Lieber allein als zu zwein ?

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Man liest immer wieder über das Alleinsein bzw. Einsamkeit im Alter, wenn die Kinder (falls vorhanden) aus dem Haus sind, der Mann oder die Frau gestorben sind. Das sind eventuelle negative Seiten des Alterns und des Alters.

Man kann das aber auch anders herum sehen: Alleinsein kann gut tun, auch deshalb, weil im Leben zu zweit oder zu mehreren das Alleinsein mit den Möglichkeiten, die es bietet lange Jahre zu kurz gekommen ist.
...
Sind die Frauen nicht mehr in einer Partnerschaft, sondern leben allein, geht es ihnen im Durchschnitt besser: Viele haben ein höheres Wohlbefinden, einige blühen regelrecht auf. «Der Mangel an Raum für sich in der Familie und in Partnerschaften ist der Grund, warum Frauen als Singles generell zufriedener sind als Männer», sagt Bernardi.

Mehr noch: Das Alleinsein ohne Partner ist für Frauen sogar dann etwas Gutes, wenn sie es sich nicht selbst ausgesucht haben. Sogar, wenn sie allein sind, weil ihr Mann gestorben ist. «Natürlich nicht sofort danach», sagt Bernardi. Aber nach einer Trauer- und Umstellungsphase von rund zwei Jahren steigen Zufriedenheit und Glücksempfinden von verwitweten Frauen wieder an. Und zwar auf ein höheres Niveau als während der Partnerschaft. ...

Darüber kann man auf jeden Fall nachdenken (y) :) :sneaky: ...

Grüsse,
Oregano
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin in der Lage, darüber nachdenken zu müssen. Mein Mann ist 6 Jahre älter als ich. Wir sind über 50 Jahre verheiratet, haben 2 Kinder und 4 Enkel und haben uns in der Ehe gut eingerichtet. Wir haben uns gegenseitig viel Freiheit gelassen. Mein Mann hat viele Reisen gemacht, um Kontakt mit wissenschaftlichen Partnern in der ganzen Welt zu halten. Ich habe Urlaube oft allein oder mit meiner Schwester verbracht, da mein Mann sich z.B. nichts aus Bergwandern macht, ich aber schon. Auch zu meiner Tochter in die USA bin ich jährlich allein geflogen, bis ich es altershalber aufgeben musste. Nun hat mein Mann mit 92 Jahren Einschränkungen. Ich habe deshalb die amtlichen und finanziellen Fragen übernommen. Er kann viele Arbeiten in Haus und Garten übernehmen, die mir schwer fallen. Ich kann mir aber vorstellen, allein zurecht zu kommen und mehr kulturelle Angebote auszunutzen, wenn er nicht mehr da sein sollte. Jedenfalls habe ich nicht vor, mich dann zurückzuziehen, wie ich es bei anderen verwitweten Frauen beobachte. Aber fehlen wird er mir schon sehr.
 
Manche schaffen eine Trennung psychisch nicht. Trotzdem liest man in letzter Zeit immer mehr, dass sich vor allem Frauen im Alter trennen, weil sie so in ihrer Rolle nicht mehr weitermachen wollen.
Ich könnte meinem ja 5x die Woche eine Bratpfanne überziehen 😂😂 und ich bin gerne alleine, aber der Gedanke an den Tag X macht mir momentan Angst, weil ich ja keine Kinder oder dann wohl auch keine Familie mehr habe.
 
Allein zu leben hat Vor- und Nachteile. Ich kann das beurteilen, weil ich alle bekannten Stadien durchlebt habe. Ich war langjährig verheiratet und hatte einen Sohn, der früh verstarb und eine Menge Tiere. Lebte dann allein wieder mit Tieren zur Miete, aber wünschte mir ein Haus und einen Garten. Um das zu verwirklichen kaufe ich zusammen mit einer Bekannten ein passendes Grundstück, das Haus war geeignet, dass jeder seinen Bereich hatte, sozusagen eine WG. Das klappte besser als ich dachte und hielt auch eine lange Zeit bis meine körperlichen Einschränkungen die Gartenarbeit erschwerten. Also verkauften wir wie zuvor abgemacht das Grundstück wieder und ich zog in eine Wohnung, die meiner Behinderung angepasst ist. Jetzt lebe ich dort zusammen mit einem Hund, der auch mit 13,5 Jahren die beste Zeit hinter sich hat.
Zum Thema:
Lebt man allein muß man sich nicht unbedingt einsam fühlen. Auch bei Ehepaaren kann der Einzelne sehr einsam und unglücklich sein. Allein ist man freier in seinen Entscheidungen, man muß nicht auf die Bedürfnisse eines Partners achten sondern kann seinen Intensionen leichter nachgehen. Das ist der große Vorteil.
Als Nachteil empfinde ich nur, dass man unbedingt Vorsorge treffen muß, falls ein Notfall eintritt. Das ist schwierig und muß für jeden Alleinstehenden individuell geregelt sein. Dabei benötigt man Abklärung vieler Fragen wie:
Wem gebe ich täglich ein Lebenszeichen?
Wer hat Zugang zu meiner Wohnung?
Wie gestaltet sich die Kette und Abfolge im Notfall?
Wo sind wichtige medizinische Dokumente wie Medikationsplan, Patientenverfügung usw.?
Was geschieht mit meinem Haustier und Pflanzen?
usw...

