Wie mit Demenzkranken umgehen?

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18.03.12
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Liebe Laurianna, ich bin in Gedanken viel bei euch/dir .đŸ€—

Voller Interesse habe ich gerade in diesem Demenzkompass gelesen und als Angehöriger ist er vielleicht eine kleine UnterstĂŒtzung.


Auch wie die Methode Validation beschrieben wird, das deckt sich voll mit meinem Erlebten und unbewusst habe ich sie oft bei meinem Vati angewendet und viel damit erreicht.

Ich drĂŒcke dich und schicke liebe GrĂŒĂŸe😘💞
 
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18.03.16
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Ihr Mann hat sie lange zuhause gepflegt, als er dann an Krebs erkrankt ist, ist es irgendwann nicht mehr gegangen...

Das ist das Problem, die Angehörigen altern bei der Pflege schneller als die dementen Patienten.

Ich habe beim Zivildienst in der Altenpflege auch mehrere demente Klienten gehabt, u. a. ein altes Ehepaar. Beim Nachtdienst war immer Geisterstunde und die schrĂ€gsten Dinge passierten. Der Mann, der kaum noch laufen konnte, stand z. B. auf einmal voll angekleidet mit dem Gehstock geschultert da und wollte zum Bahnhof marschieren - Befehl vom FĂŒhrer, allgemeine Mobilmachung. Den Bahnhof gab es da schon lange nicht mehr und den FĂŒhrer natĂŒrlich auch nicht. Einer von meinen Zivi-Kollegen hat nicht das nicht gepackt und psychische Probleme bekommen. Und der sehr nette und engagierte Vormund ist vor den beiden gestorben - Herzinfarkt.

Ich bin mit Freundlichkeit und Konsequenz ganz gut gefahren, aber diese Zeit werde ich nie vergessen.
 
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10.01.04
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Eigentlich ist das ja eine traurige Geschichte; trotzdem mußte ich jetzt lachen, MaxJoy :) .

Ich habe auch so eine Geschichte erlebt: Ein Dementer im Krankenhaus auf der Intensiv wollte stĂ€ndig aufstehen und erzĂ€hlte sehr ĂŒberzeugend, daß er gerade mit seiner SekretĂ€rin telefoniert hĂ€tte und ihr aufgetragen hĂ€tte, daß jetzt gleich ein Taxi kĂ€me, um ihn zum Flughafen zu bringen. Von dort wĂŒrde er dann nach Hause fliegen.

Es gab weder eine SekretÀrin (das war lange her), noch einen Flugplatz, noch ... Aber er lebt voll in dieser Vorstelllung .

GrĂŒsse,
Oregano
 
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18.03.12
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Hallo MaxJoy und Oregano,

wir wissen ja, dass Demenzkranke in ihrer eigenen Welt leben, in der viel passiert und was fĂŒr uns einfach nicht nachvollziehbar ist. Es verlangt von den pflegenden Angehörigen sehr viel ab. Ich kann an solchen Geschichten nichts Lustiges finden und hoffe nur, dass diese furchtbare Krankheit mir erspart bleibt und wenn nicht, ich dann auf verstĂ€ndnisvolle Menschen treffe.

Wenn ich daran denke, was mein Vati alles mit dieser Krankheit anstellte, könnte ich weinen und niemals wĂŒrde ich diese Geschichten hier zum Besten geben und auch nicht, was ich im Pflegeheim erlebte.

Ich finde es traurig....

Viele GrĂŒĂŸe von Wildaster
 
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18.03.16
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Hallo Wildaster,

ich wollte dich wirklich nicht verletzten oder traurig machen - das tut mir leid.

Andererseits muss man auch realistisch sehen, was da auf einen im Fall eines dementen Angehörigen zukommt, nÀmlich der totale Wahnsinn. Wer von Natur aus gute Nerven hat, wird damit vielleicht gut umgehen können, sensiblere Naturen gehen dabei ganz schnell selbst kaputt.

Meinem abschließendem Rat wird du vielleicht doch zustimmen können: Man darf auf keinen Fall Ärger oder Wut zeigen, sondern man muss ruhig, freundlich und konsequent bleiben, egal mit was fĂŒr Situationen man konfrontiert wird. Sonst eskaliert das Ganze nĂ€mlich sehr schnell.

