Interpretation der Schilddrüsenblutwerte

WerniMD

Hallöle,

aus eigenem Interesse habe ich mal versucht, eine Interpretation der Schilddrüsenwerte zusammenzustellen. Es finden sich überall verteilt leider immer nur ein paar Häppchen. Ich stelle das hier mal zur Diskussion und Ergänzung. Insbesondere wünsche ich mir eine rege Diskussion bzgl. ergänzender Aussagen, die eine Interpretation erleichtern. Gern können auch konkrete Konstellationen und ärztliche Befunde als Beispiele angehängt werden.

Ergänzend sei erwähnt, dass eine genaue Interpretation und Diagnose natürlich ein Endokrinologe vornehmen sollte. Doch überweist der Hausarzt ja erst gar nicht an den Facharzt, wenn der TSH im Normbereich liegt, der zumeist alleinig untersucht wird. Und das Dilemma mit dem TSH-Normbereich ist weiter unten beschrieben. Leider sind auch nicht alle Endokrinologen wirklich Spezialisten in Sachen Schilddrüse und verfügen oftmals auch nicht über die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Nachfolgende Ausführungen sollen daher als erste Hilfestellung dienen.

Gruß
Werni

Interpretation der Schilddrüsenblutwerte

TSH bzw. TSH basal = Thyreotropin
TSH wird von der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet und gelangt im Blut zur Schilddrüse. Es regt dort die Jodaufnahme und die Produktion von T4 und T3 an. Steigt die Konzentration von T3 und T4 im Blut an, sinkt die Bildung von TSH ab, weil die Schilddrüse weniger stimuliert werden muss. Hirnanhangdrüse und Schilddrüse stehen so in einer Wechselbeziehung. Die Bestimmung des TSH ist Basis jeder Schilddrüsenfunktionsdiagnostik.

Normalbereich:0,27 - 2,5 mU/l

Jedoch sind die Referenzbereiche nicht genormt und werden von Laboren unterschiedlich angegeben. So wird von den meisten Labors ein Wertebereich von 0,27 - 4,2mU/l angegeben. Nur im Endokrinologikum hat sich der neue obere Grenzwert von 2,5 durchgesetzt.

T3 gesamt = Trijodthyronin
Es ist das wirksamste der Schilddrüsenhormone. Es verbleibt zehn bis 19 Stunden im Körper und wird dann abgebaut.
Normalbereich Erwachsene: 0,8 - 2,0 ng/ml oder 1,4 bis 2,8 nmol/l

fT3 = freies Trijodthyronin
T3 und T4 zirkulieren nicht frei im Blut, sondern sind zum größten Teil an sogenannte Transportproteine gebunden. Nur ungebundenes, also „freies“ T3 und T4 (präzise Bezeichnung: fT4 und fT3), kann aber im Körper als Botenstoff wirken. Man bezeichnet T3 und T4 auch als „periphere“ Schilddrüsenhormone.

Normalbereich: 2 - 4,4 pg/ml oder 5,4 - 12,3 pmol/l

Im Gegensatz zum fT4 ist das fT3 erst bei ausgeprägten Hypo- bzw. Hyperthyreosen erniedrigt bzw. erhöht, da der Körper die bedarfsgerechte Umwandlung je nach Bedarf steuern kann.
Erhöhte Werte: Es liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Erniedrigte Werte: Es liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor. Bei länger andauernden schweren Erkrankungen kann das fT3 erniedrigt sein, ohne dass eine Hypothyreose vorliegt (Low T3-Syndrom).
Ist fT4 erhöht bzw. fT3 erhöht und der nicht-supprimierte TSH normal, handelt es sich um eine "nicht-adäquate TSH-Sekretion. Erläuterung dazu: Findet man bei schneller Änderung des Krankheitsverlaufes oder der Therapie, auch bei TSH-produzierenden Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), hypophysäre SD-Hormon-Resistenz, hochdosierter beta-Blockertherapie und einigen anderen Erkrankungen, die nicht direkt die Schilddrüse betreffen.

T4 gesamt = Tetrajodthyronin od. Thyroxin
Im Blut kursiert etwa dreimal so viel T4 (Thyroxin) wie T3. T4 ist vor allem als Vorstufe (Prohormon) des hochwirksamen T3 von Bedeutung und wird in den Körperzellen bedarfsabhängig umgewandelt.