Wie man sieht, bringt es Fragen mit die unbedingt geklärt werden müssen, die Paare mit Familie sich nicht stellen müssen, alleinstehende jedoch haben.
 
Wenn ich allein zurückbleibe, entsteht das große Problem, dass ich allein in einem großen Haus mit 4 Stockwerken kaum zurückbleiben sollte, auch weil in meinem Alter immer ein Notfall eintreten kann. Es gibt die Möglichkeit, jemand Fremdes aufzunehmen, gegen geringe Miete und Stunden der Hilfe. Sonst bliebe der Umzug in eine Seniorenwohnanlage, und das Haus zu vermieten oder zu verkaufen. Da wären die Kinder beteiligt, denen wir bereits je ein Viertel des Hauses überschrieben haben. Auf jeden Fall müsste ich mich vom größten Teil dessen, was sich in den Jahren angesammelt hat, trennen. Ich versuche jetzt schon, viel ins soziale Warenhaus zu bringen, oder ich stelle Sachen im Karton zum Mitnehmen an die Straße. Auch gibt es die Möglichkeit, bei der Abfallverwertungsgesellschaft Dinge zum Verschenken zu inserieren. Das kann ich aber erst entspannt, wenn ich allein zu entscheiden habe. Das wäre dann wieder der Vorteil des Alleinseins.
 
Ich habe kürzlich ein faszinierendes Interview mit einer Trauma-Therapeutin gesehen. Sie brachte eine interessante Perspektive zum Thema Angst vor dem Alleinsein ein. Sie erklärte, dass Menschen manchmal, selbst unbewusst, in toxischen Beziehungen verharren, einfach weil die bekannte Angst vor dem Alleinsein weniger erschreckend erscheint als die ungewisse Aussicht auf Veränderung. Es ist, als würden sie sich für den vertrauten Teufel entscheiden, obwohl ein unbekannter Engel möglicherweise das Beste für sie wäre. Diese metaphorische Darstellung hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht.
 
@Igor07
Das ist allgemein bei vielen psychischen Erkrankungen/Streß so.
Oft sieht man eher unbewusst mehr Vorteile als Nachteile. Auch sind viele Ängste sogenannte Erwartungsängste. Ist die Situation eingetreten, verschwinden sie wieder.

Viele Menschen können allerdings nicht alleine sein, da wir soziale Wesen sind.

Meine Mutter kannte eine alte Frau die ihren Mann verloren hatte. Diese sagte immer, dass sie viel gestritten haben, aber es war jemand da und nun ist sie allein, das wäre für sie viel schlimmer als die Streitereien.

Es ist, wie immer, vom Typ abhängig.
 
Meine Mutter kannte eine alte Frau die ihren Mann verloren hatte. Diese sagte immer, dass sie viel gestritten haben, aber es war jemand da und nun ist sie allein, das wäre für sie viel schlimmer als die Streitereien.
Hm, erinnert mir:

Sie hegt gegenüber ihrem Ehemann offen Suizidgedanken, obwohl sich Georges aufopferungsvoll um sie kümmert. Er hilft ihr beim Ankleiden, bei allen täglichen Verrichtungen und bei der Krankengymnastik. Später stellt Georges zeitweise zwei Pflegerinnen ein, eine entlässt er wieder.

Mit dem Fortschreiten von Annes Krankheit isoliert sich das Paar zunehmend, auch von der verzweifelten Tochter Eva. Diese lebt mit ihrer Familie in London und fände ihre Mutter besser in einem Pflegeheim aufgehoben. Georges will Anne, wie versprochen, bis zu ihrem Tod in der gemeinsamen Wohnung weiterpflegen. Anne kann sich kaum noch artikulieren, weigert sich zu essen und zu trinken oder ruft stundenlang um Hilfe. Georges erlebt Tag- bzw. Albträume. Er verliert die Beherrschung und ohrfeigt Anne, als sie sich eines Tages weigert, das mit einer Schnabeltasse zugeführte Wasser zu trinken und stattdessen ausspuckt.
 
