Liebe, das unbekannte Wesen?

Wolfgang Jensen

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16.03.06
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Bei einem Freund hängt folgender Text über dem Schreibtisch:

Liebe ist ein persönliches Erdbeben,
Sturmflut,
Weltuntergang und
Urknall zugleich.
Sie ist die Kraft,
die unser Lebensgefüge aus den Fugen bricht,
der Sprengstoff,
der uns unvermittelt aus dem Gestein
unserer Gewohnheiten herausbricht.
Sie läßt uns die selbstlosesten Opfer bringen
und die abscheulichsten Schandtaten begehen.

Liebe gedeiht nur in Freiheit,
eingezäunt muß sie verkümmern.

Liebe ist immer freiwillig.
Sie läßt sich nicht erzwingen,
nicht erbitten,
sie wird uns geschenkt oder versagt
und wir können es nicht ändern.

Sie fragt uns nicht,
ob es uns gerade passt,
dass sie kommt und sie fragt uns nicht,
wenn sie geht.

Liebe kann flüchtig sein oder lebenslang,
wir wissen nichts über ihre Dauer,
wenn sie uns begegnet.
Wir können für sie kämpfen,
versuchen, sie zu hegen, zu beschützen –
aber sie ist uns nicht sicher.

Liebe ist nicht für immer
und es gibt keine Garantie darauf.
Wenn wir alle Geheimnisse des Universums entdeckt
und alle Wunder erklärt haben,
bleibt die Liebe der letzte geheime Code,
den wir nicht entziffern werden.

Ich glaube, Liebe ist ganz anders,
Liebe ist viel mehr!

Für mich ist Liebe der "Stoff", der die Welt zusammenhält, die das Unmögliche möglich macht.
 
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liebe

wie schön ,fast zu schade über ein klo zu hangen,
weil wir ladys immer sitzen hihi.liebe ist nicht nur männlich.

liebe grüss Soul:fans:
 
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oh man.für jeder die mein beitrag liest,
ja ich hab klo gelesen nicht schreibtisch.
wolfgang hat mich auf sehr humorvolle weise darauf hingewiesen.ich muss noch immer lachen.

liebe grüss euer soul
 

Wolfgang Jensen

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Schade Soul, ich wollte Dich gerade fragen, wie Du meinen Irrtum ahnen konntest - der Text hängt über dem Klo.
 
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19.03.06
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und die abscheulichsten Schandtaten begehen.
Hallo, Herr Jensen,

ich dem nicht zustimme!

Ist das denn wirklich LIEBE aus der heraus die "abscheulichsten Schandtaten" begangen werden oder nicht doch etwas anderes?
Wenn Othello beispielweise Desdemona meuchelt, ist da Liebe die treibende Kraft oder Besitzgier? Oder was?

Überdenken Sie das Ganze noch einmal und hängen sie den Spruch gegebenenfalls wieder zurück auf das Klo von Ihrem Freund!

Gruß von Leòn
 
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Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. 3 Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. 4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. 5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. 6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. 7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. 8 Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. 9 Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; 10 wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. 11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. 12 Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. 13 Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.
 

Wolfgang Jensen

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Das "Wort" Liebe

Das fing ja gut an – der Fehlerteufel begleitete den ersten Beitrag. Alte Leute spät in der Nacht zu erschrecken ist nicht gerade fein. Marcel brachte das für mich Ordnung, danke!

Nun denn, ich bin nicht abergläubisch – gleichwohl fühlte ich, das „Liebe“, zwischen Fisteln und Eiter, Schmerzen und Sorgen, die Forumsatmosphäre „vergiften“ könnte. Liebe ist, wie Glauben, ein sehr persönliches Thema. Analfisteln und Sesselproben allerdings auch. Liebe und Krankheit unterscheiden sich nur im ersten Anschein; über Krankheit wird gesprochen, um zur Gesundheit zu kommen, und darum finde ich es auch wichtig, über Liebe zu sprechen: um sein Liebesfähigkeit zu verbessern. Liebe soll ja das beste Heilmittel sein, oder?

Soul, ich werde meinen Freund bitten, kleinere Büroarbeiten auf dem Spülkasten zu erledigen. Mit ein bißchen guten Willen ...

Danke Beat, die Worte von Dir (Paulus?) wirken auf mich sehr machtvoll.

Mein mir sehr verbindender Lyrikschafahrer, Katzen- und Humorfreund scheint es mit der Problematisierung eilig zu haben (vielleicht kocht er seine Milchsuppe auf dem Weg vom Supermarkt zum Heim – besonders schwere Fälle dürfen ja ihre Haustiere mitnehmen). Auch Dir, León, ein Danke, Deine Anregung wird nicht vergessen.

Im Volksmund gibt es allerlei Sprüche zur Liebe; einer ist: „Was sich neckt, das liebt sich“. Aber wurde einem der Leser jemals erklärt, was Liebe ist? Mir nicht. Unter dem Oberbegriff Liebe erlebte ich vierzig Jahre die verrücktesten Sachen, die mit dem, was ich heute unter Liebe verstehe, nichts das geringste zu tun haben; trotzdem blieb mir das Wort erhalten. Ich benutze es auch – es hat eine magisch scheinende Kraft, es schafft Verbindungen, zu sich Selbst und zur Welt, dem Anderen, dem Fremden.
 
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19.03.06
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Mein wertvoller Herr Jensen, wenn Sie gerne wissen wollen, was Liebe ist, dann sollten Sie sich das hier

http://www.merian.fr.bw.schule.de/mueller/SchuelerII/Facharbt/Liebe/liebe2.htm

mal von einer Schülerin der 13. Klasse erklären lassen.