Normalbereich Erwachsene: 5,1 - 14,1 ng/dl oder 77 - 142 nmol/l

fT4 = freies Tetrajodthyronin od. Thyroxin
T3 und T4 zirkulieren nicht frei im Blut, sondern sind zum größten Teil an sogenannte Transportproteine gebunden. Nur ungebundenes, also „freies“ T3 und T4 (präzise Bezeichnung: fT4 und fT3), kann aber im Körper als Botenstoff wirken. Man bezeichnet T3 und T4 auch als „periphere“ Schilddrüsenhormone.

Normalbereich: 0,8 - 1,8 ng/dl (8 - 18 pg/ml) oder 10 - 23 pmol/l

Unter einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen gilt eine erweiterte obere Normbereichsgrenze (laborabhängig 2,5 bis 3,5 ng/dl) für das fT4.
Erhöhte Werte: Es liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor. Erniedrigte Werte: Es liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor.

Folgende Tabelle verdeutlicht den Zustand der Schilddrüse bei verschiedenen Konstellationen der Blutwerte.

fT3........|.fT4........|.TSH basal..|.Aussage
-----------|------------|------------|--------------------------
normal.....|.normal.....|.normal.....|.gesund (Euthyreose)
erhöht.....|.erhöht.....|.erniedrigt.|.manifeste Hyperthyreose
erniedrigt.|.erniedrigt.|.erhöht.....|.manifeste Hypothyreose
normal.....|.normal.....|.erhöht.....|.latente Hypothyreose
normal.....|.normal.....|.erniedrigt.|.latente Hyperthyreose

Da die Blutwerte oft mit unterschiedlichen Wertebereichen und Einheiten angegeben werden und daher eine Vergleichbarkeit nicht gegeben ist, hilft eine Umrechnung in prozentuale relative Werte mit folgender Formel:

(Befund-Wert - Unterer Normwert) / (oberer Normwert - unterer Normwert) * 100 = relativer Wert in %

Aussagen
Nach einer Empfehlung der „National Academy of Clinical Biochemistry“ sollte der obere TSH-Grenzwert nach unten korrigiert werden, weil bereits ab einen TSH-Wert von 2,5 eine latent hypothyreote Stoffwechsellage (SD-Unterfunktion) besteht und eventuell abgegrenzt werden muss. Der neue empfohlene TSH-Referenzwert liegt daher bei 0,4- 2,5.

Leider berücksichtigen die meisten Ärzte in Deutschland nur den TSH-Wert, um die Versorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen zu überprüfen. Ist der TSH-Wert unter 4,5, besteht für viele Ärzte kein Handlungsbedarf, auch wenn FT4 und/oder FT3 unter der Norm oder grenzwertig erniedrigt sind und der Patient eindeutige Unterfunktionssymptome hat. Dabei ist das TSH ein Hypophysenhormon und somit nur ein indirekter Indikator der Versorgung mit den Schilddrüsenhormonen FT4 und FT3.

Die Erfahrung von Hashimoto-Patienten und auch aktuelle Studien haben gezeigt, dass der TSH-Wert nicht nur erhöht - ja sogar unter 2,5 sein kann- und eine Unterfunktion (Mangel an FT4 und evtl. FT3) trotzdem bestehen kann. Meist sind dabei die freien Werte FT4 und FT3 (die tatsächlichen Schilddrüsenhormone) grenzwertig erniedrigt oder unter der Norm. Eine Umfrage unter Hashimoto-Patienten hatte ergeben, dass die meisten Patienten sich bei erniedrigtem FT3 und FT4 unwohl fühlen. Das heißt, sie haben Unterfunktionssymptome und fühlen sich erst bei freien Werten im mittleren bis oberen Normbereich wohl.

Mit welchen gesundheitlichen Problemen und Einschränkungen ihrer Lebensqualität viele Erkrankte leben müssen, weil immer noch viele Ärzte ihr Leiden auf psychische Ursachen zurückführen und einen TSH bis 4,0 mU/L immer noch als in der Norm liegend und somit nicht als behandlungsbedürftig betrachten, sollte dabei auch bedacht werden.

Der Normwert auf den meisten Laborzetteln liegt bei etwa 0,4-4,0 mIU/l (kleine Abweichungen sind von Labor zu Labor möglich). Neuere Empfehlungen der Endokrinologen („Fachärzte für Hormone“) gehen jedoch dahin, den optimalen Bereich auf 0,5-2,0 mIU/l einzugrenzen. Wenn dieser Wert bei Ihnen beispielsweise bei 3,2 liegt, sagt Ihnen Ihr Arzt vermutlich: „Wunderbar, alles im grünen Bereich!“ Tatsächlich kann schon eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen – besonders dann, wenn Sie bereits Symptome einer solchen aufweisen. Dies ist erst seit wenigen Jahren bekannt und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sich diese Erkenntnis flächendeckend durchgesetzt hat. Max Planck merkte hierzu schon kritisch an: „Es dauert in der Wissenschaft nicht 30, sondern 60 Jahre, bis eine neue, umstürzende Erkenntnis sich durchsetzt. Es müssen nicht nur die alten Professoren, sondern auch ihre Schüler aussterben.“ Hoffen wir nur, dass es beim TSH nicht ganz so lange braucht.

