D: Sparen für Behinderte verboten

James

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Auszug aus der Petition von Constantin Grosch

"Wie viel Geld darf ich sparen?"

Diese Frage werden sich wohl die wenigsten Menschen bisher gestellt haben. Warum auch?
Für Menschen mit Behinderungen ist das anders. Wer trotz Behinderung erfolgreich einer Arbeit nachgeht und gar beruflich Karriere machen möchte, hat in Deutschland dazu eigentlich keinen Grund. Die Anstrengungen, die eine höher qualifizierte Berufsausbildung und Erwerbsarbeit mit sich bringen, zahlen sich selbst dann nicht aus, wenn der Karriereerfolg sich tatsächlich einstellt.
In Deutschland werden voll berufstätige Menschen ohne eigenes Verschulden daran gehindert, zu sparen. Wir dürfen nicht mehr als 2.600 Euro auf dem Konto haben! Danach wird alles abkassiert.
Anlegen einer Altersvorsorge? Unmöglich.
Rücklagen für *Reparaturen, Ausfälle und Notfälle bilden? Nicht erlaubt.
Geld für einen Autokauf ansparen? Fehlanzeige.
Eine Erbschaft annehmen? Wozu?
Die große Liebe heiraten? Besser nicht.
Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung auf intensive Unterstützung durch persönliche Assistenz angewiesen sind, werden dadurch arm gehalten. Ein weitestgehend “normales” Leben und gesellschaftliche Teilhabe wird so unterbunden. Aber wie sieht das finanziell denn aus?
Da die Inanspruchnahme einer persönlichen Assistenz, ohne die die meisten Menschen mit Behinderung nicht (über-)leben könnten, unter die Sozialhilfe fällt, gelten für diese auch die entsprechenden Regelungen.
Behinderte zahlen die üblichen Steuern und Abgaben. Darüber hinaus zieht der Staat aber bis zu 40% des Einkommens zusätzlich ab. Sollte man trotzdem noch Geld sparen können, ist dies nicht gestattet. Mehr als 2.600 € darf ein Mensch mit Behinderungen, der auf intensive Hilfe angewiesen ist, nicht besitzen. Diese beiden Bestimmungen gelten auch für Ehepartner.

Weitere Infos und zur Unterzeichnung der Petition:
http://www.change.org/de/Petitionen...mmen-auch-für-menschen-mit-behinderungen-2600
 
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Hab das unterzeichnet, auch wenn die AGBs im Moment nur in Englisch zu lesen sind.

Für Leute, die noch beim Arbeitsamt (wie auch immer das gerade heißt in Deutschland) weiter "laufen", gelten ja seltsamerweise andere Sätze.
Z.B. 150 € Vermögen pro Lebensjahr, für fest angelegte Rentenversicherung nochmal ein anderer Satz, 750 € pro Lebensjahr, und es gibt einen Freibetrag für besondere Anschaffungen, 750 €.

Hartz IV Freibetrag für Anschaffungen

Wer also gar nicht mehr kann, soll scheinbar auch (fast) gar nichts mehr besitzen, wie Du es schilderst, James.

Ist das nun sozial, oder christlich? Oder christlich-sozial?

Ich denke auch, man müsste sich das mal sehr sozial-kritisch ansehen.


Herzliche Grüße

Gerd
 

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Danke für den Beitrag, mir war das Alles total neu.

VG
Mingus
 
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meine Tochter(24) GdB von 50 % seit der Kindheit -fällt ab Juli in Hartz IV....Sofern sie nach Bewerbungen zum Vorstellungsgespräch kommt- kommt ein paar Tage später ein liebes nein danke-wir haben uns für jemand Anderen entschieden :schock:
Traurig -wenn ich sehe, wie sie sich bemüht....
Bei der Arge (Reha-Abtlg.) kann auch keiner was machen, bzgl. Job...Ich frage mich sowieso, wozu es dort solche extra Abteilungen gibt.....

Sie hat erst mal keine Chance zum sparen ....:mad:.
 