Ansonsten hätte ich folgende Definitionen anzubieten:

Liebe (vom mittelhochdeutschen liob = gut) ist die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen empfinden kann, ein Gefühl inniger und tiefer Verbundenheit mit dem Nächsten. Ausgehend von der biologisch angeborenen Fähigkeit zu intensiven positiven Gefühlen gegenüber einem anderen Menschen wurde der Begriff schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen oder Dingen.
de.wikipedia.org/wiki/Liebe
oder:

Wort mit fünf Buchstaben, drei Vokalen, zwei Konsonanten und zwei Idioten
spassprofi.de/Witze/definitionen.htm
oder, aber das gilt nur für Hundeliebe:

Ein Gefühl intensiver Zuneigung, freizügig verteilt und ohne Einschränkung. Der beste Weg deine Liebe zu zeigen, ist mit dem Schwanz zu wedeln. Wenn du Glück hast, wird dein Mensch dich lieben.
www.treasure-of-celtics.de/hundewb.html
Hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben, Herr Jensen. Fragen sie nur, dann lernen Sie auch was!

Sehr verbunden, Ihr



Leòn
 

Wolfgang Jensen

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Liebesschmerz

Wenn Menschen beim Thema Liebe ganz tüttelig werden, mag das einen Grund haben. In der Lebensschublade, wo Liebe drauf steht, befinden sich nur selten schmerzfreie Erinnerungen an die Liebe. Manch ein Strolch pflückte eine Blume, die nur bewundert werden wollte, manch Sirene führte einsame Wanderer in die Abgründe ihrer Seele. Erinnere mich gerade an den Spruch: die Ehe ist der Versuch, mit Problemen fertig zu werden, die man alleine gar nicht gehabt hätte.

Aber: müssen Erfahrungen mit anderen Menschen dazu führen, die Tür zur Liebe auch für sich selber zu verschließen? Nein! Ich glaube, die Kraft der Liebe ist eine Energie, die unendlich verfügbar ist. Sie wartet auf JEDEN.
 
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liebe,ungezähmt und wild,lebendig und farbig.
erfüllend in jedem faser des körpers.
nicht greifbar,aber oh so schön.
nicht zu kaufen,nicht umsonst,
so viel liebe umschreibungen,soviel stufen zu wirkliche liebe,
die unendlich ist..
 
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Hallo Leute,
Liebe scheint für die meisten irgendwie erlebbar zu sein. Sie zu beschreiben ist offenbar schon recht viel schwieriger und das was hier schon dasteht ist nicht besonders erhellend.
Weiss jemand ob man lieben auch erlernen kann?
Grüsse
grufti
 
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02.05.06
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hihi liebe grufti,
ich glaube das man liebe lernt durch zu leben.
musst du das den noch lernen?
liebe grüss soul
 

Wolfgang Jensen

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Grufti, liebe Soul, telefoniert mit dem Kosmos - die Nummer erfährt nur, wer lieben kann.
Ob man "Lieben lernen kann"? Wie war das bei Dir?
Ich hatte nur das Glück, meine Ängste angehen zu können.
 
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19.03.06
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Am Anfang steht die Liebe.
Die Liebe ist die Ur-Schöpferkraft, ohne die kein Stern, kein Stein, kein Mensch, kein Baum geboren wäre. Alle Energie und Substanz, die aus den Tiefen des Alls zu uns kommt, um sich in einem Menschen, einem Baum oder einem Stein zu manifestieren, ist nichts anderes als die Ursubstanz des Schöpfers. Tatsächlich ist die Liebe die stärkste physikalische Kraft im Universum. Sie ist es, die Planeten in ihrer Bahn hält und für das Phänomen des Zusammenhaltens verantwortlich ist, das wir gemeinhin ‚Kohäsion' nennen.
Wer willig ist, anzunehmen, daß eine bislang so technisch begriffene Kraft wie die der Kohäsion im Grunde ein Akt der Liebe ist, muß sich auch dem Gedanken öffnen, daß alle scheinbar ‚tote', mechanistische Schöpfung in Wirklichkeit höchst lebendig ist, beseelt, individuell und intelligent.
Max Planck, der große deutsche Physiker, erkannte: „Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente, noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewußten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare und vergängliche Materie ist das Reale, Wirkliche, Wahre * denn die Materie bestünde, wie wir gesehen haben, ohne diesen Geist überhaupt nicht * sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Da es aber Geist an sich allein auch nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: GOTT."
http://www.zeitenschrift.com/magazin/03131-die-liebe.ihtml
 
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19.03.06
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Liebe ist nicht nur ein Wort.
Liebe das sind Worte und Taten!

Love is not just words.
Love is words and deeds!

(Ohne Autorenangabe)


Wenn man liebt,
hat man nur einen Blick
für das, was man liebt.

Charles De Foucauld

In der Liebe ist
keine Furcht.


Apostel Johannes



Mehr Weisheiten zum Thema finden Sie hier, Herr Jensen;

http://www.neu-bybarny.de/love.htm
 
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Wenn man liebt,
hat man nur einen Blick
für das, was man liebt.
Charles De Foucauld

Klingt 'n bisschen nach emotionsgeladenem Egoismus.
 
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10.01.04
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Klingt nach dem Spruch "Liebe macht blind" ...
Die Frage ist, ob es sich hier um Verliebtheit in der ersten Phase handelt oder um eine Liebe, die sich daraus entwickelt hat.