Unterfunktion: TSH erhöht und FT4 und/oder FT3 erniedrigt.
ABER: die Referenzbereiche der Labore sind unterschiedlich. Alles seit ewigen Zeiten nicht standardisiert und nicht validiert.
Ewiger Streit, was die richtigen Referenzbereiche sind.
D.h. der Patient muß mit den Referenzbereichen des jeweiligen Labors arbeiten und die Werte möglichst immer im gleichen Labor bestimmen lassen.

Primär wird UF oder ÜF bisher festgestellt am TSH-Wert.
Eine sogenannte subklinische UF ist = wenn ALLEIN der TSH-Wert erhöht ist, aber FT4 und FT3 noch (irgendwo) im Normalbereich sind.

TSH unter Behandlung: I. Wentz schreibt: Bei Hashimoto-Patienten hat man festgestellt, daß sich 69% der Patienten bei einem TSH unter 1.0 IU/ml gut fühlen und 57% bei einem TSH zwischen 1 und 2 IU/ml.
D.h. innerhalb des „richtigen“ des Referenzbereichs von 2.5 gibt es, was Hashimoto-Patienten betrifft, einen „Erfahrungs“-Bereich, in dem sich die meisten gut fühlen und sich deshalb daran orientieren sollten.

Die Symptome sind entscheidend und weisen ja erst auf das Problem hin. Die Symptome sind immer, immer, immer wichtig und müssen zusammen mit den sog. klinischen Zeichen (z.B. verkürzte Achillessehnen-Reflexzeit, kalte Haut ect.) und den Laborwerten berücksichtigt werden.
Im Extremfall kann es sogar so sein, daß ein Patient deutliche Symptome von UF hat, aber das Labor es nicht anzeigt oder noch nicht anzeigt. Aber das ist wirklich nicht die Regel, sondern die große Ausnahme.

FT3 und FT4 sollen nah bei einander liegen.

Referenzen
Blutuntersuchung: Das bedeuten Ihre Schilddrüsenwerte - gesundheit.de
Laborlexikon: Interpretation von Schilddrüsenhormonkonstellationen >>Facharztwissen für alle!<<
Leitfaden zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen der Schilddrüse
Thyroxin (T4) - ?bersicht
Schilddrüsenwerte - Onmeda.de
https://autoimmunpaleo.wordpress.co...e-t3-tsh-tpo-individuelle-schilddrusenmarker/
Erklärung der Schilddrüsenlaborwerte, Teil 1: Schilddrüsenhormonwerte | Schilddrüsenguide – Der unabhängige Internetwegweiser zu Erkrankungen der Schilddrüse
Schilddrüse – Symptome, Ursachen von Krankheiten
Hormonselbsthilfe Elisabeth Buchner | Themen | Schilddrüsenprobleme | TSH-Normwert - Diskussion zur TSH-Normwertbestimmung
Schilddrüsenwerte: Was sie aussagen - NetDoktor.de
Schilddrüsenwerte TSH-Wert (TSH basal) - Onmeda.de
 
wundermittel
regulat-pro-immune

WerniMD

War grade zum medizinischen Sonntag, einer Veranstaltung unserer Uniklinik. Thema war die Schilddrüse. Ich habe dort mal das Thema mit dem Dilemma des oberen TSH-Wertes angesprochen (2,5). Antwort war, dass das aus den USA rüber kommt und hier keine Bedeutung hat. Es wird erst mit Thyroxin substituiert, wenn der TSH also nach den alten und weiter gefassten Grenzen zu hoch ist (4,2). Eindeutige Unterfunktions-Symptome sind dann auch nicht weiter ausschlaggebend. Ich hätte vor Wut platzen können!!! Immer nur laborbasierte Medizin, wie es dem Patienten geht ist unwichtig! Was kann man nur gegen solche Einstellung tun???

Hier noch der Link zum Vortrag https://mediaweb.med.uni-magdeburg....?catalog=d5f25748-9398-4c0c-bcb6-de71c70ef82f
 
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WerniMD

Hallo Oregano,

den habe ich bestimmt nicht. Im Gegenteil. Meine Probleme und Beschwerden habe ich durch die jahrelange Einnahme von Kaliumiodid und letztlich vom Thyronajod gegen meine angebliche SD-UF. Das kann ich inzwischen recht gut anhand meines Krankenverlaufs nachvollziehen.