Ich habe über deine Frage nachgedacht, liebe Oregano😘

Mein Mann war meine große Liebe und als er vor 20 Jahren starb, starb auch etwas in mir.
Ich bin ein offener Mensch und komme auch allein gut zurecht, aber das Leben in seiner Fülle zu zweit, ist etwas unbeschreiblich Schönes und Erfüllendes.
Es ist oft schwer allein den Alltag zu meistern ohne ihn und man braucht Stärke und Kraft, um die Lebenslust nicht aus den Augen zu verlieren. Ich bin oft traurig, aber dann holen mich die schönen Erinnerungen wieder ein und es wird wieder hell in mir.

Ich fand das Leben zu zweit viel viel schöner.💞

Seid lieb gegrüßt❤️
 
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Ich bereite mich bewusst darauf vor, allein zurecht zu kommen, damit ich nicht eines Tages hilflos dastehe. Aber ich finde es auch zu zweit viel schöner. Unsere Ehe hat viele Phasen durchlebt. Die erste Zeit diente dem Kennenlernen, dem Ausloten der Gemeinsamkeiten und der Verschiedenheiten. Dann kamen die Kinder. Das war eine spannende, schwierige und schöne Zeit. Die Kinder entwickelten sich und zeigten ihre Persönlichkeit. Ich nahm meine Berufstätigkeit als Lehrerin nach und nach wieder auf, als mein Sohn 3 Jahre alt war. Dann bekam ich Krebs. Mein Mann war mir da eine große Hilfe. Ich durfte weiterleben. Neben der Schule lernte ich auf die Heilpraktikerprüfung, um REIKI und Radiästhesie problemlos ausüben zu können. Die Kinder wurden älter, machten Abitur, studierten, promovierten, wurden berufstätig, bekamen selbst Kinder. Wir Eltern waren wieder auf uns allein gestellt. Dann kam der Ruhestand. Wir mussten uns wieder auf ständige Nähe zu zweit einstellen. Unser Verhältnis änderte sich immer wieder mit den Änderungen der Lebensumstände. Aber durch alle Änderungen blieb die Zusammengehörigkeit bestehen. Nun werden wir immer mehr mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert. Wahrscheinlich werde ich übrig bleiben und muss von den Erinnerungen zehren. Ich bin entschlossen, mein Leben auch allein so einzurichten, dass es lebenswert bleibt.
Aber zu zweit ist es auch mit den wachsenden Einschränkungen schöner.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es ist oft schwer allein den Alltag zu meistern ohne ihn und man braucht Stärke und Kraft, um die Lebenslust nicht aus den Augen zu verlieren. Ich bin oft traurig, aber dann holen mich die schönen Erinnerungen wieder ein und es wird wieder hell in mir.
Ach, liebe @Wildaster, mein Vater ist dement und bettlägerig, meine Mutter leidet an schweren psychischen Problemen und macht dem Pflegepersonal das Leben zur Hölle.

Aber immer, wenn ich alte Fotos von ihnen anschaue, sehe ich sie jung, schön und glücklich.

Man kann die Vergangenheit nie vollständig innerlich akzeptieren; es wird immer eine Narbe bleiben, die niemals heilen wird. Doch das menschliche Herz ist so beschaffen, dass es alles ertragen kann, solange die Liebe vorhanden ist. Und die Liebe wird niemals sterben. Liebe Grüße.
 
Man kann die Vergangenheit nie vollständig innerlich akzeptieren; es wird immer eine Narbe bleiben, die niemals heilen wird. Doch das menschliche Herz ist so beschaffen, dass es alles ertragen kann, solange die Liebe vorhanden ist. Und die Liebe wird niemals sterben.
Jein, Igor (n)(y).
Ich denke, es kommt darauf an, wie man mit Erfahrungen = dem Leben umgeht. Jede Narbe kann heilen und dann zwar immer noch sichtbar sein, aber nicht mehr schmerzen. Die Sehnsucht nach Nähe und Wärme bleibt, und mithilfe der Liebe mag sie erfüllt werden können.