James

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Hallo silberpfeil,

auch das ist ein Teil der traurigen Wirklichkeit, wo zwischen dem Anspruch und der Praxis Welten klaffen. Während man in der privaten Wirtschaft bei kleineren Betrieben noch ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen kann, fehlt mir dieses bei Großkonzernen, staatlichen Unternehmen und kommunalen Einrichtungen völlig. Nicht nur, dass (wenn man möchte) mit Sicherheit etliche Arbeitsplätze auch durch Menschen mit Behinderung besetzt werden könnten, zahlt man lieber Strafen um dieses zu umgehen. Dabei ist bekannt, dass sehr oft gerade Behinderte sehr wohl eine gleichwertige Leistung erbringen können und meist sogar einen höheren Einsatzwillen zeigen.
 

James

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Inzwischen haben über 33.000 Menschen die Petition unterschrieben. Das Ziel sind 50.000 Unterschriften.
Hilf bitte mit, damit eine Behinderung in Deutschland nicht weiter als Sozialfall sondern als Erkrankung angesehen wird.

"Der 20-jährige Jura-Student Constantin Grosch aus Hameln wehrt sich dagegen, dass er niemals mehr als 2.600,- Euro auf dem Konto haben darf. Constantin hat Muskeldystrophie. Das heißt, seine Muskeln werden immer schwächer. Während er als 11-jähriger noch auf dem Fußballplatz stehen konnte, ist er nun auf einen Rollstuhl angewiesen.

Constantins Erkrankung wird nach deutschem Recht nicht als gesundheitliche Einschränkung, sondern als Sozialfall eingestuft. Behinderte Menschen wie er werden behandelt wie Hartz IV-Empfänger. Das bedeutet konkret: Wenn er eines Tages als Jurist arbeitet, wird er niemals auf einen Urlaub oder eine eigene Wohnung sparen können.

Constantin möchte das ändern, helft Ihr ihm dabei?"

Zur Petition: http://chn.ge/14GsS1Z
 
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meine Tochter ist seit letzter Woche in der Psychosomatischen Klinik. Der Neurologe ist der Meinung, dass ihr dort geholfen werden kann- bzgl. Selbstwertgefühl u.s.w. stärken...
Sie ist nun erst mal Dauerkrank- und so nicht ins Hartz IV gerutscht...
Ich habe mich mit der Caritas in Verbindung gesetzt, sie bekommt nun von da eine Hilfe, was dieses ganze Anträge stellen u.s.w. betrifft...Ich bin z.Zt. damit auch sehr überlastet- . Und ich hoffe, dass die sich besser auskennen und bei Behörden und Ämtern mehr Druck ausüben können- wie pünktl. Zahlung von Krankengeld und Mietzuschuss....
Aber ob sie durch den Klinikaufenthalt auch danach eine Arbeit bekommt-die sie ausüben kann?? Für die Werkstätten ist sie "zu gut" - obwohl der psycholg. Test sehr schlecht ausgefallen ist.

Alles zum Verzweifeln ....
 

James

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Hallo silberpfeil,

das ist der richtige Weg! Da man in eine solche Situation immer völlig unvorbereitet kommt, Regeln und Wege nicht kennt sowie auch schnell Fehler begeht ist es immer besser professionelle Hilfe zu suchen und zu beanspruchen. Ob nun Caritas, AWO, Behindertenverband oder eine andere Einrichtung...das spielt keine große Rolle, wichtig ist nur, dass man so eine Begleitung findet. Ob als selbst Betroffener oder als Elternteil, man ist mit den Folgen einer Erkrankung schon genügend belastet...
 
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Man nehme auch mal folgenden Fall an: Jemand war sein ganzes Leben lang krank und wird aus irgend einem Grund gesund. Er wird wieder so leistungsfähig wie alle Anderen und möchte arbeiten oder sogar studieren. Selbst wenn er jetzt einen Doktortitel holt hat er es sehr schwer gleichwertig bezahlte Arbeit zu finden oder überhaupt Arbeit zu finden.
 