Uta
 
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19.03.06
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Von der Minne

Minne (mhd. Liebe) ist eine spezifisch mittelalterliche Vorstellung von gegenseitiger gesellschaftlicher Verpflichtung, ehrendem Angedenken und Liebe, die die adlige Feudalkultur des Hochmittelalters prägte. Das mittelhochdeutsche Wort minne wird seit dem 19. Jahrhundert als literaturgeschichtlicher und rechtshistorischer Fachbegriff gebraucht.

Minne in der höfischen Literatur

Erhörung eines Bewerbers. Der Begriff der Minne bezeichnete im frühen und hohen Mittelalter ganz allgemein die positive mentale und emotionale Zuwendung, das „freundliche Gedenken“, und wurde für die Beziehung der Menschen zu Gott und für Beziehungen der Menschen untereinander in sozialer, karitativer, freundschaftlicher, erotischer und sexueller Hinsicht gebraucht. Besonders charakteristisch für die höfische Kultur des Hochmittelalters wurde die Thematisierung eines Aspektes: der gesellschaftliche Umgang und die emotional-erotische Beziehung zwischen Männern und Frauen. Diese Seite der Minne, die sich weitgehend mit der heutigen Idee der (Geschlechter-)Liebe deckt, wurde in Deutschland seit 1170 zu einem zentralen Thema in der Lyrik (Minnesang) und Epik (höfischer Roman). In diesem Prozess erfuhr Minne eine Stilisierung zu einem eigenartigen Ideal platonischer Liebe, das vor allem den unverbrüchlichen ritterlichen Dienst für eine Dame, die Unterwerfung unter ihren Willen und die Werbung um ihre Gunst bedeutete (so genannte Hohe Minne). Vor allem im 12. bis 14. Jahrhundert bezeichnete Minne diesen fin'amors oder amour courtois (höfische, adlige Liebe) der romanisch geprägten Ritterkultur. Die autobiographische Erzählung Ulrichs von Liechtenstein über seinen Frauendienst berichtet humorvoll im Detail von den zuweilen fast grotesken Diensten, die ein Ritter für seine Dame vollbringen soll. Es ist umstritten, ob dieses Ideal, das vor allem in der Gesellschaftskunst des Minnesangs gepflegt wurde, auch eine Bedeutung für das reale Leben des Ritterstandes hatte oder ob es sich eher um ein literarisches, fiktionales Spiel handelte.

Wortgeschichte
Das Wort Minne hat einen radikalen Bedeutungswandel hinter sich. Bezeichnete sie zunächst die Liebe allgemein, also etwas wie Geschwisterliebe, Gottesliebe, etc., bedeutete es bald die speziell zweigeschlechtliche Liebe. Der Adel und der Klerus sprachen sich aus Gründen der Distinktion selbst allein die Fähigkeit zu, zivilisiert zu lieben, und sprachen diese den niederen Ständen (vor allem den Bauern) ab. So wurde Minne immer stärker zu einer Bezeichnung für die körperliche, also hier eine weltliche, bäurische, trieb- und tierhafte Liebe, wie sie in einigen derben Texten thematisiert wurde. Die ältere Literaturwissenschaft bezeichnete diesen Aspekt des Minnebegriffs auch als „niedere Minne“. Im Spätmittelalter verlagerte sich die Bedeutung des Wortes Minne immer stärker auf den sexuellen Aspekt, so daß das Wort zur Bezeichnung „edlerer“ Gefühle nicht bloß untauglich wurde, sondern Tabu war und so zunehmend durch das Wort Liebe ersetzt wurde, bis es quasi ausstarb. Erhalten geblieben ist es heute nur im Fachterminus Minnesang.


Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Minne“


Hohe und Niedere Minne
Minnesang wird oft fälschlicherweise mit einem mittelalterlichen Liebeswerben gleichgesetzt, das trifft den Kern der Sache aber nicht ganz. Zum Minnesang gehört ebenfalls die Entsagung von einer anderen Liebe. Die Liebe soll nur einer Frau gelten. Das Liebeswerben wird im Idealfall nicht erhört und gibt dem Liebenden die Möglichkeit, weiter um die Frau zu werben.
Unterteilung der Minne:

Hohe Minne: Die hohe Minne ist immer die "Liebe" zu einer Frau von hohem adligen Stand, Die Frau wird als "Herrin" bezeichnet und steht über dem Manne. Dieser muss Zurückhaltung und Ergebenheit zeigen, und auch nach einer Ablehnung sollte er ihr die Treue beweisen. Der abgelehnte Mann kann in dieser Situation seine Tugend unter Beweis stellen, in dem er nicht einmal in Augenblicken der größten Gefahr seine Minnedame vergisst.

Niedere Minne: Die hohe Minne wird selten erhört, deshalb gibt es Poeten, die eine Minne pflegen, die angenommen wird und ausgeführt wird. Diese richtet sich häufig an Frauen und Damen, die nicht dem gehobenen Adelsstand angehören. Hartmann von Aue selbst gibt an, daß er in Zukunft nur noch arme wîbe minnen möchte. Arm bedeutet "von geringem Stand", also soll um eine Frau von niedrigerem Stand als dem Dichter selbst geworben werden.

Ebene Minne: Diese Minne soll eine Mischung aus Hoher Minne und Niederer Minne sein. Die hohe Minne ist zwar sehr tugendreich, aber nicht befriedigend. Die niedere Minne ist stark auf die Sexualität bezogen, aber ohne die hohe Ethik der hohen Minne. Deshalb soll bei der ebenen Minne ein Ausgleich zwischen Erotik und Tugend gefunden werden.


www.planet-wissen.de/pw/Artikel

Die hohe Minne
Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich am Hofe die hohe Minne als Kunst und Form der Tugend. Dabei galt für den Minnediener nicht die Eroberung, sondern allein der Dienst an der Verehrung und die Hingabe an die reine, adlige Frau, der Herrin - nicht selten der Ehefrau des Burgherren. An ihr war es, den Verehrer zurückzuweisen. Durch die Zurückweisung konnte er seine Kunst stets weiter vervollkommnen und immer reiner und besser in seinem Streben werden. Auch im Werben zählten Tugenden wie Ehrbarkeit, Verschwiegenheit und Treue.