Grüsse,
Oregano
 
Ich finde, es lohnt, über diese Sätze nachzudenken und sich das Video anzusehen (Dami Charf, Traumatherapeutin):
... Sich einsam zu fühlen — auch in Gesellschaft — belastet uns und kann uns sogar krank machen. Hatten wir als Kind nicht das Gefühl, dass stetig jemand liebevoll für uns da ist, so merken wir dies später daran, dass wir in Beziehungen sehr unsicher sind oder niemanden an uns heranlassen können. Wir fühlen uns schnell von anderen verlassen oder gar verraten und leiden oft unter Einsamkeit. In diesem Blogartikel erfährst du, warum wir uns verloren und einsam fühlen. ...

Grüsse,
Oregano
 
Ich denke, es kommt darauf an, wie man mit Erfahrungen = dem Leben umgeht. Jede Narbe kann heilen und dann zwar immer noch sichtbar sein, aber nicht mehr schmerzen. Die Sehnsucht nach Nähe und Wärme bleibt, und mithilfe der Liebe mag sie erfüllt werden können.
Ich habe meine dunklen Seiten im Leben als Meilensteine meiner Persönlichkeit gesehen. Jede schlimme Erfahrung hat sich im Nachhinein als wichtig erwiesen, und mir eine neue Richtung im Leben gezeigt. Eine Totgeburt gab mir den Mut, aus einer toxischen Ehe herauszufinden und meinen jetzigen Ehemann kennenzulernen. Der Krebs wies mir den Weg in die Naturheilkunde. Hätte ich jemand aus meinen früheren Beziehungen geheiratet, wäre ich längst Witwe. So bejahe ich das Leben mit seinen Höhen und Tiefen als Teil meiner selbst.
 
"Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts." Kaum ein anderer Aphorismus Arthur Schopenhauers wird so häufig zitiert wie dieser. "Neun Zehntel unseres Glücks beruhen allein auf der Gesundheit", schrieb der vor 150 Jahren gestorbene Philosoph an anderer Stelle. "Mit ihr wird alles eine Quelle des Genusses." Dass Gesundheit das höchste Gut sei - diese Einsicht ist bereits während seines Medizinstudiums gereift, das seinen philosophischen Studien vorausging.

Ob nun Schopenhauer das gesagt hat oder andere Denker, ist nicht wirklich wichtig. Aber meiner Meinung ist die Gesundheit tatsächlich für Mensch und Tier eine ganz wichtige Voraussetzung für ein gutes Leben. Ist man gesund, hat man viel Kraft für die eigene Entwicklung und die Entwicklung von Beziehungen, Bildung, „Ertüchtigung“ usw. usw.

Deshalb: Gesundheit auf allen Ebenen! :love: !

Grüsse,
Oregano
 
Jein, Igor (n)(y).
Ich denke, es kommt darauf an, wie man mit Erfahrungen = dem Leben umgeht. Jede Narbe kann heilen und dann zwar immer noch sichtbar sein, aber nicht mehr schmerzen. Die Sehnsucht nach Nähe und Wärme bleibt, und mithilfe der Liebe mag sie erfüllt werden können.
Hi, Oregano.
Ich bin mir nicht sicher.
Im Film "Magnolia" sagt ein Held sinngemäß, "man wähne sich, dass man sich von der Vergangenheit verabschiedet hätte, aber nicht sie sich von einem". Die Narben bleiben bestehen. Ich denke, ein sehr schwerer Verlust wird immer mit Schmerzen verbunden sein, besonders wenn das Trauma irgendwie getriggert wird.

Die einzige Lösung ist es, uneingeschränkt zu akzeptieren, dass alles im Leben vergänglich und endlich ist. Am Ende verlieren wir alles, egal was wir tun. Aber gerade deswegen ist das Leben so einzigartig und wertvoll. LG.
 
aus meiner Sicht macht Zweisamkeit bzw. eine Beziehung nur Sinn, wenn die Basis die Liebe ist!

Ansonsten, lieber alleine sein, als zu zweit einsam zu sein.
 
aus meiner Sicht macht Zweisamkeit bzw. eine Beziehung nur Sinn, wenn die Basis die Liebe ist!

Ansonsten, lieber alleine sein, als zu zweit einsam zu sein.
Aber eine Liebe, die bestehen bleibt wenn die körperliche Anziehung mit den Jahren nachlässt. Ich denke an meine Ex-Schwiegertochter, die nach sieben Jahren meinte, sie müsse sich neu verlieben, und meinen Sohn verließ, zum großen Kummer der beiden kleinen Kinder, die seither wöchentlich zwischen Vater und Mutter pendeln, was sie nie wirklich zur Ruhe kommen lässt. Sie sagte, sie liebe ihn nicht mehr. Aber sie hatte ihn nie wirklich geliebt.
 
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