James

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Hallo Silberpfeil,

bist Du mit Hilfe der Caritas weiter gekommen oder gibt es noch Fragen?
 
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Hallo Silberpfeil,

bist Du mit Hilfe der Caritas weiter gekommen oder gibt es noch Fragen?
nein- der Antrag beim Stadthaus bzgl. Kostenübernahme für die Caritas wurde abgelehnt(schriftl. Bescheid kommt in den nächsten Tagen)- meine Tochter kann gut selber für sich sorgen...
Sie haben ihr aber weitere Möglichkeiten in der Ablehnung aufgeführt. Sie gehört nicht zu den" Menschen in besonderen Lebenslagen".... Mal sehen- vielleicht bringt ihr eine ambul. Psychotherapie oder Ergo weiter- will sie nun mit ihrer Hausärztin absprechen....
 

James

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Hallo Silberpfeil,

bitte nachschauen, ob bei der Ablehnung auf die Möglichkeit des Widerspruches hingewiesen wird! Falls der nämlich eingeräumt ist und Du unzufrieden mit der Feststellung bist, solltest Du in unbedingt wahrnehmen.

Leider stelle ich immer wieder fest, dass auch völlig begründete Anträge PAUSCHAL erst mal abgelehnt werden (um die Leute abzuschrecken und somit Kosten zu sparen). Falls dann noch mal eine Ablehnung kommt, ist man nämlich berechtigt kostenfrei eine Klage beim Sozialgericht einzureichen
 
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Hallo Silberpfeil,

bitte nachschauen, ob bei der Ablehnung auf die Möglichkeit des Widerspruches hingewiesen wird! Falls der nämlich eingeräumt ist und Du unzufrieden mit der Feststellung bist, solltest Du in unbedingt wahrnehmen.

Leider stelle ich immer wieder fest, dass auch völlig begründete Anträge PAUSCHAL erst mal abgelehnt werden (um die Leute abzuschrecken und somit Kosten zu sparen). Falls dann noch mal eine Ablehnung kommt, ist man nämlich berechtigt kostenfrei eine Klage beim Sozialgericht einzureichen
ja, der Bescheid erreichte nun meine Tochter....
Es wurde nun so dargelegt, dass "ich" meiner Tochter zu viel abgenommen habe, sie schon eher mehr machen lassen sollte...( na ja so unrecht haben sie ja auch nicht)... aber die (eine 25 Jährige Bearbeiterin) kann glaube ich gar nicht mit reden, wenn es um ein Kind geht , dass von Geburt an krank ist und sich schon als Kind nie richtig durchsetzen konnte- da hilft man als Eltern doch mehr- und vergisst auch schnell- wann damit eigentlich Schluss sein sollte- damit das Kind selbstbewusster und selbstsicherer durchs Leben gehen kann ...:traurigwink:
Im Endeffekt - sie ja auch schon bewiesen hat, dass sie auch selber Behördengänge machen kann.

Ich bzw. meine Tochter legen kein Einspruch ein - sie wird sich jetzt eine ambul. Psychologin suchen.

Das Einzige was mir pers. noch Sorgen bereitet- ist die Jobsuche.... das Jobcenter bietet nur Callcenters an- und in Eigenregie ist nichts zu finden- bzgl. Bürokraft...

LG
 

James

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Hallo Silberpfeil,

ist doch ganz natürlich, dass man als Elternteil ein krankes Kind viel stärker unterstützt. Ich drücke die Daumen, dass die Psychologin hilfreich arbeitet. Bei der Jobsuche braucht man wirklich Glück, so richtige Unterstützung vom Jobcenter ist kaum zu erwarten. Aber manchmal ergibt sich doch was ...
 
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Hallo Silberpfeil,

ist doch ganz natürlich, dass man als Elternteil ein krankes Kind viel stärker unterstützt. Ich drücke die Daumen, dass die Psychologin hilfreich arbeitet. Bei der Jobsuche braucht man wirklich Glück, so richtige Unterstützung vom Jobcenter ist kaum zu erwarten. Aber manchmal ergibt sich doch was ...
Hallo James,

danke für dein Verständnis - ich melde mich -sofern es was Neues gibt...