Viele GrĂŒĂŸe! :)
 
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10.01.04
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Hallo Wildaster,

es tut mir leid, daß ich Dich traurig gemacht habe. Das lag ĂŒberhaupt nicht in meiner Absicht.
Ich fand es nur in dem Moment wirklich komisch, wie der einstige Mensch im Bewußtsein seiner Möglichkeiten von einst auch in der Demenz phantasierte. Das zeigt doch, daß die Demenz zwar viele Eigenschaften und FĂ€higkeiten des Erkrankten zerstört und verĂ€ndert, daß aber trotzdem ein Teil der alten Persönlichkeit immer noch da ist.
Mich hat das eher erfreut als traurig gemacht.

GrĂŒsse,
Oregano
 
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17.03.16
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Es verlangt von den pflegenden Angehörigen sehr viel ab.
Vor allem sollte eine sorgfĂ€ltige Schulung der Pflegenden erfolgen, ob privat oder professionell. Meine Tochter wurde zu ihrem Beruf (Professorin fĂŒr Psychologie, Schwerpunkt Gerontologie) animiert, als sie als SchĂŒlerin Ferienarbeit in Altenheimen machte. Ein Beispiel: Eine Diabetikerin weigerte sich, einen Apfel zu essen, obwohl ihr Insulin gespritzt worden war. ZwangsernĂ€hrung wĂ€re eine Option gewesen, die fĂŒr die Zukunft das Problem noch verstĂ€rkt hĂ€tte. Die Pflegerin ging hinaus, kam kurz darauf wieder mit dem Apfel und einem Fruchtjoghurt und fragte: Na, was wollen Sie denn heute essen, einen Apfel oder ein Joghurt. Die Dame wĂ€hlte das Joghurt, und der Fall war gelöst.
Vielleicht hÀtte der Veteran, der zum Bahnhof wollte, sich zufrieden gegeben, hÀtte man ihm gesagt, dass die Mobilmachung soeben abgeblasen worden sei.
 
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18.03.12
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Jetzt muss ich lÀcheln, denn ihr hÀttet auch sauer auf mich sein können.
Ich reagiere oft bei solchen Themen ĂŒber, weil sie mir so ans Herz gehen und ich dabei einige liebe Gesichter vor Augen habe.

Meinem abschließendem Rat wird du vielleicht doch zustimmen können: Man darf auf keinen Fall Ärger oder Wut zeigen, sondern man muss ruhig, freundlich und konsequent bleiben, egal mit was fĂŒr Situationen man konfrontiert wird. Sonst eskaliert das Ganze nĂ€mlich sehr schnell.
Das kann ich nur dick unterstreichen, aber leider hat man nicht immer starke Nerven, gerade dann, wenn man die Pflege ĂŒbernommen hat.

Das zeigt doch, daß die Demenz zwar viele Eigenschaften und FĂ€higkeiten des Erkrankten zerstört und verĂ€ndert, daß aber trotzdem ein Teil der alen Persönlichkeit immer noch da ist

Das ist ja eben das, was so nahe geht, Oregano.

Liebe GrĂŒĂŸe von Wildaster:)
 
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18.03.16
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Vielleicht hÀtte der Veteran, der zum Bahnhof wollte, sich zufrieden gegeben, hÀtte man ihm gesagt, dass die Mobilmachung soeben abgeblasen worden sei.

Ich wusste damals, dass der alte Herr seinen Plan sowieso schon nach kurzer Zeit wieder vergessen haben wĂŒrde und konnte ihn ĂŒberreden, nicht mitten in der Nacht, wo der Bahnhof sowieso nicht auf hat, loszumarschieren, sondern damit bis zum Morgen zu warten.

Man muss sich also auf die Gedanken- und GefĂŒhlswelt einlassen und hat dann eine Chance, die Situation noch mal gerade zu biegen. Da sind Phantasie und schauspielerisches Talent gefordert.
 
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28.01.20
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Man muss sich also auf die Gedanken- und GefĂŒhlswelt einlassen und hat dann eine Chance, die Situation noch mal gerade zu biegen. Da sind Phantasie und schauspielerisches Talent gefordert.
Genau das ist das "GewĂŒrz das abrundet".
Mein Vater z.B. hatte diese Demenz-anwandlungen ĂŒberwiegend Nachts. Er wollte auch nachts raus. Zum Schluss brachte ich ein Zusatzschloss an der HaustĂŒr an, und von da an kam er "unbemerkt" nicht mehr heraus.