Die Gunst der höher gestellten Frau musste sich der Mann durch Leistungen wie Preislieder oder Waffentaten verdienen. Die hohe Minne verzichtete auf die erotische Erfüllung, denn dies hätte das Ende des künstlerischen und sittlichen Strebens bedeutet. "Wer die hohe Minne wünscht, muss vorher, nachher um sie dienen", formulierte Wolfram von Eschenbach im "Parzival".


Die niedere Minne
Natürlich wussten die Männer die Reize der körperlichen Liebe zu schätzen. Da Wert und Ehre der edlen Damen vornehmlich in deren Unerreichbarkeit bestand und eine platonische, sich verzehrende Liebe schwer durchzuhalten war, wandten sich die Herren der Schöpfung auch den Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu, die zu mehr bereit waren. Es waren dies zumeist unverheiratete, in der sozialen Hierarchie niederer stehende Frauen, für die zum Teil auch keine Heirat vorgesehen war. Sich am Hofe auf eine Beziehung mit einer adligen, gar verheirateten Dame einzulassen, war heikel, denn man lief leicht Gefahr, sie bloßzustellen.

Ehebruch seitens der Frau war ein schweres Verbrechen, bei Männern dagegen wurde ein ausschweifendes Liebesleben toleriert. So war die Frau weder in der Fiktion noch in der Realität dem Manne gegenüber gleichberechtigt: einerseits überhöht, andererseits untergeordnet. Die Liebe zwischen Eheleuten galt als verwandtschaftliche Zugeneigtheit - leidenschaftliches Begehren war eher in außer- oder unehelichen Verhältnissen zu finden. Erst ab dem Hochmittelalter behandelten Männer Frauen zunehmend ebenbürtig, man entdeckte die Liebe, auch in der Ehe, neu.

Die Kunst des Minnesangs
Mit "Minnesang" wird die ritterlich-adlige Liebeslyrik bezeichnet, die von der "Spruchdichtung" und ihren politischen, religiösen und moralischen Themen abgegrenzt wird. Der liedhafte Vortrag des Minnesangs stellte eine feste, zentrale Größe im höfischen Festtagsablauf dar und wurde oft in Form eines Wettstreits dargeboten - wie eine sublime Art des ritterlichen Turniers. Aus allen Ständen kamen die Minnesänger, sogar Könige waren darunter - im Gegensatz zum starken Gefälle innerhalb des Ritterstandes standen die Ritter als Minnesänger gleichrangig nebeneinander.

Im Minnesang als Liebeslyrik wurde sämtlichen Facetten der Minne Rechnung getragen. Nachdem zunächst eine natürliche, gleichgeordnete Liebe zwischen Mann und Frau dargestellt wurde, wurde die hohe Minne zum zentralen Inhalt der Dichtung. Die unerreichbare edle Frau wurde kunstvoll besungen und überhöht, transzendentiert und nahezu göttlich verehrt. In dieser Art war die Kunst abstrakt und idealistisch entrückt und wurde schließlich auf die Spitze getrieben.


Da einerseits keine Steigerung mehr möglich und andererseits kaum mehr Realitätsnähe erkennbar war, kehrten sich Minnesänger wie Walther von der Vogelweide von der Darstellung der hohen Minne ab. So wurde der Minnesang im späteren Mittelalter durchaus handfester, burlesker - und die niedere Minne zum Thema.


http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,2116175,00.html



Und jetzt noch die Praxis:


In sô hôher swebender wunne

von Heinrich von Morungen

In sô hôher swebender wunne
sô gestuont mîn herze ane vröiden nie.
ich var, als ich vliegen kunne,
mit gedanken iemer umbe sie,
Sît daz mich ir trôst enpfie,
der mir durch die sêle mîn
mitten in daz herze gie.

Swaz ich wunneclîches schouwe,
daz spile gegen der wunne, die ich hân.
luft und erde, walt und ouwe
suln die zît der vröide mîn enpfân.
Mir ist komen ein hügender wân
und ein wunneclîcher trôst,
des mîn muot sol hôhe stân.

Wol dem wunneclîchem maere,
daz sô suoze durch mîn ôre erklanc,
und der sanfte tuonder swaere,
diu mit vröiden in mîn herze sanc,
Dâ von mir ein wunne entspranc,
diu vor liebe alsam ein tou
mir ûz von den ougen dranc.

Saelic sî diu süeze stunde,
saelic sî diu zît, der werde tac,
dô daz wort gie von ir munde,
daz dem herzen mîn sô nâhen lac,
Daz mîn lîp von vröide erschrac,
un enweiz von liebe joch,
waz ich von ir sprechen mac.