Gruß
Werni
 

WerniMD

Hier ein wie ich finde lesenswerter Kommentar zum Problem mit der Substituierung von Thyroxin:
Thyroxin wird zu häufig verordnet | DGE Blog
...
Gerade die Hashimoto-Thyreoiditis tritt in allen SHG für die Schillddrüse immer mehr auf und Jodmangelpatienten gibt es so gut wie keine, weil diese keine Krankheitssymptome aufweisen.

Und wiederum wird alles nur auf dem TSH-Wert abgestimmt, einen extrem unzuverlässigen und stark schwankenden Wert, über den es leider keine einheitlichen oder regionalen Referenzwertbereich gibt.

Nach der Erfahrung fast aller SHG-Leiter, mit denen ich gesprochen haben, kann man Hashimoto-Thyreoiditis-Patienten am TSH-Wert fast gar nicht diagnostizieren und therapieren genauso wenig.

Die angebliche Supprimierung des TSH-Wert durch die zu frühe Gabe von Thyroxin muss, wenn man sich am Wohfbefinden des Patienten orientiert, akzeptiert werden, was scheinbar ein paar Ärzte nicht hinnehmen wollen, weil es eine angebliche -und unbewiesene- Gefahr von Osteoporose und kardiovaskuläre Problemen gäbe.

Lieber sollen die Patienten jahrelang leiden und als Zombis, vollgestopft mit Psychopharmaka, durch die Gegend laufen, nur weil man einem TSH-Wert mehr glauben schenken will als dem Befinden der Patienten.

Kann man nicht den TSH-Wert links liegen und sich am Befinden der Patienten orientieren, wie es früher auch nur möglich war, und an den freien Werten, die eine wesentlich höhere Aussagekraft bei der Einstellung mit Thyroxin haben, als dieser alte Zopf von TSH, einen Hypophysenwerte, der auf viele Dinge reagieren kann.
...
Statt Thyroxin wird dann mehr Psychophamaka gegeben, was bei einer SD-Unterfunktion nichts nützt. und weil man abgöttisch nur das Heil im TSH-Wert mit hohen Obergrenzwerten sucht.


Muss eigentlich immer das Kind zuerst in den Brunnen gefallen sein, bevor man den Patienten Thyroxin geben darf? Aber bei Kombis aus Jod und Thyroxin ist das scheinbar für Sie kein Problem, oder?

...
 

Luft

Bayerisches Ärzteblatt 4/2005 TITELTHEMA, S. 236- 243
Schilddrüsendiagnostik und -therapie: Update 2005
Professor Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger
Labordiagnostik zum Abschluß bzw. Nachweis von Schilddrüsenfunktionsstörungen ausgehend vom Serum-TSH-Wert. Klinische Interpretation von Serum-TSH-Werten.

... Bei Serum-TSH-Werten >4 mU/l, orientiert an den bisher gültigen oberen Normwerten, ist von einer hypothyreoten Stoffwechsellage auszugehen. Die obere Grenze des Serum-TSH-Wertes ist aufgrund aktueller Daten niedriger – bei 2,5 mU/l anzusetzen und bereits ab hier eine Hypothyreose zu diagnostizieren. ....
Eine knotig veränderte Schilddrüse kann die Ursache zahlreicher Befindlichkeitsstörungen sein. Ein groß angelegtes Screening im Rahmen der Schilddrüseninitiative „Papillon“ an fast 100 000 Männern und Frauen in Deutschland ergab, dass die Prävalenz von pathologischen Schilddrüsenbefunden deutlich höher liegt als bisher vermutet und sich bei Männern und Frauen nicht signifikant unterscheidet. ....

https://de.wikipedia.org/wiki/TSH#Normwerte_im_Blutserum
Normwerte im Blutserum bei vorhandener Schilddrüse:

TSH: 0,3–2,5 mU/l
Der obere Referenzwert wurde 2003 überarbeitet, er war vorher bis 4,0 mU/l. Je nachdem, ob Beschwerden auftreten, kann eine Behandlung bei positiven TPO-Antikörpern und/oder sonografischen Zeichen für eine Hashimoto-Thyreoiditis bereits bei Werten > 1,6 mU/l erfolgen (Behandlungsversuch). Nach neueren Erkenntnissen geht man davon aus, dass ein TSH über 2 mU/l eher auf eine kranke als auf eine gesunde Schilddrüse hinweist .....
 
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regulat-pro-immune
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