Gruß S.
 

James

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Zurück zum Thema...

Die Petition erbrachte bisher knapp 60.000 Unterschriften. Alle Unterstützer haben ein Dank und Informationen erhalten. Hier ein Auszug:

über 55.000 Unterschriften schon! Das gibt mir sehr viel Mut. Ihre Unterschrift hat dazu beigetragen, dass mittlerweile auch WDR und NDR über meine Petition berichten und die Politik aufmerksam wird. Am vergangenen Freitag habe ich mich mit der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt getroffen.
Ich war beeindruckt, wie gut sie sich auch in Detailfragen rund um die Belange behinderter Menschen auskennt. Wir haben eine Stunde lang gesprochen und ich freue mich, dass sie zusagte, die Kampagne zum Recht auf Sparen für Behinderte weiter zu verfolgen.

Einen Termin bei Frau von der Leyen habe ich leider noch nicht bekommen. Deswegen möchte ich jetzt 100.000 Unterschriften erreichen und verstärkt Druck ausüben. Wenn alle nur eine einzige Person aus ihrem Bekanntenkreis überzeugen, zu unterschreiben, dann schaffen wir das.
Vielen Dank, dass Sie mich unterstützen, die Gesetzeslücke zu schließen, wegen derer Menschen mit Behinderungen in Deutschland nicht sparen können.

Constantin Grosch"

Ich hoffe, dass wir dieses Ziel erreichen und den jungen Mann unterstützen!

Falls Du noch nicht unterzeichnet hast - hier noch mal der Link:
http://www.change.org/de/Petitionen...mmen-auch-für-menschen-mit-behinderungen-2600
 
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James

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Constantin Grosch hatte die Petition gestartet und ich habe von ihm eine erfreuliche Mail bekommen.

Es kann ein Teilerfolg gemeldet werden, im Sommer ist der nächste Schritt geplant.
Hier ein Auszug aus der Mail:

"letzte Woche haben wir es geschafft!

Wie ihr im RTL-Beitrag sehen könnt, habe ich wirklich die Gelegenheit bekommen mit Frau von der Leyen sprechen zu können.

Das wirklich Großartige an dem Treffen: Frau von der Leyen wusste wer ich bin, was unsere Forderungen sind und wo das Problem liegt. Das heißt: Wir haben es auf die Agenda einer der mächtigsten Frauen Deutschlands (zumindest nach Bundesetat) geschafft.

Nicht nur haben mittlerweile große Medien wie SPIEGEL Online, Welt, WDR und RTL berichtet und der Staatssekretär der Arbeitsministerin hat sich mit uns getroffen - die entscheidende Person hat uns auf dem Schirm.

Ich finde, das können wir als ersten riesigen Erfolg feiern! Leute, ich bin ein Student (der auch noch im Rollstuhl sitzt). Ohne Eure Power hätten wir das nicht geschafft. Ihr habt mir immer wieder Kraft gegeben.

Danke an Euch!"
 

James

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Hallo Silberpfeil,

es ist fast immer das gleiche Muster erkennbar. Man lehnt berechtigte Ansprüche ab. So kann man natürlich mit vor Stolz geschwellter Brust die tollsten Gesetze vorweisen und erstklassige Hilfen vorgaukeln ohne Aufwand dafür betreiben zu müssen. Man hofft, dass Betroffene entnervt aufgeben und kommt meist damit durch!
Wenn Du das Gefühl teilst, dann benötigst Du jetzt professionelle Hilfe. Es geht nicht anders. Sicher wird auch bei Euch in der Nähe eine Organisation sein, die auch kostenfrei Hilfe anbietet. Hier bei mir wäre es der Behindertenverband, die AWO und Caritas. Ich bin sicher, dass auch in Deiner Region Unterstützung zu bekommen ist. Wichtig ist: dranbleiben und nicht aufgeben!
 
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