, die unter Prüfungsstress standen, verminderte Aktivität von diesen natürlichen Killerzellen, also Immunzellen, festgestellt. Die Studenten, die sich emotional isoliert fühlten, wiesen mit großer Wahrscheinlichkeit eine verminderte Aktivität ihres Immunsystems auf. Anders ausgedrückt, unsere Beziehung zu anderen Menschen ist ein wichtiger Faktor. Dazu hat UCLA Psychiater Dr. Daniel Siegel aus Los Angeles den Begriff “interpersonelle Neurobiologie” geprägt, um die Tatsache anzudeuten, dass die Biologie unserer Gehirne, sogar unseres ganzen Körpers, sich in einer direkten Wechselwirkung mit unseren persönlichen Beziehungen befindet. Also, die Art und Weise, wie wir uns in unseren Beziehungen zum Ausdruck bringen oder wie wir uns unterdrücken, hat eine direkte Auswirkung auf unsere Gesundheit.
...

Zuallererst, müssen wir versuchen darauf zu achten was unser Körper uns zu sagen versucht. Wenn ein Symptom erscheint, geht Sie nicht einfach zum Arzt mit der Bitte, diese Symptome schnell zu beseitigen. Ja, bitten Sie um Hilfe, aber hören Sie auch darauf, gegen was Ihr Körper nein sagt. Normalerweise werden Sie dann feststellen, dass Sie in Ihrem Leben zu viel auf sich genommen haben, dass Sie Dinge unterdrücken und andere im Übermaß zufriedenzustellen wollen. Sie leben Ihr Leben zusammen mit Verhaltensmustern, die nicht zum Ausdruck bringen, wer Sie wirklich sind. Sie sollten also nicht ein Symptom oder eine Erkrankung nur als etwas betrachten, was man loswerden muss. Es sollte sie dazu bringen, ihre bisherige Lebensweise genau zu untersuchen und herauszufinden, wie man auf eine andere, auf eine gesündere Art leben kann.

AMY GOODMAN: Was glauben Sie, versteht nun die moderne, westliche Medizin die Psyche-Körper Verbindung besser?

DR. GABOR MATÉ: Es gibt vielversprechende Zeichen. Da gibt es solche Menschen wie Jon Kabat-Zinn, der über Stress und Achtsamkeit spricht, und Andrew Weil, der auf die Wichtigkeit von Ernährung hinweist und für den ganzheitlicheren Ansatz plädiert, die man erwähnen kann. Es gibt also viele Menschen, die eine großartige Arbeit in dieser Richtung leisten.

Dennoch, wenn wir die medizinische Profession als Ganzes betrachten, stellen wir fest, dass wir eine miserable Arbeit leisten. Wir geben Milliarden von Dollar für die Krebsforschung und andere Forschungen aus, die uns nirgendwo hin bringen, weil wir den Lebensstress, der im hohen Maße zu der Krankheitsentstehung beiträgt oder sie vielleicht sogar verursacht, ignorieren. Dennoch lassen wir das alles außer Acht. Wir befassen uns nicht damit. Wir berauben Menschen der angemessenen Hilfsmittel zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit.
...

Dr. Maté hat u.a. das Buch geschrieben: "Wenn der Körper Nein sagt - Die Verbindung zwischen Stress und Krankheiten verstehen".

Hier sind seine weiteren Bücher:

- Scattered Minds: The Origins and Healing of Attention Deficit Disorder (English Edition) Kindle Ausgabe
- In the Realm of Hungry Ghosts: Close Encounters with Addiction (English Edition) Kindle Ausgabe

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Hold on to Your Kids: Why Parents Need to Matter More Than Peers (English Edition) 03.01.2019
von Gabor Maté ,
Gordon Neufeld
- Close Encounters with Addiction (English Edition) 01.09.2011
- Scattered: How Attention Deficit Disorder Originates and What You Can Do About It (English Edition) 01.08.2000
-






Grüsse,
Oregano

Ich weiß leider nicht, wie man eine Übersetzung ins Deutsche hier angibt???
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Oregano,

danke für Deinen Beitrag.
Ich weiß leider nicht, wie man eine Übersetzung ins Deutsche hier angibt???
Ich würde dafür die Zitatfunktion nutzen und in die Quellenangabe neben dem Link reinschreiben, dass es sich um eine Übersetzung handelt und vom "wem" (ich finde z.B. https://www.deepl.com/Translator gut).

Welches sind denn für Dich die Kernaussagen von Dr. Maté?

Gruß
Kate
 
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