Herzliche Grüße
von Leòn

http://www.literaturwelt.com/epochen/hochmittelalter.html
 
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19.03.06
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Das Problem der Definition

Hier mal ein bisschen etwas zu dem Thema aus freimaurerischer Sicht:

http://www.internetloge.de/


1. Ist LIEBE eine Wissenschaft?
Die Meinungen gehen auseinander. Es kam sogar vor, daß sich ein Autor selbst widersprach. Ein deutscher Philosoph drückte sich in etwa so aus:

"Wenn der Wissenschaftler über die LIEBE zu reden beginnt, bewegt er sich zwischen Scylla und Charybdis. Hält er starr an der konventionellen Sprache der Wissenschaft fest, dann wird sein Bemühen ebenso unfruchtbar und vergeblich bleiben, wie es bei der Anwendung von wissenschaftlichen Begriffen auf das menschliche Zusammenleben charakteristisch ist".
In einem Essay über die LIEBE stellt ein anderer Philosoph fest, daß es ein Irrtum wäre zu glauben, es gäbe keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über die LIEBE. Er beklagt die allgemeine Ansicht, daß angeblich jeder außer dem Wissenschaftler vorgibt, etwas über die LIEBE zu wissen. Diese allgemein verbreitete Haltung erschwere es, über dieses Thema zu verbindlichen Aussagen zu gelangen.

2. Problem der Definition:
Wann immer man sich mit einem Begriff auseinanderzusetzen hat, verlangt die Methodik zuerst seine Definition. Hier türmte sich vor mir eine unüberwindbare Klippe auf. Mit einem solchen Problem konfrontiert, holt man sich Hilfe im Wörterbuch. Hier einige Kostproben:

Der Brockhaus sagt dazu: "LIEBE ist ein Sammelbegriff einer Vielfalt menschlicher Gefühlsbindungen, denen die rational nur unvollständig begründbare Wertbejahung unseres Objektes zugrunde liegt." Und fügt hinzu: "Fehlt der LIEBE bewußt der sexuelle Akzent, so nennt man eine solche LIEBE --- Sympathie."
Aus den weiteren Ausführungen werdet ihr sehen, warum ich bereits der eigentlichen Definition schwer zustimmen konnte; der dann folgende Zusatz macht die ganze Sache undiskutabel.

In einer älteren Ausgabe des gleichen Werkes findet sich ein noch weniger akzeptabler Definitionsversuch. Dort steht:

"LIEBE im allgemeinen Sinne des Wortes ist das mit einem mehr oder minder lebhaften Wunsch des Besitzes verbundene Gefühl der Wertschätzung eines Objektes."

Meyer's Lexikon versucht es gar auf m. E. nicht zulässige Weise, indem es

"LIEBE als die dem Haß entgegengesetzte Zuneigung" beschreibt.
Der dann folgende Satz lenkt diesen mißlungenen Versuch einer Definition vollends in eine zumindest für uns unbrauchbare Richtung. Es heißt dort:
"LIEBE ist eine seelische Bindung zu einer Person des anderen Geschlechtes und kommt durch instinktive Veranlagung zustande."

Wesentlich besser gefällt mir schon die Ansicht M. Scherer's:

"LIEBE", sagt dieser, "ist kein Gefühl, sondern eine Werthaltung der Person, an die sich Gefühle anschliessen können".

Der Grund für diese Definitionsschwierigkeit mag darin begründet sein, daß im Deutschen, wie in keiner anderen Sprache, unter dem Wort LIEBE ungeheuer viel subsummiert wird. Andere Sprachen bieten, wofür es bei uns eben nur dieses eine Wort gibt, eine ganze Palette zur Auswahl. Nehmen wir das Englische zum Beispiel:

love, devotion, affection, contentment, passion, fondness, charity, hearts's delight ...
Diese Aufzählung ist nicht komplett. Griechen und Lateiner unterschieden ebenfalls sehr klar zwischen eros und agape beziehungsweise amor und caritas. In der russischen Sprache gibt es einen Begriff, welcher zwar von dem Wort LIEBE abgeleitet ist, den gleichen Wortstamm, nur eine andere Endung hat; und schon bedeutet diese Wort nicht LIEBE im Sinne von "Gutheißen", sondern lediglich "es ist gut, angenehm und erfreulich, Dich zu betrachten". Quasi - LIEBE mit den Augen.

Es kommt ein weiteres hinzu. Wer immer sich die Frage stellte, was man unter LIEBE verstehe, beantwortete sie aus seiner Zeit heraus. Ich will erläutern, wie das gemeint ist:

Im frühen Mittelalter besaß die deutsche Sprache noch ein anderes seinerzeit gebräuchliches Wort mit eindeutig anderer Bedeutung, als Alternative zu LIEBE. Die Minne, d. h, die selbstlose, aufopfernde, meist einseitige und in jedem Falle unerfüllte Bewunderung und Anbetung einer weiblichen Person. Bis ins späte 15. Jahrundert war LIEBE nur ein Begriff im Zusammenhang mit Gott. In den darauffolgenden Jahrhunderten bestimmten Macht und persönliche sowie verwandschaftliche Bande, was LIEBE ist. Bei Machiavelli war der Inhalt des Begriffes LIEBE durch die politischen und moralischen Ansichten seiner Epoche geprägt. Die völlig neuen Probleme der Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren Katalysator für die Freud'sche Analyse der LIEBE. Unsere heutige gesellschaftliche und soziale Struktur im kapitalistischen Westen, ihre sehr materialistische Lebensanschauung, hat zweifelsohne ein anderes Verständnis für die LIEBE geschaffen.

Über kaum ein Thema ist so viel und so vielseitig geschrieben worden, wie über die LIEBE, doch nie vollständig und absolut befriedigend. Trotzdem, es hilft alles nichts, ich muß, um weiterzukommen, den Versuch einer Wortdeutung vornehmen. Ich muß Farbe bekennen, muß meinen Standpunkt klären, sonst kann es nicht gelingen, die eigentliche Frage zu beantworten, die uns heute beschäftigt: Was hat der Freimaurer unter LIEBE zu verstehen?


Fortsetzung folgt!
 
