Mobil und flexibel - Stella über die moderne Medjengesellschaft

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:schlag:BAUSTELLE:schlag:


Sehr geehrte/r UserIn,

in Kürze entsteht hier eine neue Stella-Präsens.

Bitte haben Sie etwas Geduld! :D

Herzliche Grüße von
Leòn
 
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Wisst Ihr, was ich richtig doof finde? Wenn ich im Schulbus sitze (nach der sechsten Stunde) und aus mindestens zwanzig MP-Drei-Pleyern alle möglichen Sorten von Musik auf mich eindröhnen.

Das stört mich beim Lesen. Und so lange meine Freundinnen mit im Bus sitzen, stört uns das bei der Unterhaltung: Beim Schimpfen über den Unterricht, die Jungs in unserer Klasse und über den Austausch emotzjonahler Empfindungen, die wir haben, wenn wir den neuen Schulsprecher sehen. Der sieht nämlich soooo kuhl aus!
Aber das nur am Rande. Hier geht es ja um was anderes.

Papa meint: "Das ist nun mal die moderne neue Mediengesellschaft. Mobil und flexibel."

Ich habe dann ja mal gefragt, was der Unterschied zwishen mobil und flexibel ist.
Das ist mir schnell klar geworden. Mein Bruder zeigt eine unglaubliche Mobilität, wenn der Jack Russel - Terrier unserer Nachbarin hinter ihm herjagt. Aber die Flexibilität, ihm aus dem Weg zu gehen, bringt er leider nicht auf.

„Das ist doch nur ein weiters Mittel der Mächtigen, uns zu kontrollieren!“ meint mein Onkel.

Aber: „Der hat's ja noch mit Marx und Engels,“ meint Papa.

„Wie schön, dass wir Menschen uns dadurch näher kommen!“ meint Tante Annika.

Ich weiß jetzt ja nicht so genau, was das mit Näherkommen zu tun hat, wenn, meine Freundin im Bus neben mir sitzt, wie wild geworden etwas in ihr Handy tippt und mir nicht zuhört .... aber bitte!
Irgendwem kommt sie dabei schon näher, glaube ich. Und vielleicht sogar dem Schulsprecher?

Wie ich gehört habe, kann man Sümptome.ch jetzt auch mit nem EiPott mitverfolgen. Papa meint, das wäre absolut toll. Wenn er beim Einkaufen ist, dann kann er mal schnell den Sümptome-Epps anklicken und sehen, ob der Rotkohl, den er kaufen will (im Frühling), jahreszeitengerecht mit der holländischen Gurke harmoniert und wie das zu den israelischen Birnen passt … .
Jetzt könnte man natürlich sagen: „Das weiß man doch auch so. Passt nicht!“
Aber in der modernen Medjengesellschaft ist das wohl so.


Da sieht man sich ja auch lieber die Wetterprognose von vorgestern für heute im Internet an, statt mal eben vor die Tür zu gehen, um zu sehen, wie das Wetter ist! Na ja, draußen gibt es ja auch bissige Jack Russels … drinnen nicht!


Also helfen uns die modernen Medjen, uns vor den Herausforderungen des Alltags zu drücken?
„Ja,“ sagt mein Onkel. „Und sie helfen den Mächtigen, uns was vom Pferd zu erzählen!“


Also Tiergeschichten mag ich ja, ….. .


Man kann auch ständig Fußball gucken, mit so nem Ding. Das ist wohl im Moment besonders wichtig, wir haben ja die WM!
Mit Fußball haben wir aber nun nichts zu tun. Außer mein Bruder, der sieht wie einer aus.


Mein Onkel meint, die Fußballhüsterie sei nur wieder so ein von den Mächtigen genutztes Dings, um uns vom Wesentlichen abzulenken. Wie beim „Panem et Circensis“der alten Römer. Was genau das jetzt heißt, muss ich aber nochmal meinen Geschichtslehrer fragen.. Oder ich frag meine Freundin, die hat so 'nen Ei-Pott und kann schnell mal rescherschieren!


Und Papa sagt: „Das ist nun mal so! Jeder ist für das, was er da macht, erfährt und die Schlüsse, die er daraus zieht, selbst verantwortlich!“


Das wird wohl so sein. Manches finde ich ja auch richtig prima. Anderes nervt mich. „Aber Du bist ja sowie konserwatief!“ meint mein Bruder.
Weil ich Bücher lese.


Also, ich verabschiede mich jetzt mal. Wenn ich das nächste Mal wieder schreibe, habe ich bestimmt die Pubertät. Dann erzähle ich Euch mehr über den Schulsprecher.
Versprochen!


Stella


12 ½ Jahre alt
 
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