In anderen NĂ€chten schrie er nach mir, zeigte an die Decke und sagte:" schau mal da... da will einer durch die Decke kommen, was will denn der, kennst du den"?
Ich beruhigte mit den Worten... ne ich kenn den Dof nicht, aaaber... wenn der da runter fÀllt, bricht er sich alle Knochen, lass ihn doch einfach weiterkrakseln.
Sofort schwenkte mein Paps um und lachte... "ja, da haste recht, der bricht sich alle Knochen".
Papa legte sich wieder hin, und schlief auch wieder ein.
Diskussionen durfte ich bei meinem Papa nie ab.- oder unterbrechen, dann wurde er wĂŒtend, weil er sich dann nicht ernst genommen fĂŒhlte. Das diskutierte Thema habe ich immer Papa beenden lassen.

Man darf demenzkranke Menschen nie kritisieren oder ungeduldig werden. Ungeduld des Pflegenden spĂŒren die Kranken sofort und reagieren dadurch ĂŒber, oder sogar extrem Ă€ngstlich oder aggressiv.

Die familiĂ€re NĂ€he und die Menschen "Zuhause" sind m.M.n. das Allerwichtigste fĂŒr alte Menschen, genau so wie fĂŒr SĂ€uglinge und Kinder. Ob nun gesund oder krank, spielt fĂŒr mich persönlich dabei ĂŒberhaupt keine Rolle.

Ich akzeptiere jedoch, dass andere Angehörige eine solche Verantwortung, aus den verschiedensten GrĂŒnder nicht ĂŒbernehmen können. Und werde auch tunlichst vermeiden, ĂŒber diese Angehörige zu urteilen. Denn nicht jeder Andere besitzt die Kraft, die ich besass.

Liebe GrĂŒsse
zausel
 
Themenstarter
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05.04.08
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Ich akzeptiere jedoch, dass andere Angehörige eine solche Verantwortung, aus den verschiedensten GrĂŒnder nicht ĂŒbernehmen können. Und werde auch tunlichst vermeiden, ĂŒber diese Angehörige zu urteilen. Denn nicht jeder Andere besitzt die Kraft, die ich besass
Ich habe selbst auch im Pflegeheim ein soziales Jahr nach dem Schulabschluss gemacht und dann immer wieder Mal dort ausgeholfen. Wir hatten schwergewichtige bettlÀgerige Demenzkranke und diese konnten wir nur zu zweit und nur mit Hilfe einer Apparatur in die Badewanne rein- und raushieven. Alleine mit noch soviel Kraft unmöglich zu bewerkstelligen.

Ich denke, dass manche gerne ihre Angehörigen Zuhause pflegen wollen und auch als Einzelner genug Kraft hĂ€tten, aber dass es einfach eben manchmal solche unĂŒberwindbaren Grenzen gibt (ergĂ€nzend angemerkt)
 
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18.03.12
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Genau das ist das "GewĂŒrz das abrundet".
Liebe Zausel, ja so ist es und darum ist fĂŒr mich das stĂ€rkste GewĂŒrz, bei den Entscheidungen die wir fĂŒr unsere Angehörigen oft treffen mĂŒssen - die Liebe.

So innerlich gestÀrkt lÀsst sich alles leichter ertragen, damit meine ich unsere erkrankten Lieben.

Ich hatte es schon einmal geschrieben und dann wieder gelöscht, meine Kinder wissen, wenn ihre Mutti nicht mehr selbstĂ€ndig wohnen kann, dann geht sie freiwillig in eine Einrichtung und wenn ich nicht mehr selbst entscheiden kann, dann tun sie es fĂŒr mich.
Aus den vielen jahrelangen Erfahrungen heraus ist dieser Entschluss tief in mir verwurzelt und auch die Zuversicht, dass ich, egal wo ich meinen Lebensabend verbringen werde, nicht vergessen werde.

Diese innerliche Kraft entwickelte sich in einem Zeitraum von ĂŒber 20 Jahren in dem ich intensiv fĂŒr meine Familie da war.

Ich wĂŒnsche jedem von Euch von ganzem Herzen, der kranke Angehörigen in der Familie hat, viel Kraft, UnterstĂŒtzung, Zusammenhalt und so vieles mehr, was solche intensiven und schweren Zeiten etwas leichter machen.🍀🍀🍀

Liebe GrĂŒĂŸe von Wildaster
 
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