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19.03.06
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Definition II

LIEBE ist - per definitionem - lebensspendend und befreiend. Sie ist eine willentliche Bejahung des eigenen und auch des fremden Seins. Sie ist ein aus dem Verstand erwachsenes tiefes Verwandschaftsgefühl, daß ein jeder für sich erfahren muß. Die exakte Bedeutung wird entscheidend davon abhängen, welchen Reifegrad der Liebende erreicht hat. Sie wird also von Person zu Person unterschiedlich sein. Zweifelsohne ist die LIEBE eine der wesentlichsten menschlichen Regungen, gleichzeitig auch eine der komplexesten und daher schwer konkreter zu beschreiben.

Aus allen von mir zu diesem Thema gelesenen Büchern gefielen mir am besten die Gedanken von Erich Fromm in seiner Schrift über "Die Kunst des Liebens". Nicht, daß ich allem zustimme. Aber da viele seiner Thesen und Ansichten weitgehend unserem Gedankengut entprechen, so daß man fast den Verdacht hegen könnte, Fromm sei ein Freimaurer, halte ich mich im folgenden an seine Ausführungen. Gelegentlich werde ich wörtlich Zitate übernehmen, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen.

Gehen wir davon aus, daß LIEBE eine Willensäußerung ist. Sie ist eine positive Bejahung des eigenen Ichs und des anderen Menschen. Oder anders ausgedrückt: Jemanden oder etwas lieben heißt, jemanden oder dieses Etwas "Gut" nennen, zu ihm gewendet sagen: "Gut, daß es das gibt, gut, daß du auf der Welt bist". Da dies eine Willenserklärung und nicht nur eine rhetorische Bemerkung ist, ist es kein unverbindlicher Aussagesatz, sondern engagierte Zustimmung.

LIEBE bedeutet nicht nur jemanden zu billigen, wie er ist, ihn stillschweigend und distanziert zu akzeptieren. Das nenne ich tolerierende Neutralität als bloßes Einverständnis. LIEBE dagegen ist gewollte Bejahung. LIEBE ist also eine Weise - zu wollen. Sie ist Handlung, eine aktive Tätigkeit.

Sehen wir die LIEBE als eine Tätigkeit an, Fromm bezeichnet sie sogar als Kunst, so sollte sie auch erlernbar sein, zumindest müßte es Anleitungen und Ratschläge dafür geben. Doch ehe wir uns dieser Frage zuwenden, wollen wir wissen, ob wir die LIEBE überhaupt brauchen oder ob sie nur eine angenehme Zeiterscheinung ist. Die Frage scheint banal und die Antwort darauf eindeutig zu sein. Sie ist jedoch m. E. wichtig, denn sie beweist, daß LIEBE nicht nur Voraussetzung der menschlichen Existenz ist, sondern und vor allem unabdingbare Notwendigkeit für ein friedliches Zusammenleben der Menschen.

Das spezifisch biologische Bedürfnis, das Verlangen nach der Vereinigung des weiblichen und männlichen Pols sind entscheidend für die Erhaltung der Art. Bedeutsamer ist, daß erst die LIEBE das universale, existenzielle Bedürfnis nach Einheit befriedigen kann. Nur die Fähigkeit zu lieben versetzt uns in die Lage, die menschliche Einsamkeit zu überwinden.

Der Wunsch, ja das Verlangen geliebt zu weren, ist jedem Menschen immanent. Die LIEBE ist ein Akt des Gebens, des Sichverschenkens. Dies verleiht der LIEBE eine besondere Macht: Die Macht, LIEBE zu erzeugen. Wer nicht lieben kann, ist zur Einsamkeit verdammt. Wer vereinsamt, verliert den Kontakt zu der Welt um sich, gerät in Gefahr, seine Menschlichkeit einzubüßen. Unbrüderlichkeit gegen andere, Haß gegen sich selbst, ist die unausweichliche, schreckliche Konsequenz.

Laßt mich Zwischenbilanz ziehen:
Ich habe versucht, das Wort LIEBE zu definieren, dann zu beschreiben mich bemüht, was wir Freimaurer als LIEBE verstehen sollten. Der nächste Schritt wäre zu untersuchen, wen sollen wir lieben, wer sollte das Ziel, Objekt unserer LIEBE sein. Der nun folgende Absatz ist ein wörtliches Zitat aus dem eingangs erwähnten Buch.


LIEBE ist nicht in erster Linie eine Bindung an eine bestimmte Person. Sie ist eine Haltung, eine Charakter-Orientierung, welche die Bezogenheit eines Menschen zur Welt als Ganzem und nicht nur zu einem einzigen "Objekt" der LIEBE bestimmt. Wenn jemand nur eine einzige andere Person liebt und ihm alle übrigen Mitmenschen gleichgültig sind, dann handelt es sich bei seiner LIEBE nicht um LIEBE, sondern um eine symbiotische Bindung oder um einen erweiterten Egoismus. Trotzdem glauben die meisten Menschen, LIEBE komme erst durch ein Objekt zustande und nicht aufgrund einer Fähigkeit. Sie bilden sich tatsächlich ein, es sei ein Beweis für die Intensität ihrer LIEBE, wenn sie außer der "geliebten" Person niemanden lieben. Es ist dies ein Irrtum. Weil man nicht erkennt, daß die LIEBE ein Tätigsein, eine Kraft der Seele ist, meint man, man brauche nur das richtige Objekt dafür zu finden und alles andere gehe dann von selbst. Man könnte diese Einstellung mit der eines Menschen vergleichen, der gerne malen möchte und der, anstatt diese Kunst zu erlernen, behauptet, er brauche nur auf das richtige Objekt zu warten, und wenn er es gefunden habe, werde er wunderbar malen können. Wenn ich einen Menschen wahrhaft liebe, so liebe ich alle Menschen, so liebe ich die ganze Welt, so liebe ich das Leben. Wenn ich zu einem anderen sagen kann: "Ich liebe dich", muß ich auch sagen können: "Ich liebe in dir auch alle anderen, ich liebe durch dich die ganze Welt, ich liebe in dir auch mich selbst".

Fromm unterscheidet vier Arten der LIEBE:
Nächstenliebe, Selbstliebe, erotische LIEBE und LIEBE zu Gott.

Da hier der begrenzte Versuch unternommen wird, herauszufinden, was LIEBE im freimaurerischen Sinne ist, so kann erotische LIEBE und LIEBE zu Gott im weiteren Verlauf der Betrachtung außer acht gelassen werden.

Fromm gelangt zu der Erkenntnis, daß Nächstenliebe ohne Selbstliebe nicht möglich sei. Ausgangspunkt und Beweis seiner Argumentation ist das Bibelwort: "LIEBE deinen Nächsten wie dich selbst". Er widerspricht der sicher weit verbreiteten Meinung, es sei eine Tugend andere, jedoch eine Sünde, sich selbst zu lieben. Prominentester Verfechter dieser These war S. Freud. Verständlich, denn da für ihn Erotik die einzige Motivation für die LIEBE darstellt, und die Libido die ausschließliche Manifestation der LIEBE ist, muß er zwangsläufig zu diesem Ergebnis kommen und die Selbstliebe negativ bewerten. Fromm hingegen vertritt vehement die Ansicht, daß die Achtung vor der eigenen Integrität, die LIEBE zum eigenen Selbst untrennbar mit der Fähigkeit verbunden ist, den anderen zu verstehen. Selbstliebe wäre geradezu unabdingbare Voraussetzung für unsere LIEBE zu anderen Menschen, denn Nächstenliebe, so Fromm, ist die LIEBE zu allen menschlichen Wesen. Es sei geradezu kennzeichnend für sie, daß sie niemals exclusiv ist. Wenn sich in einem Menschen die Fähigkeit zu lieben entwickelt, könne er gar nicht umhin, als seinen Nächsten zu lieben. Die Nächstenliebe gründe sich auf die Erfahrung, daß wir alle eins sind. Wollen wir dies erkennen, so dürften wir nicht den Nächsten an seinem Äusseren, an den trennenden Unterschieden messen. Um seine Identität wahrzunehmen, müssten wir uns bemühen, bis an den Kern vorzudringen. Dann würden wir erkennen, daß wir alle Brüder sind. Mit einer dialektischen Argumentation bemüht sich Fromm, seinen absolut positiven Begriff der Selbstliebe zu verteidigen. Als Gegenpol zur positiven Selbstliebe sieht er die abzulehnende Selbstsucht. Wie zum Beweis fragt Fromm, ob denn Selbstsucht nicht geradezu eine Folge mangelnder Selbstliebe sei. Ich glaube, das ist etwas unbefriedigend, vor allem auch, da Fromm seinen Beweis in Form einer Frage formuliert.

Akzeptabler finde ich die Auffassung, daß sich die LIEBE zu anderen Menschen und die LIEBE zu sich selbst keineswegs ausschliessen. Die LIEBE zu anderen und die LIEBE zu uns selbst stellen keine Alternative dar; ganz im Gegenteil, man wird bei vielen, die fähig sind zu lieben, beobachten können, daß sie sich selbst lieben. Wenn es eine Tugend ist, seinen Nächsten als ein menschliches Wesen zu lieben, dann muß es doch auch eine Tugend und kein Laster sein, wenn man sich selbst liebt, da man auch selbst ein menschliches Wesen ist. Daß Fromm's Begriff von Selbstliebe nichts mit Egoismus zu tun hat, ist eindeutig. Da er darunter eine grundsätzliche Bejahung des Ichs, der eigenen Existenz und somit in der LIEBE eine positive Lebenseinstellung erkennt, fällt es mir leicht, ihm zu folgen. Einige Schwierigkeiten hingegen bereitet mir die folgende These: LIEBE, so schreibt Fromm, ist keine Abstraktion, die auf die LIEBE zu einer bestimmten Person folgt. Sie gehe ihr vielmehr voraus.

Vielleicht ist eine streng philosophische Betrachtungsweise anzuwenden, um dieser Ansicht vorbehaltlos zustimmen zu können. Die erste LIEBE, so denke ich, begegnet dem Menschen in Form der Mutterliebe. Ein natürlicher Vorgang, keinesfalls bedacht, Gegenliebe zu erzeugen. Mutterliebe erweckt im Kind nur das Gefühl der Geborgenheit. Dieser so früh gelegte Keim beginnt zu sprießen, wenn eine Bezugsperson gefunden wird. Eben diese einem einzigen Partner zugewendete Intensität versetzt den Menschen auf einen Standort, von dem her ihm die Gutheit, die Liebenswürdigkeit aller Menschen, ja aller Wesen überhaupt zum ersten Mal unmittelbar einleuchtet. Ich will damit ausdrücken, erst "punktuelle" LIEBE, in diesem Stadium sicher erst nur das, was man als Jugendlicher darunter zu verstehen glaubt, weckt in uns Wunsch, Verlangen und Fähigkeit zu lieben. Vielleicht kann ich Mutter Theresa als Zeugin für meinen Standpunkt aufrufen, denn sicher gab ihr erst die LIEBE zu Gott die Kraft, alle zu lieben.

Es ist nur folgerichtig, wenn Fromm die Nächstenliebe als eine LIEBE unter Gleichen bezeichnet. Diese Gleichheit sieht er allerdings nur darin, daß jeder von uns mal der Hilfe bedarf. Nur in diesem vorübergehenden Zustand der Hilflosigkeit sind wir uns gleich. In der selbstlosen Fürsorge um den Hilfsbedürftigen entfaltet sich die Nächstenliebe. So sehe ich auch die Armensammlung weniger als eine humanitäre Tat, als vielmehr eine symbolische Form der Mahnung und eine Aufforderung, im täglichen Leben im Hilfsbeürfigen unseren Bruder zu sehen.

Wir bezeichnen die Freimaurerei als eine königleiche Kunst. Da ich die fremde Meinung übernommen habe, daß auch die LIEBE eine Kunst ist, so muß ich mich fragen, welche Eigenschaften wir Freimaurer aufweisen müssen, die für die Fähigkeit zu lieben von spezifischer Bedeutung sind. Was ist unser Rüstzeug, was sollten unsere Werkzeuge sein, um lieben zu können?

Da ich die LIEBE als einen tätigen Akt verstehen will, so ist die Fähigkeit zur LIEBE abhängig von der charakterlichen Entwicklung des Betreffenden; von einer, wie schon vorher erwähnt, bestimmten Reife.

Fromm stellt drei Eigenschaften in den Vordergrund:
Vernunft, Demut und Objektivität.

Vernunft ist die Fähigkeit, objektiv, ohne Vorurteil, wir sagen "mit dem Senkblei in der Hand", zu urteilen. Fehlt objektive Orientierung, bleiben wir ohne Verständnis für unsere Mitmenschen. Mangelt es uns an Objektivität, so wird es bereits schwer fallen, Toleranz zu üben, geschweige denn, den Nächsten zu lieben. Mehr noch, fehlende Objektivität, d. h. Dinge durch die verzerrende Brille der eigenen Wünsche und nicht so wie sie wirklich sind zu sehen, erzeugt nicht nur Angstpsychosen, ein bedauerliches Phänomen unserer heutigen Welt, sondern verhindert das eigene Ich in Einklang mit seiner Umwelt zu bringen.

Die der Vernunft zugrundeliegende emotionale Haltung ist Demut. Man kann objektiv urteilen, sich seiner Vernunft bedienen, wenn man gelernt hat, demütig zu sein. Demut, wie ich sie hier beschreibe, wird im freimaurerischen Bereich verdeutlicht durch einige bei der Aufnahme vermittelte Weisheiten und besonders durch die Forderung nach "erkenne dich selbst".

Ich möchte noch eine vierte m. E. sehr wesentliche und unbedingt notwendige Eigenschaft hinzufügen: Wer lieben will, muß glauben können, denn LIEBE ist auch ein Akt des Glaubens. Wir müssen glauben, daß unser Leben einen Sinn hat, glauben, daß Leben auch Pflicht bedeutet, glauben an Gott oder einen Baumeister aller Welten. Glaube ist, das sage ich mit Überzeugung, Voraussetzung für unsere Existenz. In unserer Fähigkeit zu lieben erreicht unsere Existenz ihre höchste Vollendung. Wer nicht glaubt, kann nicht lieben. Es ist heute "in", Angst zu haben. Es kann kein Zufall sein, daß viele dieser Ängstlichen ohne Glauben sind. Es ist nur folgerichtig, daß sie nicht lieben können.

Wenn wir im Ritual immer wieder zur LIEBE aufgerufen werden, so sehe ich darin eine Aufforderung zur Aktivität. Wir werden ermahnt, an uns, am Rauhen Stein unablässig zu arbeiten, uns zu vervollkommnen, damit in uns der Wunsch geweckt werde, zu geben. Hier ist nicht das Materielle gemeint. Nicht das Schenken im Sinne eines Opfers, sondern der zwischenmenschliche Bereich ist gefordert. Das kann Fürsorge, Verständnis, Interesse, Freude, Hilfsbereitschaft und Vertrauen sein.

LIEBE als Gebot der Freimaurerei ist Ausdruck inneren Produktivseins. LIEBE ist eine willentliche Bejahung des eigenen und fremden Seins. Sie ist eine ganz persönliche Erfahrung, die wir nur mit Vernunft und Demut, Disziplin und Beharrlichkeit erwerben werden. Nur mit Hingabe und offenem Herzen werden wir diesem Ziel näherkommen. LIEBE im freimaurerischen Sinne ist nicht etwas, was uns plötzlich überkommt, was uns wie eine Verzauberung widerfährt. Grundlage für die Praxis des Liebens ist die Aktivität der Sinne, des aus sich heraus Tätigseins. Die Fähigkeit zu lieben erfordert einen Zustand ständiger, intensiver Wachsamkeit und gesteigerter Vitalität. Die Kehrseite ist das Nichtlieben können, die prinzipielle Teilnahmslosigkeit.

Nicht nur andere, auch wir selbst sind Objekte unserer Gefühle und Einstellungen. Nur eine positive Einstellung zu uns selbst, zu unserem Leben, wird uns die Fähigkeit zur LIEBE erlernen lassen. Augustinus sagte: "Wenn du dich selber nicht zu lieben weißt, kannst du auch den Nächsten nicht in Wahrheit lieben".

LIEBE ist ein Lebensquell. Was ist der Mensch ohne sie? In den "Brüder Karamasow" läßt Dostojewski den alten Sossima klagen:

"Ihr Väter und Lehrer, was ist die Hölle? Ich denke,
sie ist der Schmerz darüber, daß man nicht mehr zu
lieben vermag."

http://www.internetloge.de/arstzei/wmliebe.htm
 
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